Königs Erläuterungen: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten von Erich Kästner. - Erich Kästner - ebook

Königs Erläuterungen: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten von Erich Kästner. ebook

Erich Kastner, kästner erich

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Opis

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MOBI

Liczba stron: 138




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 499

Textanalyse und Interpretation zu

Erich Kästner

FABIAN

Die Geschichte eines Moralisten

Von Yomb May

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten. München: dtv, ungekürzte Ausgabe 1989 (29. Aufl. 2013).  Über den Autor dieser Erläuterung: Dr. Yomb May, Studium der Germanistik und Geschichte an den Universitäten Aachen und Düsseldorf. Promotion 1998, Habilitation 2008. Zahlreiche Publikationen zur Didaktik der deutschen Sprache und Literatur und zur Neueren deutschen Literaturwissenschaft. Lehrtätigkeit an der Universität Bayreuth.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst.   Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2015

ISBN: 978-3-8044-7020-0

© 2015 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Szene aus der Inszenierung „Fabian“ am Altonaer Theater Hamburg 2001/2002 © ullstein bild – Moenkebild

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Erich Kästner: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Die Weltwirtschaftskrise

Zunehmender Zerfall der Weimarer Republik

Machtübernahme durch die NSDAP (1933)

Exil und innere Emigration

Die Literaturströmung der „Neuen Sachlichkeit“

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Dr. Jakob Fabian

Dr. Stephan Labude

Irene Moll

Cornelia Battenberg

Fabians Mutter

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Erzähltechnik

Einfache Sprache

Züge journalistischen Stils

Filmische Techniken

Satirische Aspekte und Großstadtmotiv

3.7 Interpretationsansätze

Biografische Zusammenhänge

Fabian als ein Roman der Neuen Sachlichkeit

Fabians Tod als das Scheitern eines Moralisten

Fabian und die Frauen: der Geschlechterdiskurs

Moral und Unmoral

Fabian und die Politik

Aktualität des Romans

4. Rezeptionsgeschichte

Die Verfilmung

Fabian – ein Roman auf der Bühne

Die Originalfassung

5. Materialien

Berlin in Zahlen

Sachliche Romanze

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 ***

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Weitere Primärliteratur

Übergreifende Darstellungen

Zu Fabian. Die Geschichte eines Moralisten

Verfilmung

Internetseiten (alle Stand: November 2014)

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Erich Kästners Leben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Romans Fabian dar.

Erich Kästner lebte von 1899 bis 1974. Sein Lebensweg führte ihn von Dresden über Leipzig und Berlin nach München.

Prägend für ihn waren die Auflösung der Weimarer Republik und die Machtergreifung der Nationalsozialisten sowie die Erfahrung von zwei Weltkriegen.

Kästner gilt als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“, einer Literaturströmung der Zwischenkriegszeit.

Fabian. Die Geschichte eines Moralisten, Kästners Erwachsenen-Roman, erschien 1931. Zuvor war Kästner durch seine Gedichte und Kinderbücher berühmt geworden.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Fabian – Entstehung und Quellen:

1930 hat Kästner den Roman entworfen. Etwa zehn Monate lang dauerte die Arbeit an dem Manuskript.

1931 (Juli): Kästner gibt das Manuskript bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart ab.

1931 (Oktober): Der 24 Kapitel umfassende Roman erscheint unter dem Titel Fabian. Die Geschichte eines Moralisten.

Inhalt:

Der promovierte Germanist Jakob Fabian hat einen Job als Werbetexter in der Reklameabteilung eines Zigarettenkonzerns und streift mit seinem Freund Labude ziellos durch Berlin. Dabei lernt er die Juristin Cornelia Battenberg kennen, die zufällig in derselben Pension wohnt, und verliebt sich in sie. Kurz darauf verliert er zuerst seinen Job, dann verlässt ihn Cornelia für einen reichen Filmproduzenten. Sie träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Wenig später nimmt sich Fabians Freund Labude das Leben, als ihm ein neidischer Kollege einredet, dass seine Habilitationsschrift abgelehnt worden wäre. Resigniert kehrt Fabian in seine Heimatstadt Dresden zurück, wo seine Mutter lebt. Eine rechtsgerichtete Zeitung macht ihm ein Stellenangebot, das er jedoch ablehnt. Bei einem Spaziergang beobachtet er, wie ein kleiner Junge von einer Brücke in den Fluss stürzt. Fabian springt ihm hinterher, um ihn zu retten. Während sich der Junge von selbst retten kann, ertrinkt Fabian, weil er nicht schwimmen kann.

Chronologie und Schauplätze:

Die Handlung spielt 1930/31. Hauptschauplätze sind Berlin (Kapitel 1–20) und Dresden (Kapitel 21–24).

Aufbau:

Der Roman umfasst 24 Kapitel. Diese geben in zahlreichen Episoden unterschiedlicher Länge die Beobachtungen und Erlebnisse des Protagonisten Dr. Jakob Fabian wieder.

Personen:

Die Hauptpersonen sind:

Jakob Fabian:

promovierter Germanist, 32 Jahre alt,

findet keine Arbeit, die seiner Qualifikation entspricht,

beobachtet das Leben aus der Perspektive eines Moralisten,

stirbt, als er einen Jungen vor dem Ertrinken retten will.

Stephan Labude:

ehrgeiziger Germanist, will sich habilitieren,

ist mit Fabian befreundet,

politisch interessiert und aktiv, Linksintellektueller,

nimmt sich das Leben, weil er (irrtümlich) glaubt, seine Habilitationsschrift wäre abgelehnt worden.

Irene Moll:

Nymphomanin,

holt sich ihre Liebhaber aus einem Klub, benötigt jedoch die Einwilligung ihres Ehemannes,

scheitert beim Versuch, Fabian zu ihrem Geliebten zu machen,

betreibt kurzzeitig ein Männerbordell.

Cornelia Battenberg:

Juristin,

karriereorientiert,

verliebt sich in Fabian, verlässt ihn aber kurze Zeit später.

Fabians Mutter:

fürsorglich,

hat ein enges Verhältnis zu ihrem Sohn,

verständnisvoll.

Stil und Sprache:

Der Roman Fabian weist in sprachlicher und stilistischer Hinsicht wesentliche Merkmale der „Neuen Sachlichkeit“ auf. Besonders auffällig dabei sind:

Erzähltechnik,

einfache Sprache,

filmische Techniken,

Züge journalistischen Stils,

Satire und Ironie.

Verschiedene Interpretationsansätze bieten sich an:

In seinem Roman Fabian stellt Kästner am Beispiel der Erfahrungen des Protagonisten die gesellschaftliche und politische Situation in der Endzeit der Weimarer Republik kritisch dar. Das Potenzial, das dieser Roman für verschiedene Interpretationsansätze in sich birgt, macht ihn zu einem ergiebigen Gegenstand zahlreicher Fragestellungen. Im Folgenden wollen wir einige davon klären, und zwar:

biografische Zusammenhänge

Fabian als ein Roman der Neuen Sachlichkeit

Fabians Tod als das Scheitern eines Moralisten

Fabian und die Frauen: der Geschlechterdiskurs

Fabian und die Politik

Aktualität des Romans Fabian

2.Erich Kästner: Leben und Werk

Erich Kästner (1899–1974) © ullstein bild – UMBO

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1899

Dresden

Geburt am 23. Februar als Sohn von Emil Richard Kästner und Ida Kästner

1906–1913

Dresden

Kästner besucht die Volksschule in Dresden.

7–14

1913

Dresden

Kästner tritt ins Freiherrlich von Fletschersche Lehrer-Seminar ein.

14

1917

Kästner wird zum Militärdienst einberufen (Fußartillerie), muss aber nicht mehr an die Front (Herzneurose).

18

1919

Dresden

Kästner besucht das Dresdner König-Georg-Gymnasium und holt das Abitur nach.

20

Leipzig

Kästner studiert ab 1919 Germanistik, Philosophie Geschichte und Theaterwissenschaft.

1923

Leipzig

Kästner veröffentlicht erste Feuilletons und Gedichte in Zeitungen und Zeitschriften.

24

1924

Leipzig

Kästner wird Feuilleton-Redakteur der „Neuen Leipziger Zeitung“.

25

1925

Leipzig

Promotion zum Dr. Phil. mit der Arbeit Friedrich der Große und die deutsche Literatur. Die Erwiderung auf seine Schrift ‚De la littérature allemande‘.

26

1926

Italien/Schweiz

Erste Auslandsreise, zusammen mit seiner Mutter

27

1927

Leipzig

Kästner wird als Redakteur wegen einer satirischen Kritik entlassen.

28

Berlin

Kästner siedelt nach Berlin über und arbeitet als Theaterkritiker und freier Mitarbeiter für Zeitungen und Zeitschriften, u. a. für „Die Weltbühne“, „Tagebuch“, „Vossische Zeitung“.

28

1928–1929

Erste Buchpublikationen: Herz auf Taille (Gedichtband, 1928), Lärm im Spiegel (Gedichtband, 1929), Emil und die Detektive (Kinderbuch, 1929).

28–29

1931

Der Roman Fabian und zwei weitere Kinderbücher (Pünktchen und Anton und Der35. Mai) erscheinen. Kästner wird in den PEN-Club gewählt.

32

1933

Berlin

Die Bücher missliebiger Autoren, darunter die Kästners, werden von den Nazis verbrannt. Kästner erhält Publikationsverbot, kann aber zumindest noch unter Pseudonym veröffentlichen. Seine Bücher erscheinen nur noch im Ausland (außer dem Jugendroman Das fliegende Klassenzimmer).

34

1934

Berlin

Der Unterhaltungsroman Drei Männer im Schnee erscheint im Zürcher Rascher-Verlag. Kästner wird zum ersten Mal durch die Gestapo verhaftet und wenig später wieder freigelassen.

35

1936

Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke (Gedichte) erscheint.

37

1943

Berlin

Kästner wird endgültig jegliche schriftstellerische Betätigung verboten.

44

1944

Berlin

Zerstörung von Kästners Berliner Wohnung bei einem Luftangriff der Alliierten

45

1945

Mayrhofen/Tirol

Kästner erlebt das Kriegsende mit einem UFA-Filmteam.

46

München

Feuilletonleiter der von der US-Besatzung herausgegebenen „Neuen Zeitung“

1947

Zürich

Erste Auslandsreise nach dem Krieg zum Internationalen PEN-Kongress

48

München

Aufgabe des Postens als Feuilletonleiter bei der „Neuen Zeitung“

1949

Die Konferenz der Tiere und Das doppelte Lottchen erscheinen.

50

1951

München

Kästner wird Vorsitzender des (west-) deutschen P.E.N.-Zentrums (bis 1962). Mitbegründer des Münchner Kabaretts „Die kleine Freiheit“ Tod von Kästners Mutter in Dresden

52

1956

Kästner erhält den Georg-Büchner-Preis.

57

1958

München

Kästner engagiert sich gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr.

59

1959

Die Gesammelten Schriften erscheinen. Kästner erhält das Große Bundesverdienstkreuz.

60

1970

München

Verleihung des Kulturellen Ehrenpreises der Stadt München

71

1974

München

Tod Erich Kästners am 29. Juli in München

75

1975

Gründung der Erich-Kästner Gesellschaft

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Kästners Roman entstand in der Spätphase der Weimarer Republik. In diesen Jahren und nach 1933 war wichtig:

Weltwirtschaftskrise (1929) und ihre Folgen (Massenarbeitslosigkeit, soziale Not, Kriminalität)

politische Krise, zunehmende Radikalisierung

Aufstieg einer modernen Massenkultur

Aufstieg und Machtübernahme (1933) durch die NSDAP

Kästner hatte vor 1933 mehrmals vor den Nazis gewarnt und überlebte die NS-Jahre in Deutschland als „innerer Emigrant“ (mit Schreibverbot).

Kästners Werke, darunter Fabian, gehörten zu jenen Büchern, die am 10. Mai 1933 von den Nazis verbrannt wurden (Bücherverbrennung).

Literaturgeschichtlich ist Fabian der „Neuen Sachlichkeit“ zuzurechnen. Kennzeichen dafür sind:

Beobachtung von Gegenwart und (Großstadt-)Alltag

deskriptive, sachliche und weitgehend objektive Schilderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit

leichte, verständliche Sprache

Kästners Fabian ist ein sogenannter Zeitroman.

Die Weltwirtschaftskrise

Der Roman Fabian ist in der Spätphase der Weimarer Republik entstanden. Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 beendete eine Phase der relativen Stabilisierung der Weimarer Republik, die von 1918 bis 1933 existierte. Die sich verschärfenden ökonomischen, politischen und sozialen Probleme beschleunigten den Zerstörungsprozess der jungen Demokratie. Der plötzliche Abzug von Auslandskrediten beeinträchtigte Deutschlands Zahlungsfähigkeit. Darauf folgte der Produktionseinbruch. Das hatte verschiedene Auswirkungen.

Es kam zu einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit. Lag die Arbeitslosenzahl bei 1,3 Millionen im September 1929, so wurden 4,3 Millionen Arbeitslose im September 1931 registriert. Anfang 1933 lag die Arbeitslosigkeit bereits bei sechs Millionen. Verschärft wurde diese Situation durch die drastische Abnahme der Kaufkraft, da Beschäftigte Lohnkürzungen hinnehmen mussten und die Verbrauchssteuern angehoben wurden.

Folgerichtig verschlechterte sich auch die soziale Lage zunehmend. Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit fruchteten nicht, im Gegenteil ließen sie die Not der Menschen weiter wachsen, so z. B. durch die Kürzung der Arbeitslosenunterstützung in Höhe und Dauer sowie durch die Verschärfung der Bedingungen für den Leistungsbezug. Viele Menschen wurden deshalb auf die Sozialhilfe verwiesen (deren Leistungen allerdings ebenfalls gekürzt wurden). Am härtesten betroffen waren die Großstädte, allen voran Berlin. Dort beherrschten die Inflation und Kriminalität den Alltag.

Zunehmender Zerfall der Weimarer Republik

Die Massenarbeitslosigkeit und die dadurch hervorgerufene soziale Not waren nicht die einzigen Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik. Entscheidend war, dass Wirtschaftskrise und politische Krise Hand in Hand gingen. Davon profitierte am meisten die NSDAP Adolf Hitlers. Sie hatte sich eine antiliberale, antisemitische, antimarxistische und antidemokratische Propaganda auf die Fahne geschrieben – mit Erfolg. Die verängstigten Mittelständler, Angestellten und Beamten suchten Zuflucht bei der NSDAP, die in kurzer Zeit von einer Splitterpartei zu einer Massenbewegung anwuchs. Die Wahlerfolge der NSDAP legen davon Zeugnis ab. Lag die NSDAP bei den Parlamentswahlen 1928 bei nur 2,6 % der Stimmen, so erreichte sie bei der Septemberwahl 1930 schon 18,2 %. Seit den Reichstagswahlen im September 1930, in denen die NSDAP nach der SPD zur zweitstärksten Kraft wurde, wurde die Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und Nazis auch auf der Straße ausgetragen. Aufgrund der unklaren politischen Verhältnisse konnte sich der Nationalsozialismus fast unbemerkt ausbreiten, zumal die demokratische Weimarer Republik nur geringen Rückhalt in der Bevölkerung hatte. Gleichzeitig verschärfte der zunehmende Einfluss extremistischer Parteien die politische Krise. Die letzten Regierungen der Weimarer Republik kamen nicht mehr aus der Parlamentsmehrheit zustande, sondern wurden vom Reichspräsidenten eingesetzt und mit Notverordnungen ausgestattet.

Die politische und wirtschaftliche Krise wirkte sich auch auf das kulturelle Leben aus. Die Auflösung tradierter bürgerlicher Tugenden und Moralvorstellungen fand ihren Ausdruck in der sich ausbreitenden Prostitution. Aber auch das Verhältnis der Geschlechter änderte sich mit der zunehmenden Emanzipation der Frauen grundlegend. Angesichts dieser Umwälzungen verlor der bürgerliche Mittelstand seine traditionelle Funktion als Kulturträger. Es kam zu zahlreichen Theaterschließungen, viele Schauspieler wurden arbeitslos. Zudem veränderten sich durch das Aufkommen der Massenkultur die traditionellen Werte.

Erich Kästner, als Journalist mit dem kulturellen Leben in Deutschland bestens vertraut, warnte in vielen seiner Gedichte vor den Nazis, so 1932 in Marschliedchen[1]:

„Ihr und die Dummheit zieht in Vierrereihen in die Kasernen der Vergangenheit. Glaubt nicht, dass wir uns wundern, wenn ihr schreit. Denn was ihr denkt und tut, das ist zum Schreien.“[2]

Noch Anfang der 1930er Jahre hoffte er wie viele, dass Hitler es nicht an die Macht schaffen würde. So schrieb er am 14. März 1932, als Paul von Hindenburg die Wahl zum Reichspräsidenten im ersten Durchgang nur knapp verfehlte, an seine Mutter: „Zur zweiten Wahl wird er [Hindenburg, Y. M.] glatt gewinnen. Du brauchst Dich also wegen des väterlichen Pfefferkuchens nicht zu sorgen. Die Nazis können ihm nichts tun.“[3] Diese Einschätzung sollte sich jedoch wenig später als Trugschluss erweisen.

Machtübernahme durch die NSDAP (1933)

Der Zeitpunkt der Machtübernahme durch die NSDAP ist teilweise dem Zufall der Geschichte zuzurechnen. In der bloßen Hoffnung, die NSDAP allein durch die Übertragung der politischen Verantwortung zu entzaubern, ernannte der greise Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler – eine folgenschwere Entscheidung, die die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten erst möglich machte. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler besiegelte das Ende der Weimarer Republik. Vorbei war auch die Zeit unklarer politischer Verhältnisse. Bereits am 23. März 1933 vollzog Hitler mit Hilfe des Ermächtigungsgesetzes vor dem schon paralysierten Parlament die Abschaffung der Demokratie. Der NS-Diktatur stand danach nichts mehr im Weg.

Exil und innere Emigration

Mit Hitlers „Machtergreifung“ änderte sich nicht nur das politische Leben in Deutschland. Auch die Situation zahlreicher Schriftsteller und Intellektueller änderte sich dramatisch. Autoren, deren Schriften nicht in das Weltbild der Nazis passten, mussten um ihr Leben bangen. Sie wurden verfolgt und verhaftet, denn in dem Regime galten ihre Bücher als Ausdruck eines liberal-marxistischen Kulturverfalls. Viele Autoren von Rang, darunter Bertolt Brecht, Edith Jacobsohn und Heinrich Mann – um nur einige Beispiele zu nennen –, gingen ins Exil. Die Nationalsozialisten setzten ihre Kulturpolitik der Gleichschaltung schnell um. Schon am 10. Mai 1933 hieß es bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz u. a.:

„Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.“[4]

Ungeachtet der Gefahr wohnten Kästner und Ernst Glaeser dieser traurigen Zeremonie persönlich bei. Zum Glück blieben sie unerkannt. Kästners Gedichtbände und seine Kinderbücher, die ihn berühmt gemacht hatten, gingen ebenso in Flammen auf wie zahlreiche Bücher anderer Autoren, die den Nazis nicht ins Konzept passten.