Kasse knacken - Klaus Möckel - ebook

Kasse knacken ebook

Klaus Möckel

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Opis

Die zehnjährige Lia ist verzweifelt. Sie und ihre Freunde sind bei der Verfolgung von Umweltverschmutzern an eine gefährliche Diebesbande geraten, aber nur sie weiß, dass ihr älterer Bruder dazugehört. Wie soll sie sich entscheiden? Soll sie den anderen davon erzählen, ihre Mutter einweihen oder womöglich gar zur Polizei gehen? Markus würde verhaftet und eingesperrt werden. Doch wenn sie nichts tut, gerät er bestimmt endgültig auf die schiefe Bahn. Lia zögert lange. Als sie endlich einen Entschluss fasst, ist es fast zu spät. Markus und sie sitzen in der Falle. Doch zum Glück gibt es die Freunde, die sie in der Not nicht allein lassen. Eine packende Geschichte aus dem Berlin der neunziger Jahre, in der Rowohlt-Rotfuchs-Reihe erschienen, aber inzwischen vergriffen.

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Impressum

Klaus Möckel

Kasse knacken

Krimi für Kinder, Eltern und Großeltern

ISBN 978-3-86394-467-4 (E-Book)

Die Druckausgabe erschien 1993 im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek.

Die kriminellen Sprüche wurden dem Buch "Wer zu Mörders essen geht..." von Klaus Möckel, erschienen 1993 bei Frieling & Partner GmbH Berlin, entnommen.

Gestaltung des Titelbildes: Ernst Franta

© 2012 EDITION digital®Pekrul & Sohn GbR Alte Dorfstraße 2 b 19065 Godern Tel.: 03860-505 788 E-Mail: [email protected] Internet: http://www.ddrautoren.de

1. Kapitel

In Sprüngen die Treppe vom vierten Stock zum Erdgeschoss hinunter, um den Häuserblock herum und durch die Schrebergarten zur «Esplanade». So heißt die Straße, die von der «Berliner» an den ehemaligen Botschaftsgebäuden vorbei zum S-Bahn-Damm führt. Dort war vor ein paar Jahren noch alles abgesperrt, stand die Mauer, erhoben sich mitten in Berlin Wachtürme. Die Posten guckten von oben, beobachteten misstrauisch jeden, der näher kam. Heute dagegen ist hier ein Streifen Ödland, zwischen störrischem Gras liegen letzte Betonteile, Stücke von zerbrochenen Platten und Masten. Auch allerlei Gerümpel hat sich inzwischen angesammelt. Lia kennt das alles, Lia, in ihrem graublauen Jogginganzug, den weißen Turnschuhen, die sie so liebt, und mit der eingerollten Hundeleine in der Hand, rennt daran vorbei, den Pfad zwischen Bahndamm und Garagen entlang. Frei, denkt sie, frei, für sechs Wochen gibt es keine Schule mehr.

Gonni, die Promenadenmischung, scheint das auch zu begreifen. Mit seinem schwarzen, zotteligen Fell, der weichen Schnauze und den lustigen Knopfaugen sieht er aus wie ein Spielzeughund, aber er ist tapfer und kann zupacken, wenn es Not tut. Lia hat das erst kürzlich wieder festgestellt, als er einen Setter in die Flucht jagte, der ihm an die Wolle wollte. Dabei tat der andere wunder wie gefährlich. Heute aber ist Gonni voller Übermut. Mal springt er an dem Mädchen hoch, mal saust er voraus, um nach zehn, zwanzig Metern jäh haltzumachen und genauso ungestüm zurückzukehren.

Lia hat nichts gegen die Schule, sie kann mit ihren Zensuren im Großen und Ganzen zufrieden sein. Aber das Durcheinander in der letzten Zeit, der ständige Lehrerwechsel haben ihr gereicht. Vor allem mit Herrn Zeller, der seit Jahresbeginn Unterricht bei ihnen gibt, Geographie und Geschichte, kommt sie nicht zurecht. Er verkündet die einfachsten Dinge, als seien sie unerhörte Weisheiten, und erklärt die schwierigen so umständlich, dass man sie nicht versteht. Erst Anfang der Woche hat Lia bei ihm mündlich eine Fünf gebaut. Dabei hatte sie die Fragen in seiner Art beantwortet und, wie sie glaubt, meist richtig. Aber weil sie's war, fand er das plötzlich nicht mehr gut. Vielleicht dachte er auch - übrigens nicht ganz zu Unrecht -, sie wollte sich ein bisschen über ihn lustig machen, indem sie ihn nachahmte.

Mit Herrn Zeller hat Lia jedenfalls nun erst mal nichts mehr zu schaffen, und das beflügelt sie ungeheuer. Oben in der Wohnung hat sie sich deshalb auch nicht lange aufgehalten, Gonni saß schon erwartungsvoll an der Tür. Sie stopfte die Taschen mit den Büchern und Heften, dazwischen sogar ein angebissenes Pausenbrot, einfach in den Schrank, hinter die alten Pullover und Jeans. Weg, bloß weg damit. Hätte die Mutter das gesehen, wäre sie bestimmt ausgerastet.

Doch die Mutter war nicht da, sie kommt erst gegen Abend nach Hause und ist dann viel zu abgeschlafft, um sich noch ausführlich mit ihrer Tochter zu unterhalten. Sie wird beim Abendbrot ein paar oberflächliche Fragen stellen, den Hund streicheln, vielleicht einen Knopf annähen, eine Stunde vor dem Fernseher sitzen und dann schlafengehn. Seit sie nach einem Jahr Arbeitslosigkeit den neuen Job gefunden hat, ist das die Regel. «Da müssen wir jetzt durch», sagt sie, «die behalten mich nur, wenn ich voll einsteige und ihnen zeige, was ein Ossi kann.» Das sieht Lia natürlich ein.

Dennoch, dass sie neuerdings zu Hause tun und lassen kann, was sie will, ist die eine Sache, dass sie keinen mehr so richtig zum Reden hat, eine ganz andere. Die Mutter steckt den Tag über in diesem Zeichenbüro in Dahlem und Markus, der Bruder, bei seinen Leuten. Früher, vor ein oder zwei Jahren, hat er noch rumgesponnen, dass er immer für sie da sein wird, auch in Zukunft. «Nicht nur, wenn du Hilfe brauchst, sondern überhaupt, ich werde dir Papa ersetzen.» Papa, na ja, an den erinnert sich Lia sowieso kaum noch. Er ist schon zu lange weg, sechs oder sieben Jahre, und hat sich nie um sie gekümmert. Markus dagegen, mit seinen unten abgeschnippelten Jeans, den von Mutter gebatikten Hemden und dem unvermeidlichen gelben Rucksack auf dem Rücken, war stets da. Er hat sie überall mit hingeschleppt. «Das ist meine kleine Schwester, die gehört dazu.»

Ja, Markus war stolz auf sie, er hat sich wegen Lia geprügelt und wurde von den anderen Jungen der «kleine Vati» genannt, was ihn mächtig störte. Doch er nahm's in Kauf, hat ihr das Schlittschuhlaufen beigebracht, Tischtennis und sogar Schach. Er hat ihr bei den Schularbeiten geholfen, mehr als Mama, vor allem als Lia noch kleiner war; später hatte sie es nicht mehr so nötig. Bis zuletzt konnte sie sich aber bei ihm Rat holen, was sehr wichtig war, weil sich ja soviel im Land änderte. Oder nein, eben nicht bis zuletzt, nur etwa bis zum Frühjahr, wenn sie genauer nachdenkt. An einem Sonnabend im April, kurz nach ihrem Geburtstag, ist sie noch mit Markus in der Schwimmhalle gewesen. Damals hat er ihr den Kopfsprung rückwärts beigebracht, vom Zweimeterbrett, den trauen sich nicht mal Ulli und Jan, ihre beiden Freunde.

Es ist schlimm, aber auf einmal ist Markus für Lia kaum noch ansprechbar. Er kommt fast nur zum Essen und Schlafen nach Hause, hat nie Zeit. Manchmal boxt er sie noch in die Seite wie früher, fragt flüchtig: «Wie geht's dem Küken?» Doch er hört gar nicht hin, wenn sie was von der Schule erzählt, von fehlenden Lehrbüchern und Herrn Zeller. Will sie jedoch auf sein Spiel eingehen und boxt zurück, schickt er sie gleich weg. «Morgen, jetzt passt es mir nicht.» Dabei hat er am nächsten Tag längst wieder was anderes vor.

«Das musst du begreifen», sagt die Mutter, «er wird langsam erwachsen, da hat er seine eigenen Probleme.»

«Was für Probleme sollen das denn sein?»

«Na, die Lehre zum Beispiel, sein Betrieb musste schließen, das weißt du doch.»

«Ich denke, er geht noch hin.»

«Stimmt schon, sie haben Geld bekommen und beschäftigen die Jungs recht und schlecht weiter. Aber was er jetzt lernt, wird er später wohl gar nicht brauchen können.»

«Vielleicht hat er nur eine Freundin, und die lässt ihn abblitzen», vermutet Lia.

«Sieh mal an, was du dir zusammenspinnst.»

«Ich hab ihn kürzlich mit so einer Blonden bei 'Wurstpaule' gesehn.»

«Na und, war sie hübsch?», fragt die Mutter, für einen Augenblick interessiert.

«Nicht besonders, nö...», erwidert Lia, obwohl die Blonde eigentlich ganz gut aussah.

«Dann wär's ja nicht so schlimm, wenn sie nichts von ihm wissen will», meint die Mutter.

«Trotzdem braucht Markus nicht so mufflig mit mir zu sein.»

Die Mutter zuckt nur die Achseln. «Das renkt sich schon wieder ein.»

Wenn man bloß Probleme kriegt, sobald man erwachsen wird, möchte ich lieber bleiben, wie ich bin, denkt Lia jetzt und biegt ab in Richtung «Räuberhügel». So nennen die Kinder einen Spielplatz zwischen Häusern und Schrebergärten. Vielleicht findet sie ihre Freunde dort, Ulli und Jan.

Am «Räuberhügel» ist es ziemlich ruhig, der Spielplatz liegt etwas abseits vom Verkehr. Eigentlich ist es auch gar kein Platz, sondern eine Anhöhe, deren Hänge mit Gebüsch und Bäumen bestanden sind. Zurzeit wirkt hier allerdings alles ein bisschen wüst. Ein Teil der Fläche ist umgegraben, Büsche sind herausgerissen, den steinernen Tisch, auf dem man Tischtennis spielen konnte, hat jemand umgekippt. Das liegt daran, dass alles neu gemacht wird; irgendwo unten sind Steine und Sand aufgehäuft, befinden sich Bauwagen. Weil aber das Wochenende vor der Tür steht, sind keine Arbeiter mehr da, und man kann sich gut hier treffen.

Von Ulli und Jan ist nichts zu sehen, so sehr Lia auch Ausschau hält. Gonni freilich stört das nicht, er springt um sie herum, ist wild aufs Spielen. «Hund tot», sagt das Mädchen, um ihn zu ärgern, denn sie weiß, dass er im Augenblick keine Lust hat, sich hinzulegen, er ist viel zu aufgekratzt. Er blickt sie auch an, als wollte er fragen: Muss das wirklich sein?

Lia wiederholt die Aufforderung und fügt hinzu: «Na mach schon.»

Da legt Gonni sich widerstrebend auf die Seite ins Gras. Er behält aber die Augen halb offen, blinzelt. Außerdem bewegt er sacht die Schwanzspitze. Das heißt: Na gut, ich tu dir den Gefallen. Sofort steht er danach wieder auf den Beinen, stemmt die Vorderpfoten ins Gras und schaut das Mädchen erwartungsvoll an.

Lia nimmt ein Stück Holz und wirft es mit Schwung in Richtung des umgestürzten Tisches. Fast aus dem Stand, nach einer Kehrtwende, saust Gonni los, dem Stock hinterher. Kurz darauf kommt er wieder zurück, legt ihr das Holz vor die Füße: Siehst du, ich hab's geholt, na los, mach weiter.

Lia wirft den Stock erneut, dann ein drittes und viertes Mal. Um Abwechslung in das Spiel zu bringen, verändert sie die Richtung. Gonni ist unermüdlich, jagt dahin, springt, überschlägt sich am Ziel fast. Man merkt, dass ihm zuletzt der Auslauf fehlte. Lia hatte zu sehr mit der Schule zu tun, die Mutter und Markus waren erst recht beschäftigt.

Seitlich vom «Räuberhügel» befindet sich eine Mulde, die nach unten hin breiter wird. Im Winter benutzen die Kleinen sie zum Rodeln. Vor kurzem hat man an den Rändern frisches Erdreich aufgetragen, Blumen wurden gepflanzt. Niedrige Büsche wachsen gleichfalls dort und Ginster. Zu guter Letzt wirft Lia übermütig den Stock dorthin. Begeistert stürmt Gonni auch diesmal los, quer durch die Mulde und mit einem Satz über die Blumen hinweg. Doch etwas stimmt nicht, er kommt ohne das Holz und ziemlich kleinlaut zurück. Mehr noch, er winselt, fährt sich mit der Vorderpfote immer wieder über die Schnauze, was zwar putzig aussieht, aber bestimmt nicht so gemeint ist.

«Was ist denn los, Gonni, bist du mit dem Kopf in die Brennnesseln gerannt oder in einen Ameisenhaufen?»

Der Hund schaut sie kläglich an und reibt die Schnauze im Gras. Als Lia ihn hochnimmt und genauer betrachtet, sieht sie, dass er ums Maul herum Ätzspuren hat. Er ist in eine braune Flüssigkeit geraten, das Zeug klebt ihm auch an den Vorderpfoten. Sie wischt mit den Händen darüber, und sofort werden die Finger rot, fangen an zu jucken.

«Iih, wo bist du denn rein geraten?» Lia wischt die Finger an ein paar Blättern ab, reißt dann Gras aus und versucht, den Hund zu säubern. Er japst, winselt weiter, schnappt vor Schmerz sogar nach der Hand, die ihm helfen will. Da kommt ihr ein Gedanke. Irgendwo gibt es hier doch noch eine alte Pumpe. Lia findet sie schnell wieder, bedient den Pumpenschwengel, als ginge es um ihr Leben, und spült Gonni die Schnauze und die Pfoten ab. Er lässt sich alles gefallen, steckt die Nase noch in die Pfütze, die sich inzwischen gebildet hat.

«Was macht ihr denn hier?» Plötzlich steht der dicke Ulli mit seinem Fahrrad da. Neben ihm Jan. Sein Rad ist funkelnagelneu, hat mehrere Gänge, sein ganzer Stolz. Jan kommt von «drüben» - noch immer gebrauchen sie auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze diesen Ausdruck. Er wohnt in Westberlin, im Wedding, der gleich hinter der Bösebrücke beginnt. Die drei haben sich bei einem Sportfest kennen gelernt und sind Freunde geworden. Was gar nicht so einfach war. Eigentlich gehört noch Ilona zu ihnen, aber die ist heute mit ihren Eltern in die Ferien gefahren.

Lia, ganz mit dem Hund beschäftigt, erschrickt, als die beiden so unerwartet auftauchen. Gonni dagegen wedelt ein bisschen mit dem Schwanz. Die Jungen sind gute Bekannte und müssen schließlich trotz seines Missgeschicks begrüßt werden.

Lia erklärt die Sache, und Ulli zeigt sich sofort interessiert. «Da hat einer was in die Anlage gekippt, das muss untersucht werden.»

«Untersuchen», ein großes Wort. Ulli liebt es, sich so bedeutend auszudrücken. Aber anschauen möchten sich Jan und Lia die Stelle auch. Gonni scheint es schon besser zu gehen, er hat die Wasserkur satt, rennt von der Pumpe weg und schüttelt sich die Nässe vom Fell.

«Da drüben, neben der Mulde!» Lia voran erklimmen sie den «Räuberhügel», dann laufen sie oben um die Blumenrabatten herum. Die Jungen schleppen ihre Räder mit, es passiere jetzt so allerhand. Gonni folgt den Kindern zögernd. Er kehrt etwas widerwillig an den Ort seines Unglücks zurück.

Sie finden die Stelle mühelos, und es ist wirklich eine Schweinerei. Es sieht aus, als hätte einer seinen alten Schuppen ausgeräumt, den Schrott, den er nicht mehr braucht, hier abgeladen: Flaschen, leere Gläser und Farbbüchsen, verkrustete Töpfe, verklebte Pinsel. Eine zerbrochene Schaufel, Tonscherben, ein zerschlissener Koffer. Wahrscheinlich haben sogar mehrere Leute ihren Müll hergebracht, denn es liegen auch Zeitungen da und ein paar Bücher.

Lia bückt sich, zieht zwei Bücher unter dem Gerümpel hervor. Sie liest gern und kann so etwas nicht liegenlassen. «Sowjetische Meistererzählungen» steht auf dem einen, aus dem ein paar Seiten herausgerissen sind. Das andere ist besser erhalten, es heißt «Das siebte Kreuz» und stammt von einer Schriftstellerin namens Anna Seghers.

«Hierher müsst ihr kommen, hier sind die Beweise», ruft in diesem Moment Ulli. Er ist um den Haufen herumgegangen, gefolgt von Gonni, der genau weiß, was die Kinder suchen. Trotzdem bleibt er vorsichtig, hält sich im Hintergrund.

Jan und Lia laufen zu ihm. Der Dicke zeigt triumphierend auf ein paar Plastikkanister, die zum Teil mit Farbe verschmiert sind. Einer liegt umgekippt am Rand des Müllhaufens; der Verschluss ist aufgegangen, eine braune Flüssigkeit herausgelaufen. Das meiste ist im Erdreich versickert, eine Lache aber ist auf einem Blech stehen geblieben. Der Stock, den Gonni holen sollte, liegt mittendrin.

Die Jungen haben die Räder zur Seite gestellt, Jan angelt mit einer Gerte nach dem Stock. Er fasst ihn schließlich mit zwei Fingern an einem trockenen Ende, schnuppert daran. Gonni schaut misstrauisch zu.

«Irgendeine Beize», sagt Jan, «Gonni muss voll reingetappt sein.»

Ulli kennt sich aus. «Das ist Holzschutzmittel, der Geruch ist nicht zu verwechseln. Mit solchem Zeug haben wir im vorigen Jahr unseren Zaun gestrichen.»

«Aber wer kippt so etwas in den Park?»

Das möchte Lia auch gern wissen. Gerade hier, wo kleine Kinder herumlaufen und Hunde.

«Denen sollte man eine dicke Strafe aufbrummen», findet Ulli. «Unser Nachbar musste kürzlich mächtig blechen, weil er seinen Wartburg im Wald abgestellt hat. Schilder runter, Scheibenwischer ab, Radio raus und so. Er wollte nicht fürs Verschrotten bezahlen.»

«Und wie haben sie ihn gekriegt?», fragt Lia.

«Wegen der Motornummer. Er hatte sie abgefeilt, doch die Polizei konnte die Zahlen trotzdem erkennen. Mit Spezialmethoden. Im ganzen Haus ging's rum.»

«Sogar bei uns in der Straße steht ein ausgeschlachteter Trabi.» Jans Ton ist leicht vorwurfsvoll. «Den haben eure Leute rübergefahren.» Er kann nicht verstehen, dass hier an allen Ecken und Enden der Dreck herumliegt. Bei ihnen ist es viel sauberer.

«Das sind nicht unsre Leute», wir haben unseren Trabant zum Schrottplatz gebracht», widerspricht Lia. Sie hat dennoch ein schlechtes Gewissen. Wie immer, wenn Jan so redet.

«Schon gut, war ja nicht so gemeint», sagt er beschwichtigend.

Die Kinder untersuchen die Kanister. Einer ist ziemlich voll, ein anderer etwa zur Hälfte. Auch die Farbbüchsen, die dazwischen liegen, sind nicht alle leer. «Wirklich, denen sollte man eine dicke Strafe aufbrummen», wiederholt Ulli.

«Dazu müsste man sie erst mal haben», sagt Jan.

2. Kapitel

«Wenn wir Gonni auf die Spur setzen, führt er uns vielleicht zu den Leuten, die das hier verbrochen haben», sagt Ulli.

Lia lacht. «Na, weißt du, Gonni ist doch kein Fährtenhund.»

«Aber er ist schlau.»

Das findet Lia zwar auch, trotzdem hält sie wenig von diesem Vorschlag. Natürlich wäre es nicht schlecht, die Übeltäter aufzuspüren und ihnen die Meinung zu geigen, doch wer weiß, aus welcher Ecke von Berlin die kommen. Schon hier in Pankow gibt es tausend Möglichkeiten.

Ulli lässt sich nicht von seinem Plan abbringen. Er taucht den Stock ein zweites Mal in die Lache und hält ihn dem Hund vor die Nase. Dann deutet er auf den Boden: «Such, Gonni, such.»

Bei dem scharfen Geruch des Holzschutzmittels weicht der Hund zurück. Er steht da und schaut die Kinder vorwurfsvoll an: Was soll das?