Joseph Haydn - La Mara - ebook

Joseph Haydn ebook

La Mara

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Opis

Die Biografie des Komponisten aus Musikalische Studienköpfe, 5 Bde., Leipzig 1868-1882.

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Joseph Haydn

La Mara

Inhalt:

Marie Lipsius (La Mara) – Biografie und Bibliografie

Joseph Haydn

Joseph Haydn, La Mara

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Frontcover: © Freesurf - Fotolia.com

Marie Lipsius (La Mara) – Biografie und Bibliografie

Unter dem Pseudonym La Mara bekannte Musikschriftstellerin, geb. 30. Dez. 1837 in Leipzig, verstorben am 2. März 1927 in Schmölen. Hat sich besonders durch ihr anziehendes und vielverbreitetes Werk »Musikalische Studienköpfe« (Leipz. 1868–82, 5 Bde. in wiederholten Auflagen; Bd. 1 in 7. Aufl. 1894) einen Namen gemacht. Außerdem veröffentlichte sie: »Musikalische Gedanken-Polyphonie. Aussprüche berühmter Tonsetzer über ihre Kunst« (Bresl. 1873); »L. van Beethoven« (2. Aufl., Leipz. 1873); »Im Hochgebirge, Skizzen aus Oberbayern etc.« (das. 1876); »Das Bühnenfestspiel in Bayreuth« (das. 1877); »Sommerglück«, Skizzen (Karlsr. 1881); »Musikerbriefe aus fünf Jahrhunderten« (Leipz. 1886, 2 Bde.); »Klassisches und Romantisches aus der Tonwelt« (das. 1892); »Im Lande der Sehnsucht. Cicerone durch italienische Kunst und Natur in Versen« (das. 1901) sowie eine deutsche Bearbeitung von Liszts Werk »Friedrich Chopin« (das. 1880) und mehrere Sammlungen von Briefen Franz Liszts (Weiteres s. Liszt 1) und »Berlioz' Briefe an die Fürstin Carolyne Sayn-Wittgenstein« (das. 1903).

Wichtige Werke:

Musikalische Studienköpfe, 5 Bde., Leipzig 1868-1882:Classisches und Romantisches aus der Tonwelt, Leipzig 1892.Beethovens unsterbliche Geliebte. Das Geheimnis der Gräfin Brunswik und ihre Memoiren, Leipzig 1909.Liszt und die Frauen, Leipzig 1911.Beethoven und die Brunsviks. Nach Familienpapieren aus Therese Brunsviks Nachlass, Leipzig 1920.An der Schwelle des Jenseits. Letzte Erinnerungen an die Fürstin Carolyne Sayn-Wittgenstein, die Freundin Liszts, Leipzig 1925.

Joseph Haydn

I.

Wer mit antheilvollem Blick den Erscheinungen des Musiklebens folgt, dem kann die Wahrnehmung nicht entgehen, daß das Wort des Dichters: "Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst", mehr auf die Vergangenheit denn auf die Gegenwart Anwendung leidet. Die neuere Tonkunst ist ernst, so ernst geworden, wie die Geister derer, die sie schufen und die uns in ihr eigenes Spiegelbild zurückließen. Vor dem Ernst des Lebens wich die Heiterkeit der Kunst zurück, und sie, die eine Verklärung des Lebens ist und sein soll, sucht ihre Bestimmung nicht länger darin, über diesen Lebensernst lächelnd hinweg zu täuschen; sie erfaßt denselben vielmehr in seiner ganzen Tiefe, um ihm ein erhöhtes Dasein im Kunstwerk zu verleihen. Widerspruch, Kampf und Schmerz, die mehr als Glück und Lust den Inhalt des Menschenlebens bilden, wurden nun, wenn auch selbstverständlich in eine idealere Sphäre emporgehoben und in eine versöhnende Beleuchtung gerückt, mehr und mehr auch der Inhalt der tönenden Kunst. Wie weit sind wir doch von dem harmlosen Frohsinn, der liebenswürdigen Unschuld und Naivetät abseits gekommen, die aus Joseph Haydn's Schöpfungen sprechen! Wie fern steht unser heutiges bewußtes Schaffen doch der spielseligen Anmuth des alten Meisters und seiner optimistischen Lebensauffassung! Und dennoch, wie gern erquicken wir uns an all' der hellen Daseinslust, der endlosen Frühlingswonne und -Sonne, die uns aus seinen Tönen entgegen klingt und leuchtet! Was Wunder, feierte nicht die Kunst selber in ihnen einen neuen Frühling? Aus der streng abgeschlossenen reinen Kunstsphäre Händel's und Bach's trat sie mit Haydn in die freie Wirklichkeit, aus heiligen Kirchenhallen hinaus in Natur und Welt. Nicht mehr Gott und Ewigkeit, als das ersehnte Ziel der leidumdrängten Menschenseele, sondern der Mensch selbst, sein Leben, Lieben und Leiden, ward nun ihr Ausgangs-und Mittelpunkt. Von ihrer Erhabenheit stieg die Tonkunst zur Anmuth hernieder; sie schmiegte sich dem Empfinden, Bedürfen und Genießen des Einzelnen freundlich an, und ihre Fesseln legte sie ab. An Stelle der strengen Zucht der Form trat jetzt, nach Vollendung des formellen Bildungsprocesses, die freie Kunst mit dem Recht persönlicher Lebensäußerung. Die Individualität verlangt nun nach Geltung. Traulich-gemüthlich, wie die keines Anderen vor ihm, berührte Joseph Haydn's schlichte Tonsprache Herzen und Sinne. Heiter und natürlich, maßvoll und wahrhaftig, voll Phantasiereichthum, Kunstgewandtheit und Originalität, übernahm und erfüllte er als Schöpfer der modernen Instrumentalmusik seine Sendung. Mit dem neuen poetischen Lebensinhalt, den er ihr zuführte, gab er ihr zugleich die Grundlage, auf der sie sich zu ungeahnter Formenmannigfaltigkeit entfaltete. Die Gattungen Symphonie und Quartett ehren in ihm ihren eigentlichen Begründer und Bildner; war er doch der Erste, der die freie thematische Arbeit im Gegensatz zum gebundenen Contrapunkt als den eigentlichen fruchtbaren Keim des compositorischen Schaffens für die Instrumentalmusik erkannte und demgemäß in umfassender Weise anwandte. Der Sonatensatz in seiner heutigen Form ist in der Hauptsache durch ihn festgestellt worden. Auch den Organismus des Orchesters hat er zuerst systematisch, nach dem Klangvermögen der einzelnen Instrumente verwenden gelehrt.

So wurde er der Bahnbereiter Mozart's und Beethoven's, während er – obgleich seine eigentliche Begabung eben auf Seite des Instrumentalen lag – auch in seinen Oratorien Werke von unvergänglicher und dabei wunderbar populärer Wirkung hinterließ. Als Kind des Volks verstand er populär zu sein, in künstlerischer, ewig mustergültiger Gestalt Volksthümliches zu geben. Schlicht und natürlich, sich selber treu, sang er, als Jüngling wie als Greis mit dem Kindergemüthe, aus der Fülle seines eignen warmen Herzens heraus, und was er sang, fand ein Echo in Anderer Herzen. Er hatte das Glück, alsbald verstanden zu werden – ein Glück, das ihm selbst Mozart und Beethoven beneiden durften. Er reichte nicht an die Größe des Componisten des "Don Juan" und der Jupitersymphonie und noch weniger an die des Schöpfers der Neunten heran, er war ein Genius bescheideneren Gepräges. Wie der Sonnenschein, der Vogelsang, der Frühling in der Natur, so war er. Alle freuten sich seiner und Jeder versteht und liebt ihn.

Rohrau, ein nahe der ungarischen Grenze in Niederösterreich bei Bruck an der Leitha gelegener Marktflecken, ist Joseph Haydn's Geburtsort. Dort stand, laut Beethoven's Worten "in einer schlechten Bauernhütte" des großen Mannes Wiege. Der Tag, der ihm das Leben schenkte, war nicht mit Sicherheit zu ermitteln. Das Kirchenbuch sagt nur, daß er am 1. April 1732 die heilige Taufe empfing. Haydn selbst bezeichnete bald den 31. März, bald den 1. April als seinen Geburtstag. Da aber die Taufhandlung in der Regel am Tag nach der Geburt zu erfolgen pflegte, darf es wol, auch wenn man die beste Lösung der widersprechenden Angaben dadurch findet, daß man die Nacht vom 31. März zum 1. April als seine Geburtszeit vermuthet, bei der ziemlich allgemein verbreiteten Annahme des 31. März verbleiben. Die Ehe seiner Eltern, des Wagnermeisters Matthias Haydn und seiner Frau Maria geb. Koller, eines Marktrichters Tochter, war mit zwölf Kindern gesegnet, von denen jedoch sechs bald nach der Geburt wieder starben. Joseph, oder Franz Joseph, wie sein vollständiger Name lautete, war das zweitgeborene Kind. Er erbte von den einfachen, aber streng rechtlichen Eltern den Sinn für Religiosität, Thätigkeit, Ordnungsliebe und Sparsamkeit. Daneben auch die Liebe zur Musik. Der Vater, der mit einer leidlichen Tenorstimme begabt war, hatte auf der Wanderschaft die Harfe klimpern gelernt. Auf ihr begleitete er die Lieder, die er mit seiner Frau gemeinsam an Festtagen oder nach gethaner Arbeit sang. Bald betheiligten sich auch die Kleinen an der schlichten Hausmusik, und der fünfjährige Joseph überraschte dabei durch sein musikalisches Gehör und eine hübsche Stimme, ja er sang, wie er später in seiner für "Das gelehrte Oesterreich" geschriebenen Selbstbiographie1 erzählte, "dem Vater alle seine simplen kurzen Stücke ordentlich nach." Das erregte bei den Freunden und Bekannten nicht geringe Bewunderung; als er aber einst, das Geigenspiel des Schulmeisters nachahmend, beim Gesang der Eltern mit einem Stecken auf seinem linken Arme auf und nieder strich und dabei das richtigste Tactgefühl bekundete, da meinte ein zum Besuch anwesender Verwandter mit dem ihn gleichfalls beobachtenden Schulmeister im Bunde, daß der Knabe zum Musiker geboren sei. Hatte ihn die Mutter auch dem geistlichen Beruf zu erziehen gedacht, dem Vater lag die Musik zu warm am Herzen, als daß er dem Vorschlag des Verwandten, ihm Joseph nach Hainburg, wo er Schulrector und Chorregent war, mitzugeben, seine Zustimmung versagt hätte. Zuerst, so entschied er, solle er's mit der Kunst versuchen – der geistliche Stand bliebe ihm ja noch immer offen. So verließ denn der Knabe, fünf Jahre alt, schon Elternhaus und Heimat, um nie anders als besuchsweise mehr dahin zurück zu kehren. Die Erinnerung an die Kindheit und die bescheidene Stätte seiner Geburt blieb gleichwol bis in's hohe Alter in ihm lebendig. Liebevoll gedachte er allezeit der Seinen, und die Worte: "Ich lebe weniger für mich als für meine armen Verwandten, denen ich nach meinem Tode etwas zu hinterlassen wünsche", bethätigte er in edler Weise. Ja auch des Pfarrers, des Schullehrers und der Schulkinder vergaß er nicht in seinem letzten Willen. Als er aber, hochgefeiert von London zurückkehrend, im Jahre 1795 seine Heimat Rohrau und ein ihm daselbst im Park des Grafen Harrach errichtetes Denkmal besuchte, da kniete er beim Eintritt in die väterliche Wohnstube nieder, um die Schwelle zu küssen, und mit Rührung wies er auf die Ofenbank hin, auf der er einst seine frühesten Kunstübungen begonnen.

Bei seinem "Herrn Vetter," dem Schulrector Frankh in Hainburg, einem tüchtigen aber strengen Lehrer, lernte Haydn, seinen eigenen Angaben zufolge, "die musikalischen Anfangsgründe sammt anderen jugendlichen Nothwendigkeiten", und "Gott der Allmächtige, welchem ich alleinig so unermessene Gnade zu danken habe", sagt er, "gab mir besonders in der Musik so viele Leichtigkeit; indem ich schon in meinem sechsten Jahre ganz dreist einige Messen auf dem Chor herabsang und auch etwas auf dem Clavier und Violin spielte." Der ihm befreundete Griesinger2 – der Erste, dem wir nebst Dies3 und Carpani4 eingehendere Mittheilungen über Haydn's Leben danken, welche C.F. Pohl neuerdings durch die werthvollen Resultate seiner Forschungen wesentlich vervollständigte5, während Reißmann6, sich auf diese stützend, sich mehr mit Haydn's Werken befaßt – erzählt, daß Joseph Unterricht im Lesen und Schreiben, im Katechismus, im Singen und fast in allen Blas- und Saiteninstrumenten, sogar im Paukenschlagen erhalten habe. Von der praktischen Art des Unterrichts wird uns eine charakteristische Probe mitgetheilt. Es war in der Kreuzwoche, in der besonders viel Processionen abgehalten wurden. Namentlich sollte der heilige Florianstag, der 4. Juni, wie alljährlich mit Hochamt und Opfergang festlich begangen werden. Da bereitete der Tod eines seiner Musikanten, des Paukenschlägers, dem Rector arge Verlegenheit. Kein Ersatzmann wollte sich finden. So griff denn Frankh in seiner Noth zu dem kleinen "Sepperl", er sollte in aller Eile die Pauke schlagen lernen. Schnell zeigt er ihm die nöthigen Handgriffe und überläßt ihn dann seinem Eifer. Der Knabe nimmt einen Mehlkorb, wie man ihn beim Brodbacken benutzte, überspannt ihn mit einem Tuch und beginnt, nachdem er das improvisirte Instrument auf einen Sessel gestellt, so munter darauf los zu pauken, daß er der Wolken Mehls nicht achtet, die um ihn her die Luft erfüllen. Als dann der Lehrer herbeikommt, giebt es wol einen Verweis – doch der Paukenschläger ist fertig, der Procession steht nichts mehr im Wege. Nur reichte leider der kleine Künstler nicht an die Größe des bisherigen Paukenträgers hinan. Man mußte einen kleineren Mann dazu ausfindig machen. Da aber das Unglück wollte, daß dieser mit einem Höcker behaftet war, erregte die Paukengruppe inmitten des feierlichen Umgangs bedenkliche Heiterkeit. So gewann Haydn mit diesem ersten Debut praktische Kenntniß von einem Instrument, das er zuerst nach seiner vollen Individualität und zu freien künstlerischen Zwecken in der Instrumentalmusik verwendete. In seinen Symphonien spielt die Pauke bekanntlich keine unwesentliche Rolle. Er selber aber ließ sich gern als Paukenvirtuose loben.

In mancher Beziehung vermißte Joseph indessen schmerzlich das Elternhaus. Um Reinlichkeit und Ordnung, die ihm dort "zur zweiten Natur" geworden – der Kleine trug schon damals "der Reinlichkeit wegen" eine Perücke – war es im Schulhaus schlimm bestellt. "Ich mußte", berichtet er, "mit Schmerzen wahrnehmen, daß die Unreinlichkeit den Meister spielte, und ob ich mir gleich auf meine kleine Person viel einbildete, so konnte ich doch nicht verhindern, daß auf meinem Kleide nicht dann und wann Spuren der Unsauberkeit sichtbar wurden, die mich auf das empfindlichste beschämten – ich war ein kleiner Igel!" Trotz alledem hielt Haydn das Andenken seines ersten Lehrmeisters, dessen Tochter und Schwiegersohn er auch in seinem Testament bedachte, zeitlebens in Ehren. "Ich verdanke es diesem Manne noch im Grabe", sagte er öfters, "daß er mich zu so vielerlei angehalten hat, wenn ich gleich dabei mehr Prügel als zu essen bekam."

Zwei Jahre hatte, Joseph in Hainburg zugebracht, da führte das gute Glück den kaiserlichen Hofcompositeur und Domcapellmeister zu St. Stephan in Wien, Georg Reutter, in das Städtchen. Um stimm- und musikbegabte Sängerknaben für das seiner Leitung unterstellte Capellhaus anzuwerben, war er auf Reisen gegangen und hierher gekommen. Nun hörte er in dem ihm vom Pfarrer vorgeführten Kirchenchor "von ungefähr" auch des siebenjährigen Joseph "schwache, doch angenehme Stimme." Er ließ ihn rufen und die nöthige Singprobe ablegen. "Büberl", fragte er ihn endlich, "kannst du auch einen Triller schlagen?" "Nein!" lautete die Antwort; "das kann ja selbst mein Herr Vetter nicht!" Lachend zeigte ihm Reutter, wie er es machen solle, und schlug ihm selbst einen Triller vor. Der Knabe versuchte es, ein, zwei Mal ihn nachzuahmen – der dritte Versuch gelang dermaßen, daß Reutter erfreut ausrief: "Bravo, du bleibst bei mir!" und den geschickten Sänger mit einem blanken Siebzehner belohnte. Mit dem Versprechen, nach erfolgter Zustimmung der Eltern, den Sepperl mit vollendetem achten Jahre zu sich nach Wien zu nehmen und für sein weiteres Fortkommen zu sorgen, schied er. Die Einwilligung aus Rohrau ließ nicht auf sich warten, und der beglückte Joseph bereitete sich nun mit Feuereifer auf den künftigen Sängerberuf vor.