Faust II von Johann Wolfgang von Goethe. Königs Erläuterungen. - Rüdiger Bernhardt - ebook

Faust II von Johann Wolfgang von Goethe. Königs Erläuterungen. ebook

Rüdiger Bernhardt

0,0
34,99 zł

Opis

Königs Erläuterungen – Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick – ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi lub dowolnej aplikacji obsługującej format:

EPUB
MOBI

Liczba stron: 196




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 43

Textanalyse und Interpretation zu

Johann Wolfgang von Goethe

FAUST II

Von Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Husum: Hamburger Lesehefte, 2010 (Hamburger Lesehefte, Bd. 170) Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Stuttgart: Reclam, durchgesehene Ausgabe 2001 (RUB Nr. 2) (Nach diesen Ausgaben wird durch nachgestellte Versangabe zitiert.)  Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antikerezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.    Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

2. Auflage 2013

ISBN 978-3-8044-6983-9

© 2002, 2012 by C. Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Titelfoto: Will Quadflieg und Antje Weissgerber als Faust und Helena, Deutsches Schauspielhaus Hamburg 1958 © ullstein bild Alle Rechte vorbehalten!

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

Fußnoten Fußnoten sind im Text in eckigen Klammern mit fortlaufender Nummerierung angegeben. Tippen Sie auf eine Fußnote und Sie gelangen zum entsprechenden Fußnotentext. Tippen Sie im aufgerufenen Fußnotentext auf die Ziffer zu Beginn der Zeile, und Sie gelangen wieder zum Ursprung. Sie können auch die Rücksprungfunktion Ihres ePub-Readers verwenden (sofern verfügbar).

Verknüpfungen zu Textstellen innerhalb des Textes (Querverweise) Querverweise, z. B. „s. S. 26 f.“, können durch Tippen auf den Verweis aufgerufen werden. Verwenden Sie die „Zurück“-Funktion Ihres ePub-Readers, um wieder zum Ursprung des Querverweises zu gelangen.

Verknüpfungen zu den Online-Aufgaben Im Abschnitt 6 „Prüfungsaufgaben“ finden Sie einen Hinweis zu zwei kostenlosen zusätzlichen Aufgaben. Diese Aufgaben können über die Webseite des Verlages aufgerufen werden. Tippen Sie auf die Verknüpfung und Sie werden direkt zu den Online-Aufgaben geführt. Dazu wird in den Web-Browser Ihres ePub-Readers gewechselt – sofern Ihr ePub-Reader eine Verbindung zum Internet unterstützt und über einen Web-Browser verfügt.

Verknüpfungen zu Inhalten aus dem Internet Verknüpfungen zu Inhalten aus dem Internet werden durch eine Webadresse gekennzeichnet, z.B. www.wikipedia.de. Tippen Sie auf die Webadresse und Sie werden direkt zu der Internetseite geführt. Dazu wird in den Web-Browser Ihres ePub-Readers gewechselt – sofern Ihr ePub-Reader eine Verbindung zum Internet unterstützt und über einen Web-Browser verfügt.  Hinweis:

INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Von der Neuordnung Europas durch Napoleon bis zur Julirevolution 1830

Bürgerliche Gesellschaft, Gleichheitsprinzip und Besitzanspruch

Die technisch-industrielle Revolution – Kolonisationsbestrebungen

Goethes Auseinandersetzung mit der Romantik

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

1. Akt

2. Akt

3. Akt

4. Akt

5. Akt

3.3 Aufbau

Fünfaktigkeit und relative Selbstständigkeit der Akte

Das Werk als Tragödie

Die aristotelische Struktur des 3. Aktes

Stationenfolge statt dramaturgischer Entwicklung

Sonderstellung der Klassischen Walpurgisnacht (2. Akt)

Allegorien, Entsprechungen und Parallelen

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Faust

Mephistopheles

Wagner

Der Kaiser

Knabe Lenker/Euphorion

Homunkulus

Helena

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Die historische und ökonomische Analyse

Der Umgang mit Romantik und Antike

Dichtungstraditionen im 3. Akt

Mephistos Doppeldeutigkeiten und das moderne Denken

Das Verständnis der Klassischen Walpurgisnacht, das Erdbeben als Revolutionssymbol

Fausts Schlussmonolog – Utopie und Irrtum

Fausts Erlösung, Christentum und Liebe

4. Rezeptionsgeschichte

Die Schwierigkeiten des Faust II und die ausbleibende Popularität

Kürzungen, Bearbeitungen und Parodien im 19. Jahrhundert

Faust II-Deutungen und Gestaltungen über fast 200 Jahre

Die Inszenierung und Faust-Konferenz 2006 am Deutschen Theater

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 **

Literatur

Zitierte Ausgaben

Weitere Faust-Ausgaben

Weitere Primärliteratur

Nachschlagewerke und Handbücher

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band sofort zurechtfindet und das für ihn Interessante entdeckt, folgt eine Übersicht.

Im 2. Kapitel wird Johann Wolfgang von Goethes Leben beschrieben und auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund verwiesen:

Goethe lebte von 1749 bis 1832 vorwiegend in Weimar, der Hauptstadt des kleinen Herzogtums (seit 1815 Großherzogtums) Sachsen-Weimar-Eisenach. Er hatte Beziehungen zu zahlreichen führenden Künstlern und Wissenschaftlern.

Goethe brachte 1775 Textentwürfe zum Faust nach Weimar mit. Es war der Vorabend der Französischen Revolution von 1789. Die Arbeit am Faust reichte über die napoleonische Herrschaft, den Wiener Kongress 1815 bis zur Julirevolution 1830.

Wesentliche gesellschaftliche Inhalte der Zeit waren mehrere Revolutionen, die Entstehung bürgerlicher sozialer Verhältnisse, das Gleichheitsprinzip und bürgerlicher Besitz- und Machtanspruch.

Faust II wurde zur Auseinandersetzung mit der Romantik.

Im 3. Kapitel findet der Leser eine Textanalyse und -interpretation.

Faust II – Entstehung und Quellen:

Der historische Faust, ein Zeitgenosse Luthers, gehört zu den interessantesten Gestalten der europäischen Kulturgeschichte und steht am Beginn der Moderne. Während der Arbeit am I. Teil, abgeschlossen 1806, war ein Schema der gesamten Dichtung entstanden. Die entscheidende Arbeit an Faust II fand von 1825 bis 1831 statt und bezog aktuelle historische und literarhistorische Vorgänge ein. Faust lernt im II. Teil die große Welt, die Antike und die kapitalistische Wirtschaftsstruktur kennen, genießt Schönheit und die Welt des höfischen Glanzes.

Inhalt:

Faust kommt nach der Flucht mit Mephisto aus Gretchens Kerker in die große Welt der Kaiserlichen Pfalz. Er lernt höfisches Treiben, darunter auch ein Maskenfest, kennen. Der Kaiser will Helena sehen, die Faust von den „Müttern“ – sie herrschen im Reich der ewigen reinen Formen – holt. Die körperlich sichtbare Helena übertrifft Faust Erwartungen; beim Versuch, den gespielten Raub zu verhindern, wird er ohnmächtig und von Mephisto in seine alte Studierstube zurückgebracht. Dort hat inzwischen Wagner die Stelle Fausts eingenommen und schafft einen künstlichen Menschen, den Homunkulus. Der rät, um Faust zu heilen, müsse er in der klassischen Walpurgisnacht zu antiker Kunst und Schönheit gebracht werden.

Helena ist ins Königreich ihres Mannes Menelaos, nach Sparta, zurückgekehrt. Mephisto überwindet Zeit und Raum, führt Faust und Helena auf einer mittelalterlichen Burg zueinander und vereint die Antike mit dem Mittelalter. Faust und Helena bekommen einen Sohn, Euphorion, der in übermäßige Höhe strebt und tot zu Boden stürzt. Helena kehrt in die Unterwelt zurück, Faust flieht in seine Heimat.

Faust stellt sich auf die bürgerliche bzw. frühkapitalistische Entwicklung ein. Mephisto führt ihn in den Krieg. Der Kaiser siegt mit ihrer Hilfe, ordnet seinen Staat neu und verleiht Faust für seine Entwürfe und Ideen des Reiches Strand. Fausts Land entsteht. Seine Kolonisationsbestrebungen fordern Opfer. Die Sorge lässt ihn erblinden. Was er nun beim Entwurf einer Zukunftsvision für Spatengeklirr beim Trockenlegen der Sümpfe hält, ist das Ausheben seines Grabes. Mephisto hat die Wette gewonnen, aber auch verloren. Faust wird gerettet, steigt in den Himmel auf, wo er durch Gretchen geleitet wird.

Chronologie und Schauplätze:

Die Szenen spielen am Beginn der Neuzeit, etwa zur Regierungszeit Kaiser Maximilians I. (1493–1519), reichen aber bis in die Zeit des Trojanischen Krieges (12. Jahrhundert v. d. Z.) zurück; der historische Faust hat zwischen 1480 und 1540 gelebt. Damit umfassen Faust II, aber auch der 3. Akt „gerade dreitausend Jahre“ (BA 8, 693). Schauplätze sind neben dem Kaiserhof Fausts gotische Studierstube aus dem ersten Teil, die pharsalischen Felder in Thessalien und das Sparta des Menelaos, eine mittelalterliche Burg, ein Hochgebirge, ein Schlachtfeld und eine offene Gegend am Meer, die sich in den Himmel, „zu Höhen / Der ewigen Reiche“ (V. 12032 f.) öffnet.

Aufbau:

formale Fünfaktigkeit, die nicht zu einer aristotelischen Gliederung führt

aufwändige Stationenfolge, die Faust mit wesentlichen Bereichen des Lebens wie Finanzwirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Kriegstechnik bekannt macht und ihn mit Möglichkeiten der Vergangenheit und der beginnenden Moderne konfrontiert

Ausnahme: 3. Akt, der eine Funktion im Gesamtablauf erfüllt, aber auch eine aristotelische Struktur hat.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Faust:

alt,

in der Neuzeit angekommen,

kein Gelehrter mehr, sondern Eigentümer,

erblindet am Ende.

Mephistopheles:

zeitweise der Hässlichste (Phorkyas),

Verwandlungen: Narr, die Doppelfigur Zoilo-Thersites, der Geiz (der Abgemagerte) usw.

Wagner:

ein moderner, berühmter, aber gefühlloser Wissenschaftler,

mit Hilfe des menschlichen Verstandes in die Geheimnisse der Natur eingedrungen.

Kaiser:

junger Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation,

hat sein Land in Anarchie versinken lassen.

Knabe Lenker/Euphorion:

die personifizierte Poesie,

Attribut „die goldne Leier“ als Zeichen der Poesie,

ausgestattet mit Zügen des englischen Dichters Lord Byron.

Homunkulus:

künstlich geschaffener Mensch,

geht in der Natur auf,

mutet orgastisch an.

Helena:

die schönste Frau aller Zeiten,

Fausts Sehnsucht auf sie gerichtet,

vollendete natürliche Schönheit und kulturelle Vollendung.

Stil und Sprache im Faust II:

Faust II ist in vielgestaltigen Versen geschrieben.

bewusst vorgenommener Wechsel der Verse

Manche Verse weisen auf die Vorbilder hin, wie die Terzinen auf Dante.

Vers, Wort und Inhalt gehen eine unauflösbare Einheit ein.

hoher Anteil antik mythologischer Begriffe und Namen

Interpretationsansätze:

die historische und ökonomische Analyse

der Umgang mit der Romantik und mit der Antike

Dichtungstraditionen im 3. Akt

Mephistos Doppeldeutigkeiten als Ausdruck des modernen Denkens

das Verständnis der Klassischen Walpurgisnacht, das Erdbeben als Revolutionssymbol

Fausts Erlösung, Christentum und Liebe

Rezeptionsgeschichte:

Reaktionen auf die Helena-Dichtung (1827)

Schwierigkeiten und ausbleibende Popularität

Kürzungen, Bearbeitungen und Parodien im 19. Jahrhundert

Faust II-Deutungen und Gestaltungen über fast 200 Jahre

die Inszenierung und Faust-Konferenz 2006 am Deutschen Theater

2.Goethe: Leben und Werk

Johann Wolfgang von Goethe 1749–1832 © ullstein bild

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1749

Frankfurt a. M.

28. August: Johann Wolfgang Goethe wird als Sohn des Kaiserlichen Rates Dr. jur. Johann Kaspar Goethe und Katharina Elisabeth, geb. Textor, geboren. Die Familie ist wohlhabend; der Reichtum stammt vom Großvater.

1765

Leipzig

Goethe studiert die Rechte, hört aber auch Vorlesungen zur Literatur.

16

1770

Straßburg

Er setzt sein Rechtsstudium fort und schließt es als Lizentiat der Rechte ab. Er lernt Herder und Dichter des Sturm und Drang kennen und durch sie Pindar, Homer, Shakespeare, Ossian, Hamann und die Volkspoesie.

21

Sesenheim

Er verliebt sich in die Pfarrerstochter von Sesenheim Friederike Brion. Mai–Juni: in Sesenheim. 7. August 1771: ohne Erklärung Abschied.

21

1771

Frankfurt a. M.

14. Oktober: Goethe hält seine berühmte Rede Zum Schäkespears Tag. Prozess gegen die Kindesmörderin Susanna Margaretha Brandt.

22

1772

Wetzlar

Praktikant am Reichskammergericht; verliebt sich in Charlotte Buff. Selbstmord des Studienkollegen Jerusalem.

23

1774

Frankfurt a. M.

Knebel vermittelt die Bekanntschaft mit dem Erbprinzen Karl August von Sachsen-Weimar und Eisenach.

25

1775

Frankfurt a. M.

Liebe und Verlobung mit Lili Schönemann

26

Schweiz

Erste Reise in die Schweiz. Am 30.10. Abreise nach Weimar, nachdem Karl August die Regierung angetreten hat.

Weimar

Ankunft am 7.11.

1776

Weimar

Geheimer Legationsrat mit Sitz und Stimme im Geheimen Conseil, tritt am 25. Juni in den Staatsdienst. Liebe zu Charlotte von Stein

26

1777

Harz

Erste Harzreise, der 1783 bis 1789 weitere folgen. Nachklang im Faust: Walpurgisnacht und Klassische Walpurgisnacht.

28

1779

Weimar

Weitere Aufgaben u. a. Kriegskommission, Goethe wird zum Geheimen Rat ernannt.

30

Schweiz

Zweite Reise

1782

Weimar

Er wird geadelt. Goethes Vater stirbt.

33

1784

Weimar

Goethe entdeckt den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

35

1786

Karlsbad

Sommer in Karlsbad. Heimlich flieht er von dort nach Italien.

37

Italien

29. Oktober: Ankunft in Rom. Italienische Reise.

1788

Weimar

Rückkehr, liebt Christiane Vulpius und lebt mit ihr zum Entsetzen des Weimarer Adels zusammen.

39

1789

Weimar

Sohn August geboren, stirbt 1830 in Rom und wird dort an der Pyramide des Cestius, wo auch Shelley (1792–1822) liegt, beerdigt.

40

1790

Italien

März–Juni: zweite Italienreise. In Begleitung Karl Augusts nach Schlesien

41

1791

Weimar

Bis 1817 Direktor des Hoftheaters

42

1792–1793

Frankreich

Feldzug, Teilnahme an der Belagerung von Mainz

43

1794

Weimar, Jena

Beginn der Freundschaft und des Briefwechsels mit Schiller. Schiller siedelt im Dezember 1799 nach Weimar über.

45

1797

Schweiz

Dritte Reise

48

1803

Weimar

Friedrich Wilhelm Riemer wird Hauslehrer von Goethes Sohn und Goethes Sekretär; heiratet 1814 Christianes Gesellschafterin Caroline Ulrich, die seit 1809 in Goethes Haus wohnt und die der Dichter liebt.

53

1805

Weimar

9. Mai: Tod Schillers. Freundschaft mit Zelter

55

1806

Jena

Schlacht bei Jena und Auerstädt: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation geht unter; die preußisch-sächsische Armee wird geschlagen. Die Franzosen plündern Weimar, Goethes Haus bleibt dank des Einsatzes von Christiane verschont. Am 19. Oktober lässt sich Goethe mit Christiane trauen.

57

1807

Weimar

Liebe zu Minna Herzlieb

58

1808

Faust. Der Tragödie erster Teil erscheint. Erste Ideen zu Der Tragödie zweiter Teil.

59

1814/15

Rhein und Main

Reisen. Liebe zu Marianne von Willemer

65

1816

Weimar

6. Juni: Tod Christianes

66

1816

Weimar

16. Dezember: Diktat einer Inhaltsskizze vonFaust. Zweiter Teil für das 18. Buch von Dichtung und Wahrheit. Die Skizze wurde nicht aufgenommen.

67

1818

Weimar

Lektüre von Marlowes Doctor Faustus

69

1823

Weimar

Eckermann besucht Goethe. Er wird Mitarbeiter und Nachfolger Riemers. Letzte Reise nach Marienbad und Eger. Verliebt sich in Ulrike von Levetzow, Heiratsabsicht scheitert.

74

1825

Weimar

Intensive Arbeit am Faust II

76

1826

Weimar

11. Februar: Goethe bezeichnet im Tagebuch erstmals die Arbeit anFaust IIals „Hauptgeschäft“.

76

1827

Weimar

Helena. Klassisch-romantische Phantasmagorie erscheint.

78

1828

Weimar

Der Großherzog und Freund Karl August stirbt.Faust. Zweiter Teil:Fast 1500 Verse des 1. Aktes erscheinen in Bd. 12 derAusgabe letzter Hand.

79

1829

Weimar

Dezember: Arbeit am 2. Akt, Goethe liest Eckermann daraus vor.

80

1830

Weimar

Januar: Arbeit an der Klassischen Walpurgisnacht (2. Akt); Goethe liest die Mütterszene (V. 6212 ff.) vor.

80

1831

Weimar

22. Juli: „Das Hauptgeschäft zustande gebracht.“

81

1831

Weimar

Goethe lässt die Reinschrift von Faust II versiegeln.

82

1832

Weimar

Nochmalige Arbeit an Faust II, „neue Aufregung“ notiert Goethe am 24. Januar. 22. März: Tod Goethes in seinem 83. Lebensjahr. Faust. Zweiter Teilerscheint nach Goethes Tod in Band 41 derAusgabe letzter Hand.

82

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Als Goethe an Faust I arbeitete, war es der Vorabend der Französischen Revolution von 1789.

Die Arbeit an Faust reichte über die Herrschaft Napoleons, die Neuordnung Europas, die Befreiungskriege 1813 und den Wiener Kongress 1815 bis zur Julirevolution 1830.

Parallel dazu vollzogen sich eine technisch-industrielle Revolution großen Ausmaßes und die Herausbildung der Arbeiterklasse.

Gesellschaftliche Inhalte waren u. a. eine bürgerliche Gesellschaftsstruktur, das Gleichheitsprinzip und bürgerlicher Besitzanspruch.

Faust II wurde auch zu einer Auseinandersetzung Goethes mit der Romantik.

Von der Neuordnung Europas durch Napoleon bis zur Julirevolution 1830

Die Entstehungszeit des Faust reicht von 1770 bis zu Goethes Tod 1832. Goethe begann mit der Arbeit am Vorabend der Französischen Revolution von 1789, die Aufklärung bereitete die geistigen und politischen Veränderungen vor. Die Arbeit an Faust II endete, als die Arbeiterklasse 1830 zum ersten Male ihre Forderungen anmeldete. Goethe verfolgte die Julirevolution von 1830 in Frankreich aufmerksam: In einem Brief an Knebel vom 12. September 1830 bezeichnete er sie als „Reprise“ der Revolution von 1789 und an Zelter vom 5. Oktober als „Pariser Erdbeben“[1]. Auch in Faust II arbeitete Goethe die Julirevolution ein, so umschreibt im 2. Akt ein von Seismos verursachtes Erdbeben (V. 7503 ff.) die Revolution metaphorisch. Zu Beginn des 4. Aktes beschreibt Mephisto – „ernsthaft“, wie es heißt – die Revolution als ein Erdbeben, dass die Hölle ausgelöst habe (V. 10084 ff.). Goethe wurde zudem mit der beginnenden industriellen Revolution konfrontiert: Seit 1784 gab es die erste Dampfmaschine James Watts, in der Chemie entdeckte Lavoisier, der 1794 auf der Guillotine gestorben war, die Zusammensetzung des Wassers – der naturwissenschaftlich interessierte Goethe galt „als Fachmann für die neue Chemie Lavoisiers“[2] –, 1825 fuhr die erste Eisenbahn in England, Großbanken wie das Haus Rothschild (seit 1815) entwickelten sich, und das Finanzwesen wurde zu einer beherrschenden Macht. In den Kriegen entstand eine technisierte Kriegführung, in der ingenieurtechnisches Personal große Bedeutung hatte. Goethe hat die Veränderung im 4. Akt (V. 10503–10782) symbolisch durch fiktive Wasserwogen, Lichtspiele und leere Rüstungen beschrieben.

Wesentliche Ereignisse zwischen dem Erscheinen von Faust I (1808) und der Arbeit an Faust II (1825 ff.)

Die Zeit Napoleons

POLITISCHE EREIGNISSE:

KULTURELL-TECHNISCHE EREIGNISSE:

LITERARISCHE EREIGNISSE:

Seit 1799: Aufstieg Napoleons zu Konsul und Kaiser. 1805: Sieg der Franzosen bei Austerlitz. 1806: Ende des Hlg. Römischen Reiches Dt. Nation. 1807: Preuß. Reformen durch Reichsfreiherr vom und zum Stein (Bauernbefreiung, Städteordnung schränkt Einfluss des Staates ein, Heeresreform). 1808: Erfurter Fürstenkongress, Napoleon trifft den Zaren und die Rheinbundfürsten; dt. Staaten außer Preußen und Österr. treten dem Rheinbund bei.  1809: Widerstand gegen Napoleon durch Einzelaktionen (Major Schill, Andreas Hofer, Schwarze Schar des Herzogs von Braunschweig). 1810: Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht; er erobert Europa, 1812: Konvention von Tauroggen zwischen Preußen und Russen; Niederlage Nap.s in Moskau. 1813: Völkerschlacht bei Leipzig. 1814: Louis XVIII. (Bourbonenrestauration bis 1830).

J. G. Fichte (1807/08:Reden an die dt. Nation). 1807: Dampfschiff (R. Fulton), 1808: L. v. Beethoven (5., 6. Sinfonie). 1808: Mechanischer Webstuhl. 1810: Malervereinigung der Nazarener in Rom. 1811: Jahn eröffnet ersten Turnplatz in Berlin. 1811: Stahlgießerei und Maschinenfabrik Krupp. 1813: Erste einsetzbare Lokomotive in England. 1819: Raddampfer fährt von den USA nach Europa. 1821: Grundlage des Elektromotors (Faraday). 1825: 1. Techn. Hochschule Dt.s in Karlsruhe. 1830: Eisenbahn zw. Manchester u. Liverpool (Stephenson).

Frühromantik/Jena: A. W. (1767–1845) und f. (1772–1829) Schlegel, C. Schlegel (verheiratet u. a. mit A. W. Schlegel, Schelling, befreundet mit G. Forster), Novalis (1772–1801): bedeutendster Dichter der Frühromantik, L. Tieck (1773–1853), E. T. A. Hoffmann (1776–1822). H. v. Kleist (1777–1811): Prinz Friedrich von Homburg(1809/11 entst.), Penthesilea(1808), Der zerbrochene Krug(1803/06); Jacob (1785–1863) u. Wilhelm (1786–1859) Grimm: Deutsche Sagen, Dt. Grammatik u. Beginn des Dt. Wörterbuches. Europäische Lit.: Shelley: Der entfesselte Prometheus(1820), Manzoni: Die Verlobten(1827), Mickiewicz: Totenfeier(1823/32/60), Stendhal: Rot und Schwarz(1830).

Wiener Kongress bis zur Julirevolution

POLITISCHE EREIGNISSE:

KULTURELL-TECHNISCHE EREIGNISSE:

LITERARISCHE EREIGNISSE:

Wiener Kongress (1814/15) mit Restauration. 1815: Gründung des Dt. Bundes (ca. 40 Staaten bleiben von über 300 übrig). 1817: Wartburgfest. 1818: Allgem. Dt. Burschenschaft. 1819: Karlsbader Beschlüsse, Demagogenverfolgung.1821: Griech. Freiheitskampf bis 1829, Philhellenismus.1822: Hlg. Allianz: Unterdrückung der bürgerl. Rev. in Europa. 1830: Julirev. in Frankreich.

Gemälde C. D. Friedrichs. Lit. Salons als Kulturzentren: Rahel Varnhagen, Henr. Hertz, Bettina von Arnim, K. v. Günderrode; utop. Sozialismus: Saint-Simon. Eisenbahn: Nürnberg-Fürth.1832:Goethes Tod bedeutet „Ende der Kunstperiode“ (Heine).

Hochromantik nach 1805 (Heidelberg): A. v. Arnim (1781–1831), C. Brentano (1778–1842): Sammlung von Volksliedern (Des Knaben Wunderhorn) und Volksdichtungen, Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen(1812/15). J. v. Eichendorff (1788–1857), W. Müller, genannt: Griechen-Müller (1794–1827).

Bürgerliche Gesellschaft, Gleichheitsprinzip und Besitzanspruch

Parallel zum Aufstieg Napoleons entwickelte sich sowohl unter dem französischen Einfluss als auch durch die preußischen Reformen seit 1807 eine bürgerliche Gesellschaft mit einer entsprechenden Gesetzgebung. Goethe, der alles Wesentliche aus der Presse erfuhr, hielt diese bürgerliche Welt- und Lebenssicht, die von einem vernünftig geregelten Ganzen ausging, für gültig. Außerdem nahm er die utopischen Sozialisten, vor allem den französischen Philosophen Henri de Saint-Simon (1760–1825), zur Kenntnis.[3] Goethe las die französische Zeitung Le Globe gewissenhaft. Das Gedankengut des utopischen Sozialismus, das er fand, floss in die Arbeit am 5. Akt ein, z. B. Saint-Simons Gesellschaftslehre – die modernste Philosophie der Zeit –, die Vorstellung von einer Gesellschaft, in der Menschen gleichberechtigt und frei zusammenarbeiten. Bei der Arbeit galt für Goethe die Forderung der Gleichheit. Anders verhielt es sich mit gleichen Besitzverhältnissen: Goethe erkannte und akzeptierte die Unterschiedlichkeit von Leistung und daraus entstehender Verteilung. Goethes „freie(r) Grund mit freiem Volk“ (V. 11580) war nicht gleichzusetzen mit eigenem Grund.

Die technisch-industrielle Revolution – Kolonisationsbestrebungen

Zwischen 1800 und 1825 hatte die Arbeit am Faust II fast geruht. Die Zeit der Neugestaltung Europas war verbunden mit Napoleons Aufstieg und Preußens Zusammenbruch 1806, dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Napoleons Zug nach Moskau, den Befreiungskriegen 1813 und Napoleons Sturz. Der Wiener Kongress 1815 restaurierte die überholten Machtverhältnisse und machte die Neugestaltung Europas wieder zum Teil rückgängig. Im Kampf gegen die Fremdherrschaft hatte sich jedoch ein Patriotismus entwickelt, der sich nicht verdrängen ließ und der die Menschenrechte einbezog. Die von Frankreich übernommene bürgerliche Gesetzgebung, der von Napoleon eingeführte Code civil und die industrielle Revolution, der technische Fortschritt in den Rheinbundstaaten wirkten weiter und wurden durch die preußischen Reformen seit 1807 (Agrarreformen schränkten feudale Verhältnisse auf dem Lande ein usw.), die als Voraussetzung des Kampfes gegen die Fremdherrschaft galten, propagiert. In England hatte sich eine moderne maschinell betriebene Industrie entwickelt und führte zu einem explosiv wachsenden Handel. Aus der Landwirtschaft waren Arbeitskräfte frei geworden, die sich in Betrieben verdingten und so zur Erweiterung der Industrie führten. Europa wurde technisch und industriell modernisiert.

Die USA sahen sich einer beginnenden großen Einwanderungswelle ausgesetzt; Kolonisationsprobleme wie in Fausts Schlussmonolog (V. 11559 ff.) standen auf der Tagesordnung. Wenn Faust dem Teufel die Aufgabe stellt, ihn bei der Landgewinnung zu unterstützen und „das herrische Meer vom Ufer auszuschließen“ (V. 10229), erweist er sich als Zeitgenosse Goethes.[4]

Seit der Französischen Revolution von 1789 hatte sich Europa prinzipiell verändert. Napoleons Zug durch Europa war zwar 1812 in Moskau gestoppt worden, aber den territorialen Umgestaltungen, die er vorgenommen hatte, schlossen sich weitere an, auch durch den Wiener Kongress 1815. Es folgten die Gründung des Deutschen Bundes und die Heilige Allianz, durch die alle demokratischen Bewegungen rücksichtslos unterdrückt werden sollten (Zensur, Verbote, Stärkung der landesherrlichen Gewalt usw.). Die genannten Ereignisse umreißen, dass Goethes Faust II während dieser Neuordnung Europas entstand, die mit einschneidenden sozialen Veränderungen verbunden war. Sie bedeuteten die Ablösung feudaler Strukturen durch die Herrschaft des Bürgertums, wie sie auch in Faust II zu finden ist. Für Heinrich Heine war 1835 Faust der Zeitpunkt, „wo man anfing, gegen die strenge Kirchenautorität zu predigen und selbstständig zu forschen: – so dass mit Faust die mittelalterliche Glaubensperiode aufhört und die moderne kritische Wissenschaftsperiode anfängt.“[5]

Goethes Auseinandersetzung mit der Romantik

Faust II war auch eine Auseinandersetzung mit der deutschen und der europäischen Romantik, die das Werk aufnahm, reflektierte und von der es sich abstieß. Die Romantik verlief zeitlich parallel: Um 1800 hatte sie einen ersten Höhepunkt erreicht, 1830 war sie vorüber. 1832 sprach Heinrich Heine vom Ende der „Goethe‘schen Kunstperiode“[6] und bezog die Romantik in die Beschreibung ein. Goethe führte die Auseinandersetzung mit der Romantik auch, weil er sich mit Schiller für die Auslösung von „so viel Streit und Spaltungen“ der romantischen oder klassischen Poesie verantwortlich sah.[7] 1829 äußerte Goethe:

„Das Klassische nenne ich das Gesunde, und das Romantische das Kranke. Und da sind die Nibelungen klassisch wie der Homer, denn beide sind gesund und tüchtig. Das meiste Neuere ist nicht romantisch, weil es neu, sondern weil es schwach, kränklich und krank ist, und das Alte ist nicht klassisch, weil es alt, sondern weil es stark, frisch, roh und gesund ist.“[8]

Goethes Aussage fiel in einem Gespräch über französische Dichter und betraf nicht nur die zeitgenössische Kunst, sondern Wirkungen von Kunst überhaupt. Dadurch wurden Homer als Klassiker und das Nibelungenlied, das deutsche Romantiker als Vorbild priesen[9], als klassisches Kunstwerk verstanden. Diesem Gedanken folgte Goethe in seinem Faust II: Die Auseinandersetzung zwischen Klassik und Romantik