Ein Volksfeind. Königs Erläuterungen. - Rüdiger Bernhardt - ebook

Ein Volksfeind. Königs Erläuterungen. ebook

Rüdiger Bernhardt

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Königs Erläuterung zu Henrik Ibsen: Ein Volksfeind - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 152




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 411

Textanalyse und Interpretation zu

Henrik Ibsen

EIN VOLKSFEIND

Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Henrik Ibsen: Ein Volksfeind. Schauspiel in fünf Akten. Übersetzung von Christian Morgenstern. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag, 2010 (224. Hamburger Leseheft).

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2017

ISBN 978-3-8044-7041-5

© 2009, 2017 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Szenenbild aus einer Inszenierung am Maxim Gorki Theater Berlin, 2012 © ullstein bild – Lieberenz

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Henrik Ibsen: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Ibsens Reaktion auf die Publikumsverurteilung der Gespenster

Die Entwicklung Norwegens nach 1850

Deutschland unter dem Sozialistengesetz 1878 bis 1890

Der Einfluss wissenschaftlicher Entwicklungen – Ibsens Prinzip der Polarität

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

Erster Akt

Zweiter Akt

Dritter Akt

Vierter Akt

Fünfter Akt

3.3 Aufbau

Schauspiel – Lustspiel – Tragikomödie?

Nähe zum aristotelischen Schauspiel

Die Funktion der Briefe im Stück

Der besondere vierte Akt

Der Konflikt – Die Einheiten des Ortes und der Zeit

Die Funktion der Regieanmerkungen

Der Bote aus der Fremde

Der Schlusssatz

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Thomas Stockmann

Peter Stockmann

Kathrine Stockmann

Petra Stockmann

Die Redakteure des „Volksboten“ Billing und Hovstad

Morten Kiil

Aslaksen

Kapitän Horster

Bürger der Stadt

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Veraltete Übersetzung

Leitbegriffe und Symbole

Sprachliche Verwandlung in säkularen Messias

3.7 Interpretationsansätze

Ein leicht zu verstehendes Stück?

Widerspruch zwischen naturwissenschaftlicher und sozialer Wahrheit

Die Lebenslüge und Ibsens „drittes Reich“ als Reich der Wahrheit

Nichtstaat und Adelsmenschen

Ibsen als früher Umweltaktivist

4. Rezeptionsgeschichte

Rezeption bis 1918

Rezeption in den 1920er Jahren

Rezeption im Nationalsozialismus

Rezeption nach 1945

Vom Volksfeind beeinflusste literarische Werke

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Primärliteratur

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, folgt eine Übersicht.

Im 2. Kapitel wird Henrik Ibsens Leben beschrieben und auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund verwiesen:

Henrik Ibsen lebte von 1828 bis 1906, viele Jahre in Italien und Deutschland. Er ist der berühmteste Dramatiker Norwegens. Zur Phase seiner gesellschaftskritischen Stücke gehört EinVolksfeind. Das Stück reagierte auf politische Entwicklungen in Norwegen, aber auch auf Leserreaktionen zu Ibsens Gespenstern. Wegen seiner Thematik ist es bis heute aktuell.

Norwegen erlebte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine schnelle Industrialisierung, parallel bildete sich der Naturalismus als europäische Denk- und Kunstrichtung aus. Der Naturalismus war der Versuch, gesellschaftliche Widersprüche, Wissenschaft und Kunst aufeinander zu beziehen. Ästhetische Kategorien waren demgegenüber untergeordnet.

Ibsens Prinzip der Polarität vereinigte die Dialektik Hegels mit Søren Kierkegaards normierten Lebensweisen und übertrug diese Systematik in die moderne Gesellschaftsdramatik.

Im 3. Kapitel wird eine Textanalyse und -interpretation geboten.

Ein Volksfeind – Entstehung und Quellen

In der kurzen Entstehungsgeschichte 1882 wurden langfristige Vorgänge verarbeitet, die sowohl die europäische Entwicklung als auch die individuellen Erlebnisse Ibsens betrafen. Zu den Quellen gehörten zeitgenössische Ereignisse, wie die Pariser Kommune, die sich auf Ibsens Nichtstaatstheorie auswirkte, autobiografische Bezüge, die gewollt waren, aktuelle Ereignisse von vergleichbaren Vorfällen und literarische Beziehungen (J. S. Welhaven, B. Bjørnson, G. Brandes, J. Lie, Molière).

Inhalt:

Der Badearzt Dr. Stockmann erfährt, dass eine von ihm einst empfohlene Quelle, die den Aufstieg des Ortes zum Bad auslöste, durch Industrieabwässer verseucht ist. Sein Bruder weist als Bürgermeister des Ortes Sanierungen mit Rücksicht auf die Aktionäre des Bades und die Einwohner, die von den Einnahmen abhängig sind, zurück. Dr. Stockmann will sich über die Presse, die ihm anfangs beistehen will, an die Öffentlichkeit wenden, aber sein Bruder verhindert die Versuche und bringt die öffentliche Meinung gegen den Badearzt auf. Dr. Stockmann stellt die Bürgerschaft in einer öffentlichen Veranstaltung bloß. Die bezeichnet ihn daraufhin als Volksfeind. Die Familie verliert alles, aber Dr. Stockmann, von seiner Familie unterstützt, kämpft weiter.

Chronologie und Schauplätze:

Das Stück spielt in den 1870er Jahren in einer südnorwegischen Küstenstadt, die zum Badeort aufgestiegen ist. Sie ist Symbol für den Aufstieg Norwegens in diesen Jahren, aber auch für die Bedrohung des Aufstiegs durch Korruption und politische Manipulation. Die Überlegungen Ibsens über Majorität und Minorität gehen in die Zeit der Pariser Kommune zurück und lassen ihn zu einer speziellen Nichtstaatstheorie kommen.

Personen:

Thomas Stockmann,

ca. 40-jähriger Arzt und früher Umweltschützer,

verheiratet und Vater von drei Kindern,

Wahrheitsfanatiker und Querkopf,

freundlich, leichtlebig, schnell erregt.

Peter Stockmann,

ca. 45-jähriger Bürgermeister und Polizeichef,

Vorstand der Badeverwaltung,

korrupter, pedantischer Beamter,

alleinstehend, lebt spartanisch, kränklich.

Kathrine Stockmann,

etwa 30-jährige Frau von Thomas, ist ihm letztlich überlegen,

haushälterisch und sachlich,

trägt die Verantwortung für die Familie.

Petra Stockmann,

ca. 20-jährige Tochter von Thomas und Kathrine Stockmann,

Schwester von Eilif, 13 und Morten, 10,

Lehrerin und Übersetzerin,

sucht nach ehrlichen Erziehungszielen.

Billing und Hovstad

Redakteure des Volksboten,

Mitgiftjäger und Streber,

opportunistische Journalisten,

liberal, atheistisch, karrieristisch.

Morten Kiil („Dachs“)

Schwiegervater von Thomas,

rücksichtsloser Gerbereibesitzer,

geizig und bösartig.

Aslaksen

Buchdrucker,

Typ des perfekten Opportunisten,

Verkünder des Maßhaltens,

beherrscht die Presse.

Kapitän Horster

interessiert sich nicht für den Badeort,

ist in der Welt – Amerika! – unterwegs,

Neigung zu Petra Stockmann.

Bürger der Stadt

verkörpern die von Thomas verabscheute Majorität,

uninformiert, obrigkeits- und pressehörig,

bieten Farce einer demokratischen Meinungsbildung.

Stil und Sprache:

Sprache ist ein von Ibsen differenziert eingesetztes künstlerisches Mittel; viele Wörter oder oft verwendete Begriffe sind mit einem metaphorischen Gehalt unterlegt. – Die Sprache ist scheinbar einfach, aber mit Symbolen versehen; Regieanmerkungen werden zu epischen Texten.

Verschiedene Interpretationsansätze bieten sich an:

Ein Volksfeind reflektiert die norwegische und europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts am Beispiel eines kleinen wirtschaftlich aufstrebenden Küstenortes und lässt sich auf mehrere zeitgenössische Vorgänge anwenden.

Der dem Stück zugrunde liegende Konflikt ist der Widerspruch zwischen naturwissenschaftlicher und sozialer Wahrheit.

Ibsen hat in seinem politischen Stück auch seine Nichtstaatstheorie sowie seine Konzeption eines „dritten Reichs“ der „Adelsmenschen“ zur Diskussion gestellt.

Es ist ein Stück der Realität wie der Symbolik, indem es moderne Fehlentwicklungen von Demokratie, Freiheit, Bürgerbewegung usw. bis in die Gegenwart im Symbol des Sumpfes und der Verseuchung diskutiert und nach Veränderungen sucht.

Aus dieser Betrachtung als reales und als symbolisches Stück ergibt sich seine ungebrochene Aktualität bis heute (Ibsen als früher Umweltaktivist).

Rezeptionsgeschichte:

Von seiner Uraufführung 1882 bis in die Gegenwart gehört Ein Volksfeind zu den am häufigsten inszenierten Stücken Henrik Ibsens und hat eine nur schwer zu überschauende Sekundärliteratur hervorgebracht.

Besonders in Zeiten der Radikalisierung politischer Ideen hat die Symbolfunktion des Stückes dazu gedient und dient sie noch, ein Diskussionsforum politischer Themen zu schaffen.

Dabei hatte das Stück in Deutschland von Beginn an eine größere Resonanz als in seiner norwegischen Heimat.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde das Werk jedoch missbraucht und zum Teil verfälscht inszeniert.

Das Werk wird bis heute von bedeutenden Regisseuren inszeniert und wurde bereits mehrfach verfilmt. Auch ließen sich viele Schriftsteller von Ibsens Stück anregen (u. a. Arthur Schnitzler, Arthur Miller und Friedrich Dürrenmatt). 

2. Henrik Ibsen: Leben und Werk

Henrik Johan Ibsen (1828–1906)© ullstein bild

2.1 Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1828

Skien

Henrik Johan Ibsen wird am 20. März geboren. Vater: Knud, Kauf­mann, Mutter: Marichen Cornelia Martine, geb. Altenburg.

1835

Venstøp

Konkurs des Vaters, Umzug im Juni, sozialer Abstieg. Schulbesuch in Skien.

7

1840

Venstøp

Baut sich ein Marionettentheater.

12

1843

Skien

1. Oktober: Konfirmation; Rückkehr nach Skien. Will eigentlich Maler werden.

15

1844

Grimstad

3. Januar: Apothekerlehre bei Jens Arup Reimann.

16

1846

Grimstad

9. Oktober: Geburt des Sohnes Hans Jacob Henriksen aus dem Verhältnis mit dem zehn Jahre älteren Dienstmädchen bei Reimanns Else Sophie Birkedalen.

18

1847

Grimstad

Nach der Hälfte der Lehre: Apothekengehilfe („qualifizierter Helfer“) unter dem neuen Besitzer Lars Nielsen. Freundschaft mit dem Zollbeamten Christopher Due.

19

1848-49

Grimstad

Vorbereitung auf das Abitur, im Winter: Catilina, 1850 erschienen. Berufswunsch: Arzt. Beeindruckt von der nationalromantischen Dichtung Johan Sebastian Welhavens, Andreas Munchs und Adam Gottlob Oehlenschlägers; schreibt historische Dramen.

20–21

1850

Christiania (seit 1924 Oslo)

28. April: Ankunft. Heltberg’sche „Abiturientenfabrik“, Berührung mit der Arbeiterbewegung, den Thranitern. Mitarbeit an Zeitschriften. Letzter Besuch bei den Eltern in Skien. Abitur teilweise bestanden.

22

1851

Christiania

Hört Vorlesungen, publizistisch tätig. Im Januar erscheint die literarisch-satirische Zeitschrift Manden (Der Mann). Er zahlt zu spät Unterhalt, wird verurteilt, entgeht knapp dem Gefängnis.

23

Bergen

Seit Sommer Dramaturg, Regisseur und Dichter am Norwegischen Theater. Freundschaft mit Bjørnstjerne Bjørnson.

1852

Kopenhagen

Studienreise mit einem Stipendium. Bekanntschaft mit Johan Ludvig Heiberg und H. C. Andersen. Sieht Stücke Shakespeares, Holbergs, Scribes u. a.

24

Dresden

9. Juni: Ankunft, Unterstützung durch den Maler Johan Clausen Dahl. Hermann Hettners Buch Das moderne Drama wird zum Erlebnis.

1855/56

Frau Inger auf Östrot, Das Fest auf Solhaug.

27/28

1856

Erfolgreiche Aufführung der Stücke. Lernt seine zukünftige Frau Suzannah Thoresen kennen.

28

1857

Christiania

Künstlerischer Leiter des Norwegischen Theaters (Kristiania Norske Theater).

29

1858/59

Christiania

Verlobung, am 18. Juni 1858 Heirat mit S. Thoresen, Geburt des Sohnes Sigurd (23. 12. 1859). Die Familie ist arm, Schulden bei zehn Gläubigern häufen sich in der nächsten Zeit an.

30/31

1862

Christiania

Wegen finanzieller Schwierigkeiten des Theaters Ende der Tätigkeit. Sommer: Die Komödie der Liebe, Veröffentlichung im Dezember, Unverständnis bei den Lesern, erst 1873 uraufgeführt. Ende Juni – Juli: Reise durch Norwegen, sammelt Volkssagen.

34

1863

Christiania

Berater und Dramaturg am Christiania-Theater, erneutes Stipendium wird während der Arbeit an Die Kronprätendenten verbraucht. Uraufführung am 17. Januar 1864. Storting beschließt im September staatliches Reisestipendium, Geldsammlung durch Bjørnson (700 Speciestaler), den „Geldsammler“ (S. 10, 39).

35

1864

Christiania

Ibsen bricht am 2. April nach Kopenhagen auf.

36

Berlin, Rom

Erlebt in Berlin die Siegesparade nach dem Deutsch-Dänischen Krieg und erzählt in Rom im Skandinavischen Club davon. Für 27 Jahre verlässt Ibsen seine Heimat, die er nur besuchsweise wiedersieht (z. B. 1874).

1866

Rom

15. März: Veröffentlichung von Brand, großer Erfolg, vier Auflagen in dem Jahr. 12. Mai: Bewilligung einer jährlichen Dichtergage (400 Speciestaler), Beginn des lebenslangen Kontaktes zum Verleger Frederik Hegel (1817–1887).

37

1867

Dänemark

Georg Brandes (1842–1927) veröffentlicht seinen ersten Essay über Ibsen.[1] Er wird zum wichtigsten Verbündeten.

39

Sorrent

Abschluss von Peer Gynt, Entfremdung von Bjørnson.

1868

Dresden

Umzug, im „Literarischen Verein“ nimmt er an Veranstaltungen teil, wird 1904 Ehrenmitglied. Mehrfach Wohnungswechsel im Stadtzentrum.

40

1869

Juni: Tod der Mutter, die seit 1865 vom Vater getrennt lebte. Ibsen hatte sie seit 1850 nicht mehr gesehen. Juli: Ibsen vertritt Norwegen bei einem Rechtschreibkongress der skandinavischen Sprachen.

41

Stockholm

Oktober: Teilnahme an der Eröffnung des Suezkanals. Kreuzfahrt auf dem Nil.

Paris/Orient

18. Oktober: Uraufführung Der Bund der Jugend, zuerst abgelehnt, wird es „das beliebteste Stück im Norwegen des 19. Jahrhunderts“[2].

Dresden

Rückkehr

1870

Dänemark

Besuch, Begegnung mit dem Verleger Frederik Hegel.

42

1871

Dresden

Ablehnung des Deutsch-Französischen Krieges, Nichtstaatstheorie unter Bezug auf die Pariser Kommune. Angriffe auf ihn wegen „Deutschenhass“.[3] Georg Brandes und Laura Kieler besuchen ihn. Gedichte werden zum Erfolg.

43

1872

Dresden

Erste deutsche Übersetzungen (Brand, Die Kronprätendenten, Der Bund der Jugend); Brandes und H. C. Andersen zu Besuch.

44

1873

Pillnitz bei Dresden

Den Sommerhaushalt führen Ibsens Frau und seine Schwägerin Marie. Abschluss Kaiser und Galiläer. Verzicht auf den Vers im Drama.

45

Wien

Juni – 1. August: Jurymitglied für Dänemark und Norwegen auf der Weltausstellung.

1874

Christiania

19. Juli: Erster Besuch nach zehn Jahren Abwesenheit.

46

1875

München

Frühjahr: Umzug von Dresden. Teilnahme an den Sitzungen des „Krokodils“ (Vorsitzender: Paul Heyse).

47

1876

Meiningen

Die Meininger[4] unter Herzog Georg II. führen am 30. Januar 1876 die Kronprätendenten (Ü.: Adolf Strodtmann) auf (erste deutsche Aufführung eines Stückes von Ibsen), als Gastspiel am 3. Juni in Berlin.[5] Ibsen und der Herzog planen, dass er eine Stellung am Meininger Theater einnimmt und sich schnell einarbeite.[6] Der Plan zerschlägt sich.

48

München

10. April: Aufführung der Helden auf Helgeland.

Christiania

Peer Gynt als Oper (Musik: Edvard Grieg) wird zum Erfolg.

Gossensaß

August/September: erstmals Urlaub in Südtirol, dem sich weitere 1878, 1882, 1883, 1884 und 1889 anschließen.

1877

Uppsala Skien

Ehrendoktorwürde auf Empfehlung des Dichters und Literaturwissenschaftlers Lorentz Dietrichson. 4. Oktober: Tod des Vaters.

49

1878

Berlin

Jan./Febr.: Fünf Bühnen führen gleichzeitig Stützen der Gesellschaft auf.

50

Rom

Anschließend Aufführung an 27 Theatern. Zum Studium des Sohnes Sigurd.

1879

Amalfi 

September: Abschluss von EinPuppenheim (Nora).

51

1879

München

Ab 14. Oktober.

Kopenhagen

21. 12. Uraufführung Nora, erlebt in drei Monaten drei Auflagen (8000, 3000, 3000 Ex.).

1880

Berchtesgaden

Sommeraufenthalt.

52

Rom

November, bis 1885 Wohnort.

1881

Kopenhagen

12. Dez.: Veröffentlichung der Gespenster löst Skandal in Skandinavien aus.

53

1882

Rom

Jan.: Ein Volksfeind entsteht.

54

Chicago

Mai: Uraufführung der Gespenster durch eine norwegisch-dänische Wandertruppe. Versöhnung mit Bjørnson.

Gossensaß

Sommeraufenthalt.Ein Volksfeinderscheint.

1884

Die Wildente.

56

1885

München

2. Oktober: Übersiedlung nach München.

57

1886

Augsburg

14. April: Aufführung der Gespenster als Generalprobe in Anwesenheit Ibsens.

58

Meiningen

Festwoche mit Ibsen, Richard Voß und Paul Lindau; 21. 12.: Aufführung der Gespenster durch die Meininger. Ritter des Sächsisch-Ernestinischen Ordens 1. Klasse. Verbot der Aufführung in Berlin.Rosmersholm.

1887

Berlin

9. Januar: Einmalige Gespenster-Aufführung als Matinee im Residenz-Theater[7] in Anwesenheit des Dichters, Ibsens endgültiger Durchbruch in Deutschland. „Heut bricht für die deutsche Literatur eine Epoche an“[8] (Julius Hoffory, 1855–1897, dänischer Hochschullehrer und Propagandist Ibsens, von Einfluss auf den Theaterkritiker Alfred Kerr, s. S. 104 f. der vorliegenden Erläuterung).

59

1888

Die Frau vom Meere.

60

1889

Gossensaß

Begegnung mit Emilie Bardach.

61

Berlin

29. September: Mit Gespenster im Lessing-Theater Freie Bühne eröffnet.

1890

München

Abschluss von Hedda Gabler.

62

1891

Norwegen

Kreuzfahrt entlang der norwegischen Küste, anschließend in Christiania, wo er im Oktober eine Wohnung bezieht.

63

1892

Christiania

Baumeister Solness. Sohn Sigurd, außenpolitischer Beamter, ab 1903 Staatsminister, heiratet Bjørnsons Tochter Bergliot.

64

1894–96

Klein Eyolf, John Gabriel Borkman.

66–68

1898

Christiania

Feiern zum 70. Geb. Deutsche Gesamtausgabe beginnt zu erscheinen (S. Fischer, Berlin), anschließend skandinavische Gesamtausgabe.

70

1899

Christiania

Wenn wir Toten erwachen. Epilog. Grandioser Abschluss eines Lebenswerkes.

71

1900

Christiania

März: 1. Schlaganfall, Sanatoriumsaufenthalt, Krankheit.

72

1901

Christiania

Zweiter und 1903 dritter Schlaganfall.

73

1906

Christiania

23. Mai: Tod nach langem Krankenlager, Staatsbegräbnis.

78

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Die Entstehung des Stückes Ein Volksfeind wurde beeinflusst von:

der Wirkungsgeschichte von Ibsens Stück Gespenster (1881),

der spezifischen Entwicklung Norwegens im europäischen Rahmen: Die kapitalistisch-industrielle Entwicklung vollzog sich in Norwegen aufgrund  einiger Besonderheiten – kein bedeutender Adel, selbstbewusste Bauernschaft, weltoffene Transportsysteme – schneller als in anderen Ländern und führte zu einer besonderen bürgerlichen Demokratie.

Ibsens Prinzip der Polarität (jeder Gedanke trägt seinen Widerspruch in sich) vereinigte die Dialektik Hegels mit den Vorstellungen von einem modernen sozialen Drama nach Hermann Hettner und mit Søren Kierkegaards normierten Lebensweisen nach dem Hauptwerk Entweder – Oder (1843) und übertrug diese Systematik in die moderne Gesellschaftsdramatik.

Ibsens Reaktion auf die Publikumsverurteilung der Gespenster

Ein Volksfeind war zunächst einmal eine Reaktion des Dichters auf den ablehnenden Umgang der Öffentlichkeit mit seinem Stück Gespenster (1881). Selbst der mit Ibsen befreundete Autor Paul Heyse bemerkte „missvergnügt: ‚Solche Bücher schreibt man überhaupt nie.“[9] Von einem dänischen Blatt wurde sogar empfohlen, die Gespenster „möge(n) in die Kalkgrube geworfen werden, wo so etwas allein hingehöre“[10]