Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing. Königs Erläuterungen. - Rüdiger Bernhardt - ebook

Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing. Königs Erläuterungen. ebook

Rüdiger Bernhardt

0,0
34,99 zł

Opis

Königs Erläuterungen zu Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi lub dowolnej aplikacji obsługującej format:

EPUB
MOBI

Liczba stron: 147




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 16

Textanalyse und Interpretation zu

Gotthold Ephraim Lessing

EMILIA GALOTTI

Von Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Lessing, Gotthold Ephraim, Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Heftbearbeitung: Uwe Lehmann. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag 2010 (Hamburger Leseheft Nr. 149). Zitatverweise sind mit HL gekennzeichnet. Lessing, Gotthold Ephraim, Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. ­Anmerkungen von Jan-Dirk Müller, Stuttgart: Philipp Reclam jun., durchgesehene Ausgabe 2001 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 45). Zitatverweise sind mit R gekennzeichnet.

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antikerezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2013

ISBN 978-3-8044-6923-5

© 2010, 2002 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Peter Mosbacher mit Judith Holzmeister in Emilia Galotti, ­Theater am Kurfürstendamm, Berlin 1953, © ullstein bild – Ruth Wilhelmi

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

Fußnoten Fußnoten sind im Text in eckigen Klammern mit fortlaufender Nummerierung angegeben. Tippen Sie auf eine Fußnote und Sie gelangen zum entsprechenden Fußnotentext. Tippen Sie im aufgerufenen Fußnotentext auf die Ziffer zu Beginn der Zeile, und Sie gelangen wieder zum Ursprung. Sie können auch die Rücksprungfunktion Ihres ePub-Readers verwenden (sofern verfügbar).

Verknüpfungen zu Textstellen innerhalb des Textes (Querverweise) Querverweise, z. B. „s. S. 26 f.“, können durch Tippen auf den Verweis aufgerufen werden. Verwenden Sie die „Zurück“-Funktion Ihres ePub-Readers, um wieder zum Ursprung des Querverweises zu gelangen.

Verknüpfungen zu den Online-Aufgaben Im Abschnitt 6 „Prüfungsaufgaben“ finden Sie einen Hinweis zu zwei kostenlosen zusätzlichen Aufgaben. Diese Aufgaben können über die Webseite des Verlages aufgerufen werden. Tippen Sie auf die Verknüpfung und Sie werden direkt zu den Online-Aufgaben geführt. Dazu wird in den Web-Browser Ihres ePub-Readers gewechselt – sofern Ihr ePub-Reader eine Verbindung zum Internet unterstützt und über einen Web-Browser verfügt.

Verknüpfungen zu Inhalten aus dem Internet Verknüpfungen zu Inhalten aus dem Internet werden durch eine Webadresse gekennzeichnet, z.B. www.wikipedia.de. Tippen Sie auf die Webadresse und Sie werden direkt zu der Internetseite geführt. Dazu wird in den Web-Browser Ihres ePub-Readers gewechselt – sofern Ihr ePub-Reader eine Verbindung zum Internet unterstützt und über einen Web-Browser verfügt.  Hinweis: Bitte beachten Sie, dass Webadressen nach Erscheinen dieses ePubs gegebenenfalls nicht mehr aufrufbar sind!

INHALT

1. DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK – SCHNELLÜBERSICHT

2. GOTTHOLD EPHRAIM LESSING: LEBEN UND WERK

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. TEXTANALYSE UND -INTERPRETATION

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Emilia Galotti

Gräfin Orsina

Hettore Gonzaga

Odoardo Galotti

Marinelli

Graf Appiani

Claudia Galotti

Conti

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Genauigkeit der Sprache

Das „Scharnier“

Motive und Symbole

3.7 Interpretationsansätze

Historischer Stoff und Gegenwartsstück

Das Mäzenatentum und der absolutistische Herrscher

Bürgerliche Moral und Tugend

4. REZEPTIONSGESCHICHTE

Reaktionen der Zeitgenossen

Veränderte Wirkung nach der Französischen Revolution von 1789

5. MATERIALIEN

6. PRÜFUNGSAUFGABEN MIT ­MUSTERLÖSUNGEN

Aufgabe 1 ***

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 *

LITERATUR

Zitierte Ausgaben

Weitere Werkausgaben

Lernhilfen und Kommentare

Sekundärliteratur

Verfilmungen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band sofort zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, folgt hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel wird Lessings Leben beschrieben und auf den zeit­geschichtlichen Hintergrund verwiesen:

Gotthold Ephraim Lessing lebte von 1729 bis 1781, zeitweise als freier Schriftsteller in Sachsen, Berlin, Breslau, Hamburg und zuletzt als Bibliothekar in Wolfenbüttel.

Lessing ist der wichtigste Vertreter der deutschen Aufklärung, die er dem Einfluss des französischen Klassizismus entzog. Er lernte die deutsche Kleinstaaterei ausgiebig kennen und verurteilte sie samt der absolutistischen Herrschaftsform.

Mit dem bürgerlichen Trauerspiel Emilia Galotti setzte Lessing neue Maßstäbe für das Drama, überwand die poetischen Prinzipien Gottscheds und schuf ein politisches Stück mit sozialen Konturen.

Im 3. Kapitel geht es um die Textanalyse und -interpretation.

Emilia Galotti – Entstehung und Quellen:

Das historische Vorbild war Virginia aus der literarischen Vorlage des Titus Livius (59 v. Chr. bis 17 n. Chr.).

Inhalt:

Das Trauerspiel hat fünf Aufzüge.

Der Prinz von Guastalla hat Emilia Galotti gesehen und begehrt sie leidenschaftlich. Um sie zu gewinnen, muss er seine Mätresse Gräfin Orsina verabschieden und Emilias Heirat mit dem Grafen Appiani verhindern. Der Kammerherr Marinelli lässt den Grafen überfallen, umbringen und Emilia auf das Lustschloss des Prinzen bringen. Die Orsina erkennt die Hintergründe der Ereignisse und klärt Emilias Vater Odoardo auf. Emilia spürt, dass sie der Verführung durch den Prinzen weder entgehen noch widerstehen kann; sie will sich töten. Das übernimmt ihr Vater, der sich danach der himmlischen und der irdischen Gerechtigkeit stellt. Der Prinz verbannt Marinelli.

Aufbau:

Lessings bürgerliches Trauerspiel folgt der aristotelischen Dramaturgie, bringt Züge der klassizistischen französischen Tragödie und Merkmale des englischen bürgerlichen Trauerspiels zusammen.

Es variiert die drei Einheiten (Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung) nach modernen Erfordernissen; die Einheit der Handlung wird besonders beachtet.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Emilia Galotti:

Titelfigur;

die schöne, junge Frau fühlt ihre Tugend von der Leidenschaft bedroht;

Gräfin Orsina:

Mätresse des Prinzen;

schön, intelligent und zu allem entschlossen;

Prinz von Guastalla:

absolutistischer Herrscher und Mäzen;

verantwortungsbewusst und verantwortungslos, liebenswert und rücksichtslos gleichermaßen;

getrieben von seiner Begierde;

Odoardo Galotti:

autoritärer, soldatischer Pflichtmensch;

arm, ehrlich und bieder;

Tugend- und Moralauffassungen bürgerlicher Prägung;

Marinelli:

verbrecherischer und intriganter Hofmann;

skrupelloser Politiker;

Graf Appiani:

ländlich, sittlich, tolerant;

Repräsentant des „Natürlichen“ und des aufgeklärten Adels mit Neigung zu bürgerlicher Toleranz;

Claudia Galotti:

lebenserfahrene, aber leichtgläubige, um die Sitten bei Hof wissende Ehefrau Odoardos;

ohne dessen rigorose Moralität;

auf Emilias gesellschaftliche Stellung bedacht;

Conti:

Maler;

Beispiel für das Mäzenatentum des Prinzen;

kümmert sich um seine Existenz.

Stil und Sprache in Emilia Galotti:

Die klare und präzise Sprache ist auf die vollkommene Wirkung des einzelnen Wortes bedacht.

Es wird mit nichtsprachlichen Bestandteilen gearbeitet, auch mit Satzzeichen, die zur akustischen Strukturierung des Textes beitragen.

Eine besondere Rolle spielt das „Scharnier“, durch das Wörter und Sätze miteinander verzahnt werden.

Interpretationsansätze:

Die Ablösung der feudalistischen Macht durch das Bürgertum wirkt sich auf die menschlichen Gefühle und Leidenschaften aus. Obwohl unter Adligen spielend, werden bürgerliche Ziele behandelt: Natürlichkeit, Freiheit und Selbstverwirklichung.

Der historische Stoff der Virginia bildet die Grundlage eines Stücks aus naher Vergangenheit, das sich spezifisch deutscher Probleme annimmt, wie z. B.: der fehlende Aufstand nach dem Tod Emilias, die Grenzen der Handlungsfähigkeit der Figuren sowie die Vernichtung bürgerlichen Denkens durch absolutistische Macht.

Rezeptionsgeschichte:

Viele Zeitgenossen begrüßten das Stück und versuchten sogar, es fortzusetzen; andere hatten Vorbehalte gegen Emilias Schicksal und die italienische Einkleidung.

Nach der Französischen Revolution von 1789 veränderte sich die Wirkung, denn man sah die deutschen Zustände nun unter dem Aspekt der Absicht Lessings und verglich sie mit den gesellschaftlichen Ergebnissen in Deutschland.

Das Stück wirkt bis heute, steht aber im Schatten anderer ­Stücke Lessings.

2.GOTTHOLD EPHRAIM LESSING: LEBEN UND WERK

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), © ullstein bild – Granger Collection

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1729

Kamenz (Sachsen, Oberlausitz)

22. Januar: Geburt Gotthold Ephraim Lessings als Sohn des Pastors prima­rius an der Kamenzer St. Marienkirche ­Johann Gottfried Lessing und der ­Pfarrerstochter Justina Salome, geb. ­Feller; elf Geschwister.

1737

Erster Unterricht bei Vater und Verwandten sowie Besuch der Lateinschule ab 1737. Der Vater ist schriftstellerisch tätig.

8

1741

Meißen

22. Juni: Freistelle in der Fürstenschule St. Afra nach hervorragenden Leis­tungen im Aufnahmegespräch; erste Dichtungen (Lieder, lehrhafte Verse).

12

1742

Kamenz

Lessings Geburtshaus brennt ab.

13

1746

Meißen

Wegen außerordentlicher Leistungen und auf Ersuchen des Vaters, da sonst ein Universitätsstipendium verfallen wäre, vorzeitiger Schulabschluss mit der Disputation Über die Mathematik der Barbaren (De mathematica barbarorum).

17

1746–1748

Leipzig

Immatrikulation an der theologischen Fakultät der sächsischen Landes­universität.

Bald Interessen für die Philosophie, das literarische Leben und die Schauspieltruppe der Neuberin, bestärkt durch Christlob Mylius, einen entfernten Verwandten Lessings, und Christian Felix Weiße.

Erste Veröffentlichungen; zeitweise ­Medizinstudium. Lessing flieht nach einer finanziellen Bürgschaft für Schauspieler der Neuberin, die seinen Jungen Gelehrten 1748 erfolgreich uraufführte.

17–19

1748

Wittenberg

Lessing setzt das Medizinstudium fort. Im November kommt er in Berlin an und beginnt das Leben eines freien Schriftstellers.

19

1748–1751

Berlin

Für die „Berlinische Privilegierte ­Zeitung“ (später „Vossische Zeitung“) schreibt er Kritiken; außerdem Übersetzungen und eigene Schriften.

19–22

1752

Wittenberg

Lessing schließt seine Studien ab; er wird am 29. April mit der Übersetzung einer Arbeit des spanischen Arztes Juan Huarte aus dem 16. Jahrhundert zum Magister der freien Künste promoviert.

23

1752–1755

Berlin

Rückkehr nach Berlin; Freundschaft mit Christoph Friedrich Nicolai, Moses ­Mendelssohn, Ewald von Kleist u. a.

23–26

1753–1755

Berlin

Schriften in sechs Bänden erscheinen.

24–26

1755

Potsdam

Miss Sara Sampson entsteht; das Stück wird am 10. Juli von der Ackermannschen Gesellschaft in Frankfurt /Oder uraufgeführt.

26

1755–1758

Leipzig

Ab Oktober ist Leipzig Hauptaufenthaltsort. Besuche in Dresden zur Vorbereitung auf die Bildungsreise.

1756: Begleiter des Kaufmannssohns Winkler, Besuch bei Gleim in Halberstadt, Besichtigung der herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel, Besuch bei Klopstock in Hamburg; großer Eindruck durch den Schauspieler Ekhof.

26–29

1756

Besuch norddeutscher und holländischer Städte und Museen.

27

Amsterdam

Die Bildungsreise wird zu Beginn des Siebenjährigen Kriegs abgebrochen. September: Ankunft im von Preußen ­besetzten Leipzig. Im Mai 1758 Rückkehr nach Berlin.

1758–1760

Berlin

Lessing findet keine feste Anstellung. Beginn der Auseinandersetzung mit dem poetischen Regelwerk Gottscheds (Briefe, die neueste Literatur betreffend); Beschäftigung mit Diderot; Übersetzungen. Beginn mit den Vorarbeiten für ein deutsches Wörterbuch und Arbeit an Faust.

29–31

1760

Berlin

23. Oktober: Wahl zum auswärtigen Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften.

31

1760–1765

Breslau

Ab November Gouvernementssekretär des preußischen Generals von Tauentzien (1710–1791), dem Kommandanten von Breslau, späteren Gouverneur von Schlesien. Als Schriftsteller schweigt er, lässt auch nichts drucken.

31–36

1764

Lessing beschließt, erneut als freier Schriftsteller zu leben und sich nicht „zum Sklaven zu machen“[1]. Er treibt Studien, arbeitet über Sophokles und am Laokoon-Thema.

35

1765–1767

Berlin, Bad Pyrmont

Er veröffentlicht zur Ostermesse 1766 Laokoon; 1767 Minna von Barnhelm. Juni/Juli 1766: Privatlehrer und Reise­begleiter Leopold von Brenkendorfs nach Bad Pyrmont, Bekanntschaft mit Justus Möser. Allein weiter nach ­Göttingen, Kassel und Halberstadt.

36–38

1767–1770

Hamburg

22. April 1767: Eröffnung des Nationaltheaters. Anstellung als Dramaturg und Kritiker: Hamburgische Dramaturgie. Erneute Begegnung mit Klopstock, der aus Kopenhagen kam.

38–41

1768

Der Versuch, durch Bibliotheksverkauf, Beteiligung an einer Druckerei und als Verleger unabhängig vom scheiternden Nationaltheater zu werden, misslingt. Verkehrt in den Familien Reimarus und König. Plan, nach Italien zu gehen. Herbst 1769: Angebot aus ­Braunschweig; 15. Dezember: Ernennung zum Bibliothekar.

1770–1781

Wolfenbüttel

Tätig als Bibliothekar des Herzogs von Braunschweig; erfolgreichste Zeit seines Lebens bei kargem Lohn (600 Taler) und hohen Schulden. 1776 zum Hofrat ernannt. Versuche, Wolfenbüttel zu verlassen, misslingen. Der Plan, das Mannheimer Theater zu übernehmen, scheitert.

41–52

1770

Hamburg

Februar, April: zwei Besuche Herders, der Lessing bewundert.

41

1771

Hamburg

Verlobung mit Eva König (geb. 1736), Witwe eines Freundes; Aufnahme in Freimaurerloge „Zu den drei goldenen Rosen“.

42

1772

Braunschweig

Im Winter 1771/72 entsteht auf der Grundlage früherer Studien Emilia Galotti.

13. März: Uraufführung durch die ­Döbbelinsche Truppe anlässlich des 72. Geburtstags der Herzogin Charlotte Philippine von Braunschweig, Frau des regierenden Herzogs Karl I. und Schwester Friedrichs II. von Preußen.

43

1774

Seelische Krise, Depressionen wegen Gefühlsbindung an Ernestine Reiske.

45

1775–1776

Reise, Wien

Leipzig, Berlin, Dresden, Prag, Wien; in Wien Audienz beim Kaiser; er trifft Eva König. Weiterreise als Begleiter des Braunschweiger Prinzen Leopold nach Italien (u. a. Venedig, Florenz, Rom, Neapel).

46–47

1776

Jork im Alten Lande

8. Oktober: Heirat mit Eva König im Landhaus einer mit Eva befreundeten Familie.

47

1778

Wolfenbüttel

10. Januar: Eva Lessing stirbt am Kindbettfieber, nachdem Sohn Traugott bereits einen Tag nach seiner Geburt verstorben war.

Anti-Goeze: Im Juli entzieht der Herzog Lessing die Zensurfreiheit im Religionsstreit mit den orthodoxen Lutheranern.

49

1779

Nathan der Weise, uraufgeführt erst 1783, im Ergebnis einer seit 1774 ­dauernden, religionskritischen Debatte, die ihren Höhepunkt 1778 in zahlreichen Streitschriften gegen den Hamburger Hauptpastor Goeze fand.

50

1780

Anonym erscheint Lessings bedeutende Schrift Die Erziehung des Menschengeschlechts; er lernt im Sommer durch Friedrich Heinrich Jacobi Goethes Prometheus kennen und löst mit seinem Bekenntnis zum Pantheismus die ­„Spinozadebatte“ aus. Er trifft in ­Hamburg Elise Reimarus; reist zu Gleim nach Halberstadt.

51

1781

Braunschweig

15. Februar: Tod Lessings nach einem zweiwöchigen Krankenlager; am Morgen seines Todestages empfing er noch den Dichter Johann Anton Leisewitz, der auch am Begräbnis teilnahm. Lessing wurde auf dem Magnifriedhof in Braunschweig begraben.

52

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Emilia Galotti gehört zu den Vorbereitungen auf die Französische Revolution von 1789. Empfindsamkeit wird zu einem Merkmal der Aufklärung sowie des bürgerlichen Denkens und bestimmt das bürgerliche Trauerspiel, das sich als Pendant zur klassizistischen Tragödie entwickelte. Inhalte einer neuen Tugend, vertreten durch die Bürger, werden gesehen, aber durch die spezifischen Verhältnisse in Deutschland – seine Zersplitterung und ökonomische Rückständigkeit – nicht sozial breit gefächert umgesetzt. Eine politische Revolution wie in Frankreich ist in Deutschland nicht in Sicht.

Emilia Galotti gehört zeitlich, inhaltlich und geistesgeschichtlich in das Vorfeld der Französischen Revolution von 1789. Die absolutistischen Staaten waren um 1770 auf dem Höhepunkt ihrer Macht und verteidigten sie: In Preußen hatte Friedrich II. (1712–1786) durch den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) Schlesien gewonnen. 1772 teilten Preußen, Österreich und Russland Polen auf. Preußen wurde zur europäischen Großmacht. Russland gewann unter Katharina II. (1729–1796) außenpolitisch an Bedeutung, hatte aber im Inneren mit Aufständen und Widerstand zu kämpfen. Frankreich unter Ludwig XV. (1710–1774) war innerlich zerrüttet; 1770 hatte der Zorn auf die höfischen Zustände – Mätressenwesen und Finanzkrise – einen Höhepunkt erreicht, aber es war neben Großbritannien, das in dieser Zeit zur führenden Handels- und Kolonialmacht und zur Beherrscherin der Meere aufgestiegen war, die entscheidende Macht Europas. Als man die amerikanischen Kolonien mit zusätzlichen Steuern belasten wollte, kam es zu Spannungen, die 1775 zum Krieg und dem Zerfall des Kolonial­reiches führten. In Mecklenburg (1769) und Sachsen (1770) wurde die Folter abgeschafft.

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, im Zeichen der Aufklärung, bezeichnet man oft als Zeit der „Empfindsamkeit“[2]. Lessing hat den Begriff „empfindsam“ als Übersetzung des englischen „sentimental“ verwendet; beschrieben wurde eine literarische Strömung der Art Samuel Richardsons (1689–1761). Ursprünglich religiös inspiriert, wurde die Empfindsamkeit zu einem bürgerlichen Wert, in den Gefühl, Natürlichkeit und Leiden an einer konfliktreichen Wirklichkeit eingingen. In der Enzyklopädie Diderots wird sie in Zusammenhang mit dem tugendhaften Menschen gebracht. Es handelt sich um einen politischen Wert. Zur empfindsamen Dichtung wurden Klopstocks Messias und Goethes Die Leiden des jungen Werther (1774) gerechnet. Werther hatte Lessings E­milia Galotti auf dem Pult liegen, als er sich erschoss; das war kein Zufall, sondern zeitgemäß. Lessing war als bürgerlicher Dichter auch ein Dichter der Empfindsamkeit, die in Form der Rührung ins bürgerliche Trauerspiel einging. Das verlangte nach entsprechenden Helden; neben Spartacus, Virginia, Faust und Samuel Henzi (1701–1749) gehörte auch Emilia Galotti dazu. Eine handlungsfähige bürgerliche Gesellschaft nach Stände- oder Klassendefinition ist in Emilia Galotti nicht zu finden. Auch der Maler Conti, von bürgerlicher Herkunft, ist vom Hof abhängig und nicht von bürgerlichen Auftraggebern.

Mit Samuel Henzi hatte Lessing, ähnlich wie in Emilia Galotti, einen Gegenwartsstoff gewählt. Beides sind bürgerliche Trauerspiele und einander ähnlich. Henzis Vorhaben, die Herrschaftsform zu verändern, setzt voraus, dass das Volk zuvor lernt, was Tugend und Pflicht bedeuten.

Tugend als Wert war seit Aristoteles’ Ethik bestimmt: Man verstand darunter die Fähigkeit, sich im Leben stets so zu entscheiden, dass allgemein Gültiges eingehalten wurde und der Mensch dadurch ein gutes Leben führte, auch unter widrigen Umständen. Ein tugendhaftes Leben war immer mit einer sinnvollen Erfüllung verbunden, wobei nicht die Absicht, sondern nur das Resultat, nicht der Gewinn für den einzelnen Menschen, sondern der für die Gemeinschaft wichtig war. Die französischen Enzyklopädisten koppelten Empfindsamkeit und Tugend, sie machten damit die Spezifik der bürgerlich-aufklärerischen Bestimmung aus: „(…) die Empfindsamkeit bringt den tugendhaften Menschen hervor. Die Empfindsamkeit ist die Mutter der Menschlichkeit und der Großmut; sie fördert das Verdienst, unterstützt den Geist und hat die Überzeugung zur Folge.“[3]

Wenn Lessing in Emilia Galotti eine Veränderung der Herrschaftsform ausklammert und ausschließlich der Tugend Aufmerksamkeit schenkt, ist das ein Hinweis darauf, dass dieser Lernvorgang nicht vorangekommen war. Samuel Henzi war ­Lessings kühnster Entwurf eines bürgerlichen Trauerspiels. Aber das Thema fand keine hoffnungsvolle Entsprechung in der deutschen Wirklichkeit.

Schon während des Studiums in Leipzig galt Lessings Hauptinteresse dem Theater. Es war die Zeit der Neuberin (Friederike Caroline Neuber, geb. Weißenborn; 1697–1760), die 1744 nach Leipzig zurückgekehrt war und ihre letzten Inszenierungen vorstellte, ehe sie 1750 aus Leipzig vertrieben wurde. Lessings Der junge Gelehrte führten die „Privilegierten Dresdner Hofkomödianten“ der Neuberin im Januar 1748 auf. Davon beflügelt schrieb Lessing ähnliche Stücke, darunter Der Misogyn.