Die Zeitreisende, Teil 3 - Hardy Manthey - ebook

Die Zeitreisende, Teil 3 ebook

Hardy Manthey

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Opis

Im 3. Teil scheint die schwedische Ärztin Maria Lindström aus dem 22. Jahrhundert, die in der Antike als elende Sklavin Aphrodite ihr kümmerliches Leben fristen musste, endlich in der Welt um 150 vor unserer Zeitrechnung angekommen zu sein. Sie ist keine Sklavin mehr, sondern reist als reiche und mächtige Frau zurück auf die Insel Sizilien. Sie wird Herrin über Leben und Tod! Doch der Tempel und damit die Botschaft an die Menschen der Zukunft bleiben immer noch eine Illusion. Nur das Gold, das in der Landefähre lagert, kann das ändern. Doch die Landefähre steht in der fernen Salzwüste, die heute zu Tunesien gehört. Wird sie Männer finden, die mit ihr zusammen die Gefahren nicht scheuen und das Gold bergen? Wird ihr Ehemann ihr diese Reise erlauben? Kein Römer hat zu dieser Zeit je diese Wüste mit eigenen Augen gesehen. Wird die magische Kraft des Goldes ausreichen, die Männer zu überzeugen? Der Autor hat mit der 2. Auflage sein Erstlingswerk sehr stark überarbeitet und die kritischen, trotzdem begeisterten Hinweise berücksichtigt. INHALT: Wieder in Syrakusae Im Haus des Gracchus Helena Ein normales Eheleben Im Haus des Eklasteos, die Neuigkeiten Das Landgut auf dem Plateau Der Empfang Aphrodites Pläne Das Erntedankfest Schnaps und andere Probleme Frauenkauf und Ärger mit den Kindern Einen Mann kaufen, ein gottgefälliges Werk? Mit dem Frühling kam mein Glück! Der Sklave Abner, der Mann aus Aschkelon Mit dem Schiff nach Hadrumetum Hadrumetum Weiber unter sich Das Wüstenschiff Endlich, es geht in Richtung Kurier! Auf ins zweiundzwanzigste Jahrhundert, zumindest für kurze Zeit Alltag in der Landefähre Halbzeit Das Modell und erste Baupläne

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Impressum

Hardy Manthey

Die Zeitreisende, 3. Teil

Das Gold der Wüste – endlich am Ziel?

Ein fantastischer Roman

2., stark überarbeitete Auflage

ISBN 978-3-86394-160-4 (E-Book)

Titelbild:

Ernst Franta unter Verwendung einer Reproduktion des Gemäldes "Journey of the Magi" von James Tisso

© 2012, 2015 EDITION digital® Pekrul & Sohn GbR Alte Dorfstraße 2 b 19065 Godern Tel.: 03860-505 788 E-Mail: [email protected] Internet: http://www.edition-digital.com

Prolog

Im 1. Teil „Die Zeitreisende – Vom 22.Jahrhundert zurück in das antike Karthago“ und im 2.Teil „Die Zeitreisende – Von der Hure Roms zur mächtigen Priesterin“ durfte der Leser an den vielen Abenteuern unserer Zeitreisenden teilnehmen. Sie alle in Kürze zu schildern, ist schlicht unmöglich. Hier ein kurzer Abriss, was in beiden Teilen geschah:

1.Teil

Die junge schwedische Ärztin Maria Lindström nimmt im 22.Jahrhundert an einem Flug zum Pluto teil. Wirklich in letzter Minute kann der Archäologe Giorgio Marotti ihr Material über die antike Welt der Erde zukommen lassen. Denn er glaubt fest daran, dass diese Frau eine Zeitreisende werden wird. Sie soll einen Tempel errichtet haben, der von ihrer Zeitreise berichtet. Vor Jahren haben er und seine Kollegen Hinweise dazu in einem antiken Tempel gefunden, die nur diesen Schluss zulassen. Aber das sagt er ihr nicht.

Ahnungslos stellt sie während des Fluges fest, dass sie ein Kind erwartet. Im Moment der Geburt stürzt das Raumschiff in ein Raum- und Zeitloch. Nur der Umstand, dass sie an lebenserhaltende Geräte angeschlossen ist, rettet ihr Leben.

Ihr neugeborenes Kind und alle anderen Besatzungsmitglieder kommen um.

Als das Unfassbare geschieht, ist die Zeitreisende noch ahnungslos. Das beschädigte Raumschiff kann sie sicher zur Erde bringen. Mit Hilfe einer Landefähre kehrt sie zur Erde zurück. Aber es ist nicht die Erde des 22. Jahrhunderts.

Bald stellt sie fest, dass sie um 150 v. u. Z. gelandet ist. Viele Fehlentscheidungen führen dazu, dass die Frau als Sklavin und Prostituierte den Reichen und Mächtigen jener Zeit dienen muss.

Ihr Wissen aus der Zukunft setzt sie ein, als sie von den ersten drohenden Zeichen des Untergangs Karthagos hört. Sie kann ihren neuen Herrn davon überzeugen, Karthago für immer zu verlassen.

2. Teil

Voller Gefahren ist Marias Reise zur schönen Insel Sizilien. Aphrodite, wie sie sich jetzt nennt, begegnet vielen Menschen unterschiedlichster Kulturen und Länder. Für ihre Fehler muss sie oft einen hohen Preis zahlen. Ihr Wissen wird gefürchtet, doch ihre Fähigkeiten werden gerne genutzt. Ihre atemberaubende Schönheit fesselt die mächtigsten Männer Roms. Sie sorgt mit ihren Prophezeiungen für Aufsehen und greift dadurch erneut direkt in den Lauf der Weltgeschichte ein. Mit ihrer Schönheit verdreht sie den Senatoren in Rom die Köpfe. So eine Frau darf natürlich keine Sklavin sein. Eine Ehe wird arrangiert, um sie unter Kontrolle zu behalten. So reist sie als reiche und mächtige Frau zurück auf die Insel Sizilien.

Sie wird Herrin über Leben und Tod! Doch der Tempel und damit die Botschaft an die Menschen der Zukunft bleiben immer noch eine Illusion. Nur das Gold, das in der Landefähre lagert, kann das ändern. Doch die Landefähre steht in der fernen Salzwüste, die heute zu Tunesien gehört.

Wird sie Männer finden, die mit ihr zusammen die Gefahren nicht scheuen und das Gold bergen? Kein Römer hat zu dieser Zeit je diese Wüste mit eigenen Augen gesehen. Wird die magische Kraft des Goldes ausreichen, die Männer zu überzeugen?

Lesen Sie, was unsere Heldin tatsächlich erreicht.

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen!

Hardy Manthey

Wieder in Syrakusae

Der Anblick der vielen bunt bemalten Kriegsschiffe fasziniert Aphrodite immer wieder. Es beeindruckt sie, wie vor und hinter ihr eine lange Kette von Kriegsgaleeren mit vollen Segeln an der Ostküste von Sicilia entlang segelt. Nur der Anlass dazu stimmt Aphrodite traurig. Der Hochkultur Karthagos wird nun der Todesstoß versetzt. Tausende Menschen werden umgebracht. Zehntausende, vielleicht Hunderttausende werden in die Sklaverei verschleppt.

Sechs Tage hat sie in Messina auf die Schiffe warten müssen. Mit dem Pferd wäre sie jetzt schon in Syrakusae. Ihr Mann hat mit den Briefen und Befehlen der Offiziere, die die Flotte für Syrakusae ankündigen sollen, auch ihr Kommen ankündigen lassen. Die Nachrichten von flüchtigen und plündernden Sklaven machen den Landweg unsicher und es ist fraglich, ob wirklich eine Nachricht ankommen wird. Nun genießt sie hier die ruhige Reise. Auch der Blick auf die Küste hat sie für das Warten entschädigt. Vor allem der Ätna wirkt aus der Ferne beeindruckend. Heute hat der Vulkan sich leider hinter einem Wolkenschleier versteckt oder sind sie schon zu weit entfernt? Sie ist froh, dass sie in Messina nicht noch länger warten mussten. Denn sie durfte nicht in die Stadt. Die Therme und der Strand waren für sie tabu. Genauso tabu scheinen für sie die Kinder ihres Mannes zu sein. Die Tochter Melissa wechselt wenigstens ab und an mit ihr drei Worte. Sein Sohn Flavius behandelt sie wie Luft. Sie haben noch nicht einen zusammenhängenden Satz miteinander gesprochen. Sie weiß nicht, wie sie an diesen Jungen herankommen soll. Überhaupt, von allem wird sie ferngehalten. Nirgendwo darf sie hin. Angeblich gäbe es zu viele Leute, die von ihr Schutz und göttlichen Rat erhoffen. Darum konnte sie nur zweimal in einer Holzwanne baden. Nur mit angewinkelten Beinen hatte sie darin Platz. Sie ist gespannt, ob in ihre Häuser ein Bad eingebaut wurde. Wenn nicht, wird es das Erste sein, was sie veranlassen wird. Auch im Meer wird sie dann wieder regelmäßig schwimmen gehen. Die Gängelei durch ihren Mann lässt sie sich in Syrakusae nicht mehr gefallen. Besonders seit sie weiß, dass er sich nach der Vergewaltigung ihrer jungen Sklavin Emma zwei Tage später auch an Rose vergriffen hat. Die Ärmste hat er sogar noch brutaler geschlagen, weil sie nicht gleich so funktionierte, wie er es wollte. Aphrodite weiß überhaupt nicht mehr, wie sie sich ihrem Mann gegenüber verhalten soll. Zu ihr ist er zwar höflich und zuvorkommend, aber sie muss mit ihm über sein Verhalten zu ihren Sklavinnen reden. So einfach darf sie seine Taten nicht hinnehmen. Aber wie erklärt sie es ihm bloß, ohne dass sie ihn in Rage bringt und er sie womöglich auch noch schlägt? Für ihr Kind kann das tödlich enden. Ein Schatten auf der Matte kündigt jemanden an.

Ihr Mann meldet sich: „Wie fühlst du dich, Aphrodite? Wie geht es deinem Kind? Den ganzen Tag nur faulenzen, das möchte ich auch mal!“

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit ihm ein paar klärende Worte auszutauschen und so sagt Aphrodite:

„Danke, mir und dem Kind geht es gut! Was man von dir offensichtlich nicht behaupten kann. Warum hast du dich an meinen beiden Sklavinnen vergriffen? Willst du sie schwängern?“

„Wozu sind denn schließlich deine beiden Sklavinnen da? Soll ich lieber zu den Huren gehen? Ich bin ein Mann und brauche regelmäßig eine Frau. Ich nehme sie mir noch nicht mal täglich vor. Nur dann, wenn ich es gar nicht mehr aushalte!“, empört sich ihr Mann.

Beschwichtigend mahnt sie: „Ich dachte eigentlich, dass ich für deine Befriedigung zuständig bin!“

Er kontert verbittert: „Das bist du auch. Noch geht es auch bei dir und macht Spaß. Aber wenn bei dir auch von hinten der riesige Bauch zu sehen ist, habe ich vielleicht keine Lust mehr auf dich. Dann habe ich mir deine Mädchen schon eingeritten. Wenn du dann entbunden hast, wirst du Tag und Nacht von mir rangenommen. Ich will einen Sohn von dir!“

„Den Sohn sollst du von mir bekommen, wenn es an der Zeit ist. Du kannst mich ruhig bis zum Schluss nehmen. Es ist sogar sehr gut für die Geburt, wenn du täglich mit mir schläfst. Lass lieber die Mädchen dafür in Ruhe. Bitte!“, bettelt Aphrodite und hofft auf seine Einsicht.

Er knurrt sie wütend an: „Was ich wann und wie oft mit dir tue, entscheide ich immer noch alleine. Ich bin der Mann und du hast zu gehorchen. Du Hurenweib bist schwanger und ich bin nicht verpflichtet, dich zu begatten. Deine Sklavinnen sind auch meine Sklavinnen! Nach Belieben kann ich über sie verfügen. Sage ihnen lieber, dass sie künftig gefügiger sein sollen, sonst werde ich sie öffentlich bestrafen lassen!“

Er will gehen, dreht sich um und sagt: „Ehe ich es wieder vergesse, ein Offizier hier auf dem Schiff möchte dir gerne deine Sklavin Rose abkaufen. Bevor du nein sagst, rede erst mal mit ihm. Er wird nach der Wachablösung zu dir kommen. Rose hole ich aus ihrem Käfig schon mal hoch. Bis heute Abend dann in Syrakusae!“

Wie vom Donner gerührt sitzt Aphrodite da und kommt zu keinem klaren Gedanken. Rose ist doch ihre Freundin! Unmöglich, sie kann doch nicht zulassen, dass ihre Freundin einfach verkauft wird. Hier fällt sie von einem Extrem ins andere. Sie hält das im Kopf nicht aus. Dagegen war ihre Zeit als Sklavin einfacher. Sie hatte nur das zu tun, was ihr Herr von ihr verlangte. Jetzt wird sie für alles verantwortlich gemacht. Was soll sie bloß machen?

Etwas müde steht Rose neben ihr und fragt: „Herrin, was wünscht ihr?“

„Rose, komm bitte herunter zu mir auf meine Matte. Ich muss dir etwas erklären! Nachher wird ein Offizier kommen, der möchte dich gerne kaufen! Natürlich kommt das überhaupt nicht in Frage. Du bleibst selbstverständlich bei mir! Doch reden muss ich mit dem Mann!“

Rose verzieht ihr Gesicht so komisch, sagt aber artig: „Danke, Herrin!“

Ein bisschen dankbarer könnte sie schon sein, denkt Aphrodite und sagt: „Rede trotzdem kein dummes Zeug vor ihm, wenn er dich was fragen sollte. Du brauchst dich nicht schlechter zu machen, als du bist. Lass mich nur machen! Komm und massiere mich jetzt ein wenig. Vom Liegen sind mein Rücken und die Schultern steif geworden!“

Rose massiert ihre Herrin mit geschickten Händen. Aphrodite schnurrt gut gelaunt wie eine Katze. Die Massage endet abrupt und Rose flüstert: „Herrin, er kommt jetzt!“

Aphrodite steht auf und sieht einen jungen Mann auf sich zukommen. Er ist einen halben Kopf kleiner als sie, er müsste so um die dreißig Jahre alt sein. Seine kleinen wachen Augen blicken Aphrodite über seine leichte Hakennase freundlich an. So aus dem Bauch heraus findet Aphrodite den Mann gar nicht mal so übel. Sie warnt sich selbst, alle Männer sind Schweine. Sie fragt, ohne die sonst übliche Begrüßung: „Was wünscht der Herr Offizier?“

Der Mann ist enttäuscht und verletzt, so unfreundlich empfangen zu werden. Er schluckt die aufkommende Wut herunter und grüßt: „Salve, Aphrodite! Mein Name ist Servius Rhesus Kalverius, Offizier auf diesem Schiff! Ich mache es kurz. Verkauft mir bitte Eure Sklavin, die Ihr Rose nennt. Ich zahle Euch auch einen guten Preis!“

Aphrodite ist abweisend: „Warum holt ihr Euch keine Sklavin vom Sklavenmarkt? Das Angebot ist doch im Moment mehr als nur ausreichend!“

Trotz seiner Scham, sich vor einer Frau zu erniedrigen, erklärt er: „Versteht bitte meine Lage. Ich habe mich in Eure Sklavin Rose verliebt! Sie soll meine Frau werden. Ich gebe alles für sie her!“

Aphrodite ist völlig überrascht, schlichtweg sprachlos. Mit einem Heiratsantrag hat sie überhaupt nicht gerechnet. Die ganze Zeit glaubte sie an einen der schwanzgesteuerten Männer, die bereit sind, für schöne Frauen mit Gold zu bezahlen. Nachdem er seinen Spaß mit ihr hatte, würde er sie weiter verkaufen. Jetzt wird sie von einem Heiratsantrag überfahren. Ein Mann der Antike spricht von Liebe. Immer noch nach Luft und Worten ringend, dreht sich Aphrodite zu Rose um und fragt: „Wie denkst du denn darüber? Würdest du ihn heiraten?“

„Verzeiht mir bitte, Herrin, aber ich würde ihn gerne heiraten!“, stottert Rose und wird feuerrot im Gesicht.

„Jetzt schlägt es dreizehn, seid ihr denn beide verrückt geworden? Ich begreife hier gar nichts mehr!“, sagt Aphrodite hilflos.

Rose steht da, fummelt nervös mit ihren Händen herum und erklärt unterwürfig: „Herrin, ich bin Euch für alles dankbar. Ihr habt mir Liebe, Wärme und Geborgenheit gegeben. Nie ging es mir besser als bei Euch, Herrin, aber in mir brennt ein Feuer, das nur noch Servius stillen kann!“

„Ihr kennt Euch schon?“, fragt Aphrodite überrascht.

Er hat seine Sicherheit wiedergewonnen und erklärt mit fester Stimme: „Seit Messina träumen wir voneinander. Ich will ihretwegen in Phintias eine Kohorte übernehmen und mit ihr dort am Standort eine Familie gründen!“

Aphrodite schaut in die flehenden Augen von Rose und stimmt zu: „Meinen Segen sollt ihr haben! Rose, so bist du auch nicht mehr den Trieben meines Mannes ausgesetzt!“

Von beiden wird sie stürmisch umarmt und geküsst.

Servius Rhesus Kalverius versichert überglücklich: „Natürlich verfassen wir einen ordentlichen Kaufvertrag und Ihr bekommt für Rose einen angemessenen Kaufpreis!“

Das Geld wird sie Rose als Mitgift mitgeben, entscheidet Aphrodite im Stillen. Vielleicht gibt es hier auch so etwas wie die große Liebe? Das wäre den Menschen dieser Zeit zu wünschen. Die Umarmung ist natürlich auf dem Schiff nicht unbeobachtet geblieben.

Mit fragendem Blick kommt Aphrodites Ehemann Marcus Lutatius Catullus auf sie zu: „Aphrodite, was hast du denn jetzt wieder angestellt?“

„Nichts, überhaupt nichts! Ich habe eben nur meine Sklavin Rose an den Offizier Servius Rhesus Kalverius verkauft!“, sagt Aphrodite lachend.

Stutzig geworden, sagt ihr Mann: „Dass man auf diese Art eine Sklavin verkauft, ist mir völlig neu! Überhaupt, ich denke, du hängst so sehr an deinen Sklavinnen. Hast dich sogar aufgeregt, wenn ich deine Mädchen angefasst habe. Nun das? Angeblich seid ihr doch Freundinnen! Da kann ich nur sagen, du bist eine tolle Freundin. Jetzt weiß ich wieder eine echte Männerfreundschaft zu schätzen!“

Aphrodite protestiert: „Weil du sie, wie du es nennst, angefasst hast, verkaufe ich sie unter anderem auch. Du gehst mit den Mädchen um wie mit Vieh. Da ist jeder andere Mann für sie besser als du!“

Ihr Mann hat schon die Hand zum Schlag gegen sie erhoben, doch nach einigem Zögern lässt er sie sinken und knurrt: „Was ich mit den Mädchen mache, ist meine Sache. Dir fehlt auch schon lange die Peitsche!“

Aphrodite lässt sich jetzt nicht einschüchtern und verkündet mit erhobenem Haupt: „Außerdem sollst du ruhig wissen: Diese beiden lieben sich und wollen eine Familie gründen! Ist das nicht wunderbar!“

„Eine Liebesheirat gibt es doch gar nicht!“, protestiert Marcus Lutatius Catullus lautstark. Aphrodite erwidert lachend: „Dann ist es eben die erste Liebesheirat der Antike – äh – der römischen Welt. Zufrieden!“

Ihr Mann winkt ab, geht und sagt nur noch brummig: „Weiber, Weiber!“

Aphrodite wendet sich an den Offizier Servius Rhesus Kalverius: „Soll ich den Kaufvertrag aufsetzen?“

„Alles ist schon so gut wie fertig geschrieben, denn gleichzeitig will ich für Rose eine amtliche Freilassungsurkunde ausstellen, die Ihr, Aphrodite, und Euer Ehemann gegenzeichnen müsst!“, erklärt Kalverius immer noch überschäumend vor Glück.

Rose fällt ihm jetzt unendlich dankbar und glücklich um den Hals und küsst ihn mehrfach. Aphrodite wird in diesem Moment an ihre eigene Freilassung erinnert und weiß, wie Rose in diesen Minuten zumute ist. Die völlige Rechtlosigkeit und der ständigen Willkür der Sklavenhalter ausgesetzt zu sein, ist eines der schlimmsten Verbrechen, die Menschen an Menschen begehen können. Das Ende der Sklaverei wird aber noch Jahrtausende auf sich warten lassen. Sie hat die Zeit ohne Sklaverei erlebt, leider ist diese Welt der Freiheit für sie unerreichbar geworden. Damals hat sie die Kostbarkeit der Freiheit und ihrer demokratischen Rechte auch als Frau überhaupt nicht zu schätzen gewusst. Sie war sich einfach dessen nicht bewusst. Erst wenn dem Menschen die Freiheit und alles, was dazu gehört, genommen wird, wird er sich des Verlustes bewusst. Wenn sie in die Zukunft reisen könnte, würde sie den Menschen dort immer wieder sagen, wie gut sie es haben.

Rose geht mit ihrem künftigen Ehemann nach unten. Aphrodite blickt ihr hinterher und bedauert nur, dass sie jetzt bei Rose nicht mehr die Narben und ihre Tätowierungen studieren kann. Dass Menschen ihre Haut tätowieren, ist sicher so alt, wie es den modernen Menschen gibt. Eines ist gewiss: Roses Tätowierungen haben definitiv nichts gemeinsam mit den Verunstaltungen der Menschen in der fernen Zukunft.

Am liebsten würde sie jetzt ihre übrig gebliebene Sklavin Emma nach oben holen, aber weil auf dem Schiff Frauen nicht gerne gesehen sind, ist sie selbst schon eine Zumutung für die Schiffsbesatzung. Zwar ist eine Sklavin keine Frau, hat man ihr schon so oft erklärt, aber zu ihr hoch darf Emma trotzdem nicht. Genug philosophiert, beschließt Aphrodite für heute. Sie legt sich auf den Rücken und träumt in den blauen Himmel hinein. Nicht eine Wolke stört das Blau. Fast möchte sie vergessen, in welch einer Zeit sie jetzt lebt. Sie möchte anfangen zu träumen, als wieder ein verdächtiger Schatten sie berührt. Sie will gerade lospoltern, als sie einen relativ kleinen, schmächtigen, unbekannten Mann bemerkt.

Das Männchen kniet vor ihr nieder und bittet: „Salve, vergebt mir, Göttin, ich weiß mir keinen Rat mehr. Bitte, bitte helft mir!“

Etwas verwirrt und irritiert erhebt sie sich aus ihrer liegenden Position und fragt: „Salve et tu, wie kann ich dem Herrn helfen? Ich bin doch nur eine Frau, ich bin nur Aphrodite!“

„Eben das ist es ja, Ihr seid Aphrodite!“, betet der Mann sie an.

Aphrodite überlegt und schlägt ihm vor: „Wir brauchen beide keine übertriebenen Schmeicheleien austauschen. Erzählt mir bitte einfach, was Euer Problem ist und erst dann entscheide ich über alles Weitere!“

„Ihr macht mich glücklich! Danke, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, mir zuzuhören!“, bedankt sich der Mann.

„Bitte sprecht frei heraus!“, bittet ihn jetzt Aphrodite.

Der Mann atmet durch und erklärt: „Auf dem Schiff nennen mich alle nur Dratha, das nicht nur, weil ich so dünn bin. In Wahrheit heiße ich Raja Mahe Asdratha und war ursprünglich ein wohlhabender Kaufmannssohn aus Vanji. Ich gebe es ehrlich zu, nie wäre ich mit meinen Problemen zu einer Frau gegangen! Aber die Verzweiflung über mein Schicksal zwingt mich, alle Möglichkeiten zu nutzen, und Ihr seid schließlich etwas ganz Besonderes. Ihr seid meine letzte Hoffnung. Darum bin ich zu Euch gekommen!“

Er macht eine Pause, atmet noch einmal tief durch und erzählt weiter: „Alles hat vor fast zwanzig Jahren in Vanji angefangen. Das ist die Hauptstadt von Cera, einem Königreich, das aus dem berühmten Aschokareich hervorgegangen ist. Dieses für Euch ferne unbekannte Reich liegt über tausend Tagesreisen von hier entfernt im Osten. Noch unzählige Tagesreisen hinter dem Indus liegt meine Heimat. Ich meine den Fluss Indus, den Alexander der Große einst mit seinem Heer überquert hatte!“

Erstaunt fragt Aphrodite: „Der Indus ist mir bekannt. Von so weit kommt Ihr her?“

Der Mann ist überrascht, fängt sich aber schnell und erklärt weiter: „Ich habe mich also doch nicht in Euch getäuscht.“

Aphrodite hebt eine Hand und lässt so den Mann das Auge des Ra erkennen. Sie weiß, jetzt wird es keine trennende Wand zwischen ihnen mehr geben.

Er ist sichtlich erleichtert: „Ihr seid also doch die Sehende mit dem Auge der Götter. Dann kann ich beruhigt fortfahren. So hört Sehende und Wissende: Nur drei Monate nach meiner Hochzeit habe ich mich mit einer Karawane erst in den Süden nach Madagora aufgemacht. Dort angekommen, bin ich mit einem Schiff gen Westen über das Erythramare gesegelt. Die Götter und Winde waren uns zuerst günstig gewogen. Ein Sturm kam auf und trug uns weiter nach Süden, als wir es eigentlich wollten. So erreichten wir einen Landstrich, der von einer schwarzen Königin regiert wurde. Das Land wird Pemba Zansibar genannt. Unsere Ankunft sorgte dort für viel Aufsehen. Wir wurden zur Königin gerufen. Sie residierte in einem riesigen Rundbau aus Lehm und Palmenblättern.

Die Königin selbst war sehr beeindruckend. Von einem wuchtigen Thron aus Gold und Leopardenfellen blickte sie auf uns herab. Die Königin war stolz auf ihre beeindruckende Leibesfülle. Solche Brüste und so einen ausladenden Hintern hatte ich vorher noch nie gesehen. Von den Schultern an war die Königin bis zu den Zehen völlig nackt. Auf dem Kopf trug sie eine gewaltige Krone aus Gold, Knochen und Raubtierzähnen. Unzählige Perlenketten schmückten ihren schwarzglänzenden Körper. Wir alle wurden sehr freundlich von ihr empfangen. Sie selbst wählte Mädchen für uns aus, die uns in der Nacht das Bett wärmen sollten. Jede Nacht bekamen wir ein neues Mädchen. Als schön galt dort eine Frau, wenn sie ein besonders großes, ausladendes Hinterteil hatte. Sie sind ganz Wilde …!“

Aphrodite unterbricht: „Genug, wie Ihr es mit den Mädchen dort getrieben habt, will ich nicht wissen. Erzählt lieber, wie ging es mit Euch weiter?“

Er nickt und erzählt weiter: „Der Handel mit ihrem Volk und den Nachbarstämmen war sehr ertragreich. Vor allem haben wir Elfenbein gekauft. Dafür haben wir nur unsere Glasperlen und einige minderwertige Schwerter hergeben müssen. Ich hörte dort von einer berühmten Seherin. Für ein paar Kupfermünzen und Glasperlen würde sie die Zukunft vorhersagen. Ich ging genauso wie meine Geschäftsfreunde zu ihr. Vielen von uns hat sie nichts Gutes prophezeit.

Die alte Frau war von meinen Glasperlen sehr angetan und hat die Knochen sprechen lassen. Was sie mir dann geweissagt hat, war weniger erfreulich. Die Alte behauptete doch tatsächlich, ich würde nie wieder nach Hause kommen. Ich habe damals nur darüber gelacht. Die Frau und ihre Prophezeiung waren bald vergessen, denn die Geschäfte liefen gut und wir fuhren darum die Küste weiter hinauf nach Norden. Wir kamen an Wüsten und kahlen Bergen vorbei. Dann erreichten wir eine Stadt mit hohen Häusern. Wie Türme ragten sie in den Himmel. Ich erinnere mich, sie nannten diese Stadt Cana!“

Spricht der Mann von Sanna, der Stadt in Jemen auf der arabischen Halbinsel, spekuliert Aphrodite und hört gespannt weiter zu. Der Mann hat wahre Wunder gesehen.

„Auch in Cana vermehrte sich mein Reichtum scheinbar unaufhaltsam. Ich ahnte ja nicht, was noch kommen würde. Dann planten wir unsere Heimreise. Vorbei an den Städten Zenobia und Asabon segelten wir in Richtung Norden. Es war sehr beschwerlich, weil die Winde ungünstig waren. Darum entschieden wir uns bis nach Charax zu segeln. Auf dem Euphrat sind wir dann bis Babylon gerudert. Dort begann mein Unglück.

Ich wurde von einem Fürsten eingeladen, der einen halben Tagesmarsch hinter Babylon seine Ländereien hatte. Für angeblich gewinnbringende Geschäfte lud er mich in sein Haus ein. Meine Geschäftsfreunde rieten mir zwar dringend ab, aber ich war geblendet von den enormen Gewinnaussichten. Doch ich kam erst gar nicht bis in sein Haus. Eine angebliche Räuberbande überfiel uns. Ich verlor nicht nur mein Vermögen, sondern wurde an die Römer als Sklave verkauft. In Antiochia schuftete ich Monate später als Sklave in einer Färberei. Weil ich als Händler schnelles Rechnen gelernt hatte, war ich bald die rechte Hand meines Herrn bei all seinen Geschäften. Ich wurde ihm so unentbehrlich, dass ich bald darauf immer an seinen Reisen teilnahm. Dadurch konnte ich viele wundersame Städte und Landstriche sehen. Es gibt kaum eine Hafenstadt, die ich nicht gesehen habe. Ich glaube, ich habe die ganze Welt gesehen. So sind fünfzehn Jahre ins Land gegangen. Als vor vier Jahren mein Herr starb, hat er mich in seinem letzten Willen reich beschenkt und in die Freiheit entlassen. Ich bin jetzt Verwalter einer der Kriegskassen im Auftrag Roms. Aber die Sehnsucht nach meiner Familie und meiner Frau wird jetzt immer größer. Ich glaube, fast daran zu zerbrechen. Aphrodite, sagt mir, was ich machen soll? Soll ich hier bleiben und mit dem Ersparten eine neue Familie gründen? Oder ist es besser, den weiten und gefährlichen Weg nach Hause zu wagen? Ich glaube kaum, dass meine Frau zwanzig Jahre auf mich gewartet hat. Wenn ich dort ankomme, ist mein bisschen Geld weg und ich bin der Familie nur eine Last. Ich darf auch nicht die Prophezeiung vergessen. Ich war zwar vor zwei Jahren beim berühmten Orakel von Delphi und habe eine andere Deutung meines Schicksals erfahren. Aber ich kann es nicht richtig verstehen!“

Skeptisch fragt Aphrodite: „Was hat Euch das Orakel verkündet?“

Er zögert für einen Augenblick, dann sagt er: „Nun gut, hört den Spruch. Auf meine Frage: Wo bin ich zu Hause? Wo werde ich sterben? Erhielt ich die Antwort: Geburt und Tod sind eines, doch dein Leben ein anderes!“

Er schüttelt mit dem Kopf: „Ich verstehe diese Worte nicht. Wie kann Geburt und Tod eines sein? Wie kann mein Leben etwas anderes sein?“

Aphrodite hat das Orakel verstanden und erklärt es ihm so: „Ich deute das Orakel so, dass Ihr am Geburtsort sterben werdet, aber Euer Leben findet fern Eurer Heimat statt! Mein Rat für Euch: Ihr werdet hier niemals glücklich leben können. Kehrt heim, auch wenn es nur zum Sterben ist. Es ist sicherlich der Wille der Götter!“

Der Mann sackt in sich zusammen und weint leise vor sich hin. Aphrodite will ihn trösten und in den Arm nehmen.

Auf einmal rafft er sich auf und sagt zu ihr: „Göttin, ich danke für diese harten, aber klaren Worte. Jetzt weiß ich, was ich zu tun habe. Im Grunde habe ich es schon lange gewusst, jetzt ist es für mich Gewissheit, ich kehre in meine Heimat zurück. Danke, Aphrodite!“

Er kramt umständlich in seinen Sachen herum und reicht Aphrodite eine große Goldmünze. Protestierend hebt Aphrodite die Hände und behauptet: „Ich darf Euer Gold nicht annehmen. Die Götter würden mich dafür bestrafen. Ihr werdet für Euren langen Weg noch so manche Münze zum Überleben brauchen. Geht und opfert den Göttern Wein und Brot und alles wird gut!“

Der Mann verneigt sich tief und geht. Aphrodite versucht sich vorzustellen, wie dieser kleine hagere Mann den Weg über Meere, Wüsten und Gebirge meistern wird. So recht will es ihr in der Fantasie nicht gelingen. Noch immer misst sie die Entfernungen in Flugstunden und hat den Blick aus dem Flieger vor ihren Augen. Dort sieht sie die Berge, die Wälder, die Seen und die Flüsse unter ihr entlanggleiten. Das alles hat und will der Mann nur mit seinen Füßen bezwingen. Das Reisen in der Welt des so fernen 22. Jahrhunderts war ungleich einfacher. Unglaublich, was der kleine Mann in seinem Leben durchgemacht hat und noch vor sich hat. Hat sie überhaupt das Recht zum Jammern?

Nun gut, die Reise zum Igel wird für sie auch nicht ganz ohne sein. Schließlich ist dort unten Krieg. Wenn sie den Männern glauben kann, dann ist jetzt der Todesstoß für Karthago fällig. Das kann bedeuten, dass im Süden alles befriedet ist. Was befriedet in der Antike bedeutet, weiß sie nicht. Es kann verbrannte Felder und Dörfer bedeuten. Hungernde Menschen und überall Raub und Mord. Vielleicht ist man dort aber längst wieder zum normalen Leben übergegangen? Trotzdem ist es keine gute Reisezeit, aber viel Zeit hat sie nicht mehr.

Sie möchte ihr Kind nicht schutzlos den Krankheiten in dieser Welt aussetzen. Ihr Kind muss unbedingt mit zum Igel. Jeder Tag ohne die erforderlichen Schutzimpfungen ist ein Tag zuviel. Nach Marottis Angaben sollen die ersten Pest- und Cholerafälle schon in der Antike in größerem Ausmaß aufgetreten sein. Aber wie sie diese Reise organisieren soll, weiß sie überhaupt nicht. Dass sie dabei auf ihren Ehemann hoffen kann, zweifelt sie immer mehr an. Er missbraucht ganz selbstverständlich ihre Sklavinnen und ist beleidigt, wenn sie ihn daraufhin anspricht. Die Vergewaltigungen der Sklavinnen haben ihr bewusst gemacht, dass der Mann jede Frau nur als Lustobjekt sieht. Seine Drohung, sie nach der Entbindung sofort zu schwängern, muss sie ernst nehmen. Dabei braucht jede Frau nach der Geburt dringend Schonung. Das aber interessiert den Mann nicht. Kann sie mit so einem Mann eine gemeinsame Expedition planen? Nein! Aber ohne Mann geht es nicht, das weiß sie. Sie muss sich Männer suchen, die mit ihr das Abenteuer zum Igel wagen wollen. Ob er dabei ist, ist ihr egal. Der Prätor muss dann die Scheidung veranlassen und ein neuer Mann an ihrer Seite muss her. Am besten ein Mann, der nach ihrem Willen funktioniert. Doch diese speziellen Männer waren selbst im 22. Jahrhundert Mangelware. Eher gelingt ihr die Quadratur des Kreises, als ein Mann an ihrer Seite nach Maß. Sie wird scheitern.

Aphrodite wird von Emma angestoßen: „Herrin, heute Abend sind wir in Syrakusae. Dein Mann hat mich deswegen zu Euch geschickt. Ich soll Euch helfen, die Sachen in den Kisten zu verstauen!“

„Hat er dich wieder angefasst?“, fragt Aphrodite besorgt.

Emma wirkt zwar müde, erwidert glaubhaft: „Heute hat er nur mein Gewand hochgeschoben, hat gegafft und ist mürrisch gegangen!“

Aphrodite fragt überrascht: „Warum das?“

Emma dreht sich schmunzelnd und vorsichtig nach allen Seiten spähend um. Sie will sicher sein, dass niemand mithört und sagt: „Ich habe ihm eine blutige Muschi vorgetäuscht. Gut, nicht!“

„Genial, Emma. Das ist aber nur eine Notfalllösung. Irgendwie muss ich dem Hengst das Fremdgehen ganz vermiesen. Vielleicht fällt mir etwas ein!“ Aphrodite schmiedet gleich Pläne.

Sie überlegt, vielleicht schiebt sie ihm in Syrakusae eine Hure mit einer fiesen Geschlechtskrankheit unter. Bloß dann steckt er womöglich alle Frauen damit an? Aber irgendetwas muss ihr doch einfallen. Der Kerl muss doch kleinzukriegen sein!

Aphrodite fragt Emma: „Hast du eine Idee, wie ich meinem Mann das Fremdgehen endgültig austreiben kann?“

Seelenruhig verstaut Emma die Sachen weiter in den Kisten und sagt dabei ganz beiläufig: „Ich hätte schon so eine Idee. Herrin, ihr werdet doch als neue Besitzerin der Güter in Syrakusae einen großen Empfang für ausgesuchte Gäste geben! Hohe Herren des Rates werden sicherlich auch dabei sein. Ich würde mich opfern, ihn zu bestrafen!“

„Wie willst du das anstellen?“, fragt Aphrodite ungläubig.

Emma erklärt: „Nun, Herrin, ich habe eine Besonderheit bei mir festgestellt. Wenn ich meine Beine und insbesondere meine Zehen in einem bestimmten Winkel belaste, bekomme ich einen schmerzhaften Krampf, der bis hoch in meine Scheide reicht. Ein paar Wochen, bevor ihr gekommen seid, hat der Verwalter versucht, mich zu vergewaltigen. Dabei bekam ich diesen Krampf und er konnte nichts mit mir anfangen. Ich war verschlossen wie eine Muschel. Ich werde ihn verführen, und wenn er in mir ist, werde ich ihn durch den Krampf sozusagen an mich fesseln. Ihr müsst nur noch aufgrund meines Geschreis und auch seines Jammern möglichst viele Gäste zu uns locken. Der Mann wird durch diese Blamage vielleicht vernünftig. Ihr vergebt ihm großzügig und ich habe meine ganz persönliche Rache!“

„Du bist wahnsinnig! Du musst dabei unglaubliche Schmerzen erdulden. Wie willst du das aushalten?“, fragt Aphrodite entsetzt.

Emma erwidert gelassen: „Das ist es mir auf jeden Fall wert. Ich möchte mich einmal an einem Mann rächen dürfen!“

Aphrodite lächelt: „Ein Mann sollte sich eben niemals mit uns Frauen anlegen. Am Ende zieht er doch den kürzeren. Das machen wir so! Ich helfe dir auch so schnell wie möglich, deinen Krampf zu lösen. Einmal so im Schraubstock, ist sein bestes Stück für viele Wochen hoffentlich unbrauchbar. Ich kann etwas Schonzeit gut vertragen!“

Aphrodite zweifelt aber, ob dem Mädchen dieser üble Streich wirklich gelingt.

Dann fällt Aphrodite ein: „Unser Racheplan darf niemals irgendjemandem verraten werden, Emma! Kommt das Ganze ans Licht, wirst du auf den Pfahl gespießt und ich bekomme so viele Stockschläge, dass ich für den Rest meines Lebens ein Krüppel bin.“

„Es wird und muss unser ewiges Geheimnis sein!“, schwört Emma und ist überglücklich, mit ihrer Herrin ein Geheimnis zu teilen.

Dann fragt sich Aphrodite, ob er nach der Blamage eine Stimme im Hohen Rat bekommen wird. Sie hält das auch noch für fraglich. Sie braucht ihn im Hohen Rat nicht. Schon gar nicht, wenn sie etwas durchsetzen will. Der Mann bringt es womöglich noch fertig, gegen ihre Interessen zu intervenieren. So hat sie ihn als lästigen Konkurrenten gleich mit ausgeschaltet. Wird ihr Plan gelingen? Es muss klappen!

Aufkommender Wind holt sie aus ihren bösen Fantasien. Starker Wind elektrisiert Aphrodite. Ein Sturm auf dem Meer löst bei ihr sofort Ängste aus. Sie schaut sich nach einem Unwetter um. Doch nur Schattenumrisse der Berge im Licht der untergehenden Sonne kommen ihr bekannt vor. Ja, Syrakusae liegt jetzt vor ihnen.

„Wir sind da!“, freut sich Aphrodite und umarmt vor Freude ihre Sklavin und Freundin Emma.

Dann sagt sie: „Schau, Emma, das ist dein neues Zuhause!“

Der Blick auf die Insel Ortygia mit ihren Palästen und Festungsanlagen beeindruckt Aphrodite immer wieder aufs Neue. Erst jetzt sieht sie, dass praktisch die ganze Bucht voller Schiffe ist. Tatsächlich können sie nur über ein zweites Schiff die Kaimauer betreten. Der Kurier aus Messina muss vor ihnen angekommen zu sein, denn bekannte Gesichter wie den redegewandten Fischer Odysseus oder den Künstler Telemachos erkennt Aphrodite sofort. Im Gedränge tauchen auch ihre Sklavin Winnie, Valeria, die Schwester Eklasteos, und Alana auf. Glücklich, endlich zu Hause zu sein, balanciert Aphrodite ungeschickt über die schwankenden Planken den Frauen entgegen. Alle umarmen sich herzlich und Freudentränen fließen reichlich. Man versteht bei diesem Lärm wirklich kein einziges Wort. Nur Wortfetzen wie „Salute“, „Willkommen“, „Wir sind glücklich“ erreichen Aphrodites Ohr im Stimmengewirr. Es ist einfach zu laut. Erst auf dem Weg weiter nach oben zu den Villen der Reichen wird es ruhiger. Ein Wagen für die Kisten ist gegen kleines Entgelt bald beladen und holpert mit Pferd und Kutscher gemächlich hinter ihnen her.

Hier weiter oben sagt Valeria jetzt zu Aphrodite: „Kommt doch erst mal zu uns ins Haus, du und dein Mann.“

Aphrodite blickt sich fragend um und sagt: „Ich weiß nicht, ob das geht. Schau, Valeria, ich bin nicht nur mit meinem Mann hier!“

Aphrodite zeigt auf Männer und Frauen, die auf sie zukommen und erklärt: „Das ist meine Sklavin Rose mit ihrem künftigen Ehemann. Sie werden mit der Flotte weiterreisen. Daneben die Kleine, das ist meine Sklavin Emma! Dahinten kommen auch meine Stiefkinder Flavius und Melissa. Sind wir nicht vielleicht zu viele für Euch?“

Valeria widerspricht lachend: „Denk an deine Haushälfte und jetzt sind alle Zimmer im Haupthaus bewohnbar. Lass uns deine Ankunft bei uns feiern. Bitte!“

„Ich soll hier Häuser des verstorbenen Prätors Portio Gracchus geerbt haben. Dort müsste ich hin. Ich hoffe, sie werden Platz für uns haben“, erwidert Aphrodite unsicher.

Valeria winkt ab: „Die Villen des Gracchus können auch bis morgen noch warten. Die sind sicher froh, wenn du erst morgen kommst! Die Nachricht von Eurer Ankunft ist erst gestern Abend eingetroffen. Mit ihr ist auch im Rat die Nachricht von Eurer Erbschaft angekommen! Die Information wurde geteilt aufgenommen. Sie wurde einerseits mit allgemeiner Zustimmung im Rat begrüßt, andererseits vor allem von den Frauen mit giftigem Neid quittiert. Dass du den alten Prätor um den Finger gewickelt hattest, war doch allen klar. Im Hohen Rat will man dich in den nächsten Tagen noch persönlich begrüßen! Du und dein Mann, ihr gehört durch die geerbten Besitzungen zu den reichsten Bürgern in Syrakusae!“

Sie haben alle das Tor zum Haus des Eklasteos erreicht. Von hier aus sieht Aphrodite die Sklavinnen Tesa und Arminia an der Hofseite zur Küche stehen. Leider sieht sie auch im Gras immer noch den Pfahl liegen, der ihr vor einer halben Ewigkeit so einen Schrecken eingejagt hatte.

Innerlich zerrissen, sagt Aphrodite: „Ich will gerne zu euch kommen, aber meine Neugier auf mein neues Zuhause ist stärker. Valeria, vergib mir bitte! Ich komme in den nächsten Tagen zu euch! Aber vorher gebe ich dir erst mal unkommentiert den Brief deiner Schwester mit. Wir werden uns später auf jeden Fall deswegen alleine treffen müssen. Ich habe dir viel zu erzählen. Jetzt ist es aber besser, wenn ich das Haus des Gracchus aufsuche. Ich muss auch meinem Ehemann gehorchen.“

Aus einer Kiste holt Emma eine Rolle Papyri und gibt sie ihrer ehemaligen Herrin.

Mit beiden Händen die Rolle haltend, übergibt Aphrodite den Brief in feierlicher Form.

Etwas traurig nimmt Valeria mit zitternden Händen die Rolle an sich und sagt tief bewegt: „Danke, dass du mich nicht vergessen hast! Ich habe nicht gewagt, auch nur zu hoffen, dass du sie findest. Schon gar nicht habe ich geglaubt, dass du mit ihr sprechen würdest. Tausendmal Dank dafür, Aphrodite!“

Beide Frauen umarmen sich innig und Valeria fährt fort: „Vielleicht hast du recht, Aphrodite. Geh mit deinem Mann und komm bitte bald zu uns. Ich schicke dir Tesa mit. Sie wird dir die Villa des Gracchus hier oben zeigen!“

„Unten in Ortyga gibt es keine Villa des Gracchus?“, fragt Aphrodite überrascht.

Valeria lächelt und erklärt dazu: „Du denkst sicher an den Palast unten in Ortyga, eurem gemeinsamen Liebesnest. Nein, das ist der Palast des jeweils herrschenden Prätors und gehört dem römischen Senat. Der alte Gracchus hat in seiner Amtszeit eine Villa hier oben und dann auf der Hochebene ausgedehnte Ländereien ergaunert. Dort befindet sich auch noch eine Villa mit vielen Wirtschaftsgebäuden. Gracchus bewirtschaftete dort oben Olivenhaine, Ölmühlen, Weinberge und Getreidefelder. Er war neben Waretius und deinem Gönner Machon der größte Großgrundbesitzer. Ich weiß es nicht genau, aber du bist jetzt Herrin über mehr als sechshundert Sklaven. Ist das nicht verrückt?“

Aphrodite staunt nicht schlecht und stimmt zu: „Jetzt verstehe ich erst das Testament und doch ist das Ganze wirklich völlig verrückt! Dass er so viele Sklaven hatte, davon hat er mir nie etwas erzählt. Im Testament stand immer nur etwas von Gütern mit beweglichem und lebendem Inventar!“

Valeria winkt Tesa und Arminia zum Tor hoch. Freudig wird Aphrodite von ihnen begrüßt, wenn auch mit spürbarer Zurückhaltung. Die beiden Frauen wissen nicht, wie sie sich ihr gegenüber verhalten sollen. Dass nicht nur die lange Trennung, sondern auch die Umstände ihrer Freiheit und ihr neuer unvorstellbarer Reichtum eine unsichtbare Mauer zwischen den Frauen geschaffen haben!

Aphrodite begrüßt sie überschwänglich freundlich mit: „Ave Freundinnen. Wie geht es euch, Schwestern? Ich liebe euch!“

Die Frauen nicken nur und Tesa sagt leise: „Es geht uns gut. Danke, hohe Herrin!“

Aphrodite sucht Winnie und fragt: „Weiß Winnie nicht auch Bescheid?“

Valeria schüttelt mit dem Kopf und erklärt: „Du kannst natürlich Winnie mitnehmen, aber sie kennt den Weg zum Haus des Gracchus nicht. Es ist eine Villa in der Nähe des Hauses Machon!“ Gleichzeitig winkt sie Winnie heran. Kurz angebunden begrüßt Winnie ihre Herrin und verneigt sich dabei tief: „Ave Herrin!“

Dann verabschieden sich alle herzlich. Tesa geht mit Aphrodite zum Haus des Gracchus voran. Winnie bleibt einige Schritte hinter Aphrodite zurück. Gerne hätte sich Aphrodite mit ihr unterhalten, aber sie sieht ein, dass es für alle eine neue Situation ist. Sie muss ihren Freundinnen mehr Zeit geben.

Im Haus des Gracchus

Tesa geht zielsicher einen breiten Weg entlang und erklärt Aphrodite: „Herrin, weil der schwere und vor allem breite Wagen mit deinem Mann uns folgen muss, gehen wir lieber einen kleinen Umweg. Der gut ausgebaute Weg ist für Euch nach der anstrengenden Reise sicherlich auch besser!“

Dabei blickt sie von der Seite etwas verlegen auf Aphrodites Bauch. Doch Aphrodites weites Gewand gibt den Blick auf das Babybäuchlein noch nicht her.

Aphrodite hat ihren suchenden Blick verstanden und erklärt lächelnd: „Nun, Tesa, so schlimm ist es noch nicht. Ich fühle mich in meiner Schwangerschaft recht wohl. Fische putzen ist schlimmer. Wie geht es dir überhaupt? Werdet ihr sonst gut behandelt?“

Tesa lächelt und behauptet: „Seit Eklasteos weg ist, geht es hier viel ruhiger zu. Ihr habt, entschuldige, du hast also nichts vergessen, Aphrodite! Die Arbeit selbst nimmt im Haus kein Ende. Auch ist die Weinernte in diesem Jahr besonders gut ausgefallen. Viel Arbeit wartet auf uns!“

Winnie schiebt sich jetzt an die andere Seite neben Aphrodite. Doch Aphrodite blickt sich grade nach ihrem Mann um. Ihr Göttergatte ist in ein Gespräch mit Rose und ihrem Mann verwickelt. Darum bemerkt sie zuerst Winnie an ihrer Seite gar nicht. Das Getue der Männer gefällt Aphrodite nicht. Was haben sie nur zu bereden, fragt sie sich besorgt. Sie fürchtet, dass ihr Mann wieder etwas Schlimmes ausheckt.

Winnie zupft Aphrodite am Gewand, holt sie so aus ihren Gedanken. Gleichzeitig fragt sie: „Herrin, wie geht es Euch? Ich habe oft an Euch gedacht. So eine weite Reise ist nicht ungefährlich. Ständig kursierten neue Nachrichten von Euch in der Stadt. Die meisten davon waren natürlich von der übelsten Sorte. So etwa, man hätte Aphrodite in Rom ans Kreuz genagelt. Aber auch solche Gerüchte, dass Ihr die erste Senatorin in Rom geworden wäret. Aber alle Gerüchte waren sich in einem Punkt einig, dass Ihr nie wieder nach Syrakusae zurückkommen würdet!“

„Das tut mir herzlich für euch alle leid, dass ich allen üblen Gerüchten zum Trotz wieder in Syrakusae bin!“, spottet Aphrodite.

Winnie fühlt sich auch angegriffen und schweigt lieber. Immerhin ist die Herrin jetzt die reichste Frau in Syrakusae.

Aphrodite bemerkt es nicht. Sie ist dafür viel zu aufgeregt. Gleich wird sie ihr neues Heim, ihre Villa, betreten.

Die Häuser hinter den Weingärten werden jetzt immer größer. Die ersten Mauern lösen die Hecken und Sträucher der ärmeren Höfe ab. Wie immer, je höher die Mauern desto größer und prächtiger die Tore davor. Zum Teil sind hier jetzt auch die Wege gepflastert worden. Die Entwässerungsgräben neben dem Weg wurden mit behauenen Steinplatten abgedeckt. Aphrodite versucht sich zu erinnern und bruchstückhaft kommt ihr manches Haus wieder bekannt vor. Aber weil die Erinnerung an die Dienste damals, die sie hinter diesen Mauern verrichten musste, nicht immer die angenehmsten waren, hat sie vieles davon gerne verdrängt. Oft hat sie die Villen auch nur in der Dunkelheit betreten und am frühen Morgen in der Dämmerung wieder verlassen. Darum ist sie sich bei allem in ihren Erinnerungen nicht mehr so sicher. Sie weiß eigentlich nicht mehr, wo sie jetzt sind.

Tesa geht zielsicher den Weg entlang. Als sie rechts abbiegen und linker Hand eine gut drei Meter hohe Mauer auftaucht, verkündet Tesa: „Das gehört schon zum Anwesen des Gracchus, entschuldige, natürlich zu Eurem Anwesen, Herrin. Wir müssen nur noch bis unten an die Ecke und dann links gehen. Hinter der Ecke sind es höchstens noch vierzig Schritte bis zum Haupttor des Grundstücks!“

Unten angekommen, stellt sich heraus, dass dort eine gut ausgebaute Straße verläuft. Nach knapp dreißig Metern stehen sie tatsächlich vor einem hohen Tor! Tesa geht zielstrebig auf das Tor zu und schwingt einen eisernen, ringförmigen Klopfer so kräftig, dass es beim Anschlag auf das Holztor mächtig kracht. Eine ganze Weile tut sich überhaupt nichts! Aphrodite ist schon ganz nervös vor Ungeduld und Aufregung. Tesa muss auf ihr Zeichen hin erneut gleich dreimal kräftig klopfen.

Sie hören alle dumpfe Geräusche, die irgendeine Mechanik des Tores in Bewegung setzt. Ein Knarren kündigt geräuschvoll das baldige Öffnen des Tores an. Es wird aber nur einen Spalt breit geöffnet und ein kräftig gebauter Mann mit vollem, schwarzem Haar lässt sich blicken. Der Mann trägt eine Toga aus gutem Tuch und ein dicker Siegelring blinkt im Licht der untergehenden Sonne.

„Wer seid ihr? Wer hat euch zu uns geschickt?“, fragt der Mann mürrisch und ist sichtlich überrascht, wie viele Leute vor dem Tor stehen.

Aphrodite baut sich vor ihm auf und sagt im Kommandoton: „Ich bin Aphrodite Lutatius Catullus Gracchus von Syrakusae, Adoptivtochter des verstorbenen Prätors Portio Gracchus! Nach dem letzten Willen des Prätors Erbin und Herrin aller Besitzungen hier auf Sicilia!“

Der Mann reißt die Augen weit auf. Das Tor öffnet sich weiter, der Mann geht auf sie zu, verneigt sich vor ihr und grüßt: „Salute, Herrin, wir haben schon geglaubt, dass Ihr doch nicht mit der Kriegsflotte gekommen seid!“

Er öffnet jetzt das Tor weit und fährt fort: „Seid uns willkommen! Ich bin Plaston, Vigilius Ares Plaston, der Verwalter der Güter oben auf dem Plateau. Der eigentliche Verwalter dieses Hauses, Theodate, ist noch unten am Hafen mit den meisten Sklaven des Hauses. Er wollte Euch abholen. Weil immer noch keiner unserer Leute da ist, glaubte ich, dass Ihr nicht mitgekommen seid. Gerade wollte ich wieder nach oben zum Hof auf dem Plateau. Nur zufällig hörte ich das Klopfen und wollte erst nicht öffnen, weil kein Sklave in der Nähe war. Vergebt mir, hohe Herrin, dass Ihr warten musstet!“

Das Tor ist nun ganz weit auf. Noch einmal umarmt Aphrodite Tesa, verabschiedet sich mit einem Kuss und sagt ihr danke.

Aphrodite folgt der einladenden Geste des Plaston in den Hof.

Zielstrebig geht sie an der Seite des Mannes den Weg in Richtung Villa, die durch einen hohen Zypressenhain hindurchschimmert.

Aphrodite ist unsicher, die Größe der Anlage beeindruckt sie sehr.

Mit Abstand folgen ihr die anderen und der Wagen. Der Weg ist mit Marmorbruchplatten ausgelegt und durch helle und dunkle Steine wird ein Mäandermuster erzeugt. Jetzt lässt der zu Ende gehende Weg den Blick auf eine sehr große Villa frei, die noch ganz den Geist der griechischen Architektur atmet. Vielleicht ist das überhaupt ein rein griechischer Bau, der aus der Zeit der griechischen oder punischen Herrschaft stammen könnte. Begeistert geht Aphrodite vor und nur mit Mühe kann der Verwalter ihr jetzt folgen. Zwischen den Zypressen sind Weinstöcke, Blumen und Gemüsebeete zu erkennen. Alles macht auf Aphrodite einen sauberen und gepflegten Eindruck. Erst vor dem Haupteingang wird die Größe und Höhe der Villa für Aphrodite erfassbar. Es scheint, von hier aus betrachtet, doch ein zweigeschossiges Gebäude zu sein. Aphrodite ist hellauf begeistert. Sie schätzt die Frontseite auf gut sechzig Meter Breite und mehr als zehn Meter Höhe. Der von nur vier Säulen getragene Haupteingang wirkt dagegen eher bescheiden, auch wenn die Farbabstimmung von Säulen und Wänden beeindruckt. Die strahlend weiß gemaserten Marmorwände stehen im Kontrast zu den schwarzen Marmorsäulen. Aphrodite empfindet es als gelungen. Überhaupt wirkt das ganze Gebäude wie ein Kunstwerk. Wenn der Bau die Zeiten überdauert hätte, könnten die in Berlin mit ihrem Pergamonaltar einpacken, denkt Aphrodite begeistert. Dieses Wunder gehört nun ihr! Jetzt geht Plaston vor und öffnet die hohe schwarze Tür vor ihr. Die Vorhalle fällt recht bescheiden aus und in Aphrodite kommt der Gedanke auf, dass hier einmal ein viel kleineres Haus gestanden haben muss. Die nachfolgenden Besitzer haben zwar immer wieder angebaut, aber aus Liebe zur griechischen Architektur das Alte zum Glück bewahrt. Der übertriebene Prunk mancher römischer Villen hat Aphrodite ohnehin nicht gefallen. Ihr erster Eindruck: Hier könnte sie sich wirklich wohlfühlen. Vor allem auch, weil sie hier die Herrin des Hauses ist. Eine ganz neue Erfahrung für sie.

Nun tauchen auch Sklaven auf. Besonders unwohl ist ihr dabei, weil die Männer und Frauen alle durch ihre Halseisen erkennbar sind. Aphrodite blickt sich um und wird in ihren Gedanken gestört, als der Verwalter bittet: „Herrin, darf ich Euch das Haus zeigen?“

„Nein, danke, bitte heute nicht mehr. Ich wünsche mir nur noch ein Bett! Am besten ein Zimmer, von dem ich das Meer sehen kann! Ja, organisiert für uns alle ein Bett für die Nacht. Für meine Stieftochter Melissa und meinen Stiefsohn Flavius erwarte ich, dass sie ein Einzelzimmer bekommen. Das gilt für meinen Mann natürlich auch! Ich selbst möchte natürlich auch meinen eigenen Bereich haben!“

Der Mann nickt nur freundlich und geht zu den Sklaven des Hauses. Er instruiert sie, wer heute Nacht wo untergebracht wird. Mit einer Geste fordert er Aphrodite und die Sklavinnen auf, ihm zu folgen.

Auf dem Weg sagt er: „Ich erlaube mir nach der Tradition des Hauses, euch Zimmer im Ostflügel zu geben. Natürlich könnt Ihr das in den nächsten Tagen noch anders entscheiden. Euer Mann wird ein Zimmer im Westflügel erhalten!“

Aphrodite ist begeistert: „Die Ostseite ist immer gut!“ Plaston nickt lächelnd und ist hoch erfreut: „Erstaunlich ist es schon, dass alle Frauen dieses Hauses den Blick auf die aufgehende Sonne und das Meer bevorzugen!“

Jetzt geht es in einem Innenhof mit Garten eine Treppe hoch und einen Säulengang entlang.

Vor einer kleinen Tür bleibt er kurz stehen und verkündet: „Das ist das Zimmer für Eure Sklavinnen. Euer Zimmer ist von diesem Raum aus erreichbar.“

Dann geht er eine Tür weiter und öffnet sie. Alle betreten ein Zimmer, das wohl zehn Mal zehn Meter misst. Nicht wirklich groß für einen Saal. Für das Zimmer einer einzelnen Frau aber beeindruckend. Es ist mit allem ausgestattet, was sich eine Frau zum Wohlfühlen wünscht. Ein breites Bett mit Himmel, Truhen für das Tuch, zwei Liegen und ein kleiner, runder Tisch. Der Mann beeilt sich, die Fensterläden zu öffnen und gibt so den Blick auf Syrakusae und das dahinter liegende Meer frei. Ein Balkon oder eine Terrasse fehlen leider.

Für heute muss es genügen, entscheidet Aphrodite und sagt zu Plaston, dem Verwalter: „Danke, ich danke wirklich, dass Ihr Euch persönlich bemüht habt. Könnt Ihr uns noch etwas zu trinken und zu essen bringen lassen?“

Der Mann nickt etwas unsicher und geht mit einer tiefen Verbeugung.

Alleine mit Emma und Winnie äußert Aphrodite laut ihre Gedanken: „Keine schlechte Hütte, aber noch nicht perfekt!“

Jetzt bringen Sklaven das Reisegepäck ins Zimmer. Emma und Winnie beeilen sich, alles in den Truhen zu verstauen. Aphrodite legt ihr Gewand ab und wirft sich nackt rücklings auf das breite Bett. Das Bett ist toll, freut sie sich.

Ein Sklave kommt mit einem Tablett herein, welches übervoll mit Wein und Speisen belegt ist.

Aphrodite deckt sich blitzschnell zu, der Sklave hat dennoch für einen Augenblick alles von ihr gesehen.

Verwirrt verlässt der Sklave nach einem Diener das Zimmer.

Aphrodite ist amüsiert und spottet: „Der Mann ist feuerrot geworden, als hätte er noch nie eine nackte Frau gesehen! Aber in Zukunft muss ich daran denken, dass auch Männer zum Dienstpersonal gehören. Oder ich verbanne die Männer aus dem Frauenbereich? Frauen unter sich, das ist die Lösung!“

„Wie Ihr es wünscht, Herrin, verbannen wir die Männer aus der Haushälfte“, erwidert Winnie und kommt mit dem Tablett ans Bett und witzelt: „Wie ich sehe, Herrin, habt Ihr immer noch Euren Spaß, mit den Reizen der Frau zu spielen. Ihr amüsiert Euch köstlich, wenn die Männer vor Euch die Fassung verlieren. Ich habe von Euch auch alles gesehen und noch viel mehr. Erlaubt Ihr eine Frage, Herrin?“

Aphrodite streift sich ein frisches Tuch über, nickt und stimmt zu: „Sei nicht so förmlich. Wir sind doch Freundinnen! Was willst du denn wissen?“

Winnie immer noch unsicher, sagt mit Blick auf Aphrodites jetzt sichtbares kleines Bäuchlein zaghaft: „Aphrodite, kann es sein, dass du ein Kind bekommst? Dann stimmen also die Gerüchte doch!“

„Ist es schon als Schwangerschaft zu erkennen? Etwas Bauch darf doch eine Frau haben?“, fragt Aphrodite erstaunt und betrachtet sich genauer. Tatsächlich, so nackt im Licht betrachtet, hat sich erkennbar bei ihr unter dem Busen ein kleiner runder Bauchansatz auf ihrem sonst schlanken Körper gebildet. Bisher war ihre Schwangerschaft nur eine rein emotionale Sache. Die bei ihrer ersten Schwangerschaft aufgetretenen Kreislaufprobleme und die leichte Übelkeit am Anfang fehlten diesmal völlig. Als Sklavin ist sie hart im Nehmen geworden.

„Was gab es denn für Gerüchte?“, fragt Aphrodite, jetzt hellhörig geworden.

Winnie erzählt verlegen: „Nun, der Kurier machte so Andeutungen und behauptet, dass ausgerechnet der neue Prätor dich geschwängert hat. Gar vor Zeugen soll er es mit dir getrieben haben. Um es sich nicht mit seiner herrischen Frau zu verderben, hat er dich schnell verheiratet. Stimmt das, was überall erzählt wird?“

Aphrodite freut sich, denn das Gerücht hilft ihr, den Prätor an der langen Leine zu halten. Er wird für das Wohl seines vermeintlichen Kindes schon sorgen. Sie lächelt, weicht einer ehrlichen Antwort aus und behauptet: „Der Prätor meinte es wirklich immer gut mit mir und sorgt sich um mein Wohlergehen. Mehr kann ich dazu nicht sagen, Winnie!“

Winnie reißt erstaunt Mund und Augen weit auf. Sie wird mit Sicherheit dafür sorgen, dass es jetzt in Syrakusae amtlich wird und jeder es erfährt. Aphrodite freut sich, wendet sich an Emma, als sei nichts wirklich Wichtiges gesagt worden: „Liebste Emma, hol mir bitte ein sauberes Gewand heraus und dann, meine Damen, erhaltet ihr einen besonders wichtigen Auftrag. Findet heraus, wo ich hier baden kann!“

Aphrodite klagt, im Haus des Eklasteos wäre sie heute vielleicht besser aufgehoben. Aber wie konnte sie ahnen, dass sich alles so entwickelt. Dort hätte sie ein Bad und eine Terrasse! Was hat sie hier?

Emma und Winnie beeilen sich und suchen das Bad im Haus.

Rose kommt ins Zimmer, macht eine artige Verbeugung und sagt: „Herrin, ich bringe Euch den Kaufvertrag und den Kaufpreis. Auch die Freilassungsurkunde habe ich dabei!“

Eher flüchtig liest Aphrodite die vorliegenden Verträge und unterschreibt. Der kleine Lederbeutel voller Münzen liegt auf dem Tischchen. Aphrodite, immer noch auf dem Bett liegend, gibt Rose durch ein Handzeichen zu verstehen, dass sie den Beutel haben will.

Etwas nervös gibt Rose ihr den Beutel und versichert: „Herrin, die Münzen haben wir dreimal nachgezählt. Es ist der vereinbarte Kaufpreis!“

Unbeirrt von Roses Worten schüttet sie die Münzen auf das Bett. Neugierig betrachtet sie die Prägungen. Das Ganze ist eine Mischung aus Silberdenaren, Sesterzen und Bronzestücken, die sicher dem As entsprechen. Eine Goldmünze ist dabei, das kann nur ein Aureus sein. Eine Wölfin mit vielen auffälligen Zitzen ist auf dieser Münze gut zu erkennen. Erst als sie bei den anderen Münzen auch keine Menschen abgebildet vorfindet, begreift Aphrodite, dass die Kaiserzeit im Römischen Reich noch gar nicht angebrochen ist. Belustigt über ihre Entdeckung betrachtet sie die antiken Münzen, die jetzt natürlich noch keine antiken Münzen sind, sondern gültiges Zahlungsmittel.

Aus ihrem Spiel wird sie herausgeholt, als Rose fragt: „Darf ich gehen und die Dokumente mitnehmen?“

Leicht verwirrt blickt Aphrodite hoch und sagt: „Entschuldige, Rose, so viele verschiedene Münzen habe ich hier noch nie auf einem Haufen gesehen. In die Kisten von den Seeräubern und aus dem Schiffswrack habe ich gar nicht geschaut. Nichts davon gehörte mir wirklich. Als Hure in Karthago habe ich nur zweimal von den Männern Silberstücke bekommen. Sonst bekam ich nur haufenweise Kupfermünzen aus aller Welt zugesteckt. Ich habe diese Münzen noch nie gesehen.“ Sie hält eine Silbermünze, auf deren eine Seite ein Kopf geprägt ist, hoch: „Irgendwie ist dieses Geld faszinierend!“

Weil Aphrodite auf die Frage von Rose nicht wirklich geantwortet hat und diese den Worten nicht ganz folgen konnte, bleibt sie verunsichert stehen und beobachtet Aphrodite nervös.

Münze für Münze kommt nach eingehender Betrachtung wieder in den Lederbeutel. Eine Münze legt sie zurück auf das Bett. Es ist die Silbermünze, die als einzige den Kopf eines Menschen mit einem komischen Hut darstellt. Mit etwas Fantasie könnte ein Papst dargestellt sein. Aber ihr wird sofort klar, dass es die Päpste erst in drei, vier oder gar fünf Jahrhunderten gibt. Das ganze Geld, außer dieser einen Münze, ist jetzt im Beutel. Noch einmal betrachtet Aphrodite die Münze. Durch die Prozedur unruhig geworden, erklärt Rose: „Herrin, das ist eine Münze aus Alexandria. Der König dieses Reiches ist auf der Münze dargestellt. Es soll reines Silber sein. Mein geliebter Servius hat mir versichert, dass alles seine Ordnung mit dem Kaufpreis hat!“

„Das will ich für dich hoffen, meine liebe Rose! Verzeih mir, dass ich diese eine Münze behalte. Sie gefällt mir so sehr! Komm in meine Arme, lass dich küssen und nimm das Geld als Aussteuer für den Weg in dein neues Leben!“

Völlig überrascht von der großzügigen Geste fällt Rose fast in Ohnmacht, wirft sich auf den Boden und küsst Aphrodite sklavisch die Füße.

Von den Freudentränen werden Aphrodites Füße nass und sie selbst gerührt. Verlegen sagt sie: „Rose, Rose, bitte lass das. Du, du bist doch meine Freundin! Wie kann ich je für dich Geld verlangen. Versprich mir lieber, wenn dieser Mann doch nicht zu dir passt, verlass ihn und komm zu mir zurück! Egal, wie viele Kinder du mitbringst. Für dich wird sich immer ein Platz finden!“

„Ich weiß nicht, wie ich Euch, Herrin, jemals danken kann!“, dankt Rose Aphrodite und ist überglücklich.

Überrascht, dass es an der Tür klopft, ruft Aphrodite: „Ja, bitte, warum klopft ihr denn, Emma und Winnie?“

Die Tür wird geöffnet und durch den Luftzug überrascht, dreht sich Aphrodite instinktiv zur Tür um und erblickt einen auffallend großen Mann mit blauen Augen und einem prächtigen Zinken. Nein, sie denkt jetzt dabei nicht an seinen Johannes, rügt sie sich.

Der Mann macht eine tiefe Verbeugung und grüßt: „Ave, ich bin der Hausverwalter Georgius Theodate. Ursprünglich griechischer Sklave aus Sparta. Seit vielen Jahren aber für den Prätor Gracchus als freier Mann tätig. Vergebens habe ich am Hafen auf Euch gewartet. Irgendwie müssen wir uns verfehlt haben! Vergebt mir, Herrin!“

Aphrodite ist immer noch auf seine Nase fixiert, kommt nur schwer davon los und sagt versöhnlich: „Ich habe mich bei Euch zu entschuldigen. Weil ich alte Freunde getroffen habe, bin ich ihnen zuerst gefolgt und im Gedränge haben wir uns nicht gefunden. Ich möchte Euch sagen, dass alles erst mal beim Alten bleibt. Ihr und Plaston bleibt selbstverständlich im Amt. Gleichzeitig müsst ihr euch beide dennoch auf Veränderungen einstellen. Aber das kläre ich mit euch beiden zu einem späteren Zeitpunkt. Erst muss ich den notwendigen Durchblick haben. Ich brauche viel Geld, sehr viel Geld in den nächsten Monaten. Aber das besprechen wir noch in aller Ruhe in den nächsten Tagen!“