Die 11. Stunde - James Patterson - ebook

Die 11. Stunde ebook

James Patterson

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Opis

Freund oder Feind, Wahrheit oder Täuschung ...

Lindsay Boxer ist voller Vorfreude, denn endlich ist sie schwanger. Das Verbrechen in San Francisco nimmt darauf allerdings keine Rücksicht. Als der Millionär Chaz Smith brutal niedergeschossen wird, findet Lindsay heraus, dass durch die Mordwaffe vier der berüchtigsten Verbrecher der Stadt den Tod fanden. Außerdem wurde sie aus ihrem eigenen Beweismitteltresor im Police Department gestohlen. Jeder könnte der Täter sein, auch diejenigen, die Lindsay am nächsten stehen …

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EPUB
MOBI

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James Patterson

mit Maxine Paetro

Die 11. Stunde

Thriller

Deutsch von Leo Strohm

Die Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel11th Hour bei Little, Brown and Company, New York

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1. Auflage

© der Originalausgabe 2012 by James Patterson

Published by arrangement with Linda Michaels Limited, International Literary Agents

© der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by Blanvalet Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung: www.buerosued.de

Umschlagmotiv: plainpicture / Hanka Steidle

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-12467-0V002www.limes-verlag.de

Prolog

Rache

1In der letzten Reihe des Auditoriums der exklusiven Morton Academy of Music saß ein gut aussehender Mann Mitte vierzig. Er trug einen blauen Anzug, ein weißes Hemd und eine elegante, gestreifte Krawatte. Seine Erscheinung war unauffällig, aber hinter seinen blau gefärbten Brillengläsern verbargen sich ausgesprochen sanfte braune Augen.

Er war alleine zu der Aufführung gekommen. Jetzt dachte er für einen kurzen Augenblick an seine Frau und seine Kinder zu Hause, doch dann wandte er seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Kind eines anderen zu.

Das Mädchen hieß Noelle Smith. Sie war elf Jahre alt, ein süßes kleines Ding und gleichzeitig eine sehr talentierte, junge Geigerin. Soeben hatte sie eine Gavotte von Bach zu Gehör gebracht, und das auf sehr überzeugende Art und Weise.

Noelle war sich dieser Tatsache voll und ganz bewusst. Sie verbeugte sich tief und mit schwungvoller Geste und strahlte, während zweihundert Väter und Mütter im Saal klatschten und johlten.

Als der Applaus verklungen war, stand ein Mann in der dritten Reihe auf, knöpfte sein Jackett zu, trat auf den Gang und lenkte seine Schritte in Richtung Foyer.

Dieser Mann war Chaz Smith, Noelles Vater.

Der Mann im blauen Anzug wartete etliche Sekunden, dann folgte er Smith. Er hielt sich ein ganzes Stück hinter ihm, schritt über die cremefarbenen Fliesen des Korridors und wandte sich hinter dem winzigen Springbrunnen schließlich nach rechts in den kurzen Flur, der zur Herrentoilette führte.

Nachdem er den Raum betreten hatte, bückte er sich und entdeckte Chaz Smiths italienische Slipper unter der Tür der rechts außen gelegenen Kabine. Bis auf ihn war niemand hier. Aber in ein, zwei Minuten würde es voll werden.

Mit einer schnellen Bewegung packte der Mann im blauen Anzug den großen Metallmülleimer, der neben den Waschbecken stand, und blockierte damit die Tür. Dann rief er: »Mr. Smith? Tut mir leid, dass ich stören muss, aber es geht um Ihren Wagen.«

»Was? Wer ist denn da?«

»Ihr Wagen, Mr. Smith. Sie haben das Licht angelassen.«

Der Mann im blauen Anzug zog seine Halbautomatik aus der Jacketttasche – eine Ruger, Kaliber 22 – und schraubte den Schalldämpfer auf den Lauf. Dann holte er einen braunen Plastikbeutel aus der Tasche und stülpte ihn über die Pistole.

Smith fluchte. Dann war die Spülung zu hören, und Smith machte die Tür auf. Seine grauen Haare waren zerzaust, weißes Pulver klebte an den Rändern seiner Nasenlöcher, und er sah ausgesprochen verärgert aus. »Sind Sie sicher, dass es mein Auto ist?«, sagte er. »Meine Frau bringt mich um, wenn ich nicht rechtzeitig vor dem Finale wieder neben ihr sitze.«

»Ich bedaure wirklich, dass ich Ihrer Frau und Ihrer Tochter das antun muss. Noelle hat wunderschön gespielt.«

Smith sah ihn verwirrt an – dann wusste er Bescheid. Er ließ das Röhrchen mit dem Koks fallen und schob die Hand unter das Jackett. Zu spät.

Der Mann im blauen Anzug hob die mit Plastik umhüllte Pistole, drückte ab und schoss Chaz Smith zweimal zwischen die Augen.

2Langsam, wie eine aufblühende weiße Blume, entfaltete sich die folgende Sekunde in dem blau gekachelten Raum.

Smith starrte seinen Mörder aus weit aufgerissenen blauen Augen an. Blut triefte aus den beiden Löchern in seiner Stirn, und ein Ausdruck starren, ungläubigen Erstaunens lag auf seinem Gesicht. Er stand immer noch auf den Beinen, aber sein Herz hatte aufgehört zu schlagen.

Chaz Smith war tot.

Der Todesschütze erwiderte Smiths starren Blick, streckte die Hand aus und gab ihm einen Schubs. Der Tote fiel in die Kabine, sackte auf der Schüssel zusammen, schlug mit dem Kopf gegen die gekachelte Wand.

Es war die perfekte Kulisse für den nunmehr verblichenen Chaz Smith. Tot auf der Toilette. Genau die passende Umgebung für diese Ratte.

»Geschieht dir recht. Im Prinzip war das noch viel zu nett, du widerliches Schwein.«

Es war gut gelaufen, aber jetzt musste er von hier verschwinden.

Er steckte die Plastiktüte mit den Patronenhülsen, den Schmauchspuren und der Waffe in seine Jacketttasche und zog die Kabinentür zu.

Dann nahm er den Mülleimer mit nach draußen und stellte ihn von außen vor die Tür der Männertoilette, damit die Leute dachten, dass der Raum vorübergehend nicht zugänglich war. Das würde sie für eine Weile aufhalten.

Der Mann im blauen Anzug hörte Geräusche. Die Türen des Auditoriums wurden geöffnet. Er ging auf den Hauptgang zu und bog in dem Moment nach links ab, als das Publikum schnatternd und lachend ins Foyer strömte. Niemand beachtete ihn, aber selbst wenn, hätte ihn keiner mit dem Toten auf der Herrentoilette in Verbindung gebracht.

An der Wand neben einer Tür mit der Aufschrift LEHRERZIMMER befand sich ein Brandmelder.

Er nahm sein Taschentuch in die Hand, zog das Kästchen auf, ergriff den Hammer, zerschlug die Glasscheibe und drückte den Hebel. Sofort begann die Alarmglocke zu schrillen.

Dann schob er sich mitten ins dichteste Gewühl.

Die ersten Kinder fingen bereits an, zu kreischen und im Kreis zu laufen. Eltern riefen nach ihren Sprösslingen, nahmen sie an der Hand oder auf den Arm und hasteten zum Ausgang.

Der Mann ließ sich von der Menge durch die Glastüren hinaus auf die California Street schwemmen. Er ging weiter, bog in eine Seitenstraße ab, kam an Chaz Smiths Ferrari vorbei und schloss seinen zerschrammten Geländewagen auf, der direkt dahinter stand.

Nur wenige Sekunden später fuhr er im Schritttempo an der Musikschule vorbei. Ahnungslose Kinder und Eltern standen vor dem Gebäude und starrten hinauf zum Dach, rechneten jeden Moment mit den ersten Flammen oder Rauchwolken.

Auch wenn es ihnen nicht bewusst war, aber sie alle waren jetzt ein klein wenig sicherer.

Chaz Smith war nur eine seiner Zielpersonen gewesen. Die Medien hatten die Spur des Todesschützen bereits aufgenommen – Drogendealer allesamt. Eine der Zeitungen hatte ihm einen Spitznamen verpasst, und alle anderen hatten ihn übernommen.

Jetzt hieß er überall nur noch »Der Rächer«.

Aus der Thirty-Second Avenue näherten sich Feuerwehrautos, und der Mann, den sie den Rächer nannten, trat aufs Gaspedal. Jetzt war kein guter Zeitpunkt, um in einen Stau zu geraten.

Er musste noch einkaufen, bevor er nach Hause zu seiner Familie fuhr.

Erstes Buch

Das Haus der Totenköpfe

1Yuki Castellano schlug die Augen auf. Sie lag in den Armen ihres Geliebten im Bett ihrer Mutter. Falls das ein Traum war, dann war es ein ziemlich witziger Traum.

Sie grinste, während sie ihre tote Mutter fast vor sich sitzen sah, auf dem grünen, gepolsterten Hocker neben der Kommode, mit missbilligender Miene. Und dann, es war nicht das erste Mal, ertönte die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf.

Yuki-eh, du brauch’ Ehe-Mann. Nich’ Liebhaba.

Mom. Mom. Er ist so toll.

Er so va-heiratet.

Getrennt lebend!

Jackson Brady bewegte sich, zog sie an sich, hob ihre Haare hoch und küsste sie seitlich auf den Hals.

Sie sagte: »Es ist … noch früh … du kannst noch eine Weile schla…«

Dann seufzte sie, während Bradys Hände ihren nackten Körper streichelten, ihren Motor starteten und auf Touren brachten.

Kissen fielen zu Boden, Decken ballten sich am Fußende, und dann füllte er sie aus. Sie schrie auf, und er sagte: »Ich bin da.«

Und genauso war es. Er war bei ihr, voll und ganz.

Atemlos keuchend küssten und bissen sie sich, bewegten sich im Einklang miteinander und liefen ein Rennen, das sie beide gewinnen sollten. Nach dem Zieleinlauf lagen sie da, ineinander und in die Laken verschlungen, schweißnass, befriedigt, voll Staunen.

Yuki seufzte. »O Gott. Das war … ganz … nett.«

Brady lachte. »Du machst mich fertig.« Er küsste sie noch einmal, schob die Finger in ihren dichten schwarzen Vorhang aus Haaren und sah zu, wie die einzelnen Strähnen durch seine Finger rieselten. »Ich muss los«, sagte er dann leise.

»Nicht ohne eine Tasse Kaffee.«

Er gab ihr einen Klaps auf den Hintern und stand auf.

Yuki drehte sich auf die Seite und blickte ihm nach, betrachtete seinen vollkommenen Körper, die bleichen Haare, die ihm fast bis auf die Schultern hingen, das einfache keltische Kreuz, das auf seinen Rücken tätowiert war. Als die Badezimmertür sich geschlossen hatte, stand Yuki ebenfalls auf und schlüpfte in den seidenen, wassermelonenfarbenen Morgenmantel, den Brady ihr geschenkt hatte.

Sie stieg über die Kleider, die am vergangenen Abend achtlos auf dem Boden gelandet waren, holte ein frisches Hemd aus seiner Schublade und legte es über den grünen Hocker. Sie lauschte dem Geräusch der Dusche und dachte an Brady.

Tsutta sakana ni esa wa yaranai, sagte Keiko Castellano. Ein Mann füttert die Fische nicht, die er gefangen hat.

Sei ruhig, Mom. Ich liebe ihn.

Yuki machte den Küchenschrank auf, holte die Dose mit den Kaffeebohnen heraus, schüttete Wasser in die Kaffeemaschine und steckte Brot in den Toaster.

Es war noch nicht einmal sechs Uhr. Sie brauchte erst um neun in ihrem Büro in der Bezirksstaatsanwaltschaft zu sein. Aber es machte ihr nichts aus, mit Brady zusammen aufzustehen. Sie wollte es sogar, weil … weil sie ihn liebte. Es war fast schon peinlich, so sehr liebte sie ihn, aber sie war glücklich. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Erwachsenenleben.

Nein, nicht vielleicht. Sie war ganz eindeutig so glücklich wie seit zwanzig Jahren nicht mehr.

Brady betrat die Küche. Die Krawatte war gebunden, das Schulterhalfter bereits über das blaue Hemd geschnallt, und er war dabei, in sein Jackett zu schlüpfen. Er machte ein besorgtes Gesicht, und sie wusste, dass er sich bereits mit diesem Fall beschäftigte, der ihm in letzter Zeit so viel Kopfzerbrechen bereitete.

Sie schenkte ihm Kaffee ein und legte eine Scheibe gebuttertes Toastbrot auf einen Teller.

Er rührte einen Haufen Zucker in den Kaffee und trank einen Schluck, dann noch einen, bevor er den Becher wieder abstellte.

»Ich kann nichts essen, Süße. Ich muss … ach, du Schreck, in fünfzehn Minuten habe ich eine Sitzung. Okay? Ich ruf dich an.«

Vielleicht auch nicht.

Es spielte keine Rolle. Zwischen ihnen war alles in Ordnung.

An der Tür gab sie ihm einen Abschiedskuss und sagte, dass er auf sich aufpassen solle. Dass sie ihn bald wiedersehen wolle, gesund und munter.

Sie umarmte ihn ein klein wenig zu fest und ein klein wenig zu lang. Er wuschelte ihr durch die Haare und verabschiedete sich.

2Die Sonne schlief noch tief und fest, als ich meinen Explorer gegenüber der Hall of Justice abstellte, wo die Bezirksstaatsanwaltschaft, der Strafgerichtshof und die Southern Division des San Francisco Police Department untergebracht sind.

Ich zeigte dem Sicherheitsdienst meine Dienstmarke, trat durch den Metalldetektor, ging durch das leere granatapfelrote Marmorfoyer zur Treppe und stieg hinauf.

Lieutenant Jackson Brady hatte uns im Bereitschaftsraum der Mordkommission zu einer Frühsitzung einbestellt, ohne uns den konkreten Grund zu nennen. Ich arbeitete jetzt seit zehn Monaten für Brady, aber irgendwie fühlte es sich immer noch ein bisschen seltsam an.

Brady war ein guter Polizist. Ich hatte schon mehrfach erlebt, wie er sich ausgesprochen mutig und tapfer verhalten hatte … aber sein Stil als Vorgesetzter gefiel mir nicht. Er war schroff. Er kapselte sich ab. Ich jedenfalls, in meiner Zeit als Lieutenant, hatte den Job anders angepackt.

Mein Partner, Rich Conklin, hob den Blick von seiner Computertastatur, als ich durch die Schleuse trat. Wir stehen uns sehr, sehr nahe, Rich und ich. Er ist für mich so was wie ein kleiner Bruder, der auf mich aufpasst. Er ist nicht nur ein sehr guter Polizist, sondern auch ein wundervoller Mensch, und ich bin sehr froh, dass wir seit etlichen Jahren gemeinsam bei der Mordkommission sind. Was ich besonders an ihm schätze, ist, dass er auch in extremen Stresssituationen ruhig und berechenbar bleibt.

Wir hatten unsere Schreibtische gleich beim Eingang des Bereitschaftsraums so zusammengerückt, dass wir einander gegenübersaßen. Ich hängte meine Jacke über die Stuhllehne und sagte: »Was gibt’s denn?«

Aber er meinte bloß: »Ich sag es dir, sobald alle da sind.«

Ich demonstrierte ihm mein kindisches Gemüt, indem ich meinen Stuhl mit lautem Getöse gegen den Schreibtisch knallen ließ. Es dauerte ein wenig, bis ich die Zurückweisung verdaut hatte. Conklin beobachtete mich geduldig.

»Ich habe noch keinen Kaffee gehabt«, sagte ich.

Conklin bot mir seinen Becher an. Dann bewarf er mich mit Büroklammern, so lange, bis ich mich wieder abgeregt hatte.

Um Punkt 6.30 Uhr war die Mordkommission vollzählig angetreten. Alle acht saßen wir an unseren Schreibtischen, während die Neonröhren unseren Gesichtern eine mumienartige Blässe verliehen.

Brady kam aus seinem neun Quadratmeter großen Glaskasten und stellte sich neben die Weißwandtafel am vorderen Ende des Raums. Er zog eine Abdeckung beiseite und enthüllte diverse Fotos dreier einflussreicher, mieser Drogendealer. Sie hatten eines gemeinsam: Sie alle waren tot.

Dann fügte er der Galerie ein paar Fotos eines vierten Toten hinzu – darunter ein Fahndungsfoto und eines aus der Leichenhalle. Die Fahndung hatte sich offensichtlich erledigt.

Das war Chaz Smith. Ich hatte nicht gewusst, dass er tot war.

Smith war ein stadtbekannter Drecksack, der sein Oberschichtleben als angeblicher Geschäftsmann im Ruhestand in Noe Valley verbrachte. Seinen aufwendigen Lebensstil finanzierte er mit dem Verkauf von hochwertigem Kokain an andere Dealer, die das Zeug dann auf der Straße unter die Leute brachten.

Smith war seit Jahren der Verhaftung entgangen, weil er sich geschickt im Hintergrund hielt und schlau war. Bis jetzt war er noch nie auf dem Seitenstreifen eines Highways bei irgendwelchen Geschäften durch das Seitenfenster seines Ferrari erwischt worden.

Angesichts der beiden Einschusslöcher in seiner Stirn konnten wir wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass das letzte Geschäft wirklich sein letztes gewesen war.

Brady sagte: »Smith war gestern Nachmittag bei einer Aufführung an der Musikschule seiner kleinen Tochter. Dort ist er auf die Toilette gegangen, um ein bisschen was zu schniefen, und hat sich zwei Kugeln in den Stirnlappen eingefangen. Er war bewaffnet, aber er hat die Waffe nicht einmal angefasst.«

Smiths Tod bedeutete, dass es ein abscheuliches Arschgesicht weniger gab, das auf Kosten der Schwächsten fett und reich werden konnte – und das alles, ohne dass es den Steuerzahler einen Cent gekostet hatte. Eigentlich wäre das Rauschgiftdezernat federführend für den Fall zuständig gewesen, nicht die Mordkommission, aber irgendetwas an der Sache stimmte nicht. Irgendetwas, das unseren Lieutenant stark beschäftigte.

Brady nahm seine Arbeit ernst. Er machte keine überflüssigen Worte. Aber jetzt schien er irgendwie um die richtige Formulierung zu ringen, als wollte er uns den Grund für diese Zusammenkunft am liebsten verschweigen.

Ich sagte: »Und was haben wir damit zu tun, Lieutenant?«

»Das Rauschgiftdezernat hat uns um Unterstützung gebeten«, lautete seine Antwort. »Ich weiß. Wir haben mehr als genug mit unseren eigenen Fällen zu tun, aber es geht um Folgendes: Chaz Smith wurde mit einer Zweiundzwanziger getötet, die aus unserem Beweismittelarchiv gestohlen wurde, eine von insgesamt sechs Zweiundzwanzigern, die uns im Lauf der letzten Monate dort abhandengekommen sind. Der Täter muss Zugang zu unseren Räumlichkeiten gehabt haben. Und die entsprechenden Eintragungen in der Beweismittelliste wurden gelöscht.«

Leises Stöhnen war zu hören. Es wurde unruhig im Raum.

Brady fuhr fort: »Es gibt keine Zeugen für Smiths Ermordung, keinerlei Indizien am Tatort, und anschließend hat jemand Feueralarm ausgelöst, um Verwirrung zu stiften. Das war ein professioneller Mord, der vierte insgesamt in einer Serie von sehr fachmännisch durchgeführten Mordanschlägen auf Drogendealer. Da liegt eine gewisse Vermutung nahe – ach, scheiß drauf. Ich habe keine Lust, um den heißen Brei herumzureden. Ich glaube, dass es sich bei dem Täter um einen Polizisten handelt.«

3Cindy Thomas ging die lang gezogene, leicht abschüssige Divisadero Street entlang, vom oberen Ende mit dem herrlichen Blick über die Dächer der Stadt bis hinunter zur Meeresbucht, die in der Morgenröte schimmerte. Es war ein fantastischer Anblick, der ihr normalerweise das Herz höherschlagen ließ, aber Cindy war nicht hier, um die Aussicht zu bewundern. Und auch nicht, um sich ein bisschen körperlichen Ausgleich zu verschaffen.

Sie war mit einem Konflikt beschäftigt, einem großen Konflikt, und hoffte, dass die frische Luft ein wenig Klarheit in ihre Gedanken brachte.

Ihr Verlobter, Rich Conklin, hatte sie an diesem Morgen gegen halb sechs geweckt, als er aufgestanden war, um zur Arbeit zu gehen. Er hatte sich auf die Bettkante gesetzt und sich im Dunkeln die Schuhe gebunden, und dann hatte er gesagt: »Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen, wenn wir Kinder haben.«

Es war im Verlauf der vergangenen Wochen bereits seine dritte Bemerkung über eigene Kinder gewesen.

Sie hatte erwidert: »Aber mein Herr, wozu die Eile?«

»Ich finde, wir sollten damit anfangen, solange wir mit den Kleinen noch halbwegs mithalten können, verstehst du?« Dann hatte er ihr die Decke über die Schultern gezogen, ihr einen Kuss gegeben und gesagt: »Schlaf weiter.«

Sie hatte es versucht, war aber kläglich gescheitert. Um halb sieben hatte sie sich angezogen, um einen kleinen Spaziergang zu machen. Aber jetzt war sie seit über einer Stunde unterwegs und der Antwort noch keinen Schritt näher gekommen.

Cindy arbeitete seit sechs Jahrenals Polizeireporterin bei der San Francisco Chronicle. Sie hatte sich einen festen Platz bei den Redaktionskonferenzen erobert und wurde wegen ihres journalistischen Talents und ihrer Hartnäckigkeit sehr geschätzt. Ihre Chancen auf eine Position im oberen Management und damit eine glänzende Zukunft standen gut. Aber dieser Job, den sie so liebte, war keine Selbstverständlichkeit. Und wenn sie Kinder hätte, könnte sie längst nicht mehr so viele Stunden arbeiten, wie es nötig gewesen wäre. Dann wäre sie nicht mehr konkurrenzfähig.

Richie war attraktiv, bezaubernd, und sie liebte ihn. Vor wenigen Monaten erst hatte er sie mit dem Diamantring seiner Mutter überrascht, war vor dem Altar in der Grace Cathedral auf die Knie gegangen und hatte ihr einen Antrag gemacht. Genau so, wie es immer hieß: vor Gott und den Menschen.

Ganz ehrlich, was konnte man sich als junge Frau eigentlich sonst noch wünschen?

Eine ganze Menge, wie sich jetzt herausstellte.

Wenn sie Richie ihre Gefühle gestand, dann änderte sich womöglich sein Bild von ihr. Womöglich brach sie ihm damit sein wundervolles Herz.

Bei dem Stoppschild an der Ecke Divisadero/Vallejo Street angekommen, warf sie einen Blick auf ihre Armbanduhr. Ihr wurde klar, dass sie ein Taxi nehmen musste, wenn sie rechtzeitig bei der Arbeit sein wollte.

Sie holte ihr Handy aus der Tasche, und dann, als hätte sie nur durch diese Bewegung das Folgende ausgelöst, brauste ein ganzer Schwung ziviler Polizeifahrzeuge und Streifenwagen an ihr vorbei und bog in die Vallejo Street ein.

Sie blickte die von Magnolien und beeindruckenden Villen gesäumte Straße entlang und sah, dass die Polizeikarawane nur wenige Querstraßen entfernt angehalten hatte, direkt vor dem berühmt-berüchtigten Ellsworth-Anwesen.

Dort musste irgendetwas vorgefallen sein. Und falls es wirklich für alles, was auf der Welt geschieht, einen Grund gab, dann war sie heute Morgen sechs Kilometer zu Fuß gegangen, nur um als erste und einzige Journalistin vor Ort zu sein.

Cindy rannte los.

4Das Ellsworth-Anwesen war eine reich und kunstvoll verzierte Backsteinvilla von außergewöhnlichen Ausmaßen. Erbaut gegen Ende des 19. Jahrhunderts, galt sie als eines der spektakulärsten Häuser im ganzen Stadtteil Pacific Heights. Vor der Vorderfront an der Vallejo Street zog sich eine mit Weinranken überwucherte Mauer entlang, aber das Grundstück nahm auch noch die halbe Länge einer kleinen Seitenstraße namens Ellsworth Place in Anspruch. Dort befanden sich vier weitere, eng zusammengebaute Häuser – die ehemaligen Dienstbotenunterkünfte –, die unmittelbar an die Villa anschlossen.

Das Anwesen hatte im Lauf seiner hundertzwanzigjährigen Geschichte unterschiedlichste politische Intrigen und Sexskandale erlebt.

Aber als Cindy jetzt durch die Vallejo Street auf das Gewirr der parkenden Streifenwagen vor dem Haus zurannte, dachte sie vor allem an die jüngere Vergangenheit des Hauses: Vor zehn Jahren hatte der Schauspieler Harry Chandler, Oscargewinner und legendärer Frauenheld, das Ellsworth-Anwesen gekauft und es zusammen mit seiner bezaubernden Ehefrau Cecily Broad Chandler, Modedesignerin der Stars dieser Welt, bezogen.

Ein Jahr später war Cece Chandler spurlos verschwunden.

Cindy war seinerzeit nur Redaktionsassistentin bei der Chronicle gewesen, aber sie hatte diese packende Geschichte während der folgenden achtzehn Monate begleitet. In deren Verlauf wurden Ermittlungen gegen Harry Chandler eingeleitet, und schließlich war er des Mordes an seiner Ehefrau angeklagt und vor Gericht gestellt worden.

Chandler hatte auf nicht schuldig plädiert, und weil die Leiche seiner Frau nie gefunden worden war, hatte die Anklage ihm letztendlich nichts nachweisen können.

Keine Leiche, kein Mord.

Harry Chandler wurde freigesprochen.

Jetzt wohnte er nur wenige Kilometer entfernt auf einer Jacht, die am Anleger eines Country Clubs lag. Trotzdem hatte er das Ellsworth-Anwesen nicht verkauft, sondern als Investitionsobjekt behalten.

Cindy war Chandler auf gesellschaftlichen Großereignissen oder bei Spendengalas ein paar Mal begegnet. Bei einem Mann, der so viele berühmte Filme gedreht hatte, ließ sich natürlich nie genau sagen, ob er tatsächlich ein Killer war oder ob er die Rolle nur auf der Leinwand spielte.

Keuchend vor Anstrengung legte Cindy die letzten knapp hundert Meter bis zum Haupteingang des Ellsworth-Anwesens im Schritttempo zurück. Dort angekommen, stellte sie fest, dass die Streifenbeamten bereits ein gelbes Absperrband davorgespannt hatten. Vor dem Tor drängte sich eine Touristengruppe, die eindeutig einem roten Bus mit der Aufschrift HIERWOHNENDIESTARS entsprungen war.

Cindy wandte sich an einen Polizisten, den sie kannte, Joe Sorbera, und fragte ihn, was hier los war.

»Sie wollen mir doch bestimmt keine Schwierigkeiten machen, Cindy, oder? Sie wissen doch ganz genau, dass ich Ihnen nichts verraten darf.«

Ein junger Mann, der ein Sweatshirt mit dem Wappen der Boston University trug, stellte sich neben Cindy und sagte: »Chandler glaubt wohl, dass er schon wieder damit durchkommt.«

Cindy nannte ihm ihren Namen, sagte, dass sie Journalistin war, und bat den Touristen, in ihre Handy-Kamera zu sprechen.

»Der Fall Cecily Chandler ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sich die privilegierte Klasse über das System hinwegsetzt«, sagte der junge Mann. »Harry Chandler hat sich einfach einen berühmten Strafverteidiger genommen, so einen gerissenen Wortverdreher, und der hat wahrscheinlich in seiner Freizeit mit dem Richter Tennis gespielt.«

Cindy schaltete ihr Handy ab. »Danke«, murmelte sie fast unhörbar vor sich hin, »für weniger als nichts.«

Gerade als zwei Streifenbeamte mit Holzböcken die Straße absperren wollten, kam der Übertragungswagen von Channel Two um die Ecke gebogen.

Cindy ging wieder zurück und versuchte es noch einmal bei Sorbera.

»Können Sie mir nicht irgendwas verraten, Joe? Nur eine Kleinigkeit. Als offizielles Zitat oder inoffiziell, ganz wie Sie wollen. Bitte. Ich freue mich über jedes Detail.«

»Gehen Sie ein Stück zurück, Cindy. So ist es gut. Danke schön.«

Officer Sorbera streckte die Arme aus und scheuchte die Menschenmenge hinter eine Barrikade, damit das Zivilfahrzeug mit Richie am Steuer passieren konnte.

5Um 7.20 Uhr leitete May Hess, unsere selbst ernannte Herrscherin des Bat-Phones, den Notruf in den Bereitschaftsraum weiter. Ich saß an meinem Schreibtisch und nahm den Hörer ab.

Hess sagte: »Eine ziemlich wortkarge Frau hat gerade angerufen und zwei Tote auf dem Ellsworth-Anwesen gemeldet. Es hat sich ziemlich echt angehört. Sie hat nur gesagt, dass es sich nicht um einen Einbruch handelt und dass sie auch nicht in Gefahr ist. Nur: ›Zwei tote Menschen.‹ Dann hat sie aufgelegt. Ich habe zweimal zurückgerufen, aber beide Male nur den Anrufbeantworter bekommen. Dann habe ich eine Streife losgeschickt.«

Ich hörte mir die Aufnahme des Anrufs an. Die Anruferin hatte einen britischen Akzent, und ihre Stimme klang ängstlich. Um ehrlich zu sein, die Angst in ihrer Stimme und das, was sie alles nicht sagte, waren viel alarmierender als das, was sie sagte.

Brady hörte sich die Aufnahme ebenfalls an, dann gab er mir und meinem Partner den Auftrag, nach Pacific Heights zu fahren.

»Sie sind lediglich für die einleitenden Maßnahmen zuständig«, sagte er. »Dann schreiben Sie einen Bericht, und danach entscheide ich, wer die Ermittlungen übernimmt.«

Jawohl, Sir. Unverzüglich, Sir.

Um 7.35 Uhr hielt Conklin unseren Wagen vor dem Ellsworth-Anwesen an. Vier Streifenwagen waren schon da, dazu parkte ein roter Doppeldeckerbus am Straßenrand. Ungefähr zwanzig Touristen drängten sich hinter der Absperrung auf der gegenüberliegenden Straßenseite und fotografierten.

Dass das Ellsworth-Anwesen fester Bestandteil einer Rundfahrt zu den historischen Bauwerken in San Francisco war, hatte ich gewusst. Aber nachdem Harry Chandler es vor zehn Jahren für so und so viele Millionen gekauft hatte, war es wohl auch auf die Liste der Promi-Gaffer geraten.

Ich stieg aus und ging auf Officer Joe Sorbera zu, der als Erster vor Ort gewesen war. Er zog seinen Notizblock aus der Tasche und sagte: »Ich war um 7.10 Uhr hier und habe durch die Sprechanlage mit Janet Worley gesprochen. Das ist die Haushälterin. Da, gleich neben dem Tor, ist der Lautsprecher. Sie hat gesagt, dass sie nicht in Gefahr sei und dass die Opfer, zwei, um genau zu sein, tot seien. Eindeutig tot, genau das waren ihre Worte.« Er fuhr fort: »Lieutenant Brady wollte, dass ich den ganzen Bereich absperre und auf Sie warte, Sergeant. Er hat gesagt, dass ich nicht ins Haus gehen soll.«

»Haben Sie die Gerichtsmedizin verständigt?«

»Ja, Madam. Die Spurensicherung ist auch unterwegs. Außerdem habe ich die Schaulustigen fotografiert.«

»Sehr gut, Sorbera.«

Ich warf einen Blick zu der stetig wachsenden Menge hinüber. Autos stauten sich in der Vallejo Street und wurden über die Divisadero umgeleitet. Der Verkehr sowie die eine Million Tweets und YouTube-Videos der Touristen würden dafür sorgen, dass die Medien schon bald wie ein Heuschreckenschwarm hier einfallen würden.

Tod und Prominenz, das war eine berauschende Kombination. In Kürze würden jeder Fernsehsender und jede Zeitung dieses Haus mit Argusaugen beobachten. Jeder Fehler der Strafverfolgungsbehörden würde für die Nachwelt dokumentiert werden.

Ich gab Sorbera die Anweisung, eine Querstraße weiter, in der Pierce Street, eine Pressestelle und einen Kommandoposten einzurichten, dann stellte ich mich neben Conklin, der das große Eingangstor begutachtete.

Das schmiedeeiserne Tor befand sich in einer drei Meter hohen, mit Efeu überwucherten Backsteinmauer, die das Haus vollkommen von der Straße abschirmte. Es wirkte alt genug, um noch original zu sein. Das Schloss war erst kürzlich aufgebrochen worden. Ich sah frische Kratzer auf altem Eisen.

»Da hat sich jemand mit einem Stemmeisen oder so zu schaffen gemacht. Ein Bolzenschneider war das jedenfalls nicht«, sagte Conklin.

Joe Sorbera hatte gesagt, dass sich zwei Opfer im Haus befanden, eindeutig tot. Wer mochten sie sein? Und war Harry Chandler in die Sache verwickelt?

Brady hatte uns die einleitenden Maßnahmen übertragen. Das bedeutete, wir mussten entscheiden, wo sich Polizei und Kriminaltechniker aufhalten konnten, ohne mögliche Spuren zu zerstören. Wir mussten fotografieren, Skizzen anfertigen und uns eine Meinung bilden.

Danach würden wir den Tatort an den Leiter der Ermittlungen übergeben.

Ich streifte mir Latexhandschuhe über und drückte gegen das Tor. Es schwang auf gut geölten Scharnieren auf. Ein Plattenweg führte über eine vermooste Rasenfläche an ein paar Blumenbeeten links und rechts der Treppe vorbei bis zu der geschmückten Haustür.

An der Tür waren keinerlei Spuren eines gewaltsamen Eindringens zu erkennen. Conklin griff nach dem bronzenen Klopfer und schlug damit gegen die Platte.

Ich rief: »Janet Worley, hier spricht die Polizei.«

6Die zierliche Frau, die die Tür öffnete, war weiß, Ende vierzig, einen Meter sechzig groß und wog vielleicht fünfzig Kilogramm. Sie trug einen Arbeitskittel mit Blumenmuster und ein Paar Leggings. Sie wirkte sehr angespannt, ihr Lidstrich war verschmiert, und sie hatte die Fingernägel abgekaut, so weit es nur ging.

Sie stellte sich als Janet Worley vor, und ich nannte ihr meinen Namen, zeigte ihr meine Dienstmarke und machte sie mit meinem Partner bekannt.

Rich sagte: »Wie geht es Ihnen, Mrs. Worley?«

»Fürchterlich, danke der Nachfrage.«

»Jetzt wird alles gut. Wir sind ja da«, sagte Rich.

Conklin kann sehr gut mit Menschen umgehen, besonders mit Frauen. Er ist richtiggehend bekannt dafür.

Ich wollte am liebsten alles sofort wissen. Das ist immer so, wenn ich einen neuen Fall in die Finger bekomme. Also blickte ich mich im Foyer um, während Conklin mit Janet Worley sprach, und machte mir Notizen. Die gewaltige Eingangshalle war rund sieben Meter hoch und mit aufwendigen Stuckarbeiten verziert. Zu meiner Rechten führte eine breite Wendeltreppe hinauf in die oberen Stockwerke.

Alles war sauber und aufgeräumt. Keine Teppichfranse lag am falschen Platz.

Janet Worley sagte gerade zu Conklin: »Mein Mann und ich sind ja nur die Haushälter, verstehen Sie? Das Haus hat zweieinhalbtausend Quadratmeter, dafür brauchen wir einen genauen Plan. Seit drei Tagen putzen wir jetzt die Seite, die an den Ellsworth Place angrenzt.«

Ich ließ den Blick durch das Foyer gleiten und hatte irgendwie das Gefühl, als würde das Haus düster wirken, ganz so, wie man es von einem Relikt aus dem viktorianischen Zeitalter erwartete. Waren wir in einem britischen Theaterstück gelandet? Lauerte Agatha Christie irgendwo hinter den Kulissen?

In meinem Rücken sprach Janet Worley immer noch mit Conklin. Sie hatte seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich wollte sie nicht unterbrechen, aber sie machte einen großen Bogen um die eigentliche Geschichte, und ich spürte, wie die Zeit immer knapper wurde.

»Warum haben Sie die Notrufnummer angerufen?«, wollte Conklin von ihr wissen.

Sie antwortete: »Am besten zeige ich es Ihnen.«

Wir gingen hinter der zierlichen Frau durch das Foyer, an einer Bibliothek vorbei und gelangten in einen Wohnbereich mit einem enormen, gemauerten Kamin und Ledermöbeln von gewaltigen Ausmaßen. Die Sonne schien durch die Buntglasscheiben herein und zeichnete mehrere Regenbogen auf den Marmorfußboden. Wir schritten durch eine Küche, die jedem Restaurant zur Ehre gereicht hätte, und gelangten schließlich zur Hintertür.

Worley sagte: »Seit letztem Freitag sind wir nicht mehr in diesem Teil des Hauses gewesen. Jawohl, ganz richtig, seit drei Tagen. Ich weiß also nicht, wie lange die schon da liegen.«

Sie machte die Tür auf, und ich schaute in die Richtung, die Mrs. Worleys ausgestreckter Zeigefinger mir wies – hinaus auf die von Backsteinmauern umgebene und mit Chrysanthemenbeeten eingefasste Veranda.

Für einen Moment war mein Kopf vollkommen leer, denn das, was ich sah, war schlicht und einfach unglaublich.

Auf der Veranda lagen zwei abgetrennte menschliche Schädel, umgeben von einem lose geflochtenen Kranz aus weißen Chrysanthemen.

Und sie schienen zu mir zu blicken.

Es war ein gruseliger, markerschütternder Anblick, wie gemacht für die Titelseiten der Regenbogenpresse. Aber das hier war keine Geschichte über eine Invasion von Außerirdischen, und es war auch kein Halloween-Scherz.

Conklin wandte sich zu mir um, und ich sah in seinen Augen dasselbe Entsetzen, das ich empfand.

»Das sind echte Köpfe, stimmt’s?«, sagte ich.

»Ja, absolut, und genau wie die Dame gesagt hat, eindeutig tot.«

7Das Adrenalin jagte wie eine Zündflamme mit viel zu kurzer Lunte durch meine Adern. Was war hier passiert? Was in Gottes Namen hatte das zu bedeuten?

Der rechte Kopf war mit Abstand der gruseligere, weil er noch relativ frisch war. Er hatte einer Frau Mitte dreißig mit langen braunen Haaren und einem Piercing im linken Nasenflügel gehört. Ihre Augen waren so trübe, dass die Farbe nicht mehr zu erkennen war. Die Haare waren mit Schmutz verklebt, der an Gartenerde erinnerte. Maden nagten an ihrem Fleisch, aber es war immer noch genug übrig, um eine gewisse Ähnlichkeit mit einem lebendigen Menschen erkennen zu können. Wir konnten sie also vermutlich identifizieren.

Der andere Kopf war nichts weiter als ein kahler Schädel mitsamt Unterkiefer und einem vollen Satz gesunder Zähne.

Auf der Veranda, direkt vor den Köpfen, lagen zwei Karteikarten. Auf jede war mit Kugelschreiber eine Zahl notiert worden. Auf der Karte vor dem Knochenschädel stand die 104. Auf der vor dem frisch abgetrennten Kopf die 613.

Was hatten diese Zahlen zu bedeuten?

Woher stammten diese Köpfe?

Warum waren sie hier so deutlich sichtbar platziert worden?

Falls es sich um einen Mord handelte, wo waren die Leichen?

Ich riss mich vom Anblick der Köpfe los und wandte mich Janet Worley zu. Sie hatte beide Hände vor den Mund geschlagen. Tränen standen ihr in den Augen.

Da war ein Nervenzusammenbruch im Anmarsch. Ich musste sie befragen. Sofort.

»Wem gehören diese Körperteile? Wo sind die Leichen? Sagen Sie uns, was Sie wissen, Mrs. Worley.«

»Ich? Ich weiß nur das, was ich Ihnen gerade gesagt habe. Schließlich habe ich die Polizei angerufen.«

»Aber wer hat das getan?«

»Ich habe keine Ahnung. Überhaupt keine.«

»Ihnen ist doch klar, dass Sie sich mit einer Lüge der Beihilfe schuldig machen würden.«

»Mein Gott. Ich weiß gar nichts.«

Conklin schaltete sich ein. »Wir brauchen die Namen aller Personen, die seit vergangenem Freitag hier im Haus waren.«

»Selbstverständlich, aber das waren nur mein Mann, meine Tochter und ich.«

»Und Mr. Chandler?«

»Du meine Güte, nein. Ihn habe ich seit drei Monaten nicht mehr gesehen.«

»Haben Sie diese Köpfe berührt oder sonst irgendetwas auf der Veranda verändert?«

»Nein, nein, nein. Ich habe so gegen sieben Uhr die Tür aufgemacht, um durchzulüften. Dann habe ich das da gesehen. Ich habe meinen Mann geholt und anschließend die Notrufnummer gewählt.«

Janet Worley ging zurück ins Haus. Conklin und ich blieben zurück, um uns zu überlegen, was »das da« zu bedeuten hatte.

Satanismus? Terrorismus? Ein Drogenmord? Wer waren die Opfer? Was war mit ihnen geschehen?

Ich hätte mich am liebsten sofort umgesehen, aber Conklin und ich mussten auf der Veranda bleiben und uns mit dem begnügen, was wir sehen konnten, ohne eventuelle Spuren zu zerstören.

Brady hatte uns mit den einleitenden Maßnahmen betraut.

Das war unser Auftrag: Wir sollten uns ein Bild über das begangene Verbrechen machen und unserem Lieutenant mitteilen, ob es sich hier um einen Doppelmord oder womöglich um die Tat eines Irren handelte, die von einer anderen Abteilung untersucht werden konnte.

»Ich habe keine Ahnung, was das zu bedeuten hat«, sagte ich zu Conklin.

Ganz ehrlich, noch nie im Leben war mir so etwas begegnet.

8Der Garten hinter dem Haus war ein düsteres, etwa dreitausend Quadratmeter großes Dreieck, das aussah, als hätte irgendjemand hier ein Waldstück fallen gelassen.

Die umliegenden Häuser und die älteren Bäume warfen ihren Schatten darauf, und Mulchpfade verliefen kreuz und quer hindurch. Begrenzt wurde das Wäldchen durch das Haus auf der einen und die drei Meter hohe Mauerecke bei dem Geräteschuppen am hintersten Ende des Grundstücks auf der anderen Seite.

Auf der Suche nach Eingängen entdeckte ich, abgesehen von dem Tor mit dem aufgebrochenen Schloss, noch fünf Türen, die vom Haupthaus in den Garten führten. Dazu kam ein Tor in der Mauer, direkt neben dem Geräteschuppen.

»Da vorn liegt ein Universal-Werkzeug«, sagte Conklin.

Er deutete auf eine Schaufel, halb hinter einem Busch versteckt. Hinter der Schaufel war ein Erdhaufen zu sehen und daneben ein Loch im Boden. Das Loch hatte einen Durchmesser von etwas über einem halben Meter – genau die richtige Größe für einen Chrysanthementopf … oder einen abgetrennten menschlichen Kopf.

Ich sah noch ein zweites Loch, das nur von der äußersten Ecke der Veranda aus zu erkennen war. Neben diesem Loch lag ein rundlicher Stein.

Jetzt, wo ich gezielt danach suchte, entdeckte ich noch mehr Steine im Garten. Vielleicht waren sie als kaum erkennbare dekorative Elemente gedacht – oder als Markierungen.

Falls mit der Schaufel auch das Schloss aufgebrochen worden war, dann bedeutete das, dass der Eindringling gewusst hatte, an welchen Stellen die abgetrennten Schädel zu finden und zu exhumieren waren.

Aber bedeutete es auch, dass der Eindringling gleichzeitig der Mörder war?

Oder war er nur ein Mitwisser des gruseligen Geschehens, das sich hier abgespielt hatte?

Ich warf noch einmal einen Blick auf die nummerierten Karteikarten.

Wenn ein Killer absichtlich eine Visitenkarte hinterlässt, dann ist das eine bewusste Herausforderung. Für gewöhnlich will er damit der Polizei beweisen, dass er schlauer ist als sie. Das ist ein sehr riskantes Spiel.

Und die Startaufstellung stellte sich aus meiner Sicht folgendermaßen dar: ein großer, versteckt gelegener Garten, zwei abgetrennte Köpfe mitsamt Blumenkranz, rätselhafte Zahlen auf zwei ansonsten identischen Karteikarten.

Waren die Zahlen ein Hinweis darauf, wie viele Köpfe sich in dem Garten befanden? Konnten hier tatsächlich Hunderte menschlicher Schädel vergraben sein, womöglich gestapelt in tiefen Löchern?

Die Art und Weise, wie die beiden Schädel hier präsentiert wurden, war mehr als gruselig, doch darüber hinaus hatte ich keine Ahnung, welchen Sinn das Ganze haben sollte. Aber schließlich standen wir immer noch ganz am Anfang, hatten nicht einmal die Oberfläche angekratzt.

Ich sagte zu Conklin: »Die schnellste Möglichkeit ist gleichzeitig die beste.«

»Also Bodenradar«, sagte er und starrte in den Garten.

»Und Leichenspürhunde. Wir müssen das ganze Grundstück umgraben.«

9Wir trafen Nigel Worley in der Küche des Ellsworth-Hauses an. Er maß einen Meter neunzig und war damit dreißig Zentimeter größer und außerdem wohl an die siebzig Kilogramm schwerer als seine Frau. Sein aufgedunsenes Gesicht ließ vermuten, dass er Alkoholiker war. Außerdem fielen mir seine rauen, mit dunklen Flecken übersäten Hände auf. Er antwortete nur auf Fragen, die man ihm direkt stellte, und wenn er das tat, dann starrte er einen Punkt in der Luft zwischen mir und Conklin an.

Mr. Worley hatte keinerlei Erklärung oder Vermutung hinsichtlich der abgetrennten Köpfe. Sein Ton war ausgesprochen feindselig. Aber wir ließen ihm keine Wahl: Er musste eine offizielle Aussage machen. Die Worleys waren wichtige Zeugen und zudem die einzigen Verdächtigen, die wir im Moment hatten.

Wir warfen die Sirene an und chauffierten das englische Ehepaar ins Präsidium.

Während Conklin Nigel Worley befragte, saß ich im kleineren unserer beiden Verhörzimmer Janet Worley gegenüber. Brady ging hinter dem venezianischen Spiegel auf und ab, ohne dass er gesehen werden konnte.

Er hatte mir bereits mitgeteilt, dass er mit der Entwicklung unseres Arbeitstags nicht zufrieden war. Nach seiner Überzeugung war der Ellsworth-Fall ein Sumpf, der Conklin und mich unweigerlich verschlingen würde. Er brauchte uns aber bei den Ermittlungen gegen den Rächer-Polizisten, und zwar sofort.

Ich hatte Verständnis für seine Bedenken, aber ich hatte auch den abgetrennten Kopf einer Frau gesehen, die vor vermutlich einer Woche noch gelebt hatte. Die namenlose Tote würde ein offizielles Aktenzeichen und ein Kühlfach in der Gerichtsmedizin bekommen.

Die Kamera in der Ecke des Verhörzimmers lief, während Janet Worley mir erzählte, dass sie und Nigel vor zehn Jahren aus England in die Vereinigten Staaten gekommen waren und dass sie, seit Harry Chandler das Anwesen gekauft hatte, in seinen Diensten standen.

Sie sagte, dass sie die Chandlers »angebetet« habe und bis ins Mark erschüttert gewesen sei, als Mrs. Chandler verschwunden war. Die Worleys waren während Mr. Chandlers Prozess auf dem Anwesen geblieben, teilweise auch deshalb, weil ihre Tochter nur sehr ungern von dort weggezogen wäre. Sie wohnte bis heute noch da.

»Nicole arbeitet beim Fish and Wildlife Service«, sagte Janet. »Sie war das ganze Wochenende unterwegs. Sie ist Biologin, müssen Sie wissen. Wahrscheinlich streift sie gerade wieder durch die Wildnis, um irgendwelche Tiere zu retten. Ich habe versucht, sie anzurufen, aber bis jetzt habe ich sie nicht erreicht.«

Janet Worley rechnete damit, dass Nicole am heutigen Abend nach Hause kam, schränkte aber ein, dass man das bei ihr nie so genau wissen konnte.

»Sie ist ja schließlich schon sechsundzwanzig und führt ihr eigenes Leben.«

»Was hat es denn mit den anderen Gebäuden im Ellsworth Place auf sich? Es sieht ja so aus, als würden sie mit zum Anwesen gehören.«

»Ursprünglich waren das die Unterkünfte der Dienstboten, aber nach und nach wurden sie in Wohnungen umgewandelt. Die Häuser gehören auch Mr. Chandler«, erwiderte Janet Worley. »Aber er wollte sie nicht mehr vermieten, sodass die meisten heute leer stehen.«

Sie erzählte mir, dass Nicole in der Nummer zwei wohnte und Mr. Chandlers Fahrer in der Nummer vier und dass die anderen beiden Häuser unbewohnt waren.

Ich suchte in Mrs. Worleys Aussagen nach Widersprüchen, analysierte ihre Körpersprache und kam zu dem Schluss, dass sie die Wahrheit sagte. Dann bat ich sie, mir die Namen und Telefonnummern derjenigen aufzuschreiben, die Zugang zu den Häusern im Ellsworth Place hatten. Während sie damit beschäftigt war, ging ich nach draußen und verglich meine Notizen mit denen Conklins.

Nigel Worley hatte Conklin die gleiche Geschichte erzählt. Er hatte auch gesagt, dass niemand es auf ihn, seine Frau oder seine Tochter abgesehen hatte und dass Mr. Chandler keine feindseligen Briefe oder Anrufe bekommen hatte.

Genau wie seine Frau beharrte auch Nigel Worley darauf, dass er keine Ahnung hatte, wer die abgetrennten Köpfe auf die Veranda gelegt haben könnte, und dass er das Opfer mit den langen braunen Haaren noch nie zuvor gesehen hatte.

Wenn es stimmte, was sie uns erzählten, dann hatten die Worleys während der vergangenen zehn Jahre praktisch jede Minute gemeinsam verbracht und konnten sich auch für das vergangene Wochenende gegenseitig ein Alibi geben.

Ich war niedergeschlagen, bemühte mich aber, es nicht zu zeigen.

Wie konnte Brady von mir erwarten, dass ich mich nicht mehr um unsere unbekannte Tote und diesen Knochenschädel kümmerte? Wie sollte ich diesen Fall beiseitelegen, ohne das Rätsel lösen zu dürfen?

Das konnte ich nicht.

10Ich klopfte an Bradys offene Bürotür. Er winkte mich herein und bot mir einen Platz an.

Ich kannte dieses Büro sehr gut. Eine Zeit lang war es mein Büro gewesen, bis ich den Posten des Lieutenant aufgegeben hatte, weil ich lieber wieder als Detective arbeiten wollte, anstatt die Einhaltung von Dienstplänen zu überwachen und Berichte zu schreiben.

Damals war Warren Jacobi mein Partner gewesen.

Er war zehn Jahre älter als ich und hatte schon deutlich mehr Jahre auf der Straße gearbeitet. Daher hatte es viele gute Gründe gegeben, warum er als mein Nachfolger dieses Eckbüro bezogen hatte. Er wollte dichter an die Chefetage heranrücken und nicht mehr so oft durch dunkle Gassen jagen. Also hatte er meine Stelle übernommen und dafür gesorgt, dass unsere Abteilung präzise wie ein Schweizer Uhrwerk funktionierte. Aber es hatte nicht lange gedauert, bis er zum Chief befördert wurde und der Posten des Lieutenant wieder vakant war.

Das war vor zehn Monaten gewesen.

Jackson Brady, der erst kurz zuvor aus Miami nach San Francisco gekommen war, hatte sich um die Stelle beworben und sie bekommen. Seither residierte er in dem kleinen Glaskasten mit dem einen Fenster hinaus auf den James-Lick-Freeway.

Die Peitsche zu schwingen war ein schmutziges Geschäft, aber irgendjemand musste es machen. Und Brady machte seine Sache gut.

»Ich brauche eine Minute«, sagte ich jetzt zu ihm.

»Gut. Mehr habe ich gar nicht.«

»Ich möchte die Leitung der Ermittlungen im Ellsworth-Fall haben«, sagte ich. »Das ist ein ziemlich dicker Brocken, aber ich kriege das hin. Wenn ich Conklin und noch ein zweites Team bekomme, dann kann ich Ellsworth und den Rächer ohne Probleme schaffen.«

Brady erhob sich, ging zur Tür, machte sie zu, setzte sich wieder und starrte mich mit seinen blauen Augen und durchdringendem Blick an. »Es gibt da etwas, was Sie über diesen Rächer-Polizisten wissen müssen, Boxer. Er bringt nicht bloß Scheißkerle um. Sein letztes Opfer, Chaz Smith, war ein Kollege im verdeckten Einsatz.«

»Wie bitte? Könnten Sie das noch mal wiederholen?«

»Chaz Smith war Polizist.«

Brady weihte mich in seine Theorie ein: Ein Polizist, einer von denen, die hier in der Hall of Justice tätig waren, hatte die Schnauze voll vom Dienstweg und beschlossen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Aber als er Chaz Smith erledigt hatte, hatte er sich gewaltig verschätzt.

»Smith hat eine große Aktion für die Drogenfahndung vorbereitet«, sagte Brady. »Und nicht alleine. Eine ganze Reihe anderer Kollegen hat ebenfalls für ihn gearbeitet. Die müssen wir unbedingt schützen, und gleichzeitig müssen wir diesen Rächer zur Strecke bringen. Da können wir uns nicht den kleinsten Fehler erlauben. Keine Ausflüchte.«

»Das muss ich Conklin sagen.«

»Wo ist er?«

»Er bringt gerade das Haushälter-Ehepaar in ein Hotel.«

»Sagen Sie’s ihm«, meinte Brady. »Von mir aus probieren Sie, ob Sie wirklich beide Fälle schaffen, Boxer. Aber falls Sie doch wieder einen abgeben müssen, das sage ich Ihnen gleich, dann ist es Ihr Haus der Totenköpfe.«

»Ich habe verstanden.«

»Das will ich hoffen. Dieser Rächer ist nicht bloß Polizist, er ist auch ein Polizisten-Mörder. Er hat einen von uns auf dem Gewissen.«

11