Andorra von Max Frisch. - Max Frisch - ebook

Andorra von Max Frisch. ebook

Max Frisch

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Opis

Königs Erläuterungen - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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MOBI

Liczba stron: 117




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 145

Textanalyse und Interpretation zu

Max Frisch

ANDORRA

Bernd Matzkowski

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Frisch, Max: Andorra. Stück in 12 Bildern. Text und Kommentar. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1999 (Suhrkamp BasisBibliothek, Bd. 8). Alle Zitate aus dem Roman werden durch die Seitenangabe direkt hinter dem Zitat kenntlich gemacht; Zitate aus dem Kommentar sind mit „A“ gekennzeichnet.

Über den Autor dieser Erläuterung: Bernd Matzkowski ist 1952 geboren. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Lehrer am Heisenberg Gymnasium Gladbeck. Fächer: Deutsch, Sozialwissenschaften, Politik, Theater. Ausbildungskoordinator.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst. Zitate von Max Frisch, Friedrich Torberg und Bertolt Brecht müssen auf Grund eines Einspruchs in der alten Rechtschreibung übernommen werden.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6901-3

© 2000, 2010 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Arno Wyzniewski als Andri, Volksbühne Berlin 1966, © Cinetext/Harry Hirschfeld

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

Fußnoten Fußnoten sind im Text in eckigen Klammern mit fortlaufender Nummerierung angegeben. Tippen Sie auf eine Fußnote und Sie gelangen zum entsprechenden Fußnotentext. Tippen Sie im aufgerufenen Fußnotentext auf die Ziffer zu Beginn der Zeile, und Sie gelangen wieder zum Ursprung. Sie können auch die Rücksprungfunktion Ihres ePub-Readers verwenden (sofern verfügbar).

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Verknüpfungen zu den Online-Aufgaben Im Abschnitt 6 „Prüfungsaufgaben“ finden Sie einen Hinweis zu zwei kostenlosen zusätzlichen Aufgaben. Diese Aufgaben können über die Webseite des Verlages aufgerufen werden. Tippen Sie auf die Verknüpfung und Sie werden direkt zu den Online-Aufgaben geführt. Dazu wird in den Web-Browser Ihres ePub-Readers gewechselt – sofern Ihr ePub-Reader eine Verbindung zum Internet unterstützt und über einen Web-Browser verfügt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Max Frisch: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Wiederaufbau und Restauration

Frischs Erfolg in Zeiten des Kalten Krieges

Andorra und das Publikum

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Andri

Barblin

Lehrer

Pater

Doktor/Tischler/Geselle/Wirt/Jemand/Soldat

Senora/Mutter

Der Judenschauer

Das Selbstbild und das Fremdbild der Andorraner

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Die Bildnis-Thematik im Kontext von Antisemitismus und Holocaust

Andris Identitätssuche

Die Bedeutung des Motivs der Angst

Frisch und das Theater Bertolt Brechts

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

Verortung des Dramas

Bildnis-Thematik und Liebe

Die Schlüsselrolle des 12. Bildes

Andris Suche nach Identität

Brecht zur Bildnis-Thematik

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Gesamtausgaben

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

Audio Book/CD

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Frischs Leben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Max Frisch lebte von 1911 bis 1991, die meiste Zeit in Zürich.

Als Frischs Andorra auf die Bühne kommt (Uraufführung 1961), sind im Bewusstsein vieler Menschen die Schrecken des Krieges und der Nazi-Diktatur schon lange Vergangenheit, und die Menschen haben sich im Wohlstand eingerichtet.

Frisch ist 1961 bereits ein erfolgreicher Autor. So haben ihm seine Romane Stiller (1954) und Homo faber (1957) ebenso Anerkennung verschafft wie vorangegangene Theaterstücke wie z. B. Biedermann und die Brandstifter (1958).

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Andorra – Entstehung und Quellen:

Hauptquelle für das Drama ist die von Frisch verfasste Prosaskizze Der andorranische Jude. Die Idee zu dieser Skizze hatte er bereits im Jahre 1946. Zwischen der Skizze, die den Kern des Stoffs und der Thematik (Bildnis-Thematik) bereits enthält, und dem späteren Drama bestehen allerdings wesentliche Unterschiede. Des Weiteren gibt es Bezüge zu Marieluise Fleißers Geschichten Andorranische Abenteuer (1932), die Frisch in der Neuen Zürcher Zeitung rezensierte.

Inhalt:

In Andorra lebt Andri, von dem der Lehrer behauptet, er sei ein jüdisches Kind, das er einst vor den „Schwarzen“ gerettet und als Sohn angenommen habe. Andri wächst in der Annahme heran, ein Jude zu sein. Er sieht sich mit Vorurteilen der Andorraner gegenüber Juden konfrontiert. Als sich der Lehrer weigert, ihm seine Tochter (Barblin) zur Frau zu geben, nimmt Andri an, dass auch der Lehrer voller Vorurteile gegenüber Juden sei. So nimmt er schließlich, in seiner Suche nach Identität, die „Rolle“ des Juden an. Als sich die Lage in Andorra zuspitzt, weil ein Angriff der „Schwarzen“ bevorsteht, gesteht der Lehrer schließlich ein, dass Andri gar kein Jude ist, sondern das gemeinsame Kind mit einer „Schwarzen“. Andri hat sich aber bereits mit seiner Rolle als „Jude“ identifiziert. Als die „Schwarzen“ Andorra besetzen, wird er von diesen als Jude eingestuft und getötet.

Aufbau:

Das Stück ist in zwölf Bilder eingeteilt, deren Mittelpunktfigur Andri ist. Durch „Zeugenaussagen“, die zwischen gespielter Vergangenheit und gespielter Gegenwart vermitteln, wird die gespielte Zeit entgrenzt. Über Themen, Bilder und Symbole werden die Bilder und „Zeugenaussagen“ miteinander verwoben. Handlungsort ist Andorra, das aber nicht als konkreter Ort, sondern als Modell zu verstehen ist. Der Platz von Andorra bildet eine Klammer (1. und 12. Bild) um alle Szenen und ist zugleich Hauptschauplatz des Geschehens.

Figuren:

Die Hauptfiguren sind

Andri:

zunächst ein durchschnittlicher junger Mann mit Alltagsinteressen (Fußball),

auf der Suche nach Identität, verliebt in Barblin,

nimmt allmählich die ihm von den Andorranern zugewiesene Rolle als „Jude“ an,

wird von den „Schwarzen“ ermordet,

Barblin:

ist mit Andri „verlobt“,

wird im Zuge der Handlung gedemütigt und zum Opfer männlicher (sexueller) Gewalt,

wird durch die Gewaltakte und den Verlust von Vater und Halbbruder in den Wahnsinn getrieben,

leistet den „Schwarzen“ Widerstand,

Lehrer:

lebt mit der Lüge über Andris wahre Identität,

ist dem Alkohol verfallen,

trägt Schuld an der Entwicklung Andris.

Wir stellen diese Figuren ausführlich vor und nennen und erläutern weitere Figuren des Dramas, ihre Charaktere und Funktionen im Drama.

Stil und Sprache Max Frischs:

Die Sprache Andris hat, entsprechend seiner Entwicklung, die größte Spannweite: Neben der Alltagssprache der Andorraner finden sich bei ihm Formen bildhaften Sprechens, Elemente des Lyrisch-Gestischen und Elemente der Sprache des Alten Testaments.

Die Sprache der Andorraner ist überwiegend einheitlich gestaltet und kennzeichnet ihren gemeinsamen Denkraum.

Wir gehen auf folgende Interpretationsansätze näher ein:

die Bildnis-Thematik,

die Bedeutung der Identitätssuche Andris,

die Frage der Darstellung von Antisemitismus und Holocaust,

die Bedeutung des Motivs der Angst,

Frisch und das Theater Bertolt Brechts.

2.Max Frisch: Leben und Werk[1]

Max Frisch 1911–1991 © ullstein bild – Würth GmbH/ Swiridoff

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1911

Zürich

Geburt am 15. Mai als Sohn des Architekten Franz Bruno Frisch und seiner Gattin Karolina, geb. Wildermuth

1924

Eintritt ins Realgymnasium des Kantons

13

1930

Germanistikstudium an der Universität Zürich

19

1931–34

Journalistische Arbeiten

20–23

1932

Tod des Vaters

21

1933

Prag

Sportreporter bei der Eishockeyweltmeisterschaft

22

1934

Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt erscheint (erste Veröffentlichung).

23

1936

Zürich

Beginn des Architekturstudiums

25

1937

Die Erzählung Antwort aus der Stille erscheint.

26

1939–45

Dienst in der Armee

28–34

1940

Blätter aus dem Brotsack. Geschrieben im Grenzdienst 1939 erscheint.

Anstellung als Architekt

29

1942

Ehe mit Gertrud Constanze von Meyenburg; Gründung eines eigenen Architekturbüros; Frisch gewinnt den ersten Preis im Architekturwettbewerb um das städtische Freibad am Letzigraben.

31

1943

Der Roman J´adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen erscheint. Geburt der Tochter Ursula.

32

1944

Geburt des Sohnes Hans Peter. Frisch beginnt damit, Dramen zu verfassen.

33

1945

Zürich

Das Stück Nun singen sie wieder wird am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt.

Bin oder Die Reise nach Peking erscheint.

34

1946

Zahlreiche Reisen, u. a. nach Deutschland

Die Romanze Santa Cruz sowie die Farce Die Chinesische Mauer werden am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt.

35

1947

Bekanntschaft mit Brecht und Dürrenmatt; Bau des Schwimmbads am Letzigraben

Tagebuch mit Marion erscheint.

36

1948

Reisen nach Berlin, Prag und Warschau; Teilnahme am Congrès mondial des intellectuels pour la paix (Wrozlaw/Polen)

37

Zürich

Als der Krieg zu Ende war wird am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt.

1949

Zürich

Geburt der Tochter Charlotte

38

1950

Tagebuch (1946–1949) erscheint.

39

1951

Zürich

Graf Öderland wird am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt.

40

1951–1952

USA

Stipendiat der Rockefeller-Stiftung

40–41

1953

Zürich/Berlin

Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie wird am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt.

42

1954

Der Roman Stiller erscheint.

Trennung von der Familie.

43

1955

Frisch verkauft sein Architekturbüro.

44

1957

Der Roman Homo faber erscheint.

Reisen nach Griechenland und in die arabischen Staaten

46

1958

Zürich

Biedermann und die Brandstifter wird am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt (als Hörspiel bereits 1953 gesendet).

Georg-Büchner-Preis

47

1959

Scheidung

48

1960

Rom

Frisch lebt mit Ingeborg Bachmann zusammen (bis 1962).

49

1961

Zürich

Andorrawird am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt.

50

1962

Frisch lernt Marianne Oellers kennen.

51

1964

Der Roman Mein Name sei Gantenbein erscheint.

53

1965

Berzona

Frisch kehrt aus Rom in die Schweiz zurück.

54

1966

UdSSR

Reise in die UdSSR

55

1968

Biografie: Ein Spiel wird am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt.

Heirat mit Marianne Oellers

57

UdSSR

Zweite Reise in die UdSSR

1969

Japan

Reise nach Japan

59

1971

Wilhelm Tell für die Schule erscheint.

60

USA

Aufenthalt in den USA

1972

Tagebuch (1966–1971) erscheint.

61

1974

Dienstbüchlein erscheint.

63

USA

Erneuter Aufenthalt in den USA

1975

Die Erzählung Montauk erscheint.

64

1976

China

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Reise nach China

Gesammelte Werke in zeitlicher Folge erscheinen.

65

1978

Triptychon. Drei szenische Bilder erscheinen.

67

1979

Die Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän erscheint.

Scheidung von M. Oellers

68

1981

New York

Neben Berzona hat Frisch auch in New York einen Wohnsitz.

70

1982

Blaubart. Eine Erzählung erscheint.

71

1984

Zürich

Frisch lebt wieder in Zürich.

73

1987

Moskau

Reise nach Moskau

76

1989

Schweiz ohne Armee? Ein Palaver erscheint.

78

1990

Schweiz als Heimat? Versuche über 50 Jahre erscheint.

79

1991

Zürich

Frisch stirbt kurz vor seinem 80. Geburtstag am 4. April in seiner Wohnung.

79

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Im Bewusstsein vieler Menschen sind die Schrecken des Krieges und der Nazi-Diktatur schon lange Vergangenheit, und die Menschen haben sich im Wohlstand eingerichtet, als Frischs Andorra auf die Bühne kommt (Uraufführung 1961).

Die politische Weltlage ist bestimmt durch den Ost-West-Konflikt („Kalter Krieg“).

Im Laufe der 1960er Jahre beginnt sich das gesellschaftspolitische Klima in der Bundesrepublik Deutschland zu verändern (sogen. 68er-Bewegung, Auseinandersetzung mit der NS-Zeit).

Aufgrund seines Modellcharakters wurde dem Stück vorgeworfen, dem Publikum ein Ausweichen ins Unverbindliche zu erlauben.

Frisch ging es nicht um die Taten der Nazi-Größen, sondern um die Millionen Namenlosen, die den Holocaust möglich machten.

Wiederaufbau und Restauration

Wenn hier über den zeitgeschichtlichen Hintergrund von Frischs Andorra gesprochen werden soll, so ist dabei zu berücksichtigen, dass zwischen dem ersten Entwurf (1946), den Vorstufen, der Fertigstellung und der Uraufführung des Stücks immerhin 15 Jahre liegen. Frischs Drama erscheint in einer Zeit, in der – im Bewusstsein der meisten Menschen – die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und die Verbrechen der Nationalsozialisten, die Ermordung der Juden Europas, schon Geschichte sind. In den 1950er Jahren ging es der Mehrheit der Bevölkerung darum, sich aus der schlimmsten Not der Nachkriegszeit zu befreien und am sich abzeichnenden ökonomischen Aufschwung teilzuhaben, nicht aber um eine kritische Reflexion der eigenen Vergangenheit. Zwar beginnt im Frühjahr 1961 der Prozess gegen Adolf Eichmann, der 1960 von israelischen Agenten in Argentinien verhaftet worden war, aber diese Gerichtsverhandlung gegen einen der Organisatoren des Massenmordes an den Juden findet nicht in Europa, sondern in Israel statt.

Europa ist in dieser Zeit die Nahtstelle des Konflikts, der die Weltpolitik bestimmt, des Konflikts zwischen den beiden Hegemonialmächten USA und UdSSR und ihrer Verbündeten. Schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Koalition der Sieger zerbrochen; die Blockade Berlins (1948/49), der Koreakrieg (1950–1953) und die Suez-Krise (1956) waren deutliche Zeichen der Blockkonfrontation, deren steinernes Symbol die Mauer in Berlin werden sollte (13. August 1961). War die internationale Lage also durch den „Kalten Krieg“ bestimmt, so vollzog sich der Wiederaufbau Westdeutschlands in der Adenauer-Ära im Zeichen von „Wirtschaftswunder“ und politischer Restauration.

Frischs Erfolg in Zeiten des Kalten Krieges

In diese Phase der politischen Restauration und des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Bundesrepublik, in die 1950er Jahre also, fällt Frischs Aufstieg als Autor. Der Schweizer Autor ist dem deutschen Lese- und Theaterpublikum längst kein Unbekannter mehr, als Andorra 1962 auch auf die bundesrepublikanischen Bühnen kommt. Mit seinem Roman Stiller hatte er den ersten wirklich großen Erfolg erzielt (1954), sein Roman Homo faber mehrte seinen Ruhm, und die Verleihung des renommierten Georg-Büchner-Preises