Wohlstand der Nationen - Adam Smith - ebook

Wohlstand der Nationen ebook

Adam Smith

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Opis

Das 1776 erschienene Werk 'Wohlstand der Nationen' ist das erste Ökonomiebuch der Moderne. Basis für die vorliegende E-Book-Ausgabe ist die Übersetzung von Max Stirner. Diese haben wir in der Orthografie und an einigen Stellen auch sprachlich modernisiert.

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Impressum

Adam Smith: Wohlstand der Nationen Neu herausgegeben von Sven Horn Klassiker der Ökonomie. Band 6 Veröffentlicht im heptagon Verlag Zweite, überarbeitete Auflage © Berlin, November 2014 www.heptagon.de ISBN: 978-3-934616-95-0

Das vorliegende E-Book ist der 6. Band unserer Reihe »Klassiker der Ökonomie«. Der Text folgt der Übersetzung Max Stirners nach folgender Ausgabe: Der Reichtum der Nationen von Adam Smith. Nach der Übersetzung von Max Stirner und der englischen Ausgabe von Cannan (1904). Herausgegeben von Heinrich Schmidt (Jena). Kröner Verlag. Leipzig 1924.

Editorische Notiz

Indem er den einheimischen Gewerbefleiß dem fremden vorzieht, hat er nur seine eigene Sicherheit vor Augen, und indem er diesen Gewerbefleiß so leitet, dass sein Produkt den größten Wert erhalte, beabsichtigt er lediglich seinen eigenen Gewinn und wird in diesen wie in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, dass er einen Zweck befördern muss, den er sich in keiner Weise vorgesetzt hatte.

Dies ist die einzige Stelle im Buch »Wohlstand der Nationen«, an der die »invisible hand« erwähnt wird. Dennoch beschreibt nichts besser als diese Metapher den Tenor des Werkes, dass ein Mechanismus existiert, der bewirkt, dass das individuell eigennützige Handeln in einer Marktwirtschaft zu einem allgemeinen Wohl führt.

Der 1723 in der Nähe von Edinburgh geborene Adam Smith studiert in Glasgow und Oxford, bereits im Alter von 27 Jahren erhält er eine Professur an der Universität in Glasgow, zunächst für Logik, ein Jahr später für Moralphilosophie. Mit seinem 1759 erscheinenden Monumentalwerk »Theorie der moralischen Gefühle« (im Original: »The Theory of Moral Sentiments«) wird er überregional bekannt. 25 Jahre bevor Immanuel Kant definieren wird, Aufklärung sei »der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit«, spricht Smith den Menschen diese Mündigkeit zu und tritt damit in Opposition zu Philosophen wie Thomas Hobbes, die der Meinung sind, die Menschen bräuchten einen starken Staat, um sich voreinander zu schützen. Auch in diesem Werk taucht die »invisible hand« einmal auf, und zwar würden Wohlhabende von einer »unsichtbaren Hand« geleitet, etwas von ihrem Reichtum an Mittellose abzugeben.

Der britische Finanzpolitiker und Lord Charles Townshend ist von Smith's Werk derart angetan, dass er ihn 1764 als Privatlehrer für seinen Stiefsohn engagiert; dies ermöglicht Smith, eine knapp 3 Jahre andauernde Bildungsreise durch Zentraleuropa (insbesondere nach Frankreich und in die Schweiz) zu unternehmen und dort die bekannten französischen Philosophen, aber auch die Ökonomen Quesnay und Turgot kennenzulernen. Zu dieser Zeit beginnt er die Arbeit an seinem Hauptwerk, das unter dem Titel »An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations« 1776 erscheint – im gleichen Jahr wie die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Es gilt als das erste moderne Ökonomiebuch.

Das grundsätzlich Neue in dem Buch ist, dass Smith anders als die französischen Physiokraten nicht in der Landwirtschaft, sondern im »Maschinenwesen« – speziell in der Arbeitsteilung – die Grundlage für Wohlstand erkennt. Berühmt geworden ist das erste Kapitel über Nadelmacher, in dem er darlegt, eine einzelne Person, die mit Maschinen nicht vertraut ist, könne höchstens 20 Nadeln am Tag herstellen, während durch Maschinisierung und Arbeitsteilung 10 Menschen etwa 48.000 Nadeln pro Tag herstellen können. Adam Smith erkennt, dass Ökonomie kein Nullsummenspiel ist. Der Mensch könne seine im Gegensatz zum Tier angeborene Neigung zum Tauschen am besten in einem freien Wettbewerb ausleben.

 Bereits zwei Jahre nach Erscheinen des »Wohlstands der Nationen« wird eine deutsche Übersetzung unter dem Titel »Untersuchung über Wesen und Ursachen des Reichtums der Völker« publiziert. Für die vorliegende Ausgabe haben wir die Übersetzung Max Stirners in der Überarbeitung von Heinrich Schmidt von 1904 verwendet. Wir haben die Orthografie an die neue Rechtschreibung angepasst und auch an einigen Stellen die Sprache modernisiert. Wie es der modernen Konvention entspricht, haben wir den kurzen Titel »Wohlstand der Nationen« verwendet.

Einleitung und Plan des Werkes

Die jährliche Arbeit eines Volkes ist der Fonds, welcher dasselbe mit allen Bedürfnissen und allen Annehmlichkeiten des Lebens versorgt, die es jährlich verbraucht, und die immer entweder in dem unmittelbaren Erzeugnis dieser Arbeit oder darin bestehen, was für dieses Erzeugnis von anderen Völkern erhandelt wird.

Je nachdem daher dieses Erzeugnis, oder das, was mit ihm erhandelt wird, in einem größeren oder kleineren Verhältnis zur Zahl derjenigen steht, welche es verbrauchen wollen, wird auch das Volk mit allen Bedürfnissen und allen Annehmlichkeiten besser oder schlechter versorgt sein.

Dieses Verhältnis muss sich aber bei jedem Volk nach zwei verschiedenen Umständen bestimmen: erstens nach der Geschicklichkeit, Gewandtheit und Einsicht, mit der seine Arbeit im Allgemeinen verrichtet wird, und zweitens nach dem Verhältnis zwischen der Anzahl derer, die nützliche Arbeit verrichten, und derer, die dies nicht tun. Wie auch immer der Boden, das Klima oder die Ausdehnung des Landes eines Volkes beschaffen sein mag, der Überfluss oder die Unzulänglichkeit seiner jährlichen Gütererzeugung muss bei dieser bestimmten Beschaffenheit von jenen beiden Umständen abhängen.

Der Überfluss oder die Unzulänglichkeit dieser Gütererzeugung scheint übrigens mehr von dem ersten Umstand abzuhängen als von dem zweiten. Unter den wilden Fischer- und Jägervölkern ist jedes arbeitsfähige Individuum mehr oder weniger mit einer nützlichen Arbeit beschäftigt und sucht nach Kräften die Bedürfnisse und die Annehmlichkeiten des Lebens für sich selbst oder für solche Glieder seiner Familie oder seines Stammes herbeizuschaffen, die zu alt, zu jung oder zu schwach sind, um auf die Jagd und den Fischfang auszugehen. Solche Völkerschaften sind indessen so jämmerlich arm, dass sie aus bloßem Mangel häufig gezwungen sind oder sich wenigstens für gezwungen halten, ihre Kinder, ihre Alten und die mit langwierigen Krankheiten Behafteten entweder selbst umzubringen oder sie im Stich zu lassen, so dass sie verhungern oder von wilden Tieren aufgefressen werden. Unter zivilisierten und blühenden Völkern hingegen ist, wenn auch eine große Zahl von Menschen gar nicht arbeitet und viele von ihnen den Ertrag von zehn-, ja hundertmal mehr Arbeit verbrauchen als der größte Teil der arbeitenden, dennoch der Ertrag der ganzen Arbeit der Gesellschaft so groß, dass alle versorgt sind und ein Arbeiter, selbst der niedrigsten und ärmsten Klasse, wenn er mäßig und fleißig ist, von den Bedürfnissen und den Annehmlichkeiten des Lebens einen größeren Teil sich erwerben kann, als ein Wilder sich zu verschaffen imstande ist.

Die Ursachen dieser Zunahme in den produktiven Arbeitskräften und die Ordnung, nach welcher ihr Erzeugnis sich naturgemäß unter die verschiedenen Stände und Klassen der Gesellschaft verteilt, werden im ersten Buch dieser Untersuchung erörtert.

Wie auch der Zustand der tatsächlichen Geschicklichkeit, Gewandtheit und Einsicht, mit welcher die Arbeit von einem Volk verrichtet wird, sein mag, so muss doch während der Dauer dieses Zustandes der Überfluss oder die Unzulänglichkeit seines jährlichen Gütererzeugnisses von dem Verhältnis abhängen, in welchem die Anzahl derer, die das Jahr hindurch mit nützlicher Arbeit beschäftigt sind, zur Zahl derjenigen steht, welche es nicht sind. Die Zahl der nützlichen und produktiven Arbeiter steht, wie sich später zeigen wird, überall im Verhältnis zu der Größe des Kapitals, welches dazu verwendet wird, sie zu beschäftigen, und zu der besonderen Art, in welcher es dazu verwendet wird. Das zweite Buch handelt daher von der Natur des Kapitals, von der Art, in welcher es sich allmählich anhäuft, und von der verschiedenen Größe der Arbeit, welche es je nach der verschiedenen Art und Weise seiner Anwendung in Bewegung setzt.

Völker, die es in der Geschicklichkeit, Gewandtheit und Einsicht bei der Verrichtung der Arbeit ziemlich weit gebracht haben, folgten sehr verschiedenen Plänen in der allgemeinen Leitung oder Richtung derselben, und diese Pläne sind nicht alle der Größe des Arbeitserzeugnisses gleich günstig gewesen. Die Politik mancher Völker ermunterte außerordentlich den ländlichen, die Politik anderer den städtischen Gewerbefleiß. Kaum irgendein Volk hat sich gegen jede Art des Gewerbefleißes gleich und unparteiisch verhalten. Seit dem Niedergang des römischen Reiches ist die Politik in Europa den Künsten, den Gewerben und dem Handel, also der städtischen Industrie, günstiger gewesen als der Agrikultur, d.h. der ländlichen Industrie. Die wahrscheinlichen Umstände, welche diese Politik eingeführt und befestigt haben, werden im dritten Buch auseinandergesetzt.

Obgleich diese verschiedenen Pläne vielleicht zuerst den privaten Interessen und Vorurteilen einzelner Stände entsprangen, ohne Beachtung und Voraussicht der Folgen, welche sie für die allgemeine Wohlfahrt der Gesellschaft haben mussten, so gaben sie doch zu sehr verschiedenen Theorien der politischen Ökonomie Veranlassung, Theorien, welche die Wichtigkeit der städtischen und andere, welche die der ländlichen Industrie verherrlichten. Diese Theorien hatten einen starken Einfluss nicht bloß auf die Meinungen der Gelehrten, sondern auch auf die öffentliche Verwaltung der Fürsten und Staaten. Im vierten Buch habe ich mich bemüht, diese auseinandergehenden Theorien samt ihren hauptsächlichsten Wirkungen in verschiedenen Zeiten und Nationen so vollständig und klar, als ich es vermag, auseinanderzusetzen.

Darzulegen, worin das Einkommen des großen Volkskörpers besteht, oder was jene Fonds waren, welche in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern den jährlichen Bedarf deckten: Das ist der Gegenstand der ersten vier Bücher. Das fünfte und letzte Buch handelt von dem Einkommen des Herrschers oder des Staates. In diesem Buch war ich bemüht, zu zeigen, erstens, welches die notwendigen Ausgaben des Herrschers oder des Staates sind, welche von diesen Ausgaben durch allgemeinen Beitrag der ganzen Nation bestritten, und welche nur von einem einzelnen Teil oder von einigen Gliedern derselben getragen werden müssen; zweitens, nach welchen verschiedenen Methoden die ganze Nation zur Bestreitung der ihr obliegenden Ausgaben herangezogen werden kann, und welche besonders wichtige Vorteile oder Nachteile jede dieser Methoden mit sich führt; drittens endlich, welche Gründe und Ursachen beinahe alle modernen Regierungen dazu veranlasst haben, einen Teil dieses Einkommens zu verpfänden, d.h. Schulden zu machen, und welche Wirkung diese Schulden auf das wirkliche Vermögen hatten, auf den jährlichen Ertrag des Bodens und der Arbeit der Gesellschaft.

Erstes Buch

Von den Ursachen des Fortschritts in den produktiven Arbeitskräften und von der Ordnung, nach welcher der Arbeitsertrag sich naturgemäß unter die verschiedenen Volksklassen verteilt

Erstes Kapitel: Von der Teilung der Arbeit

Der größte Fortschritt in den produktiven Arbeitskräften und die Vermehrung der Geschicklichkeit, Gewandtheit und Einsicht, womit die Arbeit irgendwo geleitet oder verrichtet wird, scheint eine Wirkung der Arbeitsteilung gewesen zu sein.

Die Wirkungen der Arbeitsteilung in der allgemeinen Gewerbetätigkeit der Gesellschaft lassen sich leichter verstehen, wenn man beachtet, in welcher Weise jene Teilung in einzelnen Gewerben wirkt. Man nimmt gewöhnlich an, dass sie in gewissen, sehr unbedeutenden Gewerben am weitesten getrieben sei. Vielleicht ist sie tatsächlich nicht weiter getrieben als in anderen von größerer Bedeutung; aber in jenen unbedeutenden Gewerben, die nur die beschränkten Bedürfnisse einer nur beschränkten Zahl von Menschen zu befriedigen haben, muss die Zahl der Arbeiter notwendigerweise beschränkt sein, und es können oft alle, die mit den verschiedenen Zweigen der Arbeit beschäftigt sind, in derselben Werkstatt untergebracht sein und von einem Beobachter mit einem Blick übersehen werden. In jenen großen Gewerken dagegen, welche das große ganze des Volkes mit seinen Bedürfnissen zu versorgen haben, beschäftigt jeder einzelne Arbeitszweig eine so große Zahl von Arbeitern, dass es unmöglich ist, sie alle in einer Werkstatt zu vereinigen. Man sieht da selten zu gleicher Zeit mehr als diejenigen, welche in einem einzelnen Zweig tätig sind. Obgleich daher in solchen Gewerken die Arbeit tatsächlich in viel mehr Abteilungen zerfällt als in Gewerben von geringerer Bedeutung, so ist die Teilung doch bei weitem nicht so augenfällig und ist deshalb auch viel weniger bemerkt worden.

Nehmen wir zum Beispiel ein sehr unbedeutendes Gewerbe, bei welchem man jedoch sehr oft von der Teilung der Arbeit Notiz genommen hat, nämlich das Gewerbe des Nadelmachers. Ein Arbeiter, der für diese Tätigkeit (woraus die Teilung der Arbeit ein eigenes Gewerbe gemacht hat) nicht angelernt wäre, der mit dem Gebrauch der dazu verwendeten Maschinen (zu deren Erfindung wahrscheinlich eben dieselbe Teilung der Arbeit Gelegenheit gegeben hat) nicht vertraut wäre, könnte vielleicht mit dem äußersten Fleiß täglich kaum eine, gewiss aber keine zwanzig Nadeln herstellen. In der Tat aber, wie diese Tätigkeit jetzt betrieben wird, ist es nicht nur ein besonderes Gewerbe, sondern sie teilt sich in eine Anzahl von Zweigen, von denen die meisten wiederum besondere Gewerbe sind. Der eine zieht den Draht, ein anderer streckt ihn, ein dritter schneidet ihn ab, ein vierter spitzt ihn zu, ein fünfter schleift ihn am oberen Ende, wo der Kopf angesetzt wird; die Herstellung des Kopfes erfordert zwei oder drei verschiedene Tätigkeiten; das Ansetzen desselben ist eine besondere Tätigkeit, das Weißglühen der Nadeln eine andere; ja sogar das Einlegen der Nadeln in Papier bildet ein Gewerbe für sich. So ist das wichtige Geschäft der Stecknadelfabrikation in ungefähr achtzehn verschiedene Verrichtungen geteilt, die in manchen Fabriken alle von verschiedenen Händen vollbracht werden, während in anderen zuweilen zwei oder drei derselben von einem einzigen Mann besorgt werden. Ich habe eine kleine Fabrik dieser Art gesehen, wo nur zehn Menschen beschäftigt waren und manche daher zwei oder drei verschiedene Verrichtungen zu erfüllen hatten. Obgleich nun diese Menschen sehr arm und darum nur leidlich mit den nötigen Maschinen versehen waren, so konnten sie doch, wenn sie sich tüchtig daran hielten, in einem Tag zusammen etwa zwölf Pfund Stecknadeln liefern. Ein Pfund enthält über viertausend Nadeln von mittlerer Größe. Diese zehn Personen konnten demnach täglich über acht und vierzigtausend Nadeln herstellen. Da jeder den zehnten Teil von acht und vierzigtausend Nadeln machte, so lässt sich auf jeden täglich viertausendachthundert Nadeln rechnen. Hätten sie dagegen alle einzeln und unabhängig gearbeitet und wäre keiner für diese besondere Tätigkeit angelernt worden, so hätte gewiss keiner zwanzig, vielleicht nicht eine Nadel täglich machen können, d.h. sicher nicht den zweihundertvierzigsten, vielleicht nicht den viertausendachthundertsten Teil von dem, was sie jetzt infolge einer besonderen Teilung und Verbindung ihrer verschiedenen Verrichtungen zu leisten imstande sind.

In jeder anderen Kunst und jedem anderen Gewerk sind die Wirkungen der Arbeitsteilung denen, welche dieses so wenig bedeutende Geschäft darbietet, ähnlich, obgleich in vielen derselben die Arbeit weder in so viele Unterabteilungen zerlegt noch auf eine so große Einfachheit in der Verrichtung zurückgeführt werden kann. Indessen bewirkt die Arbeitsteilung, soweit sie sich einführen lässt, in jedem Gewerk eine verhältnismäßige Vermehrung der produktiven Arbeitskräfte. Die Trennung der verschiedenen Gewerbe und Beschäftigungen scheint aus diesem Vorteil entstanden zu sein. Auch geht diese Trennung gewöhnlich in denjenigen Ländern am weitesten, welche sich auf der höchsten Stufe der Industrie und des Fortschritts befinden; was in einem rohen Gesellschaftszustand das Werk eines einzigen Menschen ist, pflegt in einem fortgeschrittenen das Werk mehrerer zu sein. In jeder fortgeschrittenen Gesellschaft ist der Landmann gewöhnlich nichts als Landmann, der Handwerker nichts als Handwerker. Selbst diejenige Arbeit, welche zur Herstellung eines vollständigen Fabrikates nötig ist, wird fast immer unter eine große Anzahl Hände verteilt. Wie viele verschiedene Gewerbe sind nicht mit jedem Zweig der Leinen- und Wollenmanufaktur beschäftigt, von den Produzenten des Flachses und der Wolle an bis zu den Bleichern und Manglern der Leinwand oder zu den Färbern und Tuchmachern! Die Natur der Landwirtschaft dagegen erlaubt nicht so viele Unterabteilungen der Arbeit wie die Gewerbe, oder eine so vollständige Trennung einer Tätigkeit von der anderen. Es ist unmöglich, die Tätigkeit des Viehzüchters von der des Kornbauers so völlig zu trennen, wie das Gewerbe des Zimmermanns von dem des Schmiedes gewöhnlich getrennt ist. Der Spinner ist fast immer eine andere Person als der Weber, aber der Pflüger, der Egger, der Sämann und der Schnitter sind oft in ein und derselben Person vereinigt. Da die Gelegenheit zu diesen verschiedenen Arbeitsarten jeweilig mit den verschiedenen Jahreszeiten eintritt, so ist es unmöglich, dass ein Mensch mit einer derselben fortwährend beschäftigt sein kann. Diese Unmöglichkeit einer so völligen Trennung der landwirtschaftlichen Arbeitszweige ist vielleicht der Grund, warum die Steigerung der produktiven Arbeitskräfte in diesem Gewerbe nicht immer mit ihrer Steigerung in den Gewerben gleichen Schritt hält. Die reichsten Nationen übertreffen allerdings gewöhnlich alle ihre Nachbarn eben sowohl in der Landwirtschaft wie in den Gewerben; sie tun sich jedoch in der Regel mehr durch die Überlegenheit in den letzteren als in der ersteren hervor. Ihre Ländereien sind im Allgemeinen besser kultiviert und bringen, da mehr Arbeit und Kosten darauf verwendet sind, im Verhältnis der Ausdehnung und natürlichen Fruchtbarkeit ihres Bodens mehr hervor. Aber dieses Mehr geht selten beträchtlich über das Verhältnis hinaus, welches durch das Mehr der Arbeit und der Kosten gegeben ist. In der Landwirtschaft ist die Arbeit des reichen Landes nicht immer viel produktiver als die des armen, oder sie ist wenigstens niemals um so viel produktiver, als es gewöhnlich bei den Gewerben der Fall ist. Es wird daher das Korn des reichen Landes – bei derselben Güte – nicht immer wohlfeiler zum Markt kommen als das des armen. Das Korn Polens ist bei derselben Güte ebenso wohlfeil wie das Frankreichs, trotz des höheren Reichtums und der besseren Kultur des letzteren Landes. Das französische Korn ist in den Kornprovinzen ganz ebenso gut und hat in den meisten Jahren ziemlich denselben Preis wie das englische Korn, obgleich Frankreich vielleicht an Reichtum und Kultur gegen England zurücksteht.

Und doch sind die englischen Getreideländereien besser kultiviert als die französischen, und die französischen wieder sollen viel besser kultiviert sein als die polnischen. Obgleich aber das arme Land, trotz des tieferen Standes seiner Kultur, mit dem reichen in der Wohlfeilheit und Güte seines Getreides bis zu einem gewissen Grad wetteifern kann, so kann es jenem doch in seinen Gewerben keine Konkurrenz machen, am wenigsten dann, wenn diese Gewerbe den Boden, dem Klima und der Lage des reichen Landes angemessen sind. Die französischen Seidenwaren sind besser und billiger als die englischen, weil die Seidenmanufaktur, ganz abgesehen von den hohen Zöllen auf die Einfuhr von Rohseide, zum englischen Klima nicht so gut passt wie zum französischen. Aber die englischen Stahl- und groben Wollenwaren sind unvergleichlich besser als die französischen und obendrein bei gleicher Güte viel wohlfeiler. In Polen soll es kaum irgendwelche Gewerbe geben, ausgenommen einige gröbere Hausindustrien, ohne die ein Land nicht wohl bestehen kann.

Diese große Vermehrung der Arbeitsmenge, welche infolge der Arbeitsteilung die nämliche Zahl von Leuten hervorzubringen imstande ist, beruht auf dreierlei verschiedenen Umständen: erstens auf der gesteigerten Geschicklichkeit jedes einzelnen Arbeiters, zweitens auf der Zeitersparnis, welche gewöhnlich bei dem Übergang von einer Arbeit zur anderen verloren geht, und endlich auf der Erfindung zahlreicher Maschinen, welche die Arbeit erleichtern und abkürzen und einen einzigen Menschen befähigen, die Arbeit vieler zu verrichten.

Erstens: Die gesteigerte Geschicklichkeit des Arbeiters vergrößert notwendig die Menge dessen, was er leisten kann; und da die Arbeitsteilung die Tätigkeit eines jeden auf eine einfache Verrichtung einschränkt und diese Verrichtung zur alleinigen Beschäftigung seines Lebens macht, so steigert sie nun unausbleiblich die Geschicklichkeit des Arbeiters zu einem hohen Grad. Ein gewöhnlicher Schmied, der, wenn er auch den Hammer zu führen gewohnt ist, doch niemals im Nägelmachen geübt wurde, wird, wenn er in einem besonderen Fall dazu gezwungen ist, sicherlich kaum imstande sein, mehr als zwei- oder dreihundert Nägel des Tages zu verfertigen, und diese noch dazu herzlich schlecht. Ein Schmied, der zwar gewohnt ist, Nägel zu machen, dessen alleiniges oder hauptsächliches Geschäft aber nicht das des Nagelschmieds war, kann selten auch bei äußerstem Fleiß mehr als achthundert bis tausend Nägel am Tag machen. Ich habe mehrere Burschen unter zwanzig Jahren gesehen, welche niemals eine andere Tätigkeit als die des Nagelmachens ausgeübt hatten, und die, wenn sie sich tüchtig daranhielten, jeder mehr als zweitausenddreihundert Nägel an einem Tag machen konnten. Das Verfertigen eines Nagels ist indessen keineswegs eine der einfachsten Verrichtungen. Ein und derselbe Mensch bläst die Bälge, schürt das Feuer, glüht das Eisen und schmiedet jeden Teil des Nagels; beim Schmieden des Kopfes ist er sogar genötigt, die Werkzeuge zu wechseln. Die verschiedenen Operationen, in welche die Verfertigung einer Stecknadel oder eines Metallknopfes zerfällt, sind sämtlich viel einfacher, und die Geschicklichkeit desjenigen, dessen ganzes Leben dieser einzigen Tätigkeit gewidmet war, ist gewöhnlich weit größer. Die Fixigkeit, mit welcher einige Operationen dieser Manufakturen vollbracht werden, übertrifft alles, was man, solange man es nicht gesehen hat, der menschlichen Hand zugetraut hätte.

Zweitens: Der Vorteil, welcher durch Ersparnis der im Übergang von einer Arbeit zur anderen gewöhnlich verlorenen Zeit gewonnen wird, ist bei weitem größer, als man sich im ersten Moment vorstellen kann. Es ist unmöglich, sehr schnell von einer Art Arbeit zu einer anderen überzugehen, die an einer anderen Stelle und mit ganz anderen Werkzeugen verrichtet wird. Ein Weber auf dem Land, der ein kleines Gütchen bestellt, muss ein gut Teil Zeit damit verlieren, dass er von seinem Webstuhl aufs Feld und vom Feld zum Webstuhl wandert. Wenn die beiden Tätigkeiten in derselben Werkstätte verrichtet werden können, so ist der Zeitverlust ohne Zweifel weit geringer; indessen ist er auch in diesem Fall sehr ansehnlich. Der Mensch trödelt gewöhnlich ein wenig, wenn er sich von einer Beschäftigung zu einer anderen wendet. An die neue Arbeit gehend, ist er selten besonders eifrig und rasch bei der Hand; sein Geist ist, wie man zu sagen pflegt, noch nicht bei der Sache, und er vertrödelt einige Zeit, bevor er sich wacker daranhält. Die Gewohnheit des Trödelns und des gleichgültigen, lässigen Tuns, welche natürlicher- oder vielmehr notwendigerweise jeder Arbeiter auf dem Land annimmt, der mit Arbeit und Werkzeugen alle halbe Stunden wechseln und jeden Tag seines Lebens auf zwanzigerlei Art sich beschäftigen muss, macht ihn fast durchgehend träge, lässig, und selbst in den dringendsten Fällen jedes angestrengten Fleißes unfähig. Immer muss daher, auch abgesehen von seinem Mangel an Geschicklichkeit, schon dieser Grund allein das Arbeitsquantum, welches er zu leisten vermag, beträchtlich heruntersetzen.

Drittens und letztens: Jeder muss bemerken, wie sehr die Arbeit durch Anwendung geeigneter Maschinen erleichtert und abgekürzt wird. Es ist unnötig, ein Beispiel anzuführen. Ich will daher nur bemerken, dass die Erfindung aller jener Maschinen, durch welche die Arbeit so sehr erleichtert und abgekürzt wird, ursprünglich, wie es scheint, der Teilung der Arbeit zu verdanken ist. Leichtere und bequemere Methoden zur Erreichung eines Zweckes werden viel eher entdeckt, wenn die ganze Aufmerksamkeit auf diese einzige Sache gerichtet ist, als wenn sie an eine große Mannigfaltigkeit von Dingen zerstreut wird. Infolge der Arbeitsteilung aber richtet sich natürlicherweise die ganze Aufmerksamkeit eines Menschen auf einen höchst einfachen Gegenstand. Es ist daher natürlich zu erwarten, dass einer oder der andere unter denen, welche in einem besonderen Arbeitszweig beschäftigt sind, bald leichtere und bequemere Methoden, ihre eigene besondere Arbeit zu verrichten, ausfindig machen werden, wenn die Natur derselben eine solche Vervollkommnung zulässt.

Gar viele Maschinen, die in denjenigen Gewerben gebraucht werden, in welchen die Arbeit am meisten geteilt ist, waren ursprünglich Erfindungen einfacher Arbeiter, die, mit irgendeiner sehr einfachen Operation beschäftigt, natürlich ihre Gedanken darauf richteten, leichtere und bequemere Herstellungsarten ausfindig zu machen. Wer solche Manufakturen häufig besucht hat, dem müssen häufig sehr schöne Maschinen zu Gesicht gekommen sein, die Arbeiter zu dem Zweck erfunden hatten, ihre eigene Arbeit zu erleichtern und zu beschleunigen. Bei den ersten Dampfmaschinen war ein Knabe fortwährend damit beschäftigt, die Kommunikation zwischen dem Kessel und Zylinder, sowie der Stempel hinauf- und hinunterging, abwechselnd zu öffnen und zu schließen. Einer dieser Knaben, der mit seinen Kameraden spielen mochte, bemerkte, dass, wenn er eine Schnur von dem Griff des Ventils, welches diese Kommunikation öffnete, an einem anderen Teil der Maschine befestigte, das Ventil sich ohne sein Zutun öffnete und schloss und ihm die Freiheit ließ, sich mit seinen Spielkameraden zu belustigen. Eine der bedeutendsten Vervollkommnungen dieser Maschine seit ihrer Erfindung war so die Entdeckung eines Knaben, der sich die Arbeit ersparen wollte.

Doch sind keineswegs alle Vervollkommnungen im Maschinenwesen Erfindungen derjenigen gewesen, welche Gelegenheit hatten, die Maschinen zu benutzen. Viele Verbesserungen erfand das Genie der Maschinenbauer, als das Bauen der Maschinen ein besonderes Gewerbe wurde; manche das Genie derjenigen, welche wir Philosophen oder Theoretiker (men of speculation) nennen, und deren Aufgabe es ist, nicht, etwas zu machen, sondern alles zu beobachten, und die deswegen oft imstande sind, die Kräfte der entferntesten und unähnlichsten Dinge miteinander zu kombinieren. Im Fortschritt der Gesellschaft wird die Philosophie oder Theorie, wird jede andere Beschäftigung, die Haupt- oder einzige Tätigkeit und Beschäftigung einer besonderen Klasse von Bürgern und zerfällt, wie jede andere Beschäftigung, in eine große Anzahl verschiedener Zweige, deren jeder einer besonderen Abteilung oder Klasse von Philosophen zu tun gibt; und diese Arbeitsteilung vergrößert ebenso in der Philosophie wie in jedem anderen Beruf die Geschicklichkeit und Zeitersparnis. Jeder einzelne wird in seinem besonderen Arbeitszweig erfahrener, es wird im Ganzen mehr ausgerichtet und die Menge des Wissens beträchtlich vermehrt.

Eben die große durch die Arbeitsteilung bewirkte Vervielfältigung der Produkte in allen verschiedenen Künsten ist es, die in einer wohl regierten Gesellschaft jene allgemeine Wohlhabenheit hervorbringt, die sich selbst bis zu den untersten Klassen des Volkes erstreckt. Jeder Arbeiter hat über das Quantum seiner eigenen Arbeit hinaus, welches er selbst braucht, noch einen großen Teil zur Verfügung, und da jeder andere Arbeiter sich genau in derselben Lage befindet, so ist er imstande, einen großen eigenen Waren gegen einen großen Teil oder, was auf dasselbe hinauskommt, gegen den Preis eines großen Teils der ihrigen zu vertauschen. Er versorgt sie reichlich mit dem, was sie brauchen, und sie versehen ihn ebenso vollkommen mit dem, was er bedarf, und es verbreitet sich eine allgemeine Fülle über alle verschiedenen Stände der Nation.

Man betrachte nur die Habe des gewöhnlichsten Handwerkers oder Tagelöhners in einem zivilisierten, blühenden Land, und man wird bemerken, dass die Zahl der Menschen, von deren Fleiß ein Teil, wenn auch nur ein kleiner Teil, dazu gebraucht wurde, ihm diese Habe zu verschaffen, alle Berechnung übersteigt. Der wollende Rock z.B., der den Tagelöhner kleidet, ist, so grob und gewöhnlich er auch aussehen mag, doch das Produkt der vereinigten Arbeit einer großen Menge von Arbeitern. Der Schäfer, der Wollsortierer, der Wollkämmer oder Krempler, der Färber, der Hechler, der Spinner, der Weber, der Walker, der Appreteur samt vielen anderen, sie alle müssen ihre verschiedenen Künste vereinigen, um auch nur dies schlichte Produkt herzustellen. Wie viele Kaufleute und Fuhrleute hatten außerdem damit zu tun, das Material von den einen Arbeitern zu den anderen, die oft in einem sehr entfernten Teil des Landes wohnen, zu schaffen. Wie viel Handel und Schifffahrt insbesondere, wie viel Schiffbauer, Seeleute. Segelmacher, Seiler mussten ihre Hände regen, um die verschiedenen Drogen zusammenzubringen, die der Färber nötig hat, und die oft von den entlegensten Enden der Welt kommen.

Welch mannigfaltige Arbeit ist ferner nötig, um die Werkzeuge des geringsten unter diesen Arbeitern hervorzubringen! Von so komplizierten Maschinen, wie ein Schiff, eine Walkmühle oder selbst ein Webstuhl ist, gar nicht zu reden, wollen wir nur betrachten, welch mannigfaltige Arbeit dazu erforderlich ist, jene höchst einfache Maschine, die Schafschere, mit welcher der Schäfer die Wolle abschert, zu verfertigen. Der Bergmann, der Erbauer des Hochofens, der Holzfäller, der Köhler, welcher Kohlen für die Schmelzhütte bereitet, der Ziegelstreicher, der Maurer, die Arbeiter, welche den Ofen zu besorgen haben, der Mühlenbauer, der Grobschmied, der Schmied: Sie alle müssen ihre verschiedenen Arbeiten vereinigen, um sie zu erzeugen. Wollten wir auf dieselbe Weise alle verschiedenen Teile seines Anzuges und Hausrates untersuchen, das grobe, leinene Hemd, welches er auf dem Leib trägt, die Schuhe, die seine Füße bedecken, das Bett, worauf er liegt, und all die verschiedenen Teile, woraus es besteht, den Rost in der Küche, auf dem er seine Speisen zubereitet, die Kohlen, die er dazu braucht und die dem Erdinneren entgraben und ihm vielleicht durch eine lange Land- und Seefahrt zugeführt worden sind, alle anderen Gerätschaften seiner Küche, alles Tischgeschirr, die Messer und Gabeln, die irdenen oder zinnernen Teller, auf denen er seine Gerichte aufträgt und schneidet, die verschiedenen Hände, welche mit Bereitung seines Brotes und Bieres beschäftigt sind, die Glasfenster, die Wärme und Licht hereinlassen, Wind und Regen abhalten, samt aller Kenntnis und Kunst, welche erforderlich war, diese schöne, glückliche Erfindung vorzubereiten, ohne welche diese nördlichen Teile der Erde kaum eine sonderlich behagliche Wohnung erhalten konnten, dazu endlich die Werkzeuge all der verschiedenen Arbeiter, die mit der Hervorbringung der verschiedenen Genussmittel beschäftigt sind – wenn wir, sage ich, alle diese Dinge betrachten und erwägen, welche Mannigfaltigkeit der Arbeit an jedes derselben verwendet wird, so werden wir inne werden, dass ohne den Beistand und die Mitwirkung (Kooperation) vieler Tausende nicht der allergeringste Mensch in einem zivilisierten Land auch nur in der, wie wir sie uns fälschlich vorstellen, leichten und einfachen Art versorgt werden kann, in der er gewöhnlich ausgestattet ist. Verglichen freilich mit dem ausschweifenderen Luxus der Großen, muss seine Habe ohne Zweifel außerordentlich einfach und geringfügig erscheinen; dennoch ist es vielleicht wahr, dass der Komfort eines europäischen Fürsten nicht immer so weit über den eines fleißigen und mäßigen Bauern hinausgeht wie der Komfort des letzteren über den so manches afrikanischen Königs, des absoluten Herrn über Leben und Freiheit von zehntausend nackten Wilden.

Zweites Kapitel: Von dem Prinzip, welches zur Teilung der Arbeit führt

Diese Teilung der Arbeit, aus der so viele Vorteile entspringen, ist ursprünglich nicht das Werk menschlicher Weisheit, welche die allgemeine Wohlhabenheit, zu der es führt, vorhergesehen und beabsichtigt hätte. Sie ist die notwendige, wenn auch sehr langsame und stufenweise Folge einer gewissen Neigung der menschlichen Natur, die keinen so ausgedehnten Nutzen vor Augen hat: der Neigung zum Tausch, zum Tauschhandel und zum Umtausch einer Sache gegen eine andere.

Ob diese Neigung eines von den ursprünglichen Prinzipien in der menschlichen Natur ist, von denen sich weiter keine Rechenschaft geben lässt, oder ob sie, was mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, die notwendige Folge der Vernunft und des Sprachvermögens ist, das gehört nicht zu unserer gegenwärtigen Untersuchung. Sie ist allen Menschen gemein und findet sich bei keiner Tierrasse, die weder diesen noch eine andere Art von Übereinkommen zu kennen scheint. Zwei Windhunde, welche zusammen einen Hasen hetzen, scheinen zuweilen in einer Art von Einverständnis zu handeln. Jeder treibt ihn seinem Gefährten zu oder sucht ihn abzufangen, wenn sein Gefährte ihn ihm zutreibt. Das ist jedoch nicht die Folge eines Übereinkommens, sondern des absichtslosen Zusammentreffens ihrer Begierden in demselben Objekt zu der gleichen Zeit. Kein Mensch hat jemals einen Hund mit einem anderen einen gütlichen und wohlbedachten Austausch eines Knochens gegen einen anderen vornehmen sehen. Kein Mensch hat jemals ein Tier durch eine Gebärde und Naturlaute einem anderen andeuten sehen: »dies ist mein, dies dein; ich bin willens, dies für jenes zu geben.« Wenn ein Tier von einem Menschen oder einem anderen Tier etwas erlangen will, so hat es keine anderen Mittel, sie dazu zu bewegen, als die Gunst derer zu gewinnen, deren Dienst es begehrt. Ein junger Hund liebkost seine Mutter, und ein Hühnerhund sucht sich seinem bei Tisch sitzenden Herrn auf tausenderlei Weise bemerklich zu machen, wenn er von ihm etwas zu fressen haben will. Ein Mensch bedient sich bisweilen derselben Künste seinen Mitmenschen gegenüber, und wenn er kein anderes Mittel hat, sie seinen Wünschen geneigt zu machen, so sucht er durch jede mögliche knechtische und schweifwedelnde Aufmerksamkeit ihre Willfährigkeit zu gewinnen. Er hat indessen nicht Zeit genug, dies überall zu tun. In einer zivilisierten Gesellschaft braucht er fortwährend die Mitwirkung und den Beistand einer großen Menge von Menschen, während sein ganzes Leben kaum hinreicht, die Freundschaft von ein paar Personen zu gewinnen. In fast jedem anderen Tiergeschlecht ist jedes Individuum, wenn es zur Reife gelangt ist, ganz unabhängig und hat in seinem Naturzustand den Beistand keines anderen lebenden Wesens nötig; der Mensch dagegen braucht fortwährend die Hilfe seiner Mitmenschen, und er würde diese vergeblich von ihrem Wohlwollen allein erwarten. Er wird viel eher zum Ziel kommen, wenn er ihren Egoismus zu seinen Gunsten interessieren und ihnen zeigen kann, dass sie ihren eigenen Nutzen davon haben, wenn sie für ihn tun, was er von ihnen haben will. Wer einem anderen irgendeinen Handel anträgt, macht ihm einen Vorschlag. Gib mir, was ich will, und du sollst haben, was du willst, ist der Sinn eines jeden solchen Anerbietens; und auf diese Weise erhalten wir voneinander den weitaus größten Teil der guten Dienste, deren wir benötigt sind. Nicht von dem Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse. Wir wenden uns nicht an ihre Humanität, sondern an ihren Egoismus, und sprechen ihnen nie von unseren Bedürfnissen, sondern von ihren Vorteilen. Nur ein Bettler will am liebsten ganz von dem Wohlwollen seiner Mitbürger abhängen. Und selbst ein Bettler hängt nicht völlig davon ab. Die Mildtätigkeit gutherziger Leute verschafft ihm allerdings den ganzen Fonds seiner Subsistenz; aber obgleich aus dieser Quelle schließlich alle seine Lebensbedürfnisse befriedigt werden, so versorgt sie ihn doch nicht und kann ihn nicht so versorgen, wie die Bedürfnisse sich gerade zeigen. Der größte Teil seines gelegentlichen Bedarfs wird bei ihm ebenso wie bei anderen Leuten beschafft, durch Übereinkommen, Tausch und Kauf. Mit dem Geld, das man ihm gibt, kauft er sich zu essen; die alten Kleider, die man ihm schenkt, vertauscht er gegen andere alte Kleider, welche ihm besser passen, oder gegen Wohnung, Lebensmittel oder Geld, mit dem er Lebensmittel, Kleider, Wohnung, je nachdem er’s braucht, sich kaufen kann.

Wie wir durch Übereinkommen, Tausch und Kauf den größten Teil der gegenseitigen guten Dienste, die uns nötig sind, erlangen, so führt eben dieselbe Neigung zum Tausch ursprünglich zur Teilung der Arbeit. In einer Horde von Jägern oder Hirten macht z.B. irgendeiner Bogen und Pfeile mit mehr Anstelligkeit und Geschicklichkeit als ein anderer. Er tauscht sie oft bei seinen Gefährten gegen Vieh oder Wildbret um und findet schließlich, dass er auf diese Weise mehr Vieh und Wildbret gewinnen kann, als wenn er selbst auf die Jagd ginge. Die Rücksicht auf sein eigenes Interesse macht daher das Verfertigen von Bogen und Pfeilen zu seinem Hauptgeschäft, und er selbst wird eine Art von Waffenschmied. Ein anderer zeichnet sich im Bau und in der Bedachung ihrer kleinen Hütten oder beweglichen Häuser aus; er gewöhnt sich daran, auf diese Weise seinen Nachbarn nützlich zu sein, die ihn dafür ebenso mit Vieh und Wildbret belohnen, bis er es schließlich in seinem Interesse findet, sich ganz dieser Beschäftigung zu widmen und eine Art von Zimmermann zu werden. Auf dieselbe Art wird ein dritter ein Schmied oder Klempner, ein vierter ein Gerber, der Häute und Felle zu bereitet, die hauptsächlichste Bekleidung unter den Wilden. Und so spornt die Gewissheit, alle überschüssigen Erzeugnisse seiner Arbeit, die über seinen eigenen Verbrauch hinausgehen, für solche Erzeugnisse anderer, wie er sie gerade braucht, austauschen zu können, einen jeden an, sich einer besonderen Beschäftigung zu widmen und seine eigentümliche Befähigung für diese oder jene Art von Tätigkeit auszubilden und zur Vollkommenheit zu bringen.

Die Verschiedenheit der natürlichen Talente bei den verschiedenen Menschen ist in Wahrheit viel geringer, als wir glauben, und die sehr verschiedene Fähigkeit, welche Leute von verschiedenem Beruf zu unterscheiden scheint, sobald sie zur Reife gelangt sind, ist in vielen Fällen nicht sowohl der Grund als die Folge der Arbeitsteilung. Die Verschiedenheit zwischen den unähnlichsten Typen, etwa zwischen einem Philosophen und einem gemeinen Lastträger, scheint nicht so sehr von Natur vorhanden zu sein, als durch Lebensweise, Gewohnheit und Erziehung zu entstehen. Als sie auf die Welt kamen, und in den ersten sechs bis acht Jahren ihres Daseins waren sie einander vielleicht sehr ähnlich, und weder ihre Eltern noch ihre Gespielen konnten eine bemerkenswerte Verschiedenheit gewahr werden. Etwa in diesem Alter oder bald darauf fing man an, sie zu verschiedenen Beschäftigungen anzuhalten. Die Verschiedenheit ihrer Talente beginnt dann in die Augen zu fallen und erweitert sich nach und nach, bis zuletzt die Eitelkeit des Philosophen kaum noch irgendeine Ähnlichkeit anzuerkennen bereit ist. Aber ohne die Lust am Tauschen, Handeln und Auswechseln würde jeder für sich den Bedarf und die Annehmlichkeiten des Lebens sich haben verschaffen müssen. Alle hätten dieselben Obliegenheiten zu erfüllen und dasselbe zu tun gehabt, und es hätte somit keine solche Verschiedenheit der Beschäftigung eintreten können, wie sie allein zu einer großen Verschiedenheit der Talente führen konnte.

Wie nun dieser Hang jene unter den Menschen verschiedenen Berufs so merkliche Verschiedenheit der Talente bildet, so macht eben dieser Hang jene Verschiedenheit nutzbringend. Viele Tierrassen, die anerkannterweise zu derselben Art gehören, zeigen von Natur eine viel merklichere Verschiedenheit in den Anlagen, als diejenige ist, welche vor der Gewöhnung und Erziehung unter den Menschen vorhanden zu sein scheint. Von Natur ist ein Philosoph an Anlagen und Neigungen nicht halb so sehr von einem Lastträger verschieden als ein Bullenbeißer von einem Windhund, oder ein Windhund von einem Jagdhund, oder der letztere von einem Schäferhund. Dennoch sind diese verschiedenen Tierrassen, obgleich alle zu ein und derselben Art gehörig, einander kaum in irgendeiner Weise nützlich. Die Stärke des Bullenbeißers wird nicht im Geringsten durch die Schnelligkeit des Windhundes, die Spürkraft des Jagdhundes oder die Gelehrigkeit des Schäferhundes unterstützt. Die Wirkungen dieser verschiedenen Anlagen und Talente können aus Mangel an der Fähigkeit oder dem Hang zum Tauschen und Wechseln nicht zu einem Gesamtvermögen vereinigt werden und tragen nicht das geringste zur besseren Ausstattung und zum höheren Komfort der Gattung bei. Jedes Tier ist immer gezwungen, sich selbst zu behaupten und zu verteidigen, vereinzelt und unabhängig und hat keinerlei Vorteil von den mannigfaltigen Talenten, mit denen die Natur seinesgleichen ausgestattet hat. Unter den Menschen aber sind im Gegenteil die unähnlichsten Anlagen einander von Nutzen, indem die verschiedenen Produkte ihrer respektiven Talente durch den allgemeinen Hang zu tauschen, zu verhandeln und auszuwechseln sozusagen zu einem Gesamtvermögen werden, woraus ein jeder den Teil des Produktes von anderer Menschen Talenten kaufen kann, den er nötig hat.

Drittes Kapitel: Die Teilung der Arbeit steht im Verhältnis zur Ausdehnung des Marktes

Wie die Möglichkeit zu tauschen zur Teilung der Arbeit führt, so muss die Ausdehnung dieser Teilung immer durch die Ausdehnung jener Möglichkeit oder, mit anderen Worten, durch die Ausdehnung des Marktes beschränkt sein. Wenn der Markt sehr beschränkt ist, so kann niemand sich ermutigt finden, sich einer einzigen Beschäftigung ganz hinzugeben, weil es an der Möglichkeit fehlt, jenen ganzen Produktenüberschuss seiner Arbeit, der weit über seinen eigenen Verbrauch hinausgeht, für solche Produkte der Arbeit anderer, die er gerade braucht, auszutauschen.

Es gibt einige Industriezweige, selbst der primitivsten Art, die nur in einer großen Stadt getrieben werden können. Ein Lastträger z.B. kann an keinem anderen Ort Beschäftigung und Unterhalt finden; ein Dorf ist eine viel zu enge Sphäre für ihn, und selbst ein gewöhnlicher Marktflecken ist kaum groß genug, ihm fortwährend Beschäftigung zu geben. In den einzeln stehenden Häusern und sehr kleinen Dörfern, die in einem so öden Land, wie die schottischen Hochlande sind, zerstreut liegen, muss jeder Bauer zugleich Fleischer, Bäcker und Brauer für sein eigenes Haus sein. In solchen Gegenden kann man kaum erwarten, innerhalb mehr als zwanzig Meilen einen Schmied, einen Zimmermann oder einen Maurer zu finden. Die zerstreuten Familien, die je acht bis zehn Meilen voneinander entfernt leben, müssen gar viele kleine Sachen, welche sie in volkreicheren Gegenden von Handwerkern machen lassen würden, selbst verfertigen lernen. Dorfhandwerker sind fast überall gezwungen, sich mit all den verschiedenen Industriezweigen zu belassen, die insofern miteinander verwandt sind, als in ihnen das gleiche Material gebraucht wird. Ein Dorfzimmermann nimmt sich jeder Art Holzarbeit an, ein Dorfschmied jeder Art Eisenarbeit. Der erstere ist nicht bloß ein Zimmermann, sondern ein Schreiner, ein Kunsttischler und sogar ein Holzschnitzer, so gut wie ein Rade-, Pflug-, Wagen- und Stellmacher. Die Beschäftigungen des letzteren sind noch mannigfacher. Es ist unmöglich, dass das Gewerbe eines Nagelschmieds in den entlegenen inneren Teilen der schottischen Hochlande als ein eigenes bestehen könnte. Ein solcher Handwerker würde bei tausend Nägeln täglich und dreihundert Arbeitstagen im Jahr jährlich dreimal hunderttausend Nägel machen; es wäre aber unmöglich, in einer solchen Gegend jährlich auch nur tausend, d.h. die Arbeit eines einzigen Tages, abzusetzen.

Da durch den Wassertransport für jede Art von Industrie ein ausgedehnterer Markt eröffnet wird, als ihn der Landtransport allein gewähren kann, so sind es die Meeresküste und die Ufer schiffbarer Flüsse, wo die Industrie jeder Art sich zu teilen und zu vervollkommnen beginnt; auf die inneren Teile des Landes dehnt sich die Vervollkommnung oft erst lange Zeit nachher aus. Ein Lastwagen, von zwei Menschen begleitet und mit acht Pferden bespannt, bringt zwischen London und Edinburgh in etwa sechs Wochen Güter von ungefähr vier Tonnen Gewicht hin und zurück. In etwa derselben Zeit führt ein Schiff mit sechs oder acht Mann, welches zwischen den Häfen von London und Leith segelt, oft Güter von zweihundert Tonnen an Gewicht hin und zurück. Somit können sechs bis acht Mann auf dem Wasser in derselben Zeit eine ebenso große Menge von Gütern zwischen London und Edinburgh hin und her fahren, als fünfzig von hundert Menschen begleitete Lastwagen. Mithin muss auf zweihundert Tonnen Güter, die mit der wohlfeilsten Landfracht von London nach Edinburgh gebracht werden, der dreiwöchentliche Unterhalt von hundert Menschen gerechnet werden und ferner noch der Unterhalt, sowie, was dem Unterhalt ziemlich gleichkommt, die Abnutzung von vierhundert Pferden und fünfzig Lastwagen, während bei derselben Gütermenge, wenn sie zu Wasser verfrachtet wird, nur der Unterhalt von sechs oder acht Menschen und die Abnutzung eines Schiffes von zweihundert Tonnen Gehalt samt dem Wert des größeren Risikos oder der Differenz zwischen der Land- und Wasserversicherung gerechnet zu werden braucht. Gäbe es also keine andere Kommunikation zwischen beiden Plätzen als die durch Landtransport, so würden sie, da keine anderen Güter von einem zum anderen gebracht werden könnten, als solche, deren Preis im Verhältnis zu ihrem Gewicht sehr hoch wäre, nur einen kleinen Teil jenes Verkehrs unterhalten können, der jetzt zwischen ihnen stattfindet, und nur wenig die Industrie aufmuntern, die sie jetzt untereinander befördern. Wenig oder gar kein Handel könnte zwischen den verschiedenen Teilen der Erde stattfinden. Welche Waren könnten die Kosten einer Landfracht zwischen London und Kalkutta tragen? Oder, wenn einige so wertvoll wären, dass sie diese Kosten zu erbringen vermochten, mit welcher Sicherheit könnten sie denn durch die Länder so vieler barbarischer Völkerschaften gebracht werden? Jetzt hingegen treiben diese beiden Städte einen sehr beträchtlichen Handel miteinander und ermuntern, indem sie einander einen Markt bieten, eine der anderen Industrie aufs Beste.

Bei solchen Vorteilen des Wassertransports mussten natürlich die Fortschritte der Kunst und Industrie da geschehen, wo diese Gelegenheit die ganze Welt zu einem Markt für jegliche Art Arbeit eröffnet, und sie konnten sich immer nur viel später bis in die inneren Teile des Landes ausdehnen. Die inneren Teile des Landes haben lange Zeit hindurch keinen anderen Markt für den größten Teil ihrer Güter als die Landschaft, die sie umgibt, und welche sie von der Seeküste und großen schiffbaren Flüssen trennt. Die Ausdehnung ihres Marktes muss daher für lange Zeit sich nach dem Reichtum und der Volksdichte jener Landschaft richten, und ihr Fortschritt wird dadurch immer hinter dem Fortschritt jener Landschaft zurückbleiben. In unseren nordamerikanischen Kolonien sind die Pflanzungen beständig der Seeküste oder den Ufern schiffbarer Flüsse gefolgt und haben sich kaum irgendwo beträchtlich von beiden entfernt.

Die Nationen, welche nach den glaubwürdigsten Geschichtsnachrichten zuerst zivilisiert gewesen zu sein scheinen, waren diejenigen, die rund um die Küste des Mittelländischen Meeres her wohnten. Da dieses Meer, weitaus der größte bekannte Busen der Welt, weder Ebbe und Flut noch andere Wellen hat als die vom Wind verursachten, so war es durch die Glätte seiner Oberfläche, die Menge seiner Inseln und die Nähe seiner Ufer für die Schifffahrt in der Zeit ihrer Kindheit außerordentlich günstig, als die Menschen bei dem Mangel des Kompasses sich fürchteten, die Küste aus dem Gesicht zu verlieren und bei der Unvollkommenheit der Schiffsbaukunst sich den stürmischen Wogen des Ozeans zu überlassen. Über die Säulen des Herkules hinauszugehen, d.h. durch die Meerenge von Gibraltar hinauszusegeln, wurde in der Alten Welt lange für die wunderbarste und gefährlichste Schifffahrtsunternehmung gehalten. Spät erst versuchten es die Phönizier und Karthager, die geschicktesten Seefahrer und Schiffbauer jener alten Zeiten, und sie waren lange die einzigen Völker, die es wagten.

Unter allen Ländern an der Küste des Mittelländischen Meeres scheint Ägypten das erste gewesen zu sein, in welchem sowohl der Ackerbau wie die Gewerbe gepflegt und bis zu einem ansehnlichen Grad ausgebildet wurden. Oberägypten erstreckt sich nirgends mehr als einige Meilen vom Nil, und in Unterägypten teilt sich dieser große Strom in viele Kanäle, welche durch wenig kunstvolle Nachhilfe eine Wasserverbindung nicht nur zwischen allen großen Städten, sondern auch zwischen allen ansehnlichen Dörfern und sogar bis zu vielen Landhäusern hin hergestellt zu haben scheinen, etwa in derselben Art, wie heute der Rhein und die Maas in Holland. Die Ausdehnung und Leichtigkeit dieser Binnenschifffahrt war wahrscheinlich eine der Hauptursachen der frühen Blüte Ägyptens.

Ebenso scheinen die Fortschritte in der Landwirtschaft und den Gewerken in den Provinzen des ostindischen Bengalen und in einigen östlichen Provinzen Chinas von hohem Alter zu sein, obgleich dies in diesen Teilen der Erde durch keine Geschichtsnachrichten verbürgt wird. In Bengalen bilden der Ganges und einige andere große Ströme eine bedeutende Menge schiffbarer Kanäle, ganz so wie der Nil in Ägypten. In den östlichen Provinzen Chinas bilden gleichfalls einige große Flüsse durch ihre verschiedenen Arme eine Menge von Kanälen und ermöglichen durch Verbindung untereinander eine noch ausgedehntere Binnenschifffahrt als der Nil oder Ganges, oder vielleicht beide zusammen. Es ist bemerkenswert, dass weder die alten Ägypter, noch die Inder, noch auch die Chinesen den auswärtigen Handel ermunterten, vielmehr alle ihren großen Reichtum dieser Binnenschifffahrt zu verdanken scheinen.

Alle inneren Teile Afrikas und jener ganze Teil Asiens, der weit nördlich vom Schwarzen und Kaspischen Meer liegt, das alte Skythien, die moderne Tartarei und Sibirien, scheinen zu allen Zeiten in demselben barbarischen und unzivilisierten Zustand gewesen zu sein, in welchem wir sie gegenwärtig antreffen. Das Meer der Tartarei ist das Eismeer, das keine Schifffahrt zulässt, und obgleich einige der größten Ströme der Welt durch dieses Land fließen, so sind sie doch zu weit voneinander entfernt, um Handel und Verkehr über den größten Teil derselben herzustellen. In Afrika gibt es keinen so großen Meerbusen, wie das Baltische und Adriatische Meer in Europa, das Mittelländische und Schwarze Meer in Europa und Asien, den Arabischen, Persischen, Indischen, Bengalischen und Siamesischen Meerbusen in Asien, um den Seehandel in die inneren Teile dieses großen Kontinents zu führen, und die großen Flüsse Afrikas sind zu weit voneinander entfernt, um zu einer ansehnlichen Binnenschifffahrt Gelegenheit zu geben. Überdies kann der Handel, den eine Nation auf einem Fluss betreibt, der sich nicht in eine große Menge von Armen oder Kanälen sondert, und der, ehe er die See erreicht, durch ein anderes Gebiet fließt, niemals beträchtlich sein, weil es stets diejenigen Nationen, die das andere Gebiet besitzen, in ihrer Macht haben, den Verkehr zwischen dem Oberland und der See zu hindern. Die Schifffahrt auf der Donau ist für Bayern, Österreich und Ungarn von sehr geringem Nutzen, wenn man bedenkt, was sie sein könnte, wenn einer dieser Staaten den ganzen Lauf des Flusses bis zu seiner Mündung in das Schwarze Meer beherrschte.

Viertes Kapitel: Vom Ursprung und Gebrauch des Gelds

Wenn die Teilung der Arbeit einmal durchweg eingeführt ist, so wird nur ein kleiner Teil von den Bedürfnissen eines Menschen durch das Produkt seiner eigenen Arbeit befriedigt werden können. Den bei weitem größten Teil derselben befriedigt er dadurch, dass er jenen Überschuss seiner Arbeitserzeugnisse, der weit über seinen eigenen Verbrauch hinausgeht, vertauscht gegen solche Produkte anderer, die er gerade braucht. Dann lebt jeder durch Tausch oder wird gewissermaßen ein Kaufmann, und die Nation selbst wird zu einer richtigen Handelsgesellschaft.

Als jedoch die Teilung der Arbeit zuerst Platz griff, muss dieses Tauschen in seinen Operationen häufig sehr ins Stocken geraten und gehemmt worden sein. Nehmen wir an, der eine habe mehr von einer Ware, als er verwenden kann, während ein anderer weniger hat. Natürlich wäre der erstere froh, wenn er einen Teil dieses Überflusses los werden, der letztere, wenn er ihn erhandeln könnte. Wenn aber der letztere gerade nichts hat, was der erstere benötigt, so könnte zwischen ihnen kein Tausch zustande kommen. Der Fleischer hat mehr Fleisch in seinem Laden, als er selbst verzehren kann, und der Brauer und Bäcker würden gern einen Teil davon kaufen; allein sie haben nichts zum Tausch zu bieten als die verschiedenen Produkte ihrer Gewerbe, und der Fleischer ist bereits mit allem Brot und Bier, das er augenblicklich braucht, versehen. In diesem Fall kann zwischen ihnen kein Tausch zustande kommen. Er kann nicht ihr Kaufmann, sie nicht seine Kunden sein, und sie sind so einander weniger von Nutzen. Um den Übelstand einer solchen Lage zu vermeiden, wird jeder kluge Mensch zu allen Zeiten der Gesellschaft nach der ersten Einführung der Arbeitsteilung natürlich bemüht gewesen sein, seine Einrichtungen so zu treffen, dass er außer dem besonderen Produkt seines eigenen Fleißes jederzeit noch eine gewisse Menge von dieser oder jener Ware in Bereitschaft hatte, von der er voraussetzen konnte, dass wahrscheinlich wenig Menschen ihren Eintausch gegen das Produkt ihres Fleißes zurückweisen würden.

Wahrscheinlich sind im Laufe der Zeit mancherlei verschiedene Waren für diesen Zweck als passend befunden und verwendet worden. In den primitiven Zeiten der Gesellschaft soll Vieh das allgemeine Handelsmittel gewesen sein; obgleich es ein sehr unbequemes sein musste, so finden wir doch in alten Zeiten häufig die Dinge nach der Anzahl des Viehes geschätzt, welches dagegen in Tausch gegeben wurde. Diomedes` Rüstung, sagt Homer, ist nur neun Ochsen wert, die des Glaukus aber hundert, Salz soll das gewöhnliche Handels- und Tauschmittel in Abyssinien sein; eine Art Muscheln in einigen Küsten Indiens, Stockfisch auf Neufundland, Tabak in Virginia, Zucker in einigen unserer westindischen Kolonien, Häute oder Leder in anderen Ländern, und noch heute gibt es ein Dorf in Schottland, wo es, wie man mir gesagt hat, nichts Ungewöhnliches ist, dass ein Arbeiter statt des Geldes Nägel in den Bäckerladen oder ins Wirtshaus bringt.

In allen Ländern scheinen jedoch die Menschen schließlich bestimmt worden zu sein, durch unwiderstehliche Gründe zu diesem Zweck den Metallen vor allen anderen Waren den Vorzug zu geben. Metalle lassen sich nicht nur mit so wenig Verlust, als nur irgendeine andere Ware erleidet, aufbewahren, indem kaum irgendeine andere Sache weniger dem Verderben preisgegeben ist, sondern sie können auch ohne Verlust in eine Menge Teile geteilt werden, da die Teile durch Schmelzen sich leicht wieder vereinigen lassen: eine Eigenschaft, welche keine andere gleich dauerhafte Ware besitzt, und die mehr als jede andere Eigenschaft sie dazu geeignet macht, Handels- und Umlaufmittel zu werden. Wer z.B. Salz kaufen wollte und nur Vieh dagegen zu geben hatte, war gezwungen, auf einmal Salz zum Wert eines ganzen Ochsen oder eines ganzen Schafes zu kaufen. Er konnte selten weniger kaufen, weil dasjenige, was er dafür zu geben hatte, selten ohne Verlust geteilt werden konnte; und wollte er mehr kaufen, so musste er aus denselben Gründen das Doppelte oder Dreifache kaufen, d.h. den Wert von zwei oder drei Ochsen, von zwei oder drei Schafen. Hatte er hingegen statt der Schafe oder Ochsen Metalle in Tausch zu geben, so war es leicht, die Menge des Metalls mit der Menge der Ware, für die er augenblicklich Verwendung hatte, in ein genaues Verhältnis zu bringen.

Von verschiedenen Nationen wurden verschiedene Metalle zu diesem Zweck angewandt. Eisen war das gewöhnliche Handelsmittel unter den alten Spartanern, Kupfer unter den alten Römern, Gold und Silber unter allen reichen, handeltreibenden Nationen.

Diese Metalle scheinen ursprünglich in rohen Barren ohne Gepräge und Ausmünzung verwendet worden zu sein. So berichtet Plinius (Hist. Nat. XXXIII, 3), indem er sich auf das Zeugnis eines alten Geschichtsschreibers Timäus beruft, dass die Römer bis auf die Zeit des Servius Tullius kein gemünztes Geld hatten und zum Einkauf ihres Bedarfs ungestempelte Kupferbarren gebrauchten. Diese rohen Barren erfüllten also damals die Funktion des Gelds.

Mit dem Gebrauch der Metalle in diesem rohen Zustand waren zwei sehr in Betracht kommende Übelstände verbunden: erstens die Umständlichkeit des Wägens, zweitens die des Probierens. Bei den edel Metallen, wo ein geringer Unterschied in der Quantität einen großen im Wert bedeutet, erfordert – bei gehöriger Genauigkeit – schon das Geschält des Abwägens zum mindesten sehr gute Gewichte und Wagschalen. Namentlich das Wägen des Goldes ist eine sehr delikate Operation. Bei den gröberen Metallen, wo ein kleiner Irrtum von geringer Bedeutung ist, würde allerdings weniger Genauigkeit erforderlich sein; indessen müsste man`s doch höchst beschwerlich finden, wenn ein Armer jedesmal, so oft er für einen Pfennig zu kaufen oder zu verkaufen hat, den Pfennig zu wiegen genötigt wäre. Die Operation des Probierens ist noch weit schwieriger und langweiliger, und wenn nicht ein Teil des Metalls mit geeigneten Auflösungsmitteln im Schmelztiegel ordentlich geschmolzen wird, völlig unzulänglich. Dennoch mussten vor der Einführung des gemünzten Geldes die Leute diese langweilige und schwierige Operation vornehmen, wenn sie nicht stets den größten Betrügereien und Täuschungen ausgesetzt sein und statt eines Pfundes reinen Silbers oder reinen Kupfers eine betrügerische Komposition der gröbsten und wohlfeilsten Materialien erhalten wollten, äußerlich jenen Metallen ähnlich gemacht. Um solchen Missbräuchen zuvorzukommen, den Tausch zu erleichtern und dadurch alle Arten der Industrie und des Handels zu ermutigen, sah man sich in allen fortgeschrittenen Ländern genötigt, gewisse Quantitäten solcher Metalle, die daselbst gewöhnlich zum Warenhandel gebraucht wurden, mit einem Staatsstempel zu versehen. Dies der Ursprung des gemünzten Geldes und jener öffentlichen Anstalten, die Münzen heißen, Einrichtungen von genau derselben Art, wie die Ämter der Prüf- und Stempelmeister bei den Wollen- und Leinenzeugen. Sie haben alle die gleiche Bestimmung, durch einen öffentlichen Stempel die Menge und gleichförmige Güte dieser Waren, wenn sie zu Markt gebracht werden, zu verbürgen.

Die ersten öffentlichen Stempel dieser Art, die auf die umlaufenden Metalle gedrückt wurden, sollten anscheinend in vielen Fällen dasjenige verbürgen, was zu verbürgen am schwierigsten und zugleich am wichtigsten ist, nämlich die Güte oder Feinheit des Metalls; sie mögen wohl der Sterlingmarke ähnlich gewesen sein, die man jetzt auf Silbergeschirr und Silberbarren prägt, oder der spanischen Marke, die zuweilen auf Goldstangen gesetzt wird und, da sie nur auf einer Seite des Stückes steht und nicht die ganze Oberfläche bedeckt, zwar die Feinheit, aber nicht das Gewicht des Metalles verbürgt. Abraham wiegt dem Ephron die vierhundert Säckel Silber zu, welche er ihm für das Feld von Machpelah zu zahlen versprochen hatte (Genesis 23, 16). Sie wird dabei als die kurante Handelsmünze bezeichnet, und dennoch wird sie zugewogen, nicht zugezählt, gerade wie es mit den Goldstangen und Silberbarren noch heute geschieht. Die Einkünfte der alten Sachsenkönige in England sollen nicht in Geld, sondern in natura, d.h. in Lebensmitteln und Proviant aller Art, gezahlt worden sein. Wilhelm der Eroberer führte die Gewohnheit ein, sie in Geld zu entrichten. Dieses Geld wurde jedoch lange auf dem Schatzamt nach dem Gewicht und nicht nach Stücken in Empfang genommen.

Die Unbequemlichkeit und Schwierigkeit, jene Metalle mit Genauigkeit zu wägen, gab die Veranlassung zur Verfertigung der Münzen, deren Stempel, da er beide Seiten des Stückes und zuweilen auch die Ränder ganz bedeckt, für genügend erachtet wurde, nicht nur die Feinheit, sondern auch das Gewicht des Metalles zu verbürgen. Solche Münzen wurden daher, wie noch heute, ohne die Mühe des Wägens stückweise angenommen.

Die Namen dieser Münzen scheinen ursprünglich das Gewicht oder die in ihnen enthaltene Metallmenge ausgedrückt zu haben. Zur Zeit des Servius Tullius, der zuerst in Rom Geld münzen ließ, enthielt das römische As oder Pfund ein römisches Pfund guten Kupfers. Es war nach Art unseres Troyes-Pfundes in zwölf Unzen geteilt, deren jede eine wirkliche Unze guten Kupfers enthielt. Das englische Pfund Sterling enthielt zur Zeit Eduards I. nach Tower-Gewicht ein Pfund Silber von bestimmter Feinheit. Das Tower-Pfund scheint etwas mehr als das römische gewesen zu sein, und etwas weniger als das Troyes- Pfund. Dieses letztere wurde erst im achtzehnten Regierungsjahr Heinrichs VIII. in der englischen Münze eingeführt. Das französische Pfund (livre) enthielt zur Zeit Karls des Großen nach Troyes-Gewicht ein Pfund Silber von bestimmter Feinheit. Die Messe zu Troyes in der Champagne wurde zu jener Zeit von allen europäischen Völkern besucht, und die Gewichte und Maße meines so berühmten Marktes waren allgemein bekannt und geschätzt. Das schottische Geldpfund enthielt von Alexander dem Ersten an bis auf Robert Bruce ein Pfund Silber von demselben Gewicht und derselben Feinheit wie das englische Pfund Sterling. Die englischen, französischen und schottischen Pennys (Pfennige) enthalten gleichfalls ursprünglich alle ein wirkliches Pennygewicht Silber, den zwanzigsten Teil einer Unze und den zweihundert und vierzigsten Teil eines Pfundes. Auch der Schilling scheint ursprünglich der Name eines Gewichts gewesen zu sein. »Wenn der Weizen zwölf Schilling das Quarter kostet, sagt ein altes Statut Heinrichs III., so soll ein Pennybrot elf Schilling und vier Pence wiegen.« Doch scheint das Verhältnis zwischen dem Schilling und Penny einerseits und dem Schilling und Pfund andererseits nicht so fest und gleichmäßig gewesen zu sein als das zwischen dem Penny und dem Pfund. Während der Zeit des ersten französischen Königsgeschlechtes scheint der französische Sou (Schilling im Englischen) bald fünf, bald zwanzig und bald vierzig Pence enthalten zu haben. Unter den alten Sachsen scheint der Schilling zu einer Zeit nur fünf Pence enthalten zu haben, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er unter ihnen ebenso veränderlich war als unter ihren Nachbarn, den alten Franken. Seit der Zeit Karls des Großen unter den Franken und Wilhelms des Eroberers unter den Engländern scheint das Verhältnis zwischen Pfund, Schilling und Penny bis auf den heutigen Tag dasselbe geblieben zu sein, obgleich ihr Wert sehr verschieden gewesen ist. Denn ich glaube, in allen Ländern der Welt haben Geiz und Ungerechtigkeit der Fürsten und Staatshäupter das Vertrauen der Untertanen missbraucht und nach und nach den wirklichen Metallgehalt, welcher ursprünglich in den Münzen vorhanden war, verringert. Das römische As wurde in der letzten Zeit der Republik auf den vierundzwanzigsten Teil seines ursprünglichen Wertes reduziert und wog statt eines Pfundes nur eine halbe Unze. Das englische Pfund und der englische Penny enthalten gegenwärtig etwa den dritten, das schottische Pfund und der schottische Penny etwa den sechsunddreißigsten, und das französische Pfund und der französische Pfennig etwa den sechsundsechzigsten Teil ihres ursprünglichen Wertes. Durch diese Operationen setzten sich die Fürsten und Regenten instand, dem Schein nach ihre Schulden zu bezahlen und ihre Verpflichtungen mit einer geringeren Masse Silber, als sonst nötig gewesen wäre, zu erfüllen. Freilich nur dem Schein nach; denn ihre Gläubiger wurden wirklich um einen Teil dessen, was ihnen zukam, betrogen. Allen anderen Schuldnern im Staat kam dasselbe Privileg zugute, und sie konnten, was sie in alter Münze geborgt hatten, mit derselben nominellen Summe der neuen, schlechten Münze bezahlen. Solche Operationen erwiesen sich daher stets günstig für den Schuldner und verderblich für den Gläubiger und brachten zuweilen größere und allgemeinere Revolutionen im Vermögen der Privatpersonen hervor, als die größte allgemeine Kalamität hätte verursachen können.

Auf diese Weise ist das Geld bei allen zivilisierten Völkern das allgemeine Handelsmittel geworden, durch dessen Vermittelung Güter aller Art gekauft und verkauft oder gegeneinander ausgetauscht werden.

Ich will nun untersuchen, welche Regeln die Menschen bei dem Tausch der Güter gegen Geld oder gegeneinander naturgemäß beobachten. Diese Regeln bestimmen das, was der relative oder Tauschwert der Güter heißen kann.

Das Wort Wert hat – was wohl zu beachten ist – zweierlei verschiedene Bedeutung und drückt bald die Brauchbarkeit einer Sache, bald die durch den Besitz dieser Sache gegebene Möglichkeit aus, andere Güter dafür zu kaufen. Das eine kann Gebrauchswert (value in use), das andere Tauschwert (value in exchange) genannt werden. Dinge, die den größten Gebrauchswert haben, haben oft wenig oder keinen Tauschwert, und umgekehrt haben andere oft den größten Tauschwert, aber wenig oder keinen Gebrauchswert. Nichts ist brauchbarer als Wasser, aber es lässt sich dafür kaum etwas kaufen: kaum etwas dafür in Tausch erhalten. Ein Diamant dagegen hat beinahe gar keinen Gebrauchswert, und doch ist oft eine Menge anderer Güter dafür im Tausch zu haben.

Um die Prinzipien zu erforschen, welche den Tauschwert der Waren regulieren, werde ich darzulegen suchen:

Erstens: Welches der wahre Maßstab dieses Tauschwertes ist, oder worin der reale Preis aller Waren besteht.

Zweitens: Aus welchen verschiedenen Teilen dieser Realpreis zusammengesetzt ist oder zu einem Ganzen wird.

Und endlich: Welche Umstände es bewirken, dass einige oder alle diese verschiedenen Teile des Preises bald über, bald unter ihr natürliches oder gewöhnliches Maß gehen, oder welches die Ursachen sind, die den Marktpreis, d.h. den wirklichen Preis der Waren hindern, genau mit dem, was man ihren natürlichen Preis nennen kann, zusammenzufallen.

Ich werde mich bemühen, diese drei Punkte so vollständig und deutlich, als ich es vermag, in den drei folgenden Kapiteln auseinanderzusetzen, wobei ich mir aufs angelegentlichste die Geduld und Aufmerksamkeit des Lesers erbitten muss: seine Geduld zur Prüfung eines Details, welches ihm vielleicht an vielen Stellen unnötigerweise in die Länge gezogen zu sein scheint, und seine Aufmerksamkeit zum Verständnis dessen, was vielleicht auch nach der weitläufigsten Auseinandersetzung, die ich zu geben imstande bin, immer noch ziemlich dunkel erscheinen mag. Ich will lieber Gefahr laufen, langweilig zu erscheinen, um nur sicher zu sein, dass ich deutlich bin; es wird aber dennoch, bei aller Mühe, deutlich zu sein, manche Dunkelheit in einem Gegenstand zurückbleiben, der seiner Natur nach höchst abstrakt ist.

Fünftes Kapitel: Von dem wahren und nominellen Wert der Waren oder von ihrem Arbeitswert und ihrem Geldwert