Vom Sinn des Ärgers - Verena Kast - ebook

Vom Sinn des Ärgers ebook

Verena Kast

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Opis

Ärger - das ist ein höchst lebendiges Gefühl. Doch er kann auch entgleiten, destruktiv werden oder sich festsetzen. Verena Kast zeigt, dass Ärger oft ein Anreiz bietet, sich auseinanderzusetzen: mit sich selbst, aber auch mit dem, was scheinbar den Ärger verursacht hat. So wird Ärger produktiv: denn er weist darauf hin, dass etwas verändert werden will. Das Standardwerk jetzt im Taschenbuch.

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Liczba stron: 314

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Verena Kast

Vom Sinn des Ärgers

Anreiz zur Selbstbehauptung und Selbstentfaltung

© 2005 Kreuz Verlag Stuttgart

© Herder Verlags GmbH, Freiburg im Breisgau 2010

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlagkonzeption und -gestaltung:

R·M·E Eschlbeck / Hanel / Gober

Umschlagmotiv: © Fotex / westend 61

Foto der Autorin : © Micha Pawlitzki

Datenkonvertierung (E-Book): le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN (E-Book) 978-3-451-33636-2

ISBN (Buch) 978-3-451-06011-3

Einstimmung

Zur Einstimmung stelle ich Ihnen einige Fragen, die Sie sich selber kurz beantworten können – oder auch nicht. Erinnern Sie sich an einen Ärger in letzter Zeit? Wenn ja, was haben Sie damit gemacht? Den Ärger verdrängt? So getan, als ärgerten Sie sich überhaupt nicht? Haben Sie den Konflikt, der den Ärger oder die Kränkung ausgelöst hat, angesprochen? Sind Sie kreativ mit dem Ärger umgegangen? Oder haben Sie einen Dauerlauf gemacht – aus Ärger? Haben Sie überhaupt etwas damit gemacht? Oder haben Sie einfach gewartet, bis der Ärger wieder vergangen ist?

Und jetzt die umgekehrte Version: Wann haben Sie zum letzten Mal jemanden so richtig geärgert? Auch wenn Sie meinen, der betreffende Mitmensch hätte sich ganz ungerechtfertigterweise geärgert, versuchen Sie sich dennoch in die Situation einzufühlen, in der Sie den Ärger eines Mitmenschen erregt haben. Wann war jemand so richtig ärgerlich Ihretwegen – und wie hat sich das angefühlt? Dieser Zugang zum Ärger ist schwieriger. Zum einen wollen wir es nicht wahrhaben, dass auch wir andere Menschen ärgern, und zum andern ist es natürlich so, dass die Mitmenschen uns nicht notwendigerweise den Ärger zeigen, so dass wir uns vormachen können, wir würden nur selten Ärger erregen.

Es könnte nun sein, dass die eine oder der andere sagt: Ich ärgere mich gar nie. Dann wäre zu fragen, welcher andere Ausdruck bei Ihnen für die Erfahrung »Ärger« steht. Es gibt Menschen, die ärgern sich angeblich nie, die sind nur immer so leicht traurig, wobei Trauer durchaus einen Anteil von Ärger in sich haben kann. Wieder andere sind einfach immer irritiert. Das Wort »irritiert« ist ein emotionaler Alleskleber. Wann immer man nicht zu einem eindeutigen Gefühl stehen will, sei es Angst, sei es Aggression, Wut, Ärger usw., kann man sich irritiert geben. Das ist nie falsch, aber es ist auch nie präzise, und man wird nie wissen, welche Emotionen wirklich erlebt werden und was sie eigentlich bedeuten.

Eine Emotion im Zentrum des Interesses

Die Emotionen haben immer mit dem Selbsterleben und dem Selbstausdruck eines Menschen zu tun. Menschen können von Anfang ihres Lebens an verschiedene wahrnehmbare und beschreibbare Emotionen erfahren, und alle diese Emotionen bilden den affektiven Kern unseres Selbsterlebens1, der es uns ermöglicht, Kontinuität im Identitätserleben zu erfahren. So besehen sind die Emotionen das Zentrum unseres Identitätserlebens. Sagen wir zum Beispiel: »Ich bin nicht bei mir«, dann meinen wir meistens, dass wir nicht im Kontakt mit unseren Emotionen sind, uns daher auch unlebendig fühlen. Ist jemand so ganz und gar emotionslos, dann ist es kaum möglich, mit diesem Menschen in Kontakt zu kommen. Beziehung, Bindung, Kommunikation unter Menschen beruht vorwiegend auf emotionalem Austausch. Aber auch die Motivation zum Handeln stammt aus der Emotion.2

Wenn wir von Emotionen sprechen, dann sprechen wir also von etwas, das uns ganz unmittelbar angeht, uns ausmacht und zwar durch unser ganzes Leben hindurch. Emotionen müssen immer lebenslauforientiert studiert werden. Die Emotionsbiographie ist ein ganz wichtiger Aspekt des Lebenslaufs.

Jede Emotion hat eine bestimmte Erlebnisqualität und einen Anreiz zu bestimmtem Verhalten. So regt Ärger an, Grenzen zwischen Menschen zu bereinigen, oder zumindest über Grenzen nachzudenken, aber auch, sich mit dem verletzten Selbstwert auseinander zu setzen. Diese Emotion reguliert Schwierigkeiten mit unseren Grenzen, reguliert unseren Selbstwert bei Erfahrungen von etwas Beleidigendem und/oder Aversivem, reguliert aber auch unsere Beziehung zum Unbewussten, unsere Beziehung zum Körper und unsere Beziehung zum Du, aber auch zur Gesellschaft. Deshalb meine ich, dass die Emotionen ein ganz zentrales Thema jeder Psychologie sind, aber auch viele Bereiche der Psychologie verbinden. Emotionen haben ihre Bedeutung in der Tiefenpsychologie, sie haben zu tun mit unserer Geschichte und unseren Komplexen, die wir in unserem Leben uns zugezogen haben.3

Emotionen sind aber auch Thema der Ausdruckspsychologie. Emotionen werden ausgedrückt und sind Ausdruck dessen, was in uns vorgeht. Emotionen gehören zum Thema der Beziehung: Sie werden in Beziehungen ausgedrückt, und die Emotionen wirken auf die Beziehungen zurück, gerade etwa der Ärger. Emotionen sind aber auch Thema der Neuropsychologie. Setzt man sich mit einer Emotion auseinander, dann wird man sie immer wieder in neuen Zusammenhängen beschreiben und zu verstehen versuchen4. Dadurch hat man immer einen Aspekt der Emotion und die damit zusammenhängenden Beziehungen im Fokus, andere Aspekte treten in den Hintergrund. Das bedeutet aber auch, dass Wiederholungen unumgänglich sind. Die Emotion wird im Grunde genommen so lange umkreist, bis sich produktive Fragestellungen für das menschliche Leben und Zusammenleben formulieren lassen.

Sehr viele Aspekte der Psychologie, aber auch des menschlichen Lebens ganz allgemein lassen sich also unter dem Fokus einer Emotion Gewinn bringend studieren. Weil Emotionen so zentral unser Selbsterleben berühren, haben sie einen direkten Bezug zu unserem Alltagsleben und den Alltagsproblemen. Sie sind das Alltäglichste, Allergewöhnlichste und ständig Gegenwärtige, und sie wirken bis hinein in die Träume – sie bestimmen unser Leben in hohem Maße.

Nun spricht man selten einfach von einer einzelnen Emotion, sondern von einem Emotionsfeld. Es gibt Emotionen, die miteinander verwandt sind. Je nach Intensität gebrauchen wir jeweils einen anderen Ausdruck, sprechen nicht mehr von Ärger, sondern zum Beispiel von Wut oder Zorn, aber auch von Geringschätzung und Ekel.

Das Emotionsfeld Ärger

Ärger ist eine der fundamentalen Emotionen, die Bereitschaft zum Ärger gilt als angeboren.5 Izard vertritt, dass je nach neuronaler Feuerungsfrequenz pro Zeiteinheit jeweils ein anderer Affekt aktiviert wird. Neuronales Feuern auf anhaltend hohem Niveau würde zum Beispiel die Emotion Zorn aktivieren.6 Allerdings meinen Säuglingsforscher, dass die Emotion Wut erst mit etwa drei Monaten auszumachen ist. Möglicherweise ist das Quengeln aber eine Art Ärger.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist es, dass die Neugeborenenforscher das Äußern von Emotionen generell im Sinne der Kommunikation des Säuglings mit einer Beziehungsperson verstehen. Es werden wichtige Signale gegeben, auf die wiederum mit Signalen von der Beziehungsperson geantwortet wird. Emotionen und das Äußern von Emotionen stehen also im Zusammenhang mit Entwicklung und Wachstum, aber auch mit Entwicklung von Beziehung, mit Entwicklung von Kommunikation.7

Izard spricht im Zusammenhang mit Ärger von einer Feindseligkeitstriade: Er sieht Ärger, Ekel und Geringschätzung als zusammengehörige Emotionen.

Grundsätzlich kann man Ärger als eine Emotion der Feindseligkeit verstehen, eine aversive Emotion. Diese Emotion kann verschiedene Qualitäten haben: Ein leiser Ärger fühlt sich anders an als ein heftiger Ärger, eine Wut fühlt sich wiederum anders an. Ärger und Wut können sich äußern, oder aber sie können sich auch gegen einen selbst richten. Menschen können in einem Wutanfall explodieren, sie können aber auch implodieren, das heißt, sie können innerlich zusammenbrechen aus lauter Wut und diese Wut nicht äußern. Ich werde zunächst meistens von der Wut sprechen, die nach außen gerichtet ist.

Um uns kräftig zu ärgern, müssen wir den Eindruck haben, dass das, was sich uns entgegenstellt, sich in feindseliger Absicht uns entgegenstellt und irgendwie bedrohlich ist. Es gilt aber auch: Wenn wir uns ärgern, sind wir bereit, überall »Feindseliges« wahrzunehmen. Deshalb kann Ärger auch so leicht sich generalisieren. Das erleben wir im Alltag: Ein Morgen, an dem man nicht so leicht aufgestanden ist, ein unangenehmer Telefonanruf, Tee, der nicht dem eigenen Geschmack entspricht, Kinder, die quengeln ... Es hat sich alles gegen einen verschworen, so denkt man zumindest, und erlebt das Leben in seiner ganzen Widerständigkeit, in seiner Feindseligkeit. Und diese Gestimmtheit und die daraus resultierende Haltung von misstrauischer Aufmerksamkeit setzt sich in den Tag hinein fort. Je mehr Feindseligkeit wir erwarten, um so mehr Feindseliges wird uns begegnen, sei es als Reaktion der Mitmenschen auf unsere Erwartung, die sich auch in der Ausstrahlung zeigt, sei es, dass wir vieles, was nicht feindselig gemeint ist, dennoch als feindselig aufschlüsseln. Man ist verärgert und wird zunehmend mehr verärgert. Erleben wir die Welt als feindlich, als angriffig, als übergriffig, dann werden wir in unserem Selbstwertgefühl verunsichert, darauf reagieren wir aversiv mit Ärger, vielleicht auch mit angriffigem oder gar zerstörerischem Verhalten, oder wir reagieren mit Angst, fliehen, schützen uns oder treten verstimmt den Rückzug an.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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