Opis

Der aus österreichisch-ungarischem Adel stammende Leopold von Sacher-Masoch schrieb zunächst Erzählungen aus dem ländlichen Galizien, bevor er 1870 mit dem Roman „Venus im Pelz” einen Klassiker der erotischen Literatur veröffentlicht. Erzählt wird die sadomasochistische Beziehung zwischen dem jungen Severin und seiner herrischen Geliebten Wanda. Severin trifft als junger Mann in einem Karpatenbad die junge und reiche Witwe Wanda von Dunajew, von deren Schönheit und Ähnlichkeit zur schon seit seiner Kindheit verehrten griechischen Venus ist er fasziniert. Nach mehreren Anfragen von Severin stimmte Wanda zu, sein Liebhaber zu werden. Ein abgründiges Liebesspiel beginnt. Zunächst zögerlich, findet Wanda auf Severins Drängen hin zunehmend Gefallen am Auspeitschen und Demütigen. Schließlich jedoch liefert sie ihn ihrem neuen Geliebten Alexis aus, der Severin fast zu Tode prügelt und damit seelisch zerstört.

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Leopold von Sacher-Masoch

Venus im Pelz

Warschau 2018

Inhalt

Vorwort

Vorwort

Vorliegende Erzählung ist ein Teil eines großen, aber niemals von dem Dichter vollendeten Novellenzyklus, „Das Vermächtnis Kains“, der nach Sacher-Masochs eigenem Ausspruche „eine bilderreiche Naturgeschichte des Menschen sein sollte“. Das Ganze sollte in sechs Unterabteilungen zu je sechs Novellen zerfallen, für welche die Obertitel „Die Liebe“, „Das Eigentum“, „Das Geld“, „Der Staat“, „Der Krieg“ und „Der Tod“ vorgesehen waren. Sacher-Masoch hatte sich somit ein sehr hohes Ziel gesteckt, er wollte in diesen geplanten Erzählungen alles Menschenleid und – schicksal in seinen verschiedensten Möglichkeiten und Ausdrucksformen schildern und zugleich in der Schlußnovelle eines jeden Teiles die Antwort auf die behandelte Frage und deren Lösung geben.

Von dem gesamten Werke liegen nur die beiden ersten Teile „Die Liebe“ und „Das Eigentum“ abgeschlossen vor. Von den andern existieren nur Bruchstücke. Die „Venus im Pelz“ gehört als fünfte der Novellen zu dem Zyklus „Die Liebe“.

Der Dichter schildert hierin die Erlebnisse eines Idealisten und Phantasten zugleich, den sein Unstern in den Bannkreis eines herzlosen und brutalen Weibes treibt.

Zur Zeit, als Sacher-Masoch diese seine berühmteste Novelle verfaßte, stand er ganz im Banne eines Schopenhauerschen Pessimismus. Was seine Lebensumstände anbetrifft, so ist zu bemerken, daß er damals als Privatdozent an der Universität Graz habilitiert war.

Sofort beim Erscheinen der „Venus im Pelz“ spalteten sich die Leser in zwei Parteien. Die einen verwarfen sie wegen der bis dahin unerhörten Kühnheit der Schilderungen und fühlten sich zugleich durch das Motiv abgestoßen. Die anderen dagegen, und gerade die besten Männer deutscher Wissenschaft und Literatur, säumten nicht, anzuerkennen, hier liege ein einzigartiges document humain vor, und es zeuge zudem von ungewöhnlicher Genialität des Verfassers.

In rascher Folge entstanden weitere Schöpfungen, und eine wie die andere waren vollwertiges Gold.

Um so peinlicher überrascht fühlten sich daher alle Freunde des Dichters, als plötzlich höchst oberflächliche und zum Teil direkt minderwertige Produkte seiner Feder auf dem Markt erschienen. Verwundert und verstimmt fragte man sich, wie es möglich sei, daß ein Poet, der die Klassizität gestreift, sein eigenes Renommee in solcher Weise verderben könne. Nach Sacher-Masochs Tode ist dies Rätsel gelöst. Die Not, die bitterste äußere Not zwang ihn dazu, dem Gott in sich selbst Gewalt anzutun, um Brot für sich und die Seinen um jeden Preis zu schaffen. In jener Zeit entstanden die vielberufenen „Messalinen Wiens“, „Falscher Hermelin“ usw. Aber seltsam, gerade diese seichten Arbeiten hatten bei dem Publikum ungeahnten Erfolg. Es brauchte dabei nicht zu denken, wohl aber fühlte es sich seltsam erregt durch das eigenartige, ihnen entströmende Gemisch von Stall- und Boudoirparfüm.

So wurde Sacher-Masoch in den Augen vieler zu einem oberflächlichen und frivolen Skribenten erniedrigt, und es konnte leider nicht anders sein, denn die Welt urteilt stets nach den Resultaten, aber nicht nach den Motiven.

Selbst in der Spätzeit, als der Dichter sich wieder großen und bedeutenden Aufgaben zuwandte, vermochte er die alten peinlichen Erinnerungen nicht wieder zu verwischen. Und — es ist traurig zu sagen — auch das große Publikum wollte nichts Gehaltvolles mehr von ihm, sondern verlangte von ihm geradezu Mindergut.

Nur eine verhältnismäßig kleine Gemeinde wirklicher Verehrer blieb ihm dauernd treu, jener, die das Unvergängliche, was er geschaffen, seinem vollen Werte nach zu schätzen wußten und trotz seiner späteren Mängel niemals an dem genialen Meister irre wurden.

Den Wünschen dieser zu entsprechen — da die älteren Ausgaben vollständig vergriffen sind —, entschlossen wir uns, einige seiner besten Arbeiten in Neudrucken auf den Markt zu bringen. Darunter auch die Novellen „Die Liebe des Plato“ und die „Venus im Pelz“.

Obwohl diese beiden Werke seit über 50 Jahren der Literatur angehören und in allen Literaturgeschichten gewürdigt sind, ist es ihnen — und namentlich der „Venus im Pelz“ — nicht erspart geblieben, neuerdings seitens der Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften verschiedensten Titels beanstandet zu werden.

Es sei allerdings gern anerkannt, daß Kenntnis der Literatur und Phantasie von Polizeiorganen und solchen der öffentlichen Anklagebehörde nicht erwartet werden darf. Beides gehört nicht zu ihrem Ressort.

Die Folgen dieser Beanstandungen blieben nicht aus. In der Regel wurden „Plato“ und die „Venus im Pelz“ seitens der Polizeibehörden und der Staatsanwaltschaften ohne weiteres als nicht zu beanstandende Dichtungen und Kunstwerke dem öffentlichen Verkehr zurückgegeben. Gleichwohl kam es gelegentlich vor, daß die „Venus“ Gegenstand einer Gerichtsverhandlung wurde. Von den Resultaten dieser ist zu sagen, daß sie allemal mit einer Niederlage der Staatsanwaltschaft endeten.

Die Welt der deutschen Schriftsteller hatte das nicht anders erwartet. Als es bekannt wurde, daß ein Einschreiten gegen die „Venus im Pelz“ im Gange sei, erhob sich überall befremdetes Kopfschütteln. In geschlossener Phalanx traten die Koryphäen deutschen Schrifttums regelmäßig für Erhaltung des Werkes ein und mit ihnen zugleich die Männer der Wissenschaft.

So erklärte z. B. anläßlich eines solchen Prozesses der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Albert Eulenberger in Berlin: Die „Venus im Pelz“ besitze unschätzbaren Wert und sei ein Unikum in der deutschen Literatur. So wenig sie in dieser zu vermissen sei, ebensowenig vermöge die Wissenschaft ihrer zu entbehren.

Als der Geheime Hofrat Professor Dr. Koester in Leipzig gelegentlich seitens der Dresdener Staatsanwaltschaften aufgefordert wurde, ein Gutachten über die „Venus im Pelz“ abzugeben, kam er ebenfalls zu dem Resultat, das Werk gehöre der Literatur an, und es sei nicht angängig, es aus der Reihe der Lebenden zu streichen.

Wir glauben, daß die gemachten Mitteilungen mehr als einem Leser und in mehr als einer Hinsicht interessant sein dürften.

Der Verlag

Ich hatte liebenswürdige Gesellschaft.

Mir gegenüber an dem massiven Renaissancekamin saß Venus, aber nicht etwa eine Dame der Halbwelt, die unter diesem Namen Krieg führte gegen das feindliche Geschlecht, gleich Mademoiselle Cleopatra, sondern die wahrhafte Liebesgöttin.

Sie saß im Fauteuil und hatte ein prasselndes Feuer angefacht, dessen Widerschein in roten Flammen ihr bleiches Antlitz mit den weißen Augen leckte und von Zeit zu Zeit ihre Füße, wenn sie dieselben zu wärmen suchte.

Ihr Kopf war wunderbar trotz der toten Steinaugen, aber das war auch alles, was ich von ihr sah. Die Hehre hatte ihren Marmorleib in einen großen Pelz gewickelt und sich zitternd wie eine Katze zusammengerollt.

„Ich begreife nicht, gnädige Frau,“ rief ich, „es ist doch wahrhaftig nicht mehr kalt, wir haben seit zwei Wochen das herrlichste Frühjahr. Sie sind offenbar nervös.“

„Ich danke für euer Frühjahr,“ sprach sie mit tiefer steinerner Stimme und nieste gleich darnach himmlisch und zwar zweimal rasch nacheinander; „da kann ich es wahrhaftig nicht aushalten, und ich fange an zu verstehen —“

„Was, meine Gnädige?“

„Ich fange an das Unglaubliche zu glauben, das Unbegreifliche zu begreifen. Ich verstehe auf einmal die germanische Frauentugend und die deutsche Philosophie, und ich erstaune auch nicht mehr, daß ihr im Norden nicht lieben könnt, ja nicht einmal eine Ahnung davon habt, was Liebe ist.“

„Erlauben Sie, Madame,“ erwiderte ich aufbrausend, „ich habe Ihnen wahrhaftig keine Ursache gegeben.“

„Nun, Sie —“ die Göttliche nieste zum dritten Male und zuckte mit unnachahmlicher Grazie die Achseln, „dafür bin ich auch immer gnädig gegen Sie gewesen und besuche Sie sogar von Zeit zu Zeit, obwohl ich mich jedesmal trotz meines vielen Pelzwerks rasch erkälte. Erinnern Sie sich noch, wie wir uns das erste Mal trafen?“

„Wie könnte ich es vergessen,“ sagte ich, „Sie hatten damals reiche braune Locken und braune Augen und einen roten Mund, aber ich erkannte Sie doch sogleich an dem Schnitt Ihres Gesichtes und an dieser Marmorblässe — Sie trugen stets eine veilchenblaue Samtjacke mit Fehpelz besetzt.“

„Ja, Sie waren ganz verliebt in diese Toilette, und wie gelehrig Sie waren.“

„Sie haben mich gelehrt, was Liebe ist, Ihr heiterer Gottesdienst ließ mich zwei Jahrtausende vergessen.“

„Und wie beispiellos treu ich Ihnen war!“

„Nun, was die Treue betrifft —“

„Undankbarer!“

„Ich will Ihnen keine Vorwürfe machen. Sie sind zwar ein göttliches Weib, aber doch ein Weib, und in der Liebe grausam wie jedes Weib.“

„Sie nennen grausam,“ entgegnete die Liebesgöttin lebhaft, „was eben das Element der Sinnlichkeit, der heiteren Liebe, die Natur des Weibes ist, sich hinzugeben, wo es liebt und alles zu lieben, was ihm gefällt.“

„Gibt es für den Liebenden etwa eine größere Grausamkeit als die Treulosigkeit der Geliebten?“

„Ach!“ — entgegnete sie — „wir sind treu, solange wir lieben, ihr aber verlangt vom Weibe Treue ohne Liebe, und Hingebung ohne Genuß, wer ist da grausam, das Weib oder der Mann? — Ihr nehmt im Norden die Liebe überhaupt zu wichtig und zu ernst. Ihr sprecht von Pflichten, wo nur vom Vergnügen die Rede sein sollte.“

„Ja, Madame, wir haben dafür auch sehr achtbare und tugendhafte Gefühle und dauerhafte Verhältnisse.“

„Und doch diese ewig rege, ewig ungesättigte Sehnsucht nach dem nackten Heidentum,“ fiel Madame ein, „aber jene Liebe, welche die höchste Freude, die göttliche Heiterkeit selbst ist, taugt nicht für euch Modernen, euch Kinder der Reflexion. Sie bringt euch Unheil. Sobald ihr natürlich sein wollt, werdet ihr gemein. Euch erscheint die Natur als etwas Feindseliges, ihr habt aus uns lachenden Göttern Griechenlands Dämonen, aus mir eine Teufelin gemacht. Ihr könnt mich nur bannen und verfluchen oder euch selbst in bacchantischem Wahnsinn vor meinem Altar als Opfer schlachten, und hat einmal einer von euch den Mut gehabt, meinen roten Mund zu küssen, so pilgert er dafür barfuß im Büßerhemd nach Rom und erwartet Blüten von dem dürren Stock, während unter meinem Fuße zu jeder Stunde Rosen, Veilchen und Myrten emporschießen, aber euch bekömmt ihr Duft nicht; bleibt nur in eurem nordischen Nebel und christlichem Weihrauch; laßt uns Heiden unter dem Schutt, unter der Lava ruhen, grabt uns nicht aus, für euch wurde Pompeji, für euch wurden unsere Villen, unsere Bäder, unsere Tempel nicht gebaut. Ihr braucht keine Götter! Uns friert in eurer Welt!“ Die schöne Marmordame hustete und zog die dunkeln Zobelfelle um ihre Schultern noch fester zusammen.

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