Umgang mit Angst - Dr. August Höglinger - ebook

Umgang mit Angst ebook

Dr. August Höglinger

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Opis

Es gibt kein angstfreies Leben. Und das ist gut so. Weil die Angst eine Art Warnsignal ist, sollten wir nicht daran arbeiten, sie auf Dauer loszuwerden. Aber wir können und sollten lernen, mit ihr umzugehen, sie nicht als Bedrohung oder gar als Feind anzusehen. Wenn wir es schaffen, sie in unser Leben zu integrieren, kann sie sich zu einem hilfreichen Freund entwickeln.

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Liczba stron: 62

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August Höglinger

Umgang mit Angst

Impressum:

Herausgeber und Verleger: Dr. August Höglinger

Lektorat: Textservice Johann Schnellinger, Linz

Cover: pixelkinder, www.pixelkinder.com

Coverfoto: © d.martyn

Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Georg Schildhammer

Copyright © 2007 by Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 Linz

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher

Genehmigung des Herausgebers.

Bestellungen an den Verlag:

Dr. August Höglinger, Fröhlerweg 8, A-4040 Linz

Tel.: ++43(0)732 / 75 75 77

Fax: ++43(0)732 / 75 75 77-4

E-Mail: [email protected]

Internet: www.hoeglinger.net

ISBN: 978-3-902410-30-6

Inhalt

Umgang mit Angst

Der Begriff „Angst“

Zur eigenen Angst stehen

Angst, Furcht, Panik, Phobie und Trauma

Angst und Wirklichkeit

Angst und Liebe

Die helle und die dunkle Seite der Angst

Angst und Freiheit

Angst davor, zu verletzen

Die Angst, sich selbst zu verlieren

Angst vor Verletzungen, Krankheit und Tod

Die Angst, sich nicht zu finden

Angst vor der Sinnlosigkeit

Angst im Beruf

Angst und Kommunikation

Männer-Ängste/Frauen-Ängste

Angst als Wirtschaftsfaktor

Was bewirkt die Angst?

Der Sinn der Angst

Strategien gegen die Angst

Die Wurzeln der Angst

Vom richtigen Umgang mit der Angst

Männliche/weibliche Form im Text

Ich habe aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes nur eine Form der Anrede gewählt, und zwar die männliche, weil sie die gängigere ist. Diese steht stellvertretend für beide Geschlechter. Ich bitte alle meine Leserinnen und Leser um ihr Verständnis.

Umgang mit Angst

Wer von sich behauptet, niemals Angst zu haben, der belügt zumindest sich selbst. Denn jeder Mensch hat Angst, zwar nicht immer, aber doch immer wieder. Das ist noch kein Grund zur Besorgnis. Denn Angst ist etwas ganz Natürliches. Sie tritt in unterschiedlichen Situationen und Gestalten auf und hat stets ihre Gründe. Zur eigenen Angst zu stehen, sie als etwas fundamental Menschliches zu begreifen, hilft dabei, ein großes Stück ihrer Bedrohlichkeit loszuwerden. Wer seine Ängste annimmt und lernt, ihre Botschaften zu verstehen, kann nicht nur leichter mit ihnen umgehen. Er kann auch aus ihnen lernen. Die Beschäftigung mit der eigenen Angst ist also durchaus lohnenswert.

Seit Jahren befasse ich mich nun mit dem Thema „Angst“. Dabei habe ich mich vor allem sehr intensiv und offen mit meinen eigenen Ängsten auseinandergesetzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich ihnen nur dann erfolgreich begegnen kann, wenn ich bereit bin, ihnen ins Auge zu sehen, anstatt aus Angst vor der Angst davonzulaufen. Was ich dabei gelernt habe und täglich aufs Neue lerne, versuche ich anderen Menschen in meinen Seminaren, Begleitungen und Vorträgen zu vermitteln. Mit dem vorliegenden Buch möchte ich nun meine Erfahrungen mit der Angst und die Lehren, die ich daraus gezogen habe, meinen Leserinnen und Lesern zugänglich machen.

Der Begriff „Angst“

Der Begriff „Angst“ stammt vom indogermanischen „anghu“ ab, das sich über das althochdeutsche „angust“ zu unserem heutigen Wort „Angst“ entwickelt hat und so viel wie „Enge“ bedeutet. Dass Angst tatsächlich mit „Einengung“, „Beklemmung“ einhergeht, hat sicher jeder von uns schon einmal wahrgenommen. Angst ist das unbestimmte Gefühl einer Bedrohung. Und dennoch lässt sie sich – nicht nur im übertragenen Sinne – in unserem Körper lokalisieren. Nicht umsonst verwenden wir Formulierungen wie „Die Angst schnürt mir die Kehle zu“, „Ihr sitzt die Angst im Nacken“ oder „Die Angst fährt ihm in die Knochen“. Angst äußert sich, sie findet ihren Ausdruck meistens in körperlichen Symptomen.

Zur eigenen Angst stehen

Vor einiger Zeit wurde ich eingeladen, in Salzburg einen Festvortrag bei der Verleihung des WIFI-Trainer-Awards zu halten. Diese Auszeichnung ist so etwas wie der Oscar für WIFI-Trainer. Dementsprechend gut besucht war die Veranstaltung. Die Crème de la Crème der Trainer hatte sich eingefunden. Grundsätzlich bin ich ja nicht nervös. Und vor anderen Menschen zu sprechen, bereitet mir auch keine Probleme, das gehört ja schließlich zu meinem Beruf. Trotzdem: An diesem Tag war ich sehr nervös. Eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung bekam ich Schweißausbrüche. Mein Herzschlag erhöhte sich merklich, und ich hatte – Angst.

Da ich ja auch als Meditationsleiter arbeite, dachte ich mir: Na gut, du weißt ja, wie du damit umgehen musst. Es gibt da eine Meditationsübung, um die Angst abzubauen. Ich habe diese Übung angewandt – vergebens. Die Angst ist nicht verschwunden. Ganz im Gegenteil: Die Schweißausbrüche sind noch stärker geworden. 20 Minuten vor Beginn der Veranstaltung bin ich also noch einmal zurück auf mein Zimmer, um mich zu duschen. Und dann musste ich auf die Bühne.

Was sollte ich tun? Meine Angst war immer noch da. Und vor mir saßen etwa 120 Kollegen, die gespannt auf meine Rede warteten. Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen, habe mich hingestellt und – über meine Angst gesprochen.

Scheinbar eine paradoxe Situation: Das Einzige, was geholfen hat, war, dort oben zu stehen und zu meiner Angst zu stehen, sie nicht zu verdrängen. Ich habe zu meinen Zuhörern gesagt, ich würde mich so geprüft fühlen wie schon lange nicht mehr. Und 240 Augen waren auf mich gerichtet, beobachteten mich. Was sie wohl denken, die Menschen da unten im Publikum? Wie macht er das jetzt? Wird er scheitern? Und so weiter. Aber ich habe einfach drauflosgeredet und dann auch noch gesagt: „Ich erzähle euch jetzt die drei größten Flops, die ich als Trainer und Vortragender gehabt habe.“ Und damit war die Geschichte gegessen. Meine Angst war wie vom Erdboden verschluckt. Der Schweiß ist getrocknet und mein Herzschlag hat sich normalisiert. Der Vortrag ist mir schlussendlich sehr gut gelungen.

Das einzige Mittel, das gegen meine Angst geholfen hat, war: zu ihr zu stehen.

Angst, Furcht, Panik, Phobie und Trauma

Viele Menschen verwenden das Wort „Angst“ beinahe täglich. Sie bezeichnen damit aber ganz unterschiedliche Dinge. Die einen meinen nämlich „Furcht“ und beziehen sich auf etwas Konkretes: auf Dinge, Sachverhalte oder Menschen. „Furcht vor“ heißt es in diesem Fall. „Angst“ hingegen ist etwas Unspezifisches. Oft ist es so, dass Menschen, wenn sie sagen, sie haben „Angst“, eigentlich meinen, dass sie sich vor etwas oder jemandem fürchten. Trotzdem kann man sich auch vor etwas Unbekanntem fürchten beziehungsweise vor dem Ungewissen.

Ich werde in diesem Buch die Bezeichnungen „Furcht“ und „Angst“ nicht klar voneinander trennen. Mit den Begriffen „Panik“, „Phobie“ und „posttraumatisches Syndrom“ möchte ich mich nur am Rande beschäftigen. Dennoch will ich einen kurzen Überblick bieten, was mit den verschiedenen Begriffen gemeint ist.

Angst

Angst ist ein Gefühl, das nicht unmittelbar auf etwas Konkretes abzielt. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine Ursachen hat. Natürlich gibt es Gründe für die Angst, dieses unbestimmte, bedrohliche Gefühl, das einen Menschen mit Unbehagen erfüllt. Wenn wir uns klarmachen, wo unsere Angst herkommt, können wir sie in den Griff bekommen, weil wir ihren Ursachen gezielt entgegentreten können. Wenn wir die Gründe für unsere Angst nicht identifizieren, kann sie anwachsen.

Die Stresssymptome, die auftreten, wenn wir große Angst haben, sind eine natürliche Reaktion unseres Körpers. Die Ausschüttung von Stresshormonen, die Beschleunigung von Atem und Herzschlag bereiten uns auf eine erhöhte Leistungsanforderung vor. „Fight or flight“ („Kampf oder Flucht“) nennen das die Biologen: Wir kämpfen entweder gegen eine Bedrohung an, zum Beispiel gegen unsere Fressfeinde, oder wir flüchten, weil wir erkennen, dass wir unseren Angreifern im Kampf unterliegen würden. Diese physiologische Reaktion hat die Natur sinnvoll eingerichtet. Denn sie bringt uns auf Touren und erhöht unsere Überlebenschancen – so oder so. Wenn die dabei entstandene Energie jedoch nicht genützt wird, schadet sie auf Dauer dem Organismus.

Furcht