Timetravel #50: Die Maschine der tödlichen Träume - Wilfried A. Hary - darmowy ebook

Timetravel #50: Die Maschine der tödlichen Träume ebook

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Opis

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 50 von Wilfried A. Hary Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten. Der Zeitsprung ins Jahr 2470 ist eine Reise voller Widersprüche und Schrecknisse. Aus einer Tür taumelt ein Mensch und stirbt neben den Zeitspringern. Er trägt entsetzliche Bisswunden, doch nirgendwo ist ein Tier zu sehen, das ihm die Verletzungen beigebracht hat. Polizeiorgane stellen Ermittlungen an. Ein schlimmer Verdacht richtet sich gegen die Männer aus der Vergangenheit. Sie sind unbekannt. Und eine Agentin entführt sie mit Waffengewalt. Die Zeitspringer begreifen, dass sie in das unbarmherzige Kräftespiel zwischen einer geheimen Organisation und den Organen der Staatsgewalt geraten sind. Und dass darin die Traummaschinen eine dominierende Rolle spielen. Diese Maschinen lassen abenteuerliche Träume erleben, neuerdings mit tödlichem Ausgang. Dafür macht man die Zeitspringer verantwortlich. Doch die Wahrheit ist viel fantastischer. Die Maschinen übertragen nicht nur paradiesische Träume, sondern auch höllische Wirklichkeit. Sie schaffen eine reale Projektion und bringen die Zeitspringer in Todesgefahr.

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Wilfried A. Hary

Timetravel #50: Die Maschine der tödlichen Träume

Science Fiction Abenteuer - Jubiläumsband mit Extra-Kurzgeschichte

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Maschine der tödlichen Träume

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 50

von Wilfried A. Hary

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

 

Der Zeitsprung ins Jahr 2470 ist eine Reise voller Widersprüche und Schrecknisse. Aus einer Tür taumelt ein Mensch und stirbt neben den Zeitspringern. Er trägt entsetzliche Bisswunden, doch nirgendwo ist ein Tier zu sehen, das ihm die Verletzungen beigebracht hat.

Polizeiorgane stellen Ermittlungen an. Ein schlimmer Verdacht richtet sich gegen die Männer aus der Vergangenheit. Sie sind unbekannt. Und eine Agentin entführt sie mit Waffengewalt.

Die Zeitspringer begreifen, dass sie in das unbarmherzige Kräftespiel zwischen einer geheimen Organisation und den Organen der Staatsgewalt geraten sind. Und dass darin die Traummaschinen eine dominierende Rolle spielen.

Diese Maschinen lassen abenteuerliche Träume erleben, neuerdings mit tödlichem Ausgang. Dafür macht man die Zeitspringer verantwortlich. Doch die Wahrheit ist viel fantastischer.

Die Maschinen übertragen nicht nur paradiesische Träume, sondern auch höllische Wirklichkeit. Sie schaffen eine reale Projektion und bringen die Zeitspringer in Todesgefahr.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach einem Motiv von Pixabay, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Prolog

Professor Hallstrom glückte das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten – also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Zeitpunkt reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Oliver Seaton wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er sprach eine Zahlenreihe. Mit fiebrigem Blick stierte er auf die Ziffern, die auf der Wand erschienen. Rasend schnell änderten sie sich. Die Transportkabine, in der Oliver Seaton stand, ruckte nicht einmal.

Er barg das Gesicht in den Händen und unterdrückte das Zittern, das seinen Körper erfasste.

Es wurde ernst, so ernst, dass er sich fürchtete. Bisher war alles gut gegangen. Und jetzt kam die Begegnung.

Die Ziffernreihe verharrte. Eine Öffnung tat sich auf. Die Frau war jung und attraktiv. Ein befreites Lächeln, als sie Oliver Seaton erkannte. Sie trat ein. Hinter ihr schloss sich die Öffnung.

„Grüß’ dich, am Abend und in der Nacht!“

Albern, dieser Code!, dachte Oliver Seaton. Aber er fühlte sich ganz ruhig und antwortete: „Und was ist mit dem Morgen?“

„Er wird vergehen wie der Abend!“

„Nicht vor dem Mittag!“

Der sich das ausgedacht hat, ist nicht ganz richtig im Kopf! Oliver Seaton war nahe daran, schallend zu lachen. Es war seine Art von Galgenhumor.

Ihr Lächeln erstarb. Der Blick, den sie Oliver gönnte, erschien fast mitleidig.

„Das Los fiel auf dich, Oliver!“

„Ich weiß!“, meinte er ungehalten. „Und jetzt?“

„Der Regierung der Vereinigten Staaten von Europa wurde ein Ultimatum gestellt stellvertretend für die Welt.“

„Ein Ultimatum?“

„Ja. Die Spitze vermutet eine Finte. Wahrscheinlich hat man von unserer Untergrundarbeit erfahren.“

„Was muss ich tun?“

„Der Sicherheitsbeauftragte heißt John Pearson.“

Oliver Seaton stand sekundenlang stocksteif.

Todeskommando!, schoss es ihm durch den Kopf.

Der Schädel schwirrte ihm. Kein Mörder hatte in dieser durchorganisierten Welt des Jahres 2470 eine Chance – nicht die geringste. Also würde er einen Doppelmord begehen müssen, um jegliche Rückschlüsse zu unterbinden: Sich selbst und den bewussten John Pearson!

„Warum ausgerechnet ich?“

Diesmal war ihr Lächeln unverbindlich. Die Kabine stoppte. Der weibliche Kurier stieg grußlos aus. Oliver hatte umsonst auf eine Antwort gewartet.

Er blickte noch auf die Öffnung, als diese sich längst geschlossen hatte. Die Kabine bewegte sich.

Der nächste Stopp. Oliver Seaton war am Ziel. Er musste aussteigen.

Der gähnende Schlund eines Stockwerktunnels nahm ihn auf. Dreißig Meter breit und fast endlos lang. Sieben Bänder führten in jede Richtung. Gedankenversunken trat Oliver Seaton auf das langsamste. Es herrschte reger Verkehr. Hauptverkehrszeit.

Nur noch ein Tag!, hämmerte es in ihm. Noch ein Tag! Was soll ich tun?

Er musste die Zeit überbrücken.

Sein Herz schlug wie rasend. Er griff sich an die Brust. Wieder ein Schweißausbruch.

Nein, es war wichtig, sich über diesen John Pearson zu informieren. Die Wahl war nicht umsonst auf ihn gefallen. Die Spitze klügelte alles haargenau aus.

Wenig später verließ er die Bandstraße. Er wühlte sich durch die Menschenmassen. Die Tür zu seiner Wohnung öffnete sich automatisch. Das Türauge hatte ihn erkannt und als berechtigt eingestuft.

Seinen schweißnassen Rücken lehnte er gegen das kühle Türblatt. Mit dem Schließen des Eingangs wurde die Geräuschkulisse der Bandstraßen nach draußen verbannt.

Wie oft hatte sich Oliver Seaton über den Hochhausbau geärgert. Während der sogenannten Stoßzeiten waren die Bandstraßen hoffnungslos überflutet. Über eine Million Menschen in einem einzigen Gebäude. Sie lebten, arbeiteten hier.

„Und sie sterben!“, fügte er hinzu.

Er stieß sich von der Tür ab und trat zum Psychoempfänger.

Ich muss abschalten, einfach nicht daran denken!, redete er sich ein.

Der bequeme Sessel des Empfängers nahm ihn auf. Er schloss die Kontakte an.

Egal, er wollte nur der Wirklichkeit entrissen werden.

Die Anlage tat ihm den Gefallen. Sie beeinflusste ihn, entführte sein Bewusstsein in einen Traum als Spiegel einer Wirklichkeit, die sich fernab abspielte.

John Pearson! Er sah ihn deutlich vor sich. Gerade ging der Sicherheitsbeauftragte der Vereinigten Staaten von Europa zu seinem Gleiter. Keine Spur von Wächtern. Bisher hatte Pearson die Öffentlichkeit gemieden. Jetzt musste er sie aufsuchen seit der jüngsten scharfen Angriffe der Opposition. Man warf ihm Unlauterkeit vor. Trotz seiner Beteuerungen und Beweise haftete ein Makel an ihm. Es war sein Problem, bei der Öffentlichkeit wieder Vertrauen zu gewinnen.

Etwas in Oliver Seaton begehrte auf. Er wusste, dass schließlich seine Verbündeten an Pearsons Misere Schuld hatten. Sie hatten es jedoch nicht geschafft, ihn völlig unmöglich zu machen. Langsam bekam Pearson wieder Oberwasser. Es war eine Frage der Zeit, bis er seinem Verdacht auf eine Untergrundorganisation Taten folgen ließ.

Das Motiv für Oliver Seatons Auftrag!

Die Psychosendung dominierte. Oliver Seaton lebte in einem gesteuerten Traum. Er hörte eine Stimme, glaubte, es handele sich um seine eigene, obwohl es die des Berichterstatters war. Die perfekte Unterhaltungsmaschinerie sendete Informationen.

„Wohin werden Sie sich begeben, Bürger Pearson?“

„Groß London!“

Der Sicherheitsbeauftragte wandte sich lächelnd um. Es war nicht nur das Lächeln, was ihn so sympathisch machte, und es war mehr als nur Masche, dass er sich freundlich gab. Es entsprach seiner Natur. Die Zuschauer ahnten es. Umso besser für ihn!

Es folgte ein tief schürfendes Gespräch über Pearsons zukünftige Unternehmungen. Er betonte, Leibwächter aus Prinzip abzulehnen. Er habe es nicht notwendig, sich hinter Waffenträgern zu verstecken.

Umso besser für Oliver Seaton!

Nach dem Interview kam eine kurze Wachpause. Jeder, der den Traum empfing, konnte sich mühelos aus ihm lösen.

Oliver Seaton tat es. Er benötigte keine Informationen mehr. Jetzt war ihm klar, warum das Los auf ihn gefallen war. John Pearson würde morgen ganz in der Nähe weilen. Die Aktion konnte starten.

2

Die Sache ließ ihm naturgemäß keine Ruhe, weshalb er sich wieder an die Traummaschine anschloss.

Gerade rechtzeitig zum Unterhaltungsbeginn.

Oliver Seaton stand auf einer weiten, blumenübersäten Lichtung. Alles erschien real und war doch nur Illusion.

Am Rande der Lichtung begann dichter Dschungel. Geräusche drangen auf ihn ein, Tiere des Amazonas. Leichter Wind strich über die Blumen hinweg, bewegte sie.

Plötzlich stiegen große Lettern aus dem Boden auf. Sie formierten sich zu einem Satz: BESTIEN DES AMAZONAS. Der Titel der Psychosendung. Eine Beeinflussungspause.

Oliver Seaton wurde klar, was er erlebte. Erste Möglichkeit, wieder auszusteigen. Doch der Traum interessierte ihn.

Untertitel: PANTHER JAGD.

Der übliche Hinweis: Diese Serie ist nichts für schwache Nerven. Sie schauen dem Tod ins Auge. Begegnen Sie ihm und siegen Sie. Die BESTIEN DES AMAZONAS sind gefährlich. Erlebende müssen körperlich gesund sein. Für seelische und körperliche Schäden als Folgen der Aufregung haftet die Sendeanstalt nicht. Achtung, zweitletzte Ausstiegsmöglichkeit!

Noch immer die blumenübersäte Wiese.

Neue Buchstaben, der Satz: Schockerlebnis als letzte Warnung!

Diese Sicherheitsvorkehrungen gingen den Leuten, die Erlebende genannt wurden, statt Zuschauer, auf die Nerven. Aber die Regierung hatte sie nach den ersten Massenherzinfarkten angeordnet. Mit gutem Grund.

Die Dschungelwand teilte sich. Raubkatzen kamen auf die Lichtung. Sie wurden von einem pechschwarzen Panther angeführt. Sie schwärmten fauchend und drohend aus, um Oliver Seaton zu umzingeln.

Er vergaß, dass Leoparden Einzelgänger und keine Rudeltiere waren. Es ging hier nicht um ökologische und zoologische Wirklichkeit, sondern um das Abenteuer.

Oliver Seaton war wie Tausende andere jetzt Großwildjäger.

Angst pochte in seiner Brust. Er riss die altmodische Flinte hoch. Mit ihr konnte man nur altmodische Bleigeschosse verfeuern. Strahlgewehre waren in den Träumen verpönt.

Die Raubkatzen preschten gedankenschnell heran. Sie würden ihn gleichzeitig erreichen und in Stücke reißen. Ihre Augen glühten, die Reißzähne funkelten.

Oliver Seaton visierte den Panther an. Er war der Anführer. Ihn musste er erledigen, um das Rudel kopflos zu machen.

Sorgfältig zielte er. Der Panther strich auf und ab und fauchte grässlich.

Fast waren die Leoparden heran.

Ein peitschender Schuss. Die Mündungsflamme stach aus dem langen Lauf. Das Bleigeschoss raste über die Lichtung.

Der Panther überschlug sich. Eine Tatze wischte knapp an Oliver Seatons Kopf vorbei. Im letzten Augenblick bückte er sich.

Der angreifende Leopard setzte nicht nach. Das Rudel spürte die Nähe des Todes und sorgte sich um seinen Führer.

Die Leoparden sprangen übereinander. Einer lief zu dem Panther hinüber, der inmitten eines herrlichen Blumenbeetes sein letztes Blut vergoss.

Und dann packte die Wut nach dem Rudel. Die Tiere griffen erneut an. Oliver Seaton hatte sich verrechnet.

Sie kamen von allen Seiten gleichzeitig.

Er warf sich herum und ballerte los.

Er hatte nur noch zwei Schüsse im Magazin, auf der Lichtung aber bewegten sich drei überlebende Leoparden.

Der eine erreichte Oliver Seaton und sprang.

Leicht wie eine Feder segelte die Großkatze durch die Luft, den Fang weit aufgerissen. Oliver Seaton schaute genau in den mörderischen Rachen, sah die zum tödlichen Schlag erhobenen Tatzen.

Aus dem Stand sprang er hoch. Er trat mit beiden Füßen gleichzeitig. Die schweren Stiefelabsätze bohrten sich in den Körper der Raubkatze. Gleichzeitig vollführte Seaton eine halbe Drehung, um aus dem Bereich der Tatzen zu kommen.

In der Luft krümmte sich das Tier, landete auf der Seite und fauchte gereizt.

Oliver Seaton kam auf allen vieren auf und verlor das Gewehr.

Die zweite Katze fegte herbei.

Im selben Moment griff jene an, die er getreten hatte.

Oliver Seaton machte einen Sprung zur Seite. Die beiden Leoparden kamen sich gegenseitig ins Gehege, waren von ihrem Opfer abgelenkt. Gelegenheit für Seaton, das Gewehr wieder an sich zu reißen.

Gerade rechtzeitig, denn die dritte Katze hatte sich von hinten angeschlichen.

Die Flinte krachte. Die Kugel traf genau in den auf gerissenen Rachen.

Oliver Seaton fuhr herum. Der Lauf der Flinte zeigte auf die beiden Leoparden, die sich in ihrer Erregung ineinander verbissen hatten. Jetzt ließen sie los.

Für das eine Tier war es zu spät. Oliver Seatons letzte Kugel traf es genau in den Hals.

Grund genug für den letzten Leoparden, sein Heil in der Flucht zu suchen.

Oliver Seaton ließ das Gewehr sinken. Sein Atem ging keuchend.

Lange dauerte es nicht, bis er sich soweit erholt hatte, um die Flinte neu laden zu können.

Erneut eine Schrift. Die Tierkadaver waren verschwunden, als hätten sie sich in Luft aufgelöst.

„Letzte Warnung! Sie haben Gelegenheit, auszusteigen!“

Oliver Seaton dachte an John Pearson und verzichtete auf das Erwachen. Er wollte die Geschichte kennenlernen und dabei die Wirklichkeit vergessen.

In der Tat waren Jagden jeder Art am beliebtesten. Der alte Instinkt des Menschen. Jahrhundertelang unterdrückt, wurde ihm hier ein Ersatz geboten.

Einst gab es Fernsehsüchtige. Heute waren es die Süchtigen der Traummaschinen. Perfekter war die Unterhaltung nie gewesen.

Oliver Seaton genoss den künstlichen Traum. Die Sache begann, ihm Spaß zu machen. Wahrscheinlich schalteten sich jetzt immer mehr Menschen in das laufende Programm. Sie hatten die Wahl zwischen zwanzig Sendungen. Nur wenige behandelten keine abenteuerlichen Themen. Sex war im Moment wenig gefragt. Eine neue puritanische Welle. Gewalt dominierte in der Publikumsgunst. Die Stimmen, die dagegen waren, kamen noch nicht richtig zur Geltung. Dafür mussten noch ein paar Jahre verstreichen.

Die Hauptverkehrszeit ging ihrem Ende zu. Man bekam Zeit, sich den Psychosendungen zu widmen.

Oliver Seaton schaute sich um. Er zog tief die würzige Luft in seine Lungen. Es war feucht und heiß. Der Schweiß brach ihm aus nicht von dem vorangegangenen Erlebnis. Es war nur eine Testszene gewesen. Viele Sendungen besaßen einen solchen Vorspann. Oliver Seaton fühlte sich davon völlig unbeeinträchtigt. Die Erlebenden stumpften mit der Zeit ab. Vielleicht deshalb die Eskalation der künstlich geträumten Gewaltszenen.

Die Sicherheitsfrist endete. Der Traum begann: PANTHER JAGD.

3

„Verrückte Welt!“, sagte Ben Crocker kopfschüttelnd.

Professor Hallstrom wies ihn zurecht: „Jede Zeit hat ihre Verrücktheiten!“

Ben Crocker, der hünenhafte Ingenieur der Zeitkugel-Mannschaft, schüttelte abermals den Kopf.

„Wem sagen Sie das, Professor? Sehen die denn nicht die Gefahren, die sie mit diesen Traummaschinen heraufbeschwören? Eines Tages sind die Leute nur noch am Träumen und arbeiten nicht mehr.“

Hallstrom winkte ab. Doch er kam zu keiner Antwort, denn Frank Jaeger war schneller.

„Es erinnert tatsächlich an die damaligen Fernsehsüchtigen. Meines Erachtens kein Problem auf Dauer, denn irgendwann tritt der Übersättigungseffekt ein. Nur eine Minderheit wird süchtig bleiben.“

„Dein Wort in das weite Ohr der Götter. Hoffentlich verliert es sich nicht darin.“

Er deutete auf das Reklameplakat, vor dem sie standen. Eine Traummaschine war darauf abgebildet. Im kurzen Text wurde das Wesen der Psychobeeinflussung erklärt.

„Ich will hoffen, dass das hier das einzig Ungewöhnliche in dieser Zeit ist“, meinte Hallstrom.

Frank schürzte die Lippen. „Hoffentlich nicht, sonst wird es langweilig.“

Ben dachte nach und knackte wie immer bei solcher Gelegenheit mit den Fingergelenken.

Hallstrom gönnte ihm einen flammenden Blick. Er fand das Knacken widerlich.

4

Der Panther lebte. Oliver Seaton wusste es. Mit beiden Händen packte er die Flinte.

„Nicht mehr lange, du Ungeheuer!“, murmelte er.

Langsam setzte er sich in Bewegung. Hinter sich hörte er ein Rascheln. Die eingeborenen Träger. Sie hatten die Ausrüstung auf dem Kopf und schwitzten unter der Last.

Der Sprecher der Gruppe trat vor. Die Stirn des Indios zeigte tiefe Kerben.

„Hast du Sorgen?“ fragte Oliver Seaton.

Der Sprecher nickte.

„Ja. Meine Leute werden unruhig.“

„Noch haben wir nicht das gesteckte Ziel erreicht. Ihr müsst mich weiterhin begleiten“, erinnerte ihn Oliver Seaton.

„Das ist mir bekannt. Aber es kann nicht mehr weit sein. Es liegt förmlich in der Luft.“

„So ein Unsinn!“

„Sie sollten nicht spotten, Seaton. Wir spüren, dass das Jagdrevier des schwarzen Panthers bald beginnt. Offenbar hat er alle anderen Raubkatzen getötet und sein Revier erweitert.“

„Das Einzige, was ihr spürt, ist erbärmliche Angst!“, konterte Oliver Seaton.

Er schulterte die Flinte und nahm das Buschmesser in die Rechte. Damit hieb er eine Lücke in das Dickicht. Sie hatten das Ende der großen Lichtung erreicht.

„Man sagt dem schwarzen Panther nach, dass er mit den bösen Gottheiten in Verbindung steht!“, gab der Indio zu bedenken.

Seaton unterdrückte das Lachen. Er blieb stehen und gab sich ernst.

„In Ordnung, legt ab! Ihr könnt auf der Lichtung bleiben. Ich habe das Funkgerät dabei. Sobald etwas ist, treten wir in Verbindung.“

Der Indio atmete sichtlich auf. „Es ist gut, dass Sie sich einsichtig zeigen, Seaton.“

„Ihr hättet mich doch wohl nicht im Stich gelassen?“, erkundigte sich der Großwildjäger misstrauisch.

Der Indio zuckte die Achseln.

„Ich will keine Garantie aussprechen. Sie glauben an diese Dinge nicht, finden sie eher lächerlich. Unser Volk denkt darüber anders. Es gibt zwischen Himmel und Erde ...“ Oliver Seaton winkte mit beiden Händen ab.

„Genug! Ich kenne solche Sprüche. Macht es euch bequem und wartet auf mich!“

„Sie wollen nicht eine Rast machen?“

„Dafür bin ich nicht da! Ich werde dieses Monstrum erledigen und die Kopfprämie kassieren. Mit dem Geld habe ich Zeit genug, auf der faulen Haut zu liegen. Der schwarze Panther soll nicht noch einmal Gelegenheit haben, sein Jagdrevier zu verlassen, um Jagd auf Menschen zu machen.“

Der Indio sagte nichts mehr. Er hielt es für sinnlos. Mit ausdruckslosen Augen schaute er Oliver Seaton nach, der sich abwandte und sich mit dem Buschmesser einen Weg bahnte.

Bald war er den Blicken des Indios entschwunden.

Oliver Seaton hörte hinter sich die Befehle des Indioführers. Eine lautstarke Debatte. Die Stimmen blieben hinter ihm zurück.

Das Dach aus Blättern und Zweigen dämpfte das Licht. Aber Oliver Seaton sah genug. Er schaute aufmerksam umher. Irgendwo lauerte der schwarze Panther. Das wusste er.

Immer weiter ging er. Von den eingeborenen Trägern war nichts mehr zu hören.

Ursprünglich hatte Oliver Seaton mit dem Gleiter zur Jagd gehen wollen. Ohne fand er es aber besser. Aus der Luft gingen einem zu viel Details verloren, und ein Bodenfahrzeug verursachte zu viel Krawall. Der schwarze Panther sollte nicht gewarnt werden.

Nein, Oliver Seaton wollte nicht denselben Fehler seiner Vorgänger machen.

Plötzlich stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase Aas.

Diesem Geruch ging er nach.

Und dann stand er vor den kärglichen Überresten eines gerissenen Wildes.

Zweifelsohne hatte sich der schwarze Panther vor einiger Zeit hier aufgehalten. Vorgestern oder gestern.

Oliver Seaton steckte das Buschmesser weg und ergriff die Flinte. Mit dem Daumen entsicherte er.

„Komm nur, ich warte auf dich!“, murmelte er, um sich Mut zu machen.

Seine Nerven waren aufgepeitscht. Langsam drehte er sich um die eigene Achse.

Und dann sah er ihn.

Der schwarze Panther verbarg sich im Schatten eines Urwaldriesen. Nur seine glühenden Augen verrieten ihn.

Oliver Seaton riss die Schusswaffe an die Schulter, sein Zeigefinger stach durch.

Aber wo sich der Panther eben noch befunden hatte, war der Platz plötzlich leer. Der Schuss fuhr in den Baum, ließ die Rinde splittern.

Ein Fauchen irgendwo im Dickicht. Es klang aggressiv, mordlustig. Oliver Seaton konnte nichts sehen.

Er behielt die Schusswaffe oben und den Finger am Abzug.

Wieder drehte er sich, seine Sinne aufs Äußerste angespannt.

Und da war der schwarze Panther wieder.

Hätte er die Hand ausgestreckt, wäre es ihm möglich gewesen, über das matt schimmernde Fell zu streicheln.

Oliver Seaton wollte schießen, doch besaß er plötzlich kein Gewehr mehr.

Die Katze fauchte triumphierend.

Oliver Seaton riss die Augen auf.

Die Umgebung verschwamm und machte der vertrauten Einrichtung des Wohnzimmers Platz. Doch nein, ein Ding war alles andere als vertraut: Oliver Seaton hatte aus seinem gesteuerten Traum einen Besucher mitgebracht!

Vor ihm kauerte der Panther! Mitten im Wohnzimmer!

Noch zögerte das Tier, als würde es seine überlegene Position auskosten.

Dann griff es an.

Abwehrend hob Oliver Seaton die Arme. Eine völlig sinnlose Geste.

5

Die drei Zeitspringer aus dem endenden zwanzigsten Jahrhundert hatten immerhin 472 Jahre übersprungen, um hierherzukommen. Kein Wunder, wenn sie neugierig waren.

Sie lösten sich vom Anblick der Reklame und gingen weiter.

Rechts und links der Bandstraßen befanden sich Fußgängerstreifen. Von hier aus wurden die Bänder betreten, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegten.