Schilddrüsenunterfunktion - Joachim Strienz - ebook

Schilddrüsenunterfunktion ebook

Joachim Strienz

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Opis

Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) leiden unter vielen Symptomen. Sie nehmen zu, ohne mehr zu essen, sind erschöpft und frieren leicht. Aber trotz massiver Beschwerden werden Patienten, deren TSH-Wert nicht über zehn liegt, nicht therapiert. Andere Parameter werden in der Regel nicht hinzugezogen und für die Betroffenen wird es immer schwieriger, den Tag zu überstehen. Dieser Ratgeber gibt umfassende und seriöse Informationen zum Thema, bietet Rat im Umgang mit Ärzten und hilft den Patienten, mit fundiertem Wissen um ihre Erkrankung wichtige Untersuchungen und Behandlungen einzufordern.

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Joachim Strienz:Schilddrüsenunterfunktion

Joachim Strienz

Schilddrüsenunterfunktion

Besser auf die Symptome achten!

Ein Ratgeber für Patienten

Titelbild:

Schilddrüsen-Puzzle. 2014, Acryl auf Papier. Künstlerin: Martha Ehrlich, Master of Fine Arts, Tyler School of Arts, Philadelphia, PA. Sie erhielt den Pollack-Krasner Foundation Award und den Förderpreis 2005 des VBKW Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg. Martha Ehrlich ist als freischaffende Künstlerin tätig.

Bilder im Innenteil:

Fotolia:S. 3 –Marcin Rokosz; S. 19 –auremar; S. 21 – Stephen Coburn; S. 22 – Yuri Arcurs; S. 24 – Serghei Velusceac; S. 29 – msfilm; S. 30 – Tyler Olson; S. 35 – Melanie Vollmert; S. 42 – red2000; S. 59 – endostock; S. 66 – RB-Pictures; S. 75 – Subbotina Anna; S. 77 – Marcito; S. 81 – Robert Kneschke; S. 83 – detailblick; S. 97 – Maygutyak; S. 107 – Alexander Rochau; S. 109 – Printemps; S. 117 – hakan çorbaci Pixelio:S. 78 – schemmi. Fotosearch: 87 – Creatas. iStock: 104 – Chris Hutchison

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Alle Rechte, insbesondere das Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert werden.

© 2014 by W. Zuckschwerdt Verlag GmbH, Industriestraße 1, D-82110 Germering/München.

ISBN Print 978-3-86371-119-1ISBN PDF: 978-3-86371-120-7ISBN EPUB: 978-3-86371-194-8

Vorwort

Die Patienten werden immer dicker und müder, sie frieren und haben zu nichts mehr Lust. Aber solange der TSH-Wert nicht über zehn liegt, brauchen sie keine Therapie. Das stand jedenfalls im Medizinteil einer überregionalen Tageszeitung. Der Rücken schmerzt und plötzlich werden viele Nahrungsmittel nicht mehr vertragen, aber eine Therapieentscheidung wird trotzdem nicht getroffen. Obwohl zunehmend massive gesundheitliche Probleme bestehen, schaut alles auf den TSH-Wert. Andere Laborparameter werden überhaupt nicht berücksichtigt und in die therapeutischen Überlegungen mit einbezogen. Immer neue Probleme kommen hinzu: Eisen-, Vitamin-B12- und Vitamin-D-Mangel. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, den Tag zu überstehen. Der Stresspegel steigt weiter. Mit weiteren Funktionsstörungen muss bald gerechnet werden. Die Stressachse wird herunterreguliert und die Nebennieren vom Regelkreis abgekoppelt. Und dann? Unterzuckerungen, Kollapszustände und weitere Hormonstörungen. Jetzt bestehen so viele Krankheitssymptome, dass nun auch die Psyche ins Spiel kommt. Depression! Somatisierungsstörung! Also Antidepressiva. Die werden von diesen Patienten meist schlecht vertragen und nach wenigen Tagen wieder abgesetzt. Jetzt ist der Fall wirklich verfahren. Keiner weiß mehr weiter! Der Patient ist verzweifelt. Aber auch der behandelnde Arzt ist ratlos.

Über 100 000 Neuerkrankungen pro Jahr an Hashimoto-Thyreoiditis in Deutschland mit fortschreitender Schilddrüsenunterfunktion werden gezählt. Soll hier wirklich die Therapie erst bei einem TSH von über 10 beginnen? Das kann nicht sein! Das ist medizinisch nicht vertretbar. Die Betroffenen können nichts dafür, dass durch den Einsatz von Jodsalz zur Bekämpfung des Jodmangels in unserem Land diese Erkrankung so stark angestiegen ist. Die Therapie muss viel früher beginnen. Und sie ist ja auch erfolgreich!

„Trend oder Volkskrankheit?“ lautete eine Überschrift eines Artikels in der Stuttgarter Zeitung. Zu oft werde die Diagnose „Hashimoto“ gestellt, zu oft würden Schilddrüsenhormone eingenommen. Der TSH-Wert müsse hoch und die Schilddrüse klein sein, sonst sollte nicht behandelt werden.

Aber es kommt noch schlimmer. Eine „Hormonspezialistin“ bezeichnet Hashimoto-Thyreoiditis als „erfundene Krankheit“, die Studienlage sei sehr dürftig. Durch die Behandlung dieser Patienten verschaffe sich der Arzt eine dauerhafte Klientel.

Ich glaube, die Situation für die Patienten ist jetzt sehr ernst geworden. Es wird wirklich höchste Zeit, dass etwas passiert! Der Grund für diese „Missverständnisse“ ist, was Professor Giovanni Maio beim Ärztetag 2013 in Hannover als die Ökonomisierung der Medizin bezeichnet hat. Er beschrieb den Wandel weg von einer individuellen Medizin für den in Not geratenen zum unverbindlichen Angebot von frei wählbaren Dienstleistungen. Abläufe in der Medizin werden nach Effizienzgesichtspunkten optimiert. Modularisierung und Standardisierung wie in der Industrie erlangen immer stärkere Bedeutung. Mit der Abschaffung der persönlichen Zuwendung verlieren die Symptome und die Beschwerden des Patienten immer mehr an Bedeutung. Messbares tritt in den Vordergrund. Der TSH-Wert wird so zum Maß aller Dinge.

An die Stelle einer personalen Beziehung zwischen einem Notleidenden und einem Helfer ist eine rein sachliche Vertrags-Beziehung getreten. An die Stelle einer Fürsorge-Beziehung ist eine zweckrationale Dienstleistungs-Beziehung getreten, bei der es um die Einhaltung bestimmter Standards geht.

Die Krise kommt nicht durch einen Mangel an Ressourcen zustande, sondern durch eine Grundhaltung, bei der der Patient nicht mehr im Mittelpunkt steht. Dem Patienten zuhören und besser auf seine Symptome achten, das ist entscheidend. Nur so werden wir weiter kommen.

Dieses Buch soll weiterhelfen. Die Symptome des Patienten müssen mehr beachtet werden. Erst dann kommen die technischen Untersuchungen und das Labor zum Zuge. Hormonspiegel sind sehr individuell. Jeder hat seinen eigenen Normbereich, den „Wohlfühlbereich“, innerhalb des Normbereichs, den das Labor vorgibt.

„Besser auf die Symptome achten“, so heißt der Untertitel. Wenn wir das machen, dann ist allen geholfen.

Ich bedanke mich sehr bei Frau Dr. Glöggler und beim Zuckschwerdt-Verlag für die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit.

Bei meiner Frau Jutta Stoerl Strienz bedanke ich mich für das Verständnis für meine Arbeit.

Inhalt

Vorwort

Einführung

Wie zeigt sich eine Schilddrüsenunterfunktion?

– Die Schilddrüse

– Aufbau der Schilddrüse

– Größe der Schilddrüse

– Transport der Schilddrüsenhormone

– Schilddrüsenunterfunktion

– Primäre und sekundäre Hypothyreose

Symptome der Schilddrüsenunterfunktion

Checkliste für die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion

Risikofaktoren für eine Schilddrüsenunterfunktion

– Familie

– Schilddrüsenprobleme in der Vorgeschichte

– Vorherige Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion

– Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)

– Autoimmunerkrankungen

– Schwere Infektionen wie Pfeiffer’sches Drüsenfieber

– Alter

– Weibliches Geschlecht

– Nikotin

– Schilddrüsenschädigende Medikamente

– Kohl, Soja und Co.

– Röntgenbestrahlungen

– Jod

Begleiterkrankungen einer Schilddrüsenunterfunktion

– Herz-Kreislauf-System

– Gastrointestinaltrakt

– Karpaltunnelsyndrom

– Polyzystische Ovarien

– Depression

Untersuchung der Schilddrüse

– Anamnese

– Untersuchung der Schilddrüsenregion

– Symptome einer Störung der Schilddrüsenfunktion

– Sonografie der Schilddrüse

– Schilddrüsenszintigrafie

– Punktion der Schilddrüse (Gewebeuntersuchung)

– Weitere bildgebende Verfahren

Laboruntersuchungen

– TSH-Test

– Stimulationstest mit Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH-Test)

– Freie Schilddrüsenhormone FT4 und FT3

– Schilddrüsenantikörper

– TRAK

– TPO-AK

– TAK

– Thyreoglobulin

– Molekulargenetische Untersuchungen

Alternative Untersuchungsmethoden

– Temperaturmessmethode nach Barnes

– Achillessehnenreflexzeit (ASR)

– Pulswellenerscheinungszeit (PEZ)

Die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion

– Wo liegt der optimale TSH-Wert?

– Welche Schilddrüsenpräparate gibt es?

– Wie schnell werden wir den Zielbereich erreichen?

– Wie oft müssen die Schilddrüsenwerte kontrolliert werden?

– Soll ich Kombinationspräparate verwenden?

– Sind Schweinehormone für mich geeignet?

– Welches Präparat ist geeignet und wie läuft die Therapie ab?

– Schilddrüsenhormone und andere Medikamente

Die Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion

Die Crux mit dem TSH-Wert

Den Arztbesuch gestalten

Low-T3- und Low-T4-Syndrom

Schilddrüsenhormone morgens oder zur Nacht einnehmen?

Schilddrüse und Osteoporose

Schilddrüsenunterfunktion und Schwangerschaft

– Vor der Schwangerschaft

– Während der Schwangerschaft

– Nach der Schwangerschaft

Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern und Jugendlichen

Schilddrüsenunterfunktion bei älteren Menschen

Schilddrüsenunterfunktion oder Depression?

Brauchen wir doch noch den TRH-Test?

– Wie wird der TRH-Test durchgeführt?

– Was stört den TRH-Test?

Gibt es das Denis-Wilson-Syndrom wirklich?

– Wie ist diese Konversionsstörung zu behandeln?

Alternative Behandlungsverfahren bei Schilddrüsenunterfunktion

Symptome und Risiken einer zeitweisen milden Schilddrüsenüberfunktion

Schilddrüsenunterfunktion, Fibromyalgie und Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)

Schilddrüse und Körpergewicht (Set-Point-Theorie)

–Was passiert noch durch die Schilddrüsenunterfunktion?

Schilddrüse und Jod

Kann man Thyroxinpräparate austauschen?

Schilddrüse und Nebennieren

– Wie unterscheiden sich Nebennierenunterfunktion und Schilddrüsenunterfunktion?

–Wie geht es weiter?

Schilddrüse und Vitamin D

Schilddrüse und Selen

Anhang

–Typische Laborkonstellationen (Übersicht)

–Bücher zum Thema

–Websites

Einführung

Millionen von Menschen leiden an einer Unterfunktion der Schilddrüse. Viele von ihnen wissen es nicht. Sie wachen am Morgen auf und sind bereits so erschöpft, dass sie sich fragen, wie sie den Tag überstehen sollen. Wie soll all die Arbeit getan werden? Im Beruf? In der Familie? Sie denken zuerst daran, dass es wohl am Alter liegen müsse, dass sie einfach zu wenig Schlaf haben oder dass sie zu wenig Sport treiben würden. An die Schilddrüse denken sie zunächst nicht. Irgendwann kommt dann doch der Rat, einmal nach der Schilddrüse sehen zu lassen. Überwiegend sind Frauen betroffen, denn auf etwa acht Frauen kommt ein Mann mit einer Unterfunktion der Schilddrüse. Ganz im Vordergrund steht also die Einschränkung der Lebensqualität.

Wenn Sie sich tatsächlich entschlossen haben, doch zum Arzt zu gehen und dort Ihre Beschwerden vorzutragen, dann kann es Ihnen passieren, dass dieser andere Ursachen in den Vordergrund stellt und Sie energisch darauf drängen müssen, dass auch die Schilddrüse untersucht wird. Sie leiden nicht an Depressionen, zu viel Stress oder an Altersbeschwerden. Nein, es geht Ihnen nicht gut und Sie haben den Verdacht, dass etwas an der Schilddrüse nicht stimmt.

Aber auch wenn die Schilddrüsenunterfunktion erkannt und daraufhin eine medikamentöse Therapie eingeleitet wurde, kann es sein, dass sich zunächst an Ihrem Befinden wenig ändert. Die Erschöpfung hat nur unwesentlich nachgelassen. Wenn der Arzt meint, Ihre Beschwerden hätten jetzt wirklich nichts mehr mit der Schilddrüse zu tun, dann verlassen Sie wahrscheinlich ratlos die Praxis und die Überlegungen beginnen von vorne. Erst in etwa einem Jahr sei die nächste Kontrolle sinnvoll. Ein Jahr warten! Nein, das halten Sie nicht durch. Auch der Haarausfall ist grässlich, die Gewichtszunahme, das ständige Frieren.

Sie haben auch keine Lust, den Cholesterinsenker einzunehmen, den der Arzt wegen des hohen Cholesterinspiegels angeordnet hat. „Ich bilde mir das doch nicht alles ein, oder?“, werden Sie sich fragen. Vielleicht sollten Sie doch mehr Sport treiben, dann hätten Sie das Gewicht sicher besser im Griff. Ein bisschen mehr Lebensqualität würden Sie sich schon wünschen.

In Ihrer Not nehmen Sie all Ihren Mut zusammen und fragen den Arzt, ob es nicht doch noch andere Maßnahmen gäbe, die Ihren Zustand verbessern könnten. Vielleicht alternative Behandlungsmethoden? Er lehnt ab. „Sie haben die beste und einzige Behandlungsmethode. Andere gibt es nicht. Ich will nicht, dass es zur Osteoporose kommt. Denken Sie an Ihr Herz!“ Mit dieser Antwort des Arztes haben Sie schon gerechnet.

Also doch alles ertragen? Oder weiter suchen?

In dieser Situation bleibt Ihnen nur, sich selbst weiter zu informieren. Nur, wenn Sie sich selbst mit dem medizinischen Sachverhalt auskennen, haben Sie die Chance, Hilfe zu bekommen. Dieses Buch ist der erste Schritt dazu. Das Buch soll Ihnen den medizinischen Sachverhalt näherbringen. Nur so sind Sie in der Lage, doch noch einen Therapeuten zu finden, der die Schilddrüsenunterfunktion beseitigen kann.

Bitte therapieren Sie sich nicht selbst! Auch wenn Sie sich irgendwann gut mit der Materie auskennen, sollten Sie doch partnerschaftlich mit Ihrem Therapeuten die Untersuchungen und die Therapie festlegen. Als Betroffener fehlt Ihnen nämlich der Blick für rationale Entscheidungen.

Wie zeigt sich eine Schilddrüsenunterfunktion?

Eine Unterfunktion können Sie an typischen Symptomen erkennen. Wir werden sie später genauer besprechen. Die meisten Menschen kennen die Schilddrüse, wissen jedoch nicht viel über sie. Sie wissen, dass sich die Schilddrüse am Hals befindet. Viele verbinden eine Vergrößerung der Schilddrüse mit einer Kropfbildung. In Wirklichkeit ist die Schilddrüse jedoch ein lebensnotwendiges Organ. Ohne sie ist kein Leben möglich. Ihre Hormone steuern wichtige Körperfunktionen.

Die Schilddrüse

Die Schilddrüse hat die Form eines Schmetterlings. Sie liegt an der Vorderseite des Halses, direkt vor der Luftröhre. Der obere Rand grenzt an den Kehlkopf. Die medizinische Bezeichnung lautet „Glandula thyreoidea“. Die beiden „Flügel“ des Schmetterlings werden als Lappen der Schilddrüse bezeichnet, die Verbindung zwischen dem rechten und linken Lappen heißt Isthmus.

Jeweils an den oberen und unteren Polen beider Schilddrüsenlappen befinden sich die Nebenschilddrüsen. Sie haben richtig gezählt, es sind vier Stück. Es sind kleine linsengroße Gebilde, die für den Kalziumstoffwechsel verantwortlich sind. Sie liegen außerhalb der Kapsel aus Bindegewebe. Seitlich grenzen rechts und links die Halsschlagader (Arteria carotis) und die Halsvene (Vena jugularis) an die Schilddrüse. Der Nervus laryngeus recurrens befindet sich seitlich hinter der Schilddrüse – er ist für die Beweglichkeit der Stimmbänder verantwortlich. Er darf bei einer Schilddrüsenoperation nicht verletzt werden, sonst sind die Stimmbildung und die Atmung behindert.

Aufbau der Schilddrüse

Eine Drüse, lateinisch Glandula, ist ein Organ, das mehrere besondere Substanzen bildet und diese als Sekret entweder nach außen oder als Hormon in die Blutbahn abgibt. Dieser letztere Vorgang wird auch als innere Sekretion bezeichnet. Die Schilddrüse ist eine solche Drüse. Die Hauptaufgabe der Schilddrüse ist die Bildung zweier Hormone. Sie heißen Thyroxin und Trijodthyronin.

Die Zellen der Schilddrüse sind die einzigen im Körper, die Jod aus dem Blut aufnehmen können, das Jod stammt normalerweise aus der Nahrung. Deshalb enthalten die Schilddrüsenhormone Jod. Thyroxin enthält vier Jodatome pro Molekül und wird mit T4 abgekürzt. Trijodthyronin hat drei Jodatome und heißt T3. Der andere Hauptbestandteil ist die Aminosäure Tyrosin, die ebenfalls mit der Nahrung aufgenommen wird. Beim Menschen beträgt normalerweise das Verhältnis von T4 zu T3 etwa 10 : 1, bei anderen Lebewesen kann das T3 in höherer Konzentration vorliegen. Beim Schwein z. B. beträgt das Verhältnis T4 zu T3 etwa 4 : 1. T3 ist das aktive Schilddrüsenhormon. T4 wird manchmal als Vorstufe oder als Speicherhormon bezeichnet.

Wenn die Schilddrüse normal funktioniert, erzeugt sie eine für alle Körperfunktionen ausreichende Menge der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Sie wird dabei vom Steuerungssystem der Hirnanhangsdrüse, medizinisch als Hypophyse bezeichnet, kontrolliert. Die Hypophyse ihrerseits erhält Impulse vom Hypothalamus. Dieses Steuerungssystem sammelt alle Informationen, z. B. über die Körpertemperatur oder die Stressbelastung, wie ein großer Computer und gibt dann die Informationen an die Hypophyse weiter.

Dieses System funktioniert nach dem Gesetz der negativen Rückkoppelung. Wie bei einem Thermostat, der dafür sorgt, dass bei einem Abfall der Zimmertemperatur die Heizung anspringt, so wird bei der Schilddrüse nach einem Abfall der Schilddrüsenhormone das TSH verstärkt aus der Hypophyse ausgeschüttet. Damit wird die Schilddrüse aufgefordert, mehr von den Schilddrüsenhormonen zu bilden. Dieser Regelkreis kann allerdings durch zahlreiche Faktoren gestört werden und es ist für den Therapeuten wichtig, diese zu kennen.

TSH heißt Thyroidea (Schilddrüse) stimulierendes Hormon. Die Substanz aus dem Hypothalamus heißt TRH und bedeutet Thyreotropin(gemeint ist TSH)-Releasing-Hormon.

Auf der folgenden Übersicht werden die Zusammenhänge noch einmal verdeutlicht:

Größe der Schilddrüse

Die Größe der Schilddrüse, also ihr Volumen, kann leicht mithilfe der Sonografie bestimmt werden. Das Volumen ist abhängig von der Körpergröße, dem Alter und dem Geschlecht des Menschen. Das Volumen in ml entspricht dem Gewicht in Gramm. Wenn die Schilddrüse zu groß ist, spricht man von einer Struma. Die operative Entfernung der Schilddrüse wird Strumektomie genannt. Richtwerte für Frauen sind 12 bis 18 ml und für Männer 15 bis 25 ml.

Transport der Schilddrüsenhormone

Thyroxin und Trijodthyronin sind im Serum zu über 99 % an Transporteiweiße gebunden. Nur 0,03 % des Thyroxins und 0,3 % des Trijodthyronins liegen in freier Form vor. Die wichtigsten Transporteiweiße für die Schilddrüsenhormone sind das Thyroxin bindende Globulin (TBG) und das Albumin. Da T4 stärker an die Transporteiweiße gebunden ist als T3, unterscheiden sich beide in der biologischen Halbwertszeit. Sie beträgt beim T4 etwa eine Woche, beim T3 nur einen Tag.

Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) werden die Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen unterversorgt. Der Stoffwechsel funktioniert so nur noch eingeschränkt, eine Mangelversorgung tritt ein. Je nachdem wie groß das Ausmaß des Hormonmangels ist, zeigt sich ein breites Krankheitsspektrum. Es reicht von der latenten oder subklinischen Hypothyreose, bei der der TSH-Wert bereits leicht erhöht ist, die Schilddrüsenhormone aber noch im Normbereich liegen, bis zur manifesten Hypothyreose, bei der auch die Konzentration der freien Hormone abfällt. Das sehr seltene hypothyreote Koma, eine Bewusstlosigkeit durch das Fehlen der Schilddrüsenhormone, stellt den Extremfall dar.

Frauen sind achtmal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung tritt mit steigendem Lebensalter häufiger auf. Etwa 5 % der Bevölkerung leiden an einer manifesten und 10 % an einer latenten Schilddrüsenunterfunktion.

Primäre und sekundäre Hypothyreose

Unterschieden wird zwischen einer primären und einer sekundären Hypothyreose. Bei der primären Hypothyreose ist die Hormonproduktion der Schilddrüse unzureichend. Die sekundäre Hypothyreose entsteht durch eine fehlende Stimulation der Schilddrüse durch die Hypophyse. Theoretisch gibt es auch eine tertiäre Hypothyreose durch eine fehlende TRH-Produktion im Hypothalamus. Doch diese Form wird in Wirklichkeit nie diagnostiziert. Die meisten Hypothyreosen sind nicht reversibel, verschwinden also nicht von alleine.

Die häufigsten Ursachen beim Erwachsenen sind Schilddrüsenentzündungen, insbesondere die chronische Autoimmunthyreoiditis vom Typ Basedow oder Hashimoto oder sind Folgen „therapeutischer Maßnahmen“ wie einer Radiojodtherapie oder einer Schilddrüsenoperation. Die sekundäre Hypothyreose tritt im Rahmen einer Hypophysenstörung auf, bei der auch andere Hormone, wie z. B. die Geschlechtshormone, fehlen können. Auch Medikamente wie Thyreostatika, Jod, Röntgenkontrastmittel, Lithium oder Amiodaron können eine Hypothyreose herbeiführen.