Peter und Alexej - Dmitri Mereschkowski - ebook

Peter und Alexej ebook

Dmitri Mereschkowski

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Opis

Der dritte Band der Trilogie "Christ und Antichrist" spielt in Russland zur Zeit Peters des Großen. Dieser wird beim Volk ob seiner immer stärker werden Versuche der Europäisierung immer unbeliebter und schließlich sogar für den Antichrist gehalten.

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Peter und Alexej

Dmitri Mereschkowski

Inhalt:

Dmitri Sergejewitsch Mereschkowski – Biografie und Bibliografie

Peter und Alexej

Erstes Buch - Die Venus von Petersburg

I.

II.

III.

Zweites Buch - Der Antichrist.

I.

II.

III.

IV.

Drittes Buch - Das Tagebuch des Zarewitsch Alexej.

I.

II.

III.

Viertes Buch - Die Überschwemmung.

I.

II.

III.

IV.

Fünftes Buch - Greuel der Verwüstung

I.

II.

III.

IV.

V.

Sechstes Buch - Der Zarewitsch auf der Flucht.

I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

Siebentes Buch - Peter der Große.

I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

VIII.

Achtes Buch - Der Werwolf.

I.

II.

III.

IV.

III.

IV.

V.

Neuntes Buch –Der rote Tod.

I.

II.

III.

IV.

V.

Zehntes Buch - Vater und Lohn.

I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

VIII.

IX.

X.

I.

II.

III.

Peter und Alexej, Dmitri Mereschkowski

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849631598

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Dmitri Sergejewitsch Mereschkowski – Biografie und Bibliografie

Russischer Schriftsteller, geboren am 2. August (jul.) / 14. August 1865 (greg.) in Sankt Petersburg, verstorben am 9. Dezember 1941 in Paris. Mereschkowski, dessen Vater Hofbeamter aus ukrainischem Adel war, studierte von 1884 bis 1889 in seiner Geburtsstadt Sankt Petersburg Geschichte. Er ist ein Bruder des Biologen Konstantin Sergejewitsch Mereschkowski. 1888 erschien sein erster Lyrikband, 1889 heiratete er die Poetin Sinaida Nikolaewna Hippius (Gippius). Die Eheleute unterhielten seit 1901 in St. Petersburg und in der Emigration seit 1920 in Paris („Grüne Lampe“) einen theologisch geprägten Literatursalon. Sie gelten als geistige Wegbereiter des Russischen Symbolismus. Ihr Salon galt als ein Einfluss nehmendes Zentrum christlich-religiös völkischer Intellektueller. Bekannt wurde Mereschkowski durch eine Reihe historischer Romane und Novellen. Sein Roman Leonardo da Vinci (1901), der mittlere Teil der Trilogie Christ und Antichrist), der unmittelbar nach Erscheinen der russischen Ausgabe vielfach übersetzt wurde, erreichte weltweit, auch in Deutschland, enorm hohe Auflagen und befand sich in verschiedenen Übersetzungen im Programm renommierter Taschenbuchverlage wie Knaur oder Piper. Mereschkowski findet Erwähnung in den Tagebüchern Georg Heyms, der Leonardo da Vinci schätzte. Auch der 1896 erschienene erste Teil von Christ und Antichrist mit dem Titel Julian Apostata war zeitweise in Deutschland sehr bekannt und wurde in der Übersetzung von Alexander Eliasberg vom Deutschen Bücherbund ediert. Der dritte Band der Trilogie, Peter und Alexej erschien 1905. Im November 1919 emigrierte das Ehepaar Mereschkowski im Zuge der Oktoberrevolution nach Warschau und reiste im Oktober 1920 weiter nach Paris. Mereschkowski war für den Literatur-Nobelpreis nominiert, aber seine Unterstützung für Adolf Hitler soll einer Verleihung nicht zuträglich gewesen sein. Generell ist es zurzeit nicht möglich, Mereschkowkis Verhältnis zum Faschismus genau zu umreißen. In Hanns Martins Elsters Vorwort zu Julian Apostata (Düsseldorf 1951) heißt es, er habe zeitweilig auf Mussolini als Staatstheoretiker gehofft, „ohne dem Faschismus trauen zu können“. Von den Deutschen hat sich Mereschkowski laut Elster ferngehalten. Erst seit 1987 wird Mereschkowskis Werk wieder in Russland veröffentlicht und aufgeführt.

Wichtige Werke:

Der Anmarsch des Pöbels. Übersetzt von Harald Hoerschelmann, München und Leipzig 1907Der vierzehnte Dezember. Übersetzt von Alexander Eliasberg, Roman  1921Die Geheimnisse des Ostens. Übersetzt von Alexander Eliasberg, Berlin 1924Die Geheimnisse des Westens. Übersetzt von Arthur Luther, Leipzig-ZürichDer Messias. Übersetzt von Johannes v. Guenter, Leipzig-Zürich 1927Julian Apostata. Übersetzt von Alexander Eliasberg, DüsseldorfLeonardo da Vinci. Verschiedene deutsche Übersetzungen und EditionenPeter und Alexej. Übersetzt von Alexander Eliasberg, MünchenNapoleon. Übersetzt von Arthur Luther, München-ZürichGogol. Übersetzt von Alexander Eliasberg, München-LeipzigTod und Auferstehung. Übersetzt von Arthur Luther, LeipzigFranz von Assisi. Übersetzt von Elisabeth Kaerrig, München

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Im Gesamten ist dieser Text verfügbar unter http://de.wikipedia.org/wiki/Dmitri_Sergejewitsch_Mereschkowski.

Peter und Alexej

Erstes Buch - Die Venus von Petersburg

I.

"Der Antichrist will kommen. Er selbst, der letzte Teufel, ist noch nicht erschienen, aber die ganze Welt ist voll von seiner Brut. Die Kinder bahnen ihrem Vater den Weg. Sie bereiten alles zu seinem Empfang vor. Und wenn sie alles vorbereitet und alle Winkel sauber gekehrt haben, so wird er zu seiner Zeit erscheinen. Er steht schon vor der Schwelle, – bald wird er da sein!"

Dies sagte ein alter Mann von etwa fünfzig Jahren in einem zerlumpten Schreiberkaftan zu einem jungen Mann, der in einem Nankingschlafrock und Pantoffeln an den bloßen Füßen an einem Tische saß.

"Woher wißt ihr dies alles?" sagte der junge Mann. "Es steht doch geschrieben: Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch der Sohn nicht. Und ihr wißt es ..."

Er schwieg eine Weile, gähnte und fragte:

"Bist du ein Raskolnik?"

"Nein, ein Rechtgläubiger."

"Wozu bist du nach Petersburg gekommen?"

"Ich bin aus Moskau, aus meinem Häuschen mit allen Einnahme- und Ausgabebüchern geholt worden, auf die Anzeige eines Fiskals, der mich der Annahme von Bestechungen beschuldigt."

"Hast du welche angenommen?"

"Ja. Doch nicht mit Gewalt und auch nicht aus Dieberei: ich habe nur das angenommen, was mir ein jeder aus Liebe und nach Ehr und Gewissen für meine Bemühung auf der Kanzlei gab."

Er sagte das ganz einfach, und es war klar, daß er die Annahme von Bestechungen für keine Sünde hielt.

"Um mich meiner Schuld zu überführen, konnte der Fiskal nichts vorbringen; aber aus den Zetteln der Bauunternehmer, die mir im Laufe der Jahre kleine Geschenke gemacht hatten, rechnete man mir an solchen Gaben im ganzen 215 Rubel nach, und ich habe nichts, um dieses Geld zurückzuzahlen. Ich bin arm, alt, dürftig, gebrechlich, krank und elend und kann mein Amt nicht länger versehen; ich bitte untertänigst um meinen Abschied. Eure allergnädigste Hoheit, wende mir deine Barmherzigkeit und Gnade zu, schütze den schutzlosen Greis, daß ihm diese ungerechte Zahlung erlassen werde. Erbarme dich meiner, Zarewitsch Alexej Petrowitsch!"

Der Zarewitsch Alexej hatte diesen Greis vor einigen Monaten in Petersburg, in der Kirche des heiligen Simeon und der Prophetin Hanna, die in der Nähe des Fontanka-Flusses und des Scheremetjewschen Palais in der Litejnajastraße gelegen ist, kennengelernt. Der Mann war ihm durch seinen für einen Beamten ungewöhnlichen, seit langer Zeit nicht geschorenen grauen Bart und durch den Eifer, mit dem er die Psalmen las, aufgefallen; er fragte ihn, woher er sei, wie er heiße und welches Amt er bekleide. Der Alte nannte sich Larion Dokukin, Schreiber an der Moskauer Artilleriekanzlei; er sagte, daß er aus Moskau gekommen und im Hause der Hostienbäckerin an der Simeonskirche wohne; er hatte seine Armut und die Anzeige des Fiskals erwähnt und war gleich bei den ersten Worten auch auf den Antichrist zu sprechen gekommen. Der Alte machte auf den Zarewitsch einen recht unglücklichen Eindruck. Er befahl ihm, zu ihm ins Haus zu kommen, da er ihm mit Rat und Geld beistehen wolle.

Nun stand dieser Dokukin in seinem zerlumpten Kaftan, einem Bettler gleich, vor ihm. Er war ein ganz gewöhnlicher Schreiber, einer von denen, die man Tintenseelen und Federfuchser zu nennen pflegt. Sein Gesicht war von harten, gleichsam versteinerten Furchen durchzogen; die kleinen trüben Augen blickten hart und kalt, das graue Gesicht mit den harten grauen Bartstoppeln war ebenso langweilig wie die Papiere, die er abzuschreiben hatte; und dieser Mensch, der wohl an die dreißig Jahre über den Papieren in seiner Kanzlei geschwitzt, von den Bauunternehmern kleine Gaben "aus Liebe und nach Ehre und Gewissen" angenommen und vielleicht auch manche Ränke geschmiedet hatte, war nun bei der Überzeugung angelangt: Der Antichrist will kommen.

"Ist er vielleicht doch ein Gauner?" fragte sich der Zarewitsch zweifelnd, indem er ihn genauer betrachtete. Das Gesicht des Alten drückte aber nichts Gaunerhaftes oder Listiges aus; es war eher einfältig und zugleich mürrisch und eigensinnig wie das Gesicht eines Menschen, der von einem einzigen festeingewurzelten Gedanken besessen ist.

"Ich bin auch noch in einer anderen Angelegenheit aus Moskau hergekommen," fügte der Alte etwas verlegen hinzu. Der fest eingewurzelte Gedanke kam langsam, mit sichtlicher Mühe in seinen harten Zügen zum Ausdruck. Er schlug die Augen nieder, suchte im Busen seines Kaftans, zog einen Pack Papiere heraus, die durch ein Loch in der Tasche unter das Futter gerutscht waren, und reichte sie dem Zarewitsch.

Es waren zwei dünne fettige Hefte in Quartformat, die mit großer und deutlicher Kanzleischrift vollgeschrieben waren.

Alexej las sie zuerst zerstreut, dann aber mit immer wachsendem Interesse.

Anfangs kamen Texte aus den Kirchenvätern, den Propheten und der Apokalypse über den Antichrist und das Weltende. Dann folgte ein Aufruf "An die Erzbischöfe des großen Rußlands und der ganzen Welt" mit der Bitte, ihm seine Freiheit und Frechheit zu verzeihen, daß er ohne ihre väterliche Erlaubnis diese Dinge aus großem Gram und Trauer, vom Eifer für die Kirche beseelt, geschrieben habe; ferner flehte er sie an, für ihn ein Wort beim Zaren einzulegen, daß er ihn in Gnaden anhöre.

Nun kam etwas, was wohl der Hauptgedanke Dokukins war:

"Gott gebot dem Menschen, daß er frei sei."

Den Schluß bildete eine Anklage gegen den Kaiser Peter Alexejewitsch.

"Nun werden wir aber alle von jenem göttlichen Geschenk – dem unabhängigen und freien Leben abgeschnitten, sowie auch von unseren Häusern und Geschäften, dem Ackerbau und Handwerk und allen unseren früheren Gewerben und seit alten Zeiten bestehenden Gesetzen, vor allen Dingen aber jeder christlichen Frömmigkeit beraubt. Wir werden von Haus zu Haus, von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt gejagt und immer verspottet und beleidigt. Man hat unsere Sitten und Sprache und auch unsere Kleidung geändert, uns Kopf und Bart geschoren und unsere ganze Erscheinung entehrt. Es ist keine Gottesfurcht mehr in uns, unser Aussehen unterscheidet sich nicht mehr von dem der Andersgläubigen: wir haben uns gänzlich mit ihnen vermengt, haben uns ihre Sitten angewöhnt, unsere eigenen christlichen Gelübde aber umgestoßen und die heilige Kirche verwüstet, wir haben unsere Blicke vom Osten abgewendet und unsere Schritte gen Westen gerichtet; wir wandeln seltsame und unbekannte Wege und gehen im Lande des Vergessens zugrunde, wir haben für die Fremden einen festen Grund errichtet und mästen sie mit allem Guten, unsere leiblichen Kinder aber haben wir verhungern lassen; wir haben sie bei Gericht gefoltert und durch erdrückende Steuern zugrunde gerichtet. Mehr zu sagen ist nicht klug, klüger ist, seine Zunge im Zaum zu halten. Doch das Herz vergeht vor Leid, wenn es die Verwüstung des Neuen Jerusalems und die unerträglichen Martern des armen Volkes sieht!"

"So handelt man an uns," hieß es zum Schluß, "im Namen unseres Herrn und Heilands Jesu Christi. Oh ihr geheimen Märtyrer, erschreckt nicht und verzweifelt nicht, seid stark und wappnet euch mit der Waffe des Kreuzes gegen die Gewalt des Antichrist! Duldet um des Herrn willen, duldet noch eine Zeitlang! Christus wird uns nicht verlassen, ihm sei die Ehre jetzt und in alle Ewigkeit. Amen."

"Wozu hast du dies geschrieben?" fragte der Zarewitsch, als er beide Hefte durchgelesen hatte.

"Einen Brief mit dem gleichen Inhalte habe ich kürzlich vor dem Portal der Simeonskirche niedergelegt," erwiderte Dokukin. "Sie fanden den Brief und verbrannten ihn, dem Kaiser meldeten sie aber nichts und stellten auch keine Untersuchung an. Nun will ich dieses Gebet an der Dreifaltigkeitskirche neben dem Kaiserpalast anschlagen, damit alle, die es lesen, alles erfahren und es Seiner Zarischen Majestät melden. Geschrieben habe ich es aber zwecks Bekehrung, damit seine Zarische Majestät sich bekehre und bessere."

"Ein Gauner!" ging es Alexej wieder durch den Kopf. "Vielleicht auch ein Spion! Was mußte ich mich auch mit ihm einlassen?"

"Weißt du, Larion," sagte er, ihm gerade in die Augen blickend, "weißt du, daß es meine Bürger- und Sohnespflicht ist, von diesem deinem aufrührerischen und empörenden schreiben meinem Herrn Vater Meldung zu erstatten? Im zwanzigsten Artikel des Militärstatuts heißt es aber: wer sich an seiner Majestät durch Schimpfreden versündigt, wird mit Enthauptung bestraft."

"Tu deinen willen, Zarewitsch. Ich habe auch selbst daran gedacht, mit diesen Dingen zu kommen, um für das Wort Christi den Märtyrertod zu empfangen."

Er sagte dies ebenso einfach, wie er vorhin von den Bestechungen gesprochen hatte. Der Zarewitsch faßte ihn schärfer ins Auge. Vor ihm stand noch immer der gewöhnliche Schreiber, der Federfuchser mit dem kalten und trüben Blick und dem langweiligen Gesicht. Nur in der Tiefe seiner Augen regte sich wieder etwas, langsam und angestrengt.

"Bist du bei Sinnen, Alter? Bedenke doch, was du tust. Du kommst in die Garnisonsfolterkammer, dort wird man nicht mit dir spaßen: man wird dich an einer Rippe aufhängen und vielleicht auch noch räuchern, wie man es mit eurem Grischka Talitzkij gemacht hat."

Talitzkij war einer der Verkünder des Weltenendes und der Wiederkunft Christi; für die Behauptung, der Zar Peter Alexejewitsch sei der Antichrist, mußte er einen schrecklichen Tod erdulden: er wurde vor einigen Jahren auf kleinem Feuer langsam zu Tode geröstet.

"Ich bin mit Gottes Hilfe bereit, mein Leben zu opfern," entgegnete der Alte. "Sterbe ich nicht heute, so werde ich doch einmal sterben müssen. Man muß etwas Gutes tun, damit man etwas hat, womit man vor den Herrn treten kann; sterben muß aber ein jeder."

Er sagte auch das ebenso einfach wie alles andere; in seinem ruhigen Gesicht und in seiner leisen Stimme lag aber etwas, was die Überzeugung einflößte, daß dieser verabschiedete Artillerieschreiber, den man der Bestechlichkeit beschuldigte, tatsächlich bereit sei, in den Tod zu gehen, wie jene heimlichen Märtyrer, von denen er in seinem Gebete sprach.

"Nein," sagte sich plötzlich der Zarewitsch, "er ist kein Gauner und kein Spion, sondern entweder ein Besessener oder wirklich ein Märtyrer!"

Der Alte senkte den Kopf auf die Brust und fügte noch leiser, wie für sich selbst, hinzu, gleich als ob er den Zarewitsch vergessen hätte:

"Gott gebot dem Menschen, daß er frei sei."

Alexej stand schweigend auf, riß ein Blatt aus einem der Hefte heraus, zündete es an der in der Ecke vor den Heiligenbildern brennenden ewigen Lampe an, öffnete das Zugloch und die Türe des Ofens, steckte die Papiere hinein, mischte alles mit dem Schürhaken durch und wartete, bis es zu Asche verbrannt war. Dann ging er auf Dokukin, der sich währenddessen nicht gerührt und ihn nur mit den Blicken verfolgt hatte, zu, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte:

"Höre, Alter. Ich werde dich nicht anzeigen. Ich sehe, daß du ein aufrechter Mann bist. Ich vertraue dir. Sag: willst du mir Gutes?"

Dokukin antwortete nicht, sah ihn aber mit solchen Augen an, daß jede Antwort überflüssig war.

"Und wenn du mir Gutes willst, so schlage dir diesen Unsinn aus dem Kopf! Unterstehe dich nicht, an deine aufwieglerischen Briefe auch nur zu denken: jetzt ist nicht die Zeit dazu, wenn du damit erwischt wirst und es herauskommt, daß du bei mir warst, so wird es auch mir schlecht ergehen. Geh mit Gott und komme nie wieder, sprich mit niemand von mir. Wenn man dich fragt, so schweige. Reise sofort aus Petersburg ab. Paß auf, Larion, wirst du meinen Willen tun?"

"Wie könnte ich etwas gegen deinen Willen tun?" versetzte Dokukin. "Gott sei mein Zeuge, daß ich bis an den Tod dein getreuer Diener bin."

"Und wegen der Anzeige des Fiskals brauchst du dir keine Sorgen zu machen," fuhr Alexej fort. "Ich werde für dich, wenn es nötig ist, ein Wort einlegen. Kannst ganz ruhig sein, dir wird jede Zahlung erlassen werden. Jetzt geh ... oder nein, warte, gib mir dein Tuch."

Dokukin reichte ihm sein großes blaukariertes verschossenes und durchlöchertes Taschentuch, das ebenso armselig aussah wie sein Besitzer. Der Zarewitsch zog die Schublade eines kleinen Nußbaumpultes heraus, das neben seinem Tische stand, nahm ohne zu zählen etwa zwanzig Rubel in Silber und Kupfer heraus – ein Vermögen für den bettelarmen Dokukin –, wickelte das Geld in das Tuch und reichte es ihm mit freundlichem Lächeln.

"Nimm das für die Reise, wenn du wieder in Moskau bist, bestelle in der Erzengel-Kathedrale eine Messe für das Wohlergehen des Knechtes Gottes Alexej. Sage aber ja nicht, daß es für den Zarewitsch ist."

Der Alte nahm das Geld, dankte aber nicht und ging auch nicht fort. Er stand noch immer mit gesenktem Kopfe da. Endlich hob er die Augen und begann feierlich eine Rede, die er sich offenbar vorher zurechtgelegt hatte:

"Wie der Herr einst den Durst Simsons aus der Eselskinnbacke löschte, so wird vielleicht derselbe Herr auch heute aus meiner Unvernunft für dich etwas Nützliches und Heilsames erstehen lassen ..."

Plötzlich hielt er es nicht mehr aus und blieb in seiner feierlichen Ansprache stecken; seine Stimme versagte, die Lippen zitterten, er bebte am ganzen Leibe und fiel dem Zarewitsch zu Füßen:

"Erbarme dich, Väterchen! Erhöre uns, deine armen, klagenden, letzten Knechte! Nimm dich des christlichen Glaubens an, richte ihn wieder auf und beschütze ihn, schenke der Kirche Frieden und Eintracht. Herr, Zarewitsch, leuchtendes Kind der Kirche, unsere Sonne und die Hoffnung Rußlands! Die ganze Welt will durch dich erleuchtet werden! Deiner freuen sich die zerstreuten Kinder Gottes! wenn nicht du mit Hilfe des Herrn, wer soll uns helfen? Ohne dich sind wir alle verloren, vielgeliebter! Erbarme dich!"

Er umarmte und küßte schluchzend seine Knie. Der Zarewitsch hörte ihm zu, und es war ihm, als hörte er in diesem verzweifelten Flehen das Flehen aller Zugrundegehenden, aller Beleidigten und Gekränkten, den Schrei des ganzen Volkes um Hilfe.

"Genug, genug, Alter," sagte er, sich über ihn beugend, um ihm auf die Beine zu helfen, "Weiß ich es denn nicht? Sehe ich es nicht? Tut mir das Herz nicht weh um euretwillen? Wir haben das gleiche Leid, wo ihr seid, da bin auch ich. Wenn ich mit Gottes Hilfe auf den Thron komme, so werde ich alles tun, um dem Volke sein Joch zu erleichtern. Dann werde ich auch an dich denken: ich brauche getreue Diener. Jetzt aber duldet und betet, daß Gott es bald vollende. – Sein heiliger Wille geschehe in allen Dingen!"

Er half ihm aufstehen. Der Alte schien jetzt noch schwächer, gebrechlicher und elender. Aber in seinen Augen leuchtete solche Freude, als sähe er schon die Rettung Rußlands.

Alexej umarmte und küßte ihn auf die Stirn.

"Leb wohl, Larion. So Gott will, sehen wir uns wieder. Christus sei mit dir!"

Als Dokukin gegangen war, setzte sich der Zarewitsch wieder in seinen alten zerfetzten Ledersessel, aus dessen Löchern das Roßhaar heraussah, der aber sehr bequem und weich war, und versank halb in Träumerei und halb in Erstarrung.

Er war fünfundzwanzig Jahre alt, groß gewachsen, hager, mit schmalen Schultern und eingefallener Brust; sein Gesicht war gleichfalls auffallend schmal, mit spitzem Kinn, greisenhaft, kränklich und von der gelben Farbe, wie sie die Leberkranken haben; der kleine, kindliche Mund hatte einen klagenden Ausdruck; die unverhältnismäßig große, kahle, steile und runde Stirn war von dünnen Strähnen langer, gerade herabfallender schwarzer Haare umrahmt. Solche Gesichter sieht man oft bei Klosterdienern und Dorfküstern. Wenn er aber lächelte, so strahlten seine Augen klug und gutmütig. Das Gesicht schien sofort jünger und schöner, wie von einem stillen inneren Licht durchleuchtet. In solchen Augenblicken erinnerte er an seinen Großvater, den sanftesten Zaren Alexej Michailowitsch, wie dieser in seiner Jugend war.

Wie er jetzt in seinem schmutzigen Schlafrock, mit den ausgetretenen Pantoffeln an den bloßen Füßen, verschlafen, unrasiert, mit Federn in den Haaren dasaß, sah er gar nicht wie ein Sohn des Kaisers Peter aus. Nach dem gestrigen Rausch hatte er den ganzen Tag geschlafen und war eben, also erst kurz vor Abend aufgestanden. Durch die offene Türe sah man im Nebenzimmer das noch nicht aufgeräumte Bett mit zerwühlten großen Kissen und schmutziger Wäsche.

Auf dem Arbeitstische, vor dem er saß, lagen in Unordnung verrostete und verstaubte mathematische Instrumente, ein zerbrochenes altertümliches Räucherfaß mit Weihrauch, ein Tabaksmörser, Meerschaumpfeifen, eine leere Haarpuderschachtel, die ihm als Aschenschale diente; Stöße von Papieren und Büchern lagen ebenso bunt durcheinander: Blätter mit handschriftlichen Notizen zu den Annalen des Baronius waren von einem Haufen Pfeifentabak bedeckt; auf der aufgeschlagenen Seite eines zerfetzten und aus dem Leim gegangenen "Buches, genannt Geometrie, das ist die Wissenschaft der Erdmessung mittels Radix und Zirkel für eifrige Weisheitsucher" lag eine angebissene Salzgurke; auf einem Zinnteller – ein abgenagter Knochen und ein vom Pomeranzengeist klebriges Glas, in dem eine Fliege summte. An den mit grüngemustertem, zerfetztem und schmierigem Wachstuch bekleideten Wänden, an der verräucherten Decke und an den trüben Scheiben der Winterfenster, die trotz der heißen Witterung – es war Ende Juni – noch nicht herausgenommen waren, überall wimmelten, summten und krochen dichte schwarze Schwärme von Fliegen umher.

Über ihm summten Fliegen. Und auch in seinem Kopfe schwärmten schläfrige Gedanken wie die Fliegen. Er dachte an die Schlägerei, mit der das gestrige Trinkgelage geendet hatte. Shibanda hatte den Sassypka geschlagen, Sassypka den Sachljustka, und Vater Ad, Gratsch und Moloch waren unter den Tisch gefallen; diese Spitznamen hatte der Zarewitsch seinen Trinkgenossen "zum häuslichen Spaß" gegeben. Und auch er selbst, Alexej der Sünder – das war sein Spitzname – hatte jemand geschlagen und an den Haaren gezerrt; wer es war, kann er sich nicht mehr erinnern. Gestern abend kam es ihm so komisch vor, aber jetzt erschien es ihm so häßlich und beschämend.

Seine Kopfschmerzen wurden immer stärker. Wenn er doch ein Glas Pomeranzenschnaps trinken könnte, um den Katzenjammer zu vertreiben! Aber er war zu faul, um aufzustehen, den Diener zu rufen und sich zu rühren. Und doch mußte er sich gleich ankleiden, den engen Uniformrock anziehen, den Degen umschnallen, die schwere Perücke, unter deren Last ihm der Kopf noch ärger schmerzen wird, aufsetzen und nach dem Sommergarten zu einer Maskerade fahren, zu der alle "unter Androhung harter Strafen" befohlen waren.

Vom Hofe klangen Stimmen spielender Kinder herauf. Ein kranker zerzauster Zeisig piepste jammervoll in seinem Bauer über dem Fenster. Der Pendel der hohen englischen Standuhr mit Glockenspiel – ein altes Geschenk des Vaters – tickte gleichförmig. Aus den Zimmern des Obergeschosses klangen langweilige endlose Tonleitern, die Alexejs Gemahlin, die Kronprinzessin Sophie Charlotte, Tochter des Herzogs von Wolfenbüttel, auf einem alten klirrenden deutschen Klavier spielte. Ihm fiel plötzlich ein, wie er gestern in seinem Rausche zu Shibanda und Sachljustka über sie gesprochen hatte: "So eine Teufelin hat man mir als Frau aufgehängt: so oft ich zu ihr komme, ist sie böse und will gar nicht mit mir reden. So eine hochnasige Deutsche!" – "Es war nicht gut," sagte er sich. "Wenn ich betrunken bin, rede ich zu viel und mache mir nachher Vorwürfe..." Was kann sie auch dafür, daß man sie, als sie noch fast ein Kind war, gegen ihren Willen mit ihm verheiratet hat? Ist sie denn überhaupt hochnasig? Krank, einsam, von allen in der Fremde verlassen, ist sie ebenso unglücklich wie er. Und sie liebt ihn doch, – sie ist vielleicht das einzige Wesen, das ihn liebt. Er muß an den Streit denken, den er neulich mit ihr gehabt hat. Sie hatte ihm zugerufen: "Der gemeinste Schuster in Deutschland behandelt seine Frau besser als Sie!" Er zuckte verächtlich die Achseln und sagte: "Kehren Sie also mit Gott nach Deutschland zurück! ..." – "Ja, wäre ich nicht ..." Sie sprach den Satz nicht zu Ende, begann zu weinen und zeigte auf ihren Leib: sie war in gesegneten Umständen. Er sieht noch jetzt ihre angeschwollenen blaßblauen Augen vor sich und die Tränen, die, den Puder wegwischend – die Arme hatte sich eben eigens für ihn gepudert –, über ihr unschönes, pockennarbiges, etwas hölzernes Gesicht herablaufen, das durch die Schwangerschaft noch häßlicher und magerer geworden ist und einen so unglücklichen, kindlich-hilflosen Ausdruck hat. Er liebt sie ja auch selbst; jedenfalls überkommt ihn zuweilen ein plötzliches hoffnungsloses Mitleid, das ihm schmerzhaft, beinahe unerträglich ins Herz sticht. Warum quält er sie denn so? Schämt er sich denn gar nicht, sieht er nicht, daß es eine Sünde ist? Er wird sich doch ihretwegen vor Gott zu verantworten haben.

Die Fliegen setzten ihm furchtbar zu. Ein schräger, heißer, roter Strahl der sinkenden Sonne, der gerade durchs Fenster drang, stach ihm in die Augen. Endlich rückte er den Sessel weg, drehte ihn mit dem Rücken zum Fenster und richtete seinen Blick auf den Ofen. Es war ein riesengroßer holländischer Ofen mit gedrehten Säulen und gemusterten Vertiefungen und Vorsprüngen: ein Ofen aus russischen Kacheln, die an den Ecken durch Kupfernägel verbunden waren, Auf weißem Hintergrunde waren mit satten roten, grünen und dunkelvioletten Farben allerlei phantastische Tiere, Vögel, Menschen und Pflanzen gemalt, – unter jeder Darstellung stand eine Inschrift in altslawischen Buchstaben. In den roten Sonnenstrahlen leuchteten die Farben zauberhaft-grell. Der Zarewitsch sah sich zum tausendsten Male mit stumpfem Interesse diese Bildchen an und studierte die Inschriften; ein Bauer mit einer Balalaika: "Ich vermehre die Musik"; ein Mann in einem Sessel, mit einem Buch in der Hand: "Ich nähre meinen Geist"; eine erblühende Tulpe: "Ihr Duft ist süß"; ein Greis auf den Knien vor einer jungen Schönen: "Ich will keinen Alten lieben"; ein Liebespaar unter Büschen: "Wir verstehen uns gut"; eine Bauerndirne, französische Komödianten, ein chinesischer und ein japanischer Pope, die Göttin Diana und der sagenhafte Vogel Malkofeja.

Die Fliegen hören aber nicht auf zu summen; der Pendel tickt; der Zeisig piepst jammervoll; von oben erklingen die Tonleitern, und vom Hofe die Kinderstimmen. Der scharfe, rote Sonnenstrahl wird immer stumpfer und dunkler. Die bunten Figuren beginnen sich zu bewegen. Die französischen Komödianten spielen Huckepack mit der Bauerndirne; der japanische Pope blinzelt dem Vogel Malkofeja zu. Alles kommt durcheinander, die Augen fallen ihm zu. Und gäbe es diese große klebrige, schwarze Fliege nicht, die nicht mehr im Schnapsglase sondern in seinem Kopfe summt und kitzelt, so wäre alles so schön und ruhig, und er könnte ganz in diesen stillen, dunklen, roten Nebel versinken.

Plötzlich fuhr er zusammen und kam zur Besinnung. "Erbarme dich, Väterchen, du Hoffnung Rußlands!" Diese Worte des Alten klangen ihm mit erschütternder Kraft in den Ohren. Er warf einen Blick auf das nicht aufgeräumte Zimmer und auf sich selbst, und die Scham übergoß ihm das Gesicht und versengte ihn wie ein blendender roter Sonnenstrahl. Eine nette "Hoffnung Rußlands"! Schnaps, Schlaf, Nichtstun, Lüge, Schmutz und diese ewige gemeine Furcht vor dem Vater.

Ist es denn wirklich zu spät? Ist denn alles vorbei? Wenn er doch alles von sich abschütteln und entfliehen könnte! "Für das Wort Christi den Märtyrertod empfangen..." klangen in ihm wieder die Worte Dokukins: "Gott gebot dem Menschen, daß er frei sei." Oh ja, schnell zu ihnen eilen, solange es nicht zu spät ist. Die "heimlichen Märtyrer" rufen ihn und warten auf ihn.

Er sprang auf, als ob er tatsächlich entfliehen, oder einen Entschluß fassen und etwas, was sich nicht wieder rückgängig machen ließe, vollbringen wollte; – da horchte er auf und erstarrte in Erwartung.

In die Stille dröhnten langsam und melodisch die Messingglocken der Uhr. Es schlug neun, und als der erste Schlag verhallt war, knarrte leise die Türe, und der alte Kammerdiener Iwan Afanassiewitsch Bolschoj steckte seinen Kopf hinein.

"Es ist Zeit zu fahren, soll ich Euch beim Ankleiden helfen?" brummte er in seinem gewöhnlichen mürrischen und boshaften Ton; es klang so, als ob er schimpfte.

"Nein. Ich fahre nicht hin," sagte Alexej.

"Ganz wie es Euch beliebt. Es ist aber befohlen, daß alle erscheinen. Der Herr Vater werden wieder böse sein."

"Geh, laß mich!" der Zarewitsch wollte ihn hinausjagen; als er aber seinen zerzausten Kopf mit den Federn im Haar und das Gesicht, das ebenso unrasiert und übernächtig wie das seinige war, sah, fiel ihm ein, daß er doch diesen Afanassiewitsch gestern Abend an den Haaren gezerrt hatte.

Der Zarewitsch betrachtete lange stumpf und verständnislos den Alten, als ob er erst eben endgültig erwacht wäre.

Der letzte rote Schein erlosch im Fenster, und alles wurde auf einmal so grau, als ob aus allen verräucherten Ecken Spinngewebe herabgesunken wären und das Zimmer in ein graues Netz gehüllt hätten.

Doch der Kopf steckte noch immer in der Türe wie festgeklebt, ohne sich vorwärts oder rückwärts zu bewegen.

"Soll ich Euch also die Kleider geben?" wiederholte Afanassiewitsch noch mürrischer.

Alexej fuhr hoffnungslos mit der Hand durch die Luft.

"Es ist ganz gleich, gib her!"

Und als er sah, daß der Kopf sich noch immer nicht zurückzog und auf etwas wartete, fügte er hinzu:

"Wenn ich doch etwas Pomeranzenschnaps haben könnte, um mich zu erholen! Der Kopf tut mir noch von gestern abend so fürchterlich weh ..."

Der Alte sagte nichts, blickte aber den Zarewitsch so an, als ob er sagen wollte: "Wie sollte dir der Kopf auch nicht weh tun!"

Als der Zarewitsch allein geblieben war, faltete er langsam die Hände im Nacken, so daß alle Gelenke knackten, reckte sich und gähnte. Scham, Furcht, Trauer, Reue, Sehnsucht nach einer großen Tat, nach einer plötzlichen Handlung, – alles kam in diesem langsamen, schmerzlichen, krampfhaften Gähnen zum Ausdruck, das viel hoffnungsloser und schrecklicher war, als jenes Stöhnen und Schluchzen.

Nach einer Stunde saß er gewaschen, rasiert, vollkommen nüchtern, in den engen Uniformrock eines Sergeanten des Preobrashenskij-Leibgarderegiments aus deutschem grünen Tuch mit roten Aufschlägen und goldenen Tressen eingeschnürt in seinem sechsruderigen Boote und fuhr hinunter nach dem Sommergarten.

II.

An diesem Tage, dem 26. Juni 1715, sollte im Sommergarten ein Venusfest zu Ehren einer antiken Statue stattfinden, die soeben aus Rom eingetroffen war und in einer Galerie über der Newa aufgestellt werden sollte.

"Ich werde einen schöneren Garten haben, als ihn der König von Frankreich in Versailles hat," prahlte Peter. wenn er im Felde, auf dem Meere oder in der Fremde weilte, schickte ihm die Kaiserin Berichte über sein Lieblingswerk: "Unser Garten wächst recht schön und viel besser als im vergangenen Jahre: der weg, der zum Palais führt, ist schon fast ganz von den Eichen und Ahornen überdeckt. Sooft ich in den Garten trete, tut es mir leid, mein geliebter Freund, daß ich nicht mit Ihnen darin spaziere." – "Unser Garten ist schon ganz grün und beginnt nach Harz zu duften," d. h. nach den harzigen jungen Knospen.

Der Sommergarten war in der Tat "regulär nach dem Plan" angelegt wie der "berühmte Garten von Versailles". Die wie über einen Kamm geschorenen Bäume, die geometrisch regelmäßigen Formen der Blumenbeete, die schnurgeraden Kanäle, die viereckigen Weiher mit Schwänen, kleinen Inseln und Lauben, die komplizierten Wasserkünste, die endlosen Alleen, die man "Perspektiven" nannte, die hohen Hecken und Spaliere, die den Wänden von Empfangssälen glichen, – all das "lud die Menschen zum Lustwandeln ein, – und wenn jemand ermüdete, so konnte er genug Bänke, Theater, Labyrinthe und grüne Rasenteppiche finden, um sich gleichsam in eine süße Einsamkeit zurückzuziehen".

Der Garten des Zaren reichte aber doch nicht an den Park von Versailles heran.

Die bleiche Petersburger Sonne trieb aus den fetten Rotterdamer Zwiebeln recht kümmerliche Tulpen. Nur die anspruchslosen nordischen Blumen – der von Peter geschätzte wohlriechende Rainfarn, die gefüllten Pfingstrosen und die eintönig grellen Georginen konnten sich etwas besser entwickeln. Die jungen Bäume, die man mit ungeheurer Mühe zu Schiff und zu Wagen aus der Entfernung von vielen Tausenden Werst – aus Polen, Preußen, Pommern, Dänemark und Holland brachte, gingen allmählich zugrunde. Die fremde Erde gab ihren schwachen Wurzeln eine viel zu karge Nahrung. Dafür standen "ganz wie in Versailles" an allen Hauptalleen Marmorbüsten – "Bruststücke" – und Statuen. Die römischen Imperatoren, die griechischen Philosophen, die olympischen Götter und Göttinnen schienen einander verdutzt anzuschauen und sich zu fragen, auf welche Weise sie in dieses wilde Land der hyperboreischen Barbaren geraten waren. Es waren übrigens keine antiken Originale, sondern schlechte Nachbildungen italienischer und deutscher Meister. Die Götter sahen so aus, als ob sie soeben ihre Perücken und gestickten Röcke, die Göttinnen, als ob sie ihre Spitzenmieder und Reifröcke abgelegt hätten und sich ihrer etwas unanständigen Blöße schämten. So sehr erinnerten sie an die gezierten Kavaliere und Damen, die am Hofe Ludwigs XIV. oder des Herzogs von Orleans "französische Politesse" erlernt hatten.

Der Zarewitsch Alexej ging durch eine der Seitenalleen in der Richtung vom großen Teich zur Newa. An seiner Seite humpelte eine komische Gestalt auf krummen Beinchen, in einem schäbigen deutschen Rock, mit riesengroßer Perücke, mit dem verdutzten und erschrockenen Gesichtsausdruck eines Menschen, den man plötzlich aus dem Schlafe geweckt hat. Es war der Zeugdirektor der Armierungskanzlei und der neuen Druckerei, der erste Meister der Buchdruckerkunst in Petersburg, Michailo Petrowitsch Awramow.

Der Sohn eines Küsters war als siebzehnjähriger Schüler direkt von Gebetbuch und Psalter weg auf eine Handelsbarke gekommen, die mit einer Ladung von Teer, Juchten und Leder und einem Dutzend russischer Knaben von Kronslot nach Amsterdam segelte; die Knaben, die man "unter den scharfsinnigsten" ausgewählt hatte, wurden auf Befehl Peters zwecks Ausbildung ins Ausland geschickt. Awramow hatte in Holland etwas Geometrie und viel Mythologie studiert und wurde "von den dortigen Einwohnern belobt und in den gedruckten Zeitungen publiziert". Der von Haus aus gar nicht dumme, sogar "scharfsinnige" Bursche war durch den plötzlichen Übergang von Psalter und Gebetbuch zu den Dichtungen Ovids und Virgils so bestürzt gewesen, daß er überhaupt nie mehr zu sich kommen konnte. Er erlebte in seiner Gefühls- und Gedankenwelt etwas, was der Epilepsie entspricht, die manchmal aus dem Schlafe geschreckte kleine Kinder bekommen. In seinem Gesicht blieb seitdem der Ausdruck ewiger Verblüffung und Verwirrung.

"Zarewitsch, Eure Hoheit, ich beichte vor dir wie vor Gott selbst," sprach Awramow mit eintöniger weinerlicher Stimme, die wie das Summen einer Mücke klang. "Mich quält das Gewissen, daß wir, die wir doch Christen sind, die heidnischen Götzen anbeten ..."

"Was für Götzen?" fragte der Zarewitsch erstaunt.

Awramow zeigte auf die Marmorstatuen, die zu beiden Seiten der Allee standen.

"Unsere Väter und Großväter stellten in ihren Wohnungen und auf den Kreuzwegen heilige Ikonen auf; wir schämen uns aber dessen und stellen überall schamlose Götzenbilder hin. Die göttlichen Ikonen haben göttliche Kraft in sich; ebenso wohnt in den Götzen, die Ikonen des Satans sind, die Macht des Satans. Wir verehrten bisher nur den Gott des Trunkes, Bacchus, den wir bei den Narrenkonzilen, die wir mit dem Fürst-Papst abhalten, Iwaschka Chmelnizkij zu nennen pflegen; heute sind wir aber im Begriff, die unsaubere Venus, die Göttin der Hurerei anzubeten, sie nennen diese Gottesdienste Maskeraden und sehen keine Sünde darin: sie sagen, daß es diese Götter in Wirklichkeit gar nicht gäbe und daß ihre leblosen Bilder in den Häusern und Gärten nur als Verzierung aufgestellt seien. Sie irren sich aber darin und bringen damit ihr Seelenheil in Gefahr: denn diese alten Götter haben noch immer ein natürliches und wirkliches Sein ..."

"Glaubst du an die Götter?" fragte der Zarewitsch mit wachsendem Erstaunen.

"Ich glaube, Eure Hoheit, an das Zeugnis der heiligen Väter, daß diese Götter Teufel sind, die, im Namen des Gekreuzigten aus ihren Götzentempeln vertrieben, in öde Stätten und finstere Abgründe geflohen sind, wo sie sich eingenistet haben und sich für eine Zeitlang tot und nichtexistierend stellten. Als aber das alte Christentum geschwächt wurde und eine neue Gottlosigkeit emporblühte, erwachten auch diese Götter zu neuem Leben und kamen aus ihren Löchern gekrochen. Ebenso wie das Otterngezücht und die Insekten und jedes giftige Gewürm, wenn es aus seinen Eiern hervorkriecht, die Menschen sticht, so stechen und vergiften auch die Teufel, wenn sie aus diesen alten Götzenbildern, ihren Larven, herauskommen, die Christenseelen. Erinnerst du dich noch, Zarewitsch, an das Gesicht, das der heilige Kirchenvater Isaak hatte? Schöngestaltete Jungfrauen und Jünglinge, deren Antlitze wie die Sonne strahlten, erfaßten den Heiligen bei den Händen und begannen mit ihm zu den Klängen einer süßen Musik zu springen und zu tanzen; als er müde geworden war, ließen sie den so verhöhnten halbtot liegen und verschwanden. Und der heilige Vater erkannte in ihnen die alten hellenisch-römischen Götter: Jupiter, Merkur, Apollo, Venus und Bacchus. Heute erscheinen auch uns Sündern die Teufel in gleicher Gestalt. Wir empfangen sie aber freundlich auf den gräßlichen Maskeraden, wir vermischen uns mit ihnen, springen und tanzen, und werden schließlich in den tiefsten Tartarus stürzen, wie die Herde Säue in den See; und wir Unwissenden denken gar nicht daran, um wieviel scheußlicher diese neuen, wohlgestalteten, sonnengleichen, weißen Teufel sind als die schrecklichsten schwarzen Mohrenfratzen!"

Im Garten war es trotz der Juninacht recht dunkel, schwarze, schwüle Gewitterwolken schwebten niedrig dahin und verdeckten den Himmel. Die Illumination war noch nicht angezündet, das Fest hatte noch nicht begonnen. Die Luft war so unbeweglich wie in einem Zimmer. Wetterleuchten oder sehr ferne Blitze, denen kein Donner folgte, leuchteten ab und zu auf: und bei jedem Aufleuchten wurden Zu beiden Seiten der Allee in blendendem bläulichem Scheine die weißen Marmorstatuen auf dem schwarzgrünen Hintergründe der Spaliere sichtbar wie weiße Gespenster, die plötzlich erscheinen und verschwinden.

Der Zarewitsch betrachtete sie nach allem, was er von Awramow gehört hatte, mit einem neuen Gefühl. "Sie sind wirklich wie weiße Teufel!" sagte er sich.

Er hörte Stimmen. An der einen von ihnen, die nicht sehr laut und etwas heiser klang, sowie auch an dem rötlichen Glimmen einer holländischen Tonpfeife – der glimmende Punkt befand sich so hoch über der Erde, daß man auf den Riesenwuchs des Rauchenden schließen mußte, – erkannte der Zarewitsch seinen Vater.

Er bog rasch um die Ecke der Allee in einen Seitenweg des "Labyrinths", das aus Flieder und Buchsbaum bestand, "wie ein Hase habe ich mich in die Büsche geschlagen!" sagte er sich sofort: er schämte sich dieser mechanischen erniedrigend feigen Bewegung.

"Weiß der Teufel, was du da sagst, Awramka," fuhr er mit geheucheltem Ärger fort, um seine Scham zu verbergen, "vom vielen Lesen bist du wohl nicht ganz bei Trost."

"Ich spreche die reine Wahrheit, Eure Hoheit," entgegnete Awramow, der sich anscheinend gar nicht verletzt fühlte. "Ich habe die unreine Gewalt der Götter am eigenen Leibe erfahren. Der Satan überredete mich, deinen Vater, den Zaren, um Erlaubnis zu bitten, die Bücher des Ovid und Virgil drucken zu dürfen. Eines dieser Bücher mit den Abrissen der unsauberen Götter und ihrer verrückten Handlungen habe ich bereits fertig gedruckt. Und von jener Zeit an bin ich wie besessen. Ich bin in unersättliche Hurerei verfallen, die göttliche Kraft hat mich verlassen, und mir erscheinen in meinen Traumgesichten allerlei Götter, besonders aber Bacchus und Venus ..."

"In welcher Gestalt?" fragte der Zarewitsch nicht ohne Neugierde.

"Bacchus erinnert an die Gestalt, in der man den Ketzer Martin Luther darstellt: ein Deutscher mit rotem Gesicht und einem Bauche wie ein Bierfaß. Die Venus erschien mir anfangs in Gestalt der Dirne, mit der ich bei meinem Aufenthalt in Amsterdam Unzucht getrieben habe: der Körper ist nackt und weiß wie Schaum, die Lippen rot, die Augen schamlos. Als ich aber später im Vorzimmer der Badestube, wo ich dieses abscheuliche Erlebnis hatte, zu mir kam, verwandelte sich die verdammte Hexe in Akuljka, die leibeigene Magd des Protopopen; sie schimpfte, daß ich sie nicht in Ruhe ließe, während sie badete, schlug mich mit dem nassen Badequast ins Gesicht, lief dann auf den Hof hinaus, sprang in einen Schneehaufen – die Sache spielte im Winter – und war plötzlich als Schnee im Winde verweht."

"Vielleicht war es aber auch wirklich Akuljka! ..." sagte lachend der Zarewitsch.

Awramow wollte etwas einwenden, wurde aber plötzlich still.

Wieder erklangen die Stimmen, wieder leuchtete im Dunkeln der rote, blutige Punkt. Der schmale Pfad des Labyrinths brachte wieder Sohn und Vater zusammen; diesmal an einer Stelle, wo ein Ausweichen unmöglich war. Dem Zarewitsch ging wieder der verzweifelte Gedanke durch den Kopf: sich zu verstecken, am Vater vorbeizuschleichen oder sich wie ein Hase in die Büsche zu schlagen. Es war aber zu spät. Peter sah ihn aus der Ferne und rief ihm zu:

"Zoon!"

Zoon heißt auf Holländisch Sohn. So pflegte er ihn nur in seltenen Augenblicken, wenn er besonders gnädig aufgelegt war, zu nennen. Der Zarewitsch war darüber um so mehr erstaunt, als der Vater mit ihm in der letzten Zeit fast gar nicht, weder holländisch noch russisch gesprochen hatte.

Er ging auf den Vater zu, nahm den Hut ab, machte eine tiefe Verbeugung und küßte zuerst den Saum seines Rockes; Peter hatte, eine stark abgetragene dunkelgrüne Oberstenuniform des Preobrashenskij-Leibgarderegiments mit roten Aufschlägen und Messingknöpfen an: dann küßte er seine harte, schwielige Hand.

"Ich danke dir, Aljoscha!" sagte Peter; als Alexej diese schon seit langem nicht gehörte Anrede "Aljoscha" hörte, ging ihm ein Zittern durchs Herz. "Ich danke dir für dein Geschenk. Es ist just zur richtigen Zeit gekommen. Mein Eichenholz, das ich aus Kasan flößen ließ, ist im Ladogasee bei einem Sturm verlorengegangen, wenn ich jetzt dein Geschenk nicht hätte, so wäre die neue Fregatte wohl erst im Herbst fertig geworden. Es ist ein ganz ausgezeichnetes Holz, stark wie Eisen. Schon lange habe ich kein so gutes Eichenholz gesehen!"

Der Zarewitsch wußte, daß man seinem Vater keine größere Freude machen konnte, als wenn man ihm gutes Schiffsbauholz schenkte. Er hatte schon seit langem auf seinem Erbgute im Poretzkijschen Kreise der Nishnij-Nowgoroder Provinz ganz im geheimen ein schönes Eichengehölz gehegt, für den Fall, daß er einst das Wohlwollen seines Vaters brauchen sollte. Als er erfahren hatte, daß die Admiralität bald Eichenholz benötigen würde, ließ er das Gehölz fällen und das Holz in Flößen nach der Newa bringen; nun schenkte er es gerade zur rechten Zeit seinem Vater. Das war eine der kleinen schüchternen, manchmal etwas unbeholfenen Aufmerksamkeiten, die er ihm vor Jahren recht oft, doch jetzt immer seltener und seltener erwies. Er betrog sich übrigens nicht: er wußte, daß auch diese Aufmerksamkeit ebenso schnell wie alle früheren vergessen sein und daß der Vater sich an ihm für die flüchtige Freundlichkeit des Augenblicks mit um so größerer Härte rächen würde.

Und doch errötete sein Gesicht vor schamhafter Freude, und sein Herz schlug in einer wahnsinnigen Hoffnung. Er stammelte irgend etwas Zusammenhangloses, beinahe Unverständliches, wie "bin immer froh, wenn ich dem Vater einen Dienst erweisen kann", und wollte noch einmal seine Hand küssen, Peter ergriff aber seinen Kopf mit beiden Händen. Einen Augenblick lang sah der Zarewitsch das vertraute, schreckliche und liebe Gesicht mit den vollen, wie geschwollenen Wangen, mit dem hochgezwirbelten kleinen Schnurrbart – "wie beim Kater Kotabrys", sagten die Spötter – mit dem reizenden Lächeln auf den schöngeschwungenen, beinahe weiblich zarten Lippen; er sah seine großen, dunklen, klaren Augen, die so schrecklich und zugleich so lieb waren, daß er einst von ihnen träumte, wie ein verliebter Jüngling von den Augen eines schönen Mädchens; er spürte den ihm von Kind auf vertrauten Geruch – ein Gemisch von starkem Knaster, Schnaps, Schweiß und noch einem anderen gar nicht widerlichen, doch scharfen Kasernengeruch, der immer im Arbeitszimmer – im "Kontor" seines Vaters herrschte; er fühlte auch die ihm ebenfalls von Kind auf bekannte rauhe Berührung des nicht ganz glatt rasierten Kinns mit dem kleinen Grübchen in der Mitte, das sich so merkwürdig, beinahe komisch auf diesem strengen Gesichte ausnahm; es schien ihm, vielleicht war es aber auch nur ein Traum, daß wenn ihn der Vater in seiner Kindheit auf dem Schoße gehalten hatte, er dieses komische Grübchen geküßt und dabei gesagt habe: "Ganz wie bei der Großmutter!"

Peter küßte den Lohn auf die Stirn und sagte in seinem gebrochenen Holländisch:

"Good beware ù!"– "Gott behüte Euch!"

Auch dieses etwas gezierte holländische "Euch" statt "du" er? schien dem Zarewitsch ungemein freundlich und bezaubernd.

Er sah und fühlte das alles wie im plötzlichen Lichtscheine eines Wetterleuchtens. Das Wetterleuchten erlosch, und alles war vorüber. Peter entfernte sich von ihm – wie immer krampfhaft mit einer Schulter zuckend, den Kopf in den Nacken geworfen, wie ein Soldat mit dem rechten Arm schlenkernd, in seinem gewohnten Schritt, der so schnell war, daß die Begleiter fast laufen mußten, um nicht zurückzubleiben.

Alexej schlug eine andere Richtung ein, immer auf dem schmalen Pfade des finsteren Labyrinths bleibend. Awramow war noch immer an seiner Seite. Er sprach jetzt vom Archimandriten des Alexander-Newskij-Klosters, dem Beichtvater des Zaren, Feodossij Janowskij, den Peter zum "Administrator der geistlichen Angelegenheiten" ernannt und somit über den ersten Würdenträger der Kirche, den bejahrten Verweser des Patriarchenstuhles Stefan Jaworskij, gesetzt hatte; viele verdächtigten den Archimandriten des "Luthertums" und der geheimen Absicht, die Verehrung der Ikonen und Reliquien, die Fasten, das Mönchtum, das Patriarchat und auch die übrigen Institutionen der griechisch-orthodoxen Kirche abzuschaffen. Andere meinten, daß Feodossij, oder Fedoska, wie man ihn verächtlich nannte, die Absicht habe, selbst Patriarch zu werden.

"Dieser Fedoska ist der reinste Atheist und obendrein ein frecher und unflätiger Mensch," sagte Awramow. "Er hat sich in die von vieler Arbeit müde, heilige Seele des Monarchen eingeschlichen und ihn verführt; er zerstört nun alle christlichen Überlieferungen und Satzungen und führt ein wollüstiges epikuräisches Leben ein, das eigentlich ein Schweineleben ist. Dieser selbe besessene Erzketzer hat einmal von der wundertätigen Ikone der Kasanschen Muttergottes die Krone weggenommen, hat ›Meßner, gib mir ein Messer her!‹ gerufen und den Draht zerschnitten, den Heiligenschein aus getriebenem Goldblech heruntergerissen und ihn sich ganz frech vor aller Augen in die Tasche gesteckt. Alle, die das sahen, weinten über seine Unflätigkeit. Er, das Gefäß des Satans, sagte sich von Gott los, verschrieb sich den Teufeln und wollte das Bild des Erlösers und das lebenspendende Kreuz wie ein toller Bock zertreten und bespeien ..."

Der Zarewitsch hörte Awramow gar nicht zu. Er dachte nur an seine Freude und bemühte sich, diese unvernünftige, und, wie es ihm jetzt schien, allzu kindische Freude durch Vernunftgründe zu dämpfen. Vorauf wartete er? Worauf hoffte er? Auf eine Versöhnung mit dem Vater? War eine solche Versöhnung überhaupt möglich, und strebte er auch nach einer solchen? War nicht Zwischen ihm und dem Vater etwas vorgefallen, was nie vergessen und vergeben werden konnte? Er erinnerte sich, wie er eben so feige wie ein Hase vor dem Vater geflüchtet war; er dachte auch an Dokukin, an sein Gebet und seine Anklage gegen Peter und an eine Menge anderer, viel schrecklicherer, unumstößlicher Anklagen. Nicht um ihretwillen allein hatte er sich gegen den Vater empört. Und doch hatten eben ein paar freundliche Worte, ein Lächeln genügt, um sein Herz zu erweichen und es überfließen zu lassen; er war schon bereit, dem Vater zu Füßen zu fallen, alles zu vergessen und zu vergeben, selbst um Vergebung zu flehen, als ob er der Schuldige wäre: und er war bereit, für eine einzige Liebkosung, für ein einziges Lächeln ihm wieder seine Seele hinzugeben. "Ist's denn möglich," dachte Alexej beinahe entsetzt, "ist's denn möglich, daß ich ihn so liebe?"

Awramow sprach noch immer und summte ihm wie eine unruhige Mücke ins Ohr. Der Zarewitsch hörte seine letzten Worte:

"Als der ehrwürdige Mitrofanij von Woronesh auf dem Dache des Zarenpalastes den Bacchus, die Venus und die anderen Götzenbilder sah, sagte er: ›Solange der Zar nicht den Befehl gibt, diese Götzenbilder, die das Volk ärgern, herabzuwerfen, kann ich sein Haus nicht betreten.‹ Und der Zar ehrte den Bischof und ließ die Götzenbilder entfernen. So war es früher, wer wird aber heute dem Zaren die Wahrheit sagen? Vielleicht der ruchlose Fedoska, der die Ikonen Götzen nennt und die Götzen zu Ikonen erhebt? Wehe, wehe uns! Es ist so weit gekommen, daß er an diesem Tage und zu dieser Stunde, nachdem er das Bild der Muttergottes gestürzt hat, an seiner Stelle die dem Satan wohlgefällige, unzüchtige Ikone der Venus errichtet. Und der Zar, dein Vater ..."

"Laß mich in Ruhe, Narr!" rief der Zarewitsch plötzlich erzürnt aus. "Laßt mich alle in Ruhe! Was jammert ihr, was kommt ihr alle zu mir? Daß euch alle ..."

Er gebrauchte ein unflätiges Schimpfwort.

"Was kümmere ich mich um euch? Ich weiß von nichts und will von nichts wissen! Geht doch' mit euren Anklagen zum Vater: er wird entscheiden! ..."

Sie näherten sich der Steuermannsterrasse an der Fontäne in der Mittelallee. Hier waren viele Leute versammelt. Alle blickten auf den Zarewitsch und seinen Begleiter und spitzten die Ohren.

Awramow erbleichte und schien plötzlich zusammengeschrumpft; er sah auf den Zarewitsch mit irren Blicken, mit den Augen eines im Schlafe erschreckten Kindes, das gleich einen epileptischen Anfall bekommen wird.

Alexej fühlte mit ihm Mitleid.

"Nun, fürchte dich nicht, Petrowitsch," sagte er mit jenem freundlichen Lächeln, das nicht an das Lächeln des Vaters, sondern an das seines Großvaters, des sanftesten Zaren Alexej Michailowitsch erinnerte. "Fürchte nichts, ich verrate dich nicht! Ich weiß, daß du mich ... und den Vater liebst. Aber halte in Zukunft deine Zunge im Zaume ..."

Plötzlich huschte ein dunkler Schatten über sein Gesicht, und er fügte leise hinzu:

"Ich habe eine Venus gekauft," meldete Beklemischew aus Italien dem Zaren. "In Rom wird sie sehr hoch geschätzt. Sie steht der berühmten Florentinischen (Mediceischen) in nichts nach, ist eher schöner als diese. Man fand sie bei einfachen Leuten. Sie wurde beim Ausheben des Grundes zu einem neuen Hause ausgegraben. Zweitausend Jahre hat sie in der Erde gelegen. Lange Zeit hatte sie der Papst in seinem vatikanischen Garten stehen. Ich verheimlichte sie vor Liebhabern. Ich fürchte, daß die Ausfuhr Schwierigkeiten machen wird. Sie gehört aber schon Eurer Majestät."

Peter unterhandelte durch seinen Bevollmächtigten Sawwa Ragusinskij und durch den Kardinal Ottobani mit dem Papste Clemens XI. wegen der Erlaubnis, die von ihm erworbene Statue nach Rußland ausführen zu dürfen. Der Papst wollte lange keine Genehmigung erteilen. Endlich erhielt man sie nach langen diplomatischen Kunstgriffen und Listen.

"Herr Kapitän," schrieb Peter an seinen Wiener Gesandten Jagushinskij, "die schönste Statue der Venus soll aus Livorno zu Wagen nach Innsbruck gebracht werden, und von da mit einem eigenen Begleiter die Donau abwärts nach Wien, an deine Adresse. Und da die Statue, wie es dir bekannt ist, auch dort sehr hochgeschätzt wird, sollst du in Wien ein Wagengestell auf Federn machen lassen, auf dem man sie unbeschädigt nach Krakau bringen kann; von Krakau kann man sie aber wieder zu Wasser weiterschicken."

Auf Meeren und Flüssen, über Berge und Täler, Städte und Steppen und schließlich auch durch armselige russische Dörfer, Urwälder und Sümpfe, überall durch den willen des Zaren sorgsam behütet, bald auf Wasserwellen und bald im federnden Wagen schaukelnd, machte die Göttin in ihrem dunklen Kasten wie in einer Wiege oder einem Sarge ihre lange Reise aus der Ewigen Stadt nach der neugegründeten Siedlung Petersburg.

Endlich war sie glücklich angelangt. So sehr auch der Zar wünschte, die Statue, von der er so viel gehört und die er so lange erwartet hatte, so bald wie möglich zu sehen, überwand er doch seine Ungeduld und beschloß, den Kasten nicht vor dem ersten feierlichen Erscheinen der Venus beim Feste im Sommergarten zu öffnen.

Schaluppen, Ruder- und Segelboote, Ewer und andere "neumodische Schiffe" landeten vor der hölzernen Treppe, die direkt ins Wasser hinabführte, und hielten an den am Ufer eingerammten Pfosten mit den Eisenringen. Die Ankommenden stiegen aus den Booten und gingen die Treppe zur mittleren Galerie hinauf, wo im Lichte der Illumination bereits eine geputzte Menge wogte, rauschte und sich hin und her bewegte: Kavaliere in bunten seidenen und samtenen Röcken, Dreimastern, mit Degen an der Seite, in Strümpfen und Schnallenschuhen mit hohen Absätzen, in üppigen pyramidalen schwarzen, blonden, seltener gepuderten Perücken mit unnatürlich reichen Locken; die Damen in ungemein weiten runden mit Fischbein versteiften Reifröcken "nach der neuesten Mode von Versailles", mit langen Schleppen, mit Schönheitspflästerchen auf den geschminkten Gesichtern, mit Spitzenhauben, Federn und Perlen im Haar. In dieser glänzenden Menge sah man aber auch gewöhnliche Militäruniformen aus grobem Soldatentuch und sogar Matrosen- und Schifferjoppen, nach Teer riechende Stiefel und lederne Südwester der holländischen Seeleute.

Die Menge machte einem seltsamen Zuge Platz: kräftige Heiducken und Grenadiere des Zaren trugen auf ihren Schultern mit sichtbarer Mühe, unter der schweren Last gebückt, einen langen, schmalen, schwarzen Kasten, der wie ein Sarg aussah. Nach der Länge des Sarges zu urteilen, mußte die Leiche von übermenschlichem Wuchs sein. Der Kasten wurde auf den Boden gesetzt.

Der Zar begann ganz allein, ohne fremde Hilfe, ihn zu öffnen. Die Zimmermanns- und Schreinerwerkzeuge flogen in den geübten Händen Peters nur so hin und her. Er hatte große Eile und zog die Nägel mit solcher Ungeduld heraus, daß er sich an einem von ihnen die Hand blutig ritzte.

Alle drängten sich ringsherum, stellten sich auf die Fußspitzen und blickten neugierig einander über die Schultern und Köpfe.

Der Geheime Rat Pjotr Andrejitsch Tolstoi, der viele Jahre in Italien gelebt hatte, ein gelehrter Mann und obendrein ein Dichter – er war der erste russische Übersetzer der Metamorphosen Ovids – erzählte den Damen und jungen Mädchen, die sich um ihn drängten, von den Ruinen eines alten Venustempels:

"Als ich einmal auf der Durchreise in Castello di Bajä bei Neapel war, sah ich dort einen Tempel dieser Göttin Venus. Die Stadt ist ganz zerstört, und die Stelle, wo sie einst gestanden, mit Wald bewachsen. Der Tempel ist aus Backsteinen erbaut; er ist mit hohen Säulen geschmückt und von schöner Architektur. An den Gewölben sind zahllose unsaubere Götter dargestellt. Ich sah dort auch andere Tempel – der Diana, des Merkur und des Bacchus, denen der verdammte Tyrann Nero Opfer darbrachte; für diese seine Liebe zu ihnen befindet er sich jetzt mit ihnen zusammen in der Hölle ..."

Pjotr Andrejitsch öffnete eine Perlmuttertabatiere, auf deren Deckel drei Schäfchen und ein Schäfer, der einer schlafenden Schäferin den Gürtel löst, dargestellt waren, reichte sie der niedlichen jungen Fürstin Tscherkasskaja, nahm selbst eine Prise und fügte schmachtend hinzu:

"Bei meinem Aufenthalt in Neapel war ich, wie ich mich noch ganz genau entsinne, in eine gewisse schöne Cittadina Franceska inamoriert. Sie kostete mich über zweitausend Dukaten. Auch heute noch wohnt jenes Amore in meinem Herzen ..."

Er sprach so gut italienisch, daß seine russische Rede immer mit lateinischen Brocken durchsetzt war; er sagte inamoriert statt verliebt und Cittadina statt Bürgermädchen.

Tolstoi war ein Siebziger, war aber noch so kräftig, rüstig und frisch, daß er wie ein Fünfziger aussah. Was die Galanterie gegen Damen betraf, so konnte er darin, nach einem Ausspruche des Zaren, "alle jungen Venusjäger in den Sack stecken". Er fiel durch die samtene Weichheit seiner Bewegungen auf, durch seine samtweiche Stimme, sein samtzartes Lächeln und seine samtnen, ungewöhnlich dichten und schwarzen, wahrscheinlich gefärbten Brauen. "Er ist ganz wie Samt, hat aber doch einen Stachel!" pflegte man von ihm zu sagen. Auch Peter selbst, der seine "Paladine" mit viel zu wenig Vorsicht behandelte, sagte: "Wenn man mit Tolstoi zu tun hat, soll man im Busen einen Stein bereit halten." Dieser "elegante und exzellente Herr" hatte manche dunkle, böse und sogar blutige Tat auf dem Gewissen. Aber er verstand es, alle Spuren zu verwischen.

Nun krümmten sich die letzten Nägel, das Holz knarrte, der Deckel ging in die Höhe, und der Kasten war geöffnet. Zuerst sah man etwas Graues und Gelbes, das wie der Staub vermoderter Gebeine aussah. Es waren Hobel- und Sägespäne von Fichtenholz, Filz- und Wollabfälle, in die man die Statue gebettet hatte, damit sie es weicher habe.

Peter wühlte mit beiden Händen herum, tastete endlich den Marmorleib und rief voller Freude aus:

"Da ist sie, da ist sie!"

Das Zinn zum Verlöten der Eisenklammern, die den Sockel mit der Statue verbinden sollten, wurde bereits geschmolzen. Der Architekt Leblond machte sich mit großem Eifer an einer Art Aufzugsmaschine mit kleinen Leitern, Tauen und Flaschenzügen zu schaffen. Zuerst mußte man aber die Statue mit den Händen aus dem Kasten heben.

Diener halfen Peter bei dieser Arbeit. Als aber einer von ihnen mit einem unziemlichen Scherzwort die "nackte Dirne" an einer unpassenden Stelle berührte, gab ihm der Zar eine solche Ohrfeige, daß alle sofort einen großen Respekt vor der Göttin bekamen.

Die wollenen Flocken fielen wie Klumpen grauer Erde vom glatten Marmor herab. Und nun entstieg die Göttin, wieder zu neuem Leben erwacht, wie vor zweihundert Jahren in Florenz, ihrem Sarg.

Die Stricke wurden angezogen, die Flaschenzüge knirschten. Sie stieg immer höher empor. Peter stand auf einer Leiter, um die Statue auf dem Sockel zu befestigen, und hielt sie dabei mit beiden Armen umfangen.

Leblond, der eine klassische Bildung genossen hatte, sagte unwillkürlich: "Die Venus in den Armen des Mars!"

"So hübsch sind sie beide," rief ein junges Hoffräulein der Kronprinzessin Charlotte, "daß ich an Stelle der Zarin eifersüchtig werden würde!"

Peter war beinahe ebenso übermenschlich groß wie die Statue. Und sein Menschengesicht bewahrte seinen Adel auch neben dem göttlichen Antlitz: der Mensch war der Göttin würdig.

Sie schwankte noch zum letztenmal, erzitterte und blieb plötzlich regungslos aufrecht auf dem Sockel stehen.

Es war ein Werk des Praxiteles: Aphrodite Anadyomene, die Schaumgeborene, die himmlische Urania, die alte phönizische Astarte, die babylonische Militta, die Urmutter des Seins, die große Allernährerin, die den Himmel mit Sternen wie mit Samen erfüllt und aus ihren Brüsten die Milchstraße hatte fließen lassen.

Sie war hier die gleiche wie auf den Hügeln von Florenz, wo sie der Schüler Leonardo da Vincis in abergläubischer Angst anstaunte; die gleiche, wie in der Tiefe Kappadociens, in der Nähe der alten Feste Macellum, im verlassenen Tempel, wo sie ihr letzter Verehrer, ein blasser schmächtiger Knabe in dunkler Kleidung, der spätere Kaiser Julian Apostata anbetete. Sie war noch immer ebenso keusch und wollüstig, nackt, doch sich ihrer Nacktheit nicht schämend. Von jenem Tage an, als sie dort in Florenz ihrem tausendjährigen Grabe entstiegen, war sie immer weiter und weiter, von Jahrhundert zu Jahrhundert, von Volk zu Volk gewandert, ohne irgendwo stehen zu bleiben, bis sie endlich auf ihrem Triumphzuge die äußerste Grenze der Erde – das hyperbolische Skythien erreicht hatte, hinter dem es nichts mehr gibt als Nacht und Chaos. Von ihrem Sockel herab blickte sie nun zum erstenmal mit gleichsam erstaunten und neugierigen Augen auf dieses fremde, neue Land, auf diese moosbewachsenen Sümpfe, auf diese seltsame Stadt, die den Siedlungen nomadisierender Barbaren glich, auf diesen Himmel, der weder in der Gewalt des Tages noch der Nacht war, und auf diese schwarzen, langsamen, schrecklichen Wellen, die an die des unterirdischen Styx gemahnten. Dieses Land war ihrer olympischen, sonnendurchleuchteten Heimat so unähnlich; es war hoffnungslos, wie das Land des Vergessens, wie der dunkle Hades. Und doch lächelte die Göttin mit ihrem ewigen Lächeln, wie die Sonne lächeln würde, wenn sie in den dunklen Hades hineinschiene.

Pjotr Andrejitsch Tolstoi rezitierte auf Wunsch der Damen das Gedicht "Vom Cupido", die von ihm verfaßte Übersetzung der alten anakreontischen Hymne an Eros:

Eingeschlummert in der Rose Kelch war eine müde Biene; Sieh! da naht sich leise, lose, Eros mit verschlagner Miene!

Arme Menschen zu berücken Soll der Rose Duft und Schein Seinen kleinen Köcher schmücken, Drin die Liebespfeil' voll Pein.

Doch die Biene jäh erwachet, Sticht ihn in das Fingerlein, Daß, der sonst der Schmerzen lachet, Plötzlich selbst hob an zu schrein.

Weinend lief er zu Kytheren, Seiner holden Mutter hin; Um dem bittern Schmerz zu wehren, Hält er ihr den Finger hin.

"Mutter," schluchzt er, "eine Schlange Stach mich in dem Kelch der Rose, Klein, beflügelt ... ach, wie bange Ist mir vor des Todes Lose!"

Drauf die Holde ihm erwidert: "Wenn der Biene Stachel schon Dir das Leben so verbittert, So bedenke, lieber Sohn:

Wieviel Schmerzen sonder Weilen Du den armen Menschen schaffst, Die mit deinen spitzen Pfeilen Mitten in das Herz du trafst!"

Den Damen, die außer Kirchenkantaten und Psalmen keinerlei russische Verse kannten, erschien das Liedchen ganz wundervoll.

Tolstoi hatte es auch im passendsten Moment vorgetragen: Peter entzündete gerade mit eigener Hand statt der ersten Rakete des Feuerwerks eine kleine Flugmaschine in Gestalt eines Cupido, der eine brennende Fackel in der Hand hielt. Cupido glitt an einem unsichtbaren Draht von der Galerie zu einem Floße auf der Newa hin, wo Feuerwerksgerüste "zur feurigen Ergötzung nach einem aus Lunten angefertigten Plane" aufgestellt waren, und entzündete mit seiner Fackel das erste allegorische Bild – einen Altar aus Brillantfeuer mit zwei flammenden rubinroten Herzen. In dem einen der Kerzen leuchtete ein smaragdgrünes lateinisches P, und im anderen – ein C: das bedeutete Petrus und Catarina. Die beiden Herzen verschmolzen, und es wurde die Inschrift sichtbar: "Aus zweien bilde ich eins." Das bedeutete, daß die Göttin Venus und Cupido den Ehebund Peters mit Katharina segneten.

Nun erschien eine andere Figur – ein leuchtendes Transparentbild mit zwei Darstellungen: auf der einen Seite blickt Neptun auf die eben im Meere erbaute Festung Kronschlot; darunter die Inschrift:"Videt et stupescit!"