Perry Rhodan 2077: Die Dunkle Null - Rainer Castor - ebook

Perry Rhodan 2077: Die Dunkle Null ebook

Rainer Castor

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Opis

Im Gefahrenzentrum Clurmertakh - sie suchen den verschollenen Ritter Die SOL kehrte unter dem Kommando von Atlan, dem unsterblichen Arkoniden, erfolgreich von ihrer Reise in die Vergangenheit zurück. In Segafrendo, rund 18 Millionen Jahre "vor" ihrer eigenen Zeit, war die Besatzung des Hantelraumschiffs Zeuge großer kosmischer Ereignisse und schrecklicher Kämpfe geworden. In der relativen Neuzeit des Jahres 1304 Neuer Galaktischer Zeitrechnung sind die Menschen nun im Land Dommrath angekommen, einer Galaxis, die unter der friedlichen und zugleich strengen Herrschaft der Ritter von Dommrath steht. Verbunden sind die bewohnten Planeten durch Transmitter, über die der Personen- und Frachtverkehr abgewickelt wird; ein vergleichsweise hoher Wohlstand sorgt dafür, daß es allen Wesen in der Galaxis gut geht. Doch dieses Paradies hat seine Schattenseiten: Eine grauenvolle Seuche sucht in unregelmäßigen Abständen die Welten der Galaxis heim und entvölkert ganze Planeten. Und im mysteriösen Sektor CLURMERTAKH geschehen Ereignisse, die niemand richtig einschätzen kann. Atlan muß erkennen, daß die Geschehnisse in Dommrath mit denen in Segafrendo und in der Milchstraße zusammenhängen. So gibt es in allen drei Galaxien gigantische Pilzdome und damit Zugänge zur Brücke in die Unendlichkeit. Der Arkonide will mehr herausfinden, sein Ziel ist der Verbotene Sektor - und dort wartet DIE DUNKLE NULL...

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Nr. 2077

Die Dunkle Null

Im Gefahrenzentrum Clurmertakh – sie suchen den verschollenen Ritter

von Rainer Castor

Die SOL kehrte unter dem Kommando von Atlan, dem unsterblichen Arkoniden, erfolgreich von ihrer Reise in die Vergangenheit zurück. In Segafrendo, rund 18 Millionen Jahre »vor« ihrer eigenen Zeit, war die Besatzung des Hantelraumschiffs Zeuge großer kosmischer Ereignisse und schrecklicher Kämpfe geworden.

In der relativen Neuzeit des Jahres 1304 Neuer Galaktischer Zeitrechnung sind die Menschen nun im Land Dommrath angekommen, einer Galaxis, die unter der friedlichen und zugleich strengen Herrschaft der Ritter von Dommrath steht. Verbunden sind die bewohnten Planeten durch Transmitter, über die der Personen- und Frachtverkehr abgewickelt wird; ein vergleichsweise hoher Wohlstand sorgt dafür, dass es allen Wesen in der Galaxis gutgeht.

Doch dieses Paradies hat seine Schattenseiten: Eine grauenvolle Seuche sucht in unregelmäßigen Abständen die Welten der Galaxis heim und entvölkert ganze Planeten. Und im mysteriösen Sektor CLURMERTAKH geschehen Ereignisse, die niemand richtig einschätzen kann.

Atlan muss erkennen, dass die Geschehnisse in Dommrath mit denen in Segafrendo und in der Milchstraße zusammenhängen. So gibt es in allen drei Galaxien gigantische Pilzdome und damit Zugänge zur Brücke in die Unendlichkeit.

Der Arkonide will mehr herausfinden, sein Ziel ist der Verbotene Sektor – und dort wartet DIE DUNKLE NULL …

Die Hauptpersonen des Romans

Myles Kantor – Der Chefwissenschaftler der SOL nimmt an der Expedition nach Clurmertakh teil.

Atlan – Der Arkonide bereitet seine Gruppe auf alle Eventualitäten vor.

Mondra Diamond – Die ehemalige TLD-Agentin sucht für sich eine Bewährungsprobe.

Trim Marath – Der junge Monochrom-Mutant findet einen Schlüssel zum Erfolg.

Icho Tolot

Checkalur 0057. Eigenname CLURMERTAKH.

Millionen Sterne aller Klassifikationen am Nordrand des Tathfedad-Sternenrings, begrenzt von den imaginären Linien des 3177 Lichtjahre Seitenlänge messenden Clusterkubus.

Ein Gebiet, in dem seit Jahrtausenden verwirrende, rätselhafte und bedrohliche Phänomene zu beobachten waren.

Hyperstürme galten hier noch als eine der harmloseren Erscheinungen, Ausfälle von konventioneller und Hypertechnik als normal.

Benannt war der Cluster nach dem Sperrplaneten mit dem gleichen Namen, 16.786 Lichtjahre vom Galaktischen Zentrum des Landes Dommrath und 10.575 Lichtjahre von Crozeiro im Checkalur 0001 entfernt.

18.568 Lichtjahre waren es bis zur weißen Riesensonne Mattane und dem Mega-Dom.

Clurmertakh war der einzige Planet einer kleinen namenlosen Sonne, 2481 Lichtjahre oberhalb der galaktischen Hauptebene nahe dem südwestlichen Winkel des Clusters gelegen.

Ein hyperphysikalisches »Epizentrum«, von dem in unregelmäßigen Abständen konzentrische Kugelwellen nach allen Seiten brandeten, unterschiedlich weit vordrangen und ebenso unterschiedliche Wirkungen entfalteten.

Ein Punkt näherte sich dem roten M5V-Stern; als er größer wurde, ließen sich erste Einzelheiten unterscheiden. Zunächst die vielschichtige, an eine Seifenblase erinnernde Sphäre – transparente Lagen in den Farben Blau und Grün, vereinzelt überdeckt von rot umflirrten schwarzen Rissen.

Im Inneren ein Körper aus rötlich angehauchtem Gold: Glanzlichter und Reflexe überzogen die mächtige Wölbung.

Umrisslinien kennzeichneten Hangartore, Kuppeln ragten als klein erscheinende Noppen hervor, Reihen erleuchteter Luken folgten als Bänder rings der Rundung, aus der ein ringförmiger Wulst weit auskragte.

In Schatten getaucht der Bereich hinter dem Wulst. Dennoch erkennbar die zurückweichende Rundung. An die umgürtete Riesenkugel schloss sich ein langer Zylinder an, ebenfalls in der Mitte von einem Wulst umgeben.

Dann eine zweite Kugel, der Abschluss des insgesamt hantelförmigen Raumschiffs. Lautlos, von fast majestätischer Pracht strebte der Körper weiter. Riesig für die rund 100.000 Lebewesen an Bord, dennoch nur ein Pünktchen inmitten des Alls.

Die SOL flog dem Planeten Clurmertakh entgegen …

1.

5. März 1304 NGZ, an Bord der SOL

Myles Kantor

Plötzlich war das fürchterliche Jucken da. Schlimmer als jemals zuvor. Ein Kribbeln zog sich überdies vom linken Oberarm bis zur Hand und in die Schulter.

Ich hob die rechte Hand, um mich zu kratzen, wurde mir dieser Handlung erst verzögert bewusst. Denn auch das Kratzen half nicht. Lange Sekunden war ich abgelenkt, ganz auf den Juckreiz konzentriert.

»… mit anderen Worten: Die Angst hat ihn umgebracht«, hörte ich Hery-Ann Taeg zu Atlan sagen, während Marth und Necker Rhavved die Zentrale betraten und auf die beiden zugingen.

Dieses verdammte Mal von ES!

»Ich weiß, was sie behauptet!«, rief der Wortführer der Dookies. »Aber wir wissen es besser. Mag sein, dass eine Menge Stresshormone im Blut des Sternenlotsen vorhanden waren. Dennoch hat ihn nicht seine Angst vor dem Unbekannten umgebracht.«

»Es war Mord!«, fügte Necker mit derartiger Lautstärke hinzu, als wolle er die Aussage unterstreichen.

»Das kann ich mir nicht vorstellen.« Atlan blieb ruhig und gelassen. »Wenn es Mord gewesen wäre, wäre das Icho Tolot mit Sicherheit nicht entgangen.«

Marth Rhavved setzte zu einer wütenden Erwiderung an. In diesem Augenblick stieß Viena Zakata einen Schrei aus und deutete auf die Holos. Zu spät folgte mein Blick seinem Hinweis. Undeutlich konnte ich etwas Schwarzes erkennen, dann war es wieder verschwunden.

Zweifelnd schaute ich Zakata an. Fiel der Orter schon auf irgendwelche Täuschungen herein?

Obwohl sich die Distanz zwischen der SOL und Clurmertakh inzwischen deutlich verringert hatte, konnten die Orter bislang noch kein präzises und dauerhaft stabiles Bild des Planeten liefern. Allzu groß waren die hyperphysikalischen Verzerrungen und ihre Auswirkungen auf das vierdimensionale Raum-Zeit-Gefüge.

… und es juckt und juckt! Vielleicht sollte ich mal Darla Markus fragen, ob sie es herausoperieren kann?

Nur am Rande bekam ich mit, dass Viena etwas sagte, Atlan zum Orterholo stapfte und SENECA seinen berühmt-berüchtigten Satz hören ließ: »Das wüsste ich aber.«

Mühsam versuchte ich, aufsteigende Bilder zu verdrängen. Die Kunstwelt Wanderer am 21. Mai 1174 NGZ. Der immer stärker werdende Schmerz in den plötzlich wieder vorhandenen Beinen. Unerträglich erscheinende Qualen, Scham und das intensive Gefühl, gedemütigt zu werden. Ich glaubte, mich selbst wieder schreien zu hören.

Seither pochte der Zellaktivatorchip in meiner linken Schulter unterhalb des Schlüsselbeins. Und auf meinem linken Oberarm gab es das handtellergroße Mal in Form einer Spiralgalaxis. Nie hatte ich erfahren, was die Superintelligenz damit ausdrücken wollte. ES blieb auch stumm, nachdem die Wesenheit im INSHARAM entstanden war und Delorian Rhodan sich als Chronist offenbart hatte.

Ich seufzte erleichtert, als das Jucken endlich nachließ.

Während ich auf meine kratzenden Finger starrte, ließ ich die Hand sinken. Gleichzeitig sah ich mich verstohlen um. Niemand hatte auf mich geachtet; die Aufmerksamkeit aller war auf die Orterholos und die Monitore der optischen Beobachtung gerichtet.

Nun, selbst wenn das nicht der Fall wäre, durchfuhr es mich selbstironisch, hätte ich kaum Aufmerksamkeit erregt. Myles Kantor ist ja so zurückhaltend und fällt nicht auf. Er ist blass!

Tief in mir schien eine Stimme aufzubegehren: Dann tu was dagegen …!

Die SOL hatte Störfelder von erheblichem Ausmaß durchflogen. Nun lagen sie hinter ihr, und das Bild des Planeten entzerrte sich langsam. Ich seufzte abermals, rief die Daten ab, überflog die Zeilen des Holotableaus und warf einen Blick auf die normaloptische Darstellung.

Brauntönungen der verschiedenen Nuancen herrschten vor, nur von wenigen helleren Flecken unterbrochen. Streifenmuster und riesige Spiralformationen waren zu erkennen, die direkte Sicht auf die Oberfläche blieb eingeschränkt. Das Land unter den wirbelnden Staubwolken zeigte sich in dunklem Braun, Grau und Beige.

Clurmertakh ist ein Wüstenplanet.

Orter und Taster lieferten genauere Werte, die Interpolationen SENECAS wurden mit der weiteren Annäherung der SOL besser. Wiederholt waren hyper- und normalenergetische Störfronten angemessen worden. Selbst die Schutzschirmstaffeln der SOL wurden offensichtlich durchdrungen, wenn ich an die Ereignisse der letzten Stunden dachte, und auf unsere Außenbeobachtung wirkten sie sich negativ aus. Vor allem der hyperelektromagnetische Bereich war betroffen – Funk und Ortung lieferten wiederholt ein durchdringendes Rauschen, Quietschen und Prasseln.

»… ein Loch!«, hörte ich Tangens sagen; die markante Nase, die seinem Beinamen der Falke trefflich entsprach, schien wie ein Raubvogelschnabel nach dem Holo zu hacken. »Wie aus der Schöpfung herausgestanzt!«

Atlans Kopf drehte sich mir zu; das Gesicht wirkte angespannt, die Augen waren zusammengekniffen. Mit unüberhörbarer Schärfe in der Stimme sagte der Arkonide: »Myles?«

»Moment noch …«

Er nickte, wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Holos und Monitoren zu. Ich achtete kaum darauf, dass SENECA unterdessen die als gesichert eingestuften Daten zusammenfasste:

»… derzeitiger Sonnenabstand Clurmertakhs: 44,7 Millionen Kilometer. Kein Mond. Durchmesser des Planeten mit 17.026 Kilometern ermittelt; Äquatorumfang 53.489 Kilometer. Achsneigung: 34 Grad. Schwerkraft: 1,2 Gravos. Dünne, stauberfüllte Sauerstoff-Stickstoff-Atmosphäre – von Menschen nur mit Verdichtermasken atembar. Keine Meere. Eindeutig eine von Wüsten, Gebirgen, Geröllebenen bestimmte Welt. Schmale Vegetationsgürtel am Rand der vereisten Polkappen, nur dort ist Wasser als eine ganze Reihe von Seen in flüssiger Form vorhanden. Durchschnittstemperatur: 24 Grad Celsius; Höchstwerte mehr als das Doppelte …«

Im Hintergrund murmelte jemand: »Alles andere als eine freundliche Umgebung.«

Vergessen schien der Tod des irrismeetischen Sternenlotsen; die beiden Dookies stapften davon, nachdem Fee Kellind ihnen einen fast herrischen Wink gegeben hatte, aber nicht, ohne grimmige Blicke auf die Leiterin der Medizinischen Abteilung zu werfen. Im Hinausgehen grummelte Marth etwas von einer »Holzerschen Doktrin – Besserwisserei, gepaart mit Uneinsichtigkeit«, angeblich auch »Holzweg« genannt.

Die ohnehin schlechte Meinung der »Schatztaucher« über die »unfähige Schiffsführung« würde sich zweifellos durch diesen Vorfall verstärken; leider war die Art ihrer Auftritte nicht unbedingt dazu angetan, ihren ständigen Nörgeleien Gehör zu schenken, und Necker Rhavveds Eskapaden ließen die Gerüchteküche brodeln.

Angeblich hat er versucht, sich an Darla heranzumachen… Ich schob die unergiebigen Gedanken beiseite.

Aus dem All bot Clurmertakh ein meist hellbraunes, sturmumtostes Bild. Das war jedoch keinesfalls Anlass für die erstaunten Reaktionen. Optisch war das angesprochene Phänomen zur Zeit nicht zu erkennen, weil es am Rand der von uns halb abgewandten Tagseite lag. Und die unsicheren Ortungsdaten …

Fest stand nur, dass sich etwa auf halbem Weg zwischen Äquator und Südpol, rund 6100 Kilometer vom Äquator entfernt, das befand, was Tangens als »Loch« bezeichnet hatte.

»Wirkt wohl auf den ersten Blick wie das Auge eines riesigen Sturms – vergleichbar vielleicht mit dem Großen Roten Fleck des Jupiters«, fuhr der Korphyre fort. Sein forschender Seitenblick in meine Richtung schien auf Widerspruch zu warten; aber ich sagte noch nichts. »Der Kern des Phänomens hat aber nichts mit einem Sturm zu tun.«

»Das Phänomen besitzt eine dreidimensionale Ausdehnung«, meldete SENECA. »Indirekte Nachweismethode, da das ›Innere‹ selbst nicht angemessen werden kann. Massetaster, Energie- und Strukturpeilung liefern keine Ergebnisse. Durchmesser ziemlich exakt sechsunddreißig Kilometer! Eine geometrisch perfekte Kugel – rund zwei Drittel von ihr sind in die planetare Masse eingebettet. Durch fünffache Überprüfung bestätigt, dass sämtliche Daten der Kugel die Charakteristika eines anderen Universums zuweisen …«

*

»Handelt es sich um ein dauerhaftes Phänomen, oder ist es eine weitere Seltsamkeit dieses Clusters?«, wollte Atlan wissen.

Angeblich existierten die absolut unvorhersehbaren hyperphysikalischen Phänomene seit Anbeginn der dommrathischen Zeitrechnung. Das Verbot der Raumfahrt bedingte, dass nur jene Erscheinungen beobachtet wurden, welche die Welten des Clusters direkt heimsuchten. Beispielsweise, wenn bei Portaltransporten hin und wieder Sendungen auf rätselhafte Weise verlorengingen.

»Weitere Ortung!«, rief Viena.

»Die ATHA'KIMB?«

»Leider nein, Atlan. Die Streu-Emissionen sprechen für ein Lokalportal und eine kleine Basis. Müsste die Forschungsstation sein, von der in den Informationen gesprochen wird, die uns zur Verfügung stehen. Beachtlich: Sie ist eben mal hundertachtzig Kilometer vom Rand des ›Lochs‹ entfernt.«

Abermals sah mich Atlan an, doch ich hob die Schultern und schüttelte den Kopf. Noch konnte und wollte ich mir kein Urteil bilden; die Informationen waren viel zu dürftig, und mit ungestümen Vermutungen und Spekulationen war uns nicht geholfen. Für solcherart Dinge war das Bordforum zuständig …

»Gefahren?«, knurrte der Arkonide auf äußerst knappe Art. Seine Wangenmuskeln arbeiteten, verdeutlichten seine Anspannung.

Die Verantwortung für mehr als 100.000 Lebewesen an Bord der SOL war ihm in diesem Augenblick deutlich anzumerken – nicht zuletzt, weil es Unruhe in der Besatzung gab. Viele waren seit August 1290 NGZ ohne Unterbrechung an Bord, seit die SOL von Alashan aufgebrochen war. Rein zeitlich war das nicht soviel. An den Nerven der Besatzung zerrte aber, dass sie in den wenigen Monaten real erlebter Zeit schon mehr als ein Dutzend Jahre verloren hatte.

»Keine direkt erkennbaren – von den hyperphysikalischen Störungen abgesehen. Scheinen aber nachzulassen. Funkkontakt lässt sich nicht herstellen, weder konventionell noch überlichtschnell.«

»Also gut … Die SOL geht in einen geostationären Orbit, Alarm bleibt bestehen, Schutzfelder bleiben aktiviert. Sobald bessere Messergebnisse vorliegen und wir die Lage genauer einschätzen können, versuchen wir, Mohodeh Kaschas Spur aufzunehmen. Grenjamin: Vorbereitung für den Start eines Kreuzers! Es lässt sich wohl nicht vermeiden, Clurmertakh einen Besuch abzustatten.«

Der Chef der Beiboot-Flottille ließ ein begeistertes »Verstanden« hören. Fee gab dem Emotionauten einen Wink. Roman rückte die SERT-Haube zurecht, für eine Weile durchzogen stärkere Vibrationen die Schiffszelle, als die Hyperkon-Triebwerke für den Gravohub des virtuellen G-Punktes hochfuhren.

Bis zum Erreichen des Planetenorbits nutzten wir die Zeit, um weitere Daten zu erhalten. Tangens, Icho und die zur wissenschaftlichen Abteilung gehörenden Besatzungsmitglieder bemühten sich, die Ergebnisse durch Nachjustierungen zu verfeinern. Sonderlich erfolgreich waren wir leider nicht.

Der als gefährlich oder gar tödlich verrufene Sperrplanet schien in der Tat im Zentrum aller hyperphysikalischen Störungen dieses Clusters zu liegen. Wiederholt konnten wir Kugelfronten anmessen, die hier ihren Anfang hatten, in ihrer Erscheinung allerdings sehr unterschiedlich ausfielen: Manche breiteten sich nur träge aus oder blieben fast stationär, andere rasten mit Überlichtgeschwindigkeit davon. In wieder anderen Fällen gab es engbegrenzte Ausbrüche höchster Intensität, vergleichbar den Bursts, den zeitweiligen Erhöhungen der solaren Radiostrahlung. Hinzu kamen die verschiedensten Überlagerungen mit den bekannten Folgen von einander verstärkender oder abschwächender Interferenz.

Die Daten über das eigentliche »Epizentrum« jedoch blieben mehr als vage. Diese von Tangens als »Loch« umschriebene Kugel entzog sich den Messgeräten. Wir konnten nur ihre äußere Erscheinung erkennen. Ich vermutete, dass es sich hierbei um den »dreidimensionalen Schatten« dessen handelte, was das Objekt tatsächlich war.

*

»Seit fast dreizehn Jahren gibt es keine Nachricht von Mohodeh Kascha«, sagte Atlan einige Stunden später bei der Einsatzbesprechung, zu der wir uns in einem Konferenzraum neben der Zentrale eingefunden hatten. »Von Irrismeet aus flog er hierher nach Clurmertakh, offenbar weil er hoffte, hier einen Unbekannten zu finden. Niemand weiß, ob er noch hier ist, ob er noch lebt oder was geschehen ist. Unser Ziel ist die Kontaktaufnahme, denn nur von dem Ritter werden wir mehr über den Thoregon-Komplex erfahren. Stichwort hier sind vor allem die Pangalaktischen Statistiker der Galaxis Wassermal.«

»Und Clurmertakh?«, wandte Icho Tolot grollend ein und wies mit dem rechten Handlungsarm auf den über dem Tisch rotierenden Hologlobus.

Ein herausragender kegelförmiger Vergrößerungsabschnitt zeigte den Bereich von der Forschungsstation und des »Lochs«, das aus den sturmgepeitschten Staub- und Sandmassen bis in die Hochatmosphäre hinausragte – immerhin lag der Pol zwölftausend Meter oberhalb der Oberfläche.

Nachdenklich sah Atlan zu dem Haluter hoch und machte eine vage Handbewegung. »Ist bis auf weiteres von sekundärer Bedeutung.« Er reckte die Schultern. »Wir haben davon auszugehen, dass die Ritter seit Jahrtausenden versuchen, die hiesigen Phänomene zu erforschen. Nicht sonderlich erfolgreich, wie mir scheint.«

Schwarz, kugelförmig, von unbekannter Zusammensetzung und Struktur, zu einem großen Teil in der Planetenmasse versunken: Es war nicht einmal festzustellen, ob das »Objekt« massiv war oder über Hohlräume verfügte. Uns gelang der Nachweis nur indirekt, nämlich durch das Fehlen von eindeutigen Messergebnissen aus der bewussten 36-Kilometer-Zone.

Während Tangens der Falke weiterhin von einem »Loch« sprach, hielt ich die Umschreibung »Schatten« für treffender, glich das Phänomen meiner Ansicht nach doch eher dem im Standarduniversum in Erscheinung tretenden Effekt einer in Wirklichkeit hyperphysikalischen Ursache – ähnlich einem Kosmonukleotid, das einen normaldimensionalen »Abdruck« erzeugte.