Maria Stuart: Ein Trauerspiel - Friedrich Schiller - ebook

Maria Stuart: Ein Trauerspiel ebook

Friedrich Schiller

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Opis

Dieses eBook: "Maria Stuart: Ein Trauerspiel" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Im Jahre 1568 wird Maria Stuart, Königin von Schottland, wegen des Verdachtes auf Beihilfe bei der Ermordung ihres Gatten aus dem Land verjagt und flieht nach England. Sie erhofft sich Schutz bei Elisabeth I., der englischen Königin. Die aber muss um ihre Krone fürchten, da Maria selbst Ansprüche darauf hat. Deshalb lässt Elisabeth sie gefangen nehmen und in einem Schloss internieren. Die Handlung des Stücks setzt 19 Jahre später, drei Tage vor Marias Hinrichtung, ein. Betört von Maria Stuarts Schönheit, hatten immer wieder junge Männer die Schottin zu befreien versucht. Auch der junge Mortimer möchte die Eingekerkerte retten. Einen Auftrag der Königin zum Mord an Stuart nimmt er nur zum Schein an. Er weiht den Grafen von Leicester in seinen Plan ein, der selbst Maria liebt und zugleich auch Elisabeths Liebhaber ist. In seinem Dilemma arrangiert dieser ein Treffen der Königinnen, bei dem Maria das Herz ihrer Rivalin rühren soll. Friedrich von Schiller (1759-1805), 1802 geadelt, war ein Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker, Lyriker und Essayisten.

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Friedrich Schiller

Maria Stuart: Ein Trauerspiel

e-artnow, 2017 Kontakt: [email protected]
ISBN 978-80-268-7066-1
Inhaltsverzeichnis
Personen
Erster Aufzug
Erster Auftritt
Zweiter Auftritt
Dritter Auftritt
Vierter Auftritt
Fünfter Auftritt
Sechster Auftritt
Siebenter Auftritt
Achter Auftritt
Zweiter Aufzug
Erster Auftritt
Zweiter Auftritt
Dritter Auftritt
Vierter Auftritt
Fünfter Auftritt
Sechster Auftritt
Siebenter Auftritt
Achter Auftritt
Neunter Auftritt
Dritter Aufzug
Erster Auftritt
Zweiter Auftritt
Dritter Auftritt
Vierter Auftritt
Fünfter Auftritt
Sechster Auftritt
Siebenter Auftritt
Achter Auftritt
Vierte Aufzug
Erster Auftritt
Zweiter Auftritt
Dritter Auftritt
Vierter Auftritt
Fünfter Auftritt
Sechster Auftritt
Siebenter Auftritt
Achter Auftritt
Neunter Auftritt
Zehnter Auftritt
Elfter Auftritt
Zwölfter Auftritt
Fünfter Aufzug
Erster Auftritt
Zweiter Auftritt
Dritter Auftritt
Vierter Auftritt
Fünfter Auftritt
Sechster Auftritt
Siebenter Auftritt
Achter Auftritt
Neunter Auftritt
Zehnter Auftritt
Elfter Auftritt
Zwölfter Auftritt
Dreizehnter Auftritt
Vierzehnter Auftritt
Letzter Auftritt

Personen

Inhaltsverzeichnis

Elisabeth,

Königin von England

Maria Stuart,Königin von Schottland, Gefangne in England

Robert Dudley,Graf von Leicester

Georg Talbot,Graf von Shrewsbury

Wilhelm Cecil,Baron von Burleigh, Großschatzmeister

Graf von Kent

Wilhelm Davison,Staatssekretär

Amias Paulet,Ritter, Hüter der Maria

Mortimer,sein Neffe

Graf Aubespine,französischer Gesandter

Graf Bellievre,außerordentlicher Botschafter von Frankreich

Okelly,Mortimers Freund

Drugeon Drury,zweiter Hüter der Maria

Melvil,ihr Haushofmeister

Burgoyn,ihr Arzt

Hanna Kennedy,ihre Amme

Margareta Kurl,ihre Kammerfrau

Sheriffder Grafschaft

Offizier der Leibwache Französische und englische Herren Trabanten

Hofdienerder Königin von England

Diener und Dienerinnender Königin von Schottland

Erster Aufzug

Inhaltsverzeichnis

Im Schloß zu Fotheringhay. – Ein Zimmer.

Erster Auftritt

Inhaltsverzeichnis

Hanna Kennedy, Amme der Königin von Schottland, in heftigem Streit mit Paulet, der im Begriff ist, einen Schrank zu öffnen. Drugeon Drury, sein Gehilfe, mit Brecheisen.

Kennedy. Was macht Ihr, Sir? Welch neue Dreistigkeit! Zurück von diesem Schrank!

Paulet. Wo kam der Schmuck her? Vom obern Stock ward er herabgeworfen, Der Gärtner hat bestochen werden sollen Mit diesem Schmuck – Fluch über Weiberlist! Trotz meiner Aufsicht, meinem scharfen SuchenNoch Kostbarkeiten, noch geheime Schätze!(Sich über den Schrank machend.) Wo das gesteckt hat, liegt noch mehr!

Kennedy. Zurück,Verwegener! Hier liegen die Geheimnisse der Lady.

Paulet. Die eben such ich. (Schriften hervorziehend.)Kennedy. Unbedeutende Papiere, bloße Übungen der Feder, Des Kerkers traur´ge Weile zu verkürzen.

Paulet. In müß´ger Weile schafft der böse Geist.

Kennedy. Es sind französische Schriften.

Paulet. Desto schlimmer! Die Sprache redet Englands Feind.

Kennedy. Konzepte Von Briefen an die Königin von England.

Paulet. Die überlief’r ich – Sieh! Was schimmert hier?

(Er hat einen geheimen Ressort geöffnet und zieht aus einem verborgenen Fach Geschmeide hervor.)

Ein königliches Stirnband, reich an Steinen, Durchzogen mit den Lilien von Frankreich!(Er gibt es seinem Begleiter.) Verwahrt’s, Drury. Legt’s zu dem übrigen!

(Drury geht ab.)

Kennedy. O schimpfliche Gewalt, die wir erleiden!

Paulet. Solang sie noch besitzt, kann sie noch schaden, Denn alles wird Gewehr in ihrer Hand.

Kennedy. Seid gütig, Sir. Nehmt nicht den letzten Schmuck Aus unserem Leben weg! Die jammervolle Erfreut der Anblick alter Herrlichkeit, Denn alles andere habt Ihr uns entrissen.

Paulet. Es liegt in guter Hand. Gewissenhaft Wird es zu seiner Zeit zurückgegeben!

Kennedy. Wer sieht es diesen kahlen Wänden an, Daß eine Königin hier wohnt? Wo ist Die Himmeldecke über ihrem Sitz? Muß sie den zärtlich weichgewöhnten Fuß Nicht auf gemeinen rauhen Boden setzen? Mit groben Zinn – die schlechtste Edelfrau Würd’ es verschmähn – bedient man ihre Tafel.

Paulet. So speiste sie zu Sterlyn ihren Gatten, Da sie aus Gold mit ihrem Buhlen trank.

Kennedy. Sogar des Spiegels kleine Notdurft mangelt.

Paulet. Solang sie noch ihr eitles Bild beschaut, Hört sie nicht auf, zu hoffen und zu wagen.

Kennedy. An Büchern fehlt’s, den Geist zu unterhalten Paulet. Die Bibel ließ man ihr, das Herz zu bessern.

Kennedy. Selbst ihre Laute ward ihr weggenommen.

Paulet. Weil sie verbuhlte Lieder drauf gespielt.

Kennedy. Ist das ein Schicksal für die Weicherzogne, Die in der Wiege Königin schon war, Am üpp’gen Hof der Mediceerin In jeder Freuden Fülle aufgewachsen! Es sei genug, daß man die Macht ihr nahm, Muß man die armen Flitter ihr mißgönnen? In großes Unglück lehrt ein edles Herz Sich endlich finden, aber wehe tut’s, Des Lebens kleine Zierden zu entbehren.

Paulet. Sie wenden nur das Herz dem Eiteln zu, Das in sich gehen und bereuen soll. Ein üppig lastervolles Leben büßt sich in Mangel und Erniedrigung allein.

Kennedy. Wenn ihre zarte Jugend sich verging, Mag sie’s mit Gott abtun und ihrem Herzen – In England ist kein Richter über sie.

Paulet. Sie wird gerichtet, wo sie frevelte.

Kennedy. Zum Freveln fesseln sie zu enge Banden.

Paulet. Doch wußte sie aus diesen engen Banden Den Arm zu recken in die Welt, die Fackel Des Bürgerkrieges in das Reich zu schleudern Und gegen unsere Königin, die Gott Erhalte, Meuchelrotten zu bewaffnen. Erregte sie aus diesen Mauern nicht Den Bösewicht Parry und den Babington Zu der verfluchten Tat des Königsmords? Hielt dieses Eisengitter sie zurück, Das edle Herz des Norfolk zu umstricken? Für sie geopfert fiel das beste Haupt Auf dieser Insel unterm Henkerbeil – Und schreckte dieses jammervolle Beispiel Die Rasenden zurück, die sich wetteifernd Um ihrentwillen in den Abgrund stürzen? Die Blutgerüste füllen sich für sie Mit immer neuen Todesopfern an, Und das wird nimmer enden, bis sie selbst, Die Schuldigste, darauf geopfert ist. – O Fluch dem Tag, da dieses Landes Küste Gastfreundlich diese Helena empfing.

Kennedy. Gastfreundlich hätte England sie empfangen? Die Unglückselige, die seit dem Tag, Da sie den Fuß gesetzt in dieses Land, Als eine Hilfeflehende, Vertriebne Bei der Verwandten Schutz zu suchen kam, Sich wider Völkerrecht und Königswürde Gefangen sieht, in enger Kerkerhaft Der Jugend schöne Jahre muß vertrauern – Die jetzt, nachdem sie alles hat erfahren, Was das Gefängnis Bittres hat, gemeinen Verbrechern gleich, vor des Gerichtes Schranken Gefordert wird und schimpflich angeklagt Auf Leib und Leben – eine Königin!

Paulet. Sie kam ins Land als eine Mörderin, Verjagt von ihrem Volk, des Throns entsetzt, Den sie mit schwerer Greueltat geschändet. Verschworen kam sie gegen Englands Glück, Der spanischen Maria blut’ge Zeiten Zurückzubringen, Engelland katholisch Zu machen, an den Franzmann zu verraten. Warum verschmähte sie’s, den Edinburger Vertrag zu unterschreiben, ihren Anspruch An England aufzugeben und den Weg Aus diesem Kerker schnell sich aufzutun Mit einem Federstrich? Sie wollte lieber Gefangen bleiben, sich mißhandelt sehen, Als dieses Titels leerem Prunk entsagen.Weswegen tat sie das? Weil sie den Ränken Vertraut, den bösen Künsten der Verschwörung, Und unheilspinnend diese ganze Insel Aus ihrem Kerker zu erobern hofft.

Kennedy. Ihr spottet, Sir – Zur Härte fügt Ihr noch den bittern Hohn! Sie hegte solche Träume, Die hier lebendig eingemauert lebt, Zu der kein Schall des Trostes, keine Stimme Der Freundschaft aus der lieben Heimat dringt, Die längst kein Menschenangesicht mehr schaute Als ihrer Kerkermeister finstre Stirn, Die erst seit kurzem einen neuen Wächter Erhielt in eurem rauhen Anverwandten, Von neuen Stäben sich umgittert sieht –

Paulet. Kein Eisengitter schützt vor ihrer List. Weiß ich, ob diese Stäbe nicht durchfeilt, Nicht dieses Zimmers Boden, diese Wände, Von außen fest, nicht hohl von innen sind Und den Verrat einlassen, wenn ich schlafe? Fluchvolles Amt, das mir geworden ist,

Zweiter Auftritt

Inhaltsverzeichnis

Maria im Schleier, ein Kruzifix in der Hand. Die Vorigen.

Kennedy(ihr entgegeneilend). O Königin! Man tritt uns ganz mit Füßen, Der Tyrannei, der Härte wird kein Ziel Und jeder neue Tag häuft neue Leiden Und Schmach auf dein gekröntes Haupt.

Maria. Faß dich! Sag an, was neu geschehen ist?

Kennedy. Sieh her! Dein Pult ist aufgebrochen, deine Schriften, Dein einz’ger Schatz, den wir mit Müh gerettet, Der letzte Rest von deinem Brautgeschmeide Aus Frankreich ist in seiner Hand. Du hast nun Nichts königliches mehr, bist ganz beraubt.

Maria. Beruhige dich, Hanna. Diese Flitter machen Die Königin nicht aus. Man kann uns niedrig Behandeln, nicht erniedrigen. Ich habe In England mich an viel gewöhnen lernen, Ich kann auch das verschmerzen. Sir, Ihr habt euch Gewaltsam zugeeignet, was ich euch Noch heut zu übergeben willens war. Bei diesen Schriften findet sich ein Brief, Bestimmt für meine königliche Schwester Von England – Gebt mir Euer Wort, daß Ihr Ihn redlich an sie selbst wollt übergeben Und nicht in Burleighs ungetreue Hand.

Paulet. Ich werde mich bedenken, was zu tun ist.

Maria. Ihr sollt den Inhalt wissen, Sir. Ich bitte In diesem Brief um eine große Gunst – Um eine Unterredung mit ihr selbst, Die ich mit Augen nie gesehen – Man hat mich Vor ein Gericht von Männern vorgefordert, Die ich als meinesgleichen nicht erkennen, Zu denen ich kein Herz mir fassen kann. Elisabeth ist meines Stammes, meines Geschlechts und Ranges – Ihr allein, der Schwester, Der Königin, der Frau kann ich mich öffnen.

Paulet. Sehr oft, Mylady, habt Ihr Euer Schicksal Und Eure Ehre Männern anvertraut, Die Eurer Achtung minder würdig waren.

Maria. Ich bitte noch um eine zweite Gunst, Unmenschlichkeit allein kann mir sie weigern. Schon lange Zeit entbehr ich im Gefängnis Der Kirche Trost, der Sakramente Wohltat. Und die mir Kron’ und Freiheit hat geraubt, Die meinem Leben selber droht, wird mir Die Himmelstüre nicht verschließen wollen.

Paulet. Auf Euren Wunsch wird der Dechant des Orts – Maria.(unterbricht ihn lebhaft). Ich will nichts vom Dechanten. Einen Priester Von meiner eigenen Kirche fordre ich. – Auch Schreiber und Notarien verlang ich, Um meinen letzten Willen aufzusetzen. Der Gram, das lange Kerkerelend nagt An meinem Leben. Meine Tage sind Gezählt, befürcht ich, und ich achte mich Gleich einer Sterbenden.

Paulet. Das tut Ihr wohl, Das sind Betrachtungen, die Euch geziemen.

Maria. Und weiß ich, ob nicht eine schnelle Hand Des Kummers langsames Geschäft beschleunigt? Ich will mein Testament aufsetzen, will Verfügung treffen über das, was mein ist.

Paulet. Die Freiheit habt Ihr. Englands Königin Will sich mit Eurem Raube nicht bereichern.

Maria. Man hat von meinen treuen Kammerfrauen, Von meinen Dienern mich getrennt – Wo sind sie? Was ist ihr Schicksal? Ihrer Dienste kann ich Entraten, doch beruhigt will ich sein, Daß die Getreun nicht leiden und entbehren.

Paulet. Für Eure Diener ist gesorgt.(Er will gehen.)Maria. Ihr geht, Sir? Ihr verlaßt mich abermals, Und ohne mein geängstigt fürchtend Herz Der Qual der Ungewißheit zu entladen. Ich bin, dank Eurer Späher Wachsamkeit, Von aller Welt geschieden, keine Kunde Gelangt zu mir durch diese Kerkermauern, Mein Schicksal liegt in meiner Feinde Hand. Ein peinlich langer Monat ist vorüber, Seitdem die vierzig Kommissarien In diesem Schloß mich überfallen, Schranken Errichtet, schnell, mit unanständiger Eile, Mich unbereitet, ohne Anwalts Hilfe, Vor ein noch nie erhört Gericht gestellt, Auf schlaugefaßte schwere Klagepunkte Mich, die Betäubte, Überraschte, flugs Aus dem Gedächtnis Rede stehen lassen – Wie Geister kamen sie und schwanden wieder. Seit diesem Tage schweigt mir jeder Mund, Ich such umsonst in Eurem Blick zu lesen, Ob meine Unschuld, meiner Freunde Eifer, Ob meiner Feinde böser Rat gesiegt. Brecht endlich Euer Schweigen – laßt mich wissen, Was ich zu fürchten, was zu hoffen habe.

Paulet(nach einer Pause). Schließt Eure Rechnung mit dem Himmel ab.

Marie. Ich hoffe auf seine Gnade, Sir – und hoffe Auf stenges Recht von meinen ird’schen Richtern.

Paulet. Recht soll Euch werden. Zweifelt nicht daran.

Maria. Ist mein Prozeß entschieden, Sir?

Paulet. Ich weiß nicht.

Maria. Bin ich verurteilt?

Paulet. Ich weiß nichts, Mylady.

Maria. Man liebt hier rasch zu Werk zu gehen. Soll mich Der Mörder überfallen, wie die Richter?

Paulet. Denkt immerhin, es sei so, und er wird Euch

Dritter Auftritt

Inhaltsverzeichnis

Die Vorigen. Mortimer, Paulets Neffe, tritt herein und, ohne der Königin einige Aufmerksamkeit zu bezeugen, zu Paulet.

Mortimer. Man sucht Euch, Oheim.

(Er entfernt sich auf ebendie Weise. Die Königin bermerkt es mit Unwillen und wendet sich zu Paulet, der ihm folgen will.)

Maria. Sir, noch eine Bitte. Wenn Ihr mir was zu sagen habt – von Euch Ertrag ich viel, ich ehre Euer Alter. Den Übermut den Jünglings trag ich nicht, Spart mir den Anblick seiner roher Sitten.

Paulet. Was ihn Euch widrig macht, macht mir ihn wert. Wohl ist es keiner von den weichen Toren, Die eine falsche Weiberträne schmelzt – Er ist gereist, kommt aus Paris und Reims Und bringt sein treu altenglisch Herz zurück:

Vierter Auftritt

Inhaltsverzeichnis

Maria. Kennedy.

Kennedy. Darf Euch der Rohe das ins Antlitz sagen! Oh, es ist hart!

Maria(in Nachdenken verloren). Wie haben in den Tagen unsers Glanzes Dem Schmeichler ein zu willig Ohr geliehn; Gerecht ist’s, gute Kennedy, daß wir Des Vorwurfs ernste Stimme nun vernehmen.

Kennedy. Wie? so gebeugt, so mutlos, teure Lady? Wart Ihr doch sonst so froh, Ihr pflegtet mich zu trösten, Und eher mußt’ ich Euren Flattersinn Als Eure Schwermut schelten.

Maria. Ich erkenn ihn. Es ist der blut’ge Schatten König Darnleys, Der zürnend aus dem Gruftgewölbe steigt, Und er wird nimmer Friede mit mir machen, Bis meines Unglücks Maß erfüllet ist.

Kennedy. Was für Gedanken –

Maria. Du vergissest, Hanna- Ich aber habe ein getreu Gedächtnis – Der Jahrestag dieser unglückseligen Tat Ist heute abermals zurückgekehrt, Er ist’s, den ich mit Buß’ und Fasten feire.

Kennedy. Schickt endlich diesen bösen Geist zur Ruh’. Ihr habt die Tat mit jahrelanger Reu’, Mit schweren Leidensproben abgebüßt. Die Kirche, die den Löseschlüssel hat Für jede Schuld, der Himmel hat vergeben.

Maria. Frischblutend steigt die längst vergebne Schuld Aus ihrem leichtbedeckten Grab empor! Des Gatten racheforderndes Gespenst Schickt keines Messedieners Glocke, kein Hochwürdiges in Priesters Hand zur Gruft.

Kennedy. Nicht Ihr habt ihn gemordet! Andre taten’s!

Maria. Ich wußte drum. Ich ließ die Tat geschehn Und lockt’ ihn schmeicheln in das Todesnetz.

Kennedy. Die Jugend mildert Eure Schuld. Ihr wart So zarten Alters noch.

Maria. So zart – und lud Die schwere Schuld auf mein so junges Leben.

Kennedy. Ihr wart durch blutige Beleidigung Gereizt und durch des Mannes Übermut, Den Eure Liebe aus der Dunkelheit, Wie eine Götterhand, hervorgezogen, Den Ihr durch Euer Brautgemach zum Throne Geführt, mit Eurer blühenden Person Beglückt und Eurer angestammten Krone. Konnt’ er vergessen, daß sein prangend Los Der Liebe großmutsvolle Schöpfung war? Und doch vergaß er’s, der Unwürdige! Beleidigte mit niedrigem Verdacht, Mit rohen Sitten Eure Zärtlichkeit, Und widerwärtig wurd’ er Euren Augen. Der Zauber schwand, der Euren Blick getäuscht, Ihr floht erzürnt des Schändlichen Umarmung Und gabt ihn der Verachtung preis – Und er – Versucht’ er’s, Eure Gunst zurückzurufen? Bat er um Gnade? Warf er sich bereuend Zu Euren Füßen, Besserung versprechend? Trotz bot Euch der Abscheuliche – Der Euer Geschöpf war, Euren König wollt’ er spielen, Vor Euren Augen ließ er Euch den Liebling, Den schönen Sänger Rizzio, durchbohren – Ihr rächtet blutig nur die blut’ge Tat.

Maria. Und blutig wird sie auch an mir sich rächen, Du sprichst mein Urteil aus, da du mich tröstest.

Kennedy. Da Ihr die Tat geschehn ließt, wart Ihr nicht Ihr selbst, gehörtet Euch nicht selbst. Ergriffen Hatt’ Euch der Wahnsinn blinder Liebesglut, Euch unterjocht dem furchtbaren Verführer, Dem unglücksel’gen Bothwell – Über Euch Mit übermüt’gem Männerwillen herrschte Der Schreckliche, der Euch durch Zaubertränke, Durch Höllenkünste das Gemüt verwirrend, Erhitzte –

Maria. Seine Künste waren keine andre Als seine Männerkraft und meine Schwachheit.

Kennedy. Nein, sag ich. Alle Geister der Verdammnis Mußt’ er zu Hilfe rufen, der dies Band Um Eure hellen Sinne wob. Ihr hattet Kein Ohr mehr für der Freundin Warnungsstimme, Kein Aug’ für das, was wohlanständig war. Verlassen hatte Euch die zarte Scheu Der Menschen; Eure Wangen, sonst der Sitz Schamhaft errötender Bescheidenheit, Sie glühten nur vom Feuer des Verlangens. Ihr warft den Schleier des Geheimnisses Von Euch; des Mannes keckes Laster hatte Auch Eure Blödigkeit besiegt, Ihr stelltet Mit dreister Stirne Eure Schmach zur Schau. Ihr ließt das königliche Schwert von Schottland Durch ihn, den Mörder, dem des Volkes Flüche Nachschallten, durch die Gassen Edinburgs Vor Euch hertragen im Triumph, umringtet Mit Waffen Euer Parlament, und hier, Im eignen Tempel der Gerechtigkeit, Zwangt Ihr mit frechem Possenspiel die Richter, Den Schuldigen des Mordes loszusprechen – Ihr gingt noch weiter – Gott!

Maria. Vollende nur! Und reicht’ ihm meine Hand vor dem Altare!

Kennedy. O laßt ein ewig Schweigen diese Tat Bedecken! Sie ist schauderhaft, ermpörend, Ist einer ganz Verlornen wert – Doch Ihr seid keine Verlorne – ich kenn Euch ja, ich bin’s, Die Eure Kindheit auferzogen. Weich Ist Euer Herz gebildet, offen ist’s Der Scham – der Leichtsinn nur ist Euer Laster. Ich wiederhol es, es gibt böse Geister, Die in des Menschen unverwahrter Brust Sich augenblicklich ihren Wohnplatz nehmen, Die schnell in uns das Schreckliche begehn Und, zu der Höll’ entfliehend, das Entsetzten In dem befleckten Busen hinterlassen.

Fünfter Auftritt

Inhaltsverzeichnis

Die Vorigen. Mortimer scheu hereintretend.

Mortimer(zur Amme). Entfernt Euch, haltet Wache vor der Tür, Ich habe mit der Königin zu reden.

Maria(mit Ansehn). Hanna, du bleibst.

Mortimer. Habt keine Furcht, Mylady. Lernt mich kennen.(Er überreicht ihr eine Karte.)Maria(sieht sie an und fährt bestürzt zurück). Ha! Was ist das?

Mortimer(zur Amme). Geht, Dame Kennedy. Sorgt, daß mein Oheim uns nicht überfalle!

Maria.(zur Amme, welche zaudert und die Königin fragend ansieht). Geh! Geh! Tu, was er sagt.

Sechster Auftritt

Inhaltsverzeichnis

Mortimer. Maria.

Maria. Von meinem Oheim, Dem Kardinal von Lothringen, aus Frankreich!(Liest.) “Traut dem Sir Mortimer, der Euch dies bringt, Denn keinen treuern Freund habt Ihr in England.”(Mortimer mit Erstaunen ansehend.) Ist’ s möglich? Ist’s kein Blendwerk, das mich täuscht? So nahe find ich einen Freund und wähnte mich Verlassen schon von aller Welt – find ihn In Euch, dem Neffen meines Kerkermeisters, In dem ich meinen schlimmsten Feind –