Leben des Galilei von Bertolt Brecht. - Bertolt Brecht - ebook

Leben des Galilei von Bertolt Brecht. ebook

Bertolt Brecht

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Opis

Königs Erläuterungen zu Bertolt Brecht: Leben des Galilei - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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MOBI

Liczba stron: 126




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 293

Textanalyse und Interpretation zu

Bertolt Brecht

LEBEN DES GALILEI

Wilhelm Große

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Brecht, Bertolt: Leben des Galilei. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2009 (edition suhrkamp Nr 1).

Über den Autor dieser Erläuterung: Dr. Wilhelm Große: Studium der Germanistik, Philosophie und Pädagogik an der Ruhr-Universität Bochum; Tätigkeit im Schuldienst, in der Lehrerausbildung und -fortbildung; Lehrbeauftragter an der Trierer Universität im Bereich Literaturdidaktik; zahlreiche Publikationen zur deutschsprachigen Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert; literaturdidaktische Beiträge

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

Die Rechtschreibung wurde der amt­lichen Neuregelung angepasst. Zitate von Bertolt Brecht müssen auf Grund eines Einspruches in der alten Rechtschreibung beibehalten werden.

3. Auflage 2012

ISBN 978-3-8044-6905-1

© 2002, 2010 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Inszenierung am National Theatre in London 2006, © ullstein bild – Lebrecht Music & Arts Photo Library

Hinweise zur Bedienung

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Bertolt Brecht: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

Die verschiedenen Fassungen des Galilei

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Die Grundstruktur der Handlung

Örtlichkeiten

Der erste Handlungsstrang

Der zweite Handlungsstrang

Parallel geführte Szenen

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Galilei

Andrea

Federzoni

Vanni

Frau Sarti

Virginia

Ludovico

Barberini

Die Hofgelehrten

Sagredo

Der kleine Mönch

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

Erläuterung einzelner Stellen

3.6 Stil und Sprache

Leitmotive

Die Milch

Das Sehen

Das Fernrohr

Weitere Leitmotive

3.7 Interpretationsansätze

Jendreieks Interpretation von Galileis Verbrechen

Brechts Äußerungen zum Galilei

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

Lebensdaten zu Galileo Galilei

Brecht zum epischen bzw. experimentellen Theater

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgaben

Textausgaben von Leben des Galilei

Werke, Arbeitsjournal, Tagebücher, Briefe

Brecht-Biografien

Handbücher, Gesamtdarstellungen

Zu den Dramen Brechts und der Theorie des epischen Theaters

Interpretationen zu Leben des Galilei

Verfilmungen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel werden die wichtigsten Daten zu Brechts Biografie, dem zeitgeschichtlichen Hintergrund und seinem Werk angeführt:

Brecht wird 1898 in Augsburg geboren, studiert in München Medizin, dort findet auch die Aufführung seines zweiten Stückes Trommeln in der Nacht statt.

Brecht erhält 1922 den Kleist-Preis, ist Dramaturg an den Münchener Kammerspielen.

Er siedelt 1924 nach Berlin über; dort 1928 sein großer Erfolg mit der Dreigroschenoper.

1933 Ergreifung der Macht durch die Nationalsozialisten; Brechts erster Plan, den Prozess des Galilei zu dramatisieren.

Brecht flüchtet nach Dänemark, dann über Schweden, Finnland, Moskau nach Santa Monica in Kalifornien/USA (1941).

Im Exil schreibt Brecht den Galilei (Abschluss der ersten Niederschrift: 1938), es folgen mehrere Umarbeitungen.

1943 Uraufführung in der Schweiz, nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki arbeitet er das Stück erneut um, 1945 Fertigstellung der ‚amerikanischen‘ Fassung.

1947 kehrt Brecht über die Schweiz nach Europa zurück, Übersiedlung nach Berlin (Ost).

1949 dort Gründung des Berliner Ensembles; 1956 stirbt Brecht.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Leben des Galilei – Entstehung und Quellen:

Zunächst bieten wir einige Selbstaussagen Brechts, u. a. aus seinem Arbeitsjournal, in denen Brecht die verschiedenen Fassungen, die er seinem Stück gab, reflektiert.

In drei Fassungen interpretiert er den Physiker sehr unterschiedlich: in der ersten Fassung, wie sie 1943 in Zürich uraufgeführt wird, lässt Brecht Galilei als einen Meister der Anpassung triumphieren, dem alle Mittel zum Zweck dienen. In zwei späteren Bearbeitungen – 1945/47 in den USA entstanden und 1954/56 für das Berliner Ensemble weiter umgeformt – verwirft Galilei den Widerruf als soziales Verbrechen.

Inhalt:

In den fünfzehn Bildern werden die Lebensstationen Galileo Galileis zwischen 1609 und 1637 von Padua über Florenz und Rom bis zum Lebensende in Florenz abgeschritten. Galilei lehrt im Dienst der Republik Venedig Mathematik an der Universität Padua. Die finanzielle Not und die schlechten Arbeitsbedingungen kontrastieren mit dem Bewusstsein, dass eine neue Zeit angebrochen ist, denn wo der Glaube tausend Jahre gesessen hat, eben da sitzt jetzt der Zweifel. Um freie Zeit für die Forschung zu gewinnen, wechselt Galilei an den Hof von Florenz. Er hat bereits die Entdeckung der Jupitermonde und ihrer dem Ptolemäischen System widersprechenden Bewegungen gemacht. Er findet bei den autoritätsgläubigen Gelehrten kein Gehör. Das Collegium Vaticanum bestätigt schließlich seine Entdeckungen, gleichwohl wird seine Lehre auf den Index gesetzt. Der resignierende Galilei zieht sich mit seinen Schülern Andrea Sarti und dem kleinen Mönch auf harmlosere Forschungsfelder zurück. Auf die Nachricht, der naturwissenschaftlich gebildete Kardinal Barberini sei zum neuen Papst Urban VIII. gewählt worden, hofft Galilei auf den Durchbruch seiner Lehre und setzt die verbotene Arbeit fort. Die Lehren Galileis finden öffentlichen Widerhall, Balladensänger nehmen sich des Themas an. Galilei wird wieder vor die Inquisition bestellt und widerruft unter Androhung der Folter am 22. 6. 1633 seine Lehre von der Bewegungder Erde. Von 1633 bis 1642 lebt Galilei, inzwischen fast blind, in einem Landhaus bei Florenz als Gefangener der Inquisition und beendet, sich äußerlich anpassend, seine Discorsi. Andrea Sarti, sein ehemaliger Schüler, besucht ihn auf dem Weg nach Holland, wo er in Freiheit forschen kann. Galilei übergibt ihm die heimlich angefertigte Kopie seiner Discorsi, mit denen er 1637 Italien verlässt.

Chronologie und Schauplätze:

Das Drama ist in 15 bzw. 14 Bilder (Aufführung des Berliner Ensembles und amerikanische Aufführung) gegliedert, die die Stationen von Galileis Leben behandeln.

Die zeitlichen Intervalle zwischen den einzelnen Bildern sind ganz unterschiedlich. Die Räume wechseln. Das Stück gehört demnach zur Bauform des offenen Dramas.

Die Spielorte der einzelnen Bilderwechseln beständig: Zu Beginn befindet sich Galilei in Padua (1/3), dann in Venedig (2), in Florenz (Haus und Studierzimmer des Galilei in Florenz 4/5), in Rom (Collegium Romanum, 6), (Haus des Kardinals Bellarmin, 7), (im Palast des Florentinischen Gesandten in Rom, 8), dann in Galileis Haus in Florenz (9), auf dem Marktplatz (10), im Palast der Medici in Florenz (11), im Gemach des Vatikan (12), im Haus des Florentinischen Gesandten in Rom (13) und schließlich in Galileis Haus in der Nähe von Florenz (14). Die letzte Szene (15) spielt in einer kleinen italienischen Grenzstadt.

Zeitlich kann man die Szenen wie folgt zuordnen:

1609–1610 Universität Padua (1.–3. Bild)

Hof von Florenz (4.–5. Bild)

1616 Vatikan (6.–8. Bild)

1624 neuer Papst (9. Bild)

1632 Lehren Galileis finden Widerhall im Volk (10. Bild)

1633 Galilei vor der Inquisition, Widerruf (11.–13. Bild)

1633–1642 Landhaus in Florenz (14.–15. Bild)

Personen:

Im Mittelpunkt fast jeden Bildes steht Galilei selbst, alle anderen Personen sind ihm funktional zugeordnet, vor allem:

Virginia → seine Tochter

Andrea, Federzoni und der kleine Mönch → seine Schüler bzw. Mitarbeiter

Frau Sarti → seine Haushälterin, zugleich Andreas Mutter

Ludovico Marsili → der Verlobte seiner Tochter

Kardinal Barberini → der spätere Papst Urban VIII., Vertreter der Kirche

Kardinal Inquisitor → Vertreter der Kirche

Vertreter der Universitäten Padua und Pisa

Vertreter des Hofes in Venedig

Wir stellen diese Personen in einem eigenen Kapitel ausführlich vor.

Der Stil und die Sprache Brechts:

Brecht lässt Galilei sich an die Sprache der Discorsi halten.

Galilei wählt teilweise einen sehr volkstümlichen Ton.

Im Stück befinden sich viele sprachliche Leitmotive, v. a. aus dem Bereich des Sehens, womit auch das ‚Sehen‘ des Zuschauers indirekt angesprochen wird.

Unterschiedliche Interpretationsansätze bieten sich an:

Galileis Desinteresse an der Gesellschaft ist ein Verbrechen

Brechts eigene Interpretation angesichts der Atombombe

Brechts Äußerungen zur Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft

2.Bertholt Brecht: Leben und Werk

Bertolt Brecht 1898–1956 © Cinetext/ Henschel Theater-Archiv

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1898

Augsburg

geboren am 10. Febr. als Sohn eines Direktors der Haidlschen Papierfabriken

1916

Augsburg

pazifistischer Schulaufsatz, deshalb Androhung des Schulverweises

18

1917

Augsburg

München

Abitur

Beginn des Medizinstudiums

19

1918

Augsburg

Sanitätssoldat in einem Lazarett

20

1922

München

Uraufführung von Trommeln in der Nacht an den Münchener Kammerspielen; Verleihung des Kleist-Preises

24

1923

München

Dramaturg an den Münchener Kammerspielen

25

1924

Berlin

Übersiedlung von München nach Berlin; Dramaturg am Deutschen Theater bei Max Reinhardt

26

1926

Darmstadt

Uraufführung von Mann ist Mann

28

1927

Mitarbeit an der Dramatisierung von Hašeks Schwejk für die Piscator-Bühne

29

1928

Berlin

Uraufführung der Dreigroschenoper am Schiffbauerdamm-Theater

30

1929

Heirat mit Helene Weigel

31

1930

Leipzig

Uraufführung der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny in Leipzig; Die heilige Johanna der Schlachthöfe

32

1932

Berlin

Uraufführung von Die Mutter (nach dem Roman von Maxim Gorki) in Berlin

34

1933

Dänemark

28. Febr. nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten in Deutschland flieht Brecht mit der Familie über mehrere Stationen nach Dänemark; Wohnsitz bei Svendborg auf Fünen

35

1934

Dreigroschenroman

36

1935

Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft durch die Nazis

37

1936

mit Lion Feuchtwanger und Willi Bredel Herausgeber der in Moskau erscheinenden Literaturzeitschrift Das Wort (erscheint bis 1939)

38

1937

Die Gewehre der Frau Carrar

39

1938

Furcht und Elend des Dritten Reiches; erste Arbeit an der Mutter Courage

40

1939

Schweden

Übersiedlung nach Schweden; Niederschrift der Mutter Courage und ihre Kinder

41

1940

Finnland

Aufenthalt in Finnland

42

1941

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui; Flucht aus Finnland über Moskau, Wladiwostok nach Santa Monica in Kalifornien/USA; Uraufführung der Mutter Courage im Zürcher Schauspielhaus

43

1943

Zürich

Schweyk im Zweiten Weltkrieg; Uraufführung von Der gute Mensch von Sezuan und Leben des Galilei im Zürcher Schauspielhaus

45

1945

Der kaukasische Kreidekreis

47

1947

USA und Schweiz

Verhör vor dem McCarthy-Ausschuss für ‚unamerikanische Aktivitäten‘ in Washington; Rückkehr nach Europa; vorläufiger Aufenthalt in der Schweiz

49

1948

Berlin

Übersiedlung nach Berlin (Ost)

50

1949

Berlin

September: Gründung des Berliner Ensembles

51

1950

Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft; Wohnsitz in der DDR; Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost)

52

1951

Brecht erhält den DDR-Nationalpreis 1. Klasse

53

1954

Berlin

März: Eröffnung des Theaters am Schiffbauerdamm als eigenem, endgültigem Sitz des Berliner Ensembles; Juli: das Berliner Ensemble erhält den 1. Preis beim Théâtre des Nations in Paris

56

1955

Moskau

Reise nach Moskau zur Entgegennahme des Internationalen Stalin-Friedenspreises

57

1956

Berlin

14. August: Tod nach Herzinfarkt; Begräbnis auf dem Dorotheen-Friedhof in Berlin (Ost)

58

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Brechts erste Stücke tragen noch Züge des expressionistischen Dramas. Bekannt wird der Stückeschreiber Brecht vor allem durch die Dreigroschenoper. Es folgen dramatische Experimente mit den sog. ‚Lehrstücken‘. Zu den Stücken, die im Exil entstanden, gehören das Schauspiel Mutter Courage und ihre Kinder (1939) neben Leben des Galilei (1. Fassung 1938/39), Der gute Mensch von Sezuan (1939–41), Herr Puntila und sein Knecht Matti (1940) und Der kaukasische Kreidekreis (1944).

„Bereits im dramatischen Erstling Baal gelang Brecht in der Figur des Bohemiens und Vagabunden die Gestaltung eines Menschentypus: Baal ist der ‚Lebensverbraucher‘, der sich und andere Menschen rigoros ‚auslebt‘. Als Nihilist weist er alle metaphysische Beruhigung von sich. […] Auch das zweite Stück Trommeln in der Nacht stellt eine Herausforderung an die bürgerliche Gesellschaft seiner Zeit dar. In der Form des expressionistischen Heimkehrerdramas entwirft Brecht ein kritisches Bild des Bürgertums, das das Kriegsende und die (verratene proletarische) Revolution von 1918/19 dazu benutzt, seine Pfründe erneut zu sichern. […] In Mann ist Mann konfrontierte Brecht seine Zeit mit dem von ihr geschaffenen Typus des auswechselbaren Individuums. […] Als Gegenentwurf zu John Gays Beggar’s Opera entstand 1928 das satirische Spektakel Die Dreigroschenoper mit der Musik von Kurt Weill. Sie zeigt die bürgerliche Gesellschaft als ausbeuterisches Raubsystem, das sich hinter der Maske der Wohlanständigkeit versteckt. […] Ende der 20er Jahre entwickelte Brecht eine neue Dramenform, die er […] dem kulinarischen Schautheater der Zeit entgegensetzte: das sog. Lehrstück (Flug des Lindberghs; Badener Lehrstück vom Einverständnis; Der Jasager; Der Jasager und der Neinsager; Die Maßnahme; Die Ausnahme und die Regel). […] Brecht wollte mit den Stücken die gewohnte Konsumentenhaltung des Zuschauers aufbrechen. […] Als erstes marxistisches Stück gilt Die heilige Johanna der Schlachthöfe. Es basiert auf alten Plänen, die Hintergründe der kapitalistischen Ökonomie und der Vorgänge an der Börse dramatisch zu veranschaulichen. […] Gleichzeitig entwickelte Brecht mit der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny seine Theorie des ‚epischen Theaters‘. […] Im marxistischen Stück Die Mutter, einer Dramatisierung des Romans von Maxim Gorki, realisierte Brecht seine Theorie erstmals konsequent. […] Brechts große Stücke entstanden während des Exils, weitgehend ohne Kontakt zum Theater. Mit dem Leben des Galilei kehrte Brecht mit der Form der dramatischen Biografie teilweise zur aristotelischen Dramatik zurück.“[1]

2.3Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

ZUSAMMENFASSUNG

Im Exil schreibt Brecht den Galilei, es folgen mehrere Umarbeitungen.

1938

Abschluss der ersten Niederschrift

1943

Uraufführung in der Schweiz, nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki erneute Umarbeitung

1945

Fertigstellung der ‚amerikanischen‘ Fassung

1954/56  

für das Berliner Ensemble weiter umgeformt

Die verschiedenen Fassungen des Galilei

1933

erster Plan, den Prozess des Galilei für ein Panoptikum-Theater zu dramatisieren

1938

Brecht studiert Materialien zu Galilei, zur kopernikanischen Lehre, zum Weltbild der Physik, zur Astronomie

April 1938

die Szene ‚Physiker‘ aus Furcht und Elend des Dritten Reiches

23. 11. 1938

Abschluss der ersten Niederschrift des Galilei, der zunächst noch den Titel trug: „Die Erde bewegt sich“

Nov. 1938 bis März 1939