Krimi Doppelband #24 - Alfred Bekker - ebook

Krimi Doppelband #24 ebook

Alfred Bekker

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Opis

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Dieses Buch enthält folgende drei Krimis: A.F. Morland: Die Meskalin-Teufel Alfred Bekker: Hass, der wie Feuer brennt Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

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Alfred Bekker, A. F. Morland

Krimi Doppelband #24

Die Meskalin-Teufel und Hass, der wie Feuer brennt

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Krimi Doppelband 24

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Dieses Buch enthält folgende drei Krimis:

A.F. Morland: Die Meskalin-Teufel

Alfred Bekker: Hass, der wie Feuer brennt

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Die Meskalin - Teufel

Ein Roberto Tardelli Thriller #16

von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.

Roberto Tardelli im Fadenkreuz der Mafia: Clever und knallhart begegnet Tardelli seinen Widersachern und bekommt dabei umfangreichen Einblick - nicht nur in so manch hübsches Dekolleté! Wird Tardelli den Mafiosi den entscheidenden Schlag versetzen?

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1

Roberto Tardelli hörte den Schuss und rannte los. Sein scharf geschnittenes Gesicht wirkte plötzlich wie Granit. Während des Laufens riss er die Luger aus dem Schulterholster.

Vor fünfzehn Minuten hatte es noch genieselt. Das nasse Pflaster glänzte im spärlichen Licht der Straßenlampen.

Roberto hörte das Stöhnen eines Menschen. Seine Kopfhaut zog sich zusammen. Er hetzte noch schneller durch die enge Gasse und dann blieb er plötzlich stehen.

Ein Mann lag dort vor ihm auf dem Boden. Er regte sich nicht. Aber er stöhnte. So wie nur ein Mensch stöhnt, mit dem es zu Ende geht.

Als Roberto vor dem Sterbenden stand, ließ er die Pistole sinken. Bitterkeit lag in seinen dunklen Augen. Er wollte die Waffe wegstecken und sich um den Schwerverletzten kümmern. In diesem Moment irritierte ihn eine Bewegung, die er nur aus den Augenwinkeln wahrnahm.

Aus einer Mauernische, etwa fünfzehn Meter entfernt, löste sich eine schlanke, wendige Gestalt: der Killer!

„Stopp!“, rief Roberto Tardelli schneidend. Er hatte seine Luger noch nicht hochgerissen, da spuckte die Kanone des Andern bereits eine Kugel aus. Roberto federte nach links, duckte sich und schoss unverzüglich zurück. Beide Projektile verfehlten ihr Ziel nur um Haaresbreite. Roberto konnte das Gesicht seines Gegners nicht erkennen. Der Mann trug einen breitkrempigen Hut, der tief in der Stirn saß. Er gehörte gewiss zu jener kleinen Gruppe von zuverlässigen Profikillern, die laufend heiße Jobs für die Mafia erledigten.

Der Mann feuerte noch einmal. Die Kugel ratschte an der Hausfassade entlang, richtete aber keinen nennenswerten Schaden an. Nach diesem Schuss kreiselte der Killer herum und setzte sich im Zickzacklauf ab.

Roberto folgte ihm. So leicht wollte er es dem Burschen nicht machen. Der Verbrecher erreichte einen schmalen, finsteren Durchlass.

Ehe er verschwand, hielt er Roberto noch schnell mit zwei Schüssen auf Distanz.

Roberto Tardelli pirschte sich an den Durchlass heran.

Er holte tief Luft, spannte die Muskeln und schnellte sich dann geduckt und mit vorgestrecktem Schußarm vorwärts.

Gähnende Leere. Nicht die geringste Bewegung in der tintigen Dunkelheit. Mit vibrierenden Nerven huschte Roberto Tardelli in den schmalen Gang. Einige Sekunden später entdeckte Roberto eine halb offen stehende Tür. Er drückte sie zur Seite. Sie knarrte nicht, sie war gut geölt.

Gespannt trat Roberto durch die Tür und erreichte eine andere schmale, dreckige Straße. Die dort herrschende Stille wurde unvermittelt vom Aufbrüllen eines Automotors zerfetzt. Dann schoss ein unbeleuchteter Wagen mit durchdrehenden Pneus in östlicher Richtung davon.

Enttäuscht steckte Roberto Tardelli die Waffe weg.

Mit grimmiger Miene machte er kehrt und rannte zu dem Mann zurück, der, wenn man es genau

nahm in seiner Gegenwart erschossen worden war.

2

Der Schwerverletzte hieß Wes Montgomery. Ein Mafiahasser wie Roberto Tardelli, dem die Cosa Nostra mit einer einzigen Bombe Vater und Schwester genommen hatte. Montgomery war es

ähnlich ergangen. Die Organisation wollte ihm ein heißes Geschäft vorschlagen, und damit er nicht ablehnte, griff man sich sicherheitshalber Montgomerys Frau und dessen dreizehnjährigen Sohn. Dass Montgomery trotzdem nicht klein beigeben würde, damit hatte im Lager der kaltschnäuzigen Verbrecher keiner gerechnet. Als Wes Montgomery den Versuch unternahm, seine Frau und seinen Sohn aus den Fängen der Mafia zu befreien, da machten die Mitglieder der Ehrenwerten Familie mit Montgomerys Angehörigen kurzen Prozess.

Er fand sie tot und um ein Haar hätte es auch ihn damals erwischt.

Es konnte niemanden wundern, dass sich Wes Montgomery in diesem Augenblick schwor, mitleidlose Rache an den Mördern zu nehmen. Zwei Killer kamen ihm vor einem Monat vor die Pistole. Er schoss sie auf offener Straße nieder und tauchte danach unter. Seither stand sein Name

ganz weit oben auf der Abschussliste der Organisation.

Roberto Tardelli, dessen Name noch viel weiter oben auf besagter Liste stand, beugte sich über den angeschossenen Mann. Montgomerys Gesicht war kreidebleich. Er lag jetzt in einer großen Blutlache.

„Wes!“, sagte Roberto gepresst. Er hatte nicht viel Zeit. Irgendjemand hatte vermutlich bereits die Polizei angerufen, um ihr - in den meisten Fällen geschah es anonym - mitzuteilen, dass es hier eine Schießerei gegeben hatte. Und wenn die Bullen hier eintrafen, musste Roberto Zusehen, so rasch wie möglich zu verschwinden.

Er hatte keine Freunde bei der Polizei. Man suchte ihn wegen Polizistenmordes. Es war zwar damals in Los Angeles kein Mord gewesen, aber die Fakten sprachen gegen Roberto, und er war einfach nicht in der Lage, sie zu entkräften.

„Wes!“, stieß Roberto erneut heiser hervor. Kleine Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn. Er fuhr sich mit der Hand hastig über das dunkle Haar. „Wes, können Sie mich hören?“

Montgomery lebte noch. Roberto sah den Mann ganz flach atmen, und sein jagender Puls war auch deutlich zu fühlen. Ärztliche Hilfe anzufordern, wäre vergebliche Liebesmüh gewesen. Dieser Mann war nicht mehr zu retten. Wes Montgomery war nicht der erste Mann, den Roberto Tardelli sterben sah.

„Wes!“, sagte Tardelli noch einmal eindringlich. Es war wichtig, dass er mit dem Sterbenden noch ein paar Worte sprach.

Sie hatten beabsichtigt, sich hier in dieser schmalen, düsteren Straße, wo niemand sie belauschte, zu treffen. Roberto erhoffte sich von Montgomery eine immens wichtige Information.

„Lieber Himmel, Wes! Junge, du darfst dich noch nicht davonmachen!“, keuchte Roberto Tardelli. Wieviel Zeit war vergangen, seit der erste Schuss gefallen war? Wie lange würde es noch dauern, bis es hier nur so von Cops wimmelte? Zwei Minuten? Drei? Fünf?

Seit einem halben Jahr überschwemmte die Mafia den amerikanischen Rauschgiftmarkt mit Meskalin. Es hieß, dass diese Droge aus eigenen Cosa Nostra-Beständen unters Volk gebracht wurde. Das bedeutete, dass die Ehrenwerte Familie in diesem Fall nicht nur als Händler, sondern auch als Produzent fungierte. Folglich: doppelter Profit für die Dons.

COUNTER CRIME, jene geheime Abteilung im Justizministerium, deren voller Name Counter Organized Crime Department war, und für die Roberto Tardelli seit einiger Zeit tätig war, hatte von der neuesten Schweinerei der Mafia erst kürzlich Wind bekommen. Und Colonel Myer, der Chef von COUNTER CRIME, hatte unverzüglich seinen besten Mann auf die Sache angesetzt.

Seither war Roberto Tardelli mit der ihm eigenen beispiellosen Verbissenheit hier in New York auf der Suche nach dem roten Faden, den es in jedem Fall gibt.

Er hatte in Erfahrung gebracht, dass die Mafia sich bei der Verteilung des Rauschgifts eine neue Variante hatte einfallen lassen. Die Ehrenwerte Familie brachte die Droge nicht über ihr eigenes Dealernetz an die zumeist jugendlichen Kunden, sondern ließ das Meskalin von unbescholtenen Bürgern absetzen.

Natürlich hätten sich solche Personen niemals freiwillig dazu hergegeben, deshalb half die Cosa Nostra mit den gemeinsten Mitteln nach, um sich diese anständigen Leute, die noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren, gefügig zu machen.

Wer trotzdem hart blieb, wer es wagte, nach dem letzten Ultimatum immer noch nein zu sagen, der wurde eiskalt abserviert. Ein bedauerlicher Verkehrsunfall, oder ein rätselhafter Selbstmord. Die Palette der Mafiakiller war verdammt reich bestückt.

„Wes!“ Roberto Tardelli tätschelte leicht die blassen Wangen des vor ihm Liegenden. Daraufhin begannen die schweren Lider Montgomerys zu flattern. „Wes!“, stieß Roberto aufgewühlt hervor.

Mühsam schlug Montgomery die Augen auf. Eine schreckliche Schmerzwelle tobte durch seinen Körper. Er verzerrte das Gesicht und stöhnte. Roberto hatte vor zwei Tagen mit ihm Kontakt aufgenommen, und Montgomery hatte versprochen, sich hier in New York, das er kannte wie seine Westentasche, für Roberto Tardelli umzuhören.

„Wer“, hatte Roberto gefragt, „steht in New York auf der Mafialiste? Wen hat sich die Cosa Nostra in dieser Stadt ausgesucht, Wes? Verschaffen Sie mir einen einzigen Namen. Nur ein Name würde mir genügen, um einhaken zu können.“

Und Wes Montgomery hatte versprochen: „Sie kriegen Ihren Namen, Roberto.“

Achtundvierzig Stunden war dieses Versprechen alt. Und nun lag Wes hier in dieser dreckigen Gasse, in der er sich mit Roberto Tardelli treffen wollte, hatte eine Kugel im Leib, die ihn langsam, aber sicher umbrachte, und konnte anscheinend nicht mehr den Namen sagen, der für Roberto so äußerst wichtig war.

Ein kurzes Flackern war in Montgomerys Augen. „Tardelli!“, hauchte er.

„Sie hatten verdammtes Pech, Wes.“

„Ich hab' den Kerl nicht einmal kommen gehört. Plötzlich stand er vor mir und schoss noch in derselben Sekunde.“

Roberto sagte: „Ich habe versucht, ihn zu kriegen. Er ist mir entwischt.“

„Ich war zu sorglos“, keuchte Montgomery. „Es geschieht mir recht...“

„Reden Sie doch nicht solchen Quatsch.“

„Ein solcher Fehler hätte mir nicht passieren dürfen.“

„Wir machen alle mal Fehler, Wes.“

„Ihnen wäre das nicht passiert, Roberto ...“ Es war erstaunlich, wie klar dieser Mann so knapp vor seinem Ende noch denken und reden konnte. Vorhin hatte er ausgesehen, als wäre es mit ihm schon fast vorbei, und nun trotzte er dem Tod noch mit verblüffender Hartnäckigkeit.

„Sie sagten am Telefon, Sie hätten einen Namen für mich. Wes!“, drängte Roberto Tardelli.

„Ja... Leif Cannon heißt der Mann ... Er ist Besitzer der Pinguin Bar. Man hat die Bar zweimal kurz hintereinander zertrümmert. Cannon wollte trotzdem nicht. Da haben sie ihn verprügelt, und hinterher haben sie ihm seine eigene Hinrichtung vorgespielt. Das war zu viel für ihn, wäre für jeden zu viel gewesen. Als sie ihre Maschinenpistolen auf ihn anlegten, ging er in die Knie. Der Teufel hole alle diese gemeinen Hunde.

Polizeisirenen jammerten plötzlich durch die Nacht. Roberto Tardelli hob beunruhigt den Kopf. „Ich kann nicht länger bleiben“, sagte er.

„Gehen Sie nur. Ich brauche Sie nicht mehr“, sagte Montgomery mit ersterbender Stimme. „Ich brauche niemanden mehr ... Machen Sie’s gut, Roberto ...“

Roberto richtete sich auf. Ein letzter schwerer Seufzer kam aus Montgomerys Mund. Dann war es vorbei mit ihm. Erschüttert betrachtete Roberto Tardelli den Mann. „Ich werde versuchen, es besser zu machen als du, Wes“, murmelte der junge Mann. Dann wandte er sich um und rannte durch die dunklen Gassen, um sich vor den Cops in Sicherheit zu bringen.

3

Ein kitschiger Pinguin aus Neon stand mit weltumfassend ausgebreiteten Flügeln über dem rot ausgeleuchteten Eingang und grinste die Leute freundlich an, die sich entschlossen hatten, die Bar zu betreten. In einem der Schaukästen, in denen Fotografien ausgestellt waren, die das Innere der Bar und deren Besitzer zeigten, entdeckte Roberto Tardelli ein kleines handgemaltes Täfelchen, das verkündete: BARKEEPER GESUCHT!

Das kam Roberto äußerst gelegen. Er hatte schon einmal in San Francisco hinter dem Tresen gestanden und einen Freund würdig vertreten. Seine Mixgetränke waren bald zum Stadtgespräch avanciert.

Roberto schloss diesen Umstand sogleich in seinen Plan mit ein. Er wollte sich um den ausgeschriebenen Job bewerben. Bevor er die Pinguin Bar betrat, betrachtete er noch kurz das ausgestellte Bild des Barbesitzers.

Leif Cannon hatte ein durch und durch ehrliches, offenes Gesicht, in dem zwei wasserhelle Augen freundlich leuchteten. Der Mann war Mitte Vierzig, sah nicht übel aus und erweckte den Eindruck, als würde er sich glücklich schätzen, wenn er jedermanns Freund sein könnte. Er hatte blondes, leicht gewelltes Haar und einen bleistiftstrichdünnen Oberlippenbart. Alles in allem eine recht sympathische Erscheinung.

Roberto betrat die Bar. Die Musikbox leierte einen Western Song herunter. Die Platte war schon ziemlich abgespielt und hätte längst in den Mülleimer gehört, aber sie brachte immer noch ihr Geld, und so durfte sie ihren Platz in der Box wohl noch so lange behaupten, bis sie vollends abgespielt war.

Die Pinguin Bar war ein sauberes, mittelgroßes Lokal, ordentlich geführt, und man bekam schon beim Eintreten das Gefühl, hier drinnen könne man sich tagelang wohl fühlen.

Das Publikum war stark gemischt. Es gab eine Menge Jugendlicher, die sich größtenteils um den Flipperautomaten gruppierten.

Roberto Tardelli steuerte den Tresen an, vor dem sechs Hocker standen. Vier davon waren besetzt. Roberto schwang sich auf Nummer fünf und verlangte Scotch.

Leif Cannon hatte alle Hände voll zu tun. Er musste ganz allein den Laden in Schwung halten, servierte an den Tischen und bediente die Männer am Tresen. Er machte einen ziemlich abgearbeiteten, leidenden Eindruck, und es war kein Wunder, dass er einen Barkeeper zu seiner Entlastung suchte.

Roberto bekam den Scotch. Er nippte daran und betrachtete den Barbesitzer über den Rand seines Glases hinweg. Das war also einer der Männer, den die Mafia für ihr schmutziges Spiel missbrauchen wollte.

Roberto vermutete, dass Cannon Angst hatte. Der Blick dieses Mannes war merkbar unruhig. Er schien ständig darauf gefasst zu sein, dass ihm von jedem Gesicht, das er noch nicht kannte, Gefahr drohte.

Roberto Tardelli stellte außerdem fest, dass zwischen jenem Leif Cannon, den er draußen im Schaukasten gesehen hatte, und dem Mr. Cannon, hier in der Bar, ein gewaltiger Unterschied bestand.

Die Ähnlichkeiten zwischen Fotografie und Wirklichkeit bestanden nur noch sehr vage. Cannon humpelte. Über seiner linken Augenbraue klebte ein breiter Pflasterstreifen. Das Gesicht erweckte den Eindruck, als wäre es erst kürzlich von harten Männerfäusten misshandelt worden.

Nach dem zweiten Scotch fragte Roberto Tardelli: „Sind Sie Mr. Leif Cannon?“

Der Barbesitzer bedachte ihn mit einem beunruhigten Blick. Seine wasserhellen Augen huschten zum xtenmal an Roberto Tardelli auf und ab. „Ja, der bin ich. Was wollen Sie?“ Roberto lächelte gewinnend. „Oh, nichts Besonderes.“ Der junge Mann wies mit dem Daumen über die Schulter. „Da draußen steht, dass Sie einen Barkeeper suchen. Ist die Stelle noch zu haben?“

Ein prüfender Blick traf den dunkelhaarigen Mann. „Haben Sie so was schon mal gemacht?“

„Ich bin als Keeper unschlagbar“, erwiderte Roberto Tardelli grinsend.

„Das behaupten die meisten von sich, und dann ist nichts dahinter.“

„An Ihrer Stelle würde ich’s mal mit mir versuchen“, meinte Roberto. „Ich will Ihnen ja nicht zu nahetreten, aber Sie sehen aus, als könnten Sie Hilfe gut gebrauchen.“

Cannon schien Vertrauen zu fassen. Er seufzte: „Da haben Sie allerdings recht. Wie ist Ihr Name?“

„Steve McCoy“, antwortete Roberto Tardelli, ohne auch nur eine Sekunde zu stocken. Er besaß Papiere, die auf diesen Namen ausgestellt waren. Er hätte sich aber auch Bannister, Morland oder Dark nennen können, denn auch dazu besaß er die richtigen Dokumente ausgestellt von COUNTER CRIME und von echten Papieren nicht zu unterscheiden.

„Hm“, machte Cannon und rieb sich vorsichtig das Kinn, das leicht geschwollen war. „Tja, McCoy, was haben Sie für Gehaltsvorstellungen?“

Roberto lächelte freundlich. „Machen Sie einen Vorschlag. Ich bin nicht anspruchsvoll.“

Cannon machte ein faires, akzeptables Angebot, und Roberto Tardelli war damit einverstanden. „Ich nehme an“, meinte Roberto danach, „Sie hatten schon mal einen Keeper.“

„Klar.“

„Was ist aus dem geworden?“

„Er ist abgehauen. Einfach weggelaufen.“

„Warum denn das?“, fragte Roberto Tardelli erstaunt. „Hat er mitten unter der Arbeit den Verstand verloren?“ Cannon senkte den Blick und zuckte die Achseln. „So muss es wohl gekommen sein.“ Er sagte jetzt nicht die Wahrheit, und Roberto Tardelli durchschaute ihn. Er konnte sich vorstellen, was wirklich gelaufen war: Der Keeper hatte einen Wink von der Mafia bekommen, er möge sich aus dem Krisenbereich zurückziehen, solange er dazu noch die Möglichkeit hatte, und der Mann hatte seine Chance vermutlich augenblicklich wahrgenommen, woraufhin die Organisation ihr ausgewähltes Opfer mutterseelenallein im Schussfeld hatte.

Roberto bekam den Job.

„Wann können Sie anfangen?“, fragte Leif Cannon.

„Wann immer Sie wollen“, erwiderte Roberto Tardelli.

„Morgen?“

„Okay. Morgen. Um welche Zeit soll ich zur Stelle sein?“

„Es genügt, wenn Sie um sechs eintrudeln.“

Roberto nickte. „Ich werde pünktlich sein.“ Er wollte seine Drinks bezahlen, doch Leif Cannon schüttelte den Kopf.

„Lassen Sie nur. Das geht aufs Haus.“

Roberto grinste. „Dann danke ich dem Haus. Und ... bis morgen.“

4

Tags darauf führte Cannon seinen neuen Keeper durch sämtliche Räume, die zur Pinguin Bar gehörten. Er zeigte Roberto Tardelli auch den Keller, in dem metallene Getränkebehälter standen, von denen durchsichtige Kunststoffschläuche nach oben, zum Tresen hinauf liefen. Die Pinguin Bar war ein wirklich blitzsauberes Unternehmen, hinter dem nicht einmal die gefuchsten Typen der Narcotics Squad eine Meskalin-Tankstelle vermuten konnten. Genau das war der Grund, weshalb sich die Cosa Nostra Cannons Betrieb ausgesucht hatte. Soweit Roberto Tardelli Einblick hatte, war das Meskalingeschäft noch nicht angelaufen. Man hatte sich Cannon erst gefügig gemacht, und nun musste der Mann auf die erste Rauschgiftlieferung warten. Roberto Tardelli presste die Kiefer zusammen. Sobald sich der erste Bote der Organisation hier blicken ließ, wollte Roberto sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln der Sache annehmen. Er hatte den Auftrag, die neu ausgebrochene Meskalinseuche so rasch und so gründlich wie nur irgend möglich zu stoppen. Er würde nichts unversucht lassen, um dieses Ziel zu erreichen.

Oben zeigte Leif Cannon seinem Angestellten, wo die Moneten hingehörten, er machte Roberto auf die Eigenheiten einiger Stammgäste aufmerksam und fragte schließlich nach dem beendeten Rundgang: „Glauben Sie, dass Sie's schaffen werden?“ Roberto schmunzelte. „Ich sehe keinerlei Schwierigkeiten, Mr. Cannon.“ Der Barbesitzer leistete sich ein kurzes Lächeln, das jedoch sofort wieder jener kummervollen Miene Platz machte, die er die meiste Zeit mit sich herumtrug. „Das freut mich“, sagte Cannon. Er streckte Roberto die Hand hin und fuhr fort: „Willkommen an Bord, Steve.“ Roberto schlug ein. „Vielen Dank, Sir.“

„Verdammt, nennen Sie mich Leif. Ich bin nicht der Präsident der Vereinigten Staaten. Förmlichkeiten sind mir verhasst.“

„Okay ... Leif“, sagte Roberto Tardelli, und er dachte bei sich: Du weißt es nicht, Kamerad, aber du hast von jetzt an einen Freund an deiner Seite.

Roberto erlaubte sich die Frage, was mit Cannons Gehwerkzeugen los sei, und weshalb der Mann ein Pflaster trug. Sofort wich Cannon Robertos Blick aus. Es schien, als würde er an die Ursache seines Hinkens nicht gern erinnert. Er wurde blass um die Nase, murmelte etwas von einem Autounfall, den er gehabt hätte, über den er aber nicht reden wolle, weil damit eine Menge Ärger verbunden wäre.

Das letzte stimmte ... die Menge Ärger. Den Autounfall wagte Roberto Tardelli jedoch zu bezweifeln. Er behielt das aber für sich, drang nicht weiter in Cannon, um diesen nicht zu verärgern. Das hätte gewiss zur Folge gehabt, dass Leif Cannon sich noch mehr in sein Schneckenhaus zurückgezogen und sich möglicherweise sogar ganz vor Roberto abgekapselt hätte.

Der „Autounfall“ - das war eindeutig eine Pression der Mafia gewesen.

Roberto deutete dem Barbesitzer vage an, dass er sich jederzeit und hundertprozentig auf ihn verlassen könne, und dass er sich, wenn er in Bedrängnis geriete und Hilfe brauche, bedenkenlos an ihn wenden solle.

Daraufhin stieß Cannon ein heiseres, nervöses Lachen aus. „Sagen Sie mal, Steve, wie kommen Sie denn auf die Schnapsidee, dass ich Hilfe brauchen könnte?“

Roberto Tardelli blickte den Mann durchdringend an und dachte: Du kannst mich nicht täuschen, Leif. Ich weiß, was dich quält. Ich wüsste es sogar dann, wenn ich den Tipp von Wes Montgomery nicht bekommen hätte, denn du lügst verdammt schlecht.

Doch von diesen Gedanken kam nichts über Robertos Lippen. Er hob lediglich die Schultern und meinte leichthin: „Wir haben alle irgendwann mal ein bisschen Hilfe nötig.“

Cannon nickte mit zusammengezogenen Brauen. „Ich danke Ihnen für dieses edle Angebot, aber ich denke, dass ich es wohl kaum in Anspruch nehmen muss.“

„Umso besser“, sagte Roberto Tardelli. Und dann ging er an die Arbeit.

5

Roberto hielt die Augen ständig offen. Er prägte sich die Gesichter der Gäste ein, und er machte es sich zur Gewohnheit, jedes Mal, wenn ein neuer Gast die Pinguin Bar betrat, einen raschen Blick auf Leif Cannon zu werfen, um zu sehen, wie der Barbesitzer auf den Neuen reagierte. Bisher hatte der Geigerzähler in Cannons Augen noch kein einziges Mal ausgeschlagen. Folglich hatte sich in der Bar noch kein mafiaverseuchtes Individuum blicken lassen.

Cannon und Roberto Tardelli ergänzten einander hervorragend.

Die Gäste waren mit dem neuen Keeper sehr zufrieden und äußerten sich recht lobend über Roberto Tardellis flinke, aufmerksame Arbeit.

Gegen zehn enterte ein verdammt hübsches Mädchen einen Hocker. Sie hatte Dynamit in der Bluse und eine Figur wie eine Achterbahn. Ihr rotes Haar schien aus lauter kleinen Flammen zu bestehen. Das Kleid, das sie trug, war nilgrün, schlicht geschneidert, und verfügte über ein

atemberaubendes Dekolleté, das Roberto krampfhaft schlucken ließ.

Sie war Fotomodell, arbeitete immer bis in die Nacht hinein, wohnte in der Nähe und kam gern noch auf einen Schlummertrunk in die Pinguin Bar. Ihr Name war Sandra Muldoon, und sie machte kein Hehl daraus, dass Roberto Tardelli ihr ausnehmend gut gefiel. Sie kündigte emanzipiert, wie sie war, offenherzig an, dass sie von nun an jeden Abend hereinschauen würde, und dass es sie freuen würde, wenn Steve dies als angenehm empfände.

Als sie eine Zigarette aus ihrer Handtasche holte, gab der aufmerksame Keeper ihr sogleich Feuer. Sie griff nach seiner Hand, schaute ihm über die Flamme hinweg tief in die Augen und blies dann mit einem bedeutungsvollen Lächeln die Flamme aus. Das war ein international bekanntes Zeichen. Roberto verstand es. Und er sah in Sandras wunderschönen Augen, dass sie haargenau wusste, was sie soeben getan hatte.

Da das Mädchen zu den Stammgästen der Pinguin Bar gehörte, versuchte Roberto Tardelli von ihr etwas über Leif Cannon zu erfahren. Sandra lächelte mitleidig. „Hat er Ihnen auch die Geschichte vom Autounfall erzählt, Steve?“

„Selbstverständlich.“

Sandra nickte. „Er ist wenigstens konsequent.“

„Was wollen Sie damit sagen? Hat er etwa keinen Autounfall gehabt?“

„Unfall stimmt“, sagte Sandra bedeutungsvoll. „Das Auto können Sie jedoch getrost streichen.“

„Ich verstehe nicht“, stellte sich Roberto Tardelli dumm, damit das hübsche Mädchen deutlicher wurde.

Und das wurde sie auch sofort. Sie schielte nach Cannon, der mit zwei Stammgästen an einem der Tische saß, beugte sich ein wenig über den Tresen, wodurch Roberto Tardelli ziemlich viel von ihren herrlichen Brüsten zu sehen bekam, und raunte: „Zweimal hintereinander wurde diese Bar vollkommen zertrümmert.

„Von wem?“, fragte Roberto.

Sandra blickte zur Decke. „Unbekannte Täter... So steht es jedenfalls im Polizeiprotokoll. Zum Glück war Leif versichert. Beide Male wurde der Schaden voll abgegolten. Aber in der Zeit, in der die Reparaturarbeiten durchgeführt wurden, musste Leif die Bar geschlossen halten, und diesen Verdienstausfall ersetzte ihm keiner.“

Roberto schüttelte beeindruckt den Kopf. „Wer macht denn so etwas Verrücktes? Hat Leif Feinde?“

„Anscheinend ja ... wenngleich er’s auch nicht zugibt“, erwiderte Sandra Muldoon. Sie streifte die Asche von ihrer Zigarette. „Aber lassen Sie mich von seinem ,Unfall' erzählen. Es liegt erst ein paar Tage zurück, da tauchten hier zwei dunkelhaarige Typen auf. Sie redeten kurz mit Leif, dann ging er mit ihnen. Die Miene, die er dabei machte, werde ich wohl lange nicht vergessen. Ich fing einen Blick von ihm auf, als er an mir vorbeiging. Das ging mir verflucht unter die Haut, sage ich Ihnen. Mir war, als würde er sich von mir für immer verabschieden ... Drei Stunden blieb er weg, und als er wiederkam, konnte er kaum noch gehen. Und jedem erzählte er, dass ihn ein Wagen angefahren hätte und dass der andere danach Fahrerflucht begangen hätte.

„Sie aber sind der Meinung, dass diese beiden Männer an Leifs Zustand Schuld haben“, meinte Roberto.

Sandra blickte ihn mit großen Augen an. „Sie etwa nicht?“

6

Nachdem der letzte Gast gegangen war, machte Roberto Tardelli die Abrechnung. Er hatte Sandra Muldoon gebeten, die beiden dunkelhaarigen Männer zu beschreiben. Das Mädchen hatte das so präzise getan, dass Roberto nach ihren Angaben Zeichnungen von den Gangstern hätte anfertigen können. Cannon setzte sich ächzend auf einen Stuhl. Er schien Schmerzen zu haben, und wenn er sich unbeobachtet glaubte, verzerrte er kurz das Gesicht.

„Na, Steve. Wie war der erste Arbeitstag für Sie?“

„Wunderbar, und recht informativ.“

Das Wort „informativ“ schien bei Cannon Alarm auszulösen. Beunruhigt hob er den Kopf. Nervös huschten Cannons Augen über Robertos Gesicht. Der Barbesitzer schien sich zu fragen, welche Art von Information sein neuer Barkeeper wohl erhalten hatte.

Roberto kam hinter dem Tresen hervor und setzte sich zu Cannon. „Sie haben Sorgen, nicht wahr?“ Cannon zuckte zusammen. „Wer sagt das?“

„Ich kann es Ihnen ansehen.“

„Blödsinn. Ich habe Schmerzen, das ist alles. Hat mich verdammt schlimm erwischt, das Auto. Trotzdem muss ich froh sein, dass es nicht noch ärger gekommen ist. Heutzutage fahren die Leute wie die Idioten durch die Stadt, und jeder Verrückte besitzt einen Führerschein. Die Ausgabe von Driver Lizenzen sollte meiner Ansicht nach wesentlich strenger gehandhabt werden.“

„Man munkelt, dass Sie gar keinen Autounfall hatten“, sagte Roberto Tardelli eindringlich. „Leif ... wenn Sie sich mir anvertrauen wollen ...“ Cannon sprang trotz der Schmerzen wütend auf. Kreideweiß war sein Gesicht mit einem Mal, und seine Wangen zuckten nervös. „Hören Sie, Steve, ich gebe Ihnen den guten Rat: Kümmern Sie sich ausschließlich um Ihren Job, okay? Für was Anderes werden Sie von mir nicht bezahlt. Wenn Sie aber denken, als Seelsorger noch 'ne Fleißaufgabe machen zu müssen, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich ein lohnenderes Betätigungsfeld zu suchen. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?“

Roberto Tardelli lächelte. Er war dem Mann nicht böse. Cannon hatte kein Vertrauen mehr zu seinen Mitmenschen, und er wollte mit seinem schlimmen Problem allein fertig werden. Roberto respektierte das.

„Aber ja“, sagte Roberto Tardelli freundlich. „An dem, was Sie sagten, war absolut nichts misszuverstehen.“

„Dann wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie sich an meinen Rat halten würden.“

Roberto nickte schmunzelnd. „Ich werde ihn mir hinter die Ohren schreiben.“

„Wird gut sein“, knurrte Cannon und bemühte sich, seine Beherrschung, wiederzuerlangen.

7

Ohne dass Cannon es bemerkte, hatte Roberto Tardelli sich mit der größtmöglichen Akribie in der Pinguin Bar umgesehen. Zoll für Zoll war Roberto vorgegangen, und nun stand unumstößlich für ihn fest: es gab noch kein Meskalin in der Bar. Aber Roberto war sicher, dass die erste Lieferung schon bald hier eintreffen würde. Noch hatte Cannon Schmerzen. Noch erinnerte er sich bei jedem Schritt an das, was ihm die Cosa Nostra-Schergen angetan hatten. Und Roberto war sicher, dass die Ehrenwerte Familie den Barbesitzer noch beliefern würde, ehe dessen Schmerzen und damit die Erinnerung abgeflaut waren.

Heute oder morgen, dachte Roberto Tardelli am zweiten Tag seines Keeper-Daseins.

Und dann kam der Anruf, mit dem Roberto gerechnet hatte.

Er belauschte das Gespräch, das Cannon in seinem Büro führte, von Anfang an. Die Bürotür war zehn Zentimeter weit offen. Roberto konnte den Barbesitzer gut beobachten und jedes Wort deutlich hören. Zunächst hatte Leif Cannon an seinem klobigen, mit großer Unordnung bedeckten Schreibtisch gesessen. Das Telefon hatte geklingelt, und Cannon hatte den Hörer aus der Gabel gefischt.

Kurz danach wurde sein Gesicht leichenblass, und Roberto Tardelli vermochte diese Symptome mit einem einzigen Wort zu erklären: Mafia.

„Wie?“, stieß Cannon aufgewühlt hervor. „Wann?“ Er nickte und schluckte seine Aufregung mühsam hinunter. „Heute...“ Er verdrehte die Augen und fuhr sich über die flatternden Augen. „Ja. Heute... Nein. Es wird keine Schwierigkeiten geben ... Ja. Es ist alles okay.“

Benommen ließ Cannon den Hörer auf den Apparat klappern. Er seufzte schwer und schüttelte immer wieder ratlos den Kopf. Nun fing die Lawine zu rollen an, und er rollte mit, wurde von ihr unaufhaltsam zu Tal gerissen, obwohl er sich so lange dagegen gewehrt hatte ...

Roberto hatte Mitleid mit dem unglücklichen Mann, der von einer Gewalt, gegen die er ohnmächtig war, zum Verbrecher gemacht wurde.

Mit verzweifelter Miene drosch Cannon die Faust auf den Schreibtisch, und er stöhnte gequält: „Ihr verfluchten Hunde! Warum ich? Warum habt ihr euch ausgerechnet mich ausgesucht?“

Roberto zog sich zurück.

An diesem Tag wurde Leif Cannon noch zweimal angerufen. Die Organisation wollte hundertprozentig sichergehen, dass es mit der ersten Lieferung keine Panne gab. Jedes Mal kam Cannon totenblass aus seinem Büro gewankt. Um wieder halbwegs klarzukommen, schüttete er nach beiden Telefonaten eine Menge Whisky in sich hinein. Dann zog er sich in einen stillen Winkel zurück, um da, mit glanzlosen Augen, dumpf vor sich hinzubrüten.

Ohne sich zu beschweren, tat Roberto Tardelli auch Cannons Arbeit.

Der Abend kam. Die Spannung wuchs sowohl bei Cannon als auch bei Roberto, denn nun konnte es wohl nicht mehr lange dauern, bis der Mafiabote aufkreuzte.

Robertos Augen suchten Leif Cannon.

Der Mann saß auf glühenden Kohlen. Er schaute ununterbrochen auf seine Armbanduhr. Wenn er von Gästen angesprochen wurde, gab er knappe Antworten, die manchmal nicht zu den Fragen passten. Cannon war mit seinen Gedanken ganz woanders. Und Roberto Tardelli wusste, wo.

Um halb zwölf riefen sie zum letzten Mal an.

Und um zwölf stahl sich Leif Cannon klammheimlich davon. Er begab sich in sein Büro und ließ sich nicht mehr blicken. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur noch zwei Gäste in der Bar. Männer. Stockbesoffen. Roberto Tardelli redete ihnen ein, es wäre bereits zwei Uhr früh, und er müsse die Bude nun dichtmachen. Sie zahlten anstandslos und gingen.

Roberto schloss hinter ihnen die Tür ab, schaltete die Lichter aus und huschte dann zu Cannons Büro. Er hörte Männerstimmen hinter der geschlossenen Tür, glitt daran vorbei und trat Augenblicke später in den Hinterhof hinaus.

Rechter Hand war das erhellte, vergitterte Bürofenster. Links neben der schmalen Hinterhoftür stand eine mit Müll randvoll gestopfte Tonne.

Der Hinterhof war rechteckig. An allen vier Seiten ragten dunkelgraue, trostlos wirkende Gebäudefassaden hoch. Ringsherum acht Stockwerke. Wohnsilos mit einem Minimum an Komfort und einem Maximum an Mieten.

Mitten im Hof stand ein schwarzer Ford Mustang. Roberto Tardelli eilte darauf zu und legte seine Hand auf die Motorhaube. Sie war noch so heiß, dass man darauf hätte Spiegeleier braten können.

Der Wagen des Mafiaboten.

Roberto drehte sich auf den Absätzen um und näherte sich lautlos dem erhellten Fenster. Er duckte sich und riskierte nicht mehr als ein Auge, schließlich wollte er nicht entdeckt werden.

Cannon redete mit einem jungen Mann. Der Bursche war bestimmt nicht älter als zwanzig. Er hatte dichtes schwarzes Brillantinehaar, eine knallbunte Krawatte hing an seinem Hals, die breiten Schultern waren vom Schneider.

Auf Leif Cannons Schreibtisch lag ein unscheinbares, in braunes Packpapier gewickeltes Paket: die erste Meskalinlieferung, die der Barbesitzer nach dem Willen der Ehrenwerten Familie ab morgen vertreiben sollte.