Insel der Manipulierten - Falk-Ingo Klee - ebook

Insel der Manipulierten ebook

Falk-Ingo Klee

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Opis

Insel der Manipulierten Donkor ist eine Wasserwelt, deren beherrschende Intelligenzen den irdischen Kraken gleichen. Sie nennen sich Donks. Ihr Herrscher ist der Potentat Zantos. Eine wichtige Rolle spielen Genetiker, denn Zantos' Volk wird für spezielle Aufgaben gezüchtet. Immer wieder werden genetisch veränderte Donks ausgeschickt, um wilde Urdonks zu fangen. Warum und wozu das geschieht, ist ein Rätsel. Nicht alle wollen sich mit diesen Zuständen abfinden. Einer dieser Oppositionellen ist ausgerechnet ein Polizeidonk, der weiß, dass ihn seine Aktivitäten Leib und Leben kosten können. Was aber weder Zantos noch seine Berater oder Gegner wissen: Es gibt auch noch Missgestaltete, die aktiv werden Dieser Roman erschien 1980 als Terra Astra 469.   Friedensmusik Si-Lethurs ist eine paradiesische Welt des ewigen Frühlings, mit tropischer Vegetation und einem Klima, bei dem sogar der sprichwörtliche Besenstiel austreibt. Es ist die Heimat der insektoiden Lethurer, die hier eine hochstehende Zivilisation aufgebaut haben. Merkwürdig ist, dass sie in allen Phasen ihres Lebens von Musik begleitet werden, dabei spielt sie in und bei ihren Forschungen absolut keine Rolle. Einer der Lethurer ist Artemut. Er ist jemand, der Höhen und Tiefen des Lebens am eigenen Leib erlebt. Da sind aber auch noch Zert-Vitus und Swan-Totu, zwei Hüter des Friedens. Haben sie etwas mit Artemuts Schicksal zu tun? Dieser Roman erschien 1983 als Terra Astra 567.

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FALK-INGO KLEE

Insel der Manipulierten

 

HOPF Autorenkollektion

Inhalt

Impressum

Vorwort

Insel der Manipulierten

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

Nachwort

Friedensmusik

1.

2.

3.

4.

5.

 

Impressum

 

Originalausgabe März 2022

Text © Falk-Ingo Klee

Copyright © 2022 der E-Book-Ausgabe by Verlag Peter Hopf, Minden

 

Covergestaltung: etage eins, Jörg Jaroschewitz

Covermotiv @ tepic / de.depositphotos.com

Korrektorat: Thomas Knip

 

ISBN ePub 978-3-86305-381-9

 

www.verlag-peter-hopf.com

 

Alle Rechte vorbehalten

 

Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse sind rein fiktiv.

Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Begebenheiten, mit lebenden oder verstorbenen Personen wäre rein zufällig und unbeabsichtigt.

 

Der Nachdruck, auch auszugsweise, die Verarbeitung und die Verbreitung des Werkes in jedweder Form, insbesondere zu Zwecken der Vervielfältigung auf fotomechanischem, digitalem oder sonstigem Weg, sowie die Nutzung im Internet dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages erfolgen.

 

 

Vorwort

 

Liebe Science-Fiction-Fans,

ich freue mich, an dieser Stelle innerhalb der HOPF Autorenkollektion wieder zwei Werke von mir vorstellen zu dürfen. Es sind nunmehr meine TERRA ASTRA-Romane sieben und acht, das bedeutet, die Hälfte aller TERRA ASTRA, die ich geschrieben habe, sind damit innerhalb dieser Retro-SF-Reihe nunmehr neu erschienen.

TERRA ASTRA 469 mit dem Titel »Insel der Manipulierten« erschien erstmals 1980, TERRA ASTRA 567 heißt »Friedensmusik« und kam 1983 in den Verkauf. Bei beiden Geschichten handelt es sich um Planetenromane und in beiden Romanen kommt weder ein Terraner noch ein anderer Vertreter eines fremden Volkes vor, der die Planetarier kontaktiert – also uns unbekannte Intelligenzen ganz unter sich. Damit scheinen die Gemeinsamkeiten schon erschöpft zu sein, denn das eine ist eine Wasserwelt und der andere Himmelskörper ist ein paradiesischer Planet des ewigen Frühlings und des pflanzlichen Überflusses. Hinzu kommt, dass diese Intelligenzen eine ganz unterschiedliche Zivilisationsstufe haben, eine völlig andere Mentalität und natürlich ein ganz anderes Aussehen.

»Insel der Manipulierten« beginnt gleich mit einer Actionszene, »Friedensmusik« startet mit der Beschreibung eines Geheimnisses, ist also anfangs eher erzählend. Und so nach und nach entfaltet sich dann mit der Handlung das Leben und Denken der beiden Gesellschaften, ihre Ansprüche und ihre Moral. Und wer will, und manchmal auch etwas zwischen den Zeilen liest, bemerkt dann, dass es bei beiden Lebensformen Individuen mit einer Behinderung gibt, denen die gesellschaftliche Teilhabe verwehrt wird.

Ja, ein bisschen habe ich da Gesellschaftskritik an den Umständen und Gegebenheiten der 1980er verpackt – übrigens nicht das erste Mal, wie die Leserinnen und Leser dieser Reihe wissen. Aber keine Angst, ich habe keine sozialkritischen Abhandlungen geschrieben, in die ich zur Auflockerung ein paar exotische Extraterrestrier eingebaut habe, sondern es sind ganz solide, hoffentlich unterhaltsame und vor allem spannende Science-Fiction-Romane geworden. Denn das war und ist mir natürlich das wichtigste Anliegen und auch mein Anspruch – spannende Unterhaltung zu bieten.

Ein bisschen versteckt ist auch mein Faible für Bio sprich das Leben. Ich finde das spannender, als detailliert Transitionstriebwerke oder Kalup-Konverter zu beschreiben. Kein Wunder, dass zu meinen Protagonisten in der einen Story ein Arzt und eine Bioingenieurin gehören und im anderen ein Genetiker. Hätte es jemand bemerkt?

Ich wünsche euch vergnüglichen Lesespaß!

 

Euer Falk-Ingo Klee

 

 

FALK-INGO KLEE

Insel der Manipulierten

 

Die Hauptpersonen des Romans:

Bogt – Ein junger Genetiker

Ontor – Bogts Vorgesetzter

Ystix – Ein Polizeidonk verfolgt verbotene Ziele

Karbor – Anführer der Missgestalteten

Lobi – Ein Entarteter

Zantos – Potentat von Donkors

 

 

1.

 

Der Geruchssinn der beiden Jäger war derart ausgeprägt, dass sie schon bei Annäherung an die Insel feststellten, dass sich im Wasser Urdonks aufhalten mussten. Endlich hatten sie eine Kolonie der Wilden gefunden.

Ramtas und Eling verständigten sich durch Zeichen und ließen sich auf den Meeresgrund absinken. Als sie den Boden berührten, veränderten sie ihr spezifisches Gewicht erneut und marschierten auf ihren sechs muskulösen Extremitäten auf den von Felsen begrenzten Strand zu.

Die Oberflächenstruktur und -farbe ihrer Körper hatten sich dem sandigen Untergrund angepasst.

Dank ihrer außergewöhnlich großen Augen bereitete ihnen die Orientierung im relativ flachen und somit lichtdurchfluteten Wasser keine Schwierigkeiten.

Vor den beiden tauchten die aus dem Sand emporwachsenden Klippen auf. Ramtas streckte einen Arm aus. Sofort übermittelten die daran befindlichen Saugnäpfe Farbe und Beschaffenheit der Oberfläche. Innerhalb von Sekunden ging mit dem Jäger eine Veränderung vor. Seine derzeit körnig aussehende Haut wurde rau wie Gestein. Auch seine Farbe veränderte sich. Das helle Sandgelb verwandelte sich in das marmorierte Braun der Felsen. Mittlerweile sah Elings Körperoberfläche ebenfalls aus wie ein Klippenvorsprung.

Vorsichtig tauchten die Riesendonks auf. Nach allem, was die beiden von den Primitiven wussten, war deren Gesichtssinn nicht weniger ausgeprägt als der eigene. Auftauchende Steinbrocken aber mussten auch den dümmsten Urdonk stutzig werden lassen.

Die Jäger sahen sich um. Ein wenig abseits vergnügten sich gut drei Dutzend Halbwüchsiger im warmen Wasser. Ihre Körper zeigten noch das typische Braun der Jugend. Auf dem Festland zwischen den Klippen in Strandnähe hatte sich eine nicht minder starke Gruppe Jugendlicher versammelt. Bei einigen von ihnen war das pubertäre Rostrot bereits in das tiefe Rot der Erwachsenen übergegangen. Niemand schien etwas bemerkt zu haben.

Die Kleinen waren für die Auftraggeber der Jäger uninteressant, die Vertreter der älteren Altersklasse waren für eine überraschende Aktion zu weit entfernt.

Aber in der Nähe ihres Standorts schwammen zwei fast ausgewachsene, stattliche Exemplare auf den Strand zu. Die Urdonks mussten die Klippen in unmittelbarer Nähe passieren – und gerieten damit in die Reichweite der Riesen.

Obwohl Ramtas und Eling die bevorstehende Aktion erregte, bewahrten sie äußerlich Ruhe. Behutsam streckten sie ihre drei vorderen Fangarme aus, während sie die hinteren gegen die Felsen pressten.

Als die Urdonks bis auf zwei Lings herangekommen waren, griffen die Jäger an. Dünne Tentakel, die bisher eingerollt zwischen den Extremitätenansätzen gelegen hatten, schnellten auf die Schwimmer zu.

Binnen Sekundenbruchteilen geschahen mehrere Dinge fast gleichzeitig. Auf die winzigen Bolzen, die in die dünnen Ausläufer eingebettet waren, wirkte die Berührung wie ein Aufschlagzünder. Sie wurden aus ihren Hülsen gepresst und bohrten sich in die Haut der Überfallenen. Die Miniaturpfeile, die bislang bei den Drüsen eine Art Stöpselfunktion erfüllt hatten, fehlten nun und gaben dem Inhalt der Hohlkörper den Weg frei. In jede der mikroskopisch kleinen Wunden drang rasch wirkendes Nesselgift ein.

Die roten Urdonks stießen eine Reihe blubbernder Laute aus und schnellten sich halb aus dem Wasser. Wie im Krampf peitschten ihre Arme durch die Luft und die Fluten.

Schon schossen die Riesen mittels ihrer organischen Rückstoßeinrichtung heran. Blitzschnell zogen sie die relativ empfindlichen Tentakel wieder ein und griffen mit ihren saugnapfbewehrten Armen nach den Schwimmern. Diese versuchten zwar, sich der Umklammerung zu entwinden und sich zu wehren, doch das Gift der Nesselkapseln begann bereits zu wirken.

Inzwischen waren die braunen Jungdonks aufmerksam geworden. Sie gaben erregte Töne von sich und strebten aufgeregt dem Ufer zu. Noch bevor die an Land befindlichen älteren Mitglieder der Gruppe bemerkt hatten, was geschehen war, waren die Riesen mit ihren halb gelähmten Opfern untergetaucht und schwammen ins offene Meer hinaus.

Die Art der Fortbewegung war merkwürdig. Ramtas bildete die Spitze und benutzte seine körpereigene Rückstoßeinrichtung. Wie ein Anhängsel hing Eling an ihm, der selbst inaktiv war und nur die beiden Gefangenen umklammerte.

In Kürze würde Eling seinen Platz mit Ramtas tauschen. Das hatte seinen guten Grund. Wie alle Donks waren auch die Riesen nicht sehr ausdauernd. Das lag daran, dass der Sauerstoff bindende Farbstoff in ihrem Blut – Hämozyanin – nicht eisen-, sondern kupferhaltig war.

Darin glichen die beherrschenden Intelligenzen der Wasserwelt Donkors den irdischen Kraken. Auch sonst besaßen sie recht viel Ähnlichkeit mit den terranischen Vielarmigen – wie sie, waren die Donks Kopffüßler.

 

*

Das Wahrnehmungsvermögen und die Hirntätigkeit von Nork und Oxta funktionierten nach wie vor, nur ihre Bewegungsfähigkeit hatten die beiden Wesen verloren. Für sie war es demütigend, wie irgendeine Beute einfach verschleppt zu werden, aber sie waren machtlos dagegen.

Angst, verzehrt zu werden, hatten die beiden eigentlich nicht. Obwohl die Riesen erheblich größer waren und nur sechs Arme besaßen, waren sie den Wurks – so nannten sich die Urdonks – recht ähnlich. Bei beiden Gattungen gab es die großen Augen, die mit Saugnäpfen versehenen Beinarme und den sackartigen Leib. Auch der Kieferschnabel war identisch.

Dennoch gab es unübersehbare Unterschiede. Ein normaler Wurk maß einen Ling; ein Viertel davon entfiel auf den Körper. Selbst wenn man den Riesenwuchs unberücksichtigt ließ, gab es immer noch die verminderte Extremitätenzahl und die Tentakel. Derart heimtückische Waffen besaßen sonst nur die Tronks, die Todfeinde der Wurks.

Hinzu kam, dass die Giganten in der Lage waren, ihre Farbe zu ändern – und die Struktur ihrer Haut. Nork hatte das genau beobachtet. Wurks produzierten nur drei Wachstumsstadienfarben – und die lagen fest. Die Fremden sprachen auch ein anderes Idiom. Einige Ausdrücke kamen den Gefangenen zwar bekannt vor, dennoch verstanden sie den Sinn der Unterhaltung nicht. Wie bei den Wurks, wurden die Töne durch eine hinter den Augen liegende Membrane erzeugt, die einer Art Schallblase glich.

Vorbei an bizarren Korallenstöcken und Tangwäldern bewegte sich der merkwürdige Zug durch die farbenprächtige Unterwasserlandschaft. Die Wassertiefe hatte merklich zugenommen. Die Jäger hatten sich inzwischen abgelöst.

Ein außergewöhnlich anmutiges Geschöpf tauchte auf. Es schwamm durch rhythmisches Zusammenziehen seines runden Schirmkörpers. Der zerbrechlich wirkende Schirm war rosa gefärbt, an der Schirmunterseite setzten acht Gruppen zu je achtzig Tentakeln an, die von blaugrüner Farbe waren; die Mundarme leuchteten in strahlendem Blau. Fünf Lings waren die Ausläufer lang. Die Wurks kannten das herannahende Wesen – es war ein Tronk.

Nork und Oxta schrien auf. Es waren keine Schreie im menschlichen Sinn, sondern ein auf- und abschwellendes Blubbern. Halb verrückt vor Angst versuchten die beiden, die gelähmten Fangarme zu bewegen und zu fliehen, doch die blockierten Nervenbahnen leiteten die Befehle nicht an die Muskeln weiter.

Auch die Jäger hatten die Riesenqualle bemerkt. Eling löste sich aus dem Verbund und schwebte auf den Tronk zu, während sein Gefährte mit den Gefangenen langsam weiterschwamm.

Der Riesendonk hob seine vorderen Fangarme leicht an. Schon katapultierten sich etliche Nesselarme nach vorn, mit denen auch die Wurks bereits unangenehme Bekanntschaft gemacht hatten.

Nork und Oxta erschauerten. Der Riese war verloren. Die klebrigen Nesseltentakel des Tronks sprachen auf Berührung an und pressten dem Opfer ein ätzendes Gift in den Körper. Diese Information hatten die Urdonks nicht aus eigener Erfahrung gewonnen – denn kein Wurk überlebte eine Begegnung mit einem Tronk –, sondern sie war in ihren Erbanlagen verankert.

Mehrere Lings vor dem Tronk tanzten die Tentakelspitzen Elings durch das Wasser und schlugen gegeneinander. Noch während der Jäger die Ausläufer wieder einzog, breitete sich eine bläuliche Farbwolke aus, die süßlich roch.

Wie elektrisiert zuckten die Nesselfäden des Quallenwesens zurück. So, als bereite der Geruch dem Tronk körperliche Qualen, zog sich der Schirm zusammen. Mit hastigen Bewegungen schwamm der gefährliche Räuber davon.

Als sei nichts geschehen, setzte sich der Riesendonk wieder an die Spitze und umklammerte Ramtas. Die Erregung der Wurks ebbte ab.

Fast waren sie ein wenig stolz darauf, dass ausgerechnet sie als Gefangene solcher ihnen ähnlichen Überwesen ausgesucht worden waren. Niemand sonst vermochte einen Tronk davon abzuhalten, ein einmal gewähltes Opfer auch zu töten und zu verspeisen. Unklar war den beiden allerdings, was man mit ihnen vorhatte.

Nach etwa drei Bitings, drei Planetenstunden also, ließ die Lähmung nach. Vorsichtig bewegten die Wurks ihre Fangarme. Sie gehorchten ihnen wieder.

»Ob sie unsere Sprache verstehen?«, blubberte Oxta.

»Ich glaube nicht. Warum fragst du?«

»Wir sollten fliehen.«

Nork schwieg. Er dachte nach und beobachtete zugleich die Jäger. Sie reagierten nicht auf das Gespräch ihrer Gefangenen. Allerdings kam es dem jungen Urdonk so vor, als würden ihn die Saugnäpfe des Riesen ein wenig fester packen.

»Wir versuchen es. Du schwimmst nach links oben, ich setze mich nach rechts unten ab. Ich gebe das Zeichen«, erklärte Nork schließlich.

Er stieß einen tiefen Blubberton aus. Gleichzeitig stützten die beiden sich mit ihren zehn Beinarmen am Körper Elings ab und setzten ihr organisches Rückstoßsystem ein. Wie von der Sehne geschnellt schossen die Wurks in verschiedene Richtungen davon.

Sie kamen nicht weit. Es gab einen fürchterlichen Ruck. Schmerzhaft pressten sich die Fangarme des Riesen in den weichen Leib, die Saugnäpfe rissen unangenehm an der Haut und wölbten sie auf. Wieder erfolgte ein Ruck. Enger und fester als zuvor wurden die Wurks an den Jäger gepresst.

»Ich glaube, unsere kleinen Freunde werden in Zukunft vernünftiger sein«, sagte Eling.

»Das denke ich auch.« Ramtas löste die Extremitäten von seinem Gefährten. »Ich bin hungrig. Wir sollten ein wenig ausruhen und essen.«

Der andere stimmte zu und forderte die Wurks auf, sich ebenfalls Nahrung zu beschaffen. Die Urdonks verstanden ihn nicht. Erst als Eling die Umklammerung lockerte und sich mittels Zeichen und Gesten mitteilte, verstanden die Gefangenen.

Während sie sich damit begnügten, Muscheln und Krebse zu verzehren, hielten die Jäger nach größerer Beute Ausschau. Als Ramtas sich gestärkt hatte, übernahm er die Bewachung, und Eling ging auf Nahrungssuche.

Nachdem sich alle gesättigt hatten, setzten sie ihre Unterwasserreise fort. Es dauerte fast einen Hanbiting, einen donkors’schen Tag, bis sie am Ziel ankamen.

 

 

2.

 

»Sind die Jäger schon zurückgekommen?«

»Alle – bis auf Ramtas und Eling. Sie haben vier Wilde mitgebracht.«

»Du sollst nicht immer Wilde sagen, Bogt«, tadelte Ontor. »Es sind Donks wie wir, nur eben nicht so hoch entwickelt.«

Bogt blubberte etwas Unverständliches und wollte sich entfernen.

»Wo willst du hin?«

»Zu den Primitiven. Ich will sie untersuchen.«

»Gehe behutsam vor. Du weißt, sie sind misstrauisch und scheu – schließlich haben wir sie aus ihrer gewohnten Umgebung entführt.«

»Es sind nicht die ersten Urdonks, mit denen ich zu tun habe«, gab der Assistent des Genetikers beleidigt zurück.

»Das weiß ich. Ich wollte dich auch nur daran erinnern, wie wertvoll die Gefangenen für uns sind. Es wird immer schwieriger, geeignetes genetisches Material zu beschaffen. Die Jäger müssen immer weitere Reisen unternehmen, um Erfolg zu haben. Vier Urdonks.« Der Genetiker seufzte. »Es sind wenig genug.«

»Vielleicht sind Ramtas und Eling erfolgreicher.«

»Möglich, aber darauf sollten wir uns nicht verlassen. Geh jetzt!«

Bogt verließ den Raum. Ontor beugte sich über ein Brutbecken. Sechs armselige Zellhaufen schwebten darin und wuchsen und teilten sich.

Wenn alles gut ging, würden aus den manipulierten Zellkulturen sechs Spezialisten werden. Sechs – und über dreißig Züchtungen wurden benötigt. Der Genetiker fuhr sich mit den Manipulationsarmen müde über den sackartigen Leib. Die Bedarfsplaner, die direkt dem Erhabenen Zantos, dem Potentaten von Donkors, unterstanden, würden höchst unzufrieden mit ihm und seiner Arbeit sein.

Krokst, sein nicht so hoch entwickelter Kollege, hatte es da wesentlich einfacher. Eine Zelle so zu verändern, dass sie sich zu einem Blubb entwickelte, war nicht wesentlich schwieriger als eine Präparation zur Zwillingsteilung. Allerdings hatte auch Krokst seine Probleme. Selbst an die Blubbs, recht primitive, instinktgesteuerte Wesen, wurden unterschiedliche Anforderungen gestellt. Ein spezialisierter Blubb musste ganz andere Voraussetzungen erfüllen als ein Vielzweckblubb.

Ontor seufzte erneut. Manchmal fühlte er sich einfach überfordert und fragte sich, ob eine hochstehende Gesellschaft wie die der Donks so kompliziert sein musste. Warum konnte er nicht so frei und unbeschwert leben wie die Urdonks?

Die Frage war müßig. Wenn er sich im spiegelnden Wasser betrachtete, wusste er die Antwort. Er selbst war eine derart spezialisierte Züchtung, dass er nicht einmal in der Lage war, sich mit Nahrung zu versorgen – das mussten andere für ihn tun. Der Genetiker wischte die trüben Gedanken beiseite.

Er schob bewegliche Hautfalten über die riesigen Augen und fuhr zwei Stielaugen aus, die er ins Becken senkte. Mit diesen Stielaugen, die wie ein natürliches Mikroskop wirkten, betrachtete er eingehend die Zellkulturen. Der Genetiker blubberte zufrieden. Alle sechs Zellballungen entwickelten sich zufriedenstellend.

 

*

Gleich nach ihrer Ankunft in Donkors, der einzigen Siedlung auf der von Zantos beherrschten großen Insel, hatten die Jäger die Urdonks an einen Bevollmächtigten der Bedarfsplaner übergeben.

Die Bevollmächtigten der Bedarfsplaner erfüllten in Donkors eine Art Polizeifunktion. Sie waren etwa so groß wie die Gefangenen, ihre Haut war lindgrün. Sie besaßen acht Extremitäten. Zwei davon waren mit Drüsen und Warzen besetzt, die Nesselgifte und Aromastoffe absondern konnten.

Am unteren Ende des sackartigen Leibes saßen zwei ›Rückstrahler-Reflektoren‹, die ein selbst erzeugtes, blaugrün leuchtendes Licht verstrahlten. Dieses gewissermaßen äußere Zeichen ihres Standes konnte durch körpereigene Farbfilter und Filterspiegel in rotes, blaues, grünes oder weißes Licht umgewandelt werden – je nach Rang und Status.

Davon wussten Nork und Oxta natürlich nichts. Die beiden waren von den Drüsenarmen des Polizeidonks berührt worden, worauf ein intensiv nach Fisch duftendes Sekret abgesondert wurde. Jeder Einwohner Donkors’ konnte somit riechen, dass die zwei roten Zehnarmigen der Aufsicht durch die Bevollmächtigten der Bedarfsplaner unterstanden.

Eine Stadt wie Donkors hatten die Urdonks noch nie gesehen. Die breiten Straßen wirkten wie wasserlose Kanäle. Zu beiden Seiten befanden sich lückenlose Reihen künstlich errichteter Unterkünfte. Es handelte sich dabei um mehrere Lings hohe Häuser, die bis zur halben Höhe fensterlos waren.

Die Urdonks kamen aus dem Staunen nicht heraus. Eine Umwelt, die von ihren Bewohnern selbst gestaltet wurde, kannten sie nicht. Sie besaßen zwar auch Pfade, die immer wieder benutzt wurden, aber keine, die künstlich angelegt waren.

Schon die äußeren Zeichen der donkors’schen Zivilisation verwirrte und beeindruckte die Gefangenen derart, dass sie keinen Gedanken an Flucht verschwendeten.

Vor einem besonders hohen Gebäude wurde ihnen bedeutet, anzuhalten. Gehorsam blieben die beiden stehen.

Mit zwei seiner acht Beinarme fasste der Lindgrüne nach einigen säulenartigen Steinen, die in Häusernähe aus dem Boden ragten.

Verwundert registrierten die Urdonks, dass sich unter der Platte, die ihr Bewacher zur Seite schob, ein wassergefülltes Loch befand. Der Bevollmächtigte der Bedarfsplaner bedeutete ihnen, sich hineinzubegeben.

Vorsichtig ließen sich die Urdonks nacheinander ins Wasser gleiten. Es war verhältnismäßig kühl und so tief, dass beide übereinander hineinpassten, wobei der untere noch nicht einmal den Boden berührte.

Nork gab eine Reihe unmutiger Laute von sich, als Oxta ihn nach unten drückte.

»Ich kann nichts dafür«, blubberte Oxta. »Der Wächter steht auf mir.«

Im Schacht wurde es dunkel; der Polizeidonk hatte die Steinplatte von innen über die Öffnung gezogen. Wieder wurde Nork nach unten gedrückt.

Der junge Urdonk tastete die Wände ab und sank tiefer. Auf einmal fassten mehrere seiner Arme ins Leere. Die Öffnung, die er erfühlte, war groß genug, um ihn hindurchzulassen. Der Schacht auf der anderen Seite unterschied sich durch nichts von dem, den Nork gerade passiert hatte, dennoch glaubte er zu erkennen, dass das Wasser von oben erhellt wurde.

Nork veränderte sein spezifisches Gewicht und schwebte aufwärts. Er hatte sich nicht getäuscht – es wurde heller. Als er auftauchte, erkannte er, dass er sich im Innern einer künstlichen Höhle befand.

Der Zehnarmige sah sich um. Der verhältnismäßig kleine Raum war leer. Mittels seiner saugnapfbewehrten Arme zog Nork sich aus dem Wasser und wartete, bis Oxta ebenfalls an die Oberfläche kam.

»Sind wir hier in einer künstlichen Höhle?«

Nork bejahte.

»Was hat man mit uns vor?«

Bevor Nork antworten konnte, stieß Oxta einen Schmerzenslaut aus und schnellte sich förmlich aus dem Becken.

Verständnislos blickte Nork seinen Freund an.

»Was hast du?«

»Der Wächter – er hat mich mit seinen tückischen Armen berührt.«

»Du hast ihn am Auftauchen gehindert«, gab Nork zurück.

»Wir sollten ihn töten und dann fliehen«, blubberte Oxta. »Ich hasse diese Wesen, die uns ähnlich sind und über die Waffen der Tronks verfügen.«

Der Lindgrüne tauchte auf. Noch bevor Nork ihn daran hindern konnte, griff Oxta an. Acht der saugnapfbewehrten Arme umschlangen den Polizeidonk und rissen ihn aus dem wassergefüllten Schacht. Bevor der Urdonk seinen Gegner mit dem papageienartigen Kieferschnabel zu fassen bekam, wand er sich halb wahnsinnig vor Schmerzen am Boden.

Instinktiv hatte der Überfallene seine Drüsenarme eingesetzt und dabei auch das linke Auge Oxtas berührt. Durch den Berührungsreiz waren automatisch einige Tropfen der organischen Säure in das betreffende Organ gespitzt worden. In Zukunft würde der junge Urdonk als Einäugiger leben müssen.

Nork stand da wie vom Donner gerührt. Widerstreitende Empfindungen beherrschten ihn. Er wollte dem Freund beistehen, doch wie? Sollte er den Wächter angreifen und versuchen, ihn unschädlich zu machen, oder Oxta zu Hilfe eilen?

Noch während er mit sich rang, erschien ein weiterer Donk; auch er war ein Lindgrüner. Damit wurde dem jungen Urdonk die Entscheidung abgenommen, denn gegen zwei Gegner mit ihren überlegenen Körperwaffen hatte er keine Chance.

Nork eilte zu dem Freund und beugte sich über ihn.

»Mein Auge, mein Auge«, jammerte Oxta ununterbrochen.

»Tauche ins Becken, vielleicht lindert das kühle Wasser die Schmerzen ein wenig«, sagte Nork. »Warte, ich helfe dir.«

Behutsam umfasste er den Freund und bugsierte ihn zu dem Schacht. Stöhnend senkte Oxta den sackartigen Leib in das trübe Nass. Die Lindgrünen ließen die beiden gewähren.

»Geht es dir besser?«, erkundigte sich Nork.

»Ein wenig«, blubberte Oxta.

Nork schwieg und betastete den Freund mitfühlend.

Nach einer Weile wurden die Bevollmächtigten der Bedarfsplaner unruhig.

»Kommt jetzt!«, herrschte der Überfallene die beiden Zehnarmigen an.

Als die Urdonks nicht reagierten, berührte der Lindgrüne den Wurk mit einem Drüsenarm. Ein unangenehmes Brennen breitete sich auf Norks Haut aus.

Der junge Rote fuhr herum. Er starrte den Polizeidonk feindselig an und ging in Angriffsstellung. Der Wächter blubberte verächtlich und setzte erneut seine Nesselwaffen ein.

Diesmal war der Schmerz intensiver.

Nork hätte den anderen jetzt am liebsten umschlungen und mit dem Kieferschnabel zerfetzt, doch sein Verstand sagte ihm, dass es ihm bei einem Kampf ebenso ergehen würde wie Oxta.

Innerlich bebend vor ohnmächtigem Zorn, ging er auf den Durchlass zu, auf den sein Bewacher deutete. Als er an einer Fensteröffnung vorbeikam, warf er einen Blick nach draußen. Mehrere Lings tiefer lag die Straße. Die einsetzende Flut hatte einen Teil davon bereits unter Wasser gesetzt.

Ein tiefes, durchdringendes Heulen ertönte. Als sei das ein Signal, wurden aus den gegenüberliegenden Gebäuden Abfälle aus den Fenstern geworfen. Für einige Augenblicke bekam Nork andere Bewohner der Siedlung zu Gesicht, dann trieb ihn der Wächter wieder weiter.

Währenddessen hatte der andere Lindgrüne Oxta aus dem wassergefüllten Schacht gezogen und dirigierte ihn ebenfalls auf die Türöffnung zu.

Über einen kurzen Gang gelangten sie in einen großen Raum, in dem sich mehrere Personen aufhielten. Vier waren an der roten Körperfärbung und den zehn Extremitäten eindeutig als Urdonks zu erkennen; sie wurden von drei Lindgrünen bewacht.

Bei ihnen stand ein algengrün gefärbter Donk, der etwa einen Ling groß, ansonsten aber völlig anders gebaut war.

Hinter den großen Augen befanden sich Hautwülste und Höcker, die sonst kein Wurk oder Donk besaß. Auch die Zahl der Extremitäten war abweichend. Sechs der Arme besaßen die typische Form, von den anderen sechs glich keiner dem anderen. Weder Nork noch Oxta hatten eine Vorstellung davon, wozu sie dienten.

»Diese Primitiven haben Ramtas und Eling gefangen genommen«, meldete der Polizeidonk, der die Urdonks von den Jägern in Empfang genommen hatte.

»Sehr schön, dann haben wir also insgesamt sechs.« Bogt trat neben die beiden Roten und musterte sie eingehend. »Es sind männliche Exemplare.« Er deutete bei Nork und Oxta auf den jeweils vierten Arm der rechten Seite. »Die Geschlechtsarme sind bereits breit gewachsen und schon schön gezeichnet. Demnach sind beide noch jung, aber geschlechtsreif.«

Ontors Assistent trat zur Seite und blickte den Urdonks in die Augen.

»Der zweite ist auf einem Auge blind.« Bogt schob die Hautfalten über die großen Sehorgane und fuhr die Stielaugen aus. Nachdem er das Auge intensiv betrachtet hatte, blubberte er: »Er ist noch nicht lange halbblind. Das Auge wurde durch Säure zerstört. Könnt ihr mir vielleicht eine Erklärung dafür geben?«

»Es war ein Versehen«, berichtete der eine Bevollmächtigte der Bedarfsplaner. »Der junge Primitive versuchte, mich zu überwältigen. Ich war auf den Angriff nicht gefasst und habe mich reflexhaft gewehrt; dabei habe ich ihm die Verletzung zugefügt.«

»So etwas sollte eigentlich nicht passieren. Du weißt, wie wertvoll diese Roten für uns sind.«

»Ich weiß es, Bogt. Du kannst mir glauben, dass ich ihn nicht absichtlich verletzt habe.«

»Sei beim nächsten Mal vorsichtiger.«

»Gewiss, Bogt. Brauchst du uns noch?«

»Bringt die vier Gefangenen in den Sicherheitsraum. Mit den Neuankömmlingen werde ich mich noch eine Weile beschäftigen.«

Während ein Lindgrüner als Wache zurückblieb, trieben die anderen die Urdonks aus dem Raum.

Nork und Oxta hatten von dem Gespräch nichts mitbekommen. Oxta verhielt sich teilnahmslos und jammerte leise.

Nork hatte versucht, mit den anderen Zehnarmigen Kontakt aufzunehmen, doch die vier hatten geschwiegen. Vielleicht verstanden sie auch den Dialekt der Wurks nicht.

Der Genetiker war ans Fenster getreten und winkte die beiden Gefangenen zu sich heran. Nork fasste Oxta sanft um den Leib und führte ihn zu dem merkwürdig aussehenden Donk.

»So, dann wollen wir mal sehen, was ihr an genetischem Material zu bieten habt. Ihr braucht keine Angst zu haben, ich beiße euch nicht.«

Obwohl die Wurks nicht verstanden, was Bogt sagte, wirkten seine Blubberlaute beruhigend. Vertrauensvoll blickten die Urdonks Ontors Assistenten an. Bogt gluckste zufrieden. Wie eigenständige Wesen begannen seine sechs Manipulationsarme mit der Untersuchung.

 

 

3.

 

Wie jeden Tag hatte man sich im Beratungssaal des Palasts zusammengefunden. In dem erhöht stehenden, mit Meerwasser gefüllten Becken hatte es sich Zantos, der Potentat von Donkors, bequem gemacht. In den drei Bassins vor ihm befanden sich die drei Bedarfsplaner.

Nach der obligatorischen Anrufung Zants, des obersten Wassergottes, erteilte Zantos Sokti das Wort.

»Ich danke dir, Erhabener Zantos, Abkömmling des allmächtigen Zant, Gebieter über Donkors und Bewahrer Donkors’, oberster Genetiker und Bedarfsplaner, unüberwindlicher Jäger, vielarmiger Gebieter und Meer der Weisheit und Güte. Mögest du mit vielen Nachkommen gesegnet sein.« Der Bedarfsplaner, der sich zu Beginn der Huldigung aufgerichtet hatte, ließ sich ins Wasser zurücksinken. »Wenn du gestattest, möchte ich mit einer Bestandsaufnahme beginnen, Erhabener Zantos.«

»Fange an!«

»Danke, Erhabener Zantos! Die ausgeschickten Jäger sind zurückgekehrt und haben sechs Primitive als Gefangene mitgebracht. Ich habe mit Ontor gesprochen – er hält das genetische Material für gut und geeignet. Allerdings erscheint es ihm nicht ausreichend, um alle vorliegenden Aufträge auszuführen. Seiner Berechnung nach benötigt er die doppelte Anzahl.«

»Wie viele Züchtungen brauchen wir, Sokti?«

»Derzeit neunundvierzig, Erhabener Zantos!«

»Sind alle Anforderungen auf ihre Berechtigung geprüft worden?«

»Selbstverständlich, Erhabener Zantos.«

»Gut, dann übermittle Ontor, dass ich ihm befehle, neunundvierzig Züchtungen herzustellen. Über wie viele verfügt er zurzeit?«

»Über sechs«, blubberte Sokti verlegen. »Zu mehr hat das genetische Material nicht gereicht, Erhabener Zantos.«

»Ich will, dass sich das ändert. Wenn du nicht unfähig bist, Sokti, muss es der Genetiker sein. Ich bestimme, dass Ontor als Nächstes zwei Genetiker züchtet – und zwar vorrangig.«

»Ein derartiger Befehl kommt einer Beleidigung Ontors gleich, Erhabener Zantos.« Der Bedarfsplaner wand sich wie ein Aal. »So etwas hatten wir noch nie, es widerspricht der Tradition.«

»Hier bestimme ich, was gemacht wird.«

»Gewiss, Erhabener Zantos«, beeilte sich Sokti zu versichern. »Ich werde Ontor noch heute deinen Befehl überbringen.«

»Ich habe nichts anderes von dir erwartet, Sokti. Schließlich gab es früher auch keine Bedarfsplaner – und somit war die Schaffung eures Standes auch ein Bruch mit der Tradition.«

»Deine Weisheit und Güte bewundere ich stets aufs Neue, Erhabener Zantos. Die Fülle deiner Gedanken ist reich und unendlich wie das Meer, du Abkömmling Zants. Stetig wie der Wechsel der Gezeiten wacht deine Gnade über uns, und ich preise mich dankbar, unwürdig wie ich bin, deiner alles sehenden Gegenwart teilhaftig zu sein. Meine Worte waren unbedacht, Erhabener Zantos. Sofern du mir nicht Vergebung gewähren willst in deiner Gnade, bitte ich dich, über mich zu richten, damit ein anderer meine Stelle einnimmt, der sich als würdiger erweist.«

Mit einem Blubberlaut tat der Potentat kund, dass er Soktis ritualisierte Entschuldigung akzeptierte.

»Nun zu dir, Astang. Mit sechs Gefangenen waren deine Jäger nicht besonders erfolgreich. Was hast du dazu zu sagen?«

Nach der obligatorischen Begrüßungsformel kam der Bedarfsplaner zur Sache.

»Wir verfügen derzeit über zehn Jäger, die stets in Zweiergruppen unterwegs sind.«

»Das weiß ich«, unterbrach Zantos ziemlich ungnädig.

»Verzeih, Erhabener Zantos.« Unwillkürlich machte Astang sich optisch kleiner. »Die Jäger müssen immer weitere Entfernungen zurücklegen, um Erfolg zu haben. Strecken von mehreren Hanbitings aber übersteigen die Kräfte zweier Jäger. Wir müssen in Zukunft Gruppen von drei und vier zusammenstellen. Dadurch vermindert sich notgedrungen die Zahl der Jagdkommandos. Ohne deiner weisen und umsichtigen Entscheidung vorgreifen zu wollen, Erhabener Zantos, schlage ich vor, weitere zehn Jäger zu züchten.«

»Mein Volk soll wachsen und gedeihen. Bestelle Ontor, dass er zwanzig Jäger zu züchten hat. Wir benötigen genetisches Material.«

»Gewiss, Erhabener Zantos.«

»Und deinen Jägern richtest du aus, dass sie ihr Augenmerk auf weibliche Urdonks richten sollen. Es ist wieder an der Zeit, dass ich mich um Nachkommen bemühe.«

»Wie du befiehlst, Erhabener Zantos.«

»Nun zu dir, Fagst. Was hast du zu berichten?«

Auch Fagst, der für Blubbs zuständige Bedarfsplaner, sagte zuerst die rituelle Huldigungsformel auf, bevor er auf sein Anliegen zu sprechen kam.

»Vor zwei Bitings hatte ich eine Unterredung mit Krokst. Er verfügt über genügend Zellmaterial, um allen Anforderungen nachkommen zu können, doch er schafft es zeitlich nicht mehr. Er bat mich, dich, Erhabener Zantos, in aller Bescheidenheit um einen Assistenten zu bitten. Nach sorgfältiger Prüfung unterstütze ich das Begehren des Genetikers. Ich möchte betonen, dass es dabei nicht um Krokst geht, sondern um das Wohl unserer Zivilisation.«

Zantos dachte kurz nach, dann verkündete er: »Einer der Genetiker, die Ontor züchten soll, wird Krokst zur Verfügung gestellt. Zant sei mit euch.«

»Zant beschütze dich, Erhabener Zantos«, antworteten die drei Bedarfsplaner im Chor, dann erhoben sie sich aus ihren Becken und strebten dem Ausgang zu. Dabei orientierten sie sich mittels ihres ausgeprägten Geruchsinns an Duftmarken.

Die Bedarfsplaner waren fast blind und vermochten nur Hell-Dunkel-Reize zu unterscheiden. Wie alle Bewohner Donkors’ – Zantos ausgenommen – waren sie spezielle Züchtungen.

Wer direkten Umgang mit dem Potentaten hatte, durfte nicht sehend sein. Kein Untertan hatte je Zantos zu Gesicht bekommen.

Eine Art Nickhaut bedeckte die Augen der Bedarfsplaner. Während die Genetiker ihre Hautfalten nach Bedarf und Belieben über die Sehorgane schieben konnten, waren sie bei Sokti, Astang und Fagst durch Zellwucherungen mit der Körperoberfläche verwachsen.

Die Bedarfsplaner wussten, dass sie im Gegensatz zu den anderen nahezu blind waren. Da das aber mit ihrem Status verbunden war und sie nie etwas anderes kennengelernt hatten, empfanden sie es nicht als Makel oder gar Behinderung. Andere Sinne waren dafür besser ausgeprägt als bei einem durchschnittlichen Donk – das galt auch für das Gehirn.

Zantos sah den drei Bedarfsplanern nach. Man merkte ihnen wirklich nicht an, dass sie kaum etwas sahen.

 

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