Fear Street 12 - Teufelskreis - R.L. Stine - ebook

Fear Street 12 - Teufelskreis ebook

R.L. Stine

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Opis

Unfälle passieren nun mal ... Natalie und ihre Freunde teilen ein schreckliches Geheimnis. Sie alle waren beim Unfall dabei – sie alle haben Fahrerflucht begangen. Niemand sollte je erfahren, was in der nebligen Nacht geschah. Doch einer von ihnen kann nicht schweigen. Und dann fängt der Albtraum erst richtig an ...Der Horror-Klassiker endlich auch als eBook! Mit dem Grauen in der Fear Street sorgt Bestsellerautor R. L. Stine für ordentlich Gänsehaut und bietet reichlich Grusel-Spaß für Leser ab 12 Jahren. Ab 2021 zeigt Neflix den Klassiker Fear Street als Horrorfilm-Reihe!

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Prolog

Mom sagte immer: „Unfälle können passieren“, wenn ich beim Abendessen die Milch verschüttete oder mir auf der Straße den großen Zeh verstauchte.

Dad war viel strenger mit mir. „Natalie, warum kannst du nicht besser aufpassen?“, fuhr er mich an. „Du bist ein richtiger Tollpatsch!“ Aus irgendeinem Grund ging er gleich in die Luft, wenn ich wirklich mal die Milch verschüttete.

Aber Mom blieb cool. „Unfälle können passieren“, sagte sie gelassen.

Als ich acht war, fiel ich vom Baum und brach mir den Arm.

„Unfälle können passieren. Du bist eben ein Unglücksrabe, Natalie.“

Zwei Jahre später stürzte ich über die Lenkstange meines Fahrrads, als ich vor ein paar Jungen mit meinen Fahrkünsten angab. Ich landete auf dem Kopf. Eine Gehirnerschütterung brachte mich ins Kreiskrankenhaus von Shadyside.

Mom blieb gelassen und tröstete mich. „Unfälle können passieren.“

In der Nacht, als der schreckliche Unfall in der Sackgasse passierte, fielen mir ihre Worte wieder ein. Und ich hörte ihre Stimme.

Mein Herz hämmerte vom Schock des Zusammenpralls immer noch wie wild. Und als wir mit quietschenden Reifen auf der regennassen Straße davonrasten, wurde mir klar, dass das, was wir taten, nicht richtig war.

Ich machte die Augen zu und hörte Moms sanfte, tröstliche Stimme: „Unfälle können passieren.“

Unser Wagen schlitterte quer über den Asphalt. Aber wir fuhren weg.

Wir mussten einfach hier weg.

„Unfälle können passieren.“

Ich redete mir ein, dass es nur ein Unfall gewesen war.

Und jetzt war er vorbei.

Ich hatte ja keine Ahnung, dass der wahre Terror jetzt erst anfangen sollte.

1

Freitagabend waren Talia Blantons Eltern nicht zu Hause, deswegen fand bei ihr eine Party statt.

Dazu lud sie nur die älteren Schüler der Shadyside Highschool ein. Trotzdem tauchten ein paar Jungs aus einer anderen Schule überraschend auf Talias Party auf. Außerdem waren noch ein paar Mädchen da, die ich auch nicht kannte.

Als ich die Kellertreppe hinunterging, begrüßte Talia mich überrascht. „Natalie! Ich hätte gar nicht gedacht, dass du auch kommst!“, rief sie, um die dröhnende Musik aus dem CD-Spieler zu übertönen.

„Warum sollte ich nicht kommen?“, rief ich fragend.

Sie nahm einen großen Schluck aus ihrer Coladose. „Ich weiß doch, dass du Partys nicht magst.“ Sie warf einen Blick über meine Schulter. „Wo ist Keith?“

Überrascht drehte ich mich um. Keith Parker, mein Freund, war gerade eben noch hinter mir gewesen. Ich sah mich suchend in dem überfüllten Raum um. Dann entdeckte ich ihn hinter dem Pingpongtisch. Er redete mit Corky Corcoran und zwei anderen Cheerleadern.

„Die Hälfte der Kids kenne ich gar nicht!“, erklärte Talia und seufzte. „Hoffentlich verwüsten sie nicht das ganze Haus. Draußen in der Garage sind ein paar Jungs. Ich glaub, sie haben Bier mitgebracht. Meine Eltern bringen mich um, wenn sie das rauskriegen!“

Ich winkte Janie Simpson zu. Sie hockte auf einer Sofalehne und unterhielt sich mit einem fremden Mädchen.

Ricky Schorr saß mit einer Tüte Chips auf dem Schoß am anderen Ende der Couch. Er hielt Talias braunem Cockerspaniel einen Kartoffelchip vor die Schnauze und lockte ihn damit. Der Hund sprang hoch und bettelte.

„Wo ist Randee?“, rief Talia. „Ist sie nicht mit dir gekommen?“

Randee Morgenthau ist meine beste Freundin. „Nein, ich bin mit Keith hergefahren“, antwortete ich.

„Fährt sein Auto überhaupt noch?“, fragte Talia und schüttelte den Kopf. „Letzte Woche hat er mich von der Schule nach Hause gefahren. Wir mussten die alte Kiste den ganzen Hügel hochschieben!“

Ich lachte und wollte etwas erwidern. Doch Talia lief zur Treppe, um neue Gäste zu begrüßen.

Talia und ich sind erst kurz miteinander befreundet – seit wir herausgefunden haben, dass wir beide gern schreiben. Talia schreibt Horrorgeschichten. So was ist nicht mein Ding, aber sie ist wirklich begabt.

Ich dagegen schreibe Tagebuch. Und viele Gedichte. Im vergangenen Jahr haben Talia und ich viel Zeit miteinander verbracht; wir reden immer über die Zukunft – wie es sein wird, wenn wir Shadyside verlassen und berühmte Schriftsteller werden.

Am anderen Ende des Raums entdeckte ich meine Freundin Gillian Rose. Sie schubste gerade Carlo Bennett weg. Er versuchte immer wieder, die Arme um sie zu legen, und immer wieder wich sie ihm aus. Dabei lachten beide.

Todd Davis, ein ziemlicher Angeber, der immer den Starken spielt, packte Carlo und hielt ihn fest, damit Gillian flüchten konnte. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass Gillian wirklich flüchten wollte. Sie packte Todd mit beiden Händen am Arm und versuchte, ihn von Carlo wegzuzerren.

Ich ging hinüber zu Keith. Er hatte eine Handvoll Salzstangen, die er sich einzeln in den Mund stopfte. „Krieg ich eine?“, fragte ich.

Er ließ die Salzstangen in meine Hand fallen. „Zu wenig Salz“, erklärte er kauend.

Keith ist süchtig nach Salz. Er isst alles, solange man Salz darüber streut.

Keith ist groß und sehr schlaksig. Ich reiche ihm kaum bis zur Schulter. Er hat kurzes braunes Haar mit blonden Strähnchen und große, tiefgründige braune Augen. Er ist ziemlich still und lächelt selten. Oft frage ich mich, was er wohl denkt.

Ich werde aus Keith nicht schlau. Aber das kommt schon noch. Schließlich gehen wir erst seit ein paar Monaten miteinander.

Gillian hat Keith und mich zusammengebracht. Es war an einem Freitagabend nach einem Footballspiel der Tigers am Anfang des Schuljahrs.

Wir waren gerade auf dem Parkplatz hinter dem Stadion. Sie sah Keith, der allein nach Hause gehen wollte. Sie zerrte ihn am Arm zum Auto und zwang ihn richtig, einzusteigen und mit uns Pizza essen zu gehen.

An dem Abend hat es zwischen Keith und mir gefunkt. Was mir an ihm gefällt? Ich glaube, seine Schüchternheit. Sein Ernst. Seine tiefgründigen, dunklen Augen.

Seitdem gehen wir miteinander. Und Gillian erinnert mich ständig daran, dass sie uns zusammengebracht hat. „Wann findest du einen Typ für mich?“, fragt sie mich immer wieder.

Aber ich mache mir wegen Gillian keine Sorgen. Sie ist sehr schön. Sie hat langes rotbraunes Haar, grüne Augen und eine zarte weiße Haut – dazu noch eine schlanke, zierliche Figur – und da sind ständig irgendwelche Jungs, die ihr wie hungrige, kleine Hunde überallhin folgen.

Außerdem hat sie Carlo. Sie behandelt ihn wie einen guten Kumpel. Aber ich weiß, dass Carlo mehr von ihr will.

Ich sah, wie Gillian mit Carlo und Todd herumalberte. Irgendjemand drehte die Musik sogar noch lauter auf. Sie dröhnte von den Kellermauern und der Boden vibrierte.

Der Krach war ohrenbetäubend. Ich fragte mich, ob sich Talias Nachbarn nicht bald beschweren würden.

Dann sah ich, dass Janie Simpson aufstand, um mit Pete Goodwin zu tanzen. Ein paar andere Paare schlossen sich an. Jemand stieß eine Coladose um. Die Flüssigkeit ergoss sich auf den Boden.

„Hey – wohin gehst du?“, rief ich und packte Keith am Ärmel seines Sweatshirts.

Er beugte sich zu mir und sagte mir ins Ohr, damit ich ihn in dem Lärm verstehen konnte: „Nach oben. Ein paar der Jungs haben Bier dabei.“

Ich verzog das Gesicht. „Hey, du willst doch heute Abend kein Bier trinken, oder?“

Seine dunklen Augen blitzten schelmisch. Er hob den Zeigefinger hoch. „Bloß eins. Ehrlich.“ Er zog mich zur Treppe. „Komm doch mit. Trink auch eins.“

„Auf keinen Fall!“ Ich riss mich los. „Du weißt, dass ich Bier nicht ausstehen kann. Es schmeckt wie Seife!“

Er zuckte die schmalen Schultern. Am liebsten hätte ich ihn an den Haaren gezogen. Er hasst es, wenn ich an seinen Haaren herumzupfe. Er mag es gar nicht, wenn man seine Frisur verstrubbelt.

Ich sah ihm hinterher, während er die Treppe hinaufging und verschwand. Er musste einen Bogen um ein Pärchen machen, das knutschend auf der untersten Stufe saß.

Ich ging durchs Zimmer und nahm ein Stück Pizza aus einer offenen Schachtel, die auf einem Tisch an der Wand stand. Sie war zwar kalt, schmeckte aber ganz gut. Ich winkte Gillian zu, die mit Carlo tanzte. Doch sie sah mich nicht.

Die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit, mich mit anderen Mitschülern zu unterhalten und Spaß zu haben. Wir mussten uns anbrüllen, um die Musik zu übertönen.

Langsam fing ich an, mich zu wundern, ob Keith je zurückkommen würde – da sah ich Randee die Treppe herunterkommen. Sie stieg über das Pärchen auf der untersten Stufe, entdeckte mich und bahnte sich ihren Weg durch die überfüllte Tanzfläche.

Randee ist groß; sie hat ein rundes Gesicht und lockiges blondes Haar, mit dem sie nichts anfangen kann, wie sie immer wieder behauptet. Sie ist nicht gerade hübsch. Ihre Nase ist ein bisschen krumm und sie trägt immer noch eine Zahnspange, obwohl sie schon siebzehn ist.

Aber sie ist der netteste Mensch auf der ganzen Welt. Und so ziemlich die Klügste in unserer Klasse. Und sie war schon immer meine allerbeste Freundin.

„Hey, Gillian und Carlo tanzen aber heiß, was?“, fragte Randee und drehte sich um, um die beiden beim Tanzen zu beobachten.

„Ich glaube, Todd ist eifersüchtig“, bemerkte ich.

Randee kicherte. „Glaubst du wirklich, Todd hat Gefühle?“

Ich zuckte die Achseln. Todd war ein ziemlicher Macho. Die meisten anderen hielten ihn für einen Blödmann. Aber ich glaube, Randee war insgeheim in ihn verknallt.

„Wo warst du denn?“, fragte ich.

Sie grinste mich an. „Oben. Ich hab mich mit ein paar Typen aus Madison unterhalten.“

„Ist Keith immer noch oben?“

Sie nickte. „Keith hat die Wette gewonnen.“

„Wie bitte? Welche Wette?“, fragte ich.

„Die Wette, wer am meisten Bier trinken kann“, antwortete Randee.

Ich stöhnte.

Ein tanzendes Paar, das ich nicht kannte, stieß rückwärts gegen Randee und mich. „Entschuldigung!“, rief das Mädchen und sie tanzten weiter.

Der Keller war so voll geworden, dass Randee und ich fast in den Waschkeller abgedrängt wurden.

„Ich hasse es, wenn Keith Bier trinkt!“, jammerte ich. „Dann wird er so albern und bescheuert und glaubt dabei, er sei witzig.“

Ich glaube nicht, dass Randee mich verstehen konnte. Die Musik dröhnte noch lauter als zuvor und ein paar Jungen brüllten begeistert durch den ganzen Raum.

Ich zog Randee am Arm in einen kleinen Wäscheraum. Dort war es jedoch kaum leiser.

„Ziemlich wilde Party, was?“, sagte Randee. Sie grinste und entblößte dabei ihre Zahnspange. „Ich habe Lust zu tanzen oder so. Du auch?“

Ich verdrehte die Augen. „Ja, klar. Wenn ich bloß Keith dazu kriegen könnte, wieder runterzukommen. Ich hab ihn nicht mehr gesehen, seit wir gekommen sind.“

Ich sah Talia, die sich durch die Menge zwängte und auf uns zukam. Ihr Gesicht war gerötet und ihr Haar feucht vom Schweiß. „Hey, ihr beide“, rief sie. „Warum versteckt ihr euch hier hinten?“

Ich wollte gerade antworten, als ich durch aufgeregte Stimmen unterbrochen wurde.

Talia, Randee und ich drängten uns nach vorn, um zu sehen, woher der Lärm kam.

Der schrille, angstvolle Schrei eines Mädchens übertönte die laute Musik.

Ich betrat gerade noch rechtzeitig den Raum, um mit anzusehen, wie eine Gestalt die Kellertreppe hinunterstürzte.

2

Die Musik brach ab.

Verstörte Rufe wurden laut.

„Was ist passiert?“

„Wer hat da so geschrien?“

„Was ist mit der Musik?“

„Ist jemand gestürzt?“

Ich sah, wie eine Gruppe Jugendlicher sich um den unteren Treppenabsatz versammelte. Als ich auf sie zuging, überkam mich eine schreckliche Vorahnung.

Plötzlich wusste ich es. Ich wusste, es war Keith.

Ich fröstelte am ganzen Körper. Meine Kehle war wie zugeschnürt.

Als ich mich an einer Gruppe verstörter Kids vorbeidrängte, sah ich Gillian und Carlo in der Menge vor der Treppe. Carlo hatte den Arm um Gillians Schulter gelegt. Gillians rotbraunes Haar hing ihr in feuchten Strähnen ins Gesicht. Sie presste ihre Hände an ihre Wangen.

„Es ist Keith. Ich weiß, es ist Keith“, dachte ich.

Ich zwängte mich in den Kreis der Versammelten und bahnte mir einen Weg nach vorne. Ich keuchte vor Angst und wäre fast über die Gestalt auf dem Boden gestolpert.

Es war Keith.

Er lag mit gestreckten Beinen flach auf dem Rücken, ein Fuß auf dem Treppenabsatz.

Grinsend und mit verschwommenem Blick sah er zu mir auf. „Ich glaube, ich habe die erste Stufe übersehen“, sagte er.

Ein paar der anderen lachten.

Ich war viel zu erleichtert, um zu lachen. Ich starrte ihn mit klopfendem Herzen an. Ich hatte wirklich geglaubt, er sei tot.

Er hielt mir die Hand hin, damit ich ihm aufhelfen konnte. Als ich mich hinunterbeugte, um sie zu fassen, roch ich das Bier. Er hatte sich etwas über sein Hemd geschüttet. Sein Atem stank nach Alkohol.

Ich stieß seine Hand weg. „Du bist echt zum Kotzen“, sagte ich.

Er kicherte, als hätte ich etwas wirklich Witziges gesagt. Dann versuchte er, sich hochzuziehen. Und rutschte aus. Er versuchte es noch mal.

„Keith, wie viel Bier hast du eigentlich getrunken?“, forschte ich.

Seine Augen waren gerötet. Er blinzelte mich an, als hätte er Schwierigkeiten, mich zu erkennen. „Ist nichts mehr übrig“, sagte er und schüttelte betrübt den Kopf.

„Keith …!“ Ich stieß ein angewidertes Stöhnen aus.

„Nichts mehr übrig“, wiederholte er leise. Er hielt sich am Geländer fest und schaffte es schließlich, sich aufzurichten. Er versuchte, klar zu sehen, und verdrehte dabei die Augen. Plötzlich wurde er blass. „Mir ist schlecht“, murmelte er.

Keith stürzte auf die enge Gästetoilette in der Ecke des Raums zu und die anderen wichen ihm hastig aus. Als die Tür mit einem lauten Knall hinter ihm zuschlug, lachten die meisten Kids. Irgendjemand machte die Musik wieder an.

„Den kenne ich nicht!“, sagte ich angeekelt zu Gillian. „Den kenne ich echt nicht.“

Plötzlich tauchte Todd neben Gillian und Carlo auf. „Was für ein Weichei!“, grinste er verächtlich. Mit seiner fleischigen Faust zeigte er auf die verschlossene Klotür. „Natalie, dein Freund ist wirklich unreif.“

„Wow – du redest wie ein Erwachsener, Todd!“, brüllte hinter uns jemand.

Todd ignorierte ihn. Er kam mir sehr nahe. „Eine halbe Dose Bier und schon muss dein Freund kotzen!“, sagte er und verzog verächtlich das Gesicht.

„Hör auf, ihn meinen Freund zu nennen“, beharrte ich. „Ich kenne ihn überhaupt nicht. Habe ihn noch nie gesehen.“

Todd packte mich an der Hand. „Willst du tanzen, Natalie?“

Er ist groß und breitschultrig und macht dauernd Bodybuilding. Sein Haar ist hellblond, oben lang und an den Seiten abrasiert. Er hat hübsche blaue Augen und ein kindliches, rundes Gesicht. Er könnte ganz gut aussehen, wenn seine Stirn nicht so vorstehen würde. So sieht er ein bisschen aus wie ein Höhlenmensch.

Ein paar der Jugendlichen nennen Todd „Neandertaler“ – aber nur hinter seinem Rücken. Wenn er es jemals erfahren würde, würde er sie verprügeln. Er ist nämlich sehr eitel. Er hat schon mal einen anderen Jungen zusammengeschlagen, bloß weil der auf seinen Turnschuh getreten ist.

„Ich habe echt keine Lust zu tanzen“, sagte ich. Das stimmte. Zuzusehen, wie Keith sich vor all unseren Freunden wie ein totaler Idiot benahm, hatte auch mir leichte Übelkeit bereitet.

Wahrscheinlich schämte ich mich einfach. Nicht nur für ihn. Auch für mich.

Als Keith endlich aus der Toilette kam, war er zwar immer noch blass, aber er wirkte schon viel nüchterner. Er kam zu mir und fing an, mit allen herumzualbern und Witze zu reißen. Seine Augen waren immer noch glasig, aber er schien sich halbwegs erholt zu haben.

Wir blieben alle noch ein oder zwei Stunden auf der Party. Talia hatte noch ein Dutzend Pizzen bestellt, die geliefert wurden. Noch mehr Teens tauchten im Keller auf; die meisten von ihnen waren Fremde, keine Schüler von Shadyside.

Für eine Weile verlor ich Keith aus den Augen. Ich hoffte bloß, dass er nicht wieder oben in der Garage war und noch mehr Bier in sich hineinschüttete. Ich redete mit Randee, Gillian und einem anderen Mädchen, das ich vom Sommercamp her kannte.

Dann tauchte plötzlich Keith neben mir auf und zog mich am Arm. „Fahren wir? Fahren wir nach Hause?“

Ich riss mich los. „Auf keinen Fall“, fuhr ich ihn an.

Erstaunt sah er mich mit großen Augen an. „Was ist? Was redest du da?“

„Ich fahr nicht mit dir nach Hause“, sagte ich. „Du bist viel zu fertig.“

„Ich bin okay“, erklärte er. „Ehrlich.“ Er folgte mir die Treppe hinauf.

Ich holte meine rote Jacke. „Lauf nicht hinter mir her, Keith“, sagte ich in strengem Ton. „Ich fahr auf keinen Fall mit dir nach Hause.“

Er wischte sich das braune Haar aus der schweißnassen Stirn. Seine dunklen Augen waren entzündet und seine Augenränder gerötet. „Hey, Natalie – mach mal langsam.“

Er nahm mich an beiden Händen und beugte sich vor, um mich zu küssen. Doch sein Atem roch so säuerlich, dass ich mich aus seinem Griff befreite und abwandte.

„Natalie …“ Keith stolperte auf mich zu.

„Ich ruf dich morgen an“, sagte ich kalt. Dann drehte ich mich um und eilte zur Tür.

„Hey, warte! Warte doch!“, rief er mir hinterher.

Ich ignorierte ihn und trat hinaus in die feuchte, neblige Nacht. Tiefe Wolken verdunkelten den Himmel. Es hatte geregnet. Das Gras war nass und die Auffahrt glitschig und voller Pfützen.

Die Musik dröhnte aus dem Keller in den Garten. In der Garage hing immer noch ein Dutzend Jugendlicher herum. Das Tor stand offen, das Licht war an und ich sah die silbrigen Bierdosen in ihren Händen.

Als ich die Auffahrt hinunterging, sah ich Randee. Sie schloss gerade die Fahrertür ihres dunkelgrünen Volvos auf, der auf der Straße geparkt war. Gillian und Carlo standen wartend neben ihr.

An dieser Straßenseite des Häuserblocks parkten die Autos der Partygäste. Durch die angelaufene Windschutzscheibe des weißen Wagens hinter Randees Auto sah ich ein fummelndes Pärchen.

Ich war überrascht, als Todd hinter dem Volvo auftauchte. Als ich näher kam, grinste er mich an. „Gehst du nach Hause? Wo ist denn Keith?“

„Der ist noch drin“, murmelte ich.

Todd kicherte hämisch. „Hast du ihm endlich den Laufpass gegeben?“

Gillian gab Todd einen Schubs. „Du bist unmöglich.“

„Das gefällt dir ja gerade an mir!“, neckte Todd. Carlo, der eng neben Gillian stand, kratzte sich am schwarzen Haarschopf, ihm war das Gespräch merklich unbehaglich.

Todd kletterte auf den Beifahrersitz. Gillian und Carlo stiegen hinten ein.

Ich warf einen Blick auf die neblige Straße und sah Keiths alte Kiste, die er schief und krumm an der Ecke geparkt hatte. Keith ist nicht gut im Einparken. Das Auto stand halb auf dem Bordstein. Und der viel zu kleine Ersatzreifen, den er schon vor Wochen hätte auswechseln sollen, ließ das Auto noch schiefer wirken.

Ich drehte mich zum Haus um und sah Keith die Auffahrt hinunterhasten. „Natalie! Natalie – so warte doch!“, rief er und wedelte wild mit den Armen.

„Randee – kann ich mit euch mitfahren?“, fragte ich.

Randee nickte. „Klar. Steig ein.“ Sie machte die Tür zu und ließ den Motor an.

„Natalie – warte! Ich bin nicht betrunken!“, brüllte Keith. „Warte auf mich!“