Faust I von Goethe. - Johann Wolfgang von Goethe - ebook

Faust I von Goethe. ebook

Johann Wolfgang von Goethe

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Königs Erläuterung zu Faust I von Johann Wolfgang von Goethe - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 175




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 21

Textanalyse und Interpretation zu

Johann Wolfgang von Goethe

FAUST I

Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Erster Teil. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag, 2010 (29. Hamburger Leseheft). Nach dieser Ausgabe wird durch nachgestellte Versangabe oder in Ausnahmefällen Seitenangabe zitiert.  

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antikerezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst.   Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

4. Auflage 2013

ISBN: 978-3-8044-6943-3

© 2001, 2010 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Titelbild: Will Quadflieg und Gustaf Gründgens im Theaterfilm zu Faust (BRD 1960), © Cinetext Alle Rechte vorbehalten!

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK – SCHNELLÜBERSICHT

2. Johann Wolfgang von Goethe: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Vom Vorabend der Französischen Revolution 1789 bis zur Julirevolution 1830

Bürgerlicher Macht- und Wissenschaftsanspruch

Veränderungen in der Ästhetik

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Aristotelisches Drama und Shakespeare‘sche Szenenfolge

Vergleich der Fassungen

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Figurenkonstellation

Hauptfiguren

Faust

Mephistopheles

Margarete, Gretchen

Nebenfiguren

Valentin

Marthe Schwerdtlein

Wagner

Der Herr

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Das Faustische und der Widerspruch

Dialektik und Ironie

Faust und Gretchen – das Thema des Kindesmordes

Formale Aspekte

4. Rezeptionsgeschichte

Reaktionen bis zum „Ende der Kunstperiode“

Nachahmungen und Parodien

Faust-Rezeption in den Weltkriegen

Faust-Rezeption nach 1945

Verschwörungstheorien und Legenden

Faust heute

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgaben

Werkausgaben und Primärliteratur

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

1.DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK – SCHNELLÜBERSICHT

Damit sich jeder Leser in diesem Band sofort zurechtfindet und das für ihn Interessante entdeckt, folgt eine Übersicht.

Im 2. Kapitel wird Johann Wolfgang von Goethes Leben beschrieben und auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund verwiesen:

Goethe lebte von 1749 bis 1832 vorwiegend in Weimar, der Hauptstadt des kleinen Herzogtums (seit 1815 Großherzogtums) Sachsen-Weimar-Eisenach.

Goethe kam 1775 nach Weimar; er brachte Textentwürfe zum Faust mit. Es war der Vorabend der Französischen Revolution von 1789, mit der sich Europa prinzipiell veränderte und die geistige Bewegung der Aufklärung politisch wirksam wurde.

Im Faust schlägt sich die Entwicklung bürgerlichen Denkens, verbunden mit der Entwicklung moderner Wissenschaften, die Alchemie und Zauberei verdrängten, nieder; sie werden begleitet durch ästhetische Entwicklungen.

Im 3. Kapitel findet der Leser eine Textanalyse und -interpretation.

Faust – Entstehung und Quellen:

Der historische Faust, ein Zeitgenosse Luthers, gehört zu den interessantesten Gestalten der europäischen Kulturgeschichte und steht am Beginn der Moderne; Goethe fand zahlreiche literarische Verarbeitungen des Themas vor.

Inhalt:

DerTragödie erster Teil gehen eine Zueignung, das Vorspiel auf dem Theater und der Prolog im Himmel voraus, deren wesentliches Ergebnis die Wette um Faust zwischen dem Herrn und Mephisto ist. In 25 Szenen (Urfaust 21 Szenen) wird der das Wissen seiner Zeit beherrschende Faust auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und Erlebnissen begleitet. Um seine Ziele zu erreichen, die mit menschlichen Mitteln nicht zu erreichen sind, geht er mit Mephistopheles, dem Gegenspieler Gottes, einen höllischen Pakt ein, der ihm alles verspricht bis zu dem Augenblick, in dem Faust einer Erfüllung Dauer verleihen will. Dann verfällt seine Seele dem Teufel (Gelehrten-Drama). Mephisto hat allerdings nur die Angebote einer kleinen Welt zu bieten, zu der auch Gretchen gehört (Gretchen-Drama). Faust verliebt sich in das Mädchen und verführt sie; Gretchen wird schwanger und als Kindesmörderin verurteilt (Motiv des Sturm und Drang). Faust entflieht mit Mephisto.

Chronologie und Schauplätze:

Die Szenen spielen am Übergang vom Mittelalter zu Renaissance, Humanismus und Neuzeit; der historische Faust hat zwischen 1480 und 1540 gelebt. Schauplätze sind Fausts gotische Studierstube, Leipzig, der Harz und eine mittelalterliche Stadt mit Dom.

Personen:

Die Hauptpersonen sind:

Heinrich Faust:

Mann in den besten Jahren

Gelehrter, der nach letzten Erkenntnissen strebt

Mephistopheles:

teuflischer Widerpart zu Gott

Verkörperung des Widerspruchs

Verführer und Begleiter Fausts

Margarete, genannt „Gretchen“:

vierzehnjähriges bürgerliches Mädchen

von Faust als Geliebte begehrt und verführt

wird zur Kindesmörderin.

Valentin:

Soldat

auf Tugend und Ehre bedachter spießiger Brude Margaretes

Marthe Schwerdtlein:

Margaretes Nachbarin mit kupplerischen Veranlagungen

Wagner:

Famulus (Assistent) Fausts

sammelnder und ordnender Wissenschaftler

rational-fortschrittsgläubig

teils als trockener Typ satirisch gebrochen

Stil und Sprache im Faust:

Prosa und Vers

zahlreiche Versformen (v. a. Knittelvers, Madrigalvers bzw. Faustvers, Blankvers)

Interpretationsansätze:

Das Faustische und der Widerspruch als Frage nach dem Schöpferischen und seinen Grenzen

Die Dialektik und das Ziel: die philosophische Dimension des Stoffes

Fausts Niederlage und Erlösung als Beziehung von Wissen und Glauben

Formale Aspekte: Literatursatire statt Sozialkritik

Rezeptionsgeschichte:

Reaktionen bis zum „Ende der Kunstperiode“

Nachahmungen und Parodien

2.JOHANN WOLFGANG VON GOETHE: LEBEN UND WERK

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), © ullstein bild – Archiv Gerstenberg

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1749

28. August Frankfurt a. M.

Johann Wolfgang Goethe wird als Sohn des Kaiserlichen Rates Dr. jur. Johann Kaspar Goethe, Sohn eines Schneiders, und Katharina Elisabeth, geb. Textor, Tochter des Schultheißen, in Frankfurt am Main, im Haus „Zu den drei Leiern“ am Großen Hirschgraben geboren. Die Familie ist wohlhabend; der Reichtum stammt vom Großvater.

1750

Frankfurt a. M.

Schwester Cornelia Friederike Christiana Goethe geboren.

1

1753

Frankfurt a. M.

Der Vater schenkt den Kindern zu Weihnachten ein Puppentheater. Goethe schrieb das Geschenk später der Großmutter zu, um den Ruf des Vaters zu schädigen.

4

1759–1763

Frankfurt a. M.

Während der französischen Besetzung Frankfurts besucht Goethe das französische Theater.

10–14

1765

Leipzig

Goethe studiert die Rechte, hört aber auch Vorlesungen zur Literatur und lernt Gellert und Gottsched kennen. – Liebe zu Käthchen Schönkopf, der Tochter eines Zinngießers.

16

1768

Frankfurt a. M.

Goethe kehrt nach einem Blutsturz nach Hause zurück. Er verkehrt im pietistischen Kreis der Susanna Katharina von Klettenberg und liest Wieland, Shakespeare u. a.

19

1770

Straßburg

Er setzt sein Rechtsstudium fort und schließt es als Lizentiat der Rechte ab. Er lernt Herder und Dichter des Sturm und Drang (Jung-Stilling, Heinrich Leopold Wagner, Jakob Michael Reinhold Lenz) kennen. Im Straßburger Kreis werden ihm Pindar, Homer, die englische Dichtung, voran Shakespeare und Ossian, nahegebracht. Herder weist ihn auf Hamann und die Volkspoesie hin. Er begeistert sich für das gotische Straßburger Münster.

21

Sesenheim (Sessenheim)

Kurz vor dem 15. Oktober: Besuch bei Friederike Brion. Er verliebt sich in die Pfarrerstochter von Sesenheim, Mai – Juni in Sesenheim, am 7. August 1771 ohne Erklärung Abschied.

1771

Straßburg

Frühling, Sommer: Goethe sammelt Volksballaden, einer Anregung Herders folgend.

22

Frankfurt a. M.

14. Oktober: Goethe hält zu Hause seine berühmte Rede Zum Schäkespears Tag. Prozess gegen die Kindesmörderin Susanna Margaretha Brandt.

1772

Wetzlar

Goethe als Praktikant am Reichskammergericht; verliebt sich in Charlotte Buff. Der Selbstmord des Studienkollegen Jerusalem (30. Oktober 1772) geht in den Roman Die Leiden des jungen Werther ein.

23

Frankfurt a. M.

Rückkehr nach Hause.

1774

Frankfurt a. M.

Knebel vermittelt Goethes Bekanntschaft mit dem Erbprinzen Karl August von Weimar.

25

1775

Frankfurt a. M.

Liebe und Verlobung mit Lili Schönemann, brieflich sich äußernde Liebe zur Gräfin Auguste von Stolberg, die er nie sehen wird.

26

Schweiz

Erste Reise in die Schweiz.

Weimar

Abreise am 30.10., nachdem Karl August am 3.9. die Regierung angetreten hat, Ankunft am 7.11.

1776

Weimar

Geheimer Legationsrat mit Sitz und Stimme im Geheimen Conseil, tritt am 25. Juni in den Staatsdienst. Beziehung zu Charlotte von Stein.

27

1777

Harz

Erste Harzreise, der 1783 bis 1789 weitere folgen. Nachklang im Faust: Walpurgisnacht.

28

1779

Weimar

Übernahme weiterer Aufgaben, u. a. Kriegskommission. Er wird zum Geheimen Rat ernannt. Erste Aufführung der Iphigenie auf Tauris (Prosafassung).

30

Schweiz

Zweite Reise.

1781

Weimar

Naturwissenschaftliche Studien.

32

1782

Weimar

Goethe wird geadelt. Sein Vater stirbt.

33

1784

Weimar

Goethe entdeckt den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

35

1786

Karlsbad

Sommer in Karlsbad. Heimlich flieht er von dort nach Italien.

37

Italien

Goethe kommt am 29. Oktober in Rom an. Italienische Reise, 1815 Titel der Beschreibung dieser Reise.

1788

Weimar

Rückkehr, lernt Christiane Vulpius kennen und lebt von nun an zum Entsetzen des Weimarer Adels mit ihr zusammen.

39

1789

Weimar

Sohn August geboren, stirbt 1830 in Rom und wird dort beerdigt.

40

1790

Italien

Zwischen März und Juni die zweite Italienreise. Nach Schlesien in der Begleitung Karl Augusts, der als General in Preußens Diensten steht.

41

1791

Weimar

1791–1817 Direktor des Hoftheaters, Materialsammlung zur Farbenlehre.

42

1792–1793

Frankreich

Feldzug. Teilnahme an der Belagerung von Mainz.

1794

Weimar, Jena

Beginn der Freundschaft und des Briefwechsels mit Schiller. Einfluss Schillers auf wesentliche Werke, z. B. Wilhelm Meisters Lehrjahre.

43–44

45

1797

Schweiz

Dritte Reise.

48

1799

Weimar

Im Dezember siedelt Schiller von Jena nach Weimar über.

50

1803

Weimar

Friedrich Wilhelm Riemer wird Hauslehrer von Goethes Sohn und Goethes Sekretär und heiratet 1814 Christianes Gesellschafterin Caroline Ulrich, die seit 1809 in Goethes Haus wohnt und die der Dichter liebt.

53

1805

Weimar

9. Mai: Tod Schillers. Freundschaft mit Zelter.

55

1806

Jena

Schlacht bei Jena und Auerstädt: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation geht unter. Die Franzosen plündern Weimar, Goethes Haus bleibt dank des Einsatzes von Christiane verschont. Am 19. Oktober lässt sich Goethe mit Christiane trauen.

57

1807

Weimar

Liebe zu Minna Herzlieb.

58

1814

Rhein und Main

Reisen. Liebe zu Marianne von Willemer.

65

1816

Weimar

6. Juni: Tod Christianes.

67

1823

Weimar

Johann Peter Eckermann besucht Goethe. Er wird Mitarbeiter und Nachfolger Riemers. Reise nach Marienbad und Eger. Verliebt sich in Ulrike von Levetzow.

74

1828

Weimar

Der Großherzog Karl August stirbt.

79

1832

Weimar

22. März: Tod Goethes in seinem 83. Lebensjahr.

82

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Grundlegende politische und gesellschaftliche Wandlungen nach 1770:

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg entsteht ein bürgerlicher Staat (Unabhängigkeitserklärung 1776).

In Frankreich bereitet sich die Revolution von 1789 vor, die Europa grundsätzlich von einer höfisch-aristokratischen in eine bürgerliche Gesellschaft verändert und 1806, während der Napoleonischen Kriege, zum Zusammenbruch Preußens führt.

Zeit der Ablösung der politischen Feudalstruktur und eines orthodoxen Christentums durch eine auf Wissenschaft orientierte bürgerliche Entwicklung; Abkehr von einem religiös-metaphysischen Weltbild und Vordringen aufklärerischen Denkens und der kritischen Vernunft. Von England aus Beginn einer industriellen Revolution.

Deutschland ist in Kleinstaaten zersplittert, dadurch wirtschaftlich rückständig, und hat kein politisches, ökonomisches und kulturelles Zentrum.

Künstlerisch-ästhetisch wird das Literaturverständnis, das bisher weitgehend von Aristoteles und dem französischen Klassizismus bestimmt wurde, durch die Rezeption der Dramen Shakespeares erweitert und führt zu einer neuen Dramenform, die zur offenen Form tendiert und epische Elemente bekommt. Neubestimmung des Verhältnisses zur Antike.

Vom Vorabend der Französischen Revolution 1789 bis zur Julirevolution 1830

Die Entstehungszeit des Faust-Komplexes reicht von 1770 bis 1832, zu ihm gehören Urfaust, Faust. Ein Fragment, Faust. Eine Tragödie mit Der Tragödie Erster Teil und Der Tragödie Zweiter Teil. Goethe begann mit der Arbeit während der deutschen Sturm-und-Drang-Zeit, die eine Zuspitzung aufklärerischen Denkens bedeutete. Zum einen verwirklichten sich die aufklärerischen Ideen Westeuropas im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg: Sie führten nicht nur zum Sieg über die Kolonialmächte, sondern zur Gründung eines bürgerlichen Staates (Unabhängigkeitserklärung der 13 Vereinigten Staaten, 4. Juli 1776), der die Ideen der französischen Aufklärung (Rousseau), insbesondere die Menschenrechte, zu verwirklichen antrat. Zum anderen war es der Vorabend der bürgerlichen Französischen Revolutionvon 1789. Europa wurde durch die Aufklärung und die durch sie entwickelte kritische Vernunft auf die geistigen und politischen Veränderungen vorbereitet. „Vernunft“ war eine zentrale Kategorie im 18. Jahrhundert und bedeutete, mit Hilfe des analytischen Denkens zu Ideen vorzustoßen, die eine neue Qualität im Weltverständnis des Menschen und im Umgang miteinander hervorbrachten. Dagegen galt der „Verstand“ als jenes Maß von Urteilskraft und Intelligenz, „durch dessen Hilfe jeder Mensch mit den gewöhnlichen Angelegenheiten der Gesellschaft fertig wird“[1].

Im Zentrum des aufklärerischen Denkens standen die Menschenrechte. Erste Anregungen gab der englische Materialist Thomas Hobbes (1588–1679). Ihre Präzisierung geschah durch den deutschen Philosophen und Aufklärer Samuel von Pufendorf (1632–1694), der dem Menschen höchste Würde zubilligte, weil er eine Seele habe, die durch den Verstand geprägt werde. Damit löste Pufendorf ihn aus göttlicher Abhängigkeit und gab ihm eine eigene unantastbare Würde. Genaue Bestimmungen der Menschenrechte nahmen Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) und Immanuel Kant (1724–1804) vor. Nach Rousseau waren alle Menschen von Natur aus frei und gleich und durch Vernunft gut, so sollte auch der Staat eingerichtet werden. Nach Kant war die Freiheit das grundlegende Menschenrecht, von dem aus alle anderen abgeleitet würden. Kants Begriff der Freiheit verband sich unlösbar mit Vernunft und der Einsicht in die Notwendigkeit: „Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die, von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“[2] In dem Spannungsfeld von Aufklärung, Vernunft und Öffentlichkeit und mit Rücksicht auf die Beziehung der Menschen untereinander waren freie Entscheidungen möglich. In Faust schlugen sich diese Ideen konzentriert in Fausts Monolog zum Osterspaziergang nieder (V. 903–940), der zu den zuletzt geschriebenen Szenen gehört. Goethes Protagonist beschreibt darin im Bilde der auferstehenden Natur auch die sich befreienden, aus feudal beengter Struktur und kirchlicher Vorherrschaft („aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht“) auferstehenden Menschen, die ihr Menschsein bejubeln.

Trotz dieser Entwicklung muss mitgedacht werden, dass der größte Teil der Bevölkerung am Ende des 18. Jahrhunderts sozial entrechtet und ungebildet war, an Zauberei und Teufel glaubte und nicht mehr als notdürftig sein Leben fristete. Zu diesem Kreis gehörten auch die meisten Kindesmörderinnen, die verführt und verlassen und dadurch der sozialen Ausgrenzung überlassen wurden.

Die Arbeit an Der Tragödie Zweiter Teil wurde abgeschlossen, als die französische Arbeiterklasse in der Zeit der Julirevolution 1830 zum ersten Male Forderungen anmeldete. Geistig umfasste der Gesamtkomplex Faust die Zeit von Aufklärung und Sturm und Drang bis zu den utopischen Sozialisten im Umfeld Saint-Simons. Goethe hatte die französische Zeitung Le Globe abonniert; was er darin an Gedankengut des utopischen Sozialismus fand, floss in die Arbeit am 5. Akt in Faust II ein. Mit Faust stimmte Goethe überein, möglichst viel Wissen zu erwerben; mit Faust quälte ihn, dass dieses Wissen ihm nicht die gewünschten Antworten gab.

Bürgerlicher Macht- und Wissenschaftsanspruch

Entstanden die Szenen des Urfaust noch in der Zeit, als Friedrichs II. von Preußen (1712–1786) Macht auf dem Höhepunkt war, so erschien Faust. Eine Tragödie zur Ostermesse 1808. Europa hatte sich grundlegend verändert: Das Preußen Friedrichs II. war 1806 vernichtet worden, Napoleon war Kaiser. Die Französische Revolution von 1789 und ihre Folgen hatten Europa prinzipiell verändert. Goethes Faust. Der Tragödie erster Teil entstand parallel zu der Neuordnung Europas nach der Französischen Revolution von 1789, die einschneidende soziale Veränderungen brachte. Dabei war die deutsche Intelligenz von der französischen Aufklärung inspiriert worden und entwarf in Anbetracht der zurückgebliebenen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland Ideen für eine nationale Bildung und Erziehung durch Kunst. Letztlich gehörte zu diesem Programm auch die Ansiedlung großer Handlungsteile des Faust in der universitären Bildung (Gelehrten-Handlung). Intellektuelle und Künstler orientierten sich an der Ablösung feudaler Strukturen durch den Einfluss des Bürgertums. Dazu gehörte die Suche nach Traditionen und Vorbildern, denen man die Zukunftsvorstellungen und das Fortschrittsdenken auflegen konnte. Ein solches Vorbild war der vagabundierende Arzt und Alchimist Johann Faust (um 1480–1540), um den sich nach seinem Tod zahlreiche Legenden rankten. In Goethes Faust sind Spuren zu finden. Heinrich Heine beschrieb, was Faust für die deutsche Geschichte bedeutete: Faust lebte, so Heine in der Romantischen Schule, „zur Zeit, wo man anfing, gegen die strenge Kirchenautorität zu predigen und selbstständig zu forschen: – so dass mit Faust die mittelalterliche Glaubensperiode aufhört und die moderne kritische Wissenschaftsperiode anfängt.“[3] Goethes Tragödie entstand parallel zu weitreichenden weltgeschichtlichen Ereignissen und verarbeitete diese.

Veränderungen in der Ästhetik

Mit Goethes Sturm-und-Drang-Werken, auch dem Faust, wurde der allgemein gültige Regelkanon desklassizistischen französischen Theaters außer Kraft gesetzt. Zum Namenstag William Shakespeares (1564 –1616) hatte Goethe am 14. 10. 1771 Freunde zu einer Feier ins elterliche Haus eingeladen, für die er seine Rede Zum Schäkespears Tag schrieb. Sie ist eine der ersten und wichtigsten Schriften des Sturm und Drang und bereitete Faust vor. Wenn Goethe aus Shakespeares Werken ableitete, alles in der Welt drehe sich um den geheimen Punkt, in dem „das Eigentümliche unsres Ichs, die prätendierte Freiheit unsres Willens, mit dem notwendigen Gang des Ganzen zusammenstößt“[4], so hatte er das ideelle Zentrum seines Faust, wenn auch in abstrakter Weise, beschrieben.

Die aristotelische Dreieinheit (Ort, Zeit, Handlung) erfährt Veränderungen, die ihre scharf umrissenen dramaturgischen Inhalte ins Welthaltige ausweitet. Goethe fand für seine Einheit des Orts, der Zeit und der Handlung eine Erklärung des Faust als Welt- und Zeittheater: Die Einheit des Ortes und der Handlung sei durch die Menschheitsgeschichte gegeben, „vom Untergange Trojas bis auf die Zerstörung Missolunghis“[5], die Einheit der Zeit durch die „Fülle der Zeiten, da es denn jetzt seine volle dreitausend Jahre spielt“.[6] Mit dem Schwinden des Sturm und Drang, durch Goethes Eintritt in feudale Herrschaftsverhältnisse und nach seiner Italien-Reise stellte er aus den aristotelischen Formen und dem Theater Shakespeares eine neue Qualität her, die zum klassischen Drama führte. Die dramaturgischen Bestimmungen bekamen im Faust inhaltliche Orientierungen wie Natur, Originalität und Ursprünglichkeit.

2.3Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

ZUSAMMENFASSUNG

Goethes Faust. Der Tragödie Erster Teil ist ein geistiges und poetisches Sammelbecken:

In ihm treffen sich Ideen, Pläne und Werke des Dichters aus der Zeit vor 1775, also vor dem Aufenthalt in Weimar. Die Handlung des Faust spielt zur gleichen Zeit wie Götz von Berlichingen (Regierungszeit Maximilians I.: 1493–1519). Zwischen Faust und Hanswursts Hochzeit gibt es sprachliche Entsprechungen u. a.

Im Faust wirken sich persönliche Erlebnisse Goethes aus der Studienzeit, aus der juristischen Tätigkeit in Wetzlar und Frankfurt a. M. und aus den Beziehungen zu Herder und den Dichtern des Sturm und Drang aus, die auch in frühen Werken Goethes nachwirken (Gedichte, Werther u. a.). Das Schuldgefühl Goethes gegenüber Friederike Brion schlägt sich in der Beziehung Fausts zu Gretchen nieder. Fausts Unzufriedenheit am universitären Leben ist ein Abbild dessen, was Goethe besonders in Leipzig erlebt hatte. Die Gretchen-Handlung geht auf das Schicksal Susanna Margaretha Brandts zurück, deren Prozess Goethe als „prominenter Zeuge“[7] verfolgte. Ob Goethe den Fall der Catharina Maria Flindt ebenfalls im Kopf hatte, die, wegen Kindesmords zum Tode verurteilt, von ihrem Geliebten aus dem Gefängnis befreit wurde, sich aber freiwillig und ihrem Gewissen folgend der Hinrichtung stellte, ist ungewiss.[8] Kindesmord war ein bevorzugtes Thema des Sturm und Drang.