Drei Musketiere - Eine verlorene Jugend im Krieg, Band 8 - Frank Hille - ebook

Drei Musketiere - Eine verlorene Jugend im Krieg, Band 8 ebook

Frank Hille

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Opis

1942: Der Leitende Ingenieur Leutnant Martin Haberkorn kehrt mit einem schwer beschädigten U-Boot vom Typ IX von Feindfahrt zurück. Die Besatzung hat Erfolg gehabt, und wird die nächsten Wochen an Land verbringen müssen, da umfangreiche Reparaturen erforderlich sind. Fred Beyer kämpft mit seiner Panzerbesatzung weiter im Mittelabschnitt der Heeresgruppe Mitte. Die Wucht der deutschen Angriffsschläge aus dem Sommer 1941 ist verflogen, aber die Front hält. Allerdings nimmt das zahlenmäßige Übergewicht der russischen Panzertruppe immer mehr zu. Günther Weber wird in einem Gefecht verwundet und zur Genesung in die Heimat verlegt. Da aber jeder Mann an der Front benötigt wird, tritt er bald darauf wieder die Reise an die Ostfront an. Alle drei Schulfreunde wissen, dass der Krieg noch lange nicht vorbei sein wird.

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Impressum

Drei Musketiere

Eine verlorene Jugend im Krieg

Band 8

1942

Copyright: © 2017 Frank Hille

Published by: epubli GmbH, Berlin

www. epubli.de

Martin Haberkorn, 15. September 1942, Atlantik

Fred Beyer, 17. September 1942, Russland, Nowosil

Günther Weber, 17. September 1942, Russland, Bjelow

Martin Haberkorn, 17. September 1942, Atlantik

Günther Weber, 17. September 1942, Russland, Bjelow

Fred Beyer, 18. September 1942, Russland, Nowosil

Martin Haberkorn, 18. September 1942, Lorient

Günther Weber, 18. September 1942, Russland, Lazarett

Fred Beyer, 19. September 1942, Russland, Nowosil

Martin Haberkorn, 19. September 1942, Lorient

Fred Beyer, 23. September 1942, Russland, Nowosil

Günther Weber, 23. September 1942, Mitteldeutschland, Lazarett

Martin Haberkorn, 24. September 1942, Lorient

Fred Beyer, 24. September 1942, Russland, Nowosil

Martin Haberkorn, 24. September 1942, Biskaya

Fred Beyer, 24. September 1942, Russland, Nowosil

Günther Weber, 29. September 1942, Russland, Sloboda

Martin Haberkorn, 29. September 1942, Caramet-sur-mer

Fred Beyer, 26. September 1942, Russland, Nowosil

Martin Haberkorn, 10. Oktober 1942, Atlantik

Fred Beyer, 10. Oktober 1942, Russland, Nowosil

Günther Weber, 10. Oktober 1942, Russland, Sloboda

Martin Haberkorn, 12. Oktober 1942, Atlantik

Günther Weber, 10. Oktober 1942, Russland, Sloboda

Fred Beyer, 13. Oktober 1942, Russland

Martin Haberkorn, 13. Oktober 1942, Atlantik

Martin Haberkorn, 15. September 1942, Atlantik

Das Boot lief nur mit kleiner Fahrt auf den Heimathafen zu, es war noch ungefähr 250 Seemeilen von dort entfernt. Die um den Druckkörper herumgebaute Außenhülle war knapp hinter dem Bug zum Teil weggerissen worden, so dass man die sonst darunter verborgenen anderen Installationen gut erkennen konnte. Zackige Stücke des dort zerstörten Decksaufbaus markierten den Ort des Schadens deutlich. Die auf dem Turm stehenden Männer der Brückenwache hatten dafür keine Augen, schließlich mussten sie ihre Sektoren beobachten und außerdem hatten sie sich an diesen Anblick schon gewöhnt. Vor 2 Tagen war das Boot während einer Wasserbombenverfolgung nur knapp der Vernichtung entgangen, drei gegnerische Zerstörer hatten es über 11 Stunden lang gejagt. Die durch die Explosionen eingetretenen Schäden waren erheblich, aber glücklicherweise war mit Martin Haberkorn ein zweiter LI an Bord, so dass die Ingenieure sich die Aufgaben teilen konnten. Den Männern war es gelungen, das Boot trotz der Ausfälle schwimmfähig zu halten und als die Zerstörer es aus der Ortung verloren hatten und die Gefahr vorerst vorbei schien, hatte sich Haberkorn im E-Maschinenraum auf die Flurplatten gesetzt und war an die Steuerbordmaschine angelehnt schnell eingeschlafen. Er war so erschöpft gewesen, dass er es nicht bemerkte, dass zwei Maschinisten ihn zu seiner Koje trugen und dort vorsichtig ablegten. Zwei Stunden später saß er immer noch wie benommen mit dem Kommandanten und den beiden Wachoffizieren in der O-Messe, der LI fuhr das Boot in 25 Meter Tiefe. Die bleichgesichtigen und hohläugigen Männer starrten ausdruckslos vor sich hin, erst nach einer Weile sagte der Kommandant mit vor Müdigkeit schleppender Stimme:

„Das war knapp diesmal. Der Obersteuermann hat 53 Wasserbomben gezählt. Gute Arbeit LI, insbesondere, dass Sie die E-Maschinen wieder so schnell zum Laufen gebracht haben. Ohne die wären wir abgesoffen. Aber s gibt ja noch ne Menge anderen Flurschaden. Wie sieht’s aus, kriegen wir das mit Bordmitteln hin?“

„Nicht alles, Herr Kaleun. Am meisten Sorge bereiteten mir die Diesel. Die Steuerbordmaschine ist aus dem Fundament gerissen worden, damit nicht einsatzbereit und bei der Backbordmaschine ist die Kopfdichtung beschädigt, der Motor kommt also nicht auf volle Leistung. Das kriegen wir an Bord nicht hin. Aber das sind ja nicht die einzigen Schäden.“

„Habe ich mir schon gedacht. I WO, mal aufschreiben. „Nach 11 Stunden Wasserbombenverfolgung laufen Zerstörer ab, da sie Boot offensichtlich aus Ortung verloren haben. Offensichtlich ist Quatsch, streichen Sie das mal. Erhebliche Schäden an Dieselmaschinen, nur ein Motor noch mit halber Leistung einsatzbereit. Riss im Druckkörperspant 12. Boot ist bis 25 Meter tauchfähig. Weitere Ausfälle nicht mit Bordmitteln zu beheben. Vor Wabo-Angriff zwei Frachter, 7.500 und 6.300 Tonnen, versenkt. Stehen noch 250 Meilen vor Stützpunkt. Rückmarsch.“ So, und jetzt sofort Funkspruch absetzen. Das wird noch schwierig genug werden, bis nach Hause zu kommen. Welche Geschwindigkeit können wir schaffen, LI?“

„Mehr als 8 Knoten sind nicht drin, Herr Kaleun. Es gäbe die Möglichkeit, die E-Maschinen über den Diesel auf Ladung zu schalten und sie bei entsprechender Kapazität mit auf die Wellen zu koppeln. Aber ständig können wir das nicht machen, weil sie dann schnell wieder entladen sind und wir bei Alarm mit leeren Batterien dastehen würden.“„Hm, 8 Knoten. Dann schaffen wir an einem Tag vielleicht so um die 100 Meilen, weil wir mit Einbruch der Dämmerung tauchen werden und dann noch langsamer vorankommen. Ich will es nicht riskieren, mit unserem müden Schlitten nachts vor Fliegern wegtauchen zu müssen. Diese Burschen haben nach ersten Meldungen unserer Boote jetzt große Suchscheinwerfer an die Maschinen montiert und schleichen sich nachts mit Radar an und beleuchten dann die Boote, weil das Radar so eine schmale Bootssilhouette noch nicht erfassen kann. Was meinen Sie, I WO?“

„Wir sollten vorsichtig mit dem einen Diesel zurückhinken und nichts riskieren. Wir sind jetzt den 55 Tag in See und da kommt es auch nicht mehr darauf an, ob wir 2 oder noch 3 Tage bis Lorient brauchen.“

„Hm, sehe ich auch so. Wollen mal hoffen, dass der Diesel durchhält. Und wenn nicht LI?“

„Dann müssten wir tauchen und versuchen, mit Flaschenzügen den Zylinderkopf abzunehmen. Das würden wir vermutlich hinbekommen, aber wahrscheinlich würde die Dichtung dann ganz den Geist aufgeben. Und mit unseren begrenzten Mittel ein Ersatzstück anzufertigen dürfte unmöglich sein.“

„Klingt ja alles nicht besonders gut, aber wir werden das Kind schon schaukeln. Mir ist das auch egal, wie lange wir noch bis zum Hafen brauchen, Hauptsache, wir kommen bis dorthin. Also hätscheln Sie den Diesel ordentlich, LI. Auf Sie und Ihre Männer kommt es jetzt an.“

Martin Haberkorn ging in den Dieselmotorenraum und sprach mit dem Obermaschinisten.

„Wir haben die Bolzen am Zylinderkopf noch mal richtig festgezogen“ antwortete dieser „das hilft schon n kleines Bisschen. Aber der Kompressionsdruck ist eben schlecht und der Treibstoff wird dadurch schlecht verbrannt. Langsam aber sicher verölt uns die ganze Maschine. Aber die letzten Meilen wird sie schon durchhalten. Wir schaffen das schon, Herr Leutnant.“

Haberkorn nickte und ging durch die Sektionen des Bootes. Immer noch waren Männer dabei, verschiedene Aggregate zu reparieren. Die lange Wasserbombenverfolgung hatte ihre Spuren überall hinterlassen. In der Zentrale war wie üblich viel Glas zu Bruch gegangen, aber die Füllstandsgläser waren schon ersetzt worden. Glücklicherweise funktionierte die Steuerung ohne Probleme und der Luftverdichter und die Hauptlenzpumpe waren auch einsatzbereit.

„Wird Zeit, dass wir wieder nach Hause kommen“ sagte der Obersteuermann zu ihm „das war diesmal keine Ausflugfahrt wie damals zum „Paukenschlag“. Ein Dampfer nach dem anderen lief uns vor die Rohre. Tja, die Zeiten haben sich eben geändert. Aber immerhin haben wir 6 Frachter erwischt und insgesamt 38.000 Tonnen sind ja auch nicht übel. Alles in allem haben wir unter dem Alten fast 150.000 Tonnen versenkt. Das ist ein ganzer Hafen voller Schiffe, das muss man sich mal überlegen. Vielleicht ist für ihn noch was an Auszeichnungen drin. Oder man lässt ihn aussteigen, denn so einen guten Mann will man doch sicher nicht verlieren.“

„Meinen Sie, dass man das vorhat“ fragte Haberkorn.

„Warum nicht. Es sind schon zu viele der Asse abgesoffen. Das ist nicht gut für die Moral der Männer, wenn wieder einer nicht heimkommt.“

Haberkorn würde verstehen können, wenn man dem Kommandanten an Land ein Kommando übergeben würde. Der Kapitänleutnant machte aber nicht den Eindruck, danach zu streben.

„Endlich wieder raus“ hatte er beim Auslaufen gesagt „dieser ganze Kram hier an Land geht mir mächtig auf die Nerven. Überall Männchen machen, die Besäufnisse im Kasino, das ganze hohle Gerede und das Theater drum rum. Da geht es doch bei uns hier an Bord schön geregelt zu.“

Haberkorn verzog sich auf seine Koje, im Moment hatte er nichts zu tun. Früher waren die Boote meistens in der Nacht mit den Dieseln gefahren, jetzt hatte sich die gegenteilige Taktik eingestellt. Wegen der Gefährdung durch Flieger in der Nacht blieben die Boote zum Aufladen der Batterien tagsüber oben und tauchten mit Anbruch der Dämmerung. Dann würden die E-Maschinen laufen und in einer Tiefe von 25 Metern das Boot seinen Kurs auf den Hafen steuern. Mit 4 Knoten würde es knapp 80 Seemeilen unter Wasser schaffen, aber dann wären die Batterien fast vollständig leergefahren und der Kaleun würde sicher schon nach einer kürzeren Strecke zum Laden auftauchen lassen. Mit einer Geschwindigkeit von 7,4 Kilometern oder 4,6 Meilen pro Stunde würden sie nur langsam vorankommen, und für 60 Seemeilen mit Unterwasserfahrt mehr als 13 Stunden benötigen, aber so lange würden sie nicht unten bleiben, sondern schon kurz nach Beginn des Tagesanbruchs auftauchen und dann wieder mit dem Diesel fahren. Haberkorn bildete ganz einfach eine Durchschnittsgeschwindigkeit aus Über- und Unterwasserfahrt und rechnete mit 6 Knoten. Damit wären knapp 7 Seemeilen in der Stunde zu schaffen, 250 mussten sie noch zurücklegen. Das wären so um die 35 Stunden, also anderthalb Tage. Ihm war es lieber, jetzt ganz auf Sicherheit zu setzen und den Diesel nicht zu sehr zu beanspruchen, denn wenn die Maschine ausfiel könnten er und der LI nur wenig ausrichten.

In der Nacht und bei E-Maschinenfahrt herrschte im Boot Stille. Nur wenige Männer, die für das Führen des Bootes verantwortlichen waren, waren munter, die in der Zentrale und im E-Maschinenraum. Für Haberkorn war es immer noch eine faszinierende Tatsache, dass er 25 Meter unter der Wasseroberfläche in seiner Koje unter dem blauweiß gemusterten Bettzeug lag und das Boot absolut ruhig und von den E-Maschinen angetrieben leise durch die See zog. Nach dem Auftauchen würde sich das alles ändern, dann mussten die Seewachen wieder aufziehen und in der Zentrale wäre mehr Betrieb. Er versuchte zu schlafen, und hoffte inständig, dass der Diesel durchhielt.

Fred Beyer, 17. September 1942, Russland, Nowosil

Die letzten Wochen waren für die Männer vergleichsweise ruhig gewesen. Russen und Deutsche lagen sich in gut ausgebauten Stellungen im Bereich der Heeresgruppe Mitte gegenüber und bis auf örtlich begrenzte Angriffe hatte es nur wenige Aktivitäten gegeben. Üblicherweise beschossen sich die Gegner mit der Artillerie aber aufgrund der gut ausgebauten Stellungssysteme war die Wirkung nicht sonderlich hoch. Beide Seiten hatten die Zeit genutzt, die Deckungen ausgebaut und pioniermäßig verstärkt. So waren Beyer und seine Männer in einem mit einer massiven Holzdecke gut geschützten Erdbunker untergekommen. Durch die relative Ruhe auch an den anderen Fronten war die Stimmung der Soldaten nicht schlecht, und da auch der Nachschub funktionierte, gab es keinen Mangel an Munition und Verpflegung. Die deutsche Aufklärung hatte gestern festgestellt, dass südlich von Nowosil an der Bahnlinie zwei Panzerzüge aufgefahren waren, was als Indiz für einen bevorstehenden Angriff in dieser Gegend gedeutet wurde. Da an Beyers Frontabschnitt momentan nichts auf Attacken der Russen hindeutete, hatte man die Panzerkompanie bereits in den Morgenstunden in Richtung Nowosil in Marsch gesetzt. Dort waren die deutschen Infanteriekräfte nur schwach aufgestellt und sollten durch die Panzer verstärkt werden. Das Wetter war bis vor kurzem angenehm gewesen, aber vor drei Tagen hatte andauernder Nieselregen eingesetzt, der die Wege wieder schlecht passierbar machte. Beyer erinnerte sich gut an die Schlammperioden im Frühwinter und im Frühjahr und er erwartete wieder Probleme beim Marsch. Trotz dieser Befürchtungen kam die Einheit gut voran, und da der Aufmarschraum ungefähr nur 40 Kilometer entfernt war, trafen die Fahrzeuge schon am Nachmittag dort ein. Obwohl die Wehrmacht die Panzer üblicherweise selbst über kurze Strecken mit der Bahn verlegte, war das diesmal nicht möglich gewesen, da keine Eisenbahnlinie in vertretbarer Entfernung lag.

Die Panzer hatten sich hinter den Infanteriestellungen in dem dahinter liegenden Wald getarnt. Die Stellungen waren sinnvoll angelegt worden und das durchgehende Grabensystem befestigt. Einige Pak und Feldgeschütze standen gut gedeckt mit am Waldrand, überdachte MG-Nester waren in die Verteidigung geschickt eingebaut. Vor den Stellungen lag freie Fläche, so dass die Panzer zeitig in den Kampf eingreifen könnten. Die Russen hatten die Gegend mit einigen kurzen Artillerieschlägen abgetastet und schossen sich offenbar ein. Beyer und seine Männer waren im Panzer verschwunden und die Infanterie in die Gräben abgetaucht. Zwischen den Einschlägen stiegen riesige Sprengwolken hoch, es mussten größere Kaliber sein, die jetzt vor den deutschen Stellungen hochgingen. Das Feuer hielt schon eine ganze Weile an und die Explosionen näherten sich den deutschen Stellungen. Selbst in dem 25 Tonnen schweren Panzer war die Wucht der Einschläge zu spüren und Fred Beyer war unbehaglich, als festes Ziel nichts tun zu können. Dann dachte er aber an die Männer in den Gräben, die zwar in ihren Erdbunker Schutz suchen konnten, aber der Gewalt einer größeren Granate würden die Holzdecken kaum standhalten können. Das Feuer steigerte sich nochmals aber die deutsche Artillerie antwortete nicht, um die eigenen Stellungen nicht zu enttarnen. Als die deutschen Geschütze dann doch losdonnerten wussten die Männer, dass die Russen den Angriff begonnen hatten. Das Gefechtsfeld war nahezu deckungslos und die Russen würden die Strecke bis zu den deutschen Stellungen schnell überwinden müssen. Sie waren gegenüber den Deutschen im Nachteil, denn deren schwere Waffen waren gut getarnt und die vorgehenden Angreifer mussten diese erst einmal ausmachen. An der Spitze fuhren auseinandergezogen zirka 15 T 34 und dahinter einige BT 7. Die Infanterie war knapp 1.500 Meter vor dem deutschen Grabensystem abgesessen und folgte den Panzern. Die schweren T 34 sollten die deutschen Stellungen aufreißen, und die BT 7 und die Fußsoldaten dann die deutsche Infanterie vernichten um weiter durchstoßen zu können. Als die ersten Panzer bis auf ungefähr 1.000 Meter herangekommen waren eröffneten die deutschen Panzer und Pak das Feuer, die Feldgeschütze beschossen die gruppenweise vorgehende russische Infanterie. Erste Männer gingen zu Boden, aber die Panzer kamen schnell näher. Sie fuhren mit Höchstgeschwindigkeit und bildeten so schwer zu treffende Ziele. Lahmann schoss zweimal daneben, erst die dritte Granate traf einen T 34 am Bugblech, schlug aber nicht durch. In diesem Moment beging die russische Artillerie einen verhängnisvollen Fehler. Am Tag zuvor hatte eine Polikarpow 2 Aufklärung geflogen und die Lage der deutschen Stellungen fälschlicherweise 200 Meter zu weit östlich angegeben. Die Männer an den russischen Geschützen gingen davon aus, dass die jetzt nicht mehr weiterrückende Feuerwalze direkt in die deutschen Stellungen einschlug. In Wahrheit gingen die Geschosse aber auf oder neben den eigenen Panzern nieder und vernichteten einige Fahrzeuge. Bei den Russen herrschte totale Verwirrung und diese undurchsichtige Situation nutzen die Deutschen mit dem Einsatz ihrer schweren Waffen aus. Panzer, Pak und sogar die Feldgeschütze schossen im direkten Richten auf die russischen Panzer und nochmals gingen einige Fahrzeuge in Flammen auf. Von den angetretenen ungefähr 20 russischen Panzern waren 16 abgeschossen worden und die übrig gebliebenen drehten ab. Die russische Artillerie hatte in der Annahme, dass die Gräben genommen worden wären, die Feuerwalze weiter nach hinten verlegt und ließ die Granaten jetzt auf die eigene Infanterie regnen. Damit brach der Angriff endgültig zusammen und artete zu einer panikartigen Flucht aus. Die sich mit Vollgas zurückziehenden Panzer walzten eigene Verwundete in den Boden und hinterließen eine blutige Spur. Die deutschen Geschütze setzten noch drei Salven in die Reihen der fliehenden Russen, dann stellten sie das Feuer ein.

Fred Beyer hatte die Turmluke geöffnet und beobachtete die Gegend. Pulverdampf zog an seinem Körper vorbei nach draußen. Über dem Gefechtsfeld standen rußige Qualmwolken der ausbrennenden Panzer, ging in den zerstörten Fahrzeugen noch MG-Munition knatternd hoch und waren leise Rufe von Verwundeten zu hören. Der Kampf sah einen eindeutigen Sieger: die deutschen Einheiten. Es war nicht ihre Abwehrleistung gewesen, die den Ausschlag gegeben hatte, sondern der verherrende Fehler der russischen Infanterie. Die Russen hatten etliche Panzer und Infanteristen verloren, die Deutschen waren mit geringen Verlusten davongekommen. Für Beyer war klar, dass der Angriff wiederholt werden würde, aber momentan war damit nicht zu rechnen, die russischen Truppen mussten erst wieder formiert werden. Er stieg aus dem Panzer aus, die anderen Männer auch.

„Jetzt werden bei den Iwans ein paar Köpfe rollen“ meinte Bergner „die haben doch direkt auf ihre eigenen Truppen geschossen, unfassbar. Wie kann so was bloß passieren?“

„Also ich kann mir das gut vorstellen“ erwiderte Lahmann „ich sehe unsere Ziele durch die Optik direkt. Die Kanoniere stehen mit ihren Waffen aber ein paar Kilometer hinter der Front und müssen sich auf die Angaben der Aufklärung verlassen. Die sehen doch rein gar nichts. Und wenn die den Winkel der Rohrerhöhung um ein paar Grad ändern kann das eine ganze Menge an Abweichung bedeuten. Da kommst du ohne Mathematik nicht weiter. Wäre nicht mein Ding. Deins etwa, Anton?“

„Ach, geh! Ich brauche in meiner Schmiede n gutes Auge und Kraft. Ich muss da nichts rechnen. Aber ich muss wissen, wie ich die Stoffe zu mischen habe und wann die richtige Temperatur erreicht ist. Das is auch nich so einfach.“

Fred Beyer stellte sich vor, wie kompliziert es sein musste, über so große Entfernungen ein Ziel genau zu treffen. Er war froh, dass der Panzerkampf auf geringere Distanz erfolgte und er erfahrene Männer an Bord hatte.

Günther Weber, 17. September 1942, Russland, Bjelow

Die Operation auf Bjelow war erstaunlich reibungslos verlaufen. Den Russen war vollkommen entgangen, dass sich eine größere deutsche Formation auf die Stadt zubewegte. Seitens der Deutschen war auf Luftangriffe verzichtet worden, um den Vormarsch so lange als möglich geheim zu halten. Außerdem waren die Einheiten nur nachts vorgerückt und blieben tagsüber in den dichten Wäldern in Wartepositionen. Günther Weber hatte mit Chaos beim nächtlichen Forcieren des Flusses gerechnet, aber die Pioniere hatten die beiden Pontonbrücken ohne größere Probleme errichten können und das Übersetzen der Einheiten verlief geordnet. Nachdem diese kritische Stelle passiert worden war bildete die Kampfgruppe zwei Stoßkeile, die sich auf Bjelow vorbewegten. Erst wenige Kilometer vor dem Ort waren die deutschen Truppen von den Russen entdeckt worden, aber diese hatten ihre Bereitstellungsräume bereits erreicht und gruben sich ein. Rechts und links von ihnen waren ebenfalls deutsche Einheiten eingetroffen und bildeten nun einen mehr als 25 Kilometer breiten Riegel vor der Stadt. Jetzt konnte die Luftwaffe auch aktiv werden und fügte den zusammengezogenen Truppen der Russen erhebliche Verluste zu. Die Artillerie schoss auf erkannte Bereitstellungen, und diese Feuerschläge brachten den Angriffsplan der Russen wohl zum Wackeln, denn sie blieben seltsam defensiv. Nachdem sich die Deutschen auch noch am folgenden Tag eingraben konnten, traten die Russen doch an.