Der wilde Jäger - Julius Wolff - ebook

Der wilde Jäger ebook

Julius Wolff

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Eine Waidmannsgeschichte in Versen, in denen der Autor auch seine Verbundenheit zu seiner Harzer Heimat ausdrückt.

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Der wilde Jäger

Julius Wolff

Inhalt:

Julius Wolff – Biografie und Bibliografie

Der wilde Jäger

Dir, meiner Heimat!

Am Wodansmal.

Frühling

Auf der Treseburg

Die Reiherbaize.

Waldesruh.

Die Hirschjagd.

Der nächste Schuß

Der Abt von Walkenried.

Wulfhild und Waldtraut.

Der Wildschütz.

Die Sauhatz

Hackelberend's Tod.

Zu Grabe

Die Erstürmung der Burg.

Die wilde Jagd

Der wilde Jäger, J. Wolff

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849640262

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Julius Wolff – Biografie und Bibliografie

Dichter, geb. 16. Sept. 1834 in Quedlinburg, studierte in Berlin Philosophie und Cameralia, übernahm dann die Leitung des väterlichen Fabrikgeschäfts in Quedlinburg und gründete, von dieser zurückgetreten, 1869 die »Harzzeitung«. Nach dem Deutsch-französischen Kriege, den er als Landwehroffizier bis zum Ende mitmachte, siedelte er nach Berlin über, wo er vorübergehend die »Illustrierte Frauenzeitung« redigierte und noch jetzt als Schriftsteller lebt. Er veröffentlichte: »Aus dem Felde«, Kriegslieder (Berl. 1871, 4. vermehrte Aufl. 1907); »Till Eulenspiegel redivivus« (Detm. 1874; 23. Aufl., Berl. 1896) und die beifällig aufgenommenen, zum Teil in zahlreichen Auflagen erschienenen kleinen Epen und Erzählungen: »Der Rattenfänger von Hameln« (Berl. 1875) und »Der wilde Jäger«, eine Weidmannsmär (1877); »Tannhäuser«, ein Minnesang (1880, 2 Bde.); »Singuf, Rattenfängerlieder« (1881); »Der Sülfmeister«, Roman (1883, 2 Bde.); »Der Raubgraf«, Geschichte aus dem Harzgau (1884); »Lurlei«, eine Romanze (1886); »Das Recht der Hagestolze«, Roman (1888); »Die Pappenheimer« (1889); »Renata« (1892); »Der fliegende Holländer« (1892); »Das schwarze Weib«, Roman aus dem Bauernkrieg (1894); »Assalide«, Dichtung aus der Zeit der provenzalischen Troubadoure (1896); »Der Landsknecht von Kochem«, ein Sang von der Mosel (1898); »Der fahrende Schüler«, Dichtung (1900); »Die Hohkönigsburg«, Roman (1902); »Zweifel der Liebe«, Roman aus der Gegenwart (1904); »Das Wildfangrecht« (1907). Die Stärke Wolffs ruht in der großen sprachlichen Gewandtheit, mit der er die verschiedensten Stile und Tonarten der Poesie nachahmt, und in der Kunst des historischen Kolorits; im Innern aber sind seine Gestalten konventionell und erheben sich nicht über die durchschnittliche Familienblattpoesie. Auch mit einigen Schauspielen: »Kambyses«, »Die Junggesellensteuer« (Berl. 1877) u. »Drohende Wolken« (das. 1878) trat W. hervor.

Der wilde Jäger

Eine Waidmannsmär

Dir, meiner Heimat!

Dir, meiner Heimat, danke ich dies Lied. Im Harzgebirg, im Thal der wilden Bode, Im sturmgepflügten Reich des großen Wode Liegt meiner goldnen Jugend Stromgebiet. Bescheiden kam ich, der ich nichts entbehrte, Zu deiner wunderwüchsigen Natur, Du gabst mir Alles, weil ich nichts begehrte, Und wies'st mir lächelnd deines Lebens Spur.

Du öffnetest dem Jüngling Aug' und Ohr Und führtest mich mit treuen Mutterhänden, Wenn ich auf Bergen, zwischen Felsenwänden, In Waldeseinsamkeiten mich verlor. Im hellen Sonnenglanz, im Schattendunkel, Am frühen Morgen und im Abendroth, Im Nebelwogen und im Thaugefunkel Warst du es, die mir Schätz' auf Schätze bot.

Kostbarer war mir, als das edle Erz Aus deinen Gruben, was du gabst in Fülle, Es war wie Duft in zarter Knospenhülle, Ich sog ihn ein, und trunken ward mein Herz. Bald fühlte ich in mir des Segens Walten, Daß Wurzel schlug der tief versenkte Keim, Es regte sich ein Werden und Gestalten, Und des Besitzes froh, hielt ich's geheim.

Was war es denn, was du mir da geschenkt Mit deiner Blumen Blühn, der Wellen Kräuseln, Der Wipfel Rauschen und der Lüfte Säuseln? War's etwas, dessen man noch heute denkt? Es war ein schüchternes, verschwiegnes Streben, Ein glücklich Ahnen und ein halb Verstehn, Ein freudig Nehmen und dann Wiedergeben, Ein unwillkürlich dichterisch Geschehn.

Du zeigtest mir des Bildens Meisterschaft, Den flücht'gen Wechsel und die feste Dauer Und warfst mir in die Seele fromme Schauer Vor einer unbegreiflich hohen Kraft. Du lehrtest deine Märchen mich und Sagen, Gabst mir die Wünschelruthe in die Hand, Und wo ich ging und stand, hat sie geschlagen. Ich bin dein Schuldner, du mein Harzer Land

Um deine Berge weht ein alter Sang, Der Sturmwind selber ist sein rauher Träger, Er saust und braust von einem wilden Jäger, Gewaltig, grausenvoll wie Donnerklang. Ich hab' ein Echo davon aufgefangen, Und nie verhallt' es, seit ich von dir schied; Nimm wieder, was ich nur von dir empfangen, –Dir, meiner Heimat, widme ich dies Lied!

Berlin, den 16. September 1877.

I.

Am Wodansmal.

Hie heb' ich an mit sagen Von einem großen Turney, Wie seit ewigen Erdentagen Der Winter kämpft mit dem Mai. Es ist ein Rennen und Stechen, Ein Packen und Streiten mit Macht, Es ist ein Biegen und Brechen In wogender Frühlingsschlacht. Ein Rauschen ist's und Wettern Wie Seegang übers Gefild, Ein Krachen ist's und Schmettern Wie Schwerthieb auf klingenden Schild. Es ist ein lautes Tönen Wie eherner Glocken Schall, Es ist ein dumpfes Dröhnen Wie grollender Widerhall. Es wirbelt und schwirrt um die Gipfel, Es pfeift um zackig Gestein, Durch knarrende, knackende Wipfel Und surret und sauset hinein.

Und alle das Wehen und Weben, Das Wallen in Nebel und Rauch, Es ist wie Flattern und Schweben Vor lebendigen Odems Hauch. Das Wuchten und Wiegen in Zweigen, In Halm und Strauch und Gezäh, Es ist wie Nicken und Neigen Vor eines Gewaltigen Näh. Der kommt daher mit Brausen Durch Feld und Wald und Ried Mit Grauen und mit Grausen, Und also klingt sein Lied:

Wenn ich mich erhebe Die Schwingen reckend Und weithin streckend In Wolken schwebe, Ob's nächtet, ob's taget, Still wird's umher, Nichts Lebendes waget Zu athmen mehr. Was ferne mich wittert, Lauschet und zittert In Schweigen und Schauern, Ein kurzes Dauern, – Und mit furchtbarem Stoß Brech' ich los!

Ich fege die Meere Und wälze in Bogen Die schäumenden Wogen Durchs trostlos Leere. Ich erschüttre die Lasten Des sperrenden Riffs,Ich knicke die Masten Des ziehenden Schiffs, Das ich zerschlage; Wehruf und Klage Sinkender Schwimmer Rühret mich nimmer, Fluch und Gebet, Alles verweht.

An schneeigen Firnen Weiß ich zu rütteln, Unwirsch schütteln Die trotzigen Stirnen Von Schroffen und Jochen Und starrender Wand Felsen gebrochen Ins blühende Land. Lawinen verschütten Der Menschlein Hütten Und was sie drin haben, Wer drunter begraben, Getilgt aus dem Licht, Mich kümmert's nicht.

Wunschwind mein Name, Wille mein Wesen, Macht und Genesen, Segen und Same. Ich wirke auf Erden Die zeugende Kraft, Gebären und Werden Und nährenden Saft. Ich bringe Gedeihen, Mit Würzen und WeihenDie Wege zu bahnen Dem Träumen und Ahnen Und rufe im Lauf: Frühling, wach' auf!

So singt der Sturm; es hören Die Wesen den zaub'rischen Ruf Wie geisterhaft Beschwören, Das neues Leben schuf. »Wer hat an den Heerschild geschlagen? Wer hat uns geweckt in der Nacht? Wer will den Waffengang wagen Mit des Tyrannen Macht? Ist nahe die Siegesfeier Dem unterdrückten Geschlecht? Um deine Stirn, Befreier, Ein waldesgrün Geflecht! Du brichst mit kühnem Beginnen Von außen herein dir Bahn, Wir schlagen uns durch von innen, Bis wir bei einander stahn.« So regen sich Aufruhrsgedanken, Hoffnung und Freiheitsgelüst, Daher auch das Winken und Wanken Im beweglichen Waldesgerüst. Da geht es ans Sprengen der Bande, Da bricht manch geschmiedeter Ring, Und jauchzend erhebt sich im Lande, Wer seufzend voll Ketten hing. In hohen und niederen Schichten Steigt's gährend durch Splint und Bast, Auf die Streue werfen die Fichten Des Schneedrucks beugende Last. Was Nadeln trägt am Leibe,Das rüttelt und schüttelt sie flugs, Blaugrüner Wachholder und Eibe Und der Kiefer schirmender Wuchs, An gefurchten Borken in Rieseln Sickert's wie triefender Schweiß, Hängt naß an allen Zwiefeln Und tropft von jeglichem Reis; Und wie unter Büschen und Lohden Der Schnee auf dem Laube zergeht, In jedem Blatte am Boden Ein blinkendes Wässerlein steht. So ist in Tagen und Stunden Geschlagen des Winters Macht, Verronnen und verschwunden All seine fürstliche Pracht. Sein glitzernder Stirnreif nicket Herab vom alternden Haupt, Eiszacken, sein Scepter geknicket, Seine silberne Rüstung geraubt, Zerbrochen sein Ingesiegel, Das er aufs Leben gelegt, Und sein kristallener Spiegel Vom Teiche hinweg gefegt, Demanten Geschmeid und Spangen Und Schleier und Spitzen dahin, Hoch oben am Felsen hangen Die Fetzen vom Hermelin.

Auf springt die gefrorene Quelle, Der Bach rauscht schäumend und wild Und stürzet Welle auf Welle Vom Berg ins ebne Gefild. Die breiten Ströme rollen Randvoll durchs bangende LandUnd schieben geborstene Schollen Knirschend zum Meeresstrand. Feuchtdunstig ist's und düster Im Laubwald und im Tann, Da hebt nun ein Geflüster, Ein Treiben und Wachsen an. Die Wurzeln will es dehnen, Die Erde lockern am Fuß, Es kommt ein Sinnen und Sehnen Wie bei der Vöglein Gruß, Halt ein, ihr Blätter und Blüthen! Halt ein, es stürmt aus Nord, Es kommt zurück mit Wüthen Der Winter zu Raub und Mord! Er bringt euch jungen Sprossen Den Tod und schneidiges Weh, Er prasselt mit Hagel und Schlossen Und stöbert mit knisterndem Schnee. Frost wieder in Banden strecket Der Bäche Schäumen und Sprühn, Und kaltes Schneeweiß decket Das kaum erwachende Grün. Und wieder hebt ein Ringen, Ein Kämpfen Mann an Mann, Ein Schlagen mit scharfen Klingen, Ein Toben und Tosen an. Der Frühling siegt am Tage, Der Winter in der Nacht, Hat von der Niederlage Sich wieder zu Athem gebracht, Ist wieder heran geschlichen, Liegt weit und breit im Feld, Vor ihm zurückgewichen Ist wieder der jüngere Held.Der holt nun aus zum Streiche Und schlägt mit sausender Wucht Aus dem eroberten Reiche Den Winter in die Flucht. Und vor den fliegenden Schaaren Mit Fähnlein und blitzendem Speer, Den schallenden Siegsfanfaren Und dem strahlenden, sonnigen Heer Fliehn Winter und Wintersknechte In trauriger Gestalt, Und lächelnd sitzt im Rechte Des lustigen Lenzes Gewalt. –

Im Harzgebirg entspringet Am Blocksberg aus dem Quell, Rauscht durch den Wald und singet Die Bode klar und hell. War Wode sonst geheißen, Muß treiben manch Mühlenrad, Holz sägen und Eisen schweißen Mit Wassersturz und Bad. Bevor von ihren Bergen Sie fröhlich herunter klimmt Und von den Nixen und Zwergen Den letzten Abschied nimmt, Muß sie sich krümmen und winden Durch ein wildgrausig Thal, Verschlungene Wege finden In Bogen ohne Zahl. Die Felsen stolzer und kühner Findet ihr nicht so bald, Und krauser ist und grüner Nirgends der deutsche Wald. Da ragt mit Zinnen und EckenManch Bollwerk und finsteres Thor, Und Pfeiler und Säulen recken Sich trotzig zum Lichte empor. Da beugen hinüber und bücken Sich Blöcke mit drohender Wucht, Als wollten sie überbrücken Mit ihrem Sturze die Schlucht. Da klaffen Risse und Spalten, Da stehen hoch aufgericht' Verwunschene Thiergestalten, Versteinertes Menschengesicht. Da klammert mit durstigen Fasern Strauchwerk am Felsen sich an Und kniet mit Wurzeln und Masern, Wo handbreit es haften kann. Hoch oben rüttelt und spület Windstoß und Regenguß, Tief unten kämpft und wühlet Wirbelnd und schäumend der Fluß Die Wasser stürzen und schnellen In Strudel und Gischt hinein, Brandende, brausende Wellen Waschen und höhlen den Stein. Wollet ihr horchen und lauschen In langen Thales Lauf, Es schallet das Tosen und Rauschen Bis auf die Berge hinauf. Ihr schaut von Zacken und Klippen, Gerölle, nackt und bloß, Als säht ihr durch Felsenrippen Bis in der Erde Schoß. Ein Felsstock aber vor allen Thürmt sich zu schwindelndem Rand, Es fußen nicht AdlerskrallenAn lothrecht steigender Wand, Auf seinem Scheitel, dem grauen, Weit herrschend über dem Thal, Ist in den Fels gehauen Von Rosseshuf ein Mal. Kein aufgezäumter Rappe, Den je ein Sterblicher ritt, Schlug funkensprühend die Trappe Hier in den harten Granit. Von Sleipnirs Hufe rühret Die heilige Rune nur, Und Opfer wurden geschüret Uralter Götter Spur.

In Abenddämm'rung schweiget Der Sturm und hemmt den Lauf, Und hinter den Bergen steiget Schweres Gewölk herauf. Am Roßtrappmale stehet Frei eine hohe Gestalt, Des Recken Langbart wehet, Sein faltiger Mantel wallt. Die Götterstirne decket Schattend ein breiter Hut, Darunter aber schrecket Einäugigen Blickes Gluth. Zu seinen Füßen liegen Zwei Wölfe, grimm und greis, Sein mächtiges Haupt umfliegen Zwei Raben in engem Kreis. Langsam in weitem Bogen Schwingt er den ragenden Speer, Hat über sich gezogen Einen Ring in der Lüfte Meer.Da fährt aus den Wolkenballen Hernieder ein rother Strahl, Und krachende Donner hallen Rollend durchs Felsenthal. Mit tausendstimmigem Munde Fällt brüllend das Echo ein, Und leuchtend in die Runde Zucket der Blitze Schein. Es rauscht durch der Zweige Gitter, Verschwunden ist die Gestalt, Das erste Frühlingsgewitter Schlägt in den ruhenden Wald.

II.

Frühling

Manch finstre Nächte währt das Wehen Mit Tropfenfall und Wetterschlag, Und redlich plagt sich jeder Tag, Den Wind soweit herum zu drehen, Daß er die Wolken seitwärts schiebt Und endlich blauen Himmel giebt. Dann aus dem rein gefegten Haus Tritt auch die liebe Sonn' heraus Und streut verschwenderisch ihr Gold All den Millionen, die drum betteln, Als ob sie's lächelnd, Allen hold, An einem Tage wollt' verzetteln. Im Wald, dem eben noch so dunkeln, Hebt nun ein Flimmern an, ein Glast Und ein geheimnißvolles Funkeln Als wie in einem Feenpalast. Es treibt mit Macht und wächst und quillt, Die schlanke Buchenknospe schwillt,Braunröthlich glänzen ihre Schuppen, Das Junge möchte sich entpuppen, Aus eingeschachtelten Gelenken Sein zartbewimpert Fähnlein schwenken; Denn Andre blühen schon, bevor Ein Blättchen zeigt sein lauschend Ohr. Die Erle und die Haselnuß, Das sind die Ersten aus den Windeln, Sie strecken früh am jungen Schutz Die locker aufgeschloss'nen Spindeln. Da hängen nun zu drei und vier Die braunen und die gelben Kätzchen, Und dicht am Reis, verborgen schier, Am lauschig wohlgeschützten Plätzchen Duckt sich der Hasel Blüthenweibchen Und trägt auf seinem runden Leibchen Gleich einem hochgebundnen Zopf Blutrothen Federbusch am Schopf. In blendend Linnen, klar wie Schnee, Hüllt sich der schwarze Dorn der Schleh, Die Espe spinnt sich weiche Seide Zu langen Schwänzen, kraus gelockt, Die Ulme blüht, und auch die Weide Ihr wollig Silberschäfchen flockt. Nur Eiche ist noch kahl und wirr, Ihr knickig Sparrwerk und Geschirr Hält an dem äußersten Geäst Ihr vorigjährig Herbstlaub fest, Fahlgrau, verfärbt, verschrumpft, zerknittert, Zu zähem Leder schon verwittert. Doch wenn auch sie die Knospen spaltet Und ihr gezacktes Blatt entfaltet, Dann glänzt es in der Eichenkrone, Als ob an jedem jungen TriebMit grünlich goldnem Farbentone Ein Frührothschimmer haften blieb Und wo des Waldes Boden frei Von welkem Laub und Nadelstreu, Webt sich ein Teppich Zoll bei Zoll, Natur nimmt gern den Pinsel voll, Schattirt und malt ihr Frühlingskleid Und schmückt sich wie zum Tanz die Maid. Wer in das junge Grün so schaut, In dichtes Gras und duftig Kraut Auf einsam stillem Waldespfad, Dem ist's wie ein erquickend Bad, Darein er tief die Blicke taucht Und hierhin läßt und dorthin schweifen, Als wollt' er, weil sein Herz sie braucht, Die Farbe mit den Augen greifen. Da find't er. Was er nicht gesucht, Ein kleines blaues Wunder lugt Verstohlen aus dem Grün, ganz nah – Ach! erstes Veilchen, bist du da? Gegrüßt, gegrüßt, o Violett, In deinem weichen Kräuterbett! Ja, blühe, fröhlich Märzenkind, Und zürne nicht dem Dieb, dem Wind, Der schmeichelnd, kosend dich umspielt Und mit dem Duft, den er dir stiehlt, Die holden Schwestern lockt hervor, Den ganzen, bunten Blumenflor. Hornköpfchen fängt den Reigen an Mit Moschuskraut und Bärentraube, Steinsame, blauer Gundermann Und Purpurnessel dann, die taube, Maiglöckchen, Himmelsschlüsselein, Maßlieb, Windröschen blühn, die weißenErdrauch, Sinngrün, Gedenke mein, Goldmilz, und wie sie Alle heißen, Die Erstling' in dem vollen Kranz, Womit der Wald sich festlich gürtet, Eh' er die Spielleut' ruft zum Tanz Und seine Gäste reich bewirthet. Dazu erscheint dann flink und froh Auch kleines Volk, das darf nicht fehlen, Es kommt zu Hauf und muß sich so Zu sagen in das Leben stehlen. Es hört das Wachsen, und die Brut Erwacht der flatterhaften Kerfen, Die eingesargt bisher geruht, Nun ihre Hüllen von sich werfen. Es schlüpft aus welker Blätter Falten, Es zappelt und es schwirrt sich los, Zwängt sich hervor aus engen Spalten Und gräbt sich aus der Erde Schoß. Zu dem Gewimmel kleiner Wühler In Moos und Gras, an Baum und Blatt Zählt Alles, was am Kopfe Fühler Und mindestens sechs Beine hat, Mit Doppelflügeln, kurzen, langen Aus Netz und Schuppen, Haut und Horn, Bewehrt mit Rüssel oder Zangen, Giftdrüse, Stachel oder Dorn. Doch die unzählige Gemeinde, Die aufersteht und frißt und stirbt, Hat eine Schaar beschwingter Feinde, Die sie verfolgt, faßt und verdirbt. Das sind leichtherzige Vaganten, Stets aus der Jagd, stets auf dem Fang, Die lieben, klugen Allbekannten, Die kommen nun mit Sang und Klang.Es geht ein Schmettern durch den Wald: Frühling! so heißt's vom Zweige hüben, Und lustig kommt die Antwort bald: Frühling! Frühling! so ruft's auch drüben. Der Eine hat bei knappem Brot Sich ehrlich hungernd durchgeschlagen Durch Winters Elend, Angst und Noth Und vor der Räuber scharfem Jagen. Der Andere hausirt' und strich Wie ein Zigeuner durchs Gelände, Wo sich ein Tischchendeckedich Von Gottes Gnaden für ihn fände. Der Dritte kommt weit übers Meer Wohl nach ermüdend langem Fluge, Sieht er den Nach von Eise leer, Ist er zufrieden mit dem Zuge. Sie treffen sich von fern und nah, Und Einer fragt vergnügt den Andern: »Wie geht's? wie steht's? bist wieder da? Wie ist bekommen dir das Wandern?« Wie der erst rechts das Beinchen reckt Ganz weit nach hinten und behaglich Den Flügel lang darüber streckt Und dann auch links, spricht er: »Erträglich!« Und dreht und plustert sich und blickt Keck wie ein Sänger von der Bühne, Wetzt seinen Schnabel, wippt und nickt Und schmettert lustig Eins ins Grüne. Des Nadelwaldes rother Sohn Am Kiefernzapfen hängt kopfunter, Der Nagelschmiede Schutzpatron Kreuzschnabel ist am frühsten munter. Er denkt zuerst an junge Brut, Sitzt auf des Wipfels KronentriebeUnd schnurrt sein Liedlein schlecht und gut Der Auserwählten seiner Liebe. Die Meise zirpt von Ast zu Ast, Stieglitz und Hänfling kommt und Zeisig, Zaunkönig gönnt sich nimmer Rast, Schlüpft durch der Hecke Dornenreisig Buchfink zum Doppelschlage stimmt, Schwarzdrossel ruft, ob Alle schwiegen, Goldhähnchen zwitschert, Grünspecht klimmt Holzhackend, daß die Späne stiegen. Es zittern im Gesang und schnelln Die kleinen Kehlen auf und nieder, Aus jeder Vogelseele quelln Nun tiefempfundne Liebeslieder. Und ist geworben und gefreit, Ließ sich vom Lenz das Pärchen trauen, So geht's in edlem Wettestreit Ans kunstgerechte Nesterbauen. Es stört sie nicht, daß aus dem Horst Den Wald durchschallt des Sperbers Schrei, In Schraubenlinien überm Forst Hoch schwebt und stolz der Gabelweih. Der späht in eine Felsenbucht, Aus der es ihm verlockend duftet, Unwegsam ist die finstre Schlucht, Zu tiefen Hohlen ganz zerklüftet. Da liegen mit der Ballen Filz Uralte windgebrochne Fichten, Und Flechten wuchern, Schwamm und Pilz Am faulen Stamm in dicken Schichten. Der Brombeer rankendes Genist Zieht um die Wildniß dichte Hecken, Farrnwedel eingerollt noch ist In bräunlich rauhbehaarte Schnecken.Hier haust der Bär, verläßt sein Loch, Erhebt sich auf den Hinterbranten, Vom langen Fasten mager noch, Und wittert um die Felsenkanten. Und was im Winterschlafe lag Und an dem eignen Fette zehrte, Das kommt hervor am warmen Tag, Der vor des Lagers Thüre kehrte. Der Dachs schleicht wurzelnd aus dem Bau Und löste seines Hauses Riegel, Mißtrauisch windend durch den Thau Kommt angeschnuppert auch der Igel. Und die gescharrt im tiefen Schnee Und hungrig hofften, daß er schmelze, Sie letzen sich am jungen Klee Und färben anders ihre Pelze. Blattknospen äst das Edelwild, Der Zwanzig-Ender hat geworfen, Die Sau reibt ihres Blattes Schild An moosbewachsnen Eichenschorfen. Und wo sie wechseln, wo sie gehn, Ist's grün geworden auf den Bahnen, Im duft'gen Morgenwinde wehn Zum Frühlingseinzug alle Fahnen. Nun wölbt der Wald sein laubig Zelt Im Sonnenschein, im Glanz der Sterne, Und eine lebensvolle Welt Dehnt er sich in die blaue Ferne.

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Die Tage schwinden und die Wochen, Mit Sang und Klang zog ab der Mai, Wer zählt die Knospen, die erbrochen? Wer sagt, ob's Lenz, ob's Sommer sei? Den schattenkühlen Wald durchstreifetEin Jäger in des Grafen Pflicht, An Wuchse fast zum Mann gereifet, Ein Jüngling noch von Angesicht. Das blickt frischfrei aus braunem Kragen, Der ihm um Hals und Schultern liegt Und übers Haupt hinaufgeschlagen, Sich dicht um Kinn und Wange schmiegt. Sein Kleid ein schlichtes Wamms von Leder? Armbrust und Jagdspieß sein Gestell, Sein Schmuck Hifthorn und Habichtsfeder Und an der Kappe Otterfell. So ist er waidlich ausgerüstet Zum Kampfe wie zu gutem Fang, Doch scheint es nicht, daß ihn gelüstet Nach Beute auf dem stillen Gang. Er will nicht jagen, will nicht birschen, Das wüßte man ihm wenig Dank, Er spüret nicht den edlen Hirschen Und folgt nicht seinem Schritt und Schrank, Nur auf den Wilddieb will er fahnden, Der jüngst das Schmalthier abgethan, Den schweren Frevel will er ahnden, Sei's Aug' um Auge, Zahn um Zahn, Doch sollte sich ihm Raubzeug stellen, Sei es befiedert, sei's behaart, Darauf würd' er den Bolzen schnellen, Gern hätt' er eines Luchses Bart, Gern wüßt' er, ob noch mit den Jungen Der Fuchs bewohnt den alten Bau; Er schleicht sich an, und bald gesprungen Kommt aus der Röhre Füchslein schlau. Zwei Andre folgen, und sie spielen Ganz lustig, unbekümmert hier, Dem Jäger zuckt die Hand zum Zielen,Jedoch bezwingt er die Begier. Nur Einen kann sein Pfeil zerspalten, Dann würde in der nächsten Nacht Die ganze Sippschaft Umzug halten, Und um die Zwei wär' er gebracht. Versteckt sieht er die Füchslein hüpfen, Wie eins das Andre täppisch packt, Kopfüber stürzt, zerrt, läßt entschlüpfen, In Lauf und Lunte zwickt und zwackt. Doch plötzlich in den Bau sie fahren, Er steht verwunderten Gesichts, – Fuchsnasen wittern wohl Gefahren, Du, lieber Waidmann, merkst noch nichts, Und doch bist du es, dem sie drohen, Dem Füchslein nicht im tiefen Grund, O wärst du selber doch entflohen, Waidmann, jetzt wirst du waidewund! Der Jäger spannt, läßt näher kommen, Was kommen will, regt nicht ein Glied, Und – 's ist Gesang, was er vernommen, Hell durch den Wald erklingt ein Lied.

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Es wächst ein Kraut im Kühlen, Wo Vollmondstrahl geruht Und wer es trägt, muß fühlen, Wie Lieb' im Herzen thut.

Wüßt' ich den Platz, den rechten, Vom Kraut im grünen Wald, Wollt' ich's ins Sträußlein flechten, Einem stolzen Knaben bald.

Und käm' er dann zur Linde Im Dorfe, wollt' ich sehn,Wie's mit dem Angebinde