Der Vater und die Söhne - Felix Dahn - ebook

Der Vater und die Söhne ebook

Felix Dahn

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Opis

Dies ist Band 13 der historischen Romane aus den Zeiten der Völkerwanderung. Dahns Popularität gründete vor allem auf den historischen Romanen, die sich in den Gründerjahren des Deutschen Reiches außerordentlicher Beliebtheit erfreuten.

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Der Vater und die Söhne

Felix Dahn

Inhalt:

Felix Dahn – Biografie und Bibliografie

Der Vater und die Söhne

I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

VIII.

IX.

X.

XI.

XII.

XIII.

XIV.

XV.

XVI.

XVII.

XVIII.

Der Vater und die Söhne, F. Dahn

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

Loschberg 9

86450 Altenmünster

ISBN: 9783849608743

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

Felix Dahn – Biografie und Bibliografie

Rechtsgelehrter, Geschichtsforscher und Dichter, geb. 9. Febr. 1834 in Hamburg, verstorben am 3. Januar 1912 in Breslau. Studierte 1849 bis 1853 in München und Berlin Rechtswissenschaft, Philosophie und Geschichte und habilitierte sich 1857 in München als Dozent für deutsches Recht, wurde 1862 außerordentlicher Professor daselbst, 1863 ordentlicher Professor in Würzburg, 1869 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München, 1872 Mitglied des Gelehrtenausschusses des Germanischen Museums in Nürnberg und ordentlicher Professor für deutsches Recht in Königsberg, von wo er 1888 an die Universität Breslau berufen wurde. 1885 ward er zum Geheimen Justizrat ernannt. Als juristischer Schriftsteller hat sich D. bekannt gemacht durch folgende Arbeiten: »Über die Wirkung der Klagverjährung bei Obligationen« (Münch. 1855), »Studien zur Geschichte der germanischen Gottesurteile« (das. 1857), »Das Kriegsrecht« (Würzb. 1870), »Handelsrechtliche Vorträge« (Leipz. 1875), »Deutsches Rechtsbuch« (Nördling. 1877), »Deutsches Privatrecht« (Leipz. 1878,1. Abt.), »Die Vernunft im Recht« (Berl. 1879), »Eine Lanze für Rumänien« (Leipz. 1883), »Die Landnot der Germanen« (das. 1889). Auch besorgte er die 3. Ausgabe von Bluntschlis »Deutschem Privatrecht« mit selbständiger Darstellung des Handels- und Wechselrechts (Münch. 1864). Von seinen geschichtlichen Arbeiten sind hervorzuheben: die Monographie »Prokopius von Cäsarea« (Berl. 1865) und das umfassend angelegte rechtsgeschichtliche Werk »Die Könige der Germanen« (Bd. 1–6, Münch. u. Würzb. 1861–71; Bd. 7–9, Leipz. 1894–1902), ferner: »Westgotische Studien« (Würzb. 1874); »Langobardische Studien« (Bd 1: Paulus Diakonus, 1. Abt., Leipz. 1876); »Die Alamannenschlacht bei Straßburg« (Braunschw. 1880); »Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker« (Berl. 1881–90, 4 Bde.); »Geschichte der deutschen Urzeit« (als 1. Band der Deutschen Geschichte in der »Geschichte der europäischen Staaten«, Gotha 1883–88). Von Wietersheims »Geschichte der Völkerwanderung« bearbeitete D. die zweite Auflage (Leipz. 1880–81, 2 Bde.). Seine kleinen Schriften erschienen gesammelt u. d. T.: »Bausteine« (1.–6. Reihe, Berl. 1879–84). Sehr umfangreich ist auch Dahns belletristische Produktion, in der er zumeist altgermanische Stoffe mit modernem Leben verbrämt und eine entschieden nationale Gesinnung zur Schau trägt. Seine gründlichen historischen Studien kamen dem Dichter zu gute. Weitaus das beste dieser Werke war der erste historische Roman »Ein Kampf um Rom« (Leipz. 1876, 4 Bde.; 31. Aufl. 1901). Ihm folgten: »Kämpfende Herzen«, drei Erzählungen (Berl. 1878; 6. Aufl., Leipz. 1900); »Odhins Trost« (1880, 10. Aufl. 1901); »Kleine Romane aus der Völkerwanderung« (1882–1901, 13 Bde., und zwar: 1. »Felicitas«, 2. »Bissula«, 3. »Gelimer«, 4. »Die schlimmen Nonnen von Poitiers«, 5. »Fredigundis«, 6. »Attila«, 7. »Die Bataver«, 8. »Chlodovech«, 9. »Vom Chiemgau«, 10. »Ebroin«, 11. »Am Hofe Herrn Karls«, 12. »Stilicho«, 13. »Der Vater und die Söhne«, von denen die meisten in einer Reihe von Auflagen vorliegen); hierzu kommen: »Die Kreuzfahrer«, Erzählung aus dem 13. Jahrh. (1884, 2 Bde.; 8. Aufl. 1900); »Bis zum Tode getreu«, Erzählung aus der Zeit Karls d. Gr. (1887, 15. Aufl. 1901); »Was ist die Liebe?« (1887,6. Aufl. 1901); »Frigga's Ja« (1888, 2. Aufl. 1896); »Weltuntergang«, geschichtliche Erzählung aus dem Jahre 1000 n. Chr. (1889); »Skirnir« (1889); »Odhins Rache« (1891, 4. Aufl. 1900); »Die Finnin« (1892); »Julian der Abtrünnige« (1894, 3 Bde.); »Sigwalt und Sigridh« (1898); »Herzog Ernst von Schwaben« (1902), sämtlich in Leipzig erschienen. Ferner schrieb D. die epischen Dichtungen: »Harald und Theano« (Berl. 1855; illustrierte Ausg., Leipz. 1885); »Sind Götter?. Die Halfred Sigskaldsaga« (Stuttg. 1874; 7. Aufl., Leipz. 1901); »Die Amalungen« (das. 1876); »Rolandin« (das. 1891). Seine dramatischen Werke sind: »Markgraf Rüdiger von Bechelaren« (Leipz. 1875); »König Roderich« (1875, u. Ausg. 1876); »Deutsche Treue« (1875,3. Aufl. 1899); »Sühne« (1879,2. Ausg. 1894); »Skaldenkunst« (1882), und die Lustspiele: »Die Staatskunst der Frau'n« (1877) und »Der Kurier nach Paris« (1883); endlich das Festspiel »Funfzig Jahre« (1962, sämtlich Leipzig). Auch verschiedene Operntexte hat D. verfaßt: »Harald und Theano« (Leipz. 1880, nach seiner epischen Dichtung); »Armin« (das. 1880, Musik von Heinrich Hofmann); »Der Fremdling« (das. 1880); »Der Schmied von Gretna-Green« (das. 1880). Desgleichen war D. als Lyriker rege tätig: auf seine »Gedichte« (Leipz. 1857; 2. durchgesehene Auflage u. d. T.: »Jugendgedichte«, das. 1892) folgten: »Gedichte, 2. Sammlung« (Stuttg. 1873, 2 Bde.; 3. Aufl., Leipz. 1883); dann: »Zwölf Balladen« (das. 1875); »Balladen und Lieder«, 3. Sammlung der »Gedichte« (das. 1878, 2. Aufl. 1896); 4. Sammlung, mit seiner Gattin Therese (das. 1892); 5. Sammlung (»Vaterland«, das. 1892); endlich eine »Auswahl des Verfassers« (das. 1900). Außerdem sind zu nennen Dahns Schriften: »Moltke als Erzieher« (5. Aufl., Bresl. 1894) und die sehr breiten »Erinnerungen« (Leipz. 1890–1895,4 Bücher in 5 Bänden). Seine »Sämtlichen Werke poetischen Inhalts« erschienen Leipzig 1898–1899 in 21 Bänden; neue Folge 1903ff. Mit seiner Gattin Therese (gebornen Freiin von Droste-Hülshoff, geb. 28. Mai 1845 in Münster) verfaßte er: »Walhall. Germanische Götter- und Heldensagen« (12. Aufl., Leipz. 1898). Von ihr allein erschien noch mit einer Einleitung des Gatten: »Kaiser Karl und seine Paladine. Sagen aus dem Karlingischen Kreise« (Leipz. 1887).

Der Vater und die Söhne

Historischer Roman aus der Völkerwanderung

I.

In dem Schreibgemach des bischöflichen Palastes zu Sevilla trat in einer Frühlingsnacht des Jahres 579 nach Christus eine Anzahl von hohen Geistlichen des Westgotenreiches zu geheimer Beratung zusammen. Es lag in dem Erdgeschoß des wuchtigen, düsteren Baues streng byzantinischen Stils: dumpf lastete das niedrige Gewölbe des schmalen Raumes, den ein paar geweihte rote Wachskerzen, auf hohen Silberleuchtern aufgesteckt, – sie verbreiteten im Brennen süßlichen weihrauchähnlichen Geruch – nur schwach erhellten. Das einzige Rundbogenfenster blickte nicht auf die Straße, sondern in den kreisrunden hoch ummauerten Hof des weitläufigen Gebäudes.

Die Beratung mußte wohl gar geheime Dinge betreffen: denn der dicke Laden aus Edelkastanienholz war sorgfältig geschlossen und von dichten Wollteppichen verhängt, die auch die beiden schmalen Pforten verkleideten, so daß die draußen auf den Schwellen wachenden Ostiarii, die unwillkommenen Besuch abwehren oder doch rechtzeitig melden sollten, nichts von den drinnen gewechselten Reden vernehmen konnten. Auch der kostbare Mosaikestrich – er stellte in bunten Farben die Arche Noah mit ihrem Getier dar – war so hoch mit Decken belegt, daß die ohnehin so leisetretenden Sandalen der Priester geräuschlos hin und her glitten. In der breitesten Wand, dem Fenster gegenüber, war in den edeln dunkelgrünen Malachit (aus Teruel in Aragonien) ein Musivbild der heiligen Eulalia, der Schutzpatronin dieser Landschaften, eingelassen: der Goldgrund konnte die ungefüge Zeichnung nicht schöner machen; ein schwarzer Betschemel zu ihren Füßen trug auf der obersten Stufe eine ewig brennende Öllampe aus irisirendem Glas. An den übrigen Seiten standen viereckige tiefe Truhen, Sarkophagen ähnlich: sie bargen, fest verschlossen, die Bücher – zumal die Urkundenschätze – der Bistumskathedrale.

In der Mitte des Raumes um einen mächtigen Rundtisch aus Citrusholz auf je vier gekreuzten Füßen stand eine Anzahl von deckenbehängten Stühlen mit gar niedriger Rückenlehne, aber zwei langen Armlehnen; sie schienen sich zu scharen um den hohen thronähnlichen Purpursitz, von dem der Metropolitan überherrschend auf alle niedersah. Gestalt und Antlitz dieses Priesters prägten sich, einmal erschaut, unauslöschlich ein: der hohe Wuchs, das hagre knochige Gesicht, die eingefallenen wachsfahlen Wangen, die scharf geschnittenen, sorgfältig geschonten, mitleidlosen Lippen, die Adlernase, die schwarzen unstät blitzenden Augen unter den stolz geschwungenen Brauen, die hohe, von Gedanken, auch wohl von Leidenschaften gefurchte Stirn. Denn der Friede des Herrn schien nicht eingekehrt in diesen seinen noch ganz schwarzhaarigen Diener: dämonisch war die Erscheinung, sowohl wann sie in eisiger Ruhe der längst angeschulten Selbstbeherrschung undurchdringlich lauerte, wie wann sie plötzlich zum Angriff hervorschnellte wie eine getretene Natter. Jetzt hatte er in jener Ruhestellung die Rechte gerade vor sich hin auf den Tisch gestreckt: die feine kleine Hand ruhte wie behütend auf einigen Pergamenturkunden und Papyrusbriefen. Nicht nur die Tracht des Metropolitans, der weitfaltige dunkel purpurne, Chlamys-ähnliche Mantel, kennzeichnete ihn als allen hier Versammelten übergeordnet.

Seltsam war die Ähnlichkeit, mit der seine beiden Nachbarn ihm glichen: Brüder waren die drei offenbar: aber bei dem zur Rechten, Bischof Fulgentius von Astigi, schreckten die unheimlichen Züge noch drohender, während die geistige Überlegenheit des Älteren nicht auf dieser niederen Stirne thronte; der dritte Bruder, erheblich jünger, trug die gemeinsamen Familienzüge gemildert, ja verklärt durch den Ausdruck wohlwollender Güte und friedliebender Weisheit, er war nicht Bischof wie die beiden Älteren: seine Tracht war die des Archipresbyters. Die gleiche Gewandung trug der den drei Brüdern gegenübersitzende Priester, dessen Sutane und darüber geworfene Mantelkapuze – der Cucullus, – nicht den spanischen Zuschnitt zeigte.

An ihn, der, im Banne dieser stechenden Augen, gar merksam unverwandten Blickes an dem Munde des Metropolitans hing, richtete der nun das Wort: "Es ist unerläßlich, mein in Christo geliebter Sohn Sabinianus, daß Ihr außer dem Briefe, den ich Euch für meinen hohen Freund und Gönner in Rom mitgebe, auch mündlich einiges vernehmet und überbringet, was der Schrift nicht sicher anzuvertrauen ist. Zwar haben der gelehrte Gregor und ich längst eine Geheimschrift vereinbart ..." – "Ich kenne diese Formata, ehrwürdiger Vater," nickte der Fremde. – "Gewiß: hat der Treffliche mir doch seinen vertrautesten Freund als Zwischenträger gesandt." – "Und ich werde deinen Brief eifriger verteidigen als mein Leben, o Leander."

Da zuckte ein grimmig Lächeln um dessen Lippen: "Ah, aber der Herr König liebt die Gewalt und seine Sajonen – sie gehorchen ihm wie Jagdhunde – sind stark." – "Dann könnte er doch nicht lesen ..." – "Er nicht. Aber sein kluger, nur allzukluger Sohn, mein feiner Neffe, der mir täglich mehr aus Hand und Zucht wächst." – "Ja," warf Fulgentius giftig ein. "Jung Rekared versteht sich auf Schriftwerk wie Fechtwerk." – "Deshalb das Geheimste nur von Mund zu Ohr." Ehrerbietig verneigte sich der Fremde.