Der Sandmann. Königs Erläuterungen. - E.T.A. Hoffmann - ebook

Der Sandmann. Königs Erläuterungen. ebook

Hoffmann E.T.A.

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Opis

Königs Erläuterungen zu E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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MOBI

Liczba stron: 133




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 404

Textanalyse und Interpretation zu

E. T. A. Hoffmann

DER SANDMANN

Horst Grobe

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann. Das öde Haus. Nachtstücke. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag, 2009 (Hamburger Leseheft Nr. 174, Heftbearbeitung: Elke und Uwe Lehmann). Zitatverweise sind mit HL gekennzeichnet. Hoffmann, E. T. A.: Der Sandmann, hrsg. v. Rudolf Drux. Stuttgart: Philipp ­Reclam jun., 2009 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 230); Nachdruck der durchges. und bibliogr. erg. Ausgabe 2004. Zitatverweise sind mit R gekennzeichnet.

Über den Autor dieser Erläuterung: Horst Grobe, Jahrgang 1944, Studium der deutschen und englischen Philologie, der Philosophie und der allgemeinen Sprachwissenschaften (Bonn 1963–69), Fremdsprachenassistent in Großbritannien (1966/67), Referendariat (Aachen 1970/71), Tätigkeit im gymnasialen Schuldienst in Nordrhein-Westfalen in verschiedenen Funktionen seit 1969, Dr. phil. (Bochum 1993).

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6909-9

© 2000, 2010 by C. Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Titelbild: Istockphoto, © Iconogenic Alle Rechte vorbehalten!

Hinweise zur Bedienung

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. E. T. A. Hoffmann: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Hoffmanns juristische Laufbahn

Reformen in Preußen

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

Romantik: Kunst, Natur, Ich

Hoffmanns Lebensmodi

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

Erster Hauptteil

Nathanael an Lothar

Clara an Nathanael

Nathanael an Lothar

Zwischenrede des Erzählers

Vorgeschichte

Zweiter Hauptteil

3.3 Aufbau

Erster Hauptteil

Zweiter Hauptteil

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Nathanael und Clara

Nathanaels Entwicklung

Clara

Nathanael und Olimpia

Clara und Olimpia

Coppelius und Coppola

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Der Status des Textes

Die Vieldeutigkeit der Erzählung

Nathanaels Geschichte als Krankengeschichte

Die Elemente des Unheimlichen

Die Erzählweise

Erster Hauptteil

Zweiter Hauptteil

Zentrale Motive

Das Motiv des Auges

Das Automatenmotiv

3.7 Interpretationsansätze

4. Rezeptionsgeschichte

Krankengeschichte

Wirklichkeit eigener Art

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 ***

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 *

Literatur

Zitierte Ausgabe

Gesamtausgabe

Zu E. T. A. Hoffmanns Leben und Werk

Internet-Adressen

Verfilmungen – Hörspiel

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Für einen schnellen Überblick werden hier einige Hinweise gegeben.

Im zweiten Kapitel wird die Biografie E. T. A. Hoffmanns beschrieben und in den zeitgenössischen Kontext gestellt:

Hoffmann war als Jurist auf den preußischen Staat als Arbeitgeber angewiesen und von seinem Umbruch existenziell betroffen. Das Dienstverhältnis war durch Maßnahmen wie Zensur, Strafversetzung usw. belastet; dennoch blieb er in seinem Denken und Handeln unabhängig. Nach dem Zusammenbruch des Staates 1806 war er viele Jahre arbeitslos.

Als Jurist und Künstler ist E. T. A. Hoffmann eine Mehrfachbegabung. Er komponiert, dichtet, malt. Das Theater ermöglicht ihm, seine Fähigkeiten einzusetzen. Zeitweise kann er durch Tätigkeit am Theater, durch Musikunterricht und durch Karikaturen seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Das dritte Kapitel bringt eine Textanalyse und -interpretation. Informationen und Deutungen zu folgenden Aspekten werden dargestellt:

Der Sandmann – Entstehung und Quellen:

Der Sandmann ist im Jahre 1816 in dem zweibändigen Zyklus Nachtstücke erschienen.

Inhalt:

Der Sandmann besteht aus zwei aufeinander bezogenen Teilen. In der Erzählung stellt ein Erzähler nach drei Briefen der Hauptpersonen und einer Zwischenrede die Lebensgeschichte des sensiblen Nathanael in verschiedenen Perspektiven dar. Nathanael sieht sich feindlichen Mächten, die sich in der Gestalt des Sandmanns verdichten, ausgesetzt, während seine Verlobte Clara und ihr Bruder Lothar dies für eine Einbildung halten, von der er sich befreien muss.

Chronologie und Schauplätze:

Die Erzählung beschreibt in Szenen zusammengerafft das Leben der Hauptfigur Nathanael. Sie spielt an zwei Schauplätzen, in Nathanaels irgendwo in einer Provinzstadt gelegenem Elternhaus und in einer nicht näher bezeichneten Universitätsstadt.

In zwei Hauptteilen werden die Ereignisse aus Nathanaels Leben dargestellt und durch verschiedene Erzähler und damit verbundene Zeit-, Orts- und Perspektivenwechsel vielfältig aufeinander bezogen.

Personen:

Die Personen verweisen aufeinander.

Clara wird in Nathanaels Herzen durch Olimpia verdrängt. Sie ist eine lebensgroße Holzpuppe, die erst durch Nathanaels Blick zum Leben erweckt wird.

An die Stelle von Coppelius, der mit dem Vater alchemistische Versuche machte, die zu dessen Tod durch eine Explosion führte, tritt Coppola. Als er sich mit Spalanzani um Olimpia streitet, wird Nathanael wahnsinnig.

Im Wechsel von Krankheit und Genesung hat sich Nathanaels Befinden immer wieder verschlechtert, und auch diesmal ist die Genesung nicht dauerhaft. Am Ende stürzt er sich von einem Turm, als er den zurückgekehrten Coppelius erblickt.

Stil und Sprache Hoffmanns:

Die Vieldeutigkeit des Textes verweist auf die Wirklichkeit, die Erzählung erfolgt mit wechselnder Erzählweise und beinhaltet zentrale Motive.

Interpretationsansätze:

Aus den Aspekten der Textanalyse und -interpretation ergeben sich vielfältige Zugänge für das Verständnis von Hoffmanns Erzählung:

Innenwelt und Außenwelt

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Krankheit und Gesundheit

Wahnsinn und Normalität

Künstlertum und Bürgertum

Aufklärung und Romantik

Historizität und Modernität

2.E. T. A. Hoffmann: Leben und Werk

E. T. A. Hoffmann 1776–1822 © Cinetext

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1776

Königsberg

Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann am 24. ­Januar geboren; seinen letzten ­Vornamen änderte er etwa 1809 aus Verehrung für W. A. Mozart in Amadeus. Vater: Christoph Ludwig Hoffmann (1736–1797), Advokat am preußischen Gerichtshof in ­Königsberg; Mutter: Luise Albertine Hoffmann geb. Doerffer (1748–1796). ­Geschwister: Johann Ludwig (1768 geboren und früh verstorben), Carl Wilhelm Philipp (1773 bis nach 1822).

1778

Königsberg

Scheidung der Eltern, Ernst wird der ­Mutter zugesprochen und wächst im Haus der Großmutter Sophie Luise Doerffer geb. ­Voeteri (gest. 1801) auf; Erziehung durch den Bruder der Mutter, Otto Wilhelm Doerffer (1741–1803), und die ­Schwester der Mutter, Johanna Sophie Doerffer (1745–1803).

2

1782–1791

Königsberg

Besuch der reformierten Burgschule, ­Beginn der Freundschaft mit Theodor Gottlieb Hippel (1775–1843); Privatunterricht beim Organisten Podbielsky und beim ­Maler Saemann.

6–15

1792–1795

Königsberg

Jurastudium an der Universität Königsberg, Hoffmann erteilt Musikunterricht; Verhältnis mit Dora Hatt (1766–1803), die zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet ist und fünf Kinder hat.

16–19

1795

Königsberg

Erstes juristisches Examen und erste Dienststellung als Regierungs-Auskultator (d. i. Referendar) in Königsberg.

19

1796

Glogau

Versetzung an das Obergericht Glogau auf Betreiben seines Patenonkels Johann ­Ludwig Doerffer (1743–1803), der dort Rat ist; dadurch wird dem Verhältnis mit Dora Hatt ein Ende gesetzt; Ernst wohnt beim Onkel; Liebe zur Cousine Sophie Wilhel­mine (Minna) Constantine Doerffer (1775 bis nach 1832), der Tochter des ­Patenonkels.

20

1798

Glogau

Zweites juristisches Examen; Verlobung mit Minna, Beförderung des Onkels zum Obertribunalrat in Berlin; Versetzung Hoffmanns nach Berlin; Übersiedlung der Familie ­Doerffer und Hoffmanns nach Berlin.

22

1798–1799

Berlin

Tätigkeit am Kammergericht; Wiedersehen mit Jugendfreund Theodor Gottlieb Hippel.

22–23

1800

Berlin

Posen

Assessorexamen. Versetzung nach Posen (das zu dieser Zeit zu Preußen gehört), ­Gerichtsassessor am Obergericht in Posen.

24

1802

Plock

Strafversetzung an das Gericht in Plock ­wegen Karikaturen auf preußische ­Offiziere; sie verstärken einen Konflikt zwischen Verwaltung und Militär. Auflösung der ­Verlobung mit Minna Doerffer; Ehe­schließung mit Maria Thekla Michalina (Mischa) Rorer-Trzynska.

26

1804

Warschau

Ernennung zum Regierungsrat und Übersiedlung nach Warschau; Beginn der Freundschaft mit Eduard Hitzig (1780–1847), der am selben Gericht ­tätig ist.

28

1805

Warschau

Geburt der Tochter Cäcilia (gest. 1807).

29

1806

Warschau

Ende von Hoffmanns beamteter Tätigkeit in der Justiz, nachdem das Gericht nach dem Einmarsch der Franzosen seine Arbeit einstellt und die preußischen Behörden aufgelöst werden.

30

1807

Berlin

Umzug nach Berlin; vergebliche Stellen­suche; Teilnahme am kulturellen Leben.

31

1808

Bamberg

Umzug nach Bamberg; Tätigkeit am ­Theater zunächst als Kapellmeister, dann als Komponist.

32

1809

Bamberg

Bankrott des Theaters; Hoffmann als ­privater Musiklehrer; Erscheinen des Ritter Gluck in der Leipziger „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“, seitdem Mitarbeit als Musikkritiker.

33

1810

Bamberg

Freundschaft mit Dr. Adalbert Friedrich Marcus (1753–1816); Neueröffnung des Bamberger Theaters unter Franz von ­Holbein, Mitarbeit Hoffmanns als Direk­tionsgehilfe, Hauskomponist, Bühnen­architekt und Kulissenmaler.

34

1811

Bamberg

Unerwiderte Liebe zur fünfzehnjährigen Gesangsschülerin Julia Marc (1796–1865).

35

1813

Leipzig

Dresden

Musikdirektorstelle in Joseph Secondas in Leipzig und Dresden auftretender Operngesellschaft.

37

1814

Leipzig

Dresden

Berlin

Kündigung nach Streit mit Seconda, Tätigkeit als Karikaturist und Komponist; nach dem Sieg Preußens über Napoleon Wiedereinstellung in den preußischen Staatsdienst (zunächst ohne feste Besoldung) durch Vermittlung Hippels.

38

1815

Berlin

Beginn der Freundschaft mit Ludwig ­Devrient; Tätigkeit im Justizministerium.

39

1816

Berlin

Ernennung zum Kammergerichtsrat; Nachtstücke I erscheint, darin Der Sandmann.

40

1819

Berlin

Mitglied der „Immediatkommission zur Ermittelung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe“; Konflikt mit Ermittlungsbehörde.

43

1820

Berlin

Einsatz Hoffmanns in der Kommission zugunsten des verhafteten „Turnvaters“ Jahn.

44

1821

Berlin

Entlassung aus der Kommission auf ­eigenen Wunsch; Ernennung zum Mitglied des Oberappellationssenats am Kammergericht.

45

1822

Berlin

Disziplinarverfahren wegen Hoffmanns ­Erzählung Meister Floh; E. T. A. Hoffmann am 25. Juni gestorben.

46

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Nach dem Zusammenbruch von 1806 führte Preußen grundlegende Reformen durch. Sie sollten in den Bereichen Militär, Wirtschaft, Verwaltung und Bildung Kräfte für den Wiederaufstieg des Staates freisetzen.

Das aufstrebende Bürgertum der Zeit wird durch einen lebhaften Kulturbetrieb angesprochen.

E. T. A. Hoffmann war als Jurist auf den preußischen Staat als Arbeitgeber angewiesen. Das Dienstverhältnis war durch Strafversetzung, Disziplinarverfahren und Zensurmaßnahmen belastet. Viele Jahre war er ohne Stelle, als die Gerichtstätigkeit nach dem Einmarsch der Franzosen in Warschau eingestellt war.

E. T. A. Hoffmann wurde 1776 in eine Juristenfamilie hineingeboren. Ein prägendes Elternhaus hatte er nicht, die Eltern wurden 1778 geschieden, die Kinder wuchsen getrennt auf. Der Vater Christoph Ludwig Hoffmann, Advokat am preußischen Gerichtshof in Königsberg, starb 1797; die Mutter, Luise Albertine Hoffmann geb. Doerffer, war ein Jahr vorher gestorben. Er wuchs bei Onkel und Tante, Otto Wilhelm Doerffer und Tante Johanna Sophie Doerf­fer, auf.

Hoffmanns juristische Laufbahn

Nach Schulzeit und Jurastudium trat er in den preußischen Staatsdienst ein. Er legte die erforderlichen Prüfungen ab und durchlief die Beamtenlaufbahn:

jahr

Stufe

Ort

1792–1795

Studium

Universität Königsberg (erstes juristisches Examen 1795)

1795–1798

Referendar

Königsberg, Glogau (zweites juristisches Examen 1798)

1798–1800

Berlin (Assessorrexamen 1800)

1800–1802

Assessor

Posen

1802–1804

Plock

1804–1806

Regierungsrat

Warschau

1804–1822

Kammergerichtsrat (ab 1816)

Berlin; Immediatkommission (1819–1821), Disziplinarverfahren (1822)

Die berufliche Tätigkeit fand sowohl bei Regierungs- als auch bei Gerichtsstellen statt. Seine Ausbildung absolvierte er mit großem Erfolg, seine Dienstpflichten erfüllte er zur großen Zufriedenheit des Dienstherrn. Dreimal wurde die Laufbahn empfindlich gestört:

1802 durch die Strafversetzung nach Plock,

1806 durch die Besetzung Warschaus durch die Franzosen,

im letzten Lebensjahr durch das Disziplinarverfahren.

Anlass für die Strafversetzung waren einige bei einem Ball herumgereichte Karikaturen Hoffmanns auf preußische Offiziere. Hintergrund war die in der Kleinstadt Posen aufsehenerregende Verurteilung eines Anwalts wegen Beleidigung eines Offiziers. Die bereits ausgefertigte Ernennungsurkunde zum Regierungsrat wurde nicht ausgehändigt. Stattdessen wurde die Versetzung in die Provinz verfügt. Nach zwei Jahren wurde Hoffmann dann zum Regierungsrat ernannt und nach Warschau versetzt.

Durch die französische Besetzung Warschaus zwei Jahre später waren die preußische Verwaltung und damit auch die Gerichts­tätigkeit eingestellt. Hoffmann war ohne Dienstherrn und diese Phase dauerte acht Jahre an. Erst 1814 konnte er in den Staatsdienst zurückkehren.

In den letzten Lebensjahren war er durch einen Konflikt mit dem Dienstherrn belastet. Er wurde 1819 in die „Immediatkommission zur Ermittelung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe“ berufen. Dieses Gremium war im Zusammenhang mit den „Demagogenverfolgungen“ gebildet worden und sollte mit juristischen Mitteln gegen die bürgerliche und liberale Opposition vorgehen. Diese Erwartung erfüllte Hoffmann nicht. Er ließ sich von der politischen Zielsetzung nicht beeindrucken und kam zu eigenständigen juristischen Schlussfolgerungen, die der Regierung nicht genehm waren. So vertrat er im Fall des „Turnvaters“ Jahn die Auffassung, dass dessen Inhaftierung unbegründet sei. Hoffmanns Widersacher war der Polizeidirektor Kamptz. Er bewirkte, dass die Entscheidung der Kommission wirkungslos wurde, und Hoffmanns Berufung wurde auf eigenen Antrag zurückgenommen. In kaum verhüllter Form stellte Hoffmann seine Erfahrungen in der Erzählung Meister Floh dar. Gegen sie schritt die Zensur ein und gegen Hoffmann wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Reformen in Preußen

Als Beamter, der sowohl im Rechtswesen als auch in der Verwaltung tätig war, gehörte Hoffmann zu einer der führenden Schichten in Preußen. Die Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution hatte das alte Preußen verloren. Der Zusammenbruch wurde durch die militärische Niederlage im Jahr 1806 in der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt deutlich. Reformen waren erforderlich. Dazu war die Mitwirkung der Beamtenschaft erforderlich. Folgende Reformen wurden in Angriff genommen:

Die Reformen zielten auf die Freisetzung von Kräften in nahezu allen Bereichen: Wirtschaft und Soziales, Regierung und Verwaltung, Militär und Bildung. Sie sind u. a. mit den Namen Stein, Hardenberg, Humboldt, Scharnhorst und Gneisenau verknüpft.

Die Reformen stellten eine „Revolution von oben“ dar. Ihnen liegt ein Menschenbild zugrunde, das auf die Philosophie von Kant und Fichte und die Pädagogik Pestalozzis zurückgeht. Autonomie und Freiheit vom Staat sind Kennzeichen des Staatsbürgers, der durch loyales und verantwortliches öffentliches Handeln Träger des Modernisierungsprozesses ist. Die Beamtenschaft war durch Zuverlässigkeit, Sparsamkeit und Uneigennützigkeit Garant dieses Prozesses. Mit diesen Merkmalen entsprach sie dem Prinzip von Befehl und Gehorsam des Soldatenstandes und verlängerte es in den öffentlichen Bereich hinein. Damit war ein gesellschaftliches System entworfen, das die absolutistische Ständegesellschaft ablöste. Im Gegensatz zum Gesellschaftssystem, das sich aus der Französischen Revolution entwickelte, war der preußische Staatsbürger an die obrigkeitliche Verwaltung gebunden, die ihm zuerkannte, was er sich aufgrund seines selbstverantwortlichen Handelns erdient hatte.

Allerdings ließ sich der Entwurf dieses gesellschaftlichen Systems nicht vollständig verwirklichen. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Der Wille zur Reform entsprang gerade bei denen, die sie umsetzen sollten, nicht einer tief gefühlten Einsicht, sondern war nur eine unliebsame Konsequenz aus dem staatlichen Zusammenbruch, die es zu vollziehen galt, solange keine Alternative sichtbar wurde. Daher war das Reformvorhaben nicht abgesichert und wurde nur inkonsequent umgesetzt. Durch Adel und Beamtenschaft ging ein tiefer Riss.

Auch gab es unterschiedliche Interessen, die in dem Maße auseinanderliefen und sich gegeneinander kehrten, in dem Napoleons Herrschaft zu Ende ging. Dem Adel ging es um die Konsolidierung und Wiedergewinnung seines Besitzstandes und seines Einflusses, während es den Burschenschaften und der patriotischen Bewegung, die aus der Freiheitsbewegung gegen Napoleon ihren Elan bezogen hatte, um die bürgerlichen Freiheiten und die Überwindung der Kleinstaaterei ging. Mit den von Metternich initiierten Karlsbader Beschlüssen von 1819, den Zensurbestimmungen und der sog. „Demagogenverfolgung“ bestimmte das politische ­Establishment von einst wieder das Gesetz des Handelns.