Der kleine Buddha entdeckt die Kraft der Veränderung - Claus Mikosch - ebook

Der kleine Buddha entdeckt die Kraft der Veränderung ebook

Claus Mikosch

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Opis

Wieder einmal begibt der kleine Buddha sich auf die Reise. Diesmal will er herausfinden, warum Menschen sich nach Neuem sehnen und sich doch so schwer damit tun, etwas oder gar sich selbst zu verändern. Unterwegs begegnet er Bettlern und Reichen, einem Hellseher und einer verliebten Akrobatin, einem Seefahrer und vielen anderen, die ihm spannende, skurrile, traurige und auch lustige Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Und ganz allmählich wird dem kleinen Buddha klar, was er immer schon geahnt hat: Zum Glück und zur Liebe gehört der Mut zu einem Neuanfang, alles Leben ist immer Wandel.

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Claus Mikosch

Der kleine Buddha

entdeckt die Kraft der Veränderung

Impressum

Für Mira und Lisa

Titel der Originalausgabe: Der kleine Buddha entdeckt die Kraft der Veränderung

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2017

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: Christina Krutz Design

Umschlagmotiv: © Gert Albrecht

Vignetten im Innenteil: www.shutterstock.com

E-Book-Konvertierung: Arnold & Domnick, Leipzig

ISBN (E-Book): 978-3-451-80872-2

ISBN (Buch): 978-3-451-37583-5

Inhalt

Die Kraft der Veränderung

Der lächelnde Bettler

Der dicke Bürgermeister

Die verliebte Akrobatin

Der gefangene Dompteur

Der verrückte Hellseher

Die leere Höhle

Der friedliche Mörder

Die wütende Wäscherin

Die tanzenden Flammen

Der gestrandete Seefahrer

Das Mädchen mit der Schlange

Der kostbare Moment

Die Kraft der Veränderung

Frieden! Wie traumhaft schön dieses Gefühl doch war, so leicht und rein, so unbeschwert und einzigartig. Glück und Liebe tanzten durch sein Inneres, mit sanften Schritten und einem strahlenden Lächeln. Das Leben, manchmal war es einfach wunderbar!

Der kleine Buddha saß auf dem flachen Stein unter seinem Bodhi-Baum und meditierte. Mit jedem bewussten Atemzug wurden sein Herz wärmer und sein Geist ruhiger, Zufriedenheit und Dankbarkeit nahmen zu und seine Ängste und Sorgen wurden immer kleiner. Nicht, dass er viele Ängste oder Sorgen gehabt hätte, aber er war auch nur ein ganz normaler Mensch mit Wünschen und Träumen und ja, auch mit Ängsten und Sorgen. Daher freute er sich umso mehr, wenn er Momente großer Ruhe und Gelassenheit erleben durfte. So wie jetzt gerade: Die Sonne war erst vor Kurzem aufgegangen und die ganze Welt schien mit sich selbst im Einklang zu sein.

Noch eine Ewigkeit hätte der kleine Buddha so sitzen bleiben können, nur er alleine mit diesem zauberhaften Gefühl von Frieden. Doch dann zupfte plötzlich jemand an seinem Umhang.

„Herr Buddha, die Leute warten schon.“

Er mochte es überhaupt nicht, wenn sie ihn so nannten. Es klang viel zu ernst und er fühlte sich dabei wie ein alter Mann. Aber was sollte er machen? Schon vor geraumer Zeit hatte er aufgehört, sich darüber zu ärgern.

Noch ein weiteres Mal atmete er tief ein und aus, dann öffnete er langsam die Augen.

‚Oh nein!‘, dachte er sofort, als er die lange Schlange sah, die sich bereits früh am Morgen vor seinem Baum gebildet hatte. All diese Menschen waren von nah und fern gekommen, um den kleinen Buddha um Rat zu fragen. Nur allzu gerne hätte er die Augen wieder geschlossen, aber da er die Leute bereits gesehen hatte, brachte er es nicht übers Herz, sie zu ignorieren und noch länger warten zu lassen.

„Also gut“, seufzte er, „fangen wir an.“

Ganz früher hatte ihn fast nie jemand besucht, er hatte sich einsam und traurig gefühlt und den Kontakt zu anderen Menschen schrecklich vermisst. Dann hatte ein paar Jahre lang jede Woche eine Handvoll Neugierige bei ihm vorbeigeschaut. Für den kleinen Buddha war dies eine herrliche Zeit gewesen; er hatte ausgiebig die Ruhe genießen können und trotzdem war er nie lange alleine gewesen. Jetzt kamen die Leute allerdings jeden Tag von früh bis spät ohne Unterbrechung. Es war einfach zu viel!

Natürlich freute er sich, wenn er anderen bei ihren Problemen helfen konnte, und eigentlich bekam er ja auch gerne Besuch. Doch während er sich noch vor wenigen Monaten mit jeder Person lange hatte unterhalten können, herrschte mittlerweile ein solcher Andrang, dass er nicht einmal mehr Zeit hatte, die Namen seiner verschiedenen Besucher zu erfragen. Sie kamen zu Hunderten! Manchmal hatte er sogar das Gefühl, nicht genügend Zeit zum Atmen zu haben. Und diese wunderschönen, friedlichen Momente, alleine unter seinem Baum, gab es nur noch ganz selten.

Hinzu kam noch, dass er sich selbst überhaupt nicht für einen weisen Menschen hielt. Deshalb erschien es ihm umso seltsamer, dass so viele ihn förmlich mit „Herr“ anredeten und in langen Schlangen warteten, nur um kurz mit ihm sprechen zu können.

Wenigstens hatten bisher fast alle ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt, wenn sie wieder nach Hause gegangen waren. Doch in letzter Zeit häuften sich die Klagen von Besuchern, deren Erwartungen sich nicht erfüllten. Der kleine Buddha sagte ihnen zwar alles, was er wusste, und er erzählte ihnen auch immer die wundervollen Geschichten, die er auf seinen Reisen gehört hatte und die ihm selbst so sehr geholfen hatten. Doch trotzdem waren sie unzufrieden mit seinen Worten.

„Das wissen wir doch schon alles“, beschwerten sie sich, „du erzählst uns nichts Neues.“

„Und warum ändert ihr euer Leben nicht, wenn ihr schon längst wisst, wie es besser geht?“

Darauf folgte für gewöhnlich ratloses Schweigen. Natürlich waren seine Hinweise nicht neu, das hatte der kleine Buddha auch nie behauptet. Das Problem war jedoch nicht das Fehlen von neuen Weisheiten, sondern die bereits existierenden mussten in die Tat umgesetzt werden. Von alleine änderte sich schließlich nichts, da konnte man warten und jammern, so viel man wollte.

Viele seiner Besucher schienen das jedoch nicht zu verstehen. Oder vielleicht wollten sie es auch nicht verstehen.

Der kleine Buddha begann, über Veränderung nachzudenken. Warum fiel es den Menschen so schwer, sich zu ändern? Warum musste man sich überhaupt ändern? Warum konnte nicht jeder glücklich sein, einfach so, ohne sich zu ändern? Und wie würde die Welt wohl aussehen, wenn es keine Veränderung gäbe?

Unwillkürlich wanderten seine Gedanken zu seinem eigenen Leben. Vereinzelt gab es zwar noch schöne Momente unter seinem Baum, aber diese Momente wurden immer seltener. Er hatte kaum noch Zeit, um in Ruhe zu meditieren oder einfach nur den Himmel zu bewundern. Viel zu oft war er damit beschäftigt, mit anderen Leuten über ihre Probleme zu reden. Und ganz gleich, wie aufmerksam er zuhörte und wie viele Ratschläge er ihnen gab, einige Wochen später kamen die meisten mit denselben Problemen wieder zu ihm. Es war, als würde er sich im Kreis drehen. Und obwohl er es nur ungern zugab: Die Situation nervte ihn gewaltig!

Allerdings bezweifelte der kleine Buddha, dass der Grund für seine Unzufriedenheit einzig und allein in den Menschen lag, die sich nicht änderten. Wahrscheinlich musste er selbst irgendetwas in seinem Leben ändern ...

Schon seit Monaten saß er fast ununterbrochen an derselben Stelle und schenkte seine Zeit den vielen Menschen, die Hilfe suchten. Vielleicht war der Moment gekommen, sich wieder einmal selbst etwas Zeit zu schenken? Den Ort wechseln und neue Erfahrungen sammeln; Urlaub machen.

Der Sommer stand vor der Tür, konnte es einen besseren Zeitpunkt geben? Und womöglich würde er ja unterwegs auch lernen, warum es oft so schwer und doch so wichtig ist, sich zu ändern, und vor allem, warum es unvermeidbar ist.

Noch am selben Abend fasste er den Entschluss, in der Tat einfach wieder zu verreisen. Und von dem Moment an, als er diese Entscheidung getroffen hatte, fühlte er sich gleich viel befreiter und lebendiger. Obwohl er sich noch gar nicht auf den Weg gemacht hatte, spürte er bereits die Kraft der Veränderung.

Mitten in der Nacht stand der kleine Buddha auf und packte seine Sachen. Bevor er losging, schrieb er noch eine Nachricht an all die Menschen, die am nächsten Morgen vergeblich auf ihn warten würden. Er entschuldigte sich bei ihnen für sein plötzliches Verschwinden und versprach, auf jeden Fall zurückzukehren. Er wusste zwar nicht genau, wie lange er wegbleiben würde, aber irgendwann würde er wiederkommen, dessen war er sich sicher. Jedenfalls so sicher, wie sich ein kleiner Buddha eben sicher sein kann.

Als er alles vorbereitet hatte, legte er den Zettel mit der Nachricht auf den flachen Stein, dort, wo er normalerweise saß. Dann verabschiedete er sich von seinem alten Bodhi-Baum und begab sich zum dritten Mal in seinem Leben auf eine Reise.

Der lächelnde Bettler

Während das ganze Land noch tief und fest schlief, marschierte der kleine Buddha einem neuen Kapitel seines Lebens entgegen. Über ihm strahlten die Sterne und vor ihm lag das große Unbekannte, dunkel wie die Nacht. Was würde ihn wohl unterwegs erwarten? Welche Orte würde er kennenlernen, welchen Menschen würde er begegnen? Worüber würde er sich freuen und was würde ihm Kummer bereiten?

Er wusste bereits, dass eine Reise immer viele verschiedene und unvorhergesehene Erfahrungen mit sich bringt. Neben wunderschönen und manchmal sogar magischen Erlebnissen gehören zu einer Reise aber auch anstrengende, ermüdende, traurige oder schmerzhafte Momente und dann fragt man sich, warum man nicht lieber zu Hause geblieben ist. Doch diese Höhen und Tiefen sind nun einmal Teil einer Reise. Mehr noch: Es sind genau diese Höhen und Tiefen, die eine Reise so aufregend machen!

Der Grund, warum der kleine Buddha mitten in der Nacht losgegangen war, hatte mit den vielen Menschen zu tun, die ihn jeden Tag unter seinem Baum besuchten. Wenn er den Wartenden erst einmal in die Augen ­geschaut hatte, dann musste er auch versuchen, ihnen zu helfen. Er konnte gar nicht anders, es war wie ein Instinkt. Zwar wusste er, dass die Menschen auch ohne ihn ­klarkommen würden, aber trotzdem fiel es ihm schwer, ihnen den Rücken zuzukehren. Da die ersten Besucher immer früh am Morgen kamen, war es also das Beste gewesen, schon mitten in der Nacht aufzubrechen und so gar nicht erst in Versuchung zu kommen, sein Vorhaben zu verschieben. Denn genau das wäre ansonsten passiert und dann hätte er es womöglich nie geschafft, ein weiteres Mal zu verreisen.

Als es allmählich hell wurde, war er bereits einige Stunden Fußmarsch von seinem Zuhause entfernt. Sein Leben unter dem Baum hatte er vorerst zurückgelassen. Das Einzige, was er mitgenommen hatte, war eine Umhängetasche mit einer warmen Decke und etwas Proviant. Mehr brauchte er nicht. Er fühlte sich leicht wie eine Feder und freute sich riesig, wieder unterwegs zu sein. Völlig frei der aufgehenden Sonne entgegenzuwandern – konnte es etwas Schöneres geben?

Nach einiger Zeit erreichte der kleine Buddha dieselbe Kreuzung, an der er schon auf seinen ersten beiden Reisen vorbeigekommen war. Beim ersten Mal war er geradeaus gegangen, in Richtung der großen Stadt. Beim zweiten Mal hatte er sich von einem Schmetterling leiten lassen und war nach rechts abgebogen, gen Süden. Da er stets neugierig war und alles ausprobieren wollte, brauchte er überhaupt nicht zu überlegen, welchen Weg er dieses Mal einschlagen sollte. Er blickte noch einmal zurück, nahm einen tiefen Atemzug und ging dann frohen Mutes nach links.

Den ganzen Morgen über wanderte er ohne Pause an flachen Hügeln entlang und vorbei an ausgedehnten ­Feldern. Dabei summte er eine fröhliche Melodie und fragte sich, warum er eigentlich nicht jeden Tag einen so schönen Spaziergang machte. Es war doch so einfach, glücklich zu sein.

Gegen Mittag kam er in ein kleines Dorf. Überall herrschten Ordnung und Sauberkeit, das fiel ihm sofort auf. Jede Straße und jeder noch so kleine Pfad war frei von Blättern und Ästen, alle Hecken waren ganz gerade geschnitten und jedes Haus schien frisch gestrichen. Die Einwohner des Dorfes mussten sehr beschäftigt sein, um alles so gut instand zu halten.

Er schlenderte gemächlich an einigen Läden vorbei und hielt Ausschau nach einem geeigneten Ort, wo er sich eine Weile ausruhen konnte. Vor einer Bäckerei erblickte er einen älteren Mann, der auf dem Boden saß. Er hatte dünne Arme und dünne Beine, einen großen runden Kopf und einen dichten Vollbart. Ähnlich wie der kleine Buddha war er mit einem sehr einfachen Umhang bekleidet und Schuhe hatte er auch keine. Vor ihm stand ein Holzbecher mit einigen Münzen.

„Ich wünsche dir einen herrlichen Tag“, sagte der Mann.

Sofort blieb der kleine Buddha stehen.

„Das wünsche ich dir auch“, erwiderte er und sah den Mann dabei neugierig an. „Warum sitzt du hier?“, wollte er wissen.

„Ich habe momentan keine Arbeit und deswegen muss ich um Geld betteln, damit ich mir etwas zu essen kaufen kann. Du hast nicht zufällig ein paar Münzen übrig?“

„Nein“, sagte der kleine Buddha, der nie Geld bei sich trug. „Aber ich habe etwas zu essen. Wenn du willst, gebe ich dir die Hälfte ab.“

„Das wäre wunderbar“, freute sich der Mann.

Also nahm der kleine Buddha den wenigen Proviant, den er mitgebracht hatte, aus seiner Tasche und setzte sich neben den Bettler auf den Boden. Zusammen verspeisten sie das leckere Brot und die beiden Äpfel.

„Wieso hast du denn kein Geld? Warst du schon immer ein Bettler?“

„Nein, früher hatte ich ein großes Haus und war sehr reich.“

„Und wie kommt es, dass du jetzt auf der Straße lebst?“

Der Bettler zögerte einen Moment, bevor er antwortete.

„Ich habe Glück gehabt.“

„Du hast Glück gehabt?“, fragte der kleine Buddha erstaunt. „Du meinst Pech.“

„Nein, du hast mich schon richtig verstanden. Ich habe verdammt viel Glück gehabt!“

„Das verstehe ich nicht.“

Der Bettler lachte. Dann begann er zu erzählen:

„Früher habe ich als Gewürzhändler gearbeitet. Ich habe ganz besondere und wertvolle Gewürze eingekauft und sie dann an reiche Menschen weiterverkauft. Mein Geschäft lief hervorragend, so gut, dass ich jedes Jahr mehr zu tun hatte. Irgendwann hatte ich überhaupt keine Zeit mehr für andere Dinge, weder für Freunde noch für mich selbst, aber dafür hatte ich mehr Geld, als ich mir je erträumt hatte. Und ich wollte immer mehr haben! Eines Tages bekam ich dann ein Angebot von einem Händler aus einem anderen Land. Es ging um eine große Lieferung der teuersten Gewürze der Welt – eine Gelegenheit, auf einen Schlag unglaublich viel Geld zu verdienen. Allerdings musste ich dafür mein ganzes Vermögen investieren, um die Ware einzukaufen. Nachdem ich ihm all mein Geld gegeben hatte, wartete ich auf die Lieferung. Und ich wartete und wartete und wartete ...“

„Und dann?“, fragte der kleine Buddha, bereits ahnend, dass die Geschichte kein gutes Ende genommen hatte.

„Dann habe ich irgendwann herausgefunden, dass ich von meinem Geschäftspartner betrogen worden war. Mein ganzes Geld war verloren! Alles, was ich besaß, alles, für das ich so viele Jahre so hart gearbeitet hatte, war weg!“

„Das tut mir leid“, sagte der kleine Buddha mitfühlend. „Und du hast wirklich gar nichts wiederbekommen?“

„Nichts! Und es kam noch schlimmer: Ich wurde schrecklich krank und konnte nicht mehr arbeiten. Danach dauerte es nicht lange, bis ich mein Haus verkaufen musste und so bin ich dann auf der Straße gelandet.“

Für eine Weile schwiegen beide. Eine ältere Frau kam aus der Bäckerei und warf ihnen einen abfälligen Blick zu, fast so, als wären sie lästiger Dreck.

„Und wieso sagst du, dass alles, so wie es passiert ist, ein Glück war?“, wollte der kleine Buddha wissen. „Du hast doch alles verloren, was du gehabt hast.“

„Ja, das ist richtig. Aber ich habe auch etwas gewonnen.“

„Ach ja? Was denn?“

„Zeit! Früher hatte ich viel Geld, aber ich musste ständig arbeiten. Heute habe ich zwar kein Geld mehr, aber dafür genügend Zeit, um das zu tun, was mich wirklich glücklich macht. Freunde besuchen, lange spazieren gehen oder einfach nur in Ruhe einen Sonnenuntergang anschauen.“

Der kleine Buddha verstand den Bettler nur allzu gut. Er liebte es ebenfalls, viel Zeit für all diese schönen Dinge zu haben. Allerdings fragte er sich auch, wie es wohl war, wenn man viel Geld hatte. Vielleicht war es ja ein großartiges Gefühl, reich zu sein.

„Wie ist das, wenn man viel mehr Geld hat, als man braucht?“

Der Bettler dachte einen Moment nach.

„In bestimmten Situationen kann es durchaus hilfreich sein, etwas mehr zu haben. Zum Beispiel, wenn man krank ist und einen Arzt bezahlen muss. Und natürlich ist es schön, sich ein leckeres Essen in einem Restaurant leisten zu können oder neue Kleidung oder gar ein großes Haus. Aber das Problem ist, dass man normalerweise sehr viel arbeiten muss, um viel Geld zu haben.“

Nun war es der kleine Buddha, der kurz nachdachte.

„Bestimmt gibt es aber auch Leute, denen ihre Arbeit viel Spaß macht und die nichts dagegen haben, wenn sie viel arbeiten müssen.“

„Sicher, die gibt es. Mir hat meine Arbeit ja auch Freude gemacht. Aber irgendwann habe ich fast nichts anderes mehr getan, weil ich besessen davon war, immer mehr Geld zu verdienen. Arbeiten, Essen, Schlafen – so sah mein Leben aus. Letzten Endes war der Preis, den ich für den Reichtum bezahlt habe, viel zu hoch.“

Genau in diesem Moment wurde die Tür der Bäckerei heftig aufgestoßen und ein Mann in weißem Kittel stürmte heraus. Es war der Bäcker und er schien nicht besonders gut gelaunt zu sein.

„Wir wollen hier keine Bettler haben! Na los, haut ab!“, schnaufte er wütend.

Der kleine Buddha war völlig entsetzt, schließlich saßen sie doch nur friedlich auf dem Boden und störten niemanden. Er wollte gerade etwas zu ihrer Verteidigung vorbringen, da sah er, wie der Bettler auf die unfreundlichen Worte des Bäckers mit einem Lächeln reagierte.

„Wir sind schon weg, kein Problem.“

Der Bettler erhob sich, nahm den Holzbecher mit den Münzen und lenkte seine Schritte die Straße hinunter. Mit einem Kopfnicken lud er den kleinen Buddha ein, ihn zu begleiten. Dieser warf dem Bäcker noch einen grimmigen Blick zu, dann folgte er dem Bettler die Straße entlang.