Das Egregore der Taube - Omraam Mikhaël Aïvanhov - ebook

Das Egregore der Taube ebook

Omraam Mikhael Aivanhov

0,0

Opis

"Auf welchen Frieden kann man hoffen, wenn der Mensch weiterhin den Keim politischer, sozialer und ökonomischer Konflikte in sich nährt: schlecht beherrschte Gier nach Besitz und Macht? Solange der Mensch sich nicht entschließt, in das Schlachtfeld seiner ungeordneten Gedanken und Gefühle einzugreifen, kann er keinen dauerhaften Frieden aufbauen. Sehr viele Menschen arbeiten gegenwärtig für den Frieden in der Welt. Aber im Grunde tun sie nichts, um den Frieden tatsächlich zu verwirklichen. Sie haben nie daran gedacht, dass zunächst alle Zellen ihres Körpers, alle Partikel ihres Physischen und psychischen Wesens den Gesetzen von Frieden und Harmonie folgen müssen, um den angestrebten äußeren Frieden ausstrahlen zu können. Die Menschen reden und schreiben über den Frieden, aber in sich nähren sie den Krieg, indem sie ständig gegen die eine oder andere Sache ankämpfen. Wie wollen sie da den Frieden Bringen? Der Mensch muss den Frieden zunächst in sich selbst, in seine Handlungen, Gefühlen und Gedanken herstellen, erst dann arbeitet er wirklich für ihn." Omraam Mikhaël Aïvanhov

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 132

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Über den Autor

Omraam Mikhaël Aïvanhov war ein großer spiritueller Meister, ein lebendiges Vorbild, ein »Überbringer des Lichts« und ein warmherziger, humorvoller Lehrer, der durch sein selbstloses, zugängliches und brüderliches Verhalten überzeugte.

Er strebte an, alle Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten – so wie ein Bergführer seine Kameraden sicher bis auf den höchsten Gipfel führt.

Das Gedankengut, das Omraam Mikhaël Aïvanhov verbreitet hat, bietet zahlreiche Methoden und einen klaren, begehbaren Weg zu größerer Vollkommenheit und mehr Lebensglück.

In wohltuend einfacher Sprache erklärt er alle wichtigen Zusammenhänge des Lebens und ist gerade bei den Fragen unserer heutigen Zeit wegweisend. Ob es um die Bewältigung des Alltags geht, um das Thema der Liebe und Sexualität oder um tiefgründige philosophische Themen – stets sind seine Antworten überraschend klar und hilfreich.

Kurzbeschreibung

»Viele Menschen behaupten heute, für den Frieden in der ganzen Welt zu arbeiten. Aber in Wirklichkeit tun sie nichts, um ihn tatsächlich herbeizuführen. Sie haben nie daran gedacht, dass zuerst einmal alle Zellen ihres Körpers, alle Teilchen ihres physischen und psychischen Wesens, nach den Gesetzen des Friedens und der Harmonie leben müssen, um den Frieden auszustrahlen, für den sie angeblich arbeiten. Während sie über den Frieden schreiben und in ihren Versammlungen darüber reden, nähren sie in ihrem Inneren den Krieg, denn sie kämpfen ständig gegen das eine oder andere an. Welchen Frieden können sie also bringen? Der Mensch muss den Frieden zuerst in sich selbst, in seinen Handlungen, Gefühlen und Gedanken verwirklichen. Erst dann arbeitet er wirklich für den Frieden.«

Omraam Mikhaël Aïvanhov

Inhaltsverzeichnis

Über den Autor

Kurzbeschreibung

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff »Egregore«

Kapitel 1: Ein besseres Verständnis des Friedens

Kapitel 2: Die Vorteile der Völkervereinigung

Kapitel 3: Aristokratie und Demokratie, Kopf und Magen

Kapitel 4: Vom Geld

Kapitel 5: Über die Verteilung des Reichtums

Kapitel 6: Kommunismus und Kapitalismus, zwei sich ergänzende Philosophien

Kapitel 7: Eine neue Auffassung von der Wirtschaft

Kapitel 8: Was jeder Politiker wissen sollte

Kapitel 9: Das Reich Gottes

Vom selben Autor – Reihe Gesamtwerke

Vom selben Autor – Reihe Izvor

Vom selben Autor – Reihe Broschüren

Copyright

Da Omraam Mikhaël Aïvanhov seine Lehre ausschließlich mündlich überlieferte, wurden seine Bücher aus stenographischen Mitschriften, Tonband- und Videoaufnahmen seiner frei gehaltenen Vorträge erstellt.

Der Begriff »Egregore«

Jede Vereinigung, jede religiöse, politische oder künstlerische Bewegung sowie jedes Land bilden ein »Egregore«. Das Egregore ist ein psychisches Wesen, das von den Gedanken, den Wünschen und dem Fluidum seiner Kollektiviät ausgeht, in der alle für dasselbe Ziel arbeiten. Zum Beispiel ist das Egregore von Frankreich der Hahn und das von Russland der Bär usw. Aber weder Hahn, noch Bär, noch Tiger oder Drache sind in der Lage, die Probleme der Welt zu lösen. Oft bekämpfen die Egregore sich in der feinstofflichen Welt. Manche Hellseher sehen diese Auseinandersetzungen und bald darauf bricht auf der Erde zwischen den Menschen ein Krieg aus. Deshalb müssen alle Menschen nun gemeinsam das Egregore der Taube bilden, das den Frieden bringt.

Omraam Mikhaël Aïvanhov

Kapitel 1: Ein besseres Verständnis des Friedens

Ich nahm einmal an einer öffentlichen Diskussion über den Frieden teil, an der mehrere angesehene, gebildete, intelligente, sympathische und sogar amüsante Persönlichkeiten teilnahmen. Ich erfuhr dort, dass der Frieden der wünschenswerteste Zustand für die ganze Menschheit sei, der Krieg hingegen das schlimmste aller Übel. Ich war wirklich begeistert und sagte mir: »Da man offenbar endlich begriffen hat, wie segensreich der Frieden ist, wird die Menschheit ganz bestimmt gerettet werden.«

Aber ich wollte trotzdem hören, wie es zu diesem Frieden kommen sollte. Mehrere Redner legten dafür Pläne vor. Der eine schlug vor, eine »Weltpolizei« zu schaffen, um die Länder am gegenseitigen Bekämpfen zu hindern. Schön und gut, aber wie soll man so etwas durchführen? Der Vorschlag erinnerte mich an eine Fabel von La Fontaine, in der die Mäuse beratschlagten, wie sie sich am besten vor der Katze schützen könnten. Nach langem Hin und Her machte die Mäuse-Älteste den Vorschlag, der Katze ein Glöckchen umzuhängen, damit man sie schon von Weitem hören könne. Diese fabelhafte Lösung wurde mit Beifall bedacht. Nur fand sich leider nie eine mutige Maus, die der Katze das Glöckchen umhängen wollte! Mit der Weltpolizei ist es genauso. Wo findet man eine internationale Truppe, die für diese Tätigkeit unparteiisch und ehrlich genug ist? Und wie könnte man sie allen Nationen aufzwingen?

Ein anderer Redner vertrat die Ansicht, dass der Frieden nur durch den Föderalismus verwirklicht werden könne und verlor sich in komplizierten Theorien, denen niemand richtig folgen konnte. Ein Dritter beschuldigte den Staat, seine Macht zu missbrauchen und die Bürger zu Sklaven zu machen... Nachdem ich mir noch verschiedene andere Referenten angehört hatte, musste ich einsehen, dass der Frieden nicht so bald kommen würde, denn niemand begreift ihn und niemand weiß, was er eigentlich bedeutet.

Diese Frage kann nur vom Standpunkt der Einweihung aus beantwortet werden, denn um den Frieden zu verwirklichen, muss man den Menschen sehr gut kennen. Ihr werdet sagen: »Ach, den Menschen kennen wir doch!« Nein, seine seelische Beschaffenheit mit seinen feinstofflichen Körpern und deren jeweils ganz verschiedene Bedürfnisse und Wünsche kennt man nicht. Vor allem kennt man den Menschen nicht so, wie wir ihn darstellen, mit seinen beiden Seiten, seinem niederen und seinem höheren Selbst, der Personalität und der Individualität. Also gut, solange man dieses Wissen nicht hat, wird es nie Frieden in der Welt geben, wie man es auch anpackt.

Gegenwärtig sieht man vor allem aufgehetzte Leute, die sich gegenseitig als Kriegsursache beschuldigen. Sie glauben, so für den Frieden zu wirken. Für die einen sind die Reichen die Schuldigen, für die anderen die Intellektuellen, die Politiker oder die Gelehrten. Die Gläubigen sehen in allen, die nicht ihrer eigenen Glaubensrichtung angehören, Ketzer, die die Menschheit ins Verderben stürzen; die Ungläubigen werfen den Gläubigen vor, sie seien Fanatiker... Bei näherer Betrachtung werdet ihr feststellen, dass jeder glaubt, durch die Beseitigung von etwas ihm Fremdem – entweder Dingen oder Menschen – den Frieden in der Welt wiederherstellen zu können. Aber gerade da täuscht man sich. Selbst wenn man heute Armeen und Waffen abschaffte, erfänden die Menschen morgen andere Mittel, um sich gegenseitig umzubringen. Der Frieden ist ein innerer Zustand, und man wird ihn nie durch Beseitigung irgendwelcher Äußerlichkeiten erlangen. Zuerst muss man in seinem Inneren die Kriegsursachen abschaffen.

Hier ein ganz einfaches Beispiel: Jemand macht sich eine üppige Mahlzeit mit Wurst, Schinken und Geflügel, die er reichlich mit gutem Wein begießt. Nach dem Essen sagt er sich: »So, jetzt suche ich mir ein stilles Plätzchen und ruhe mich aus.« Er findet tatsächlich ein ruhiges Eckchen, aber nun verspürt er eine gewisse Unruhe. Er greift nach einer Zigarette und raucht... Dann streckt er sich aus und denkt, dass er gerne auch eine nette Frau bei sich hätte. Und wo findet man eine? Beim Nachbarn, natürlich. Es gibt da zwar eine Mauer, aber das macht nichts. Er springt einfach darüber. Die Fortsetzung der Geschichte könnt ihr euch vorstellen... Von Frieden braucht man da natürlich nicht mehr zu reden!...

Frieden ist kein Zustand, der sich automatisch einstellt. Wenn ihr Frieden sucht, innerlich aber erregt oder unruhig seid, werdet ihr nie Frieden finden; denn er ist ein Ergebnis, eine Folgeerscheinung. Frieden bedeutet, dass alle äußeren und inneren Funktionen des Menschen völlig ausgeglichen und miteinander im Einklang sind. Man muss also Mittel und Wege kennen, die zum Frieden führen, und das ist eine ganze Wissenschaft.

Sobald der Mensch bestimmte Wünsche und Begierden in sich nährt, kann er – was immer er auch unternimmt – nicht mehr in Frieden leben, denn jetzt ist bereits der Keim der Unordnung in ihn gelangt. Nehmen wir zum Beispiel einen Dieb. Er muss sich ohne Unterlass vorstellen, was ihm alles zustoßen könnte, dass man ihn beobachtet, verhaftet und ins Gefängnis steckt... Er ist nie sicher, dass man ihn nicht gesehen hat, ob er Spuren hinterlassen oder durch irgendeine Bewegung seinen Diebstahl verraten hat. Er ist nicht mehr ruhig, er hat keinen Hunger mehr, kann nicht mehr schlafen und möchte sich nur noch verstecken.

Ein anderer hat sich Geld geliehen und versprochen, es zurückzugeben. Da er jedoch nicht imstande ist, sich einzuschränken, um die nötige Summe aufzubringen, gibt er sie nicht wieder zurück. Er wird nun von seinen Gläubigern verfolgt und weiß sich nicht mehr vor ihnen zu retten... Ein Dritter hat einem Freund harte, verletzende Worte gesagt und sich ihn zum Feind gemacht. Wieder einmal ist der Frieden auf und davon! Ich brauche keine weiteren Beispiele zu nennen, man könnte Hunderte finden. Ja, die Menschen beweisen immer wieder ein unerhörtes Talent, den Frieden zu verlieren. Wenn eine ganze Meute euch kläffend hinterherrennt, weil ihr Schulden habt, weil ihr gestohlen und etwas in Unordnung gebracht oder ein Versprechen nicht gehalten habt, wie wollt ihr dann Frieden finden? »Indem ich vor meinen Gläubigern fliehe«, werdet ihr sagen. Ja, bestimmt, aber wie könnt ihr den Gläubigern in eurem Inneren, der Unruhe und den Gewissensbissen entkommen, die euch verfolgen?... So zu argumentieren zeigt, dass es an echtem Wissen und an wahren Kenntnissen fehlt. Macht euch nichts vor, die Gedanken holen euch immer wieder ein.

Scheinbar ist es sehr leicht, den Frieden zu finden: Man braucht nur auf einen hohen Berg zu steigen, wo Stille und Einsamkeit herrschen. Aber selbst dort findet der Mensch den Frieden nicht. Warum? Weil er in seinem Kopf ein Radio mitgenommen hat. Ja, ein Radio, von dem er sich nie trennt und das ständig läuft... Was hört er da nicht alles! Oft ist es auf die Sender der Hölle eingestellt; die bringen natürlich auch Musik. Aber was für eine Musik, was für einen Lärm! Und das, obwohl er doch auf dem Gipfel von Ruhe und Stille umgeben ist! Ja, äußerlich ist alles ruhig, aber innerlich toben Gewitter und Sturm. Wie soll man da den Frieden finden?

Jeder weiß, dass der menschliche Körper zahlreiche Organe besitzt, die alle miteinander verbunden sind. Jedes Organ hat eine bestimmte Aufgabe, aber sie alle müssen in Einklang, in Harmonie miteinander sein, sonst gäbe es Unordnung und Dissonanzen, wie man dies in der Musik nennt. Der Mensch kann nur dann gesund und in Frieden leben, wenn all seine Organe selbstlos und uneigennützig für das Wohl des ganzen Körpers tätig sind. Aber diese Gesundheit und dieser Frieden sind erst ein rein physischer Zustand. Wer den Frieden der Seele und des Geistes finden will, muss höher aufsteigen. Alle Elemente des psychischen Organismus müssen wie die physischen Organe ebenfalls ohne Egoismus, Reibereien oder Voreingenommenheit im Einklang schwingen. Friede ist also ein höherer Bewusstseinszustand. Da er aber trotzdem von der Gesundheit unseres Organismus abhängt und weil die geringsten dort auftretenden Störungen die psychische Harmonie infrage stellen können, müssen physischer und psychischer Körper in völligem Einklang miteinander schwingen, damit der Friede sich vollständig einstellen kann.

Was man im Allgemeinen unter Frieden versteht, ist nicht der wahre Frieden. Wenn ihr einige Minuten oder Stunden lang weder Aufregung noch Unruhe verspürt, ist das noch kein Frieden, denn dieser Zustand ist nicht dauerhaft. Wenn der wahre Frieden sich erst in euch eingenistet hat, könnt ihr ihn nicht wieder verlieren. Ja, Frieden heißt nicht nur, sich eine Zeit lang wohl, ruhig und sorgenfrei zu fühlen. Frieden ist etwas viel Tieferes, viel Kostbareres... Frieden ist, wie ich schon sagte, ein Ergebnis. Wenn alle Musikinstrumente in einem Orchester perfekt gestimmt sind, wenn alle Musiker sich nach dem Dirigenten richten – den sie dank langer Zusammenarbeit gut kennen und lieben –, entsteht daraus eine außerordentliche Harmonie. Auch im Menschen bedeutet der Frieden eine Harmonie, eine völlige Übereinstimmung zwischen den Elementen, Kräften, Funktionen, Gedanken, Gefühlen und Handlungen.

Dieser tiefe, unbeschreibliche Frieden ist sehr schwer zu erreichen, weil man dazu viel Willenskraft, Geduld, Liebe und ein großes Wissen besitzen muss. Sobald der Schüler die Eigenschaften aller Elemente, Gedanken, Gefühle und Wünsche zu kennen und verstehen beginnt, damit er nichts mehr in sich aufnimmt, das seine innere Harmonie stören könnte, und wenn es ihm schließlich gelingt, alles, was nicht im Einklang schwingt, aus seinem Organismus auszuscheiden, dann erst findet er den Frieden.

Wenn ihr raucht, wenn ihr wahllos esst und trinkt, nehmt ihr gewisse schädliche Stoffe in euren Organismus auf, die krank machen. Ihr könnt dann keinen Frieden finden. Wie wollt ihr mit Zahnschmerzen, Durchfall oder Herzklopfen den Frieden erlangen? Ihr habt Stoffe in euch aufgenommen, die Verstopfungen oder Gärungen verursachen, und diese müssen jetzt ausgeschieden werden. Das gleiche Gesetz gilt im psychischen Bereich. Solange ihr die Beschaffenheit eurer Gefühle, Gedanken, Wünsche, Leidenschaften und Triebe nicht kennt, sie aber einatmet und euch von ihnen nährt, ohne zu wissen, ob sie euch guttun oder schaden, werdet ihr nie den Frieden finden.

Frieden ist also die Folge eines umfassenden Wissens über die Beschaffenheit der Elemente, von denen der Mensch sich auf den verschiedenen Ebenen nährt. Neben diesem Wissen braucht man natürlich – wie ich schon sagte – große Wachsamkeit und einen starken Willen, damit keine störenden Elemente eindringen. Gerade deshalb legen die Eingeweihten so viel Wert auf die Reinheit, weil sie seit Langem erkannten, dass sie bei der geringsten Unreinheit in ihrem physischen Körper, ihren Gefühlen oder Gedanken sofort den Frieden verloren.

Ich sagte es eben: Frieden ist die Folge einer Harmonie zwischen allen Elementen, aus denen der Mensch besteht: Geist, Seele, Verstand, Herz, Wille und Leib. Und weil diese Elemente nur selten im Einklang schwingen, ist es schwer, den Frieden zu erlangen. Jemand hat klare und weise Gedanken, wird aber von seinem Herzen, in das sich ein niederes Gefühl eingeschlichen hat, zu Dummheiten verleitet. Ein anderer hat die besten Absichten, aber sein Wille ist lahm. Wie sollte er bei derartigen Widersprüchen den Frieden finden? Den Frieden kann der Mensch erst zuallerletzt erlangen. Erst wenn er nach allen möglichen Leiden und Kämpfen, Niederlagen und Siegen endlich seine göttliche Natur über die aufständische, lärmende niedere Natur siegen lässt, kann er den Frieden finden. Bis dahin erlebt er vielleicht wunderbare Augenblicke, die aber nicht von Dauer sind. Deshalb hört man viele Menschen sagen: »Ich habe meinen Frieden verloren.«

Den tatsächlichen, wahren Frieden kann man unmöglich verlieren. Es mag von Zeit zu Zeit einige Unruhen geben, aber sie sind nur oberflächlich. Im tiefen Innern herrscht Frieden, wie beim Meer, dessen Oberfläche ständig durch Wellen und Schaumkronen in Bewegung ist, aber weit unter der Oberfläche herrscht in der Tiefe Frieden. Wenn ihr den wahren Frieden erlangt habt, können äußere Erschütterungen euch nicht mehr beunruhigen. Ihr fühlt euch geschützt wie in einer Festung. In Psalm 91 heißt es: »Du, oh Herr, bist meine Zuflucht, den Höchsten hast du zum Schutz dir erwählt.« Diese Zuflucht ist das höhere Selbst. Wenn es euch gelingt, diesen Punkt zu erreichen, die höchste Stufe unseres Seins, dann lernt ihr den Frieden kennen. Dieser Friede ist eine göttliche, unbeschreibliche Empfindung. Aber bevor ihr diesen Zustand erreicht, müsst ihr zahlreiche Siege über eure niederen Triebe davontragen!

Folglich herrscht dann Frieden, wenn alle Elemente und Faktoren, aus denen der Mensch besteht, in Harmonie, in absolutem Einklang schwingen. Aber ich möchte noch hinzufügen, dass diese Harmonie nur dann möglich ist, wenn alle Elemente geläutert sind. Wenn sie nicht im Einklang schwingen, haben sich Unreinheiten eingeschlichen. Wenn jemand etwas gegessen hat, das ihm nicht bekommt, fühlt er sich unwohl und reizbar. Aber wenn er ein Abführmittel nimmt, geht es wieder besser! Die Unreinheiten zerstören den Frieden. Wer also den Frieden erlangen will, muss an seiner Läuterung arbeiten und alle Schadstoffe loswerden, die Verstand, Gemüt und Willen hindern, gut zu funktionieren. Ein wahrer Eingeweihter hat nur eines begriffen: Das Wesentlichste ist, rein zu werden, so rein wie ein Gebirgssee, ein Kristall, der blaue Himmel oder das Licht der Sonne... Mit dieser Reinheit kann er alles andere erlangen. Natürlich ist es gar nicht so einfach, die Reinheit herbeizuführen. Aber man sollte sie wenigstens begreifen, dann sie lieben und mit allen Fasern seines Wesens herbeisehnen und schließlich versuchen, sie zu verwirklichen.