Belinda wird zur heißen Hexe - A. F. Morland - darmowy ebook

Belinda wird zur heißen Hexe ebook

A. F. Morland

0,0

Opis

REDLIGHT STREET #14 von A. F. Morland Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten. Die bildhübsche Belinda stammt aus einer armen Familie und hat nur einen Traum: Berühmt zu werden. Doch ihr verführerischer Körper verleitet die Männer dazu, sich ihrer zu bedienen, ohne jemals eine wirkliche Gegenleistung zu erbringen. Belinda nimmt ihr Leben selbst in die Hand und benutzt ihren Körper als Zahlungsmittel, um endlich ihren Wunsch zu verwirklichen. Doch in der großen Stadt New York kommt alles anders.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 119

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



A. F. Morland

Belinda wird zur heißen Hexe

Redlight Street #14

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Belinda wird zur heißen Hexe

REDLIGHT STREET #14

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten.

 

Die bildhübsche Belinda stammt aus einer armen Familie und hat nur einen Traum: Berühmt zu werden. Doch ihr verführerischer Körper verleitet die Männer dazu, sich ihrer zu bedienen, ohne jemals eine wirkliche Gegenleistung zu erbringen. Belinda nimmt ihr Leben selbst in die Hand und benutzt ihren Körper als Zahlungsmittel, um endlich ihren Wunsch zu verwirklichen. Doch in der großen Stadt New York kommt alles anders.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Die Hauptpersonen:

Belinda Moore – bildhübsches Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, muss immer wieder ihren Körper einsetzen, um weiterzukommen.

Raquel Bishop – ehemalige Dirne in New York, muss sich in der Kleinstadt verstecken und gibt Belinda wertvolle Tipps.

James Martin – Edellude in New York, führt ein nobles Etablissement und ist trotzdem nur ein Rädchen im Verbrechersyndikat.

1

Ihre Jungfräulichkeit hatte Belinda mit dreizehn Jahren verloren. Das war typisch für diese Gegend, typisch für arme Leute, die keinen Job und kein Geld hatten, die aber doch auch irgendwie leben mussten.

Es war auch typisch, dass Belinda von einem Mann defloriert worden war, der ihr Vater hätte sein können, denn er hatte ihr dafür Geld gegeben, und die Jungs in ihrem Alter besaßen keines.

Damals war Belinda noch flach wie ein Brett gewesen, doch das hatte Herb Weller, den Untermieter, nicht gestört. Kein Busen, kein Po, magere Beine – aber Weller hatte sie begehrt.

Mit den Augen hatte er sie täglich verschlungen – zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendbrot, das er mit der Familie einnahm, und wenn es niemand merkte, berührte er sie ganz schnell und ganz heimlich.

Hinterher grinste er wie ein kleiner Dieb, der sich eine Kostbarkeit unter den Nagel gerissen hatte. Belinda dachte nicht gern an ihn zurück.

Er war es nicht wert, dass man sich an ihn erinnerte. Immer war er unrasiert gewesen, und sein besudeltes Unterhemd hatte penetrant nach Schweiß gerochen.

Heute noch hatte sie manchmal diesen unangenehmen, aufdringlichen Geruch in der Nase. Nach fünf Jahren wusste sie immer noch, wie Herb Weller damals gerochen hatte.

Seine Ausdünstung würde sie wohl bis an ihr Lebensende verfolgen. Damals war die Familie noch vollzählig gewesen; das heißt, Belindas Vater – nutzlos und häufig betrunken – hatte noch zu Hause gewohnt.

Wo er heute wohnte, wusste sie nicht. Sie wusste nicht einmal, ob er noch lebte. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sie zugeben, dass es sie auch nicht sonderlich interessierte.

Ihr Vater, das war für sie nur noch ein Name, den man zu nennen hatte, wenn einen die Behörden danach fragten. Wie es ihm ging, wurde in keinem Formular vermerkt, also brauchte sie es auch nicht zu wissen.

Damals, kurz nach ihrem dreizehnten Geburtstag – geschenkt hatte ihr keiner etwas und Vater hatte ihr nicht einmal gratuliert –, hatte Herb Weller sie auf seine Knie gezogen.

Seine großen Hände waren überall gewesen. Vor allem dort, wohin sie nicht gehörten. Sein Gesicht hatte sich stark gerötet, und er hatte so schwer geatmet, als wäre er sehr schnell und sehr weit gelaufen.

Belinda hatte seine Aufregung nicht verstanden. Ihre beiden Brüder Geoffrey und Albert hatten das winzige Haus eine halbe Stunde zuvor verlassen und würden erst in zwei Stunden wiederkommen, das stand fest.

Belindas Mutter half einer alten Frau im Haushalt und würde den ganzen Nachmittag außer Haus verbringen. Wo Vater war, wusste Belinda nicht. Die Gelegenheit war für Weller denkbar günstig.

Er ließ sie auch nicht ungenützt. Mit einer Stimme, die ihm wohl auch selbst fremd war, fragte er: »Hast du irgendeinen Wunsch, Belinda?«

»Wünsche habe ich mehr als Geld«, antwortete sie wahrheitsgetreu.

Sein Zeigefinger strich über ihre Wirbelsäule. »Was würdest du sagen, wenn ich dir Geld geben würde?«

»Wofür?« Trotz ihrer Jugend wusste sie, dass im Leben nichts umsonst war.

»Dafür, dass du ein bisschen nett zu mir bist. Du könntest dir ein Kleid kaufen.« Als sie nicht sofort anbiss, fügte er hinzu: »Und ein kleines Geschenk für deine Mutter und deine Brüder wäre auch noch drin. Warst du schon mal mit einem Jungen zusammen?«

»Nein, Mr. Weller.«

»Du darfst mich Herb nennen«, sagte der Untermieter. Schweiß glänzte auf seiner Stirn. Er schob ihr unansehnliches Kleid über die dünnen Schenkel hoch. Mutter hatte das Kleid für sie geschenkt bekommen. Es gefiel ihr nicht, aber sie besaß kein anderes.

Im Schaufenster des Kaufhauses war eines ausgestellt, das sie täglich bestaunte. Sie drückte sich an der Scheibe die Nase platt, konnte es mit geschlossenen Augen beschreiben.

Es war himmelblau, mit weißen Rüschen an den Ärmeln, und der Kragen wirkte irgendwie ... flott. Ja, flott. Ein anderer Ausdruck fiel ihr dafür nicht ein.

Dieses Kleid hätte sie auf einmal haben können. Sie brauchte nur zu tun, was Herb wollte. Er grinste sie an.

»Du hast noch nie mit einem Jungen herumgespielt?«, fragte er zweifelnd. »Das glaube ich dir nicht.«

»Es ist aber so.«

»Alle Kinder spielen mal Doktor. Man untersucht hier und dort – man sieht sich alles sehr genau an.«

»Hab’ ich nie getan.«

»Würdest du ... Würdest du mit mir .. .« Er schluckte heftig. »… Doktor spielen? Ich kann dir sehr viel beibringen, Belinda. Ich bin erfahren. Es wird dir gefallen.«

»Bekomme ich jedes Kleid, das ich will?«

»Jedes.«

»Und Geld für kleine Geschenke?«, fragte Belinda.

»Ich hab’s versprochen«, krächzte Herb Weller.

Sie nickte. »Okay.«

Er riss begeistert die Augen auf. »Heißt das, du bist mit meinem Vorschlag einverstanden?«

Sie nickte wieder.

»Dann komm«, sagte er hastig, als würde er befürchten, dass sie es sich wieder anders überlegte.

Er hatte ein Zimmer für sich allein. Zimmer war eigentlich zu viel gesagt es war ein Loch, in dem ein Bett und ein Schrank standen. Mehr Platz war nicht.

Aber er wohnte darin allein, während alle anderen nebenan in einem Raum schliefen, der nur unwesentlich größer war.

Damals verkaufte sich Belinda zum ersten Mal, ohne dass es ihr so recht bewusst wurde. Sie sah es anders: Sie tat Herb Weller einen Gefallen, und er zeigte sich dafür erkenntlich.

Die Armut prägt das Leben eines Menschen. Entweder lernt er, die wenigen Chancen, die sich ihm bieten, zu nützen, oder er bleibt ewig ein Hungerleider.

In seinem Zimmer zog Herb das schwarzhaarige Mädchen aus, und sie wurde zum ersten Mal von einem Mann geküsst. Richtig geküsst! Das war ganz anders, als wenn ihre Brüder oder ein gleichaltriger Junge es taten.

Da war die Zunge im Spiel, sie drängte sich zwischen Belindas Lippen, zwischen die Zähne und erforschte kreisend ihre Mundhöhle. Und wieder berührte der Mann sie überall.

Als er sich dann auch entkleidete, staunte Belinda. Er sagte ihr, was sie tun solle, und sie gehorchte. Es gefiel ihm. Sie machte ihn mit ihren kleinen schlanken Händen fast verrückt, und dann …

Als es vorbei war, wusste sie, dass Herb gelogen hatte. Er hatte behauptet, es würde ihr gefallen, aber das stimmte nicht. Sie hatte die ganze Zeit ein bisschen Angst gehabt.

Und dann der kurze, aber heftige Schmerz. Nein, gefallen hatte es nur ihm. Sehr zufrieden lag er im Bett. Jetzt keuchte er nicht mehr. Er war ruhig, ein beinahe verklärter Ausdruck hatte sich über seine Züge gebreitet.

»Das bleibt natürlich unser Geheimnis«, sagte er. »Du erzählst niemandem davon. Und sobald ich meinen nächsten Lohn kriege, wiederholen wir unser schönes kleines Spielchen, ja?«

»Meinetwegen.«

»Du wirst sehen, beim nächsten Mal wird es dir ebenfalls Spaß machen.«

Auch das war eine Lüge. Es gefiel ihr mit Herb Weller weder beim nächsten noch beim übernächsten Mal. Aber sie sagte nie nein, wenn er mit den Scheinen winkte.

Ihre Brüder wurden misstrauisch, als Herb Weller anfing, Belinda ständig irgend etwas zu schenken. Dass auch immer etwas für sie abfiel, machte sie nur noch argwöhnischer.

Eines Tages erwischten sie ihre Schwester mit dem Untermieter in flagranti, worauf sie Belinda den nackten Hintern versohlten und Herb Weller zum Teufel jagten.

Heute war Belinda achtzehn, und Geoffrey und Albert waren nicht mehr so sittenstreng wie früher.

2

Geoffrey trat an den Gasherd und hob den Deckel vom Kochtopf. Er rümpfte die Nase.

»Schon wieder Kartoffeln. Wir hatten sie gestern und vorgestern die ganze Woche gab’s nur Kartoffeln, sonst nichts.«

»Du solltest froh sein, dass du überhaupt satt wirst«, erwiderte seine Mutter, eine abgearbeitete, ernste Frau.

Von Rita Moores Schönheit war nicht viel geblieben. Sie hatte sich für ihren Mann und die drei Kinder abgerackert, ohne jemals zu klagen.

Sie sah es als ihr Los an. Dagegen konnte sie nichts tun. Sie hatte sich schon lange damit abgefunden. Rita Moore war noch nicht einmal vierzig, aber sie sah um zehn Jahre älter aus. Was zu viel Arbeit aus einem Menschen machen kann.

Dabei war sie einmal so hübsch gewesen wie ihre Tochter Belinda. Wo war die Zeit?

»Andere Leute essen saftige Steaks, Hähnchen, Gänse ... Und ich soll mich über Kartoffeln freuen«, maulte Geoffrey und ließ den Deckel auf den Topf fallen.

»Andere Leute bringen Geld nach Hause, du aber bist arbeitslos und liegst den ganzen Tag auf der faulen Haut«, sagte Rita Moore.

»Was kann ich dafür, dass niemand einen Job für mich hat? Albert und Belinda finden auch nichts.«

»Albert kommt wenigstens gelegentlich irgendwo unter. Er bemüht sich, was man von dir leider nicht behaupten kann. Und wenn du endlich mal Arbeit findest, leistest du dir eine große Lippe, damit du am nächsten Tag schon wieder in hohem Bogen hinausfliegst.«

»Ich weiß, worauf du anspielst, Mutter.«

»Du könntest immer noch in diesem Lager arbeiten, wenn du den Mund gehalten hättest.«

»Ich lasse mich nicht ausnützen. Die verlangten, dass ich Überstunden mache, aber bezahlen wollten sie nichts dafür.«

»Das können sie mit Geoffrey Moore natürlich nicht machen.«

»Sehr richtig.«

»Da arbeitest du lieber gar nicht und meckerst über die Kartoffeln, die ich dir vorsetze. Du bist wie dein Vater. Der hatte auch ein gestörtes Verhältnis zur Arbeit.«

Es blitzte ärgerlich in Geoffreys Augen. Er wollte nicht mit seinem Vater verglichen werden.

»Ich bin nicht wie Vater!«, begehrte er zornig auf. »Ich würde meine Familie nie im Stich lassen.«

»Wenn man’s genau nimmt, hat er uns damit einen Gefallen getan. Ein Esser weniger.«

»Weißt du, was ich tun würde, wenn ich ihm zufällig begegnen würde? Ich würde ihm Grüße bestellen – von uns allen – mit meinen Fäusten.«

»Damit würdest du nichts ändern.«

»Aber es wäre eine Genugtuung für mich. Vater ist ein gewissenloser Schurke, der sich vor jeder Verantwortung drückt. Wie konntest du nur auf ihn hereinfallen, Mutter?«

Rita Moore zuckte mit den Schultern. »Ganz einfach. Ich habe mich in ihn verliebt. Es war sehr schön am Anfang. Wir waren zwar arm, aber trotzdem glücklich. Es war ein wunderbarer Traum.«

»Und als du aufwachtest, hattest du drei Kinder, dein Mann soff wie ein Loch und hatte keine Arbeit. Mir wäre das an deiner Stelle nicht passiert.«

»Das verstehst du nicht, Geoffrey. Du bist ein Mann. Männer denken mit dem Kopf, Frauen mit dem Herzen, und das finde ich schöner.«

Geoffrey winkte ab. »Ach, mit dir kann man ja nicht reden.«

Er verließ das Haus. Die Moores wohnten am Rand einer kleinen Stadt im amerikanischen Mittelwesten. Jeder von ihnen hatte den Wunsch, von hier fortzugehen, in eine Großstadt zu ziehen, wo auch der kleine Mann bessere Lebensbedingungen vorfand.

So malten sie es sich wenigstens aus, aber niemand von ihnen hatte den Mut, wirklich seinen Ranzen zu schnüren und abzuhauen. Wohl aus Angst davor, in der großen Stadt unter die Räder zu kommen.

Sie wollten sich eine herbe Enttäuschung ersparen, deshalb blieben sie in ihrer Kleinstadt und ernährten sich weiterhin von den spärlich abfallenden Brosamen jener, denen es besser ging als ihnen.

Vor dem Haus stand eine Bank. Die Krone eines alten Kastanienbaums spendete reichlich Schatten. Geoffrey ließ sich auf die Bank fallen und streckte die Beine weit von sich.

Da das Haus auf einer kleinen Anhöhe stand, konnte Geoffrey die Stadt überblicken. Oft schon hatte er hier gesessen und sich gefragt, wieso es so vielen Menschen besser ging als ihm.

Er machte anscheinend irgend etwas falsch. Hatte seine Mutter recht? War er nicht besser als Vater? Es gab einen neuen Supermarkt. Vielleicht konnte man da noch einen kräftigen Regalbetreuer gebrauchen. Geoffrey nahm sich vor, am Nachmittag nachzufragen. Hoffnung hatte er nicht viel, denn er hatte gehört, dass das Personal komplett war. Aber vielleicht war irgendjemand abgesprungen, krank geworden, hatte etwas Besseres gefunden …

»Hast du dich geärgert?«, fragte plötzlich jemand neben ihm.

Es war Belinda. Er hatte sie nicht kommen hören. Jetzt hob er den Kopf und schaute zu ihr hoch.

»Lass mich in Ruhe«, sagte er unfreundlich.

»Du kommst dir wohl wieder einmal nutzlos vor.«

»Was geht das dich an?«

»Sei doch nicht so bissig«, sagte Belinda und setzte sich neben ihn.

»Verschwinde. Ich will allein sein.«

»Diese Bank gehört der ganzen Familie. Ich kann mich draufsetzen, wann immer ich will«, erwiderte Belinda trotzig.

»Meine Güte, hast du einen frechen Schnabel.«

»Genau wie du.«

»Du legst es wohl drauf an, dass ich ihn dir verbiege.«

Belinda strich sich eine Strähne ihres schwarzen Haares aus dem Gesicht. Sie hatte keine Angst vor ihrem Bruder. Hunde, die bellen, beißen nicht.

In letzter Zeit war Belinda zu einer taufrischen Schönheit aufgeblüht. Sie hatte einen großen, hübschen Busen, eine schmale Taille und schwellende Hüften.

Wenn sie die wiegte, pfiffen die Männer ihr nach. Die unverheirateten, die sich das noch erlauben durften. Die verheirateten warfen ihr heimlich gierige Blicke zu.

»Wir wollen die Friedenspfeife rauchen, großer Bruder, okay?«, schlug sie vor. »Sag mir, was dir über die Leber gelaufen ist.«

»Ach, es kotzt mich an …«

»Was?«

»Einfach alles. Diese Stadt, dieses Leben. Ich möchte endlich mal Geld haben, mir etwas leisten können – neue Schuhe, einen schicken Anzug, ein Auto ... Ich möchte mal in ein Restaurant gehen, eine dicke Zigarre rauchen und mich die Speisenkarte rauf und runter essen. So lange, bis mir schlecht ist. Weißt du, was wir heute zu Mittag kriegen? Wieder einmal Kartoffeln. Ich kann sie schon nicht mehr sehen. Wenn ich mal gut verdiene, kommen mir keine Kartoffeln mehr auf den Tisch, das schwöre ich dir.«

Am Nachmittag kam Albert nach Hause, und er brachte eine kleine Sensation mit: In der Büstenhalterfabrik war eine Stelle freigeworden.

»Das wäre doch etwas für dich, Belinda«, sagte er. »Du hast geschickte Hände, kannst nähen, bist fleißig.«

»Du musst dich sofort bewerben, mein Kind«, sagte Rita Moore. »Endlich hat jemand von uns einen fixen Job.«

»Ich habe ihn noch nicht, Mutter.«

»Aber du bekommst ihn. Schon aufgrund deines Aussehens«, sagte Rita Moore überzeugt. »Eine Arbeitskraft wie dich lassen die sich doch nicht entgehen. Albert, an wen muss sie sich wenden?«

»Der Personalchef heißt Barry Lancaster«, antwortete Albert. »Er hat sehr viel in der Fabrik zu sagen. Sein Wort hat Gewicht.«

»Hast du mit ihm gesprochen?«, fragte Rita Moore.

»Ich habe ihm von Belinda erzählt.«

»Und?«

»Er ist bereit, sie sich anzusehen.«

»Er wird dich nehmen«, sagte Rita Moore. »Du gehst am besten gleich zu ihm. Mach dich ein wenig zurecht. Du kannst Männer beeindrucken. Du weißt, worauf es ankommt. Du hast das gewisse Etwas, Belinda. Mister Lancaster wird dich mit Handkuss aufnehmen. Sei freundlich zu ihm, aber lass ihn nicht merken, wie dringend du den Job brauchst. Behandle ihn ein bisschen von oben herab – aber nicht zu sehr, damit er sich nicht ärgert. Die Sache erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl, aber darüber verfügst du ja.«

Geoffrey grinste. »Willst nicht lieber du zu Barry Lancaster gehen, Mutter?«