Atlan 654: Phantom an Bord - Peter Terrid - ebook

Atlan 654: Phantom an Bord ebook

Peter Terrid

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Es geschah im April 3808. Die endgültige Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern, vollzog sich in Bars-2-Bars, der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis. Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird. Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen und sich mit deren Rätseln und Schrecken auseinanderzusetzen. Doch auf der SOL wächst der Widerstand gegen Atlans weitere Pläne. Dieser Widerstand manifestiert sich vor allem in Zelenzo, dem Verschwörer. Er ist das PHANTOM AN BORD ...

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Nr. 654

Phantom an Bord

Der Verschwörer erscheint

von Peter Terrid

Es geschah im April 3808. Die endgültige Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern, vollzog sich in Bars-2-Bars, der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis.

Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird.

Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen und sich mit deren Rätseln und Schrecken auseinanderzusetzen.

Doch auf der SOL wächst der Widerstand gegen Atlans weitere Pläne. Dieser Widerstand manifestiert sich vor allem in Zelenzo, dem Verschwörer.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan und Bjo Breiskoll – Der Arkonide und der Katzer sollen ermordet werden.

Bruce Vanloo – Ein Attentäter.

Zelenzo – Ein Phantom an Bord der SOL.

Han Kinner – Ein Mitwisser wird beseitigt.

Eldar Sonnersy

1.

Wohlig räkelte sich Bjo Breiskoll in der geräumigen Wanne. Nach zwei Stunden eines intensiven, kräftezehrenden Trainings tat das heiße Wasser den strapazierten Muskeln wohl.

Es gab verschiedene Trainingseinrichtungen an Bord des Riesenschiffs. Wenn Bjo es für ratsam hielt, seine Kondition zu prüfen oder notfalls zu verbessern, suchte er gerne eine der weniger frequentierten Institutionen auf, zum einen, da er dann wesentlich intensiver üben konnte, zum anderen, weil er etliche Male scheele Blicke abbekommen hatte. Für einen normalen Solaner musste es ein bedrückender Anblick sein, wenn Bjo sich bewegte – die Kraft und auch Geschmeidigkeit, die Bjo auszeichnete, brachte ein normaler Mensch nicht zuwege.

Über den Servoautomaten ließ Bjo noch etwas heißes Wasser nachfließen. Auf der Oberfläche des Wassers trieben Schaumflocken; Bjo hatte das Wasser mit einem durchblutungsfördernden Mittel anreichern lassen. Das half, den Muskelkater zu vermeiden.

Bjo war in dem Trainingscenter nicht allein. Zwei Räume weiter – Bjo hatte es routinemäßig festgestellt – wuchtete ein athletischer Mann zentnerschwere Gewichte hoch. Dreißig Meter entfernt tummelte sich eine Schar Jugendlicher im Schwimmbassin. Bjo forschte oberflächlich herum und empfing telepathische Impulse der Freude, in einem Fall ein Hauch von Verliebtheit, gepaart mit einem Schuss Eifersucht.

Bjo unterbrach den Kontakt. Er wusste, dass viele Menschen eine ungeheure Furcht vor Telepathen hatten. Das lag weniger an dem Telepathen selbst, sondern vielmehr an der Furcht des Opfers, der Telepath könnte womöglich die grausigsten Scheußlichkeiten in der Tiefe des Unbewussten aufspüren.

Was die Jugendlichen, die von Bjos kurzem Kontakt ohnehin nichts hatten spüren können, nicht wussten, war die Tatsache, dass auch ein Telepath ein menschliches Wesen war und schon im ureigensten Interesse die Privatsphäre eines jeden Menschen respektierte.

Wenn Bjo in dem Trainingscenter ab und zu herumlauschte, dann nur, um zu wissen, wer sich in seiner Nähe herumtrieb und wie der Betreffende grundsätzlich gestimmt war. In weitem Umkreis um das Trainingscenter gab es niemanden, dessen Gedanken von offener Aggressivität geprägt waren. Bjo konnte seine Mußestunde ruhig fortsetzen.

Eine Viertelstunde lang blieb er noch in dem heißen Bad, dann kletterte er aus der Wanne und stapfte nackt hinüber zum Massagerobot. Er legte sich auf den körperwarmen Massagetisch.

»Los!«, sagte Bjo, auf dem Bauch liegend. Die Maschine erwachte zum Leben und begann, Bjos Muskulatur langsam und systematisch durchzukneten. Bjo seufzte wohlig.

Er wusste, dass er auch in der nächsten Zeit nicht sehr oft Gelegenheit haben würde, solche Stunden zu erleben. Vor den Solanern, allen voran dem Team um Atlan, lagen gewaltige Aufgaben, und wie immer würde die Lösung dieser Probleme mit Gefahren und Anstrengungen verbunden sein. Auch ein Nicht-Telepath konnte erspüren, dass etwas in der Luft lag. Öfter als früher bekam Bjo auf den Gängen und Laufbändern der SOL mürrische oder verdrießliche Gesichter zu sehen, und viele der Blicke, mit denen er bedacht wurde, waren eher skeptisch als freundlich.

»Aua!«, entfuhr es Bjo. »Pass auf!«

Der Robot hatte einen verspannten Muskel ertastet und begann ihn nun gründlich zu lockern. Das war der weniger angenehme Teil der Prozedur, aber auch er war nötig.

Die Hände des Robots waren mit einer warmen Plastikmasse überzogen, so dass die Massage sich anfühlte, als würde sie von einem kräftigen Menschen durchgeführt. Bjo stieß Laute des Behagens aus.

Er war geistig und körperlich entspannt – aber er hatte seine Reflexe nicht verloren.

Der Angriff kam zwar überraschend, und jeder andere hätte keine Chance mehr gehabt – für ein Wesen mit der Reaktionsschnelligkeit eines Bjo Breiskoll kam die Attacke zu langsam.

Er spürte die Robothände am Hals, und Bjo bewegte sich sofort.

Bevor sich die Robotpranken um seinen Hals schließen konnten, war Bjo bereits ein Stück zur Seite geglitten. Andere Massagehände schoben sich nach vorn und griffen zu. Bjo schlängelte sich mit unglaublicher Schnelligkeit und Geschmeidigkeit zur Seite.

Einen Sekundenbruchteil zu spät. Eine Hand schloss sich um sein linkes Fußgelenk und hielt es eisern umklammert. Bjo wusste, dass er mit Körperkraft gegen diesen Griff nicht ankam.

Er drehte sich herum, damit er die Maschine sehen konnte, die ihn zu ermorden plante. Ein Robot, der zu einem regelrechten Angriff auf einen Menschen ansetzte, war nicht defekt, sondern mit großer Sicherheit gründlich umprogrammiert worden.

Bjo sah sofort, dass er nur eine Chance hatte. Wenn er den Knopf erreichen wollte, mit dem er den Automaten ausschalten konnte, musste er der Maschine geradewegs in die öltriefenden Pranken geraten – einen anderen Weg gab es nicht.

Bjo zögerte nicht. Er schnellte nach vorn.

Die Maschine, auf normalmenschliche Bewegungen programmiert, reagierte zu spät. Bjo brachte den Oberkörper nach vorn, die Hände, die ihn fassen sollten, griffen ins Leere.

Bjo streckte den rechten Arm aus. Seine Fingerspitzen berührten den Knopf, aber er hatte die Kraft nicht, ihn in die Fassung zu drücken. Ein weiteres Händepaar griff zu und erwischte Bjos linken Arm.

An zwei Punkten unerbittlich umklammert, musste Bjo die abenteuerlichsten Verrenkungen durchführen, um nicht gänzlich in die Gewalt der Maschine zu geraten.

Er warf den Oberkörper hin und her. Immer wieder versuchte der Robot, nach Bjo zu schnappen, aber er erwischte ihn nicht.

Der feige Attentäter, der den Robot umprogrammiert hatte, hatte noch einen zweiten Fehler gemacht – er hatte vergessen, dass zum Massageprogramm gehörte, dass der Robot Massageöl verwendete. Die Hände waren daher glatt und konnten nicht richtig zupacken – das allein gab Bjo noch eine kleine Chance.

Das Herumzappeln strengte an. Bjo spürte Schmerzen in Armen und Beinen. Er gab nicht auf. Seine Augen, die bei aller Kraftanstrengung des Körpers sorgfältig den Raum erforschten, landeten bei einer Nachfüllflasche für das Massageöl.

Bjo schnappte nach Luft.

Wenn dieser Versuch misslang, war er verloren – denn jetzt konnte er seinen Hals vor den Robothänden nicht mehr in Sicherheit bringen. Bjo bewegte sich nach vorn.

Er bekam die Flasche zu packen, im gleichen Augenblick, in dem sich die stählernen Pranken des Robots um seinen Hals legten. Er spürte die glatte Oberfläche der Flasche in seiner rechten Hand, und er spürte den mörderischen Druck auf seiner Gurgel.

Bjos rechter Arm bewegte sich. Die Flasche flog durch die Luft. Trotz seiner Bedrängnis brachte Bjo es fertig, genau zu zielen. Die Flasche traf den Knopf.

Im gleichen Augenblick erstarrte der Robot. Bjo stieß den Atem aus.

Jeder andere hätte jetzt um Hilfe gerufen und sich bemüht, den Klammergriffen zu entgehen. Bjo hingegen bemühte sich vorrangig darum, die Kontrolle über seine Körperfunktionen zurückzugewinnen – vor allem über seine Atmung.

Die Klammer um seinen Hals saß elend eng. Wenn er in dieser Lage herumtobte und seine Kräfte vergeudete, reichte die Atemluft nicht aus, ihn bei Besinnung zu halten. Bjo musste mit dem Sauerstoff so haushälterisch umgehen wie jene indischen Fakire, von denen er einmal gelesen hatte, dass sie Tage in einem hermetisch verschlossenen Kasten verbringen konnten.

Bjos Nervenstärke bewährte sich einmal mehr – und im Stillen bedankte er sich bei Atlan. Der Arkonide, der in mehr als zehn Jahrtausenden Erfahrungen aller Art gesammelt hatte, hatte ihm einige hervorragende Tricks verraten, wie man sich selbst in kritischen Lagen beruhigen konnte.

»Uff!«, machte Bjo.

Sein Atem ging jetzt sehr langsam und flach. Die Muskulatur war völlig entspannt und verbrauchte so wenig Atemluft.

Die Berechnung ging auf. Es reichte knapp. Bjo schätzte, dass er auf diese Weise eine halbe Stunde Zeit hatte, bis er in den Pranken der Maschine ohnmächtig wurde. Er lag mit dem Gesicht nach unten – wenn er die Besinnung verlor, würde er sich selbst durch das Gewicht seines Körpers ersticken.

Bjos Augen suchten den Raum ab. Sie musterten jeden Quadratzoll. Seine Waffe war außer Reichweite, desgleichen der Interkomanschluss. Die kurze Prüfung ergab, dass Bjo völlig auf sich selbst gestellt war.

Bjo schloss die Augen. Er spürte nach den Gedanken der Menschen in der Nähe.

Der Athlet im Kraftraum beendete gerade sein Training. Er wollte danach zwei Durchgänge in der angeschlossenen Sauna machen. Bis er – wenn überhaupt – den Baderaum betrat, würde eine Stunde vergehen.

Der nächste. Ein junger Mann am Rand des Schwimmbeckens. Er hatte zwar vor, sich um einen Mitmenschen zu kümmern, und das so intensiv wie möglich, aber dabei handelte es sich nicht um Bjo, sondern um die Brünette, die gerade auf dem Sprungbrett stand. Der junge Mann hatte Angst, einen Korb zu bekommen.

Bjo wechselte den Kontakt. Er spürte nach der Brünetten, fand sie und stellte fest, dass der junge Mann keinen Korb bekommen würde – die Brünette hatte schon seit Tagen ein Auge auf den jungen Mann geworfen und wartete nur darauf, angesprochen zu werden. Und wenn der junge Mann das nicht binnen fünf Minuten selbst besorgte, wollte sie die Initiative übernehmen.

Bjo war nervenstark genug, in diesem Augenblick innerlich zu grinsen über die satanische Ironie der Umstände – während er einen lautlosen Kampf mit dem Tod führte, wurde ein paar Schritte entfernt nur an Schmuserei gedacht.

Bjo fand noch zwei andere Menschen in dem Trainingscenter. Auch von ihnen war keine Hilfe zu erwarten.

»Narr«, schalt er sich selbst. Es gab andere Möglichkeiten. Schließlich gab es außer ihm noch andere Telepathen an Bord. Auch von dort war keine Hilfe zu holen – sie schliefen.

Blake, erinnerte sich Bjo. Er fand den Mann mit dem gefahrensensiblen Magen wach – aber Blake war so damit beschäftigt, mit seinen Töchtern herumzubalgen, dass er das leichte Ziehen in der Magengrube nicht bewusst wahrnehmen konnte.

Bjo schätzte, dass er fünf Minuten damit vertan hatte, nach Hilfe zu suchen. Es blieben noch knapp zwanzig Minuten, sich selbst zu helfen.

Sein Blick fiel auf den Robot. Die Klappe, durch die man das Innenleben der Maschine erreichen konnte, lag vor seinen Augen in Reichweite. Bjo streckte, den rechten Arm aus.

Ganz langsam und ruhig atmen, ermahnte er sich selbst. Langsam öffnete er die Klappe. Jede Körperbewegung kostete Kraft und vor allem Luft. Bjo spürte, dass er am ganzen Leib schwitzte.

Die Platte fiel zur Seite – und Bjo stieß trotz der Atemnot einen wütenden Fluch aus.

Der geheimnisvolle Attentäter hatte vorgesorgt. Er hatte eine Sprengladung oder eine Thermit-Haftladung in den Roboter platziert.

Bjo verfolgte mit den Augen die Leitungen von der Sprengkapsel aus in den Robot hinein. Er musste anerkennen, dass der Attentäter seine Arbeit nicht schlecht gemacht hatte.

Der Schurke war gewitzter und heimtückischer, als Bjo angenommen hatte. Es war geradezu ein Glücksfall, dass er keinen telepathischen Kontakt bekommen hatte.

Wäre das gelungen, wären binnen kurzem Freunde zur Stelle gewesen – Federspiel, Atlan, vielleicht noch andere. Und bei dem Versuch, Bjo aus den Pranken des Robots zu befreien, wäre die Ladung hochgegangen – sie hätte nicht nur Bjo getötet, sondern jeden im Raum.

Für lange Spekulationen blieb Bjo nicht viel Zeit. Er musste handeln. Die Sekunden tickten weg, und Bjo spürte, dass er nicht mehr sehr lange würde durchhalten können.

Was konnte er nun tun?

An der Sprengladung herumzuhantieren, verbot sich von selbst. Wahrscheinlich war der Zünder so eingestellt, dass die Ladung bei der geringsten Manipulation hochging. Die Verbindung zwischen der Ladung und den robotischen Gliedmaßen zu durchschneiden hätte vermutlich die gleich tödliche Wirkung gehabt.

Nach einigem Nachdenken fand Bjo eine Lösung – allerdings eine Lösung, deren Risiken Bjo blass werden ließen.

Es gab im Innern des Robots eine Vorrichtung, mit der man die Zugriffshärte der Knethände verstellen konnte. Diesen Wert auf Null zu bringen und sich so zu befreien, wagte Bjo nicht – auch das hätte die Ladung hochgehen lassen können. Er musste einen möglichst geringen Wert einstellen.

Dazu aber musste er in seiner verdrehten Körperlage blindlings in den Robot hineingreifen – mit allen Risiken, die damit verbunden waren.

Aber selbst dann war er noch lange nicht frei. Der Robot war desaktiviert; die Klammern blieben daher so, wie sie zuletzt eingestellt waren. Bjo rechnete aber damit, dass der Robot so programmiert war, wie er es gewohnt war – das bedeutete, dass er beim Wiedereinschalten zunächst einmal die Glieder in Nullstellung bringen würde. Danach mussten die Krallen wieder zuschnappen – allerdings nicht mehr so erbarmungslos hart und schnell.

Bjo wusste, dass er das Äußerste an Reaktionsschnelligkeit würde erreichen müssen, damit er diese winzige Zeitspanne zum Entkommen verwenden konnte.

Sein Atem ging schwer. Er wusste, es blieb nicht mehr viel Zeit – und das Herumfingern im Innern der Maschine würde eine unglaubliche Menge Kraft kosten.

Er streckte den Arm aus und begann, im Innenleben des Robots herumzutasten. Er spürte Kabel und Gelenke, Drähte und Schalter. Er bekam eine Skala unter die Fingerspitzen.

Bjo konzentrierte sich. Er versuchte, die winzigen eingravierten Buchstaben zu entziffern. Wenn er den falschen Regler erwischte, war alles vorbei – für einen zweiten Versuch hatte Bjo weder Luft noch Zeit.

Bjo keuchte. Es war der richtige Regler. Jetzt musste er ihn nur noch auf einen kleinen Wert einstellen. Ein wenig nach rechts.

Bjo schrie auf.

Er hatte einen stromführenden Leiter berührt, gerade noch rechtzeitig die Hand zurückzucken lassen.

Dennoch jagte ein Stromstoß durch seinen Körper und ließ die Muskeln verkrampfen. Bjo keuchte, die Luft blieb ihm weg.

Ein paar Sekunden noch, mehr blieb ihm nicht. Schon flimmerte es vor seinen Augen.

Schnell schob er die Hand wieder in den Robot, fand den Regler, drehte ihn – hoffentlich weit genug. Bjo hielt den Atem an.

Heraus mit dem Arm, die Abdeckplatte gefasst, und dann das Blech gegen den Hauptschalter. Bjo hatte nicht mehr die Zeit, genau zu zielen – er musste sich darauf verlassen, dass sein Körper von sich aus richtig zielte.

So etwas war möglich. Anhänger der Zen-Philosophie übten jahre-, wenn nicht jahrzehntelang, bis sie beispielsweise die Kunst des zielsicheren Bogenschießens selbst in völliger Dunkelheit beherrschten.

Bjo hatte keine Zeit, sich innerlich auf diese Aufgabe vorzubereiten, sich zu sammeln, von allen äußeren Einflüssen abzulenken. Er musste einfach treffen, und er hatte nicht einmal die Zeit, den Erfolg abzuwarten.

Noch während er die Platte warf, schnellte er sich aus den Klammern heraus.

Traf er daneben, musste er sich bei diesem Rettungsversuch selbst erwürgen.

2.

»Wenn es dir nicht passt, kannst du dich auf die eigenen Beine stellen. Hast ja zwei Stück davon.«

»Sehr witzig!«, gab Eldar zurück. Diese altmodischen Spruchweisheiten seines ehrenwerten Erzeugers gingen ihm ganz schön auf den Geist. Als ob er nicht genau gewusst hätte, dass Eldar gar nicht in der Lage war, selbständig zu leben. Wozu war eine Familie schließlich da, auch wenn es ein kaputter Haufen war.

Eldar starrte seinen Vater an.