Atlan 191: Die Prinzessin und der Sonnenträger - Peter Terrid - ebook

Atlan 191: Die Prinzessin und der Sonnenträger ebook

Peter Terrid

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Opis

Sie flüchtet von Arkon - um der Liebe willen Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die auf Terra dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Herrschaft antreten zu können. Gegen den Usurpator kämpft Gonozals Sohn Atlan, Kristallprinz und rechtmäßiger Thronerbe des Reiches, mit einer stetig wachsenden Zahl von Getreuen, die Orbanaschols Helfershelfern schon manche Schlappe beibringen konnten. Mit dem Tage jedoch, da der Kristallprinz Ischtar begegnet, der schönen Varganin, die man die Goldene Göttin nennt, scheint das Kriegsglück Atlan im Stich gelassen und eine Serie von empfindlichen Rückschlägen begonnen zu haben. Jedenfalls wird Atlan - bislang der Jäger - zum Gejagten, der oftmals Mühe hat, den Fallen, die man ihm stellt, unbeschadet zu entkommen. Doch blenden wir um zu Atlans Gegenspieler, dem Imperator, der im Kristallpalast auf Arkon I residiert. Orbanaschol, der gerade die Nachricht über das Debakel von Trantagossa erhalten hat, entschließt sich, Chergost, den jungen Sonnenträger, an den Ort der Katastrophe zu entsenden. Orbanaschol will sich des jungen Offiziers entledigen, denn er hat die Affäre zwischen Chergost und Crysalgira entdeckt - die Affäre: DIE PRINZESSIN UND DER SONNENTRÄGER ...

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Nr. 191

– ATLAN exklusiv Band 52 –

Die Prinzessin und der Sonnenträger

Sie flüchtet von Arkon – um der Liebe willen

von Peter Terrid

Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die auf Terra dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Herrschaft antreten zu können.

Gegen den Usurpator kämpft Gonozals Sohn Atlan, Kristallprinz und rechtmäßiger Thronerbe des Reiches, mit einer stetig wachsenden Zahl von Getreuen, die Orbanaschols Helfershelfern schon manche Schlappe beibringen konnten.

Mit dem Tage jedoch, da der Kristallprinz Ischtar begegnet, der schönen Varganin, die man die Goldene Göttin nennt, scheint das Kriegsglück Atlan im Stich gelassen und eine Serie von empfindlichen Rückschlägen begonnen zu haben.

Jedenfalls wird Atlan – bislang der Jäger – zum Gejagten, der oftmals Mühe hat, den Fallen, die man ihm stellt, unbeschadet zu entkommen.

Doch blenden wir um zu Atlans Gegenspieler, dem Imperator, der im Kristallpalast auf Arkon I residiert. Orbanaschol, der gerade die Nachricht über das Debakel von Trantagossa erhalten hat, entschließt sich, Chergost, den jungen Sonnenträger, an den Ort der Katastrophe zu entsenden.

Die Hauptpersonen des Romans

Crysalgira – Eine Prinzessin ergreift die Flucht.

Orbanaschol III. – Der Imperator von Arkon erhält schlechte Nachrichten.

Chergost – Ein junger Held von Arkon.

Grothmyn – Versorgungsmeister Orbanaschols.

Textor – Ein Pirat von Krassig.

Alfert Torpeh – Kommandant eines Piratenstützpunkts.

Bel Etir Baj

1.

Klirrend zersprang das Kristallglas an der Wand, die Scherben klingelten auf den marmornen Boden. Interessiert betrachtete der Mann das Muster, das von dem grünlichen Likör gebildet wurde, der langsam an der weißen Säule herunterlief.

»Man sollte eine neue Kunstrichtung schaffen!«, murmelte der Mann. »Keine Personen mehr, keine Sachverhalte, nur noch Farben auf farbigem Hintergrund, vielleicht geometrisch durchstrukturiert, aber nicht mehr!«

»Ich werde Euren erhabenen Ratschlag demnächst der Akademie unterbreiten!«, sagte Grothmyn sofort.

Orbanaschol III. lachte. Es war ein unangenehmes, schrilles Lachen, das einen Unvorbereiteten meist zusammenzucken ließ. Allerdings gab es in Orbanaschols Nähe keinen Unvorbereiteten, weil jeder wusste, dass der Diktator dieses Zusammenzucken mit einer anderen Bewegung prompt beantworten ließ – dem Herabzucken eines Henkerschwertes.

»Was verstehst du von Kunst, Grothmyn?«, kicherte Orbanaschol.

»Zu wenig, um mich mit Eurer Erhabenheit messen zu können!«, antwortete der Angesprochene sofort und zog sich vorsichtshalber katzbuckelnd einen Schritt zurück.

Orbanaschol lachte wieder, dann fiel sein Blick auf den Robot, der sich ihm langsam mit einen Tablett näherte. Der Diktator war zwar kein ausgesprochener Freund von Bedienungsmaschinen, aber ihm erschien das Risiko, einem Attentat zum Opfer zu fallen, durch diese Maßnahme wesentlich verringert.

»Ah!«, rief Orbanaschol genießerisch. »Es gibt etwas zu essen. Lass mich raten, was es ist!«

Er nahm mit den Fingern ein Stück Fleisch von dem Kristallteller, tauchte es kurz in die Soße und schob sich dann das große Stück in den Mund. Dass Soße auf sein prunkvolles Gewand tropfte, störte ihn nicht.

»Schnecken!«, stellte er schmatzend fest. »Und zwar von Zalit, aus dem Südmeer! Ich würde sagen, vor einem halben Tag an der Küste von Abbalt gefischt!«

Grothmyn gab, hinter dem Diktator stehend, das Zeichen für den allgemeinen Beifall.

»Die Zunge Eurer Erhabenheit«, drechselte der Mann, »ist nur dem Analysevermögen des Chemischen Zentrallabors zu vergleichen!«

Orbanaschol grinste selbstgefällig und gab mit einer gönnerhaften Handbewegung das Zeichen zum Beginn des Festmahls. Rasch eilten die Mädchen von Zalit in den Saal und trugen die Speisen auf. Zaliterinnen waren die neueste Mode im Kristallpalast, ihre kupferfarbenen Haare kontrastierten angenehm mit dem Weiß der Arkonidenhaare.

»Die Soße schmeckt allerdings, als habe der Koch ein paar zerstampfte Naats daruntergerührt!«, setzte Orbanaschol seine Analyse fort. Die Zyklopen vom fünften Planeten des Arkon-Systems rührten kein Glied, als eine Welle des Gelächters über sie hereinbrach. Sie waren bereits den merkwürdigen Humor ihres Gebieters gewöhnt. Sie standen starr und aufrecht zwischen den Säulen und hielten ihre überschweren Waffen, mit denen normalerweise Kampfrobots ausgerüstet wurden, ständig schussbereit. Jedem der mehr als fünfhundert Gäste des Imperators war klar, dass ein Zeichen Orbanaschols genügte, um die Naats in Mordmaschinen zu verwandeln, die ohne das geringste Zögern den Saal in ein Schlachthaus verwandelt hätten.

Außer den Naats und dem Imperator selbst trug niemand im Saal eine Waffe. Orbanaschol war ein vorsichtiger Mann; er wusste nur zu gut, wie einfach es war, einen Imperator zu töten. Schließlich hatte er selbst den Thron nur durch Mord erreichen können. Wie vorsichtig Orbanaschol war, merkte Grothmyn, als der Imperator merkte, dass sein Versorgungsmeister hinter ihm stand. Grothmyn trat sofort nach vorne, als er den kleinen Impulsstrahler bemerkte, den Orbanaschol auf ihn gerichtet hatte.

»Verzeihung, Eure Erhabenheit!«, murmelte der Mann unterwürfig.

»Tu das nicht noch einmal!«, gab Orbanaschol leise zurück. »Du weißt, dass ich es nicht mag, wenn ich jemanden nicht sehen kann!«

»Es wird nicht wieder vorkommen!«, sagte Grothmyn demütig.

Orbanaschol wollte noch etwas sagen, als ein Mann langsam nähertrat. Das Ärmelabzeichen wies ihn als Kurier aus. Er überreichte dem Imperator eine schmale Karte, die Orbanaschol hastig überflog. Grothmyn sah, wie der Imperator erbleichte, und sofort verfärbte sich auch sein Gesicht. Wie fast jeder im Saal, war auch er vollkommen von Orbanaschol abhängig. Starb der Imperator, so würde Grothmyn das Ende seines Herren nur um ein paar Stunden überleben.

»Lasst den Mann ein!«, befahl Orbanaschol. Seine Handbewegung verriet seine Erregung, und das gedämpfte Murmeln im Saal erstarb sofort.

Es dauerte nur wenige Minuten, dann stand der Bote vor dem Imperator und machte seine unterwürfige Ehrenbezeigung.

»Was höre ich da?«, fragte Orbanaschol, noch bevor der Mann mit seiner Verbeugung fertig war. Deutlicher hätte er seine Erregung nicht zeigen können, als mit diesem offenen Bruch mit den peinlich genau zu befolgenden Regeln der Etikette. »Trantagossa ist gefallen?«

Die Männer im Saal sprangen auf, ein Gewirr erregter Stimmen klang durch den Saal. Jeder wusste, was diese Nachricht bedeutete. Der Flottenstützpunkt war zwar nicht gerade das Herz des Imperiums, aber wer auch immer es geschafft hatte, Trantagossa anzugreifen und erfolgreich zu sein, hatte sein Schwert zu einem tödlichen Hieb erhoben.

»So ist es, Eure Erhabenheit!«, berichtete der Bote. »Die Maahks haben den Stützpunkt angegriffen. Sie konnten ihn zwar nicht erobern, aber als Stützpunkt ist Trantagossa für sehr lange Zeit ausgefallen!«

»Wo steckt Amarkavor Heng?«, schrie Orbanaschol wütend auf. »Habe ich ihn zum Kommandeur von Trantagossa gemacht, damit er vor ein paar Maahkschiffen kapituliert?«

»Der Kommandeur ist verschollen!«, gab der Bote bekannt. »Amarkavor Heng ist nicht auffindbar!«

»Was heißt nicht auffindbar?«, keifte der Imperator. »Irgendwo muss er doch stecken! Ist er geflohen, ist er tot?«

»Das wird sich wohl nicht mehr feststellen lassen!«, sagte der Bote ruhig. Er hatte den Ausdruck in den Augen des Imperators gesehen und wusste genug. »Die Maahks haben eine neue Waffe eingesetzt. Sie lässt Menschen immer kleiner werden, bis sie endgültig verschwinden!«

Bei diesen Worten schien der Imperator in seinem Sessel bereits zusammenzuschrumpfen. Fassungslos starrte Orbanaschol den Mann an, man konnte sehen, wie ihn die Furcht beschlich. Von einer solchen Waffe hatte man noch nie gehört, und gegen Waffen, die man noch nicht kannte, gab es schwerlich Gegenmittel. Orbanaschol erkannte rasch, welch eine Bedrohung sich hinter dem Bericht des Boten verbarg.

»Es waren schätzungsweise siebzehntausend Schiffe«, erzählte der Kurier, »die von den Methanatmern eingesetzt wurden. Der Angriff war offenbar von langer Hand sehr sorgfältig vorbereitet worden! Die Besatzung von Trantagossa wurde von dem Angriff überrascht!«

»Überrascht!«, schrie Orbanaschol schrill auf. »Überrascht! Wofür unterhalte ich eigentlich einen Nachrichtendienst? Wieso kennen wir nicht die wichtigsten Stützpunktwelten der verfluchten Maahks? Schläft unser Geheimdienst?«

Der Mann, der langsam nähertrat, war bleich; er wusste, dass ihn jetzt jedes falsche Wort den Kopf kosten konnte.

»Eure Erhabenheit!«, begann der Arkonide; der Vertreter des Nachrichtendienstes vermied es, in Orbanaschols kleine, verschlagene Augen zu sehen. »Es ist außerordentlich schwierig, Nachrichten vom Gegner zu beschaffen!«

»Ihr werdet auch ausgezeichnet bezahlt!«, zischte Orbanaschol und beugte sich leicht vor. »Verglichen mit dem, was Ihr leistet, werdet Ihr entschieden zu gut bezahlt! Ich hätte nicht übel Lust ...«

Orbanaschol verstummte und schien den Geheimdienstmann mit Blicken zerstückeln zu wollen. Ihm schien zu dämmern, dass er auf solche Männer angewiesen war, wenn er seinen Thron behaupten wollte. Jetzt, da eine unübersehbare, den Bestand des Imperiums bedrohende Gefahr von außen zu erkennen war, musste sich der Imperator innenpolitisch zurückhalten. Das wusste Orbanaschol, und nur darum verzichtete Orbanaschol darauf, den Mann auf der Stelle verhaften und in den Konverter werfen zu lassen.

»Unsere Stützpunkte müssen wesentlich besser bewacht werden!«, knurrte der Imperator schließlich. »Ich erwarte eine verstärkte und vor allem verbesserte Aufklärung! Wo ist der Befehlshaber der Aufklärer, die Trantagossa zu schützen hatten?«

»Tot, Eure Erhabenheit!«, fauchte der Kurier. »Er starb im Gefecht gegen die Maahks!«

»Um so besser für ihn!«, fauchte Orbanaschol. Erregt sprang er auf und begann im Saal hin und her zu wandern. »Sonst hätte ich ihn jetzt töten lassen!«

Sein Blick wanderte über die Schar seiner Gäste. Fast alles, was im Arkonidenimperium Rang und Namen hatte, war versammelt, und die Männer warteten mit versteinerten Gesichtern darauf, dass sich der Diktator aus ihren Reihen das Opfer suchen würde. Irgend jemand würde für die Wut und Erregung des Imperators mit dem Leben büßen müssen. Fraglich war nur, wer als Blitzableiter zu dienen hatte. Den Männern war auch klar, dass der Imperator Angst hatte, und dass Orbanaschol sich dieser Gedanken seiner Untergebenen bewusst war, stand ebenfalls fest. Die Tatsache, dass Orbanaschol ein ausgemachter Feigling war und dass seine Männer dies wussten, konnte den Imperator nur noch mehr reizen.

»Ich will Chergost sehen!«, entschied Orbanaschol schließlich und ließ sich wieder in seinen Sessel fallen. »Sofort!«

Die Männer im Saal unterdrückten ein erleichtertes Aufatmen, es hätte ihren Gebieter nur unnötig gereizt. Allerdings wurden erstaunte Blicke gewechselt, man begriff nicht, wie Orbanaschol ausgerechnet auf den jungen Chergost verfallen war. Erst als Orbanaschols Gesichtszüge einen etwas entspannteren Ausdruck annahmen, begriffen die Gäste, dass der junge Offizier nicht herbeizitiert wurde, um als Spielzeug für Orbanaschols grausame Launen zu dienen.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis Chergost den Saal betrat. Er gab am Eingang seine Waffe ab und schritt aufrecht durch die Reihen der Gäste, die mehr oder minder respektvoll zur Seite traten, um ihm Platz zu machen.

Die Karriere des jungen Mannes hatte an Bord eines Versorgungsschiffes begonnen, das es fertiggebracht hatte, sich gegen eine siebenfache maahksche Überlegenheit durchzukämpfen. Anschließend war Chergost befördert worden, und bevor noch die Urkunden und Rangabzeichen bei ihm eingetroffen waren, war sein Name schon wieder in sämtlichen Nachrichten aufgetaucht. Chergosts erkennbarer Ehrgeiz war bislang auf kein Hindernis gestoßen, er hatte einen komentenhaften Aufstieg hinter sich, und wenn er sich weiter auszeichnete, würde ihn nichts von hohen und höchsten Staatsämtern fernhalten können. Der junge Mann war sich seines Rufes bewusst, das zeigte das Selbstvertrauen, mit dem er Orbanaschol entgegenging. Auch seine Verbeugung fiel nicht ganz so demutsvoll aus, wie viele Männer am Hofe es für erforderlich hielten.

»Ich freue mich, dich hier zu sehen!«, meinte Orbanaschol; er betrachtete das Abzeichen, das Chergost als Sonnenträger auswies. »Hast du gehört, was mit Trantagossa geschehen ist?«

»Ich wurde informiert, Eure Erhabenheit!«, sagte der junge Mann ruhig. »Eine üble Niederlage, aber noch nicht der Untergang des Imperiums!«

Man konnte Orbanaschol ansehen, dass ihm diese Worte gefielen. Selbstverständlich bezog er Chergosts Ausspruch auf seine Regierung, nicht auf die Umsicht und Tapferkeit seiner Untergebenen, was der Wahrheit wesentlich nähergekommen wäre.

»Ich habe dich ausersehen, Chergost, mit einem starken Flottenaufgebot nach Trantagossa zu fliegen und dort wieder Ruhe und Ordnung herzustellen!«, gab Orbanaschol bekannt. »Ich will wissen, ob sich der Stützpunkt wieder funktionstüchtig machen lässt; außerdem muss der Schuldige an dieser Katastrophe gefunden und hart bestraft werden!«

Der Befehl sagte klar und deutlich für jenen Kenner des Imperators, dass es dem Diktator ziemlich gleichgültig war, wer letztlich der Schuldige an dem Desaster von Trantagossa war, oder ob es überhaupt einen Menschen gab, den man für diese Niederlage hätte verantwortlich machen können. Ein Schuldiger musste her, und jedermann wusste, dass sich solche Leute immer und in jedem Fall finden ließen. Wehe dem Arkoniden, der in dieses Mahlwerk geriet; ehe er sich's versah, war er als Hochverräter vor Gericht gestellt, abgeurteilt und gehenkt. Und es würde die Aufgabe des jungen Chergost sein, einen solchen Hochverräter zu beschaffen, gleichgültig, um wen es sich dabei handelte.

Im Hintergrund des Saales holte ein Mann hörbar Luft. Vielleicht handelte es sich um einen persönlichen Feind Chergosts oder um einen Mann, der der Karriere des jungen Sonnenträgers gefährlich zu werden vermochte. Dann schwebte er jetzt in höchster Lebensgefahr. Wenn es Chergost einfiel, einen seiner Gegner zum Sündenbock für das Trantagossa-Desaster zu stempeln, würde es der Betreffende schwer haben, diesen Verdacht wieder von sich abzulenken.

Irgendein zynischer Flottenoffizier hatte die Gastmähler bei Orbanaschol einmal mit dem Ausdruck arkonidisches Roulett versehen und damit den Nagel auf den Kopf getroffen. In einem höchst gefährlichen Spiel, dessen unberechenbarer Würfel Orbanaschols Launen waren, wurden Gewinne und Nieten verteilt, über Aufstieg und Absturz, wenn nicht Hinrichtung, entschieden.

Einen Volltreffer hatte jetzt Chergost in der Hand. Mit Sicherheit würde Orbanaschol den jungen Mann mit umfassenden Vollmachten ausstatten. In jedem Fall würde seine Machtvollkommenheit ausreichen, sich den weiteren Weg an die Führungsspitze des Imperiums freizumachen, nötigenfalls über die Henker des Imperiums.

»Eure Erhabenheit ...!«, begann der junge Mann, er wurde bleich und stockte.

»Sprich!« Orbanaschol lächelte sogar. »Was kann ich für dich tun, Chergost?«

»Ich erbitte Bedenkzeit, Eure Erhabenheit!«, stotterte der junge Mann.

Orbanaschol runzelte verärgert die Brauen. Eine solche Bitte war unerhört. Befehle des Imperators wurden grundsätzlich ohne Verzug ausgeführt, Widerspruch war nicht möglich.

Chergost sah den Blick des Imperators auf sich ruhen und wechselte wieder die Gesichtsfarbe. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Minutenlang starrte Orbanaschol den jungen Mann an, dann nickte er langsam.

»Gewährt!«, sagte er schließlich knapp. »Du kannst dich zurückziehen!«

Chergost verbeugte sich tief und verschwand schleunigst, ohne sich um die Blicke zu kümmern, die im Saal getauscht wurden. Orbanaschol grinste, als er den jungen Mann verschwinden sah.

»Ich will unserem Geheimdienst eine letzte Chance geben!«, sagte er laut. »Natürlich hat Chergost keine Angst vor meinem Auftrag, er ist nicht ohne Grund Sonnenträger!«

»Ein kleiner Leutnant hat nicht viel zu verlieren!«, bemerkte eine spöttische Stimme. »Ein Sonnenträger schon wesentlich mehr!«

»Nein, nein!«, wehrte Orbanaschol ab. »Unser junger Freund hat irgendeinen Grund, warum er nicht nach Trantagossa will! Und ich möchte wissen, was das für ein Grund ist!«

Sein Blick traf den Geheimdienstmann in seiner Nähe. Der Offizier grinste selbstsicher.

»Der Grund hat einen Namen!«, meinte der Mann. »Seit einiger Zeit wird unser Freund Chergost überraschend häufig in der Gesellschaft der Prinzessin Crysalgira gesehen. Es hat den Anschein, als sei der tapfere Sonnenträger in einer unblutigen Schlacht vernichtend geschlagen und gefangengenommen worden!«

Orbanaschol brauchte einige Sekunden, bis er die Nachricht begriffen hatte, dann begann er laut zu lachen. Nur die Männer, die unmittelbar in seiner Nähe standen und ihn sehr genau kannten, konnten den leisen Unterton in diesem Lachen heraushören, der nichts Gutes verhieß.

Orbanaschol suchte mit den Augen seinen Versorgungsmeister, und Grothmyn war mit den ungeschriebenen Regeln am Hofe des Imperators vertraut genug, um den wortlosen Befehl des Diktators genau lesen zu können.

Geräuschlos zog er sich zurück, während im großen Saal das Fest seinen Fortgang nahm. Allgemeiner Gesprächsgegenstand war die Liaison zwischen Chergost und Crysalgira. Man klatschte gerne am Hofe Orbanaschols, und das besonders gerne, wenn es sich um scheinbar risikolose Dinge handelte, wie beispielsweise das Privatleben prominenter Höflinge. Es gab auch nicht wenige, die dem jungen Chergost eine Verbindung mit der schönen Prinzessin gönnten.

Jedes Mal, wenn ein Wortfetzen dieses Sinnes an Orbanaschols Ohren drang, verdüsterten sich seine Züge, und in seinen Augen glomm ein düsteres Feuer auf.

*