Atlan 181: Der Kristallprinz und der Seher - Peter Terrid - ebook

Atlan 181: Der Kristallprinz und der Seher ebook

Peter Terrid

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Opis

Atlan auf der Welt des Vrentizianex - im Kampf mit dem Herrn der Bergfestung Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die auf Terra dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Nachfolge antreten zu können. Gegen den Usurpator kämpft Atlan, der Kristallprinz des Reiches und rechtmäßige Thronerbe, mit einer stetig wachsenden Zahl von Getreuen. Doch mit dem Tag, da der junge Atlan erstmals Ischtar begegnet, der schönen Varganin, die man die Goldene Göttin nennt, hat er noch mehr zu tun, als sich mit Orbanaschols Schergen herumzuschlagen oder nach dem "Stein der Weisen" zu suchen, dem Kleinod kosmischer Macht. Atlan - er liebt Ischtar und hat mit ihr einen Sohn gezeugt - muss sich auch der Nachstellungen Magantillikens, des Henkers der Varganen, erwehren, der die Eisige Sphäre mit dem Auftrag verließ, Ischtar zu töten. Gegenwärtig befindet sich Atlan als Gefangener Magantillikens auf dem Planeten Zercascholpek. Nach des Henkers Vorhaben soll Atlan der Köder sein, mit dem der Vargane Ischtar in eine tödliche Falle zu locken gedenkt. Doch es kommt anders als Magantilliken plant - und es kommt zur Begegnung: DER KRISTALLPRINZ UND DER SEHER ...

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Nr. 181

– ATLAN exklusiv Band 42 –

Der Kristallprinz und der Seher

Atlan auf der Welt des Vrentizianex – im Kampf mit dem Herrn der Bergfestung

von Peter Terrid

Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die auf Terra dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Nachfolge antreten zu können.

Gegen den Usurpator kämpft Atlan, der Kristallprinz des Reiches und rechtmäßige Thronerbe, mit einer stetig wachsenden Zahl von Getreuen.

Doch mit dem Tag, da der junge Atlan erstmals Ischtar begegnet, der schönen Varganin, die man die Goldene Göttin nennt, hat er noch mehr zu tun, als sich mit Orbanaschols Schergen herumzuschlagen oder nach dem »Stein der Weisen« zu suchen, dem Kleinod kosmischer Macht.

Atlan – er liebt Ischtar und hat mit ihr einen Sohn gezeugt – muss sich auch der Nachstellungen Magantillikens, des Henkers der Varganen, erwehren, der die Eisige Sphäre mit dem Auftrag verließ, Ischtar zu töten.

Gegenwärtig befindet sich Atlan als Gefangener Magantillikens auf dem Planeten Zercascholpek.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Kristallprinz gerät von einer Gefangenschaft in die andere.

Ischtar, Ra und Fartuloon – Die Varganin, der Barbar und der »Bauchaufschneider« suchen Atlan.

Magantilliken – Henker der Varganen.

Vrentizianex – Herr einer unheimlichen Festung.

Drench

1.

Noch lebte ich, aber das würde sich bald ändern. Ich konnte mir sogar die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, die es für den Fall meiner Rettung gab.

Der Planet, auf dem ich mich aufhielt, hatte eine Oberfläche von einigen Millionen Quadratkilometern. Meine Körperoberfläche war gewiss nicht größer als ein paar Quadratmeter, und davon gingen eine Million auf einen Kilometer im Quadrat. Mithin war meine Aussicht, etwa von meinen Freunden gefunden zu werden, eins zu zehn hoch zwölf. An die zusätzlichen Möglichkeiten, die sich ergeben würden, wenn man auch noch die dritte räumliche Dimension mitberechnete, wagte ich gar nicht erst zu denken.

Außerdem ist dein Körper aus der Höhe vermutlich überhaupt nicht zu sehen!, erinnerte mich der Logiksektor. Über dir befindet sich das Blätterdach des Baumes!

In den letzten Stunden waren meine Körperkräfte langsam zurückgekehrt, die Wirkung des Paralysatorschusses, mit dem mich der Henker der Varganen außer Gefecht gesetzt hatte, war allmählich abgeklungen. Im gleichen Maße, in dem sich das Gefühl für meinen Körper wieder einstellte, war der Druck auf meine Gliedmaßen gewachsen. Der Baum, in dessen Geäst ich hing, war überaus empfindlich. Er reagierte sofort auf das kleinste Lebenszeichen seines Opfers; bewegte es sich, zogen sich die elastischen Luftwurzeln und Zweige schlagartig enger zusammen. Es hatte mich alle Konzentration gekostet, die unvermeidlichen Zuckungen zu unterdrücken, die zu den typischen Nachwirkungen eines Paralysatorbeschusses gehörten. Einstweilen schien der Baum nicht zu wissen, was er von mir zu halten hatte; er hielt mich fest umklammert, aber er verstärkte seinen Druck auf meinen Körper nicht.

»Wenn ich diesen Magantilliken erwische ...!«, murmelte ich finster.

Dem Mann mit dem tiefblauen Umhang, auf dessen Rückenteil der Möbiusstreifen zu sehen war, hatte ich meine verzweifelte Lage zu verdanken. Höhnisch grinsend hatte er mich in das sofort zuschnappende Astwerk des Vulkanbaums gestoßen. Ich hatte mich nicht dagegen wehren können, denn zu diesem Zeitpunkt war die Wirkung des Paralysators noch ungeschwächt gewesen.

»Viel Vergnügen!«, hatte der Henker der Varganen gekichert. »Wenn die Paralyse sich abschwächt, wirst du erleben, was für einen reizenden Spielkameraden ich dir ausgesucht habe!«

Ich hätte ihn am liebsten angespuckt, aber daran hinderte mich die Lähmung, die die gesamte Muskulatur gefangen hielt, mit Ausnahme der Muskeln, die ich nicht mit dem Willen beeinflussen konnte. Wäre auch die Muskulatur des Herzmuskels ausgefallen, wäre ich nach wenigen Minuten bereits tot gewesen. Das Teuflische an einem Paralysatortreffer war der Umstand, dass die geistige Betäubung wesentlich rascher verflog, als die Muskellähmung. Je nach Stärke des Schusses konnte man stundenlang bei vollem Bewusstsein daliegen, ohne auch nur einen Finger krümmen zu können. Und genau dieses Schicksal hatte mir Magantilliken mit voller Absicht bereitet.

Immerhin hatte mir die Zeitspanne zwischen dem geistigen Erwachen und der Rückkehr meiner Körperfunktionen Gelegenheit geboten, mich gedanklich auf die Lage einzustellen. So hatten mir Konzentrationsübungen dabei geholfen, das unwillkürliche Muskelzucken zu unterdrücken, das sich stets einstellte, wenn die Nerven wieder fähig wurden, die Muskeln zur Tätigkeit anzuregen.

Mit ganz behutsamen Bewegungen hatte ich festgestellt, dass ich wieder voll über meinen Körper verfügen konnte. Daran wurde ich allerdings von dem gnadenlosen Griff des Baumes gehindert.

Wenn ich ganz langsam den Kopf nach rechts drehte, konnte ich ein bleiches Skelett sehen, das ebenfalls im Geäst des Vulkanbaums hing. Dies war mit Hinweis genug auf das, was mir bevorstand, wenn ich einen Fehler machte. Den Kopf konnte ich bewegen, vorausgesetzt, ich ließ mir entsprechend viel Zeit. Mehr war mir nicht möglich. In dem Augenblick, in dem eine der Luftwurzeln von mir bewegt wurde, würden sich die elastischen Zweige zusammenziehen und mir den Brustkorb zerquetschen. An dem Skelett konnte ich sehen, dass viele Knochen gebrochen waren. Mitten auf der Stirn des Schädels sah ich ein großes Loch, das mich höhnisch anzugrinsen schien.

Über mir bewegten sich sacht die Blätter des Baumes, ein leichter Wind wehte, der mir aber keine Erleichterung brachte. Selbst für einen Arkoniden waren die Temperaturen mörderisch hoch, und der Schweiß lief mir pausenlos übers Gesicht und am Körper entlang. Und es war überaus strapaziös, den natürlichen Bewegungsdrang des Körpers stundenlang zu unterdrücken.

Wenn du weiterhin soviel Flüssigkeit verlierst, berechnete der Logiksektor, wirst du spätestens nach achtzehn Stunden anfangen zu delirieren!

Ich unterdrückte ein bitteres Lachen. Die knappe Analyse des Extrahirns besagte, dass ich stundenlang zu warten hatte, bis mich der Durst völlig um den Verstand brachte. In diesem Zustand würde ich mich mit Sicherheit heftig bewegen und so wahrscheinlich von meinem Tod nicht mehr viel spüren. Wie die Zeit bis dahin aussehen würde, verschwieg das Extrahirn.

An meinen Körper zu greifen, hatte ich gar nicht erst versucht; ich wusste, dass Magantilliken mich restlos entwaffnet hatte. Nicht einmal mein Flottenmesser aus Arkonstahl hatte er mir gelassen. Und mit den bloßen Händen auf diesen Baumriesen loszugehen, hätte einem Selbstmord entsprochen. Immerhin wusste ich eines – wenn ich von der Sonne und dem Durst entsprechend zermürbt war, konnte ich mich innerhalb kurzer Zeit umbringen. Ich brauchte nur zu zappeln.

Zu allem Überfluss peinigten mich die Sorgen um Fartuloon und meine anderen Freunde. Ich wusste, dass Magantilliken Ischtar und meine Begleiter mit mir als Köder nach Zercascholpek gelockt hatte, um hier die endgültig letzte Falle für Ischtar aufzustellen. Waren sie etwa schon tot?

Das sollte dir gleichgültig sein!, bemerkte der Logiksektor, der wie immer auf meine Gefühle keinerlei Rücksicht nahm. Du solltest dich darum kümmern, wie du dem Tod entgehst!

»Sehr weise!«, kommentierte ich bitter.

Ich hatte festgestellt, dass der Baum auf meine Stimme nicht reagierte, andernfalls hätte ich das erste schmerzliche Stöhnen nicht überlebt, das mir die Nachwirkungen des Paralysatorschocks entrissen hatten. Ich hätte sogar laut um Hilfe rufen können, aber mir war klar, dass mich niemand würde hören können. In dieser Lage konnten mir meine Freunde nicht helfen; ein mittelgroßes Wunder hätte geschehen müssen, damit sie mich finden konnten, vorausgesetzt, sie waren überhaupt noch fähig, nach mir zu suchen. Meine Fingerspitzen ruhten auf den Armaturen meines Gürtels, aber ich erinnerte mich genau, dass Magantilliken sämtliche Batterien entfernt hatte, bevor er mich meinem Schicksal überlassen hatte. Ich konnte daher nicht einmal ein Zeichen geben. Der varganische Henker hatte an alles gedacht, auch daran, dass man auf einer unzivilisierten Welt wie dieser, die Streustrahlung der Gürtelaggregate mühelos anmessen konnte.

Um mich herum war das dunkle, dämmerige Grün des Dschungels, angefüllt mit feuchtwarmer Luft, die nach Tod und Verwesung roch. Der dumpfe Moder mischte sich mit den Düften der Blumen und den Körpergerüchen der Tiere, die diese urtümliche Welt belebten. Intelligente Wesen, die mich hätten finden und retten können, schien es nicht zu geben. Zercascholpek war einstmals von den Varganen bewohnt worden, aber deren Spuren lagen unter Urwald, Lava und Vulkanasche begraben. Selbst massivste Bauten konnten den Ansturm der alles überwuchernden Pflanzenwelt nur wenige Jahrhunderte überstehen. Ich wusste, dass bestimmte Pflanzenkeimlinge scheinbar ohne Mühe in der Lage waren, zentimeterdicken Arkonstahl zu durchbohren. Die Jahrtausende, die seit dem Abzug der Varganen verstrichen waren, hatten sicherlich ausgereicht, auch die kleinsten Hinweise zu vernichten, die auf eine frühere Besiedlung hätten schließen lassen.

In meiner Nähe keckerten einige Primaten. Die kaum handspannengroßen Tiere wiesen in ihrem feingegliederten Körperbau erstaunliche Ähnlichkeiten mit arkonidischen Sinaks auf. Aus dem dichten, flauschigen Pelz, der intensiv rot schimmerte, wuchsen an den Schultern zwei beachtliche Schwingen, mit dünner, gelblicher Haut überzogen. Mit diesen Flügeln bewegten sich die Sinaks vorwärts, wenn sie keine Möglichkeit fanden, sich von Baum zu Baum zu schwingen. Dank der Griffsicherheit ihrer Füße bewegten sie sich mit größter Geschwindigkeit in den Kronen der Bäume.

Auch auf meinem Baum bewegten sich Sinaks, und erstaunlicherweise verzichtete der Vulkanbaum darauf, nach den Tieren zu schnappen. Waren sie für ihn zu schnell? Oder enthielt das Fleisch der Sinaks einen Stoff, der den Vulkanbäumen nicht bekam?

Für kurze Zeit vergaß ich meine Sorgen und beschäftigte mich mit diesem Problem, bis mich der Logiksektor mit einem drängenden Impuls daran erinnerte, dass für solche Studien keine Zeit war.

Eines der Tiere kam langsam näher und beäugte mich. Dem Tonfall seines Keckerns nach, schien es mich zu beschimpfen. Ich blickte in zwei dunkelgrüne Augen, die in einem erstaunlich arkonidenähnlichen Gesicht saßen. Dort, wo man bei Arkoniden die Nase gesucht hätte, saß bei den Sinaks ein mehrere Zentimeter langer, hellblauer Fortsatz aus einem hornähnlichen Material. Wozu diese Verzierung dienen konnte, war mir ein Rätsel, aber sie schien nicht unwichtig zu sein, denn der Sinak kam mir langsam immer näher und richtete seinen Blick unverwandt auf meine Nase. Bald konnte ich den eigentümlichen Harzgeruch wahrnehmen, der dem Körper des Tieres entströmte.

»Hau ab!«, rief ich dem Sinak zu. »Verschwinde!«

Ich wusste nicht, was das Tier vorhatte, aber gut für mich würde es bestimmt nicht sein, dessen war ich mir sicher. Der Sinak ...

Das Sinak!, kommentierte der Logiksektor. Sinaks sind dreigeschlechtlich!

Woher das Organ in meinem Schädel seine Informationen bezog, war mir ein Rätsel, aber immerhin, wäre es nicht wesentlich schlauer gewesen als ich, wäre es kaum nötig gewesen, die brachliegenden Hirnteile der ARK SUMMIA-Absolventen künstlich zu aktivieren.

Das Sinak streckte die dünnen Arme aus und tastete nach meiner Nase. Ich hatte Mühe, einen Schmerzensschrei zu unterdrücken, als das Tier mich ungeniert kniff. Immerhin gelang es mir, den Impuls zu unterdrücken, den kleinen Plagegeist mit einem Faustschlag davonzujagen. Die geringste Bewegung konnte mir den sofortigen Tod bringen.

Auf dem Bauch des Sinak erkannte ich einen kleinen Beutel, hinter dessen halb durchsichtiger Haut es im gleichen Hellblau schimmerte, wie am Horn. Mit der Rechten fuhr das Sinak in den Beutel und kam mit einer Handvoll dieser Substanz zurück. Dann machte sich die kleine Bestie daran, mit der Beutelmasse meine Nase einzureiben.

Ich wusste nicht, welche Substanzen diese Masse enthielt, aber das Zeug brannte fürchterlich.

»Verschwinde, du Ausgeburt aller stellaren Dämonen!«, brüllte ich. »Scher dich zu deinen Artgenossen zurück!«

Hätte ich Magantilliken nicht schon aus anderen Gründen inbrünstig gehasst, so hätten diese Minuten völlig ausgereicht, meine ganze Wut auf ihn zu konzentrieren. Ich hatte den starken Verdacht, dass der Henker der Varganen diese Szenerie mit teuflischer Genauigkeit vorausgesehen hatte.

Ich hing wehrlos, den sicheren Tod vor Augen, im Geäst des Vulkanbaums, und in Griffweite vor mir hockte eine bepelzte Bestie vor meinem Gesicht und schmierte mir immer neue Ladungen des satanisch juckenden Beutelstoffs auf die Nase. Ich glaubte förmlich sehen zu können, wie meine Nase anschwoll und sich rötete. Und der Juckreiz wurde von Minute zu Minute stärker.

Nur nicht niesen!, warnte der Logiksektor. Um keinen Preis niesen! Die unwillkürlichen Zuckungen werden den Baum sofort zuschlagen lassen!

»Das weiß ich selber!«, brüllte ich. »Hilfe!«

Ich fluchte und tobte, belegte das eifrige Sinak mit allen Schimpfnamen, die mir einfielen, aber die Bestie ließ sich in ihrem Tun nicht hindern. Ich spuckte dem Sinak in das pelzige Gesicht, aber das Tier kümmerte sich nicht darum. Ich konnte so laut schreien, wie ich wollte, meinen Quälgeist wurde ich dadurch nicht los.

Ich war nahe daran aufzugeben, als sich das Sinak plötzlich entfernte. Das Tier schrak zusammen, sah sich kurz um und verschwand dann im Geäst, mindestens ebenso wütend schimpfend wie ich. Ich atmete erleichtert auf und stieß einen Seufzer aus.

Das hätte ich besser nicht getan.

Die Bewegung meines Brustkorbs hatte für den Vulkanbaum ausgereicht. Ich schrie schmerzerfüllt auf, als sich der Druck auf meinen Körper schlagartig verstärkte. Noch schien der Baum nicht voll entschlossen zu sein, versuchte offenbar festzustellen, was er da in seinem Astwerk gefangen hielt. Mein Brustkorb wurde zusammengepresst, gleichzeitig zogen sich die elastischen Schlingen um meine Arme und Beine zusammen. Wenn ich nicht erstickte, würden mir nach kurzer Zeit die Arme und Beine absterben; ich konnte spüren, wie das Blut abgeschnürt wurde. Vor meinen Augen tanzten feurige Funken, während ich ganz langsam meine Muskulatur anspannte, um wenigstens einen Teil des Druckes auf meinen Brustkorb zu verringern. Es war ein reines Zeitproblem – konnte ich noch einige Zeit atmen, ohne den Baum stutzig zu machen, würde er vielleicht seinen Griff wieder lockern. Zwang mich die Luftnot zu krampfhaften Atembewegungen, war es binnen weniger Augenblicke vorbei.

In der Nähe hörte ich ein Krachen, das Splittern von Holz, dann schwere, stampfende Schritte.

»Hierher!«, brüllte ich mit der letzten Atemluft. »Hier bin ich.«

Instinktiv versuchte ich den Arm zu bewegen, und der Baum reagierte sofort. Ich glaubte, mir würde der Arm aus dem Achselgelenk gerissen, als die Luftwurzeln sich zusammenzogen. Die Brustplatten meines Skeletts verschoben sich gegeneinander, und ein unerträglicher Schmerz durchzuckte meinen Körper.

Es war zu spät, die Nerven zu beruhigen. Ich begann mich zu bewegen, versuchte um mich zu schlagen. Der Baum griff härter zu und schnürte mir den Atem ab.

Ich war schon halb bewusstlos, als ich schwach das typische Zischen eines Strahlenschusses hören konnte. Für Sekunden lockerte der Baum seinen würgenden Griff, um dann wieder zuzuziehen. Eine Welle heißer Luft schlug gegen mein Ohr, und ich konnte hören, wie irgend jemand ohne Pause auf den Baum feuerte, der mich gefangen hielt. Wer immer meine Helfer sein mochten, sie mussten sich beeilen, wenn sie mein Leben retten wollten, denn der fleischfressende Baum zog seine Schlingen immer enger.

Dann endlich sah ich verschwommen, wer mir zu Hilfe gekommen war. Unter mir standen auf dem weichen Boden des Dschungels mindestens zwanzig Roboter, die aus ihren Waffenarmen pausenlos auf den Vulkanbaum feuerten. Die mörderische Pflanze schlug mit ihren Ästen und Luftwurzeln um sich, zischend peitschten die Lianen durch die Luft. Planmäßig nahmen die Robots vor allem den Stamm des Baumes unter Beschuss; ich konnte das Zittern spüren, das die Pflanze bei jedem Treffer erschütterte. Stickiger Qualm schlug mir entgegen, der das Atmen noch mehr erschwerte, denn noch immer war ich hilflos in den Zweigen des Baumes gefangen. Noch dachte die pflanzliche Bestie nicht daran, sich von ihrer Beute zu trennen. Immerhin, nach einigen Minuten konnte ich wenigstens meine Hände wieder bewegen.

Halte dich fest!, riet mit der Logiksektor. Wenn der Baum dich loslässt, stürzt du in das Strahlfeuer der Robots!

Der Hinweis kam um den Bruchteil einer Sekunde zu spät; ich spürte, wie der Baum seinen Griff lockerte. Offenbar war ich jetzt nebensächlich geworden. Ich stieß einen Schrei aus, während ich wild mit den Armen ruderte, um im Fallen irgend etwas zu fassen zu bekommen. Mit den Knien landete ich auf einem Ast, kippte vornüber und stürzte genau auf die immer noch feuernden Robots zu. Zweige peitschten mir ins Gesicht und versperrten die Sicht, so konnte ich nicht sehen, dass die Robots wie auf ein Kommando ihr Feuer einstellten. Hart prallte ich mit dem Kopf auf den Boden, ich wurde fast besinnungslos. Als sich die Schleier vor meinen Augen wieder legten, erkannte ich die Robots, die wieder damit beschäftigt waren, den Baum buchstäblich in Stücke zu schießen. Sie ließen erst von ihrem Tun ab, als von dem Vulkanbaum nur noch ein verkohlter Stumpf übriggeblieben war, von dem dünne Rauchfäden in die Höhe stiegen.