Atlan 148: Der geheimnisvolle Barbar - Peter Terrid - ebook

Atlan 148: Der geheimnisvolle Barbar ebook

Peter Terrid

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Opis

Der Kristallprinz und Ra - im Kampf gegen die Tücken der Ödwelt Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht - eine Zeit also, da die Erdbewohner nichts mehr von den Sternen oder dem großen Erbe des untergegangenen Lemuria wissen. Arkon hingegen steht in voller Blüte. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Herrschaft übernehmen zu können. Auch wenn Orbanaschol seine Herrschaft gefestigt hat - einen Mann hat der Imperator von Arkon zu fürchten: Atlan, den rechtmäßigen Thronerben und Kristallprinzen des Reiches, der nach der Aktivierung seines Extrahirns den Kampf gegen die Macht Orbanaschols aufgenommen hat und den Sturz des Usurpators anstrebt. Doch Atlans Möglichkeiten und Mittel sind begrenzt. Ihm bleibt nichts anderes übrig als der Versuch, seinem mächtigen Gegner durch kleine, aber gezielte Aktionen soviel wie möglich zu schaden. Diese Taktik hat sich schon des Öfteren gut bewährt - und sie bewährte sich erneut, als Atlan und seine Freunde das imperiale Raumschiff KARRETON kapern und eine wichtige Person vom Planeten Dargnis entführen. Dann aber, als die gefangenen Besatzungsmitglieder der KARRETON einen Ausbruchsversuch unternehmen, gerät Atlan in große Schwierigkeiten. Allein wäre der Kristallprinz jetzt verloren, wenn nicht Ra ihn unterstützte - Ra, DER GEHEIMNISVOLLE BARBAR ...

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Nr. 148

– ATLAN exklusiv Band 23 –

Der geheimnisvolle Barbar

Der Kristallprinz und Ra – im Kampf gegen die Tücken der Ödwelt

von Peter Terrid

Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht – eine Zeit also, da die Erdbewohner nichts mehr von den Sternen oder dem großen Erbe des untergegangenen Lemuria wissen.

Arkon hingegen steht in voller Blüte. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Herrschaft übernehmen zu können.

Auch wenn Orbanaschol seine Herrschaft gefestigt hat – einen Mann hat der Imperator von Arkon zu fürchten: Atlan, den rechtmäßigen Thronerben und Kristallprinzen des Reiches, der nach der Aktivierung seines Extrahirns den Kampf gegen die Macht Orbanaschols aufgenommen hat und den Sturz des Usurpators anstrebt.

Doch Atlans Möglichkeiten und Mittel sind begrenzt. Ihm bleibt nichts anderes übrig als der Versuch, seinem mächtigen Gegner durch kleine, aber gezielte Aktionen soviel wie möglich zu schaden.

Diese Taktik hat sich schon des Öfteren gut bewährt – und sie bewährte sich erneut, als Atlan und seine Freunde das imperiale Raumschiff KARRETON kapern und eine wichtige Person vom Planeten Dargnis entführen.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Kristallprinz muss erneut um den Besitz der KARRETON kämpfen.

Ra – Der geheimnisvolle Barbar greift helfend ein.

Fartuloon, Corpkor und Eiskralle – Verschworene Gefährten des Kristallprinzen.

Sarn Lartog und Ipraha – Offiziere der KARRETON.

Grahn Tionte

1.

Das Ziehen und Zerren saß irgendwo zwischen den Schulterblättern, kroch von dort nach oben und wühlte in meinem Schädel. Ich war mir sicher: selbst wenn ich zehntausend Jahre leben sollte, würde ich mich daran nie gewöhnen können. Der Schmerz bei der Wiederverstofflichung war zwar nicht unerträglich heftig, aber äußerst lästig. Während die Zentrale der KARRETON um mich herum in nicht messbarer Zeit wieder stabil geworden war, brauchte ich zwei bis drei Sekunden, um zu begreifen, dass sich das Bild auf dem großen Panoramaschirm verändert hatte.

Natürlich stöhnte ich nicht; als Kristallprinz konnte ich mir dergleichen nicht leisten. Dennoch sah ich mit leichtem Neid auf meine Freunde, die sich ebenfalls in der Zentrale des erbeuteten Schiffes aufhielten.

Ich hatte den Sitz des Piloten für mich beansprucht; Fartuloon assistierte mir. Corpkor hatte sich für die Überwachung der Maschinen entschieden, während Chretkor den Funkverkehr überwachte. Im Hintergrund stand, wie festgewachsen in dem glänzenden Arkonstahl unter seinen Füßen, der Wilde. Nur an seinem Lidschlag und den regelmäßigen Bewegungen seines Brustkorbs war überhaupt zu erkennen, dass es sich nicht um eine Statue handelte. Ra zeigte keinerlei Anzeichen von Überraschung oder Erschrecken.

Diese Tatsache machte mich nachdenklich.

Für einen Barbaren waren normalerweise Sterne etwas Unbegreifliches. Die gewaltigen Entfernungen, die mit dem Verstand eines raumfahrtkundigen Volkes praktisch nicht zu begreifen waren, die rätselhaften Bewegungen der Sterne – all dies führte bei vielen Völkern dazu, aus ganz simplen Sonnen geheimnisvolle Wesen, manchmal sogar Gottheiten zu machen.

Ganz simple Sonnen?, bemerkte mein Extrahirn mit unverhohlenem Spott.

Selbstverständlich hatte der Extrasinn recht. Was die arkonidischen Schulkinder im Schlaf herunterbeten konnten, musste für Leute von Ras Schlag die höchste Stufe der Wissenschaft sein.

Und doch, als sich das Bild der Sterne auf dem Panoramaschirm schlagartig veränderte, war von Ra kein Zeichen der Überraschung zu sehen gewesen. Der Wilde verhielt sich abgebrüht wie ein im Dienst ergrauter Raumfahrer.

Oder hatte er den Wechsel einfach nicht bemerkt? Es genügte ein Blick, der mir zeigte, dass die schwarzen Augen des Wilden unablässig die Zentrale musterten und jeden Eindruck festhielten. Ra war hellwach und spürte deutlich, was um ihn herum vorging.

»Wir sollten die nächste Transition vorbereiten!«, meinte Eiskralle. »Ich habe den Funk in unserer Nähe abgehört, irgendwo treibt sich in diesem Bezirk eine kleine Kampfflotte herum!«

Ich sah besorgt auf, aber Eiskralle winkte schnell ab.

»Es ist nur ein Manöver!«, beruhigte er mich. »Ich habe den Admiral gehört, der mit der Leistung seiner Leute offenbar nicht zufrieden ist. Er brüllte wie ein Vulkan!«

»Lassen wir ihn brüllen!«, brummte Corpkor. »Wir sollten uns beeilen!«

Er machte eine kurze Bewegung mit dem Daumen, die auf den Boden zielte.

Fünf Decks unter unseren Füßen steckten dreiundvierzig Arkoniden in einem leeren Stützmassentank; zu unserem Glück wurden die Männer erbärmlich geführt, anderenfalls hätten wir das Schiff weder in unsere Gewalt bringen noch so lange halten können. Dennoch hätte ich mich besser gefühlt, wenn die Männer von Bord gewesen wären – Männer dieses Schlages hatten letztlich das gewaltige Sternenimperium der Arkoniden aufgebaut. Man war daher nie vor unliebsamen Überraschungen sicher.

Ich trommelte mit den Fingern auf dem Verkleidungsblech des Schaltpults vor mir.

Ra machte mir Sorgen.

Dieser noch junge Mann besaß nicht nur höchst beeindruckende Muskeln, er konnte sie auch sehr gut einsetzen, und Angst schien er nicht zu kennen. Doch waren es nicht diese Eigenschaften des dunkelhäutigen Barbaren, die mir Sorge bereiteten – Ra war offenkundig Mittelpunkt eines Geheimnisses, von dem er selbst nichts wusste. Im Arkonidischen Imperium gab es vermutlich einige hunderttausend Männer mit vergleichbaren körperlichen Qualitäten – das machte es um so interessanter, herauszufinden, was Orbanaschol so an Ra reizte.

*

Leutnant Sarn Lartog knirschte mit den Zähnen.

Innerlich wünschte er seinem Kommandanten sämtliche kosmischen Seuchen an den Hals; schon immer hatte Lartog vermutet, dass dem dicklichen Kapitän mit der Fistelstimme die Pflege seines schulterlangen Haares wichtiger war als das Wohlergehen seiner Besatzung. Hauptsache, die Kommandantenhaare glänzten seidig, was aus der Besatzung und dem Schiff wurde, war zweitrangig.

Im Innern des Stützmassentanks stank es erbärmlich. Natürlich hatte der riesige Raum vorher von allen radioaktiven Rückständen gereinigt werden müssen, und jetzt hing der Geruch des Reinigungsmittels in der Luft und brachte einen ständigen Niesreiz mit sich. Die Irren, die es gewagt hatten, ein arkonidisches Schiff zu kapern, waren immerhin so freundlich gewesen, ein paar Dauerlampen in den Raum zu stellen. In dem Dämmerlicht hatte der Leutnant zufrieden feststellen können, dass sein Dosimeter am Handgelenk auf Null stand. Der Tank war wirklich frei von strahlenden Resten.

»Wir müssen hier heraus!«, knurrte der untersetzte Leutnant.

»Bravo!«, tönte es aus der Dunkelheit. »Weißt du eigentlich, wie du hier herauskommen willst?«

Die Stimme gehörte einem von Lartogs Freunden, einem hageren Mann von extremer Größe. Aus größerer Entfernung sah Leutnant Ipraha einer Antenne ähnlicher als einem Menschen.

»Wir sind in einem Stützmassentank!«, stellte Ipraha trocken fest. »Daraus gibt es nur wenige Fluchtmöglichkeiten. Du kannst dich durch die Leitungen zwängen und als Impulsbündel aus den Triebwerken gestrahlt werden. Oder du versuchst es durch den Tankdeckel – wenn du Zähne und Nägel nimmst, wirst du nach einigen Jahrtausenden den Arkonstahl durchgekratzt haben!«

»Ha, ha!«, machte Lartog düster, aber er wusste, dass Ipraha recht hatte. »Immerhin – was, glaubst du, wird man mit uns anstellen, wenn das Schiff dort gelandet ist, wo es die neuen Schiffsführer gerne hätten?«

»Sie werden den Tank wieder seiner Bestimmung zuführen!«, meinte Ipraha spöttelnd. »Sie werden die Verdichterfelder wieder einschalten und Stützmasse einfüllen – die geringen Verunreinigungen, die von unseren zerquetschten Körpern stammen, wird ein arkonidisches Schiffstriebwerk wohl kaum verdauen können!«

Unwillkürlich zuckte Lartog zusammen. Die Vorstellung, von den gewaltigen Feldprojektoren innerhalb einiger Millionstel Sekunden zu staubkorngroßen Klumpen zusammengepresst zu werden, hatte etwas Grauenvolles an sich.

»Ich wäre Ihnen sehr verbunden, meine Herren«, erklang das fistelnde Organ des Kapitäns, »würden Sie derartige Reden fürderhin unterlassen. Ich fürchte um die Moral der Mannschaft!«

In Gedanken gestattete Lartog dem Kommandanten einige Freizügigkeiten, von denen der Kapitän mit Sicherheit Abstand genommen hätte, wären die Gedanken laut geäußert worden.

Plötzlich hatte Lartog einen Einfall. Es war eine selbstmörderische Idee, aber bei näherer Betrachtung war der Plan durchführbar.

Wortlos stand Lartog auf und nahm eine der Lampen mit; er winkte Ipraha, ihm zu folgen. Ächzend entfaltete der Leutnant seine knochige Gestalt, dann ging er hinter Lartog her. Ab und zu kamen aus der Dämmerung knurrende Laute – jedes Mal dann, wenn einer der Leutnants irgendeinem auf die Füße trat.

»Kannst du mir verraten, was du eigentlich vorhast?«, erkundigte sich Ipraha halblaut.

Wortlos deutete Lartog auf ein Gestell, das sich zehn Meter vor ihnen aus dem Boden des Tanks erhob. Ipraha erkannte die zerbrechlich wirkende Konstruktion eines Projektors. Etwa dreißig solcher Projektoren gab es in jedem Tank. Sie strahlten das Verdichterfeld ab, das die Stützmassen atomar zusammenpresste und auf einen Bruchteil ihres ursprünglichen Volumens verdichtete.

»Pass auf!«, flüsterte Lartog. »Wenn alle Projektoren eingeschaltet sind, dann ergibt sich an den Rändern des Tanks eine Interferenzzone, die Wirkung der Strahlung wird aufgehoben. Andernfalls würden nämlich auch die Wände und das ganze Schiff verdichtet, und das ...«

»Wäre ziemlich peinlich!«, meinte Ipraha. »Das weiß ich schon. Worauf willst du hinaus?«

»Wenn wir nur einen Projektor einschalten«, sprach Lartog leise weiter, »wird auf der gegenüberliegenden Seite die Wand verdichtet – und durch diese Lücke können wir fliehen!«

»Heiliges Arkon!«, stöhnte Ipraha auf. »Mann, bist du von Sinnen? Was, glaubst du, wird mit uns geschehen, wenn wir versuchen, durch dieses Loch zu fliehen? Wir werden genauso verkleinert, wie die Stützmassen! Und überhaupt – woher willst du die Energie nehmen, um auch nur einen der Projektoren in Betrieb zu setzen?«

»Der Reihe nach!«, wehrte Lartog ab. »Als Energiequelle werden wir die kleinen Batterien unserer Armbandgeräte nehmen!«

»Damit kannst du nicht einmal die Kabinenbeleuchtung des Kommandanten betreiben, geschweige denn einen solchen Projektor!«

»Lass mich ausreden!«, meinte Lartog grimmig. »Natürlich reicht die Energie nicht aus – aber sie wird für Sekundenbruchteile wirken, vor allem dann, wenn wir mehrere Batterien zusammenschalten. In dieser kurzen Zeitspanne wird die gegenüberliegende Wand vermutlich so sehr in ihrer Molekularstruktur erschüttert, dass wir uns einen Weg bahnen können. Eine Gefahr für uns besteht nicht, das Feld wird blitzschnell wieder zusammenbrechen!«

»Hört sich nicht schlecht an!«, bemerkte Ipraha anerkennend. »Und wie willst du die nötige Zahl von Batterien zusammenbekommen?«

»Wir müssen den Kommandanten bitten, uns zu helfen!«, sagte Lartog grimmig.

Ipraha lachte kurz, dann ahmte er die Stimme des Kommandanten nach:

»Meine Herren, ich bin entsetzt. Sie werden doch nicht allen Ernstes mein Schiff beschädigen wollen? Warten Sie ab, es wird sich schon alles zum Guten wenden. Wo ist bloß mein Kamm geblieben, meine Haare sind ganz verfilzt. Diese Barbaren in der Zentrale – sie hätten mir wenigstens mein Haarwasser lassen können!«

Lartog biss sich in den Unterarm, um nicht laut loszuplatzen; Iprahas Karikatur war fast noch treffender als der Kommandant selbst. Lartogs Körper schüttelte sich in Krämpfen, denn er durfte um keinen Preis lachen. So weichlich der Kommandant auch normalerweise sein mochte – bei Disziplinverstößen griff Grahn Tionte unerbittlich durch.

Als sich Lartogs Lachen wieder gelegt hatte, murmelte der Leutnant:

»Es wird nicht anders gehen, wir müssen zum Kommandanten!«

»Wie du meinst!«, gab Ipraha zurück. »Aber du weißt hoffentlich, worauf du dich einlässt?«

»Nur zu gut!«, lautete Lartogs brummige Antwort.

Grahn Tionte hörte sich den Vorschlag der beiden Leutnants aufmerksam an, dann nickte er langsam und antwortete:

»Können Sie eine Garantie übernehmen, dass der Projektor uns nicht zermalmen wird, wenn Ihr Versuch fehlschlägt?«

»Dafür gibt es keine Garantie, Sir!«, stellte er ruhig fest. »Aber ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Fehlschlags wesentlich geringer ist als die Wahrscheinlichkeit, kurz nach der Landung von den Kaperern abgeschlachtet zu werden. Wir wissen zwar nicht, was die Eroberer planen, aber sie werden sicherlich keinen Wert auf überflüssige Zeugen legen!«

»Sie haben recht, Leutnant!«, stimmte Tionte zu; nachdenklich fuhr er mit den Fingern durch sein schulterlanges Haar. »Wir müssen wohl oder übel etwas unternehmen!«

Er winkte den beiden Männern, sich zu entfernen. Sofort machten sich Lartog und Ipraha an die Arbeit.

Es dauerte nur kurze Zeit, dann lagen vor ihren Füßen knapp dreißig Batterien aus Armbandgeräten. Mehr wollte Lartog nicht einsetzen – wenn es zum Kampf kam, mussten wenigstens ein paar Männer übrigbleiben, mit denen man sich per Funk verständigen konnte. Mühsam wurde die Arbeit erst, als es galt, die einzelnen Batterien miteinander zu koppeln. Lartog musste ein Armband völlig demontieren, um genügend Kabel zu bekommen, mit denen man die Batterien verbinden konnte. Beide Männer gingen mit größter Vorsicht vor. Je mehr Batterien sie zusammensteckten, desto größer wurde das Risiko, eine Detonation heraufzubeschwören. Nach halbstündiger Arbeit atmete Lartog erleichtert auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Männer legten eine Pause ein, denn das große Luk über ihren Köpfen öffnete sich, und Roboter versorgten die Gefangenen mit Lebensmitteln und Wasser. Sobald die Robots verschwunden waren und der Tank wieder im Halbdunkel lag, begannen Ipraha und Lartog damit, die Verkleidung des Projektors zu entfernen. Hätte es nicht einer der Gefangenen geschafft, ein Flottenmesser aus beschussverdichtetem Arkonstahl in die Haft einzuschmuggeln, wäre Lartogs Versuch zum Scheitern verurteilt gewesen – die Schrauben an der Verkleidung des Projektors waren offenbar in der Werft von Robotern mit maschinenhafter Kraft angezogen worden. Lartog blieb nichts anderes übrig, als die Bleche regelrecht aufzuschneiden – eine Arbeit, die seine Kräfte stark beanspruchte.

Nach mehr als zwei Stunden lag endlich der Projektor frei vor den beiden Männern. Behutsam unterbrach Lartog die Energiezufuhr des Geräts – man konnte nicht wissen, was geschah, wenn eine neue Energiequelle in den Kreislauf eingeschaltet wurde. Interessiert stellte Lartog fest, dass der Projektor sechzehnfach gesichert war. Rasch wurde ihm klar, warum der Aufwand getrieben wurde – wenn einer der Projektoren ausfiel, blähte sich das verdichtete Material der Stützmassen in rasender Geschwindigkeit auf. Es gab kein Material, das dem Ansturm solcher Gewalten gewachsen war. Selbst bester Arkonstahl wäre einer solchen Belastung erlegen. Die Folge wäre die völlige Vernichtung des Schiffes gewesen.

»Ich glaube, wir sollten noch etwas warten!«, schlug Ipraha plötzlich vor. »Kennst du das Geräusch?«

Mit einer Handbewegung schaffte Lartog Ruhe, dann lauschte er. Er brauchte einige Zeit, bis er herausgefunden hatte, was Ipraha mit seinen Worten gemeint hatte. Sobald Lartog die Verschiebungen begriffen hatte, die sich aus seinem jetzigen Aufenthaltsort ergaben, konnte er das Geräusch identifizieren. Diesen Lärm konnte man – allerdings stark verändert – in der Zentrale hören, wenn die Triebwerke mit voller Belastung liefen. Dazwischen mischten sich die typischen Geräusche hochgefahrener Sprungfeldgeneratoren.

»Eine Transition wird vorbereitet!«, flüsterte Ipraha. »Wir sollten noch etwas warten. Wenige Minuten nach dem Sprung wird die Aufmerksamkeit in der Zentrale nachlassen!«

Lartog wusste, dass sein Freund recht hatte. Normalerweise waren die ersten Minuten nach einer Transition spannungsgeladen schließlich konnte man nie wissen, in wessen Nähe man wieder aus dem Hyperraum heraustrat. Immer wieder kam es vor, dass dreiste Piraten mit geradezu atemberaubender Sicherheit genau in Schussweite standen, wenn voll beladene Frachter rematerialisierten. Bevor die überraschte Crew des Frachters überhaupt begriff, was geschehen war, hatten einige Salven bereits den weiteren Verbleib der Ladung entschieden.

War dieser kritische Zeitpunkt vorbei, ließ die Aufmerksamkeit der Männer in der Zentrale meist schlagartig nach. Diesen Augenblick wollte Lartog ausnutzen.

Er wartete geduldig ab, bis der ziehende Schmerz im Nacken abgeklungen war, dann stellte er die Verbindung zwischen dem Batteriepaket und dem Projektor her.

Der verzweifelte Sprung, mit dem er sich augenblicklich zur Seite warf, rettete sein Leben. Eine meterlange Stichflamme schoss aus dem Projektor, dann detonierten mit gewaltigem Krachen die zusammengeschalteten Batterien. Die meisten Männer hatten sich vorsichtshalber schon in Sicherheit gebracht, nur Lartog und Tionte wurden von den Auswirkungen des Experiments betroffen. Lartog wurde noch im Sprung von der Druckwelle erfasst. Er wirbelte umher, prallte hart auf den stählernen Boden des Tanks und überschlug sich mehrfach. Er stöhnte unterdrückt auf, als er sich aufrichtete, aber der Schmerz verging schlagartig, als er seinen Kommandanten sah.

Tionte war genau in die Ausläufer der Stichflamme hineingerannt. Viel geschehen war ihm nicht – die Kraft der Flamme hatte nicht dazu ausgereicht. Aber sein prachtvolles Haar – links war das Gesicht völlig geschwärzt, darüber waren die schwärzlichen Stummel des abgesengten Haares zu sehen. Tiontes Augen begannen zu tränen; der Kommandant wischte sich mit der Hand über das geschwärzte Gesicht, dann versuchte er sein Haar zu ordnen. Es war eine Bewegung, die jeder an Bord kannte. Tionte sah nicht, wie ihn die Mannschaft anstarrte, mit angehaltenem Atem auf das Unvermeidliche wartete.

Tiontes Hand hielt inne; er blinzelte.

Langsam bewegte sich die Hand des Kommandanten weiter; gleichzeitig weiteten sich die roten Augen des Kapitäns. Mit zitternden Fingern strich Tionte über die versengte Zierde seines Hauptes, er schluckte nervös. Langsam tastete der Kommandant auf dem Kopf herum, dann drehte er sich zeitlupenhaft langsam um. In seinen Augen flackerte Mordlust. Der Blick galt Lartog, der zögernd zurückwich.

»Sie ...«, sagte Tionte drohend. »Sie ...!«