Allah il Allah! - Karl May - ebook

Allah il Allah! ebook

Karl May

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Opis

Voller Lebendigkeit schildert der Verfasser die Begebenheiten, die sich auf dem langen und gefahrvollen Weg Kara Ben Nemsis und Hadschi Halef Omars durch die Wüste von Tunesien aus über Tripolis bis nach Ãgypten zutrugen. Mit dabei sind gute alte Bekannte: Krüger Bei und Sir David Lindsay. Die vorliegende Erzählung spielt Anfang der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts. Bearbeitung aus dem Kolportageroman "Deutsche Herzen - Deutsche Helden". Andere Bände daraus: Bände 60, 61 bis 63.

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KARL MAY’s

GESAMMELTE WERKE

BAND 60

ALLAH IL ALLAH!

Bearbeitung aus

Deutsche Herzen, deutsche Helden

REISEERZÄHLUNG

VON

KARL MAY

Herausgegeben von

Dr. Euchar Albrecht Schmid

und Roland Schmid

© 1990 Karl-May-Verlag

ISBN 978-3-7802-1560-4

Einleitung

Manchem Leser der ersten sechs Bände meiner Reiseerzählungen ist vielleicht aufgefallen, dass sich in der Kette der Erlebnisse, die in Tunesien beginnen und bei den Bewohnern der ‚Schwarzen Berge‘ enden, eine räumliche und zeitliche Lücke befindet. Und er wird sich gefragt haben, ob sich auf dem langen Ritt von Tunesien über Tripolitanien bis nach Ägypten gar nichts Erzählenswertes ereignet habe.

Mehr als genug! Aber diese Ereignisse stehen mit den früheren und späteren Erlebnissen in keinem inneren Zusammenhang, sodass ich es für besser hielt, darüber hinwegzugehen und lieber in einem besonderen Band davon zu berichten.

Die vorliegende Erzählung füllt diese merkbare Lücke aus und versetzt uns zurück in die Zeit, da ich meinen Hadschi Halef Omar noch nicht lange kannte. Und ich denke, die Leser, deren Teilnahme und Freundschaft Halef gewonnen hat, werden gern mit mir zurückkehren in diese erste Zeit unseres Beisammenseins und uns willig auf den Pfaden folgen, auf denen es uns bestimmt war, ins Geschick so mancher lieber Menschen helfend einzugreifen.

1. Krüger-Bei

„Sihdi, nun muss es endlich heraus, wenn du nicht willst, dass ich ersticken soll. Ich habe es in mir all die Zeit herumgetragen wie die Henne, die ein Ei legen will und nicht weiß wohin. Aber jetzt ist meine Geduld zu Ende.“

Also sprach – nun, wer kann es, seiner Ausdrucksweisenach zu schließen, gewesen sein, wenn nicht mein Diener Halef, mit dem ich durch Algerien und durch die Schluchten des Auresgebirges gewandert war und vor einigen Tagen das fürchterliche Abenteuer auf dem Schott el Dscherid erlebt hatte, das wohl auch meinen Lesern noch in Erinnerung sein wird[1].

Ich hatte den türkischen Wekil in Kbilli aufgesucht, um von ihm Gerechtigkeit für das Verbrechen zu fordern, das von Hamd el Amasat auf dem Schott begangen worden war, und um mich zugleich an ihm schadlos zu halten für den Verlust unserer Tiere, die in dem unergründlichen, tückischen Salzsumpf verschwunden waren.

Der Leser weiß, wie der Wekil Gerechtigkeit übte. Aber ich war nicht gewillt, mich auf diese Weise abfertigen zu lassen. Mein Auftreten und die kräftige Befürwortung der holdseligen Gattin des Wekils veranlassten den Beherrscher des Nifzaua, mir für die verloren gegangenen Tiere einen Ersatz zu schaffen, mit dem wir durchaus zufrieden sein konnten. So waren wir vorzüglich beritten, als wir Kbilli verließen, um die Reise durch die Regentschaft Tripolis und über die Oase Kufarah nach Ägypten fortzusetzen.

Südlich des Schotts, im Gebiet des Uëlad Merasig, hatte ich einen Khabir[2] gemietet, der uns zu den Homrabeduinen bringen sollte, die diesseits und jenseits der Grenze zwischen den beiden Regentschaften Tunis und Tripolis, soweit man zu den damaligen Zeiten von einer Grenze reden konnte, ihre Weidegründe besaßen.

Hier, in der Nähe der Grenze – oder hatten wir sie schon hinter uns? – war es, wo mich Halef nach langem Schweigen, das sonst nicht seine Art war, ebenso plötzlich wie eindringlich anredete. Der wortkarge Führer, der nur dann ein Wort sprach, wenn es notwendig war, ritt einige Pferdelängen voraus.

„Nun, so schieß los!“, erwiderte ich auf den Herzenserguss Halefs.

„Sihdi, du weißt, dass ich dir ein treuer Diener gewesen bin und auch in Zukunft sein will.“

„Ich bin davon überzeugt, lieber Halef.“

„Und darum schmerzt es mich, dass ich dir in so manchen Punkten überlegen bin. Ich möchte so gern, dass mein Gebieter, den ich liebe, nicht nur in meinem Herzen, sondern auch in meiner Wertschätzung die Stelle einnimmt, die ihm gebührt.“

Ich blickte ihn erstaunt an. Worauf wollte er hinaus? Dass er sich mir überlegen fühlte, wusste ich wohl, nur hatte er mir das noch nie so unverblümt ins Gesicht gesagt. Wollte er vielleicht wieder mit seinen Bekehrungsversuchen anfangen? So schwieg ich denn lieber, als dass ich mir in seinen Augen eine Blöße gab. Aber mein Schweigen war nicht geeignet, den Wasserfall seiner Rede aufzuhalten.

Er schüttelte mitleidig den Kopf.

„Sihdi, du bist ein Mann, wie ich noch keinem begegnete. So mild und gut und doch auch so kraftvoll und kühn. Dennoch fehlt dir etwas, was zu einem Mann sonotwendig gehört wie der Schlägel zur Darabukka[3], mit der der Soldat Lärm macht.“

„Und das wäre?“, fragte ich, jetzt wirklich neugierig geworden.

„Du hast keinen Namen.“

„Was du nicht sagst! Ich dächte doch!“

„Nein, Sihdi, du hast keinen Namen, wenigstens nicht das, was ich unter einem Namen verstehe.“

„Und was verstehst du darunter?“

„Schau, Sihdi, wir kommen in Gegenden, wo nicht nur der Mann etwas gilt, sondern wo es fast ebenso viel auf den Glanz seines Namens ankommt. Was wirst du nun sagen, wenn dich jemand nach deinem Namen fragt?“

„Ich werde ihn nennen: Kara Ben Nemsi.“

„Allah il Allah!Was ist Kara Ben Nemsi? Du hast mir erzählt, dass in den Oasen deiner Heimat Hunderttausende, ja Millionen wohnen. Ben Nemsi können also alle diese Ungezählten heißen. Was ist das Besonderes? Ein Hauch, der im Wind verweht! Die Spur eines Vogels, die im Sand verrinnt!“

„Aber du hast mir doch selber diesen Namen...“

„Uskut – schweig!“, unterbrach er mich zornig. „Das war am Anfang, als ich dich noch nicht so kannte wie jetzt. Das ist aber seitdem anders geworden. Ich habe deinen Wert erkannt und fühle, dass du einen Namen verdienst, wie ihn nur wenige besitzen.“

„Das ist doch mit meinem Namen der Fall. Ich bin noch keinem Menschen begegnet, der außer mir diesen Namen führt.“

„Sihdi, mach mich nicht zornig! Du verstehst mich gar wohl; du tust nur so, als ob du mit Blindheit geschlagen wärst. Ich wiederhole meine Frage: Was ist Kara Ben Nemsi? Sieh dir dagegen meinen Namen an! Kann sich Kara Ben Nemsi vergleichen mit Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah?“

„Nein“, lächelte ich, „das kann er nicht. Aber dafür darfst du doch nicht mich verantwortlich machen!“

„Allah Kerihm! Hast du keinen Vater, keinen Vatersvater und keinen Vatersgroßvater, deren erleuchtete Namen du dem deinigen anfügen könntest, damit alle, die dir begegnen, sich in Demut vor dir beugen?“

„Wenn es nur das ist! Ich kann dir sogar mit dem Namen meines Urgroßvaters dienen“, lachte ich.

„Elhamdulillah – Allah sei Dank! Endlich wirst du vernünftig! Ich hatte schon alle Hoffnung aufgegeben. Aber nun werden wir mit vereinten Kräften einen herrlichen, unvergleichlichen Namen bilden, so wie man die Glieder einer kostbaren Kette zusammenfügt.“

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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