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Über Jahrhunderte galt die Gabel in Europa nicht als Zeichen von Fortschritt, sondern als Ausdruck gefährlicher Verfeinerung. Geistliche warnten vor Hochmut, Chronisten verspotteten künstliche Tischsitten, und viele Adelshäuser betrachteten das neue Besteck als Angriff auf natürliche Ordnung und männliche Würde. Anhand mittelalterlicher Benimmbücher, höfischer Inventare und kirchlicher Texte rekonstruiert dieses Buch die langsame Veränderung europäischer Esskultur. Tischsitten wurden zu einem Instrument sozialer Kontrolle. Wer wie aß, bestimmte Rang, Bildung und Zugehörigkeit. Besonders in italienischen Handelsstädten entstand eine neue Kultur körperlicher Distanz, in der Sauberkeit zunehmend mit Moral verbunden wurde. Die Gabel stand dabei zwischen religiösem Misstrauen und aristokratischem Prestige. Mit der Ausbreitung höfischer Umgangsformen wandelte sich auch das europäische Verständnis von Zivilisation. Aus einem umstrittenen Gegenstand wurde ein Symbol gesellschaftlicher Ordnung. Die Geschichte der Gabel zeigt, wie tief politische und kulturelle Umbrüche in alltägliche Gesten eingreifen.
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Liczba stron: 158
Rok wydania: 2026
