Zweifel an Gott - Gunther Klosinski - ebook

Zweifel an Gott ebook

Gunther Klosinski

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Opis

"Wer Gott zweifelt, liegt mehr richtig als falsch." Das Buch ist voll von geistreichen und nachdenklich machenden Sentenzen, Aphorismen, Gedichten und Fragen an Gott und seine Welt. Sie sind eine Einladung zum Quer- und Andersdenken. Der Dichter Gunther Klosinski, der als Psychiater wie kein anderer in die Tiefe der menschlichen Seele blickt, hat die provozierenden Texte verfasst. Er präsentiert mit dieser ungewöhnlichen, aber zugleich raffinierten und klugen Zugangsweise die ganze Bandbreite dessen, was man gegen Gott und den Glauben vorbringen kann. Der Seelsorger Albert Biesinger fängt sie auf und versöhnt den Leser ein Stück weit wieder mit Gott und mit sich selbst.. Ein Buch für Glaubende, die sich bewusst dem Zweifel in den Weg stellen und sich mit ihm auseinandersetzen wollen.

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Liczba stron: 68

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Albert Biesinger / Gunther Klosinski

Zweifel an Gott

Kleines agnostisches Kompendium

Impressum

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2017

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

E-Book Konvertierung: Rainer Moers, Mönchengladbach

ISBN Print 978-3-451-37624-5 ISBN E-Book 978-3-451-81088-6

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Fragen an Gott und seine Welt
Provokation
Himmel, Hölle, Sünde, Teufel
Glaube und Zweifel
Seele
Gott
Leben
Sterben und Tod
Mensch-Gott­-Beziehung
Anregung und ­Aufforderung

VORWORT

Warum »Fragen an Gott und seine Welt« – und dies von einem Kinder- und Jugendpsychiater, Psychiater und Psychotherapeuten? Weil die spirituell-religiöse Dimension zum Menschsein gehört! Lautet doch die zentrale Frage eines jeden Menschen: »Wer bin ich?«, »Was ist meine Bestimmung?«, »Wo komme ich her und wo gehe ich hin?« Und – ob wir es wollen oder nicht – wir machen uns ein Bild von Gott, wenn es heißt: »Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde.« Unsere Bilder von Gott sind schillernd und abhängig von unserem jeweiligen Befinden, geprägt von den Zweifeln an uns selbst, an der Welt, seiner Welt, und damit auch von Zweifeln an Gott, der sie geschaffen hat.

Die von mir aufgeworfenen Fragen sind zum Teil entstanden in der Begleitung und im therapeutischen Dialog mit Jugendlichen und Erwachsenen, die sich oft in einer existenziellen Krise befanden – ähnlich wie Hiob in der Bibel –, Menschen, die in ihrem Glauben erschüttert waren und Gott anklagten, weil sie alles, sich selbst, ihre bisher geliebten Bezugspersonen und den »lieben Gott« in Frage stellten.

Ich empfand es als einen Glücksfall, dass Albert Biesinger sofort bereit war, sich auf meine religiösen Aphorismen, Epigramme und Gedichte einzulassen. Aus einem ursprünglichen Vorwort wurde auf Anregung des Verlags Herder eine in die Tiefe gehende dialogische Auseinandersetzung zu existenziellen religiösen Fragen. Gott, wenn wir ihn zu umschreiben versuchen, als »das Alles umfassende Seiende«, lässt sich in seinem Wesen nicht erkennen und begreifen, ist »agnostisch«. Zweifel an Gott sind deshalb keine »Unfälle« sondern offenbar notwendig, um immer wieder neu und anders an ihn glauben zu können, um unsere Vorstellung von Gott nicht zu zementieren.

Danken möchte ich dem Verlag Herder und hier besonders dem Lektor Thomas Nahrmann, der diesen Dialog zwischen dem Psychotherapeuten und dem Seelsorger ermöglichte, wohl wissend, dass beide, Seel-Sorger und Seelen-Pfleger (Psychotherapeut) ein gemeinsames Ziel haben: den Menschen mit Gott und mit sich selbst ein wenig zu versöhnen.

Mein besonderer Dank gilt meiner Schwiegertochter, Dr. Michaela Klosinski, die über eine lange Zeitstrecke die Endfassung meiner Texte konstruktiv-kritisch begleitete.

Gunther Klosinski

Wenn ein Psychiater und Psychotherapeut sich mit einem Theologen jahrelang auf Zweifel und andere große Fragen einlässt, dann kann dies auch zum Abbruch der Kommunikation führen. In unserem Fall ist es zu einer Intensivierung des Dialogs und vor allem auch des gegenseitigen Verstehens und Respekts gekommen.

Die Anfänge unserer Zusammenarbeit lagen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt zum Thema »Wirkungen religiöser Familienerziehung«, das wir gemeinsam mit dem evangelischen Religionspädagogen Friedrich Schweitzer und dem Kriminologen Hans-Jürgen Kerner und ihren Teams an der Universität Tübingen geleitet haben. Immer wieder entstanden in unseren Gesprächen gegenseitige Fragen, die weiterführend manchmal überraschende Wendungen genommen haben.

Seit Jahren bin ich mit Bildern und Texten von Gunter Klosinski vertraut und verdanke ihm Einblick als Theologe, aber auch persönlich so manche querdenkerische Ansicht.

Als Gunter Klosinski mit diesen Texten an die Öffentlichkeit gehen wollte, habe ich den sinnvollen Vorschlag des Verlags aufgegriffen, in einen Dialog mit dieser Art von Literatur zu gehen. So wurden die kritischen, manchmal überraschend querdenkerischen Texte von Gunter Klosinski zu einer theologischen und existenziell-spirituellen Herausforderung.

Solche Dialoge führen hinaus ins Weite – bisweilen an die Grenzen des Denkens. Theologisch sind manche »schrägen« Vorstellungen allerdings auch Anlass, das Undenkbare zu denken, theologisch Ungewohntes an sich heranzulassen und nicht gleich abzublocken.

Ich habe die Texte während eines Aufenthaltes im Kloster St. Odil im Elsass verfasst – aus der Stille und dem meditativen Gehen heraus. Das macht konkrete und lebendige Beispiele möglich.

Immer wieder rede ich direkt mit Gott, weil das Gebet plötzlich passender erschien, nachdem ich mich in die zum Teil abgründigen Texte von Gunther Klosinski hineingelassen hatte.

Ich danke meiner Schwiegertochter Julia Biesinger, die als Diplompsychologin viele beeindruckende Anregungen gegeben und meine Texte kritisch redigiert hat.

Albert Biesinger

FRAGEN AN GOTT UND SEINE WELT

FRAGEN AN GOTT

Fragen Die er uns Einfallen lassen könnte Fragen Die er sich Gefallen lassen sollte Auf Teufel komm raus

Was wäre er für ein Gott, wenn er unsere Fragen nicht aushalten würde? Wenn er es als Beleidigung empfinden würde, wenn wir als Geschöpfe, die in Freiheit gesetzt sind, uns an ihn wenden und ihm direkt unsere großen Fragen an unser Leben stellen? Warum wir überhaupt in diese Welt gekommen sind, ob und was er sich dabei gedacht hat, uns zu erschaffen, alle Menschen, aber auch mich persönlich?

Dass wir überhaupt fragen können, dafür hat er uns ja die grundlegende Fähigkeit zum Fragen ins Leben mitgegeben.

Gott ist die Bedingung der Möglichkeit aller unserer Fragen, weil er die Bedingung der Möglichkeit unserer Existenz ist und unsere Existenz ist eine fragende Existenz. Der Theologe Karl Rahner hat es eindrucksvoll formuliert. Der Mensch ist ein Wesen der Freiheit, ein Wesen der Transzendenz, ein Wesen der Kommuni­kation, ein Wesen der Schuld und der Grenze. Indem uns Gott die Freiheit, ihm als eigenständige Wesen gegenübertreten zu können, gegeben hat, hat er damit auch unsere grundsätzliche Möglichkeit geschaffen, ihm unsere großen existenziellen Lebensfragen zu stellen.

Dass Gott sich unsere Fragen gefallen lässt, kann man auch an den heiligen Schriften des Judentums und Christentums gut nachvollziehen. Allein wenn man das Buch Hiob nimmt, in dem literarisch verarbeitet ein großer Fragender, ein Verzweifelter, ein Gott Anklagender dargestellt wird, ist diese herausfordernde Frage von Gunther Klosinski mehr als berechtigt.

Gerade in den Grenzsituationen unseres Lebens ist Klagen angesagt. Es ist wichtig zu klagen und damit nicht vorschnell aufzuhören. Vielleicht kommen wir möglicherweise auch so weit wie Hiob. Im letzten Kapitel des Buches Hiob wird es in etwa so beschrieben: Ich, Hiob, habe dich Gott, in diesem meinem Leid von Angesicht zu Angesicht gesehen. »Jetzt aber hat mein Auge Dich gesehen.« (Hiob,42,5)

Gott haut nicht ab, wenn es dunkel wird. Was wäre er für ein Gott? Er hält unsere existenzielle Betroffenheit, auch unsere verzweifelten Anklagen gegen ihn aus.

Warum er allerdings die Situation zulässt, dass wir so verzweifelt sein können, so endlich sind, so Gott verlassen uns manchmal auch fühlen können, ist eine der großen Fragen, die ich ihm, wenn ich dann meinen Körper verlassen habe und mit ihm anders kommunizieren kann, unbedingt stellen möchte.

IM GUTEN WIE IM BÖSEN

Hinterlist Eines allmächtigen Gottes Uns glauben zu machen Es gäbe ihn nicht Um sich dann zu zeigen Im Guten wie im Bösen

Ob Gott uns glauben machen möchte, es gäbe ihn nicht, ist für mich schon die Frage.

Es ist vielmehr unsere Unzulänglichkeit, die uns verleitet, im weiten Spektrum unserer Existenz zu denken und zu fühlen, dass es Gott möglicherweise nicht gibt.

Ob Gott uns in die Versuchung führt, zu glauben, dass es ihn nicht gibt – vielleicht ist dies eine Projektion von uns Menschen in solchen Situationen.

Dass Gott sich zeigt im Guten wie im Bösen: Wenn Gott die höchste Komplexität der Wirklichkeit ist, dann kann das Böse nicht eine eigene Existenz führen, die mit dieser höchsten Komplexität der Wirklichkeit nichts zu tun oder gar wenig zu tun habe.

Die große Frage ist eben nicht gelöst, ob Gott auch das Böse, die Dynamik des Bösen, das Teuflische, mit erschaffen hat, als er uns Menschen erschaffen hat.

Die Evolution »tickt« so, dass sich immer das Stärkere durchgesetzt hat. Selektion bedeutet ja immer auch: »Was hat mehr Chancen zum Überleben?« Wenn wir uns aber nur den Trieben der Evolution überlassen, dann ist das, was Jesus in der Bergpredigt als zentrale Verheißung verkündet, nicht angekommen.

Wenn die Menschheit sich an das gehalten hätte oder halten würde, was der Kern der Botschaft Jesu von Nazareth ist, des aus der göttlichen Welt gekommenen Heilandes, würde diese Welt heute komplett anders dastehen. Es hätte keine Verfolgung der Juden durch die Christen gegeben. Dann wären in Lateinamerika nicht Millionen Menschen im Zuge der spanischen Eroberungen – auch im Zeichen des Kreuzes – ermordet worden.