Woyzeck. Königs Erläuterungen - Georg Büchner - ebook

Woyzeck. Königs Erläuterungen ebook

Georg Büchner

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Opis

Königs Erläuterungen zu von Georg Büchner: Woyzeck - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 139




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 315

Textanalyse und Interpretation zu

Georg Büchner

WOYZECK

Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Georg Büchner: Woyzeck. Studienausgabe. Nach der Edition von Thomas Michael Mayer hrsg. von Burghard Dedner. Stuttgart: Reclam, 1999 (Universal-Bibliothek Nr. 18007). Die jeweils erste Zahl gibt die Seite an, die zweite die Druckzeile.

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antike-Rezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst. Zitate von Büchner folgen der zitierten Ausgabe. Zitate von Volker Braun und Heiner Müller müssen auf Grund eines Einspruches in der alten Rechtschreibung übernommen werden.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

4. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6916-7

© 2002, 2010 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Klaus Kinski und Eva Mattes im Film (1978), © ullstein bild – KPA

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Georg Büchner: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Völkerschlacht und Wiener Kongress

Das Junge Deutschland und Georg Büchner

Beginn der industriellen Revolution

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Stationendrama

Der Bote aus der Fremde

Symbole und Metaphern

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Macht und Machtlosigkeit – zwei Personengruppen

Franz Woyzeck

Marie Zickwolf

Tambourmajor

Doktor

Hauptmann

Andres

Die Personenkonstellation unter dem Aspekt der Namen

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Alltagssprache und nichtsprachliche Zeichen

Metaphorische Vorbereitung

Windschiefe Dialoge

Spracharten

Sprachliche Mittel

3.7 Interpretationsansätze

Woyzeck als Beispiel eines deformierten Menschen

Woyzecks Natur und die Konventionen (Tugend)

Woyzecks Entsozialisierung

Woyzecks soziale und gesellschaftliche Determination

Büchners Auffassung vom „Fatalismus“

4. Rezeptionsgeschichte

Rezeption durch den deutschen Naturalismus nach 1875

Erster Höhepunkt um 1920 und verschiedene Rezeptionslinien

Nach 1960 neue Phase der Rezeption

Büchner-Preis und -Forschungsstelle

Georg Büchner als Gegenstand der Dichtung (Auswahl)

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Gesamtausgaben

Einzelausgaben des Woyzeck

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur:

Verfilmungen (Auswahl)

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, folgt eine Übersicht.

Im 2. Kapitel wird Georg Büchners Leben beschrieben und auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund verwiesen:

Georg Büchner lebte von 1813 bis 1837 im Großherzogtum Hessen-Darmstadt, in Straßburg und Zürich.

Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 änderte die europäischen Machtstrukturen. 1815 wurden durch den Wiener Kongress die Verhältnisse vor der Französischen Revolution von 1789 weitgehend restauriert. Das Junge Deutschland kritisierte diese Entwicklung und wurde deshalb 1835 verboten. Parallel dazu begann die industrielle Revolution, und die Arbeiterklasse samt ihren Organisationen entstand. Das Großherzogtum Hessen-Darmstadt war ein Kleinstaat, der zu Büchners Zeit ein rückständiges Agrarland war. Die sozialen Widersprüche brachen schroffer als in anderen Regionen auf.

Das wird auch in Georg Büchners dramatischem Fragment Woyzeck erkennbar: Die Bedeutung des Stücks liegt in den erfassten sozialen Problemen und den daraus abgeleiteten Fragestellungen. Das Stück wurde erst 40 Jahre nach Büchners Tod bekannt und erst 100 Jahre nach Büchners Geburt uraufgeführt. Seither gehört es zu den berühmtesten Werken der deutschen Literatur.

Im 3. Kapitel wird eine Textanalyse und -interpretation geboten.

Woyzeck – Entstehung und Quellen:

Georg Büchners dramatisches Fragment Woyzeck geht auf einen Kriminalfall zurück: Der arbeitslose Friseur und Perückenmacher Johann Christian Woyzeck, 41 Jahre, erstach 1821 in Leipzig seine Geliebte, die 46-jährige Johanna Christiane Woost. Die Tat löste gerichtspsychiatrische Auseinandersetzungen über Schuldfähigkeit und soziale Ursachen der Verbrechen aus, die auch nach der Hinrichtung Woyzecks 1824 weitergeführt wurden.

Inhalt:

Das dramatische Fragment Woyzeck hat in verschiedenen Fas­sungen unterschiedlich viele Szenen, die keiner systematischen Ordnung unterliegen. Die sogenannte „Quartfassung“, die ein­zelne Merkmale einer Reinschrift aufweist, hat 17 Szenen. Durch Ergänzungen mit Szenen der anderen Fassungen ist die Stu­dienausgabemit 25 Szenen entstanden, nach der zitiert wird. Der Soldat Franz Woyzeck lebt am untersten Ende der sozialen Hierarchie; nur seine Geliebte Marie und sein Kind sind ihm Halt. Aber er wird von seinen Vorgesetzten als Versuchsobjekt für medizinische Experimente missbraucht, seine Geliebte wird von einem Tambourmajor verführt, und er wird so gedemütigt, dass er seine Geliebte Marie ermordet.

Chronologie und Schauplätze:

Woyzeck erscheint als frühes modernes Stationenstück oder auch als offene Dramenform (Volker Klotz). Es spielt, wie Indizien belegen, in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Den historischen Johann Christian Woyzeck richtete man nach einem dreijährigen Prozess am 27. August 1824 öffentlich auf dem Leipziger Marktplatz hin. Der Schauplatz des Stückes ist eine mittlere Stadt, die Gießen, in einigen Zügen Darmstadt ähnelt.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Franz Woyzeck:

ca. 40 Jahre,

wird ausgenutzt, betrogen und hintergangen,

der erste Plebejer mit proletarischen Zügen, der die deutsche Bühne betritt,

Marie Zickwolf:

erotisch-sinnlich,

triebbestimmt,

Liebe wird käuflich,

schuldbewusst,

Tambourmajor:

äußerlich,

oberflächlich,

kein soziales Gefühl,

triebhaft bestimmt,

Hauptmann:

beruft sich auf seinen Stand und die Dienststellung,

dümmlich,

selbstgerecht,

Doktor:

pseudowissenschaftlich interessiert,

menschenverachtend,

fast eine Karikatur,

Andres:

Soldat,

Partner und rationales Gegenbild von Woyzeck,

lebt nach dem Befehl.

Die Hauptfiguren werden ausführlich vorgestellt, auf weitere Figuren wird verwiesen.

Stil und Sprache Georg Büchners:

Büchner ist radikaler kritischer Realist, der oft schon Naturalistisches – das bedeutet möglichst genaue und vollständige Wirklichkeitsbeschreibung, scheinbar „zufällige“ Wirklichkeitsausschnitte – vorwegnimmt.

Alltagssprache und Fachsprache (Arzt), aber auch Montagen romantischer Elemente (Lieder, Märchen)

Besonderheit des windschiefen Dialogs zwischen den Gestalten

Nichtsprachliche Bestandteile im Text sind Ausdruck des geringen sprachlichen Vermögens mehrerer Gestalten.

Verschiedene Interpretationsansätze bieten sich an:

Woyzeck als Beispiel eines deformierten Menschen,

Woyzecks Berufung auf seine Natur gegen erstarrte Konventionen,

Woyzecks soziale Stellung und seine Entsozialisierung,

die Zerstörung der privaten Sphäre Woyzecks durch gesellschaftliche Determinationen,

Woyzeck und Büchners Auffassung vom „Fatalismus“.

Die Gesellschaftskritik Büchners berührte Probleme des Kapitalismus und richtete sich auf die ungerechten Verteilungsprinzipien der kapitalistischen Gesellschaft, für ihn im Widerspruch von Arm und Reich, Hütten und Palästen (Hessischer Landbote) gegenwärtig.

Rezeptionsgeschichte:

Mit dem beginnenden Naturalismus um 1875, betrieben durch Karl Emil Franzos, begann die Rezeption des Werkes, die 1920 einen ersten Höhepunkt und mit Alban Bergs Oper Wozzek 1925 den nächsten Höhepunkt erreichte.

Bertolt Brecht hielt Woyzeck für eines der stärksten Werke der deutschen Literatur.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts begann eine neue Phase der Rezeption, die durch weitere Forschungen und die Massenmedien unterstützt wurde.

Der Georg-Büchner-Preis (seit 1923) bekam 1951 eine neue Qualität und gilt als höchste deutsche Auszeichnung für Literatur.

2.Georg Büchner: Leben und Werk

Georg Büchner 1813–1837 © www.zeno.org, Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1813

Goddelau (Hessen–Darmstadt)

17. Oktober: Karl Georg Büchner wird als Sohn des Arztes Ernst Karl B. und seiner Ehefrau Caroline Luise B. geboren. Georg Büchner stammt aus einer Arztfamilie.

1816

Darmstadt

Vater wird Bezirksarzt und Großhrzl. Medizinalrat.

3

1819

Erster Unterricht durch die Mutter bis 1820.

6

1821

Darmstadt

Aufnahme in die „Privat-Erziehungs- und Unterrichtsanstalt“ (Dr. Karl Weitershausen).

8

1824

Darmstadt

Bruder Ludwig Büchner geboren (gest. 1899) (damals bekanntestes der hochbegabten sieben Geschwister), mit seinem Buch Kraft und Stoff (1855) propagierte der praktische Arzt einen mechanischen Materialismus, der im Naturalismus einflussreich war. 

11

1825

Darmstadt

Ostern: Aufnahme ins Gymnasium (Großherzogliches Pädagog). Umfangreiche Lektüre, darunter Homer, Shakespeare, Goethe, Schiller, Jean Paul, Tieck, Herder, Heine und Volkspoesie.

11

1828

Darmstadt

Zirkel von Primanern, in dem religiöse, moralische und politische Fragen diskutiert wurden.

15

1829

Darmstadt

Schulrede, dabei Fichtes Reden an die deutsche Nation verwendet, die zu seiner Lieblingslektüre gehörten.

16

1830

Darmstadt

Rede zur Schulabschlussfeier über Verteidigung des Cato von Utika: Büchner lobt den selbstlosen Einsatz eines republikanischen Römers und zieht ihn dem Herrscher Cäsar vor. Er versteht das sehr aktuell.

17

1831

Darmstadt

März: Öffentliche Abiturrede, Reifezeugnis.

17

Straßburg

Medizinstudium; Wohnung bei dem entfernt verwandten Pfarrer Jaeglé, in dessen Tochter Louise Wilhelmine (Minna) B. sich verliebt.

18

Straßburg

17. November: durch seinen Studienfreund Eugen Boeckel Kontakt zur Studentenverbindung „Eugenia“ (eigentlich nur für Theologen). Mittelpunkt sind die Brüder Adolph und August Stöber, mit denen sich Büchner befreundet.

18

1832

Straßburg

März: heimliche Verlobung Büchners mit Minna; Büchner spricht mehrfach in „Eugenia“ über die unhaltbaren gesellschaftlichen Zustände und die Gegensätze von Arm und Reich.

18

Paris

Juni: Volksaufstand, die „Eugenia“ wird politisiert.

1833

3. April: Anlässlich des Frankfurter Wachensturms Bekenntnis zum gewaltsamen Umsturz der Verhältnisse, Bekanntschaft mit Saint-Simonisten.

19

Darmstadt

Juni: Wanderung durch die Vogesen; Ende Juli: Rückkehr ins Großherzogtum, um die gesetzlich vorgeschriebenen zwei Jahre an der Landesuniversität Gießen zu studieren.

Gießen

31. Oktober: Immatrikulation an der Universität Gießen und besonderes Interesse für vergleichende Anatomie.

20

Darmstadt

Nach schwerer Erkrankung (Hirnhautentzündung) Rückkehr ins Elternhaus.

1834

Gießen

Januar Lebenskrise: sogenannter Fatalismusbrief an Minna; Januar: Fortsetzung des Studiums. Büchner lernt den „roten August“ (August Becker) kennen, der ihn an den Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig vermittelt.

20

Gießen

Mitte März/April: Gründung der Gesellschaft der Menschenrechte (erste frühkommunistisch revolutionäre Vereinigung in Deutschland).

Erarbeitet die Flugschrift Der Hessische Landbote, von Weidig entschärft.

Straßburg

Ostern: offizielle Verlobung mit Wilhelmine (Minna) Jaeglé.

Darmstadt

Mitte April: Gründung einer Sektion der Gesellschaft der Menschenrechte.

Ruine Badenburg (bei Gießen)

Juli: Gründungsversammlung des „Pressvereins“ auf Betreiben Weidigs: Rahmenprogramm für Flugschriften.

20

Butzbach

u. a.

Der drohenden eigenen Verhaftung entgeht Büchner durch resolutes Auftreten und ein fingiertes Alibi.

Darmstadt

Büchner bereitet sich auf das Examen vor, intensive Beschäftigung mit der Französischen Revolution.

Darmstadt

Herbst: politische Arbeit in der Gesellschaft, Waffenübungen, Vorbereitung der Befreiung Minnigerodes u. a.

21

1835

Darmstadt

Konspirative Tätigkeit, gerichtliche Vorladungen, Arbeit an Dantons Tod, Manuskript an Karl Gutzkow gesandt (erscheint unvollständig in der Zeitschrift Phönix).

Straßburg

März: Flucht vor der drohenden Verhaftung über die französische Grenze ins Exil; er meldet sich als Jacques Lutzius bei den Behörden.

Freundschaft mit Wilhelm und Caroline Schulz beginnt und dauert bis zu Büchners Tod.

Frankfurt

18. Juni: Steckbrief Büchners erscheint; Büchner übersetzt Dramen Victor Hugos.

21

Straßburg

Beginn mit der Untersuchung über das Nervensystem der Fische für die Promotion.

1836

Straßburg

Ergebnisse des Promotionsvorhabens werden vor der Société d‘histoire naturelle de Strasbourg präsentiert, und die Sociéte ernennt ihn zum Mitglied.

22

Straßburg

Philosophische Studien zur Vorbereitung auf die Lehrtätigkeit in Zürich; Juni: Arbeit an Leonce und Lena; Juli: Beginn der Arbeit am Woyzeck. Vorarbeiten zu einem Drama: Pietro Aretino.

August: Besuch durch die Mutter und Schwester Mathilde.

Zürich

3. September: Die Universität Zürich verleiht Büchner die „philosophische Doktorwürde“. Arbeit am Woyzeck.

Zürich

18. Oktober: Übersiedlung nach Zürich. Umgang mit deutschen Exilanten.

5. Nov.: Probevorlesung, Privatdozent.

23

1837

Zürich

Januar: Büchner kündigt drei Dramen an. Erkrankung an Typhus.

23

Zürich

19. Februar: Tod in Anwesenheit von Wilhelmine Jaeglé und zwei Tage später Beerdigung unter großer Teilnahme auf dem „Krautgarten“-Friedhof der Gemeinde Großmünster.

1875

Zürich

Überführung der Gebeine auf den Friedhof am Zürichberg. Auf dem Grabstein stehen die Verse Georg Herweghs: „Ein unvollendet Lied sinkt er ins Grab,/Der Verse schönsten nimmt er mit hinab.“ (1841)

1913

München

Uraufführung von Wozzeck (sic!) im Residenztheater München

1997

Goddelau

Im Geburtshaus wird ein Museum eröffnet.

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Übergreifende Vorgänge von 1770 bis 1848:

Philosophisch und geistesgeschichtlich: Befreiung des individuellen und gesellschaftlichen Denkens von religiösen Dogmen, beginnend mit der Aufklärung bis zum „Ende der Kunstperiode“ (Heine) mit Goethes Tod 1832;

Unabhängigkeitskampf in Nordamerika 1775 und Beginn der industriellen Revolution;

revolutionäre Bewegungen von der Französische Revolution von 1789 über die französische Julirevolution 1830 bis zur bürgerlichen Revolution von 1848;

Wichtig für 1813 bis 1848:

1813 veränderte die Völkerschlacht bei Leipzig, in der Napoleon I. besiegt wurde, die europäischen Machtverhältnisse.

1815 wurden durch den Wiener Kongress die Verhältnisse vor der Französischen Revolution von 1789 weitgehend restauriert.

Das Junge Deutschland kritisierte diese Verhältnisse und wurde deshalb 1835 verboten.

Georg Büchner sah sich revolutionärer als das Junge Deutschland, dem er vorwarf, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verkennen. Das Motto seines Hessischen Landboten (1834) lautete: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“

Büchner war ein Vorläufer des Frühsozialismus, seine politischen Ansichten waren radikaldemokratisch, wichtig war ihm die Fokussierung auf die sozialen Gegensätze.

Parallel zu den politischen Entwicklungen begann die industrielle Revolution und die Entwicklung samt Organisation der Arbeiterklasse (Proletariat).

Völkerschlacht und Wiener Kongress

Georg Büchners Geburtstag fällt auf einen Tag der Völkerschlacht bei Leipzig: Am 16. Oktober griffen die verbündeten Armeen Preußens, Österreichs, Russlands und Schwedens Napoleon I. bei Leipzig an, nachdem die französische Armee 1812 in Moskau eine vernichtende Niederlage erfahren hatte. Die Völkerschlacht bei Leipzig veränderte die Welt. Die napoleonische Herrschaft über Europa war zu Ende, und der Wiener Kongress 1815 restaurierte die überholten Machtverhältnisse der feudalen Duodezherrscher (Fürsten über kleine und zersplitterte Herrschaftsgebiete). Das bedeutete auch die Zementierung territorialer Zerrissenheit; einen deutschen Zentralstaat gab es nicht. Andererseits ließen sich die im Kampf gegen die Fremdherrschaft entstandene patriotische Kraft und die damit verbundene Vorstellung von deutscher Nationalität nicht mehr völlig verdrängen. Hinzu kamen die durch Napoleon durchgesetzten bürgerlichen Rechte wie die Einführung des Code civil und ein sichtbarer Fortschritt der bürgerlichen Demokratie in den Rheinbundstaaten. Auch hatte sich in der schulischen Bildung eine neuhumanistische und naturwissenschaftliche Thematik durchgesetzt und war an die Seite der klassischen Fächer getreten. Insofern wurde die Julirevolution 1830 für aufgeschlossene Geister wie Georg Büchner die Fortsetzung des Kampfes um bürgerliche Rechte und Freiheiten. Büchner und seine Freunde sollen sich „nur mit den Worten ... ‚Bon jour, citoyen!‘“ (Guten Tag, Bürger) gegrüßt haben.[1] Von der Julirevolution aus datiert auch ein loser Zusammenschluss deutscher Schriftsteller, die der Literatur eine verstärkte politische und gesellschaftliche Wirkung geben wollten. Dadurch gerieten sie, die man als „Junges Deutschland“ bezeichnete, bei den aristokratischen Machthabern in den Verdacht, die moralischen Werte zerstören zu wollen. Tatsächlich ging es ihnen darum, die neu entstandenen bürgerlichen Vorstellungen zu verbreiten – dazu gehörten Meinungs- und Pressefreiheit, nationale Einheit und verfassungsmäßig gesicherte Freiheit – und die Reaktion zu verdrängen. Zu diesem Jungen Deutschland zählte man u. a. Heinrich Heine, Ludwig Börne und Christian Dietrich Grabbe.

Die jungdeutsche Literatur: Die berühmtesten Namen waren Heine und Börne. Es wurden aber auch so unterschiedliche Dichter dazu gerechnet wie der erst im zurückliegenden Jahrzehnt wiederentdeckte Ernst Ortlepp (1800–1864), in einem weiteren Umkreis der Westfale F. W. Weber (1813–1894) und Karl Gutzkow (1811–1878). Wenn Ernst Ortlepp, Georg Büchner, dessen Mentor Karl Gutzkow und F. W. Weber hier als unterschiedliche Vertreter im Umfeld des Jungen Deutschland genannt werden, so zeigt das, dass die Konturen dieser Bewegung, die wenig organisiert und kaum programmatisch gefestigt war, unscharf sind.