Winterengel und sanfte Matrosen - Thomas Luthardt - ebook

Winterengel und sanfte Matrosen ebook

Thomas Luthardt

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Opis

1988, vier Jahr vor der Gründung unseres Verlags und ein Jahr vor dem Ende der DDR, veröffentlichte der Buchladen Männerschwarm eine Sammlung von "Schwulen Gedichten und Geschichten aus der DDR" – der Autor: Thomas Luthardt. Im Nachwort war seinerzeit zu lesen: Wie leben die Schwestern im Osten? Auf diese Frage geben diese Texte und Gedichte eine klare Antwort: Einfach so. Schwulsein wird bei Thomas Luthardt mit nichts anderem in Beziehung gesetzt als mit sich selbst: es geht um Liebe, Leid, Sehnsucht, Trennung, Lust. Dieser Schreibhaltung ist Thomas Luthardt treu geblieben. Ihr verdankt er, dass Hans Stempel und Martin Ripkens ihrer Anthologie schwuler Lyrik zwei Luthardt-Verse zum Titel gaben: Ach Kerl, ich krieg dich nicht / aus meinem Kopf. Und wir verdanken ihr, dass wir seinen Lesern aus Anlass des 65. Geburtstags des Autors diese schöne Retrospektive präsentieren können. In seinem Nachwort beschreibt Axel Schock, der zusammen mit Thomas Luthardt diese Sammlung zusammenstellte, den literarischen Werdegang des Autors.

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Thomas Luthardt

Winterengel undsanfte Matrosen

65 Gedichte

Mit einem Nachwort von Axel Schock

Männerschwarm VerlagHamburg 2015

«Die Lust ist stets die beste,die man sich selber macht.»Annette von Droste-Hülshoff

Noch einmal: allen FreundenUnd einem vor allen

I.

Sommer

Wir liebten uns nicht

Im wegnahen Gebüsch

Nicht am Strand

Unter aller Augen

Wir gingen ins dichtre

Gehölz manch

Mal ins Wasser wo

Was wir trieben

Kreise zog

Bis an das Ufer

***

für Joschi

Winterengel

Fällst du

Aus allen Wolken

Wunderschön

Weiß

Dein Schneeherz schmilzt

Nachtlang

An meiner Brust

***

Halt meine Träume fest.

Ich geb sie dir.

Bau eine Brücke draus.

Sie führt zu mir.

***

Wir liegen in einem Bett.

Wir liegen Bauch an Bauch.

Sind ein Herz, eine Seele.

Und eines Geschlechtes auch.

***

Du, den ich denke:

Sternweither kam der

Helle König

Meines Herzens,

Und fraglos

Genossen wir die schwere

Süße dieses Sommers …

Herbst war. Und Weimar

Warf über uns seine Netze:

Im bunten Park gleißt

Das Gartenhaus, durchs Hopfenfeld

Hüpfen Pflücker. Stunden

Später schippert Mond

Auf der Ilm …

Wenige Schritte: wir fallen

Dem umjubelten Mephisto

In die Fänge.

Winter ist. Mich wärmt

Meines Herzens

Heller König.

***

Wieviele Jahre schon

Dass wir uns lieben

Und niemand

Diese Liebe weiß

Nie vergesse ich den Abend

Da du ahnungsvoll

Mir folgtest wortlos

Durch die dunklen Straßen

Wortlos bis in meine Wohnung

Und du wortlos nackt

Mich auszogst und mir

Deinen Willen zeigtest …

So verstanden sie sich

Wortlos unsre Leiber

Fanden gegen Morgen

Eine Sprache die wir sprechen

Wortlos seit gut fünf-

Undzwanzig Jahren

***

Früher Abend

Dunkel ist. Und unsre Körper

Fließen ineinander.

Uns ganz allein

Gehört jetzt diese Stunde.

Fern vorm Fenster

Flimmert fremd die Stadt.

Auf unsrem Bette

Tanzen Schatten,

Und Grillen geigen uns

Das Nachtkonzert.

***

Vorm Aquarium

Ich sehe der Fische

Geheime Sprache

Davon können lernen

Die heimlich sich lieben:

Mit festen Lippen

Küssen und Schweigen …

***

einander begegnen

sanft

auf der brücke

unserer blicke

aber

die tiere

in unseren augen

zielen

ihren sprung

aufs herz

***

Laternen schwanken wie betrunken,

Durch Straßen fegt der erste Frühjahrssturm.

Fensterläden schlagen

Wach die Schläfer,

Müllkübel fliegen

Durch die Höfe: Riesenkäfer.

Nur wir sind ineinander

Still versunken.

***

Der erste Frühjahrssturm

Reißt trockne Blätter

Von den Bäumen,

Aus Kronen krachen

Zweige, Äste …

Das Land entzündet

Grüne Feuer, schwer

Fällt Regen uns

Auf schmale Schultern.

Wir laufen über blank-

Gewaschne Wiesen,

Tau perlt an blattlosem Busch.

Uns schlägt feiner Niesel

In zartgraue Schleier,

Bis milde Sonne

Uns allmählich trocknet.

Und eine Schwalbe

Fliegt den Sommer ein …

***