Willkommen im Pferdeparadies - Kathrin Schrocke - ebook

Willkommen im Pferdeparadies ebook

Kathrin Schrocke

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Opis

Dieser Doppelband enthält die beiden Einzelbände "Ein Reitstall voller Peinlichkeiten" und "Pleiten, Tricks und ein Pferd zu wenig". Franzi ist genervt: Ihre Mutter zwingt sie, Klavierstunden zu nehmen, dabei träumt sie von Pferden, seit sie denken kann. Caro dagegen hat die Nase voll vom Stallgeruch, denn Tag für Tag muss sie auf dem Reiterhof ihrer Eltern mithelfen. Höchste Zeit, ihre Rollen zu tauschen, finden die beiden Freundinnen! Lila hat ein ganz anderes Problem: Als Einzige in der Klasse wurde sie noch nie geküsst. Und als wäre das nicht genug, soll jetzt auch noch ihr Lieblingspferd Feurio verkauft werden! Lila beschließt Geld zu beschaffen, und Feurios Besitzerin zu werden. Doch das stellt sich als schwierig heraus, erst recht, als der Junge ihrer Träume auftaucht.

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THiLO

Der Bube der Kelche

Der Bube der Kelche!

Lila starrte die Tarotkarte auf ihren Knien mit großen Augen an. Was diese Karte im Liebesorakel bedeutete, wusste sie natürlich auswendig: Der Bube der Kelche kündigte einen Heiratsantrag, einen Liebesbrief oder eine neue Person zum Verlieben an.

Wie lange hatte Lila bei ihren morgendlichen Kartenbefragungen auf dieses Motiv gewartet und nun lag der mittelalterliche Bube mit dem Messinggefäß in den Händen dort und schien sie anzugrinsen.

Für welche Variante sollte sie sich entscheiden?

Lila dachte nach. Für einen Heiratsantrag fühlte sie sich mit ihren zwölf Jahren und fünf Monaten noch ein winziges bisschen zu jung. Andererseits – hatte es nicht zu allen Zeiten Frauen gegeben, die sich mit ihren Männern zwölfjährig oder sogar noch jünger vermählt hatten und trotzdem ein Leben lang glücklich gewesen waren? Meistens irgendwelche Prinzessinnen oder Königinnen in England oder Spanien mit blutleeren Gesichtern und Stehkrägen, an die Lila sich aus ihrem Geschichtsbuch erinnerte. Abgesehen davon fiel ihr allerdings niemand ein, der so früh geheiratet hatte.

Ihre Mutter war 35, als sie ihren Vater ehelichte – reif genug, wie sie immer wieder betonte. Was sie wohl sagen würde, wenn Lila nächste Woche heiraten würde? Mit Schleier und Schleppe und 30-köpfiger Blaskapelle? Vermutlich überhaupt nichts, sie würde es gar nicht so weit kommen lassen. Nein, Lila beließ es dabei, für die Ehe war sie noch nicht bereit.

Dann also der Liebesbrief? Aber wer sollte ihr den schicken? Sie ging in Gedanken ein paar Gesichter aus den siebten und achten Klassen durch, schüttelte aber schnell wieder den Kopf. Die zwei, drei halbwegs interessanten Typen waren leider an Traumfrauen vergeben oder unerreichbar, die restlichen 99Prozent verbrachten ihre Freizeit mit Computerspielen und dem Zählen ihrer Pickel. Lila schüttelte sich.

Ja, es gab jetzt, nach reiflicher Überlegung, keinen Zweifel mehr: Eine neue Person würde in ihr Leben treten. Nicht gleich heute vielleicht, aber doch sehr bald.

Lila musste die Augen offen halten, so viel war klar, und Mister Right würde nicht nur einfach in ihrem Leben auftauchen, er würde über sie stolpern, sie umrennen, beim Stieren nach ihr vor eine Laterne laufen oder mindestens auf offener Straße in die Knie gehen und vor Glück in Tränen ausbrechen. Alles nur wegen Lilas Anblick.

Lila war im siebten Himmel. Seit mehr als einem Jahr befand sie sich nun schon in der demütigenden Situation, als einziges weibliches Wesen der 7b U-N-G-E-K-Ü-S-S-T zu sein. Selbst Uta Bahr, die locker als Quasimodos Schwester durchgehen würde, hatte schon im vergangenen Herbst am Kirmessamstag geküsst, wofür es nicht weniger als neun Zeugen gab!

Doch wie ein erneuter Blick auf ihre Knie bestätigte, gab es jetzt endlich auch in Lilas Leben die berechtigte Hoffnung auf romantische Zeiten. Sie seufzte erleichtert auf.

„Lila Schwarz, nimm bitte die Hände aus deinem Schoß!“ Frau Bernt, die fieseste Mathe- und Französischlehrerin seit Aschenputtels Stiefmutter, keifte zu ihr herüber.

Lila hob den Kopf. 27Augenpaare starrten sie an. 26Münder grinsten, alle bis auf Frau Bernts.

„Danke für diese Peinlichkeit“, murmelte Lila.

Hände aus dem Schoß! Das hörte sich doch an wie im Mädchenpensionat. Sie war sich sicher, dass alle anderen genau das Gleiche dachten. Hände aus dem Schoß! Keiner kam drum herum, dabei an Zweideutigkeiten zu denken. Lila merkte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss.

„Lila, du wirst ja ganz lila!“, prustete Daniel, der Klassenkasper, los, wie immer äußerst einfallsreich, wenn es um Witze mit ihrem Namen ging.

Die anderen brüllten vor Lachen. Lila richtete flehende Blicke Richtung Himmel, doch der Boden des Klassenzimmers tat sich nicht auf und verschluckte sie, nicht mal einen winzigen Millimeter – Lila musste auch noch das letzte anzügliche Grinsen aushalten, bevor die Bernt sich endlich wieder ihrer geliebten Geometrie zuwandte und alle Blicke wohl oder übel ihren Kreidestrichen folgten.

Lila blinzelte zu ihren Knien hinab. Er war noch da, der Bube. Die Karte hatte sich nicht in Luft aufgelöst oder in den Eremiten verwandelt, der Einsamkeit und damit Singledasein empfahl. Nein, dass sie innerhalb der nächsten Tage ihrem Traummann begegnen würde, stand außer Zweifel, die Karten irrten sich nie. Die Frage war vielmehr: Würde er bei ihr bleiben, wenn er ihren bescheuerten Namen hörte?

Lila steckte seufzend den Buben der Kelche in den Stapel zu den anderen Tarotkarten zurück und nahm die Hände endgültig aus dem Schoß. Da waren sie wieder, die Probleme, die man nur hatte, wenn man Lila Schwarz hieß. Das kurze Glücksgefühl, ausgelöst von der Hoffnung weckenden Karte, war verschwunden und den üblichen Zweifeln gewichen. Keiner bleibt bei einem Mädchen mit so einem lächerlichen Namen – das stand unumstößlich fest, auch wenn die Karten Busladungen von süßen Jungs versprechen sollten. Bleiben würde keiner.

Das Stupsen ihrer Nachbarin riss Lila aus ihren dunklen Gedanken. Ohne den Blick von der Tafel abzuwenden, schob sie Lila einen kleinen, mehrfach geknickten Zettel zu. Als Adressat stand fein säuberlich Lila Schwarz auf dem Papier. Lila faltete ihn aufgeregt auseinander – hatte der Bube der Kelche doch einen Liebesbrief angekündigt?

„WER KANN MIT ZWEI WORTEN SEINEN NAMEN UND SEINE BEIDEN LIEBLINGSFARBEN NENNEN?“, war die Frage, die der Brief stellte. Die Antwort darauf hatte sie bereits vor wenigen Sekunden gelesen. Daniel duckte sich unter ihrem Blick und kicherte leise in sich hinein.

Lila verdrehte die Augen. Die Sommerferien waren seit einer Woche vorbei, und das Schuljahr wollte und wollte kein Ende nehmen.

Ein Name zum Davonlaufen

„Warum musstet ihr mir ausgerechnet den Vornamen geben, der sich am allerbescheuertsten zu meinem Nachnamen anhört?“

Zur Begrüßung flog Lilas Schultasche in hohem Bogen durch die Küche, landete auf dem Esstisch und warf zwei Gläser um.

„Danke der Nachfrage, mein Vormittag war auch sehr schön!“, entgegnete Frau Schwarz knapp und überreichte Lila den Spülschwamm. Grummelnd machte sich Lila daran, die Saftpfützen wegzuwischen.

„Sei froh, dass wir nicht Schlüpfer mit Nachnamen heißen!“, sagte Herr Schwarz grinsend. Wenn er wollte, konnte er wirklich wahnsinnig witzig sein. Lila warf ihrem Vater einen giftigen Blick zu.

„Niemand will mit einem Mädchen gehen, das Lila Schwarz heißt!“, schimpfte sie. „Kein Wunder, dass ich als Einzige in meiner Klasse noch nie geknutscht habe!“

Lila zuckte zusammen. Eigentlich benutzte sie dieses Wort nicht im Beisein ihrer Eltern, die ausgesprochene Spießer waren, wenn es um Liebe oder gar Sex ging. Aber wenn sie in Fahrt war, vergaß sie nun mal alles um sich herum.

„Dann stell dich doch beim nächsten Mal als Lieschen Müller vor“, schlug Herr Schwarz vor und wandte sich wieder seiner Zeitung zu. „Außerdem darfst du von mir aus ruhig noch ein bisschen älter werden zum Knutschen!“

Lilas Vater sprach dieses Aufregung verheißende Wort so aus, dass einem in der Tat augenblicklich jede Lust aufs Knutschen vergehen konnte. Lila verzog das Gesicht.

Ihre Mutter versuchte nur halbherzig, die Wogen zu glätten. „Wenn wir geahnt hätten, dass dir dieser schöne Name so wenig gefällt, hätten wir dich sicher Gisela genannt. Aber so wirst du dich wohl oder übel damit abfinden müssen.“

Das war das Schlusswort. Lila hatte sich oft genug bei ihren Eltern über ihren Namen beschwert, um das beurteilen zu können. Sie seufzte dreimal tief, setzte sich auf ihren Stuhl, wartete geduldig, bis auch ihr Vater sich bequemte, die Zeitung wegzulegen, und löffelte schweigend ihre Kartoffelsuppe. Der Tag war ohnehin verdorben, was machte es da schon aus, dass es ausgerechnet ihr erklärtes „Lieblingsessen“ gab.

Nachdem sie den schleimigen Geschmack der Suppe mit reichlich Apfelschorle hinuntergespült und sich eine geschlagene Stunde durch Frau Bernts Hausaufgaben gekämpft hatte, war endlich die Zeit gekommen, alle Sorgen und Peinlichkeiten des Tages zu vergessen.

Lila packte ihren Rucksack, setzte sich auf ihr Mountainbike und machte sich auf den Weg zum Reitplatz. Nach einer Viertelstunde wurden die Häuser weniger. Noch ein Stück die Landstraße hinauf, dann bog sie auf das Gelände ihres Reiterhofs ab.

Seit drei Jahren kam sie fast jeden Tag hierher. Zunächst war sie als normale Reitschülerin einmal pro Woche gekommen, doch schon bald hatte ihr das nicht mehr genügt, und sie hatte eines der älteren Mädchen so lange genervt, bis es ihr in nur zwei Wochen alles über die Pflege von Pferden beigebracht hatte, was es wusste.

Nach diesem 14-tägigen Crashkurs war sie mit dreckigen Stiefeln geradewegs in das Büro des Reiterhofbesitzers marschiert und hatte ihm klargemacht: Ich komme jeden Tag und helfe im Stall, wenn ich dafür Feurio als Pflegepferd bekomme und ihn reiten darf, sooft ich Lust habe.

Feurio war von Anfang an ihr absoluter Liebling unter den Schulpferden im Stall gewesen. Niemand konnte so richtig verstehen, warum, denn Feurio war schon ziemlich alt und wurde kaum noch im Reitunterricht eingesetzt. Aber für Lila konnte es kein besseres Pferd geben als den braunweißen Schecken.

Sie konnte sich noch gut an das Schmunzeln von Herrn Heger, dem Hofbesitzer, erinnern, das sie damals nicht verstanden hatte. Er ließ sich auf das Geschäft ein.

Von diesem Tag an pflegte sie die Pferde und packte überall mit an, wo Not am Mann war. Erst am frühen Abend kam sie für gewöhnlich dazu, sich in Feurios Sattel zu schwingen und an der Reitstunde teilzunehmen oder eine Runde ins Gelände zu gehen. Aber diese Zeit mit ihrem Lieblingspferd machte alle Mühe des Tages wett.

Lila seufzte. Diese Forschheit, mit der sie früher alles bekommen und jeden für sich einnehmen konnte, war leider in den folgenden Jahren ohne den winzigsten Rest verflogen, ohne dass sie so recht wusste, warum. Heute wurde sie bei der kleinsten Bemerkung rot, und mit Jungs konnte sie gar nicht mehr reden, ohne sich total zu verkrampfen.

Lila schob ihr Fahrrad über den Hof und lehnte es an die Außenwand des Stalls. Abschließen musste sie ihr Rad nicht, hier kannte jeder jeden, und auch die Jungs vom benachbarten Fußballplatz hätten es nicht mal gewagt, einen Strohhalm vom Hof zu stehlen.

Lila betrat den Stall, der wie immer wunderbar nach Heu und nach Pferd duftete. Ihre Augen gewöhnten sich schnell an das Dämmerlicht, aber auch in finsterster Nacht hätte sie sich mit schlafwandlerischer Sicherheit zwischen den Boxen bewegen können. Der Hof war ihr zweites Zuhause, zu jedem Pferd konnte sie mindestens eine Geschichte erzählen.

Ganz vorne stand Tamino, ein stolzer Araber und mit Abstand das teuerste Pferd im Stall. Daneben lugte gelangweilt Bambi zwischen den Gitterstäben hervor, eine dreizehnjährige Stute, die nicht einfach zu reiten und deshalb bei den meisten Reitschülern recht unbeliebt war. In der dritten Box der Reihe war ein Schimmel untergebracht, den sein erster Besitzer, ein ausgesprochener Witzbold, Black Beauty genannt hatte.

Box vier stand zurzeit leer, und aus der fünften, der Sattelkammer gegenüber, tönte Lila schon ein kräftiges Schnauben entgegen. Feurio hatte sie offensichtlich schon erwartet und seine Nase über die Wand der Box auf die Stallgasse gestreckt. Lila warf ihren Rucksack auf den Boden, öffnete die Tür und trat ein. Sofort rieb der scheckige Wallach so liebevoll seinen Kopf an ihr, dass Lila beinahe wieder aus der Box gestolpert wäre. Lachend klopfte sie Feurio den Hals und drückte ihm einen dicken Kuss auf den braunen Fleck zwischen seinen Augen.

„Ach, mein Süßer! Wenigstens du hältst immer zu mir!“, flüsterte Lila und vergrub ihr Gesicht in Feurios weiß-brauner Wuschelmähne. Als hätte Feurio verstanden, dass er sich nach diesem aufregenden Vormittag besonders um seine Lieblingsreiterin kümmern musste, drückte er sich noch näher an Lila heran. Lila blieb noch eine Weile bei ihm stehen, dann verabschiedete sie sich von dem Schecken.

„Ich beeile mich, o.k.?“, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Wenn ich mit allem fertig bin, komm ich zurück, und wir zwei drehen eine Runde durch den Wald! Versprochen!“

Lila verließ den Stall und holte die Stuten von der Koppel. Danach half sie Inga, der Auszubildenden, beim Füttern. Erst bekamen alle Pferde eine ordentliche Portion Heu, später gab es das Kraftfutter.

Bei Grobi, einem lustigen Pony mit honiggelbem Fell, machte Lila länger halt. Auch mit ihm kuschelte sie eine Weile, denn Grobi musste strenge Diät halten. Die Besucher des Reiterhofs und ihre Kinder hatten ihm über Jahre zu viele Leckerlis zugesteckt und Grobi war an der gefährlichen Hufrehe erkrankt. Nun musste er auf Rindenmulch statt auf Stroh stehen und bekam nur noch wenig Futter – dafür aber eine besonders große Ration Liebe von Lila.

Nach zwei Stunden konnte sie endlich zu Feurio zurückkehren, der inzwischen seinen Futtertrog geleert hatte. Lila band ihn auf der Stallgasse an und putzte ihn gründlich.

Als sie ihn schließlich gesattelt und aufgezäumt an ihrem Rucksack vorbeiführte, hielt sie einen Moment inne und dachte nach.

„Ja, warum eigentlich nicht!“, murmelte sie vor sich hin. „Vielleicht kannst du mir Mut machen!“ Sie griff nach dem Rucksack und holte die abgegriffene Mahagonikiste heraus. „Hier, Feurio, ich muss dir was zeigen!“

Lila klappte den Deckel der Kiste auf, fingerte aus dem Stapel der Tarotkarten den Buben der Kelche heraus und hielt dem Pferd die Karte unter die Nase.

„Heute war es endlich so weit“, erklärte sie ihm.

Feurio schien nicht mehr vom Tarot zu verstehen als irgendein anderes Pferd. Jedenfalls starrte er nur kurz auf die Karte, sah dann Lila mit einem schrägen Blick an, der wohl so viel bedeutete wie „Das soll ich fressen?“, und scharrte ungeduldig mit dem Huf.

Er wollte offensichtlich endlich aufbrechen, doch Lila musste erst die bahnbrechende, alles verändernde Nachricht loswerden.

„Das, mein lieber Feurio, ist der Bube der Kelche. Ein absoluter Liebesbote! Heute Morgen habe ich ihn endlich gezogen. Weißt du, was das bedeutet?“

Der Schecke schüttelte unwillig den Kopf, um eine Schnake zu vertreiben, die sich neben seinem Auge niedergelassen hatte.

„Schon bald werden wir zu dritt sein“, fuhr Lila fort. „Du, ich und der beste Küsser der Stadt. Na, was sagst du dazu?“

„Dass du einen ziemlichen Schatten hast, Fräulein Blau!“

Lila fuhr herum. Fräulein Blau – so wurde sie nur von einer Person genannt. Richtig. Hinter ihr stand grinsend Pauline Grimm, die unsympathischste Ziege des ganzen Reitvereins.

Der Schock

16Jahre alt, Stupsnase und lange, blonde Haare, das war, kurz und knapp zusammengefasst, Pauline Grimm.

Wie ein aufgeplusterter Pfau pflegte sie über den Reiterhof zu stolzieren, als gehöre ihr mindestens die halbe Stadt. Dabei war sie auch nur eines der Mädchen, die ein Pflegepferd hatten – allerdings das teuerste, den schicken Tamino.

Pauline brachte gerne männliche Begleiter mit in den Stall, die ihr dann bewundernd zusahen, wenn sie auf ihrem edlen Ross durch die Reitbahn schwebte.

Zum Sommerfest vor vier Wochen war sie sogar von einem Porsche zum Reiterhof gebracht worden, bei dessen Fahrer sie sich mit einem dicken Kuss bedankte.

Mit einem Wort: Jede andere Zeugin für ihre Worte wäre Lila lieber gewesen! Ausgerechnet diese Oberbarbie musste ihr peinliches Gespräch mit Feurio über ihren künftigen Boyfriend belauschen …

„Darf ich mal sehen?“

Ehe Lila reagieren konnte, grapschte sich Pauline die Tarotkarte und starrte sie mit gespieltem Interesse an. Spöttisch gab sie ihren Kommentar ab. „Ist wirklich süß, der Kleine. Und ihr seid also ein Paar, hm?“

Pauline lächelte boshaft und betrachtete Lila von oben bis unten.

„Ihr passt ja auch echt gut zusammen!“

Lila versuchte, die Karte zurückzuerobern, doch die aufgetakelte Zicke ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

„Gefällt mir gut, dein Traumboy. Und was für modische Strumpfhosen er unter seinem Rock trägt – der letzte Schrei! Vielleicht nicht gerade in Paris, aber doch mindestens in Untertutendorf. Hast du noch mehr Fotos?“

Endlich hatte Pauline die Gnade, der puterroten Lila mit einem überlegenen Grinsen die Karte zurückzugeben. Ohne ein Wort steckte Lila den Buben der Kelche zurück in die Schachtel und ließ sie in ihrem Rucksack verschwinden.

Warum fielen ihr bloß zu solchen Gemeinheiten nie die passenden Antworten ein? Heute Abend im Bett würde sie bestimmt wissen, was sie diesem Dummbrot an den Kopf werfen könnte. Nur würde es dann zu spät sein. Aber jetzt? Ihr Gehirn war wie leer gefegt. Außerdem hatte sie auch noch einen Kloß im Hals, sodass sie nicht einmal „blöde Kuh“ stammeln konnte.

Mit hängendem Kopf schlich sie vor der triumphierenden Giftspritze davon.

Lila war sich sicher: Noch nie im Leben hatte sie sich so gedemütigt gefühlt.

Doch es war noch nicht vorbei. Erst jetzt sprach Pauline die Worte, die Lila endgültig zerschmettern sollten. Diesen Trumpf hatte sie sich mit sichtlichem Vergnügen bis zum Schluss aufgehoben: „Außerdem wird dein Feurio verkauft, Fräulein Blau. 1000Euro soll er nur kosten, mehr ist das Klappergestell nun auch wirklich nicht mehr wert!“

Es zog Lila den Boden unter den Füßen weg. Ihr Magen drehte sich wie in der Achterbahn, ihr Kopf brummte, und vor ihren Augen wurde es abwechselnd grün und schwarz. Feurio sollte verkauft werden? Das konnte nicht wahr sein! Aber Pauline wusste stets alles, was auf dem Hof passierte, auch die Sachen, die kein anderer mitbekam.

Zum ersten Mal in ihrem gemeinsamen Leben ließ Lila Feurio einfach mitten auf der Stallgasse stehen und lief zum Schwarzen Brett, an dem solche Neuigkeiten für gewöhnlich angeschlagen waren. Und da stand es, schwarz auf weiß:

Verkaufe: Feurio. 18-jähriger Paint-Horse-Wallach, Mutter Apanatchi, Vater Fabriano. Festpreis 1000Euro.

Darunter noch eine Telefonnummer.

Die Buchstaben fingen an, vor ihren Augen zu tanzen. Apanatchi, Fabriano, Feurio, Apanatchi, Fabriano, Feurio, Feurio, Feurio, Feurio …

„Na, Fräulein Blau. Hast du etwa geglaubt, ich lüge?“

Lila drehte sich nicht mehr um. Sie rannte zu Feurio zurück, zog ihn aus dem Stall und ritt so schnell wie möglich zum Wald.

1000Euro, 1000

Noch mehr Farben

In Notfällen wurde Lila von ihrem Vater persönlich geweckt – und an diesem Montag war der Notfall eindeutig eingetreten, Lila hatte zwei Wecker überhört.

„Lila, aufstehen, du musst zur Schule!“

Aufstehen? Schule? Diese beiden Worte passten überhaupt nicht zu Lilas derzeitigem Zustand, aber pflichtbewusst, wie ihr Vater war, sorgte er dafür, dass seine Tochter wenige Minuten später am Frühstückstisch auftauchte – auch wenn sie geradewegs dem Video enstiegen zu sein schien. Mit halb geschlossenen Augen löffelte Lila eine Schale Müsli, wobei sie beinahe die Hälfte der Milch auf ihr Lieblings-T-Shirt schüttete, und schwang sich zähneknirschend auf ihr Fahrrad.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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