Unzensiert - Aiden Shaw - ebook

Unzensiert ebook

Aiden Shaw

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Opis

Aiden Shaw hat in mehr als fünfzig Pornofilmen mitgewirkt und gilt als einer der größten Stars der Branche. Mit Produktionen für Firmen wie Falcon, Catalina und Studio 2000 wurde er so bekannt, dass ein Charakter in Sex and the City nach ihm benannt wurde. In Unzensiert lässt Aiden Shaw den Leser an den Geschichten hinter den Sex- und Drogenexzessen teilhaben, die immer wieder für Zündstoff in Karriere und Privatleben sorgten. Dieses Buch beschreibt eine Reihe stürmischer und unglücklicher Liebschaften. Es erzählt in bewegender Weise von Shaws rastlosem Leben und einem fatalen Autounfall, der ihn fast das Leben kostete.

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Dieses Buch ist allen gewidmet, die darin vorkommen.

INHALT

Vorwort

Teil I: Der Sturz

Teil 2: Nutzlos

Teil 3: Zwei Schritte vor

Teil 4: Zurück auf Los

Teil 5: Da capo

Danksagung

Vorwort

Es war schon immer mein Ziel, mich nicht von meiner Natur beherrschen zu lassen. Es kam mir ungerecht vor, dass ich der war, der ich war, und ich fasste den Entschluss, zu dem zu werden, der ich sein wollte. Ich möchte später nicht bereuen, irgendetwas nicht getan zu haben, nur weil ich mich nicht in der Lage dazu fühlte. Ich habe mich auf Bühnen gestellt und vor Tausenden von Leuten gesungen, und das ohne eine gute Stimme, dafür aber voller Aufrichtigkeit – dabei war ich in unserer Familie immer der Schüchterne. Ich wurde katholisch erzogen und habe als Callboy gearbeitet und in Pornofilmen mitgewirkt, ganz so, als hielte ich mich selbst für sexy oder als hätte ich irgendein Selbstvertrauen in mein Äußeres. Um mich darüber lustig zu machen, habe ich erst Romane und nun diese Memoiren geschrieben, obwohl ich mir dauernd die Frage stellte, ob irgendwas von dem Geschriebenen erinnerungswürdig, im Geringsten nützlich oder auch nur unterhaltsam sei.

Es fiel mir schwer, dieses Buch zu schreiben. Es gibt so viele Blickwinkel, die man einnehmen könnte. Mir schien, als gäbe es immer noch eine Schicht, die freizulegen sei, noch eine Schicht, unter der sich weitere schaurige Wahrheiten verbergen. Der Leser mag mit meinen Sichtweisen nicht immer übereinstimmen, und das ist auch sein gutes Recht. Manchmal war ich selbst von dem schockiert, was ich über mich herausfand. Vielleicht fragen Sie sich, warum ich nicht überlegter handle und auf mich aufpasse, statt einen Fehler nach dem andern zu machen. (Und wir wollen ehrlich sein: Die meisten dieser Fehler würde ich wahrscheinlich wieder machen, wenn nicht gar schlimmere.) Eigentlich kann ich selbst kaum glauben, dass ich der Welt offenbare, wie unreif, grausam, gedankenlos, boshaft und durch und durch lächerlich ich mich verhalten habe. Aber ich bin nun mal das Produkt meiner Erziehung und dazu verdammt, so ehrlich zu sein wie nur möglich, ganz egal, wie peinlich oder selbstzerfleischend das Endergebnis auch sein mag.

Dieses Buch entstand, wie es gerade kam (einmal tippte ich nur mit der Rechten, während ich im Rollstuhl saß). Ich wollte einen anderen Ansatz als in meinen Romanen verfolgen und etwas bieten, das offen und ehrlich ist, etwas, das ohne Grübeleien und ohne Nostalgie überzeugt. Ich habe keineswegs willkürlich ausgesucht, worüber ich schrieb oder nicht. Natürlich habe ich nicht die Tatsache vergessen, dass die meisten Menschen dieses Buch wohl vor allem deshalb lesen, weil ich in Pornofilmen mitspielte. Ich habe also weder den Sex noch die Drogen ausgelassen, sondern eher die alltäglichen Dinge, die eigentlich den Großteil meiner Zeit fressen. Ich hatte vor, meine Erfahrungen objektiv und philosophisch zu analysieren, aber am Ende konnte ich bloß Zeugnis ablegen. Kein Dämon wurde dadurch ausgetrieben, und Dinge, die ich lieber in Vergessenheit gelassen hätte, wurden wieder lebendig. Sobald ich mit dem Schreiben angefangen hatte, passierte immer mehr Scheiß, den ich niederschrieb, ohne zu wissen, wohin das alles führen sollte. Mir wurde klar, dass das Leben nicht nur die besten, sondern auch die schrägsten Geschichten schreibt. Als ich das Manuskript durchging, nahm der Inhalt mich ziemlich mit. Ich vergoss tatsächlich Tränen über den dummen Mistkerl, der in diesem Buch die Hauptrolle spielt.

Um eines festzuhalten: Ich habe mich nicht um 180 Grad gewandelt, und ich schäme mich nicht für mein bisheriges Leben. Ich weiß, ich bin ein komischer Kauz – und letzten Endes bin ich auch der Angeschmierte.

Teil I

Der Sturz

1

Ich saß auf dem Stuhl. Binnen Minuten spreizte Chris seine Hinterbacken und setzte sich auf meinen Schwanz. Problemlos glitt er herab. In seinem Innern war es warm. Sein Arsch war wundervoll bequem. Ich leckte seinen Rücken, wollte ihn am liebsten verschlingen. Seine makellose und sinnliche Haut gab unter meinen Berührungen nach; sein Körper schien sich um meine Finger herum zu formen. Ich wollte ihn durchdringen, von ihm aufgenommen werden. Seine unbehaarte Brust war schweißbedeckt. Bald waren wir beide tropfnass, glitschig, fieberhaft. Unsere Kraft steigerte sich. Mein Schwanz war derart hart, dass Chris ihn mühelos rausgleiten lassen und sich dann wieder draufsetzen konnte. Er war Wolf und Lamm zugleich – wild, hitzig, gierig –, aber auch ein Junge, der es mir einfach nur gut machen wollte. Ich fickte ihn weiter, wir küssten uns tief. Nasse Haare klebten ihm im Nacken; Schweiß lief ihm über das Kreuz bis in die Arschspalte. Ich sah nur noch wundervolle Formen und Farben und meinen Schwanz, der zwischen seinen weißen Arschbacken rein- und rausglitt.

»Stopp«, sagte ich.

»Was ist los?«, fragte Chris.

»Der Gummi geht ab.«

»Pause!«, rief der Regisseur. »Kondome!«

Sofort war ein Laufbursche bei uns.

»Kann ich noch ’ne Cola haben?«, fragte ich den Laufburschen. Dann, zu Chris: »Willst du auch was?«

»Nein, ich hab alles, was ich brauche«, sagte er mit frechem Grinsen.

Es war nicht wirklich meine Absicht gewesen, wieder einen Porno zu drehen, aber als Al anrief, hatte ich zugesagt. Es brauchte nicht viel, um mich zu überreden. Vielleicht hatte meine Vergangenheit ja etwas Verführerisches, das mir bislang nicht bewusst gewesen war. Dass die Anfrage von Al kam, trug noch dazu bei – ich hatte schon immer ein Faible für ihn gehabt, aber das Beste an ihm war, dass er keine Probleme mit meinem HIV-Status hatte. Ich fragte mich, wie sehr die Industrie sich in den drei Jahren, in denen ich keinen Film mehr gedreht hatte, verändert hatte. Meine Zusage für das Projekt bedeutete wahrscheinlich nur eines: Ich jedenfalls hatte mich nicht verändert.

Und da saß ich nun. Ich war schon seit einigen Tagen am Set, steckte mitten in meiner zweiten Sexszene und dachte an den Kerl aus der ersten. Mich quälte die Vorstellung, dass er gerade mit anderen Männern Sex hatte.

2

Ich kam mit meinem Freund David in San Francisco an. Mit einem Taxi fuhren wir zu unserem Hotel direkt gegenüber von Als Büro. Das Hotelzimmer glich allen anderen Hotelzimmern meines Lebens. Quasi jede Oberfläche wies irgendein Muster auf, und die Wände waren mit Landschaften in Beige, Blau und Grau bemalt. Toilettensitz und Zahnputzbecher waren mit Plastikfolie umhüllt. Die Vorhänge schlossen nicht richtig und bestanden aus einem derart steifen Stoff, dass ich davon ausging, dass man sie feuersicher gemacht hatte. Der Mittelpunkt des Raumes war der Fernseher.

Noch vor dem Auspacken gingen David und ich duschen, um den Flugzeuggeruch loszuwerden. Um uns vor dem Austrocknen zu bewahren, tranken wir jede Menge Wasser. Wir wollten den Jetlag reduzieren, indem wir uns nicht vor unserer normalen Schlafenszeit hinlegten. Als wir uns gerade darauf einrichteten, stundenlang zwischen den Fernsehkanälen hin und her zu schalten, um uns von der amerikanischen Kultur verblüffen zu lassen, klingelte das Telefon.

»Aiden, ich habe euch ankommen sehen. Herzlich willkommen.« Es war Al. »Könntest du mal auf eine Minute rüberkommen? Ich würde dir gern jemanden vorstellen.«

Ich zog meine Turnschuhe an, warf rasch einen Blick in den Spiegel und lief dann über die Straße. Mein Atem ging gepresst, mein Körper fühlte sich schwer und aus dem Gleichgewicht geraten an. In Als Büro saß ein Mann mit dem Rücken zu mir. Er drehte sich um.

»Das ist Hal Stoker«, sagte Al.

Mein Mund trocknete aus, meine Zunge fühlte sich übergroß an.

Der Kerl war vollkommen: riesige und schüchterne Augen, ein Mundwinkel nach oben gezogen, der andere zu faul, um sich zu bewegen – nicht gerade ein selbstbewusstes Lächeln, dafür etwas Bedeutungsvolleres.

Er stand auf und warf mir einen unsicheren Blick zu. »Nenn mich einfach Luke«, sagte er.

»Hallo, Luke«, sagte ich und kam mir dabei tollpatschig vor.

Wir schüttelten uns die Hand. Ich hatte seit Jahren niemanden mehr derart förmlich begrüßt, höchstens als Witz.

»Setzt euch«, sagte Al.

Er fing an, uns von seinem neuen Projekt zu erzählen. Ich hörte, was er sagte, aber meine Aufmerksamkeit galt dem Mann neben mir.

»… versteht ihr?«

»Ja, klar«, sagte ich.

»Wunderbar. Und nun zu der anderen Sache.« Al drehte seinen Stuhl so, dass er Luke ansah, dabei sprach er aber weiter mit mir. »Aiden, würdest du gern mit diesem jungen Mann hier zusammenarbeiten?«

Meine Stimme machte ein kratzendes Geräusch.

Niemand war scharfsinniger als Al; er hatte meine Reaktion auf Luke wahrscheinlich sofort bemerkt und machte sich jetzt einen Spaß aus der Sache. Er lächelte sein warmes, manchmal durchtriebenes Lächeln und wandte den Blick nicht von Luke ab.

Luke berührte mein Bein mit seinem und sah mich aus den Augenwinkeln an. Ein warmes Gefühl durchdrang mich, von den Knien bis zum Bauch, von meinem Schritt bis zu den Lippen, und lief mir den Rücken rauf und runter. Ich drehte mich zu Luke, wollte nur noch die Augen schließen, mich hingeben und von ihm verschlungen werden.

Ich versuchte es noch mal. Mein Kopf schwirrte vor Wörtern, die unbedingt hinauswollten, doch mehr als einen Einsilber bekam ich nicht hin.

»Ja.«

Auf dem Schreibtisch lagen ein paar Polaroid-Bilder von Luke. Ich nahm sie, wollte Objektivität vorschützen, um professioneller zu wirken. Der Luke von den Fotos blickte tief in mich hinein. Es war hoffnungslos, ich konnte ihnen nichts vormachen.

»Er ist hinreißend«, sagte ich zu Al.

»Gut«, sagte Al. »Wenn der Bursche dich kalt gelassen hätte, hätte ich dich zum Arzt geschickt, um deine Hormone untersuchen zu lassen.«

Ich mochte Al wegen seiner Warmherzigkeit, seines Humors und seiner Fähigkeit, einen Kerl wie Luke aufzutreiben. »Kann ich ein Polaroid behalten«, fragte ich, »um es meinem Freund David zu zeigen?«

Luke nickte.

»Klar«, sagte Al.

Ich wandte mich an Luke. »Da sind keine Bilder von deinem Hintern dabei. Hast du einen hübschen Hintern?«

»Ich glaube schon«, sagte er, entweder amüsiert oder schüchtern.

»Du bist wirklich hinreißend«, sagte ich und sah ihn fest an.

»Danke«, antwortete er und hielt meinem Blick stand. Ich hätte nicht gedacht, dass man mich so schnell um den Finger wickeln konnte. Oft kamen Männer mir fremd und unergründlich vor. Sie schienen eine andere Sprache zu sprechen als ich, eine Sprache der Distanz, der Abschottung und Verschlossenheit.

Ehe ich mich in dieser Nacht schlafen legte, warf ich noch einen Blick auf das Polaroid.

»Ist er nicht …«

»Ja, ja, ich weiß«, sagte David. »Hinreißend.«

3

Am nächsten Tag musste ich für das Cover des Films posieren. Ein Fahrer holte mich im Fitnessstudio ab und brachte mich dann ans Set, wo gerade jemand auf dem Boden kauerte und einen Stuhl reparierte. Er begrüßte mich wie der Rest der Mannschaft. Ich setzte mich auf eine Kiste und versuchte, nicht weiter aufzufallen.

»Wie heißt du?«, fragte ich den Mann auf dem Boden.

»James«, antwortete er mit einer witzig gemeinten Mackerstimme. »Wir kennen uns schon.«

»Woher?«

»Letztes Jahr auf Fire Island. Ich arbeitete an der Bar. Wir haben uns unterhalten.«

»Ach ja«, sagte ich, »ich habe dich gar nicht erkannt.« Damals hatte er einen Ziegenbart und einen zehn Zentimeter langen Chromstachel in der Nase gehabt.

»In Miami sind wir uns auch begegnet. An Weihnachten.«

»Richtig! Sorry, ich habe ein echt schlechtes Gedächtnis.«

Der Fotograf rief mich rüber und meinte, er sei gleich für mich bereit. Im oberen Stockwerk zeigte man mir ein Zimmer zum Ausziehen und Entspannen.

James folgte mir in das Zimmer. »Wenn du etwas brauchst, bin ich für dich da«, sagte er verlegen.

»Super, danke.«

»Ich meine, egal, was du brauchst.«

»Oh«, sagte ich, »hat Al dich geschickt, um mir zu helfen, einen Ständer zu kriegen?«

»Erraten.«

»Danke.«

»Worauf stehst du? Irgendwas Besonderes?«

»Küssen funktioniert am besten.«

»Das kriege ich schon hin. Ist zwar ein harter Job, aber irgendwer muss ihn ja machen.«

»Es ist lange her, seit ich das zum letzten Mal gemacht habe, also …«

»Keine Sorge.«

»Ja«, sagte ich mit einer unsicheren Betonung, die offen ließ, ob das eine Antwort oder eine Frage war.

James’ Gesicht verriet, dass er meine Zweifel gespürt hatte. »Hör mal, ich hab unten noch was zu erledigen. Schrei einfach, wenn du mich brauchst.«

»Danke«, sagte ich und wandte mich den für die Models bereitgestellten Snacks zu.

James blieb in der Tür stehen und sagte: »Hey!«

»Hm?«, sagte ich mit dem Mund voller Karottenstäbchen.

»Wird schon schiefgehen.«

Ich versuchte mich an einem breiten, dummen Lächeln und zeigte dabei meine karottengelben Zähne.

»Sexy!«, sagte James und verschwand. Eigentlich arbeitete er hier als Kameraführer, doch da der Dreh noch nicht begonnen hatte, wurde er vor allem dafür bezahlt, mit mir zu knutschen und mir für die Fotos einen Ständer zu verschaffen.

Am Morgen meiner ersten richtigen Szene ging ich früh ins Fitnessstudio und hatte vor, nach dem Training zu duschen und mich zu rasieren. Ich wollte für den Film in bestmöglicher Form sein; in England war ich täglich ins Studio gegangen und hatte sogar einen Personal Trainer engagiert. Ein Mann am anderen Ende des Raumes machte gerade Kreuzheben, ich sah nur seinen Hintern und seine kräftigen Beine. Er trug rote Shorts, aber kein T-Shirt. Als er fertig war, drehte er sich um.

Es war Luke. Ich konnte kaum glauben, wie schön er war. In wenigen Stunden würde ich Sex mit ihm haben, was mir merkwürdig vorkam. Und aufregend. Und beängstigend. Ich ging zu ihm, kam mir im Vergleich hässlich und tollpatschig vor. Der Kaffee tat seine Wirkung noch nicht; in meinen Augen war noch Schlaf. Meine Trainingsklamotten waren zerknittert. Ich sah ungepflegt aus. Er stand auf einem Gerät ein wenig über mir.

»Hallo«, sagte ich.

»Hi.«

»Aiden.«

Luke lächelte. »Ich weiß.«

»Die letzte Chance, um noch ein bisschen hübsch zu werden.«

»Yep.«

»Du musst dir keine Sorgen machen, du siehst großartig aus.«

»Danke.«

»Ich wollte nur kurz Hallo sagen. Dann lasse ich dich mal weitermachen. Wir sehen uns dann später.«

In mir brodelte es nur so vor Fragen, einige davon rational, andere nicht – und alle waren sie vorschnell. Ich machte mich wieder ans Training.

Am Tag eines Drehs konzentriere ich mich nicht auf einzelne Partien, sondern trainiere den ganzen Körper leicht, um ihn aufzuwecken. Nachdem ich mich geduscht, rasiert und gekämmt hatte, fand ich mich selbst vorzeigbar.

Pornoproduzenten haben die Angewohnheit, die Darsteller schon lange vor ihrem Einsatz an den Drehort zu bitten, was fatale Folgen haben kann. Während meiner Wartezeiten haben sich attraktive Männer vor meinen Augen in groteske Wesen verwandelt, und das nur, weil ich ihnen eine Zeitlang zuhören musste. Der Sex mit ihnen wurde zu harter Arbeit, und ich musste mir andere Typen vorstellen, um mich anzumachen. Bei Luke würde es dieses Problem nicht geben, denn ich brannte nur so darauf, alles Mögliche über ihn in Erfahrung zu bringen.

Wie erwartet kam mein Fahrer zu spät; als ich im Studio ankam, bereitete Luke sich schon auf seine Standfotos vor. Die mussten vor dem Dreh erledigt werden, damit er noch frisch darauf aussah. (Nach unserer Szene würde er ziemlich verschwitzt und zerzaust aussehen, wenn es nach mir ging.)

Luke brauchte Hilfe, um einen Ständer zu kriegen. Er fragte mich, ob er mir den Schwanz lutschen könne, und binnen Sekunden stand sein Teil. Der Fototermin verlief bestens. Wenn er mich brauchte, ging ich ans Set; ich musste rund fünfzehn Mal zu ihm kommen, aber mir wurde dabei nicht langweilig. Luke setzte beim Fotografieren eine Reihe von standardmäßigen Posen und Gesichtsausdrücken ein. Normalerweise fand ich so was ziemlich billig, aber nicht bei ihm.

Als der Fotograf fertig war, ging ich mit Luke nach oben. Ich setzte mich auf einen Stuhl und Luke sich auf den Boden vor mich, um sich liebevoll gegen meine Beine zu lehnen. Er erzählte mir von seiner Kindheit auf einer Ranch und seinem schwierigen Vater, davon, wie er mit sechzehn von daheim weglief. Wir unterhielten uns stundenlang. Dann und wann sah jemand vom Kamerateam vorbei, ob wir etwas bräuchten. Einmal steckte Al den Kopf in die Tür.

»Hab ich mir’s doch gedacht«, sagte er grinsend und verschwand wieder.

Ich hatte Al eine Beschreibung des Typs Mann gegeben, mit dem ich gerne zusammenarbeiten würde; Luke entsprach ihr überhaupt nicht. Al hatte mir Bilder von vielen verschiedenen Darstellern geschickt, aber keiner davon hatte mir wirklich gefallen. Und hier saß ich nun und war offenkundig vernarrt in Luke.

Endlich rief man uns ans Set. Dabei handelte es sich lediglich um ein Bett mit weißen Laken – in einem Schlafzimmer nichts Ungewöhnliches, an einem Porno-Set aber schon. Boden und Wände waren weiß gestrichen, und die Ränder waren geschwungen, um die Illusion der Unendlichkeit zu erzeugen. Die Beleuchtung war sanft, Lukes Gesicht sah aus wie gemalt. Man wies uns an, uns unter die Decke zu legen und uns wie ein Liebespaar zu benehmen. Das fiel mir nicht schwer.

Es dauerte ziemlich lange, bis die Crew die Beleuchtung richtig eingestellt hatte. Luke und ich unterhielten uns leise und schenkten unserer Umwelt gar keine Beachtung. Als man uns darum bat, Sex zu machen, war ich derart verrückt nach Luke, dass ich ihn nur noch küssen und küssen und küssen wollte, allerdings fühlte es sich etwas seltsam an, das vor anderen zu tun. Ich wollte mit ihm allein sein und nicht schauspielern.

Ich beschloss, meinen Job einfach so gut wie möglich zu erledigen. Durch meine Arbeit als Callboy hatte ich zwar jahrelange Erfahrung, aber bei Luke war das schwierig. Ich konnte nicht einfach so Sex mit ihm haben. Seine Augen durchbohrten mich und lösten Gefühle in mir aus, die ich nie zuvor gekannt hatte.

Der Dreh dauerte Stunden; als wir fertig waren, war ich körperlich und emotional ausgelaugt. Und dabei war das erst die Oralszene. Morgen sollten wir ficken.

Ein Fahrer setzte uns am Hotel ab; wir holten David ab und gingen was essen. Danach spazierten wir zur 18th, Ecke Castro Street, wo ich Luke gute Nacht sagte. David hielt ein paar Meter Abstand, um uns ungestört zu lassen.

»Geht ihr zurück ins Hotel?«, fragte Luke.

»Ja«, sagte ich und starrte auf meine Füße. »Aber eigentlich will ich dich noch nicht gehenlassen.«

Luke hob meinen Kopf, bis sich unsere Blicke trafen. »Das musst du auch nicht.«

»Wie meinst du das?«

»Du könntest ja mit zu mir kommen.«

»Ich will David nicht alleinlassen.«

»Ich könnte mit zu euch kommen.«

»Ich müsste erst mit David drüber reden, aber willst du wirklich?«

»Versuch mal, mich davon abzuhalten.«

David stimmte zu, als ich ihm versicherte, dass zwischen Luke und mir nichts passieren würde. Ich war ohnehin so kaputt, dass ich einschlief, sobald ich mich hingelegt hatte.

Am nächsten Morgen frühstückten wir zu dritt und gingen dann gemeinsam ins Fitnessstudio. Später, am Set, fragte ich Al, ob Luke und ich gleich mit unserer Fickszene anfangen könnten, ehe ich von den Nahaufnahmen und Schnittbildern erschöpft wäre. Al wollte das Beste aus der Szene herausholen und willigte ein.

Ich beugte Luke nach vorn und nahm ihn von hinten. Dabei musste ich dran denken, meinen Torso zur Kamera hin zu drehen (das ist zwar unbequem, aber die Regisseure wollen es so). Ich drehte Luke so fließend wie nur möglich auf den Rücken – für den Fall, dass die Cutter den Übergang von einer Stellung zur anderen drin behalten wollten.

»Gut!«, rief Al. »Und jetzt will ich zehn Minuten lang einen harten Fick sehen.«

Wir taten, worum man uns bat. Zwischendrin gab es ein paar Augenblicke, wo ich mich trotz der Umstände mit Luke verbunden fühlte, aber mit richtigem Sex hatte das für mich wenig zu tun. Ich fragte mich, wie es für ihn wohl sei. Als es Zeit für meinen Cumshot war, zielte ich mit meiner Schwanzspitze auf Lukes Hintern und spritzte ihm auf die linke Backe; ein bisschen Sperma lief ihm über die Rosette. In diesem Kontext hielt ich das für ein vollkommenes Bild.

Danach war Pause. Luke ging duschen und kam für seinen Cumshot zurück. Er kniete sich über mich und spritzte mir auf den Bauch. Danach säuberten wir uns und machten die Gesichtsaufnahmen (Nahaufnahmen von unseren Köpfen und Schultern, bei denen wir so taten, als kämen wir gerade). Diese waren meistens wesentlich dramatischer und lauter als ihr Gegenstück in der Wirklichkeit – so albern, dass ich ein Grinsen nicht unterdrücken konnte. Den Regisseuren machte das in der Regel nichts aus. Wahrscheinlich hielten sie das für süß oder sogar für authentisch.

Ein Fahrer brachte uns zu Lukes Wohnung. Dort zeigte Luke mir seinen Garten und beschrieb mir detailliert alles, was er damit noch vorhabe. Als wir an diesem Abend im Bett lagen, fickte Luke mich nach einem zweitägigen Rollenspiel vor der Kamera in echt. Danach lachten wir darüber.

Am nächsten Morgen trafen wir David zum Frühstück im ›Café Flore‹ in der Market Street. Er sagte mir, dass er nach England zurückfliegen würde. Ich fragte mich warum. Als Luke auf die Toilette ging, erklärte David mir, dass er sich bei Luke und mir unwohl fühlte.

David war seit rund zehn Jahren mein fester Freund. Als wir uns kennengelernt hatten, hatte er erst ein paarmal bei mir übernachtet, und daraus waren dann schnell acht Jahre geworden. Wir waren eigentlich nie richtig verliebt ineinander gewesen; nach weniger als einem Jahr spielte Sex keine Rolle mehr, und eine andere Art der Beziehung entwickelte sich. Aus der Gewohnheit wurde Liebe. (Oft gingen wir zusammen auf Reisen, und einmal haben wir in Kalifornien in demselben Film, aber nicht in derselben Szene mitgewirkt. Er wirkte noch in weiteren Pornofilmen mit, unter dem Pseudonym Dave Logan.) Ich fand David in jeder Hinsicht wunderschön. Er hatte einen knackigen, muskulösen Körper und einen unvergleichlichen Arsch. Seine Haare waren blond, die Augen blau. Er hatte perlweiße Zähne, hübsche Lippen und ein süßes und ehrliches Lächeln. Und all das war nur ein Vorgeschmack auf seine innere Schönheit. David war einer der wenigen mir bekannten Menschen, die das Leben in vollen Zügen genossen. Er liebte die unterschwelligen Farbtöne von Steinen ebenso wie die abstoßendsten Insekten, ihn faszinierte die Endlosigkeit des Weltalls so sehr wie komplexe Fragen der Philosophie, und er liebte einfache Dinge wie Spaziergänge. Er inspirierte mich. Wenn ich nichts als Verfall, Schmerz, Zynismus und Hass sah, wenn alles schiefging und ich innerlich zerrissen war, zeigte er mir Freude.

Davids Eltern waren Multimillionäre, die ihn finanziell unterstützten und ihn auf dieselbe Schule geschickt hatten, die auch Prinz Charles besuchte. Danach ging er auf die Universität Cambridge. Vor allem zu Anfang unserer Beziehung hatte ich manchmal Schwierigkeiten, ihm das alles nicht übelzunehmen, doch letzten Endes überwog immer meine Hochachtung. Außerdem lag auch auf meinem Leben ein solcher Zauber, da ich von einem früheren Freier über Jahre hinweg finanziell unterstützt wurde.

Meine Gefühle zu David waren sehr tief, aber meine Gefühle zu Luke waren sehr dringlich. Wie immer bei David blieb mir die Qual der Wahl erspart, mit wem ich lieber meine Zeit verbringen wollte, weil er mir die Entscheidung schon abgenommen hatte.

Den restlichen Tag verbrachten wir mit dem Drehen von Zusatzmaterial, das aus Szenen bestehen sollte, in denen ich mit freiem Oberkörper durch verlassene Straßen lief. Danach fuhr ich wieder mit zu Luke. Am nächsten Morgen wollte er mich wieder ficken, aber das tat zu weh, weshalb er sich dann auf meinen Schwanz setzte und mir auf den Bauch spritzte. Ich fragte, ob ich sein Sperma probieren könne. Er beugte sich vor, küsste mich erst auf den Bauch und dann auf den Mund.

Wieder waren wir mit David zum Frühstück verabredet, dieses Mal im ›Cove Café‹ in der Market Street. Einmal ging ich auf die Toilette. Als ich zurückkam, saßen er und Luke schweigend da. Später sagte Luke mir, dass sie in der Zwischenzeit kein Wort gewechselt hätten. David reiste am Nachmittag ab. Ich konnte ihn nicht zum Flughafen begleiten, weil ich wieder Zusatzmaterial filmen musste. Dieses Mal war ich nackt im Golden-Gate-Park, schaufelte ein Grab und begrub mich darin selbst.

4

Ich wachte auf und bemerkte etwas Seltsames. Ich war im Bett und wurde hochgehalten; etwas Warmes drückte sich sanft gegen meine Lippen. Es roch gut. Ich gab nach und öffnete den Mund; der Geschmack war süß. Ich ließ es zu, weil mein Instinkt mir sagte, dass alles in Ordnung war. Ich schmeckte Butter und Zucker, erkannte die Beschaffenheit. In meinen Gedanken formte sich die Vorstellung von Kuchen. Ich öffnete die Augen.

Luke hielt mich, wie man ein Kind halten würde, und fütterte mich. Er war sehr früh aufgestanden – um sechs musste er bei seiner Arbeit in einem Café sein – und hatte für mich Kuchen in der Mikrowelle warmgemacht und geschmolzene Butter darüber gegeben. Auf schönere Art konnte man wohl nicht geweckt werden. Ich fühlte mich wunderbar. Ich fühlte mich geliebt.

Luke musste bald aufbrechen, aber erst machten wir Sex. Er kam; ich nicht. Ich musste heute noch eine Szene drehen. Luke lag unter mir, ein vages Lächeln auf den Lippen, mein Schwanz in ihm drin. Ich hätte ewig so bleiben können.

Es war schwierig gewesen, einen Darsteller für meine zweite Szene zu finden. Mir gefiel keines der Bilder, die mir gezeigt wurden. Letzten Endes entschied ich mich für ein Model, das bereits am Set war, eines von drei anderen in dieser Szene.

Ich kam absichtlich zu spät ins Studio, weil ich wusste, dass die Vorbereitungen mindestens vier Stunden dauern würden. Die anderen Darsteller lernten sich untereinander kennen. Als ich den Raum betrat, war ich erst mal perplex. Eines der Models erinnerte mich an Luke. Sein Künstlername war Chris Rock. Er war attraktiv, ein bisschen der Typ Junge von nebenan, und er schien ziemlich aufgeregt zu sein.

Ein weiterer Darsteller arbeitete unter dem Namen Todd Gibbs; sein weißer, makelloser Leib war besser proportioniert als jeder andere, den ich je gesehen hatte. Im Gegensatz dazu waren seine Bewegungen spröde und seine Umgangsformen ausdruckslos, und er war ziemlich kurz angebunden.

Der Letzte der drei war James, der mir bei meinem Fototermin zur Hand gegangen war. Er war ein netter Kerl, aber es brauchte mehr als Nettigkeit, um mit den langen Stunden und ungemütlichen Stellungen fertig zu werden, die uns heute wahrscheinlich bevorstanden.

Ich setzte mich still hin und hoffte, dass die anderen das ebenfalls täten. Chris schien es kaum erwarten zu können, endlich anzufangen, Todd gab den Coolen, und James war ziemlich nervös. Wir unterhielten uns zwar, aber nur das Nötigste, wo wir jeweils herkamen und solche Dinge. Das schien sich stundenlang hinzuziehen. Einmal erwähnte James, dass es sich bei unserer Szene um einen Vierer handelte. Ich war überrascht, ließ mir aber nichts anmerken.

Ich ging runter, um mit Al zu reden. Er sagte mir, sein Assistent habe das so angeordnet. Das fand ich merkwürdig. Ich suchte den Assistenten und fragte ihn, was hier eigentlich los sei. Er spielte den Verblüfften und meinte, Al wüsste darüber Bescheid. Irgendwas stimmte nicht, irgendwer log. Ich schnappte mir Al und konfrontierte ihn mit dem Assistenten. Es stellte sich heraus, dass der Vierer die ganze Zeit über geplant gewesen war. Ich sagte ihnen, dass ich da nicht mitmachen würde. Al versuchte sich als Diplomat und fragte mich, wobei ich mitmachen wolle.

»Ich würde mit Todd arbeiten«, sagte ich.

»Ich glaube, du willst viel lieber mit Chris drehen«, sagte Al.

»Nein«, sagte ich bestimmt.

»Aiden, glaub mir, du willst mit Chris drehen.«

Als mir endlich aufging, was er meinte, sagte ich: »Al, ich sage es dir nur noch einmal: Entweder drehe ich mit Chris, oder ich drehe gar nicht.«

Er lachte. Er schien sich über meinen notdürftig kaschierten Sinneswandel sehr zu freuen.

Trotz dieses Durcheinanders vertraute ich auf Als Geschmack. Wahrscheinlich hatte er sich den ganzen Schlamassel nur ausgedacht, damit ich mich wenigstens für einen der Darsteller entschied.

Stunden später gingen wir alle runter ans Set – dieselbe weiße Unendlichkeit, nur dieses Mal mit einem schwarzen Sessel und einer Sitzbank aus Chrom und grünem Leder statt dem Bett. Sobald wir unsere Stellung eingenommen und von Al angewiesen worden waren, fingen Chris und ich uns zu küssen an. Trotz meiner Gefühle für Luke wurde mein Schwanz schnell hart.

Al bekam das mit. Die Mannschaft fummelte noch an der Beleuchtung herum, aber bei einem Pornodreh ist ein harter Schwanz das A und O. Der Künstler in Al gab nach, der Pornoregisseur übernahm. »Wir haben einen Ständer«, verkündete er.

Die Mannschaft reagierte mit geziemender Ehrfurcht auf eines der Zehn Gebote beim Pornodreh, ließ die Arbeit liegen und behalf sich mit dem Erreichten. Binnen Minuten hatten alle ihre festen Plätze eingenommen.

»Okay, alle Mann«, sagte Al; dann, an die Darsteller gerichtet: »Wir fangen jetzt zu filmen an, Jungs. Denkt dran, wo die Kamera ist.«

Pause.

»Achtung …«

Noch eine Pause.

»Und … Action!«

Ich stand vor dem Stuhl. Chris lutschte mir den Schwanz. Großer Gott, sah der Kerl gut aus. Nach ungefähr einer Viertelstunde saß ich auf dem Stuhl, und Chris setzte sich auf mich, das Gesicht mir zugewandt, sein hübscher Arsch über meinem Schwanz. Ich wollte ihn einfach nur noch nach unten ziehen. Ich brauchte nicht lange, um von meiner innerlichen Fixierung auf Luke auf eine äußerliche Erregung durch Chris umzuschalten. Hilfreich dabei war, dass er auf mich abzufahren schien; nichts war mir unangenehmer als ein gleichgültiger Partner. Entweder hatte Chris wirklich Spaß bei der Sache, oder er war ein guter Schauspieler. Wie dem auch sei, jedenfalls hatte ich mit ihm den intensivsten Sex, den ich je an einem Set erlebte.

Als wir unterbrachen, um ein neues Kondom überzustreifen, rief ich Al zu: »Alles in Ordnung?« Er nickte nur und grinste schelmisch.

James und Todd mussten auch unterbrechen, weil wir in derselben Szene waren. Sie hatten hinter uns auf der Bank gevögelt, aber ich war so sehr mit Chris beschäftigt gewesen, dass ich sie gar nicht bemerkt hatte. Nach einem Schluck Cola – die laut Al »müde Pimmel wieder munter macht« – ging die Kamera wieder an.

Im Grund taten Chris und ich einfach, was uns gerade einfiel. Als er auf mir saß, drehte er sich um und wandte mir den Rücken zu. Der Anblick seines glatten, kleinen Hinterns entschädigte mich reichlich dafür, dass ich sein Gesicht nun nicht mehr sehen konnte. Ich senkte ihn auf meinen Schwanz runter. Ficken! Dann stand er auf. Ich glaube, ich lief ihm kurz nach; schwer zu sagen, wer hier wen an der Leine führte. Ich beugte ihn vor und fickte ihn eine Weile in dieser Haltung. Er ging auf alle viere, und wir machten es in der klassischen Hündchen-Stellung. Ich bumste ihn so lange, bis ich es kaum noch zurückhalten konnte.

»Kann ich abspritzten, Al?«, rief ich.

Erst wandte er sich an den Kameramann – »Bitte genau aufpassen« –, dann an mich: »Hau rein, Aiden. Und mach ein bisschen Krach dabei.«

Ich richtete meine ganze Aufmerksamkeit auf meinen Schwanz, der aus Chris’ Hintern rein- und rausglitt. Ich beugte mich vor, leckte den Schweiß von seinem Rücken, fickte ihn noch ein paar Stöße lang, zog dann meinen Schwanz aus seinem Arsch, streifte den Gummi ab und stöhnte – das Signal für die Mannschaft, näher an Chris’ Kreuz, seine schmalen Hüften, seine glatte Haut, seinen unbehaarten Arsch heranzuzoomen. Dann kam ich.

Sobald Chris und ich fertig waren, wandte sich die Kamera Todd und James zu. Ich stellte mich hinter Al, um nachzuschauen, wie die Szene auf dem Monitor wirkte. Er wandte den Kopf ab und machte ein desinteressiertes Gesicht. Ich war froh, dass ich nicht auf diesem Bildschirm zu sehen war. Es würde noch eine Weile dauern, bis sie fertig waren, also ging ich nach oben, um mich anzuziehen, auszuruhen und Luke anzurufen. Chris blieb unten, um sich den Rest der Szene anzusehen.

Auch wenn Chris ziemlich sexy war, war ich doch froh, dass wir fertig waren. Ich fühlte mich, als hätte ich eine Leistung vollbracht. Als Todd und James mit der Szene durch waren, aßen sie etwas mit Chris und zogen sich an, während die Mannschaft alles zusammenpackte.

Ein Fahrer stand zu meiner Verfügung bereit. Ich ließ mich zu Luke fahren und war überrascht, dass er bereits auf mich wartete und sich freute, mich zu sehen. Ich hatte noch ein bisschen Zusatzmaterial zu drehen, aber die Szene mit Chris war meine letzte Sexszene für diesen Film gewesen. Luke und ich feierten das, indem wir essen gingen.

Als ich San Francisco verließ – oder wichtiger: als ich Luke verließ –, fühlte ich mich traurig, aufgewühlt und hoffnungsvoll zugleich. An Bord des Flugzeugs wurde das rasch von einer Scheißegal-Haltung abgelöst, Valium sei Dank. Sobald ich daheim war und mich vom Jetlag erholt hatte, konnte ich an nichts anderes als an Luke denken. Es dauerte nicht lange, da saß ich erneut in einem Flieger Richtung San Francisco.

5

Schlechtes Timing. Gerade eben war Lukes neue Anzeige als Escort im Bay Area Reporter erschienen, und andauernd piepte sein Pager. Jedes Mal, wenn er ranging, wurde ich nervös. Anstatt alles in mich hineinzufressen, sprach ich Luke darauf an.

»Ich finde es schrecklich, mir dich mit einem Freier vorzustellen.«

»Dann stell es dir doch nicht vor.«

»Ich kann nichts dagegen tun. Du sprichst so oft mit ihnen.«

»Alle nörgeln wegen meiner Arbeit an mir rum.«

»Kleiner, ich habe kein Problem mit der Prostitution an sich.«

»Und was ist es dann?«

»Ich weiß nicht. Vielleicht will ich dich einfach beschützen, vielleicht bin ich auch eifersüchtig. Ich weiß, dass ich manchmal Spaß dabei hatte.«

»Na, den habe ich nicht.«

»Und die Filme?«

»Was ist damit?«

»Die anderen Darsteller sehen manchmal echt umwerfend aus. Sieh nur, wen ich abgekriegt habe.«

»Ich werde mich schon nicht in einen anderen verlieben.«

»Und warum nicht?«

»Du bist mein Baby, Rufus. Begreifst du das denn nicht?«

Keine Ahnung, wo der Name Rufus herkam, aber ich mochte ihn. Luke wuschelte mir durchs Haar.

»Rufus, du bist mein Baby. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Aber bitte verlang nicht von mir, mein Leben zu ändern. Das würde ich für niemanden tun.«

Das schockierte mich. Gleichzeitig bewunderte ich ihn. Ich hatte gute wie schlechte Erinnerungen an die Prostitution, aber ich war davon überzeugt, dass sie mich distanzierter gemacht hatte – und das war das Letzte, was ich mir bei Luke wünschte.

»Tut mir leid, Kleiner«, sagte ich verlegen. »Ich werde es nicht mehr ansprechen.«

Luke merkte, dass ich durcheinander war, und umarmte mich. Wir waren gerade auf einer äußerst belebten Einkaufsmeile, aber ich verlor mich in seinen Armen.

Damit war die Sache zwar ausgesprochen, aber keineswegs erledigt. Der Rest meines Aufenthaltes war schön, auch wenn es viele Unterbrechungen gab. Luke sagte, dass er mich in London besuchen wolle. Wir wählten einen Termin, an dem ich mit meiner Band Whatever einen Auftritt hatte.

Kurz bevor ich nach San Francisco geflogen war, um in dem Film mitzuwirken, hatte Sean Strub mich gefragt, ob ich nicht als Gastredakteur bei Poz mitarbeiten wolle, einem Magazin zu den Themen HIV und AIDS, das er in New York herausbrachte. Ich hatte nie zuvor eine Zeitschrift geleitet, meinte aber, dass ich etwas zu der Debatte beitragen könne. »Meine Ausgabe«, wie ich sie nannte (allerdings war Elizabeth Taylor auf dem Titelbild, wodurch mein Input und mein Editorial vergleichsweise mager wirkten), war zugleich auch die erste, die in England erschien, und deshalb fragte man mich, ob ich mit meiner Band auf der Releaseparty auftreten wolle.

Ich fuhr nach Hause, um mich auf das Konzert vorzubereiten und die zwei Wochen bis Lukes Ankunft herumzukriegen.

6

Lukes Flieger kam am frühen Morgen an. Ich ließ ihn ein paar Stunden schlafen und weckte ihn dann, weil später am Abend Whatever im ›Substation Soho‹ (dem Club meines Freundes Wayne Shires) auftreten sollten und er beim Soundcheck dabei sein wollte.

Im ›Substation‹ stellte ich Luke Nina und Marc vor, die beiden anderen Sänger von Whatever und zwei meiner engsten Freunde. Nina war vor allem eine Autorin und Bassistin, die außerdem auf eine Weltmeistermedaille in Kampfsport verweisen konnte. Bis vor Kurzem hatte sie als Prostituierte gearbeitet, es aber aufgegeben, als sie feststellte, dass sie ihren Lebensunterhalt auch mit den Dingen bestreiten konnte, die ihr wirklich Freude machten – Singen, Bass spielen und Balancieren (im Sommer arbeitete sie meist in einem Zirkus, vor allem auf dem Drahtseil, aber einmal hatte sie auch einen Clown gespielt und musste dabei auf einem winzigen Fahrrad herumfahren). Marc war zwar einfacher zu beschreiben – bildender Künstler, Vegetarier und in therapeutischer Behandlung –, dafür aber komplexer, denn in seinem Kopf ging eine Unmenge an Dingen vor, die sich nur ab und zu als Kunst manifestierte. Wir drei hatten unterschiedliche Gesangs- und Auftrittsstile. Nina spielte außerdem den Bass. Unser Leadgitarrist Matt Fisher beherrschte jeden Stil. Wir schätzten seine Vielseitigkeit ebenso sehr wie seine Benutzerfreundlichkeit. Unser Keyboarder Neil hatte das Royal College of Music besucht und galt vielen als Genie. Er konnte alles von Streichinstrumenten bis hin zu Drum-Loops nachahmen. Manchmal hatten wir auch einen echten Schlagzeuger dabei, einen netten Kerl namens Jay. Darüber hinaus konnten alle unsere Freunde, die zu uns auf die Bühne wollten, das auch tun. Davon machte ein Mann namens S öfter Gebrauch, der unsere Songs dann pantomimisch darstellte.

Nach dem Soundcheck aßen wir was, schlugen die Zeit tot und machten uns dann in der Wohnung eines Freundes in der Old Compton Street in Soho zurecht. Nina hatte sich die Haare zu einem Afro machen lassen und trug etwas, das sie als ihren Gefängniswärterin-aus-den-Siebzigern-Fummel bezeichnete: brauner Bleistiftrock, weißes Herrenhemd mit offenem Kragen und braune, hochhackige Schnürstiefel. Marc hatte abstehende, blassgrüne Haare und trug ein Rückenkorsett, in dem er quasi lebte, seit er vor ein paar Jahren vom Pferd gestürzt war. Ich hatte mir die Kopfhaare abrasiert und schminkte mir Fieberbläschen und tiefschwarze Ringe unter die Augen. Marc schrieb mir mit schwarzem Filzstift Hundeficker auf die Arme.

Dann ging es zurück ins ›Substation‹. Nina hatte den Soundmann bereits bezahlt, der hatte seinen Lohn in Heroin angelegt und hätte eigentlich gar nicht mehr aufkreuzen müssen. Wir konnten uns auf der Bühne selbst nicht hören, und das Publikum schien noch weniger mitzubekommen. Da man uns im Vorfeld versichert hatte, dass man sich um die Beleuchtung kümmern würde, hatten wir uns darum keine weiteren Gedanken gemacht. Wir hätten es besser wissen müssen – es gab nämlich gar keine Beleuchtung. Mein jüngerer Bruder Des, der mit seiner Frau Lucy gekommen war, bemerkte unsere Probleme und versuchte uns zu retten, indem er einen Scheinwerfer vom Bühnenrand nahm und uns damit anstrahlte. Was das Teil eigentlich anstrahlen sollte, weiß ich auch nicht.

Wir gaben unser Bestes, aber der Auftritt war ein Griff ins Klo. Am Ende des Sets stieg ich von der Bühne in die erste Reihe – und in Lukes Arme. Er fing mich auf und küsste mich.

Wir blieben im Club und warfen uns Drogen ein. Als Luke tanzen ging, fand ich mich mit Nina und Marc in einer Besenkammer wieder, in Begleitung von Princess Julia (die heute Abend auflegte) und einer Frau, mit der sie zusammen war – die sah aus wie eine Mischung aus Hitlerjunge und sexy Kerl aus dem East End. Julia hatte mehrere auffällige Qualitäten. Eine davon war ihr durchgeknallter Sinn für Humor; man musste über ihre Witze oft nachdenken. Eine weitere war ihre Stimme; sie sprach wie ein Börsenhändler, aber alles, was sie sagte, war unglaublich clever und enthielt einen Standpunkt, den man noch nicht bedacht hatte. Und dann war da noch ihre Kleidung. Wenn Julia sich einen Look ausdachte, tat sie das mit Präzision und Liebe zum Detail. Sie war den Modeschauen und -magazinen immer um mindestens sechs Monate (manchmal auch ein Jahr oder mehr) voraus. Heute Abend trug sie ein goldfarbenes T-Shirt, das ihren Rumpf wie eine Farbschicht bedeckte und ihre vollkommenen Brüste, die Brustwarzen und ihre jugendliche Figur betonte.

Ich vermute, dass wir uns in dieser Besenkammer aus Gründen der Privatsphäre befanden, weil wir Drogen nahmen. Julia allerdings war einer der wenigen Menschen, die ich mochte (Eltern und Freunde im Entzug nicht eingerechnet), auch wenn sie keinerlei Drogen nahm. Sie leistete uns einfach nur Gesellschaft. Sie gehörte zu den Freunden, in deren Nähe ich völlig drauf sein konnte – sie ließ sich einfach drauf ein und schien es amüsant zu finden. Wir anderen nahmen Special K und Koks. Ich schrieb ja bereits, wie toll Julia aussah; aus irgendeinem Grund machte ich jetzt den Vorschlag, dass wir alle die T-Shirts tauschen. Julia bekam das, das ich auf der Bühne getragen hatte – das war vielleicht kein guter Tausch, aber sie trug es so elegant, dass es kaum auffiel. Nina bekam Julias Shirt und war sehr glücklich darüber. Ich erhielt Ninas, das noch aus den Siebzigern stammte und den Aufdruck ICH WERDE REICH UND BERÜHMT SEIN hatte; Nina hatte das SEIN durchgestrichen und das WERDE durch BIN ersetzt. Schließlich tauschte noch Julias Freundin ihr Shirt mit Marc. Als wir die Besenkammer verließen, waren wir alle anders angezogen als vorher und mit dem Ergebnis relativ zufrieden, wenn auch ein wenig verwundert.

Wir hatten jede Menge Spaß in dem Club, weil ziemlich viele Leute, die wir mochten, zu unserem Auftritt gekommen waren. Weil wir sie auf der Bühne so fürchterlich enttäuscht hatten, wollten wir ihnen nun wenigstens eine tolle Party bieten. Flora, eine weitere enge Freundin von mir, die mit unserem Schlagzeuger Jay liiert war, lud uns zu sich nach Hause ein. Wir waren zwar alle durch den Wind, aber irgendwie gelang es uns, dort hinzukommen. Das Publikum setzte sich zwar nicht aus der A-Liste oder auch nur der B-, C-, D- oder E-Liste zusammen (auch wenn eine Menge Pillen von diesen Listen die Runde machten), dafür aber definitiv aus der Kategorie Doppel-F (für Fantastische Freaks). Die Crème de la Crème von London (wie ich sie nannte) schien da zu sein, unter anderen:

Steven Maguire, nach eigener Aussage ein Ire der alten wie der neuen Schule. ›Alt‹ in der Hinsicht, dass er eine ausgedehnte Familie mit ausgeprägtem Zusammenhalt besaß, deren Mitglieder, wenn man sie nebeneinander aufstellte, bis nach Irland gereicht hätten. ›Neu‹, weil er über alle Maßen stilbewusst war. Im Gegensatz zu S, der meistens ziemlich zerfleddert aussah, konnte Steven einfach die merkwürdigsten Klamotten anziehen und trotzdem cool wirken. Er hatte eine, wie er selbst es nannte, teuflische Persönlichkeit und konnte selbst einen Raum voller lärmender, betrunkener Heteros in wenigen Minuten zum Lachen bringen. Nichts konnte Steven einschüchtern.

Richard Tory (in dessen Haus wir uns vor dem Auftritt fertig gemacht hatten und mit dem ich auch mal Musik aufgenommen hatte) – ein Modedesigner und Musiker, den ich schon ewig kannte. Gemeinsam mit dem wahrhaft originellen Leigh Bowery – in meinen Augen der unglaublichste Freak/moderne Künstler/Moderebell aller Zeiten – hatte Richard eine Band namens Minty gegründet. Er gehörte zu den vielen, die bei Whatever mitgewirkt hatten, und arbeitete zudem als DJ. Er hatte schon im Herzen von Soho gewohnt, lange bevor es zur Londoner Version der Castro Street oder des West Village geworden war. Nie sah man ihn ohne einen ausgeflippten Haarschnitt. Zum Zeitpunkt der Party trug er einen roten Stachel von rund fünfzehn Zentimetern Höhe, der ihm direkt aus dem Scheitel wuchs. Im Gegensatz zu diesem Äußeren war er bescheiden, freundlich und nervös – ein klassischer Exzentriker der ruhigen Sorte.

Miss Kimberly, eine glamouröse Club-Betreiberin/Schauspielerin/Persönlichkeit, der ich vor vielen Jahren in einem Club namens ›Taboo‹ begegnet war – damals war sie noch ein hübscher junger Mann aus New York gewesen, der von einer Karriere als Model träumte.

Stuart Who, ein Journalist, der sich nicht nur gerade einen internationalen Ruf als DJ erarbeitete, sondern auch (und das war für mich bedeutsamer) in der Lage war, mit seinen Sets meinen müden Körper auf die Tanzfläche zu bewegen, was eine ziemliche Leistung darstellte.

Mathew Glamore war so vieles, darunter der Gründer einer Gruppe von Musikern, Autoren, Sängern und Performance-Künstlern namens The Offset. Er war ein Club-Freak der etwas anderen Sorte: Er hatte eine Vision. Zwar wusste weder er noch sonst jemand, wie diese Vision aussah, doch ob er nun ein Konzert gab, etwas organisierte oder einfach einen neuen tollen Club-Event aufzog, er wirkte dabei auf mich stets inspiriert. Für ihn zählte immer nur die Kunst und nicht das Geld.

Suzi Gruger war in London einigermaßen berüchtigt, weil sie die ersten Hardcore-Sexclubs nach der AIDS-Hysterie eröffnet hatte. Einer ihrer berühmtesten Clubs war das ›Fist‹, wo Darkrooms nicht nötig waren und nur eine Regel galt: Alles ist möglich. Der Dresscode lautete Fuck, und daran hielten sich die meisten auch.

Neil Kazor, unser Keyboarder, war da mit seinem Freund Kenny C, der ebenfalls ein beliebter DJ in London war. Als Paar waren sie so grundverschieden, wie sie es nur sein konnten; einmal erzählten sie mir sogar, dass sie beide je einen Großvater hatten, der in Auschwitz gewesen sei – der eine als Deutscher, der andere als Jude.

Wer war sonst noch auf der Party?

Marcs wunderschöner Neffe Ryan mit einem ebenso schönen Mitschüler (auf dem Schwarzmarkt hätten wir mit den beiden ein Vermögen machen können).

Andy Sticks, ein Mann, der zuweilen mit uns auftrat, aber in der Regel seine eigene skeptische Lyrik wie ein Maschinengewehr runterratterte. Er sah aus wie ein Model und strahlte die Grandezza eines vergangenen Zeitalters aus, aber er zog es vor, daraus keinen Nutzen zu ziehen. Sein Verstand war ebenso scharf wie seine Zunge, doch anstatt herumzumeckern, setzte er beides lieber in seiner Dichtung ein.

Mark Langy war der Veranstalter der Partyreihe ›ff‹, die Mitte der Neunziger die beliebteste Clubnacht für Schwule war (die Initialen standen für ›First Friday‹ und nicht für das, was die meisten spontan vermutet hätten). Außerdem war er der Betreiber einer Galerie-Bar namens ›Freedom‹. Darüber hinaus war er nicht nur der Manager von Marc Almond, sondern auch noch ein Teilzeit-Feuerwehrmann, der Feuerforensik studierte. Im Gegensatz zu den meisten anderen auf der Party konnte er alle Aufmerksamkeit schon allein dadurch auf sich ziehen, dass er einfach nur ruhig da saß – und das wusste er auch.

Das führt mich zu unserer Gastgeberin Flora. Ich hatte sie das erste Mal im ›Freedom‹ gesehen, als sie vor einem ihrer riesigen fotokopierten Kunstwerke stand und dabei so verwirrt und neugierig schaute, als hätte sie es selbst noch nie gesehen. Gleichzeitig wirkte sie eher wie ein Filmstar als wie eine Künstlerin, und all das ergab eine verführerische Mischung. Flora war ein winziges Wesen mit milchweißer Haut, babyblonden Haaren und der Art von Lippen, für die manche Menschen ein Vermögen bezahlen würden. Sie war so anmutig wie ernsthaft, und sie strahlte eine warme Zuneigung aus, für die man sie am liebsten geküsst, gedrückt und geliebt hätte. Ich stellte mich ihr vor und war seitdem mit ihr befreundet. Ein paar Mal konnte ich sie dazu überreden, einen meiner Whatever-Songs auf der Bühne zu singen, aber sie fand die Situation so unangenehm, dass sie nur ganz zaghaft sang. Ich fand das zum Herzzerreißen ehrlich und schön.