Speech Pad: Warum gut präsentieren heute anders geht - Patrick Nini - ebook

Speech Pad: Warum gut präsentieren heute anders geht ebook

Patrick Nini

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Opis

Wir präsentieren heute ständig und überall: unserem Chef unsere Arbeitsergebnisse, den Kunden die neue Produktlinie und der Familie das Reiseziel für den nächsten Sommerurlaub. Egal, worum es letztlich dabei geht: Immer kommt es darauf an, den anderen zu überzeugen. Aber wie macht man das? Die naheliegende Lösung heißt dann oft PowerPoint. Doch: Hübsche Folien machen noch lange kein überzeugendes Konzept! Für eine gelungene Präsentation ist allein entscheidend, ob Ihre Botschaft beim Publikum ankommt. Und die müssen Sie erst einmal formulieren. Mit dem Speech Pad hat Patrick Nini ein Tool entwickelt, das Ihnen hilft, Ihre Präsentation von der Kernbotschaft bis zum gelungenen Auftritt Schritt für Schritt zu konzipieren und umzusetzen. Reich gespickt mit Fachwissen aus der klassischen Rhetorik, aber immer leicht verständlich und unterhaltsam zeigt dieses Buch, worauf es in den einzelnen Phasen Ihres Präsentationskonzepts ankommt. Und mit dem beigefügten Speech Pad haben Sie Ihren persönlichen Fahrplan zur überzeugenden Präsentation buchstäblich in der eigenen Hand! Zusätzlich erhält jeder Leser einen kostenlosen Premium Probe-Account für die Speech-Pad-App.

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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Ein Wort zuvor
Eine Reise in die rhetorische Vergangenheit
Das antike Griechenland im vierten Jahrhundert vor Christus
Das alte Rom um die Zeitenwende
Speech Pad – die Idee
Von der Antike in die Gegenwart
Neuanfang – und zwar wirkungsvoll!
Geld wird verbrannt – tagtäglich!
Meditieren neu erfunden
Befehlsausgabe im Unternehmen
Das Publikum steht im Mittelpunkt!
Folien bewusst einsetzen
Die Zukunft der Präsentationsgestaltung: Speech Pad
Mündliche oder schriftliche Präsentation?
Die zwei Ebenen der Überzeugung
Für wen eignet sich Speech Pad?
Wie Speech Pad im Detail aufgebaut ist
Speech Pad Schritt für Schritt
Teil 1: Inhalte aufbereiten
Die Botschaft als zentrales Element
Die Sichtweise deines Publikums kennen
Argumente & Informationen vorbereiten
Emotionen durch Geschichten hervorrufen
Glaubwürdigkeit vermitteln & Authentizität ausstrahlen
Teil 2: Präsentation erstellen
Den Titel festlegen
Die Präsentationsdauer abschätzen
Durch Struktur überzeugen
Die Themen notieren
Durch Körpersprache punkten
Inhalte polieren
Bühnenpositionen bestimmen
Visuelle Hilfsmittel festlegen
Teil 3: Präsentation vorbereiten
Inhalt merken
Wochen vor dem Auftritt
Zwei Tage vor dem Auftritt
Stunden vor dem Auftritt
Speech Pad angewandt
Die Methodik
Die verschiedenen Präsentationsarten
Beispiel: Projektpräsentation
Vorher
Nachher
Inhalt merken
Speech-Pad-Iterationen
Welche Version präsentierst du?
Wir können an uns arbeiten
Anhang
Best-Practice-Tipps
Fragen an den Veranstalter (Muster)
Die zehn »A« der Rhetorik
Einsatzzweck der rhetorischen Stilmittel
Emotionskategorien und Emotionsbereiche in EARL nach HUMAINE
Auflösung: Dein persönlicher Werte-Trendtest
Speaking-Kit
Feedback-Formular
Literatur
Dank
Über den Autor
Quellen und Anmerkungen
Impressum

Vorwort

Vor vielen Jahren habe ich zum ersten Mal einen Satz gehört, der mein Leben dramatisch verändern sollte: »Stell dir vor, du kommst abends nach Hause und denkst dir: ›Wow, und dafür bekomme ich auch noch Geld!‹« Wenn Sie diese Aussage ein wenig auf sich wirken lassen – könnten Sie mir dann eine Antwort auf die Frage geben, was dieses »dafür« bei Ihnen sein müsste? Obwohl ich damals noch leitender Angestellter im Einzelhandel war, musste ich keine drei Sekunden nachdenken, dann sah ich es deutlich vor meinem geistigen Auge. Für mich war es die Leidenschaft, vor Menschen sprechen zu dürfen, sie mit Worten zu inspirieren und für meine Ideen zu begeistern. Kurze Zeit später gründete ich mein eigenes Unternehmen. Seitdem zaubert es mir jeden Tag aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht, dass ich es geschafft habe, aus meiner Leidenschaft ein erfolgreiches Business zu machen.

Auch heute, sieben Jahre später, empfinde ich es immer noch als ein riesiges Privileg, mein Geld als international tätiger Keynote-Speaker mit der Kunst der Rhetorik zu verdienen. Und es gibt eine Aussage, die ich nach meinen Vorträgen auf der ganzen Welt immer wieder höre, wenn ich mit meinem Publikum ins Gespräch komme: »Ilja, ich könnte niemals so überzeugend, locker und authentisch auf einer großen Bühne vor Menschen sprechen, wie du das tust.« Nur damit wir uns richtig verstehen, ich erzähle Ihnen das nicht, um mich selbst zu loben. Ganz im Gegenteil, nichts liegt mir ferner. Ich erzähle Ihnen das, weil es eine Zeit in meinem Leben gab, in der das vollkommen anders war.

Begleiten Sie mich auf eine Reise in die Vergangenheit. Wir schreiben das Jahr 2003 und zweihundert Augenpaare blicken mich gespannt an. Mein Mund ist staubtrocken, während mir eine einzelne Schweißperle langsam die Stirn herunterläuft. Es ist totenstill im Raum und nur das durchgehende Surren der Lüftung übertönt das stetig lauter werdende Pochen meines Herzens. Ich werde immer nervöser. Kein Wunder, schließlich ist es meine allererste Betriebsversammlung als blutjunger Warenhausgeschäftsführer. Noch vor wenigen Momenten war die Atmosphäre im Saal aufgeheizt. Der Betriebsratsvorsitzende und eine Vertreterin der Gewerkschaft hatten es mit brillanten Reden geschafft, die Mitarbeiter emotional abzuholen und gegen die bundesweit geplanten Maßnahmen der Unternehmensleitung einzustimmen.

Und nun stehe ich hier mit meinen vorbereiteten Texten, Argumenten und PowerPoint-Folien und versuche verzweifelt, die Köpfe und Herzen meiner Mitarbeiter zu erreichen. Doch es gelingt mir einfach nicht. Statt Begeisterung macht sich Unruhe breit und die ersten Zwischenrufe lassen mich noch nervöser werden. Ich verliere den Faden. Verhaspele mich. Will vor Scham am liebsten im Boden versinken. Die nächsten Minuten werden für mich zu einem wahren Spießrutenlauf, und als ich mich vom Rednerpult verabschiede, realisiere ich mit voller Wucht, dass die erste wichtige Rede in meinem Leben ein völliges Desaster war. Ich kann Ihnen nicht mehr genau sagen, woher der Impuls kam, aber irgendwo tief in mir hat dieses Scheitern eine Trotzreaktion ausgelöst. In diesem schmerzenden Moment der persönlichen Niederlage habe ich mir etwas geschworen, das meine Zukunft entscheidend beeinflussen sollte: »Das passiert dir in deinem ganzen Leben niemals wieder!«

Noch am gleichen Tag bin ich in die Buchhandlung um die Ecke gegangen und habe mir sämtliche Bücher zum Thema »Präsentieren« gekauft, die ich finden konnte. Und damit war es um mich geschehen. Die Kunst der freien Rede ließ mich nicht mehr los, und ich habe mich mit Haut und Haaren in das Studium der Rhetorik gestürzt. Auf dem Weg habe ich viele Fehler gemacht, musste tiefe Täler durchschreiten und war mehr als einmal kurz davor aufzugeben. Doch meine Leidenschaft für das gesprochene Wort hat mich immer weitermachen lassen und in Hunderten von Präsentationen bin ich vor allem mithilfe der berühmten Methode »Learning by doing« besser geworden. Denn: Einen wirklich gut strukturierten Ansatz für gelungene Präsentationen hatte ich leider nicht zur Verfügung.

Was hätte ich dafür gegeben, wenn ich damals schon das Speech Pad gehabt hätte – es ist genau der Leitfaden, den ich mir immer gewünscht habe. Als Patrick mich fragte, ob ich das Vorwort zu seinem Buch schreiben würde, war ich daher sofort begeistert. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Fähigkeit, überzeugende Reden halten zu können, eine der wichtigsten Schlüsselqualifikationen der Zukunft sein wird. Ob im klassischen Businessmeeting, in der Vorstandssitzung oder bei der Präsentation Ihres eigenen Unternehmens: Je besser Sie Ihre Ideen transportieren können, desto erfolgreicher werden Sie sein. Alles was Sie dafür brauchen, finden Sie in diesem Buch. Gut präsentieren zu können ist ein Handwerk, das wirklich jeder lernen kann. Ich bin das beste Beispiel dafür.

Das Konzept des Speech Pad ist grandios, denn es gibt Ihnen eine klare Struktur an die Hand, die Sie auf jede denkbare Rede anwenden können. Zusätzlich steckt jedes einzelne Kapitel des Buches voller Goldnuggets, die Ihre Fähigkeiten als Redner auf ein neues Niveau bringen. In einer großartigen Mischung aus wissenschaftlichem Hintergrund, vielen praktischen Beispielen und einer Menge fachlichem Know-how deckt Patrick Nini das gesamte Spektrum guter Präsentationen umfassend ab. Sie haben nach der Lektüre alles, was Sie benötigen, um ein herausragender Redner zu werden. Natürlich gelingt Ihnen das nur, wenn Sie bereit sind, auch die entsprechende Arbeit zu investieren. Gute Vorträge halten zu können ist nun einmal etwas, was man sich nicht theoretisch aneignen kann. Aber das Buch ist so motivierend geschrieben, dass ich mir einer Sache ganz sicher bin: Sie werden gar nicht anders können, als jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, an Ihren rhetorischen Fähigkeiten zu feilen.

Und wer weiß, vielleicht kommen Sie eines Tages nach einer gelungenen Rede nach Hause und sind einfach nur glücklich, weil Ihnen tausend Menschen gebannt an den Lippen gehangen und Sie am Ende mit Standing Ovations verabschiedet haben. Und während Ihnen der Gedanke an die vielen Leben, die Sie in diesen sechzig Minuten Vortrag verändert haben, ein Lächeln ins Gesicht zaubert, sagen Sie möglicherweise voller Stolz zu sich selbst: »Wow, und dafür bekomme ich auch noch Geld!«

Ich wünsche Ihnen eine schöne Lektüre und alles Gute auf Ihrem Weg zu einem brillanten Redner.

Herzlichst, Ihr

Ilja Grzeskowitz

Change Experte, Bestsellerautor und internationaler Keynote-Speaker

Ein Wort zuvor

Bevor es losgeht, möchte ich mich kurz vorstellen.

Nach meiner Ausbildung zum Informatiker gelang mir mit 22 Jahren der Einstieg als Berater bei einem internationalen Hersteller für Bankensoftware. Schon immer hatten mich Handel und Börse fasziniert. In dieser Zeit entdeckte ich meine Leidenschaft für Rhetorik und das Präsentieren. Toastmasters, eine internationale Non-Profit-Rhetorikorganisation, legte den Grundstein für mein späteres berufliches Wirken als Präsentationstrainer und Vortragsredner. Ich besuchte unzählige Seminare und studierte Bücher über Rhetorik und deren antike Wurzeln.

In meiner früheren Praxis als Berater erkannte ich: Menschen sind zwar Experten auf ihrem Gebiet, doch kaum jemand weiß wirklich, wie man gute Präsentationen erstellt. Diese Erkenntnis und meine Leidenschaft für die Rhetorik haben mich dazu gebracht, das Modell »Speech Pad Business« zu entwickeln, einen Leitfaden speziell für Geschäftsleute. Präsentieren kann man nicht früh genug lernen, daher gibt es nun auch eine Version speziell für Schüler und Schulen: das »Speech Pad 4school«.

Ich lade Sie in den folgenden Kapiteln zunächst zu einer Reise in die rhetorische Vergangenheit ein. Dort finden wir die Grundbausteine der heutigen Rhetorik. Danach reisen wir zurück in die Gegenwart. Ich zeige Ihnen, worauf es bei Speech Pad ankommt, und stelle Ihnen meine Methode in drei Teilen vor: Inhalte aufbereiten, Präsentation erstellen und Präsentation vorbereiten. Innerhalb dieser drei Teile finden Sie 29 Schritte, die Ihre Präsentation jeweils unter einem anderen Blickwinkel betrachten. Jeder dieser Schritte ist in der Überschrift mit einem farbigen Symbol gekennzeichnet, das Sie auch im Speech Pad wiederfinden. So wissen Sie jederzeit, an welcher Stelle des Speech-Pad-Prozesses Sie gerade stehen und haben stets den Gesamtüberblick. Ich zeige Ihnen, wie Sie Speech Pad anwenden können, und gebe Ihnen viele Materialien an die Hand, die Ihnen gutes Präsentieren erleichtern.

Auf der Bühne sollten wir unnötige Barrieren entfernen. Für mich schafft das »Sie« eine Barriere, nämlich Distanz. Daher bin ich für meine Leserinnen und Leser einfach »Patrick«. Gerade wenn man intensiv miteinander arbeitet, vereinfacht das »Du« die Zusammenarbeit. Es schafft eine Sympathiebrücke, die ich nutzen möchte. Falls Sie damit nicht einverstanden sind, denken Sie sich bitte ein »Sie« an den Stellen des Buches, an denen ein »Du« steht.

Mit rhetorischen Grüßen

Patrick Nini

PS: Um den Textfluss zu verbessern, verwende ich in meinen Beispielen meistens nur eines der beiden Geschlechter. Natürlich spreche ich Frauen und Männer gleichermaßen an.

Eine Reise in die rhetorische Vergangenheit

»Die Rhetorik ist die Kunst, zu erkennen, was überzeugend ist.«

ARISTOTELES1

Wer sich heute mit der Kunst der Rede und dem Präsentieren befasst, sollte sich auch mit der antiken Rhetorik beschäftigen. Vieles, was wir heute wissen, lässt sich aus der Antike ableiten. Die großen Redner und Denker jener Zeit haben uns ihr Wissen in ihren Schriften hinterlassen. Daher möchte ich zunächst einen Blick in die Vergangenheit werfen, um einen kleinen Überblick über das zu geben, was uns die antiken Philosophen und Redner mitgegeben haben. Auf den nächsten Seiten werden wir uns in deren Zeit wiederfinden – als stille Beobachter, die das Geschehen aus nächster Nähe miterleben.

Das antike Griechenland im vierten Jahrhundert vor Christus

Wir befinden uns auf einem Berg in Griechenland. Auf einem Plateau sehen wir eine Gruppe von Männern, die eifrig damit beschäftigt sind, das Volk zu beeinflussen – unter ihnen einer, der besonders auffällt: Gorgias von Leontinoi. Die Männer gelten als Meister der Überredung (Sophistik) und werden daher Sophisten genannt. Sie sind brillante Redner ohne Moral. Ihnen ist es egal, wen sie beeinflussen, denn ihre Fähigkeiten sind käuflich. Wichtig ist diesen Männern nur, dass sie zu ihrem eigenen Vorteil handeln und anderen damit zum Sieg verhelfen.2 Ob das Interesse moralisch vertretbar ist oder nicht, spielt für sie keine Rolle.

Gorgias ist einer der talentiertesten Redner unter den Sophisten. Seine Reden sind so außergewöhnlich, dass sich sogar die Philosophen dieser Zeit mit seinen Techniken auseinandersetzen. Er hielt beispielsweise die Lobrede auf Helena, um deren Unschuld am Trojanischen Krieg nachzuweisen. Darin argumentiert er, Helena treffe keine Schuld, denn sie sei von den Göttern beeinflusst worden – alles andere sei absurd. Für ihre Schönheit beispielsweise könne nur ein Gott verantwortlich sein.3

Die Reise trägt uns ein wenig weiter in die Zukunft. Der Philosoph Platon beschäftigt sich mit Gorgias’ Fähigkeiten und erstellt den Dialog »Phaidros«. In diesem Werk definiert Platon die Rhetorik, um dem Missbrauch rhetorischer Techniken durch die Sophisten vorzubeugen,4 denn er hält den Sophismus für ethisch inakzeptabel.5 Platon stellt in seinem Dialog auch drei Fragen, die später von einem seiner Schüler – dem damals noch jungen, unbekannten Aristoteles – aufgegriffen werden.6

ERSTE FRAGE: Kann die Rhetorik im Rahmen der Wissensgebiete überhaupt eine der Philosophie auch nur annähernd vergleichbare Rolle spielen?

Platons erste Frage beantwortet Aristoteles folgendermaßen. Er erkennt drei Arten von Reden: Reden vor Gericht (Anklage und Verteidigung), Lobesreden (Lob und Kritik) und Beratungsreden (zu- und abraten). Gerichtsreden und Lobesreden beschäftigen sich eher mit Themen aus der Vergangenheit. Beratungsreden hingegen umfassen Themen, die die Zukunft betreffen, und werden insbesondere bei politischen Versammlungen vorgetragen. Die drei Gattungen sind auf unterschiedliche Ziele ausgerichtet:

• Der Gerichtsredner muss Recht und Unrecht erkennbar machen.

• Der Lobesredner stellt die Ehrenhaftigkeit oder Schande anderer heraus.

• Der Beratungsredner zeigt den Nutzen oder Schaden einer Sache auf.7

Analog dazu definiert Aristoteles drei Arten von Zuhörern: diejenigen, die »nur« genießen, diejenigen, die über Vergangenes urteilen, und jene, die Künftiges bewerten.8 Aufgrund dieser Erkenntnisse beantwortet Aristoteles die Frage, ob die Rhetorik im Rahmen der Wissensgebiete eine relevante Rolle spielt, klar mit »Ja«. Er erkennt, dass die drei Redegattungen ihren jeweils berechtigten Platz im Leben einnehmen. So findet man die Rhetorik in Gerichten, bei Volksversammlungen und in Ansprachen vor der Allgemeinheit.9

ZWEITE FRAGE: Kann die Rhetorik den Status eines Handwerks beanspruchen?

Aristoteles sieht die Rhetorik als Gegenstück zur Dialektik. Die Dialektik ist die Kunst der Gesprächsführung10, die Rhetorik hingegen die Kunst, zu erkennen, was überzeugend ist. Da die Dialektik ein Handwerk ist, ist die Rhetorik für Aristoteles ebenfalls ein Handwerk.11

DRITTE FRAGE: Hat die Rhetorik eine Theorie?

Bislang fehlt der Rhetorik noch eine Theorie. Die von den Sophisten erstellte Anleitung zur Redegeschicklichkeit und Überredungskunst betrachtet Platon nur als einen Hinweis zur Redetechnik, jedoch nicht als Theorie. Als Schüler Platons stellt sich Aristoteles die Aufgabe, der Rhetorik eine Theorie zu geben, und definiert daher drei Faktoren der Überzeugung:

• Logos: die Folgerichtigkeit der in der Rede enthaltenen Aussagen

• Ethos: der Redner, insbesondere seine Autorität und Glaubwürdigkeit

• Pathos: die Absicht, den Zuhörer in eine bestimmte Gefühlslage zu versetzen

So kann die dritte Frage von Platon, ob die Rhetorik eine Theorie hat, am Ende auch mit »Ja« beantwortet werden. Aristoteles führt diese drei Faktoren in seinem Werk »Rhetorik« aus und liefert damit einen wertvollen Beitrag.

Das alte Rom um die Zeitenwende

Schauplatzwechsel. Wir befinden uns auf dem Forum Romanum, einem berühmten Platz in Rom, inmitten eines unterhaltungssüchtigen Volks. Es ist das Jahr 80 vor Christus. Der Sohn des ermordeten Sextus Roscius wird angeklagt, seinen Vater umgebracht zu haben. Die Lage scheint aussichtslos, denn Chrysogonus, von dem die Anklage ausgeht, ist ein treuer Gefolgsmann des römischen Diktators Sulla, der bereits Tausende Menschen ermorden ließ. Aus diesem Grund will sich niemand des Falles annehmen – bis auf Marcus Tullius Cicero. Er ist der Einzige, der den Mut hat, den Angeklagten zu verteidigen, obwohl diesem der Tod droht, sollte er den Prozess verlieren.

Kurz zuvor hat Cicero sein erstes rhetorisches Werk »De inventione« (Über die Auffindung des Stoffes) fertiggestellt. Es beschäftigt sich damit, wie relevante Gedanken und Aspekte einer Rede gefunden werden. Ein anderes Werk, die »Rhetorik an Herennius«, wurde etwa zur gleichen Zeit verfasst und besteht aus mehreren Büchern in lateinischer Sprache. Nicht nur die Gestaltung dieser Bücher ist bewundernswert, auch der Inhalt faszinierte die Leser. Bis heute ist der Urheber dieses Werkes nicht bekannt. Wir schlagen die Bücher auf und finden die fünf Produktionsstadien einer Rede:

1. Finden von relevanten Gedanken (inventio)

2. Sinnvolle Gliederung der Gedanken (dispositio)

3. Formulierung und sprachliche Darstellung der Gedanken (elocutio)

4. Vorbereitung und Einprägung der Rede (memoria)

5. Aufführung auf der Bühne (actio)

Der Autor beschreibt in der Herennius-Schrift sechs Redeteile (partes orationis), die jede juristische Rede beinhalten muss:

1. Einleitung (exordium)

2. Erzählung (narratio)

3. Darlegung und Gliederung der Themenaspekte (divisio)

4. Argumente vorbringen und begründen (confirmatio)

5. Gegnerische Argumente widerlegen (confutatio)

6. Schluss (conclusio)

Die Schrift enthält eine Diskussion über verschiedene Redestile, die später von anderen Rhetoriklehrern wie Cicero aufgegriffen wird. Der unbekannte Autor beschreibt drei verschiedene Redestile: den niedrigen, den mittleren und den hohen Stil. Die Stile orientieren sich an der Wortwahl des Redners und am Publikum. Der niedrige Stil dient in erster Linie der Belehrung und zeichnet sich durch eine eher einfache Wortwahl aus. Der mittlere Stil dient vor allem der Unterhaltung und beinhaltet bereits einige rhetorische Schmuckmittel. Der hohe Stil ist die Königsklasse – damit lässt sich der Zuhörer emotional berühren. Dieser Stil ist anspruchsvoll und wird nur von sehr erfahrenen Rednern eingesetzt.12

Im letzten Buch der »Rhetorik an Herennius« finden wir verschiedene rhetorische Stilfiguren – so bezeichnet man die kunstvolle Verwendung von Worten. Eine Stilfigur lässt sich bereits durch Änderung eines einzigen Wortes gestalten.

Aber zurück zu Cicero im Forum Romanum. Die Stimmung ist gespalten: Cicero wagt es, in seiner Rede die Motive des Chrysogonus’ anzusprechen, denn dieser hat finanziell am meisten von dem Mord an Sextus Roscius profitiert. Chrysogonus will den Angeklagten mithilfe des Gerichtes beiseiteschaffen. Aber das Blatt wendet sich, als sich die von der Anklage geladenen Zeugen in Widersprüche verwickeln. Cicero gewinnt den Prozess und geht daraus als gefragtester Anwalt und Redner Roms hervor. Er strebt bald auch eine politische Karriere an: In den Jahren 75 bis 63 vor Christus wird Cicero im Senat zunächst zum Quästor und später zum Konsul, das höchste Amt, gewählt.

Erst viele Jahre später, als seine politische Laufbahn beendet ist, widmet er sich erneut dem Schreiben. In dieser Zeit verfasst Cicero den Dialog »De oratore« (Über den Redner – 55 v. Chr.) und beschreibt darin, welche Merkmale einen vollkommenen und perfekten Redner (orator perfectus) ausmachen. »De oratore« gilt als Ciceros rhetorisches Hauptwerk.

Cicero ist der Ansicht, der perfekte Redner müsse über alle Themen sprechen können. Umfassende Bildung ist daher für ihn eine der Voraussetzungen, um ein perfekter Redner sein zu können.

Cicero kombiniert seine Theorie mit den drei Faktoren der Überzeugung aus Aristoteles’ Rhetorik. Der perfekte Redner muss zwingend drei Stile beherrschen, um den Pflichten des Redners (officia oratoris) nachkommen zu können: docere (jemanden belehren), conciliare (jemanden für etwas gewinnen) und movere (jemanden emotional bewegen).

In der Antike galten die Ebenen der verschiedenen Lehrmeister als selbstverständlich und waren sich recht ähnlich. So dienten beispielsweise der niedrige Stil der sachlichen Belehrung, der mittlere der Unterhaltung und der hohe Stil der emotionalen Bewegung.

Übersicht Stilebenen und Pflichten des Redners nach Herennius/ Cicero; Faktoren der Überzeugung nach Aristoteles (eigene Darstellung)

Unsere Reise führt uns nun noch etwas weiter in die Zukunft. Wir sind im ersten Jahrhundert nach Christus angekommen. In dieser Zeit ist der römische Rhetorikprofessor Marcus Fabius Quintilianus beeindruckt und geprägt von Ciceros Werken. Er unterrichtet die Kunst der Rhetorik und fasst all sein Wissen und seine gesamte Erfahrung in diesem Bereich in zwölf Büchern zusammen. »Institutio oratoria« (Unterweisung in der Redekunst) ist die Summe des rhetorischen Wissens der römischen Kaiserzeit.13 Ergänzend zum hohen Stil schreibt Quintilianus: »Der Redner muss die Gefühle, die er im Publikum auslösen möchte, auch selbst empfinden.«14 Er empfiehlt, sich mithilfe von geeigneten Vorstellungen und Fantasien selbst in diese Gefühlslage zu versetzen.15 Des Weiteren hält er Methoden fest, aus denen sich die rhetorischen Figuren generieren lassen – wie etwa das Hinzufügen, das Wegnehmen oder das Austauschen von Wörtern.

Im zwölften Buch beschäftigt sich auch Quintilianus mit der Frage, was den perfekten Redner ausmacht. Er definiert ihn als einen sozial-kommunikativen Praktiker, der verantwortungsbewusst handelt und zugleich rhetorisch kompetent ist.

Speech Pad – die Idee

»Effizienz bedeutet, Dinge richtig zu tun, Effektivität hingegen, die richtigen Dinge zu tun!«

PETER DRUCKER

Mir imponieren die großen Redner. Vor allem aber imponiert mir die Tatsache, dass sie wirklich wussten, worauf es in einem Vortrag und einer Präsentation ankommt. Sie kannten die relevanten Elemente der Rhetorik und wussten diese anzuwenden. Die Botschaften waren eindeutig und klar. Die Reden haben überzeugt und gingen somit in die Geschichte ein. Heute präsentieren wir oft, ohne genügend auf unsere Kernbotschaft zu achten. Wir legen auf die Elemente der Rhetorik keinen Wert oder haben sie womöglich noch nie wirklich gelernt. Wohin das führt? Der Inhalt der Präsentation verpufft wie heiße Luft. Die Präsentationen sind wirkungslos. Wir müssen uns über die Kernbotschaft im Klaren sein, denn alles, was ein Redner sagt – jeder Überzeugungsanlauf – baut auf seiner Botschaft auf. Wir wollen doch effektiv sein, oder? Eine Präsentation ohne Botschaft ist jedoch nicht effektiv, weil wir den Inhalt, den wir transportieren möchten, gar nicht kennen.

Peter Drucker zum Beispiel, ein Vordenker im Bereich der modernen Managementlehre, schrieb 1963 im Harvard Business Review: »Es gibt nichts Sinnloseres, als Dinge effizient zu tun, die man gar nicht tun müsste.«16 Ich möchte den Gedanken weiterspinnen und fragen: Was bringt es denn, wenn ich zig Fakten kommuniziere, aber keinerlei Botschaft habe? Effektivität bedeutet, die richtigen Dinge zu tun. Für mich fällt darunter die Vermittlung einer klaren Botschaft. Effizienz bedeutet, Dinge richtig zu tun – beispielsweise schöne Folien zu gestalten.

Stell dir vor, du kommst am Morgen ins Büro, öffnest dein E-Mail-Programm und liest eine Einladung der Auditabteilung zu dem spannenden Thema: »Neue Prozesse«. Hast du dich darauf nicht schon wochenlang gefreut? Wohl eher nicht. Der erste Gedanke beim Lesen einer solchen Mail wird wahrscheinlich sein: »Wie um alles in der Welt kann ich dem entkommen?«

Warum denken wir so? Es liegt sicherlich nicht am Thema. Das kann durchaus interessant sein. Es liegt in vielen Fällen wohl eher an einem Vortragsstil, der die nötige Leidenschaft vermissen lässt. Über 400 Firmen im deutschsprachigen Raum verwenden das Wort »Leidenschaft« in ihren Slogans. Doch wozu? Leidenschaft kann man nicht mit einem Slogan erzwingen. Sie kommt von innen. Sie entsteht freiwillig, wie beim Tanzen. Auch beim Präsentieren führen wir unsere Zuhörer ausdrucksstark übers Themenparkett. Wie gelingt das? Damit du deine Zuhörer so führen kannst, dass sie dir folgen, habe ich Speech Pad entwickelt. Das Ziel ist durchaus hochgesteckt: Es soll dir genauso gut gelingen, dein Publikum zu beeindrucken, wie es den großen Rednern der Geschichte gelungen ist.

Speech Pad unterstützt dich dabei, die richtigen Dinge richtig zu tun, damit Präsentationen künftig bessere Ergebnisse erzielen.

Von der Antike in die Gegenwart

Die Lehre von der Rhetorik hat sich seit Aristoteles, Cicero & Co. beständig weiterentwickelt, aber das antike Wissen hat heute immer noch Gültigkeit. Die Rhetoriktheorie baut auf Aristoteles’ drei Kommunikationsinstanzen auf: Inhalt/ Argumente (Logos), Mensch/ Glaubwürdigkeit (Ethos) und Publikum/ Emotionen (Pathos). Auch heute zählen gute Argumente, ein authentisches Auftreten und Emotionen.

Doch es gibt eine entscheidende Veränderung in Sachen Kommunikation und Wirkung: Es wird viel mehr präsentiert. Es gibt Projektpräsentationen, Vertriebspräsentationen und technische Präsentationen, um nur einige zu nennen. Wir alle müssen heute, bei jeder Gelegenheit, überzeugen – nicht nur als Anwalt oder Politiker, wie es Aristoteles ursprünglich vorgesehen hatte, sondern auch als Verkäufer, Projektleiterin, Manager oder Unternehmerin. Wir müssen unsere Vorgesetzten von unserer Arbeit überzeugen, unsere Mitarbeiter von unseren Entscheidungen und manchmal einen Polizisten, uns keinen Strafzettel auszustellen. Aber auch im privaten Umfeld spielt Überzeugung eine Rolle. Wir möchten unsere Freunde überzeugen, mit uns ins Kino zu gehen, oder unsere Kinder, etwas zu tun oder zu lassen.

Aktuelle Trends zeigen, dass eine gelungene Selbstpräsentation immer wichtiger wird. Unzählige Teenager haben heute ihren eigenen YouTube-Kanal, auf dem sie sich präsentieren. Sie lernen das Präsentieren von der Pike auf und sind den Erwachsenen oft meilenweit voraus. Führungskräfte und Manager sind immer öfter gefordert, Fachthemen innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu präsentieren. Oft werden Vorträge auf Konferenzen mitgeschnitten oder gefilmt und sind dann dauerhaft im Internet abrufbar. Man kann sich heute einfach keine schlechte Darbietung mehr erlauben. Doch wie erreicht man eine wirklich gelungene Präsentation?

Im Idealfall bleibt unser Auftritt noch für Wochen, Monate oder sogar Jahre in den Köpfen unserer Zuhörer gespeichert und sie erinnern sich gerne daran. Erinnerst du dich an die berühmte Rede von Martin Luther King, »I have a dream«17? Wenn du diese Rede gehört oder gesehen hast, wird sie sicherlich für immer in deinem Gedächtnis bleiben. Es gibt Mittel und Wege, gute Präsentationen zu gestalten – die wichtigsten Wege habe ich in Speech Pad eingebunden.

Egal ob in Universitäten, Schulen oder unternehmensinternen (und externen) Weiterbildungseinrichtungen: Das wichtige Thema »Überzeugt präsentieren« wird häufig gar nicht oder wenn, dann falsch behandelt. In den Schulen lernen wir vielleicht die großartigen Philosophen der Antike kennen; die Werkzeuge der Rhetorik, die wir praktisch in Präsentationen anwenden könnten, bleiben jedoch oft unerwähnt.

Neuanfang – und zwar wirkungsvoll!

Bewusst wurde mir diese stiefmütterliche Behandlung des Themas vor ein paar Jahren während des »Startup Weekend« in St. Gallen, bei dem wir an unseren Geschäftsideen arbeiteten. Aus den besten zehn Ideen formten sich Projektgruppen. Am Ende des Wochenendes wurden die ausgearbeiteten Ideen einer Jury präsentiert.

Thomas, ein Teilnehmer in meiner Projektgruppe, sagte damals spontan: »Wir müssen eine Präsentation halten – dann öffnen wir doch mal PowerPoint.« Auf meine Antwort – »Eine Präsentation erstellt man nicht mit PowerPoint!« – reagierte er mit einem erstaunten Blick. Was muss er in diesem Moment wohl gedacht haben? Vielleicht: »Wie erstelle ich denn eine Präsentation sonst? Mit Apple Keynote? Oder ganz ohne Präsentationssoftware?«

Die Antwort auf diese Frage ist im Sinne von Speech Pad klar, aber für die meisten Menschen noch immer verblüffend: ohne Präsentationssoftware! Zuerst entsteht ein Konzept, basierend auf der Botschaft und der Publikumsanalyse. Erst wenn auch der komplette Inhalt und die Struktur konzipiert sind, kann man sich Gedanken über Folien machen. Leider wird eine Präsentation häufig mit den Folien gleichgesetzt. Präsentieren ist jedoch viel mehr: Etwas zu präsentieren bedeutet, jemanden von etwas zu überzeugen!

Folien für sich genommen überzeugen nie, denn das Überzeugen bleibt ausschließlich die Aufgabe des Redners. Leider lernen wir den überzeugenden Auftritt kaum noch und verwenden daher notgedrungen inflationär Präsentationssoftware. Das Resultat: wirkungslose Präsentationen. Ganz egal ob in der Schule oder in der Aus- und Weiterbildung – überall wird PowerPoint verwendet und die meiste Zeit wird in das Layout der Folien gesteckt. Niemand macht sich Gedanken darüber, wie man eine glasklare Message definiert, auf den Punkt kommt und damit den Inhalt wirkungsvoll den Zuhörern vermittelt. Wenn es nur um das monotone Ablesen von Zahlen und Fakten und das Zeigen von Tabellen und Grafiken geht, kann man sich die Präsentation im Grunde auch sparen.

Fragen wie die folgenden werden meist außer Acht gelassen – dabei sind sie absolut essenziell, wenn die Worte Wirkung erzielen sollen:

• Was bewegt meinen Zuhörer im Job und in seiner freien Zeit? Was beschäftigt ihn?

• Welche Werte vertritt mein Zuhörer?

• Welchen Nutzen könnte ich meinem Zuhörer bieten?

Wichtig: Es gibt zwei Arten von Folien – die einen dienen der schriftlichen Kommunikation und die anderen unterstützen eine mündliche Präsentation. Für Letztere gilt in der Regel: Das Design von Folien ist Zeitverschwendung! Die wesentlichen Aspekte – Botschaft, Publikum und Emotionen – werden dabei außer Acht gelassen, weil wir das Präsentieren nie richtig gelernt haben. Wir verlassen uns zu sehr auf diese Folien. Wir öffnen eine Software, setzen Schlagworte ein und projizieren diese an die Wand – fertig! Genau das hatte Thomas aus meinem Projektteam vor. Wenn wir jedoch wirklich effektiv sein möchten, sollten wir endlich die Kunst der Rhetorik nutzen!

Beginnen wir mit einem leeren Blatt Papier, etwas quinque partes, partes orationis, officia oratoris, ganz viel logos, ethos und pathos. Alles klar? Es handelt sich um die Elemente der Rhetorik, die wir uns in diesem Buch genauer ansehen. Als ich Thomas damals die fünf Produktionsstadien der Rede erklärte, war ihm das zu wenig greifbar, um eine Präsentation darauf aufzubauen. Dabei merkte ich: Es gab zwar die Rhetorik-Werkzeuge, doch sie waren den Profis vorbehalten. Es gab keinen Praxis-Werkzeugkoffer für jedermann, der die Kunst der Rhetorik einfach und verständlich zeigte, erklärte und nutzbar machte. Nach diesen Erfahrungen kam ich auf die Idee, einen solchen Koffer zusammenzustellen, mit dem jeder auf einfache Art und Weise ein gut strukturiertes Präsentationskonzept erstellen kann.

Klingt einfach. Ist es auch! In diesem Buch lernst du, wie es funktioniert. Bis hierhin habe ich einiges über die Dos and Don’ts bei Präsentationen erzählt. Jetzt möchte ich zeigen, wie man einen überzeugenden Auftritt von Grund auf konzipiert. Dos and Don’ts wirst du mit meinem Konzept dann (fast) nicht mehr benötigen. Mit dem Speech Pad erhältst du alle wichtigen Tools, mit deren Hilfe du einen überzeugenden Auftritt für jede Art von Kommunikationssituation erstellen kannst.

Eines ist mir an dieser Stelle noch wichtig: Vortrag und Präsentation werden häufig als ganz verschiedene Dinge betrachtet. Das trifft manchmal auch zu – oftmals aber auch nicht! Es gibt so viele tolle Vortragselemente, die für eine Präsentation hilfreich wären, und auf der anderen Seite so viele Elemente aus der Präsentation, die ich mir im Vortrag wünschen würde. Ich beschreibe in meinem Buch Elemente, die für jede Art der Präsentation funktionieren, denn gute und stringente Informationen, Glaubwürdigkeit, Auftreten und Emotionen sind nicht einer bestimmten Gattung vorbehalten.

Geld wird verbrannt – tagtäglich!

Meditieren neu erfunden

Zürich, 08:45 Uhr morgens. Eine Outlook-Erinnerung poppt auf: »Projektbriefing – 09:00 – 18:00 Uhr«! Ich verantwortete das gesamte Order-Management-System einer Schweizer Bank. Deutlich über 1 Million Börsenaufträge laufen jährlich durch. Das Briefing wurde von einem Projektteam organisiert, das Einfluss auf die Gesamtbank hatte. Ich musste diese Einladung annehmen. Wie grausam das Briefing werden würde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.