Sehnsuchtsstiller statt Seelenkiller - Pete Wilson - ebook

Sehnsuchtsstiller statt Seelenkiller ebook

Pete Wilson

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Opis

Innere Leere, unerfüllte Wünsche, Hunger nach dem wahren Leben: Täglich sind wir auf der Suche nach etwas, das unsere Sehnsucht stillen kann. Ob es der Partner, Anerkennung, Leistung, Geld oder Schönheit ist: Pete Wilson zeigt konkret, warum wir nicht glauben sollten, dass uns die Erfüllung unserer Wünsche wirklich befriedigen kann. Er sagt: Gott weiß um unsere innere Leere. Er hat diese Sehnsucht nach mehr in uns hineingelegt, um uns zu sich zu führen, und er möchte uns vor der Enttäuschung leerer Versprechen bewahren. Das Buch ruft keine Schuldgefühle hervor, sondern hilft, falsche Götter (und religiöse Lügen) in unserem Leben zu entlarven. Es zeigt Wege auf, die in eine neue Freiheit und innere Zufriedenheit führen - und zu dem, der unser wahrer Sehnsuchtsstiller ist.

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Pete Wilson

Sehnsuchtsstiller statt Seelenkiller

Die Wünsche deines Herzens und die Lügen, die du glaubst

Titel der amerikanischen Originalausgabe:Empty PromisesCopyright © 2012 Pete WilsonOriginalverlag: Thomas Nelson, Nashville, Tennessee, USA.Alle Rechte vorbehalten.

Deutsch von Angela Klein-EsselbornLektorat: Konstanze von der Pahlen

Bibelzitate folgen in der Regel der Übersetzung Hoffnung für alle.Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc.™Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags.Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten.

Alle weiteren Übersetzungen sind wie folgt gekennzeichnet:L – Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984.© 1984 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.NL – Neues Leben. Die Bibel.© Copyright der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten.SL – Die Bibel. Schlachter-Übersetzung. Version 2000.© 2000 Genfer Bibelgesellschaft, Genf.

© der deutschen Ausgabe: Brunnen Verlag Gießen 2013www.brunnen-verlag.deUmschlagfoto: shutterstockUmschlaggestaltung: Ralf SimonSatz: Die Feder GmbH, WetzlarISBN 978-3-7655-1561-3eISBN 978-3-7655-7094-0

Meinen drei Jungs: J-man, Pooh Bear und Boo-Boo, den tollsten jungen Männern, die ich je kennengelernt habe. Ich bete, dass euch dieses Buch eines Tages als Wegweiser dient. Wenn ihr euch von den leeren Versprechen dieser Welt verleiten lasst – was uns allen hin und wieder passiert –, hoffe ich, dass ihr euch an Sprüche 24,16 haltet: „Denn der Aufrichtige mag zwar vom Unglück verfolgt werden, aber er steht immer wieder auf.“ Möge euch immer wieder klar werden, dass Jesus euch etwas zu bieten hat, das kein Götze euch je bieten könnte. Er allein kann eure innere Leere füllen. Und er allein hat die Macht, euch eines Tages dahin zu bringen, wohin ihr gehört: zu ihm nach Hause. Ich liebe euch von ganzem Herzen.

Inhalt

Vorwort von Rick Warren

Kapitel Eins: Trügerisch gut

Kapitel Zwei: Das gute Leben

Kapitel Drei: Die Verlockung von Leistung

Kapitel Vier: Die Sehnsucht nach Anerkennung

Kapitel Fünf: Die Tücken der Macht

Kapitel Sechs: Mehr als nur Geld?

Kapitel Sieben: Fromme Lügen

Kapitel Acht: Die Sehnsucht nach Schönheit

Kapitel Neun: Die Jagd nach Träumen

Kapitel Zehn: Du bist, was du anbetest

Kapitel Elf: Nah an der Wahrheit

Kapitel Zwölf: Zufriedenheit der Seele

Danksagungen

Quellennachweise

Vorwort

„Das Leben muss doch noch mehr zu bieten haben!“ Haben Sie so etwas auch schon mal gedacht? Oder: „Ich bin ruhelos … leer … nicht ausgefüllt“ oder gar: „Mir ist, als würde etwas in meinem Leben fehlen“? Selbst wenn alles gut läuft, spüren wir im Innern oft ein bohrendes Gefühl.

Das ist unser Hunger nach Gott.

Mutter Teresa sagte einmal: „In Indien verhungern Menschen physisch, in der westlichen Welt verhungern sie geistlich und emotional.“ Gott hat uns mit einem geistlichen Hunger ausgestattet, der nur von ihm gestillt werden kann. Wir sind von Gott und für Gott geschaffen, und solange wir das nicht ganz begreifen, steht der Sinn des Lebens auf dem Spiel. Leider suchen wir oft an allen möglichen falschen Orten nach Erfüllung.

Darum geht es in diesem Buch. Es deckt die falschen Götter unserer Herzen auf. Sie entstehen, wenn wir nicht erwarten, dass Gott unsere tiefsten Bedürfnisse befriedigen kann. Diese falschen Götter mit Namen wie Beliebtheit, Schönheit, Leistung oder Besitz täuschen uns und lassen uns letztlich im Stich. Sie sind, wie sich mein lieber Freund Pete Wilson ausdrückt, leere Versprechen.

Zu oft lassen wir uns von einem „Wenn-dann-Denken“ hereinlegen: „Wenn ich heirate … wenn ich viel Geld verdiene … wenn ich ein bestimmtes Ziel oder einen bestimmten Status erreiche …, dann bin ich glücklich.“ Doch wie Salomo sagte: „Nichts kann der Mensch vollkommen in Worte fassen, so sehr er sich auch darum bemüht! Das Auge sieht sich niemals satt, und auch das Ohr hat nie genug gehört“ (Prediger 1,8).

Ohne Christus nähern wir uns dem Leben wie nachts dem Kühlschrank: Wir sind unruhig, können nicht schlafen, stehen auf und gucken nach Essbarem. Wir wissen zwar nicht, was wir wollen – aber wir wissen, dass wir Hunger haben. Also öffnen wir die Tür, starren hinein und hoffen, dass uns etwas ins Auge fällt. Dann fangen wir an zu naschen – wir beißen dies an und nehmen ein Stückchen von jenem. Doch nichts schmeckt; nichts befriedigt uns restlos. Wir schließen die Kühlschranktür und legen uns wieder hin, obwohl der Hunger noch immer nagt.

So lässt sich auch das Leben der meisten Menschen beschreiben.

Heute stehen uns doppelt so viele Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung wie noch vor zehn Jahren, doch die meisten versprechen, was sie nicht halten können. Denn: Sind die Menschen auch doppelt so glücklich wie vor zehn Jahren? Natürlich nicht. Einmal gestand mir ein Mann: „Selbst wenn ich das bekomme, was ich will, bin ich weiterhin unzufrieden. Es ist einfach nicht das, was ich tatsächlich brauche!“

Dieses Buch gibt Ihnen Wegweisung bei Ihrer Suche nach Zufriedenheit und Sinn. Es verändert Ihr Leben, wenn Sie bereit sind, die Wahrheit mit ihrer ungeheuren Schlagkraft anzunehmen. Pete Wilson hilft Ihnen zu erkennen, wonach Sie wirklich hungern, und die wahre Quelle echter Zufriedenheit zu finden.

In Psalm 37,4 heißt es: „Freue dich über den Herrn; er wird dir alles geben, was du dir von Herzen wünschst.“ Suchen Sie nicht die Glückseligkeit; suchen Sie Gott! Dinge können nicht glücklich machen. Dieses Versprechen löst nur er ein – Jesus Christus, „… denn alle Zusagen Gottes haben sich in ihm erfüllt. Und deshalb sprechen wir im Blick auf Christus und zur Ehre Gottes unser Amen“ (2. Korinther 1,20). Ich lade Sie ein, mit auf diese Reise zu kommen!

Rick WarrenPastor und Bestsellerautor

Kapitel Eins

Trügerisch gut

Ich habe ein unglaubliches Geschenk bekommen.

Eigentlich sind es 13790 Geschenke. So viele Tage zählt mein Leben bisher.

Von diesen über dreizehntausend Tagen waren einige herausfordernd, manche deprimierend, andere abenteuerlich. Manche würde ich am liebsten wieder und wieder durchleben. Den einen Lieblingstag meines Lebens kann ich wohl nicht benennen, aber es gab auf jeden Fall schon einige unvergessliche. Da war der Tag, an dem ich geboren wurde. Es war ein guter Tag (hat man mir gesagt). Der Tag, an dem ich laufen lernte, war auch ziemlich gut. Der Tag, an dem ich mich zum ersten Mal verliebt habe – wer vergisst schon so einen Tag? Der Tag, an dem ich meinen Führerschein gemacht habe, war für mich super. (Ich wette, für meine Eltern war er eher beängstigend.) Der Tag meiner Hochzeit war ein ganz großartiger Tag, und die Tage, an denen meine Frau Brandi unsere drei Söhne gebar und ich sie zum ersten Mal im Arm hielt – unvergesslich.

Dann gibt es solche Tage wie neulich, als ich mit meiner Familie Urlaub in Florida machte. Brandi und ich hatten unsere Füße in den Sand gesteckt und unterhielten uns über unsere Zukunftsträume. Mit jedem Wort merkten wir, wie reich beschenkt wir sind. Während wir so erzählten und bei herrlichstem Sonnenschein vor uns hin träumten, sahen wir unseren mittlerweile zehn, sieben und fünf Jahre alten Söhnen zu, wie sie sorglos in den Wellen des Meeres herumsprangen. Ein paar Stunden später saßen wir alle gemeinsam am Strand und beobachteten, wie die goldene Sonne ins Meer versank.

Dieser Tag hat sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt, und zwar nicht unbedingt aufgrund dessen, was wir gemacht haben, sondern wie ich mich dabei gefühlt habe. Hier wurden viele meiner tiefsten Wünsche nach Sinn, Wert, Bedeutung, Akzeptanz, Sicherheit, Liebe und Schönheit erfüllt. Ein paar kurze Stunden lang war dieser Tag für mich einfach vollkommen.

Leider hielt dieses Hochgefühl nicht lange an. Denn zwischen all diesen wunderbaren, guten, gesegneten Tagen gab es auch viele, an denen ich zu kämpfen hatte mit einem quälenden oder gar schmerzhaften Verlangen nach mehr, Tage, an denen mir das Wissen, wer ich bin und was ich habe, einfach nicht zu genügen schien.

Kennen Sie dieses Gefühl? Ich glaube, so geht es uns allen hin und wieder. Es gibt einfach Dinge, die auf die meisten Menschen zutreffen:

Wir genießen es, wenn uns der Wind über das Gesicht streicht. Wir drücken dem Außenseiter die Daumen. Wir sind gerne gut in etwas und mögen es gar nicht, wenn man uns sagt, was wir tun sollen. Ehrfürchtig bestaunen wir Naturwunder wie den Grand Canyon, die Niagarafälle oder einen leuchtend roten Baum im Herbst. Wir lieben das Lachen eines kleinen Kindes. Wir finden Chicken Nuggets widerlich, aber dann und wann essen wir welche. (Na ja, das trifft vielleicht nur auf mich zu.)

Darüber hinaus steckt von der ersten Sekunde unseres Daseins an eine tiefe Sehnsucht in uns. Einundzwanzig Tage nach unserer Zeugung stimulierte ein winzig kleiner elektrischer Impuls unseren Herzmuskel. Er war schwach, kaum wahrnehmbar, und doch der erste Schlag unseres Herzens. Seitdem sind wir auf der Reise, um die Sehnsucht unserer Seele zu stillen. Ob es uns bereits aufgefallen ist oder nicht: Unser Leben wird von der Suche nach Erfüllung gestaltet. Wir sind so ausgelegt, dass wir unsere Energie und Blickrichtung auf das lenken, von dem wir glauben, dass es uns geben kann, was wir uns wünschen: Sinn, Wert, Bedeutsamkeit, Annahme, Geborgenheit, Liebe, Schönheit.

Das gilt für jeden von uns. Wir alle sehnen uns nach mehr in unserem Leben. Wir alle bewundern etwas oder jemanden, das oder der unsere normale Alltagserfahrung übersteigt. Wir schenken irgendjemandem oder irgendetwas unsere Hingabe. Das ist in unser menschliches Wesen eingraviert und so natürlich wie das Atmen.

Ich glaube, dass unser Schöpfergott uns diesen Drang ins Herz gelegt hat: Wir sind so gepolt, dass wir Dinge oder Menschen anbeten und verehren. Die Frage lautet also nicht: „Beten wir etwas an?“, sondern „Wen (oder was) beten wir an?“

Ich glaube, dass es die Sehnsucht nach mehr, die in uns allen wohnt, gibt, um uns schließlich zu Jesus Christus zu führen. Dieser Drang zum Anbeten wurde angelegt, um uns in eine echte Beziehung zu dem Einen zu treiben, der unsere tiefsten Bedürfnisse befriedigen kann.

Jetzt habe ich meine Karten also schon aufgedeckt: Ich bin überzeugt, dass wir die Zufriedenheit unserer Seele letztlich nur durch Jesus finden. Ja, es mag gute Zeiten oder gelegentlich einen perfekten Tag geben. Doch unsere sehnsuchtsvollen Seelen werden erst dann zufrieden sein, wenn wir uns zu ihm wenden. Und wann immer wir versuchen, woanders Erfüllung zu finden, öffnen wir uns einer Welt der Sinnlosigkeit und Enttäuschung.

Die Götzenwerkstatt

Auf meiner ersten Reise ins indische Kalkutta besuchte ich den sogenannten Kali-Tempel. Tausende Hindus reihen sich jeden Tag in lange Warteschlangen ein, um dort die Göttin Kali anzubeten. Sie verehren sie in der Hoffnung, dass sie ihnen Kraft, Sieg und Heilung für bestimmte Bereiche ihres Lebens schenkt.

Einige hinduistische Praktiken bestürzten mich. Bis vor wenigen Jahren wurden noch Kinder geopfert. Heute werden täglich einhundert bis einhundertfünfzig Ziegen im Kali-Tempel geschlachtet. Ein Teich vor dem Tempel soll heilende Kräfte haben. Die Menschen bezahlen dafür, dass ihre Angehörigen und Freunde in das trübe, stehende Gewässer hinabgelassen werden. An einem Baum hängen rote Bänder. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass Frauen diese roten Bänder kaufen, sie an den Baum binden und beten, Kali möge ihnen Kinder schenken.

Beim Weggehen überkam mich ein überwältigendes Gefühl von Traurigkeit und Dunkelheit. Wie können so viele Menschen auf eine so lächerliche Lüge hereinfallen? Wieso erkennen sie nicht, dass ihnen von einer Handvoll gieriger Priester das Geld aus der Tasche gezogen wird?

Aber wissen Sie, was ebenso komisch ist? Wenn Sie und ich glauben, dass uns ein bisschen mehr Geld glücklich macht. Wenn Sie und ich glauben, dass ein beruflicher Aufstieg uns mehr Wert verleiht. Wenn Sie und ich glauben, dass uns nur eine bestimmte Person lieben müsste, damit wir uns geborgen fühlen.

Mit anderen Worten: Falsche Götter sind nicht nur in heidnischen Tempeln zu finden. Ich befürchte nicht ernstlich, dass wir einen Baum verehren. Das eigentliche Problem in unserer Kultur ist nicht das Fabrizieren physikalischer Götzen – was manche als äußerliche Götzenverehrung bezeichnen. Wovor wir uns in unserer Kultur hüten müssen, ist die innere Götzenverehrung. In Hesekiel 14,3 heißt es: Sie „haben ihr Herz an ihre Götzen gehängt“.

Was ist ein Götze? Traditionsgemäß definieren wir ihn als alles, das uns wichtiger ist als Gott. Aber ich glaube, wir machen uns leicht vor, dass uns nichts wichtiger ist als Gott. Also wollen wir es so definieren: Ich verehre einen Götzen, wenn ich von etwas, das nicht Gottes Macht hat, etwas erwarte, das nur Gott in seiner Macht und Befugnis mir geben kann; wenn ich also an sich gute Sachen wie eine erfolgreiche Karriere, Liebe, Besitztümer oder sogar Familie mit der Hoffnung belege, dass sie mir etwas bieten, das nur Gott mir bieten kann; wenn ich dem leeren Versprechen glaube, dass mir diese Dinge die Bedeutsamkeit, Sicherheit, Geborgenheit und Erfüllung schenken können, die ich so sehr begehre; wenn ich einen gottgegebenen Appetit verspüre und ihn mit etwas zu stillen versuche, das nicht Gott ist.

Johannes Calvin sagte einst, „dass der Menschengeist zu allen Zeiten sozusagen eine Werkstatt von Götzenbildern gewesen ist“ („perpetua idolorum fabrica“).1 Das sehe ich genauso. Wenn ich mein eigenes Leben betrachte, wird mir klar, wie oft ich mich von Belanglosigkeiten abhängig gemacht habe, um zu bekommen, was nur Gott mir geben kann. Das Ergebnis war nie besonders erbaulich.

Ich will ganz ehrlich sein: Wenn ich manchmal abends im Bett liege, wenn das Licht verlöscht ist und der Lärm des Alltags abebbt, bin ich mir meiner inneren Leere bewusst. Es gibt zwar Augenblicke oder ganze Tage, an denen ich tiefe Zufriedenheit oder besänftigenden Frieden empfinde, doch schwinden diese Gefühle rasch wieder dahin. Ich laufe ihnen beständig nach, doch offensichtlich sind sie so vergänglich wie die untergehende Sonne, und dann ist die nagende innere Leere wieder da.

Hatten Sie das auch schon einmal – dieses unstillbare Verlangen, durch das man versucht ist, alles zu opfern, was man hat oder ist, um etwas schöner, reicher, mächtiger oder erfolgreicher, sicherer oder beliebter zu sein und das Ruder fester in der Hand zu haben? All das in dem Versuch, etwas gegen die innere Leere zu tun? Wie leicht gerät man in die Falle des „wenn doch nur“:

Wenn mir dies oder jenes doch nur gehören würde, würde ich mich wertvoller fühlen. Wenn ich dies doch nur erreichen würde, käme ich mir bedeutender vor. Wenn ich doch nur hätte, was die anderen haben, wäre ich zufriedener. Wenn ich doch nur etwas mehr Geld verdienen würde, hätte ich endlich genug. Wenn ich doch nur befördert würde, würde ich mich wertgeschätzt fühlen. Wenn er oder sie mich doch nur lieben würde, hätte ich endlich Geborgenheit.

Doch früher oder später entdecken wir die herzzerreißende Wahrheit, dass es egal ist, wie schön oder reich oder mächtig wir sind: Es ist nie genug.

C. S. Lewis schreibt:

Hätten wir gelernt, richtig in unseren Herzen zu lesen, so wüssten wir von dem Verlangen in uns, das in dieser Welt nie gestillt werden kann. Es gibt vieles auf dieser Erde, das diesem Verlangen gerecht zu werden scheint, aber es bleibt immer ein Rest von Enttäuschung.2

Wir mögen alles opfern für das, was unserem „Verlangen gerecht zu werden scheint“; doch wir werden weiterhin Wünsche und Sehnsüchte in uns tragen, uns leer fühlen. Was wir brauchen, finden wir niemals bei einem falschen Gott.

Leider hindert uns das nicht, es weiter zu versuchen.

Das Wartezimmer des Lebens

Die Heilige Schrift ist voller Beispiele von Menschen, die sich wie wir nach beinahe allem ausstrecken, das ihr tiefes Verlangen nach Wert, Bedeutung, Angenommensein, Liebe und Schönheit stillen könnte. Eines der ersten und besten Beispiele finden wir in 2. Mose 32:

Gott hatte die Israeliten, sein auserwähltes Volk, gerade aus der über vierhundertjährigen Gefangenschaft in Ägypten befreit. Endlich waren sie auf dem Weg zu dem Leben, das Gott für sie bestimmt hatte. Doch da gab es ein Problem: Nicht alles ging so rasch, wie es ihnen gefallen hätte, und sie wurden unruhig. Mose, ihr Anführer, war gerade nicht bei ihnen, also nahmen sie in ihrer Ungeduld die Dinge selbst in die Hand.

Als Mose so lange Zeit nicht vom Berg herabkam [Mose war fast sechs Wochen auf dem Berg Sinai], versammelten sich die Israeliten bei Aaron und forderten ihn auf: „Mach uns eine Götterfigur, die uns den Weg zeigt! Wer weiß, was diesem Mose zugestoßen ist, der uns aus Ägypten herausgeführt hat!“ (2. Mose 32,1)

Was war der Auslöser für das, was nun geschah? Die Israeliten mussten warten. Warten Sie nicht auch sehr ungern? Warten war noch nie ein beliebter Zeitvertreib, erst recht nicht in unserer Kultur. Heutzutage gibt es schnell mal dies und rasch jenes – auf etwas warten zu müssen, ist wahnsinnig frustrierend. Wir glauben mittlerweile, dass schneller auch immer besser ist. Wir sind Sofortaholics geworden, sind abhängig davon zu bekommen, was wir wollen, und zwar genau dann, wann wir es wollen.

Warum widerstrebt uns Warten so sehr? Es gibt viele Gründe, aber ich glaube, der bedeutendste ist, dass wir uns beim Warten irgendwie hilflos vorkommen. Lewis Smedes beschreibt es so: „Als Lebewesen, die aus sich heraus nicht zustande bringen, worauf sie hoffen, warten wir im Dunkeln auf eine Flamme, die wir nicht entzünden können. Wir warten furchtsam auf ein Happy End, das wir nicht schreiben können. Wir warten auf ein ‚noch nicht’, das sich anfühlt wie ein ‚überhaupt nicht’.“3

Wie Sie vermutlich wissen, war Mose gerade nicht bei seinem Volk, weil er von Gott die Zehn Gebote erhielt. Offenbar war er viel länger weg, als die Kinder Israels erwartet hatten. In der Wüste waren sie frustriert, verletzlich und hilflos. Daher beschlossen sie während seiner Abwesenheit, sich einen anderen Gott zum Anbeten zu suchen.

Denkt man darüber nach, ist es schon erstaunlich, wie schnell sich der Wunsch nach einem Götzen entwickelte. Nur drei Monate zuvor hatte Gott sie aus vierhundert Jahren Sklaverei befreit. Das hatten sie von Gott bekommen: Freiheit aus Gefangenschaft; Erlösung aus Verfolgung; Nahrung (Manna), als sie hungrig waren; Wasser (aus einem Felsen), als sie durstig waren; Führung durch eine Wolke am Tag; Führung durch eine Feuersäule in der Nacht.

Doch das war ihnen nicht genug. Nichts war ihnen genug, um weiterhin den Gott zu verehren, der all das getan hatte. Stattdessen entschieden sie sich, ein Götzenbild zu errichten, ein goldenes Kalb, und es anzubeten. Warum taten sie das? Ich vermute deshalb, weil Gott sie warten ließ und die Kinder Israels das Warten nicht aushielten. Das ist wichtig, denn offenbar gilt, wenn das Bedürfnis nach Eile auf den Wunsch nach Kontrolle trifft, fällt es leicht, jemanden oder etwas anderes als den Schöpfergott zu verehren.

Aaron schlug vor: „Eure Frauen und Kinder sollen ihre goldenen Ohrringe abziehen und zu mir bringen!“ Da nahmen alle Israeliten ihre Ohrringe ab und brachten sie Aaron. Er nahm den Schmuck entgegen, schmolz ihn ein und goss daraus ein goldenes Kalb. Anschließend gab er ihm mit dem Meißel die endgültige Form. Als es fertig war, schrien die Israeliten: „Das ist unser Gott, der uns aus Ägypten befreit hat!“ (2. Mose 32,2-4)

Als Mose mit den Zehn Geboten vom Berg Sinai herabkam und die Bescherung sah, wurde er so wütend, dass er die beiden Tafeln mit der Inschrift Gottes vom Berghang warf.

Sie erinnern sich gewiss noch an das erste Gebot: „Du sollst außer mir keine anderen Götter verehren“ (2. Mose 20,3). Das allererste Gesetz im berühmtesten Moralkodex der Weltgeschichte hat mit der Falle der Götzenverehrung zu tun. Gott warnt sein Volk, keine anderen Götter anzubeten, von nichts anderem als von Gott zu erwarten, was nur Gott geben kann.

Woher kommt die Bedeutung dieses Gebots? Ich glaube, weil Gott nicht nur die Kinder Israels gut kannte, sondern auch Sie und mich. Er weiß um unsere innere Leere. Er weiß um den Schmerz, der jeden von uns plagt. Er weiß, dass dieses Sehnen nach Sinn, Wert, Bedeutsamkeit, Ziel, Angenommensein, Sicherheit, Liebe und Schönheit durch unsere Adern pulsiert und wir vor nichts zurückschrecken (einschließlich der Errichtung eines goldenen Kalbs), um diese Sehnsucht zu stillen.

Das weiß er – Sie erinnern sich –, weil er diese Sehnsucht in uns hineingelegt hat, um uns zu sich zu führen. Und er gab uns dieses Gebot, um uns vor dem Kummer der leeren Versprechen zu bewahren.

Das Gebot steht sicher auch deswegen an so herausragender Stelle, weil wir die anderen neun nicht befolgen und einhalten können, wenn wir dieses erste missachten. „Du sollst außer mir keine anderen Götter verehren!“ Ihre Reaktion auf diese acht Worte beeinflusst jede andere Facette Ihres Lebens. Götzenverehrung ist nicht einfach eine Sünde. Sie offenbart das, was mit unserem Herzen grundsätzlich nicht stimmt.

Ausgelaugt

Ich habe mir angewöhnt, den Menschen in die Augen zu schauen. Dem Menschen, der mir im Supermarktgang begegnet, dem Menschen an der Tankstellenkasse, dem Menschen, der auf der Straße an mir vorüberrauscht. Wissen Sie, was ich am häufigsten in den Augen sehe? Leben, Freude, Liebe, Vitalität? Nein, am häufigsten sehe ich Erschöpfung.

Sehen Sie sich die Menschen in Ihrem Umfeld an, die Menschen, mit denen Sie leben, arbeiten, befreundet sind. Viele von ihnen sind erschöpft, ausgelaugt, etwas fehlt ihnen. Sie mögen vielleicht aussehen, als wären sie wunschlos glücklich, doch hinter der Maske bröselt es.

In der Gemeinde, die ich seit neun Jahren als Pastor leite, gibt es viele Singles. Ich war nie wirklich ein alleinstehender Erwachsener. Mit neunzehn bin ich mit Brandi zusammengekommen, mit einundzwanzig haben wir geheiratet. Also wurde ich quasi nahtlos vom Teenager zum Ehemann. Aber weil ich viel Zeit mit erwachsenen Singles verbracht habe, weiß ich, dass sie unter wahnsinnigem Druck stehen.

Kürzlich hatte ich den ersten Beratungstermin mit einer jungen Frau, Kara, die sich sehr in der Gemeinde engagiert. Ihr genaues Alter kenne ich nicht, aber ich schätze sie auf Ende zwanzig. Als sie zum ersten Termin kam, fiel mir sofort auf, wie schlecht es ihr ging. Ihr gequälter Gesichtsausdruck sprach Bände.

Kara erzählte, dass ein Typ, mit dem sie die letzten Monate gegangen war, mit ihr Schluss gemacht hatte. Sie war verzweifelt. Unter Tränen sagte sie wieder und wieder: „Ich bin es so leid. Warum finde ich keinen, der sich um mich kümmert? Warum finde ich keine Beziehung wie alle anderen? Warum mache ich immer und immer wieder dieselben Fehler? Ich habe es echt satt.“

Bei den nächsten Terminen besprachen wir ausführlicher, warum Kara meinte, unbedingt einen Mann zu brauchen. Sie war nicht einfach nur allein. Einen Freund zu haben verlieh ihr nicht nur Selbstwert, sondern auch einen gewissen Status. Dadurch war sie erst jemand. Das Problem war nur, dass Kara offenbar nicht fand, was sie sich so verzweifelt wünschte. Die letzten beiden Jahre hatte sie nicht weniger als ein Dutzend Kerle gehabt. Keine dieser Beziehungen hatte sich so entwickelt, wie sie es sich gewünscht hatte – trotz all ihrer Bemühungen, genau so zu werden, wie die Männer es sich vorstellten. Sie kleidete sich, um ihnen zu gefallen, richtete ihre Termine nach ihnen aus, ließ ihren Wünschen den Vortritt. Außerdem hatte sie mit fast jedem dieser Männer Sex, wodurch sie sich nur noch mehr ausgenutzt, schuldig und verraten vorkam.

Ich weiß noch, wie ich sie irgendwann ansah und sagte: „Kara, ich glaube nicht, dass Sie dazu bestimmt sind, sich so herzugeben, wie Sie es gerade tun. Sie sind zwar zur Gemeinschaft geschaffen – wie wir alle –, aber das bedeutet nicht, dass Sie Ihren Sinn und Ihren Wert von einem Mann beziehen sollten. Es mag zahllose Gründe für Ihren Eindruck geben, dass Ihr Leben nicht zur wahren Entfaltung kommt; aber haben Sie schon einmal überlegt, dass Ihr wahres Problem die Verehrung eines falschen Gottes sein könnte – dass Sie etwas von einem Mann erwarten, was nur der wahre Gott Ihnen geben kann?“

Kein Wunder, dass Kara so erschöpft war. Denn so ist es mit der Götzenverehrung – sie pumpt einen völlig aus. Falsche Götter sind nicht in der Lage, uns Leben einzuhauchen; alles, was sie können, ist nehmen, nehmen, nehmen.

Genauso ist das bei den Frauen in Indien, die ihr bisschen Geld in der Zuversicht hergeben, schwanger zu werden, nur um sich am Ende ausgeraubt vorzukommen. Auch wir verschenken unser Geld, unsere Zeit, unsere Energie, unser Herz und unsere Hingabe, weil wir hoffen, dass einer unserer falschen Götter unser Verlangen stillt. Wir verlassen uns ganz auf uns selbst und unsere Bemühungen. Kurz gefasst: Wir spielen Gott, und das ist seeehr anstrengend!

Um das Ganze weiter zu verkomplizieren, gehört in unserer Kultur zu den meisten falschen Göttern – den leeren Versprechen – eine Leistung. Die zu erbringen, ist ebenfalls sehr aufreibend. Sind Sie auch oft müde, sich zu bemühen, dass im Haus alles perfekt ist? Dass die Ehe super läuft? So zu tun, als wäre alles im Lot? Unter dem Druck zu stehen, wie aus dem Ei gepellt auszusehen? Perfekte Kinder heranzuziehen, die sich auf schulischer und sozialer Ebene hervortun und auch noch sportlich sind? Mehr Geld zu verdienen als alle anderen in Ihrem Bekanntenkreis? Die Leiter schneller zu erklimmen als der Typ, der Ihnen direkt auf den Fersen ist? Sind Sie all der leeren Versprechen überdrüssig, die Ihre Sehnsucht nur schmerzlich verstärken? Unsere leistungsgesteuerte Lebensweise ist auch eine Form von Götzenverehrung, die uns erschöpft, verbittert und zum Aufgeben drängt.

Doch Jesus hat kraftvolle, heilende Worte für uns:

Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben. Nehmt meine Herrschaft an und lebt darin! Lernt von mir! Ich komme nicht mit Gewalt und Überheblichkeit. Bei mir findet ihr, was euerm Leben Sinn und Ruhe gibt. Ich meine es gut mit euch und bürde euch keine unerträgliche Last auf.

Wenn es also eine Alternative gäbe, die Leben schenkt, statt Stress herbeizuführen? Ich weiß, dass Gott Sie nicht aufgegeben hat. Vielmehr wirkt er in Ihrem Leben, auch wenn es oft nicht danach aussieht. Er hat sich durch den Menschen Jesus geoffenbart, der auf die Erde kam, um uns zu zeigen, wie man lebt, und dann für unsere Sünden starb. In seiner Auferstehung schenkte er uns Hoffnung, dass wir die Erfüllung unserer Sehnsucht wirklich erfahren können.

Ohne Unterlass lädt Jesus Menschen ein, ihre falschen Götter abzulegen und ihm zu folgen. Jesus – und Jesus allein – ist unserer ganzen Hingabe wert. Er allein hat die Vollmacht, uns all unsere Sünden zu vergeben. Er allein lässt uns gestärkt zurück statt erschöpft, friedevoll statt ängstlich. Er allein hat die Macht, die gähnende Leere in uns allen zu füllen und Sinn in jeden Tag zu legen, den er uns schenkt.

Kapitel Zwei

Das gute Leben

Lindsey ist eine starke Frau, bei der eigentlich alles glattläuft: Sie hat eine tolle Familie, einen guten Job, und Gott hat ihr jede Menge hilfsbereiter und fürsorglicher Menschen zur Seite gestellt. Sie gehört seit fast einem Jahrzehnt zum Freundeskreis meiner Familie.

An einem ungewöhnlich kalten und windigen Märztag traf ich mich mit Lindsey auf einen Kaffee. Ich hatte sie um das Treffen gebeten, weil ich mir Sorgen um sie machte. Nennen Sie es Pastoreninstinkt oder einfach Bauchgefühl; jedenfalls wusste ich, dass etwas mit ihr nicht stimmte, nachdem ich sie am Sonntag zuvor in der Gemeinde gesehen hatte. Das gehört zu den schönen und gelegentlich auch unangenehmen Wahrheiten, wenn man langjährige Freunde hat: Ihnen fallen Dinge auf, die ein normaler Bekannter nie bemerken würde.

Wir setzten uns in ein Café, und ich begann das Gespräch mit der Standardformulierung: „Du brauchst nicht darüber zu reden, wenn du nicht möchtest, aber ich wollte einfach mal fragen, ob bei dir alles in Ordnung ist.“ Mehr war gar nicht nötig. Noch bevor ich meinen ersten Schluck Kaffee nehmen konnte, schüttete sie mir ihr Herz aus. Es war fast, als hätten all diese Emotionen unter der Oberfläche gebrodelt und Lindsey hätte nur darauf gewartet, endlich danach gefragt zu werden.

„Ich weiß nicht, was los ist, Pete“, begann sie. „Erst dachte ich, es sei eine Depression oder eine Midlife-Crisis – aber ich glaube, ich bin einfach nur unglücklich. In den ersten zwanzig Jahren meines Lebens habe ich von der Erfüllung meiner großen Wünsche geträumt, in den nächsten zwanzig Jahren wurden meine Träume Wirklichkeit: Ich habe die Ehe, die Familie, das Haus und auch den Job, die ich mir immer gewünscht habe. Ich bin gerannt, gerannt und noch mehr gerannt, um meine Ziele zu erreichen. Aber nichts davon konnte die Erwartungen erfüllen, die ich aufgebaut hatte. Auch nachdem ich das alles erreicht habe, habe ich den Eindruck, weiterrennen zu müssen, weil es keine Zufriedenheit gibt. Ich weiß überhaupt nicht mehr, was das alles soll.“

Ich wünschte, ich könnte sagen, ich hätte diese Worte zum ersten Mal gehört; aber so ist es nicht. Es vergeht kaum eine Woche, in der mir nicht von solchen Empfindungen berichtet wird.

Anderthalb Stunden lang versuchte ich, Lindsey zu helfen, hinter den Vorhang ihres Lebens zu schauen. Wie so viele von uns war sie ständig in Bewegung, auf der Jagd nach etwas, von dem sie dachte, es könnte ihr endlich Sinn und Zufriedenheit schenken. Jetzt musste sie innehalten, um herauszufinden, warum sie den Dingen nachjagte, denen sie nachjagte.

Unter der Oberfläche

Wir haben bereits festgestellt, dass das Herz eine Götzenwerkstatt ist. Die wichtigste Frage ist jetzt: Welcher Götze ist Gottes größter Rivale in unserem Leben?

Vor einigen Jahren war ich in einer ganz ähnlichen Lage wie Lindsey. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich im Laufe meines Erwachsenenlebens wohl schon mehrmals solche Phasen durchgemacht. Jedenfalls stellte ich damals fest, dass ich mich selbst irreführte: Ich war überzeugt, dass ich aus unterschiedlichen leeren Versprechen Selbstwert ziehen könnte.

Um herauszubekommen, warum ich mich so leer fühlte, achtete ich zunehmend darauf, was sich in meinem Innern abspielte. Dadurch war ich gezwungen, dem ins Gesicht zu schauen, was in den tiefsten Tiefen meiner Seele lauerte. Ich musste mich den drängenden Fragen stellen: Warum sage ich Ja, obwohl ich überfordert bin und denen, die mir am nächsten sind, damit wehtue? Warum habe ich Mühe, meiner Frau meine Liebe zu zeigen? Warum bewegt mich die Anzahl der Gemeindebesucher mehr als die Gegenwart unseres wohlwollenden Gottes? Warum versuche ich, meine Identität in Dingen wie Anerkennung, Macht und Geld zu finden statt in dem, der ich durch Christus bin?

Jede einzelne Frage, die mir in den Sinn kam, offenbarte eine weitere Ebene meines Selbstbetrugs, ein weiteres leeres Versprechen, dem ich nachjagte. Die Bibel spricht ziemlich häufig von Selbstbetrug. In Obadja 1,3 heißt es zum Beispiel: „Durch deinen Stolz hast du dich selbst betrogen.“ Und Sprüche 14,12 warnt: „Manch einer wähnt sich auf dem richtigen Weg – und läuft geradewegs in den Tod.“ Jeder Mensch hat die unglaubliche Fähigkeit zum Selbstbetrug. Kein Wunder, dass wir immer und immer wieder auf diese leeren Versprechen hereinfallen.

Als einer meiner Söhne letzten Winter in T-Shirt und Shorts nach draußen gehen wollte, sagte ich: „Jett, du wirst draußen bestimmt frieren. Geh, zieh dir etwas an.“

„Papa, so kalt ist es doch gar nicht“, erwiderte er.

„Oh doch, mein Junge. Ich war heute Morgen schon draußen, und es ist eiskalt.“

Unsere Entgegnungen gingen hin und her: „Weißt du noch“, fragte ich dann, „wie du einmal Fußball spielen wolltest, aber wieder reingehen musstest, weil dir so elend kalt war? Genauso kalt ist es heute auch.“

Trotz meiner eindeutigen Warnungen und seiner jüngsten Erfahrungen entschied Jett sich dafür, mit kaum etwas an vor die Tür zu gehen. Es waren noch keine zehn Minuten um, da hörte ich ihn die Haustür aufstoßen und ins Haus rennen.

„Was ist los?“, fragte ich.

Er raste die Treppe hinauf und antwortete: „Ich ziehe mir etwas über. Draußen ist es eiskalt.“

Ich musste lachen. Genau so ein Selbstbetrug handelt mir auch immer wieder Ärger mit leeren Versprechen ein. Trotz der Weisheit von Gottes Wort.

Trotz allem, wovor mich meine Freunde warnen.

Trotz meiner schmerzhaften Erfahrungen.

Irgendwie überzeuge ich mich davon, dass ich dieses Mal Wert und Sinn darin finde, wenn ich mehr Einfluss habe oder beliebter bin.

Mich kennenlernen

Wenn wir unsere Fähigkeit zum Selbstbetrug kennen, wie können wir dann vermeiden, dass wir regelmäßig in dieselbe Falle tappen? Oft wird auf Psalm 139,23-24 verwiesen, um die Notwendigkeit zur Selbstprüfung zu illustrieren:

Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz,prüfe meine Gedanken und Gefühle!Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden,dann hol mich zurück auf den Weg,der zum ewigen Leben führt!

Doch geht man zurück zum Anfang von Psalm 139, entdeckt man etwas Interessantes. Der Psalm beginnt nämlich mit der Erkenntnis, dass Gott uns bereits durchschaut hat:

Herr, du durchschaust mich,du kennst mich durch und durch.

Ruth Haley Barton sagt, dieser Vers „weist womöglich darauf hin, dass es bei der Selbstprüfung nicht darauf ankommt, dass ich Gott einlade, mich zu durchschauen (weil er das bereits tut), sondern dass ich Gott einlade, mir zu helfen, mich kennenzulernen“ 1.

Da ich immer mehr Zeit allein mit Gott verbringe und versuche, den leeren Versprechen, denen ich auf den Leim gegangen bin, auf die Spur zu kommen, bete ich jetzt oft: „Hilf mir, Herr, mich kennenzulernen. Hilf mir, das Gerüst aus Macht, Lob, Perfektionismus und Leistung einzureißen, mit dem ich mich selbst aufrichten will. Stärke mich, damit ich es ertrage, in deiner Gegenwart nackt und verletzlich zu sein, und bereit bin, die Lebensbereiche zu erkennen, wo ich Christus noch nicht ähnlich bin.“ – „Bereit zu erkennen“, das ist entscheidend. Denn die meisten von uns sind Experten darin, sich davor zu verbergen, was wir über unser eigenes Leben nicht wissen wollen.