Schöne Gedichte - Joachim Ringelnatz - ebook

Schöne Gedichte ebook

Joachim Ringelnatz

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Opis

Joachim Ringelnatz ist ein Klassiker der komischen Muse, ein Leichter mit Tiefgang. Spielerisch, frech, unkonventionell und feinsinnig widmet Ringelnatz seine Verse den alltäglichen Dingen des Lebens und schlägt dabei einen Haken ins Philosophische. Mit scheinbarer Leichtigkeit begegnet er den "großen Fragen" menschlicher Existenz. Dieses Buch bietet einen Querschnitt durch das Werk von Ringelnatz. So skurril wie das, WAS er erzählt, ist die Sprache WIE er es erzählt; poetisch und derb, kindlich naiv und gewitzt, geradeweg und manchmal wunderschön geringelt wie die Seepferdchen, denen er seinen Namen entlehnte

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Zum Buch

»So stark ist der Dichter in dem Manne, der erlebt, dass das Banalste und Niedrigste durch ihn zum Wunder wird.«

ERICH KÄSTNER

Dieses Buch bietet einen Querschnitt durch das Werk von Joachim Ringelnatz. So skurril wie das WAS er erzählt, ist die Sprache WIE er es erzählt – mit Wortneuschöpfungen wie »Seichtlärm« und »Eilgier«; poetisch und derb, kindlich naiv und gewitzt, geradeweg und manchmal wunderschön geringelt wie die Seepferdchen, denen er seinen Namen entlehnte – ein Klassiker der komischen Muse, ein Leichter mit Tiefgang.

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,Die wollten nach Australien reisen.Bei Altona auf der Chaussee,Da taten ihnen die Beine weh,Und da verzichteten sie weiseDann auf den letzten Teil der Reise

Joachim RingelnatzSchöne Gedichte

Joachim Ringelnatz

Schöne Gedichte

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttps://dnb.d-nb.de abrufbar.

Es ist nicht gestattet, Abbildungen und Texte dieses Buches zu scannen, in PCs oder auf CDs zu speichern oder mit Computern zu verändern oder einzeln oder zusammen mit anderen Bildvorlagen zu manipulieren, es sei denn mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2014Zusammenstellung der Anthologie: Christine Schaefer, BerlinCovergestaltung: Katharina Staal Design, KölnBildnachweis: Getty Images, München/Imagezoo,A giraffe on an bicycle von Ryan Retiro AshburneBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0402-8

www.marixverlag.de

Ernster Rat an Kinder

Kinder, spielt mit einer Zwirnsrolle!

Gewaltigen Erfolg erzielt,

Wer eine große Rolle spielt.

Im Leben spielt zum Beispiel so,

Ganz große Rolle: der Popo.

Denkt nach, dann könnt ihr zwischen Zeilen

Auch mit geschlossenen Augen lesen,

Daß Onkel Ringelnatz bisweilen

Ein herzbetrunkenes Kind gewesen.

Kindergebetchen

Erstes

Lieber Gott, ich liege

Im Bett. Ich weiß, ich wiege

Seit gestern fünfunddreißig Pfund.

Halte Pa und Ma gesund.

Ich bin ein armes Zwiebelchen,

Nimm mir das nicht übelchen.

Zweites

Lieber Gott, recht gute Nacht.

Ich hab noch schnell Pipi gemacht,

Damit ich von dir träume.

Ich stelle mir den Himmel vor

Wie hinterm Brandenburger Tor

Die Lindenbäume.

Nimm meine Worte freundlich hin,

Weil ich schon sehr erwachsen bin.

Drittes

Lieber Gott mit Christussohn,

Ach schenk mir doch ein Grammophon.

Ich bin ein ungezognes Kind,

Weil meine Eltern Säufer sind.

Verzeih mir, daß ich gähne.

Beschütze mich in aller Not.

Mach meine Eltern noch nicht tot

Und schenk der Oma Zähne.

Kleine Lügen und auch kleine

Kinder haben kurze Beine.

Das Abc ist äußerst wichtig,

Im Telefonbuch steht es richtig.

Der Klapperstorch hat krumme Beine.

Die Kinder werfen ihn mit Steine.

Aber Kinder bringt er keine.

Der Spanier lebt in fernen Zonen

Für die, die weitab davon wohnen.

Und der Osterhase legt

(Bald sehr eitel, bald bewegt)

Rührei oder Spiegelei.

Schauerlich stöhnt er dabei.

Sechs Beine hat der Elefant.

Er wird auch Mißgeburt genannt.

Die Guh gibt Milch und stammt aus Leipzig.

Wer zuviel Milch trinkt, der bekneipt sich.

Der Ochse gibt statt Milch: Spinat.

Er spielt am Nachmittage Skat.

Bist du schonauf der Sonne gewesen?

Bist du schon auf der Sonne gewesen?

Nein? – Dann brich dir aus einem Besen

Ein kleines Stück Spazierstock heraus

Und schleiche dich heimlich aus dem Haus

Und wandere langsam in aller Ruh

Immer direkt auf die Sonne zu.

So lange, bis es ganz dunkel geworden.

Dann öffne leise dein Taschenmesser,

Damit dich keine Mörder ermorden.

Und wenn du die Sonne nicht mehr erreichst,

Dann ist es fürs erstemal schon besser,

Daß du dich wieder nach Hause schleichst.

Maikäfermalen

Setze Maikäfer in Tinte. (Es geht auch mit Fliegen.)

Zweierlei Tinte ist noch besser, schwarz und rot.

Laß sie aber nicht zu lange darin liegen,

Sonst werden sie tot.

Flügel brauchst du nicht erst rauszureißen.

Dann mußt du sie alle schnell aufs Bett schmeißen

Und mit einem Bleistift so herumtreiben,

Daß sie lauter komische Bilder und Worte schreiben.

Bei mir schrieben sie einmal ein ganzes Gedicht.

Wenn deine Mutter kommt, mache ein dummes Gesicht,

Sage ganz einfach: »Ich war es nicht!«

Das Bergmannspiel

Unter dem Bett ist der Schacht.

Der wird entweder mit Bettdecken dunkel gemacht,

Oder ihr spielt das Spiel bei der Nacht.

In den Schacht schüttet ihr erst recht viel Kohlen.

Die muß der Bergmann auf dem Bauche herausholen.

Ein Licht oder Spirituskocher und zum Graben

Eine Schaufel muß jeder Bergmann haben.

Außerdem muß er vor allen Dingen sich hinten

Ein Stück Leder aus Schuh oder Ranzen anbinden.

Dann baut ihr aus Tisch und Stuhl und Fußbank drei Stufen,

Dort, wo der Eingang sein soll.

Jeder, der runterkriecht, muß erst »Glückauf« rufen

Und schaufelt eine Zigarrenkiste voll Kohlen voll.

Jeder, der rauskriecht, muß dann ganz dreckig sein.

Und jedesmal müssen alle »Glückauf« schrein.

Geben euch eure Eltern was hinten drauf,

Dann habt ihr doch hinten das Leder und ruft nur:»Glückauf«.

Afrikanisches Duell

Wenn dich der Paul oder jemand, den du kennst,

Schwein schimpft oder wenn du ihn Rindvieh nennst,

Dann habt ihr euch beleidigt.

Dann müßt ihr afrikanisches Duell machen.

Ich bin der Schiedsrichter, der bei Ehrenwort euch vereidigt.

Niemand darf auch nur mit der Wimper lachen.

Jeder schweigt. Und ihr stellt euch dabei

Gegenüber. Mit sechs Handbreit Abstand. Und dann

Zähle ich langsam bis drei.

Darauf spuckt jeder dem anderen ins Gesicht

Möglichst so lange, bis der nicht mehr sehen kann.

Mich anspucken gilt aber nicht.

Wer zuerst sagt, er habe genug abgekriegt,

Der ist besiegt

Und muß sich von mir eine runterhauen lassen,

Ohne sich wehren oder mich anfassen.

Darauf dürft ihr euch nicht mehr hassen,

Sondern müßt euch bezähmen

Wie Männer von Ehre und Stand.

Jeder reicht dem andern die Hand.

Weil die Helden in Afrika sich wegen Spucke nicht schämen.

Eine Erfindung machen

Nur für Kinder, die keinen Schiß haben

Wer was erfindet, wird furchtbar reich.

Was man erfindet, ist ganz gleich.

Wenn man nur allerlei Dinge zusammenmischt,

Noch länger, als bis es zischt, und das Richtige rausfischt,

Dann wird man in wenigen Stunden

Berühmt oder macht Gold.

Ich hab auch schon mal was zur Hälfte erfunden,

Aber Wolfgang, mein Bruder, wollte nicht mehr. –

Wenn ihr das etwa fertig erfinden wollt,

Will ich’s euch sagen. Aber es ist sehr, furchtbar sehr schwer.

Das allerwichtigste ist die teure

Furchtbar gefährliche Salzsäure.

Entweder findet ihr die im Klosett

Hoch oben auf einem Brett.

Oder ihr müßt euch unter das Dienstmädchen stecken.

Dürft aber ja nicht dran lecken.

Erst legt ihr einen Goldfisch oder anderen Fisch –

Es kann auch ein Rollmops sein –

Nicht etwa auf den Tisch,

Sondern: Auf Elfenbein.

Und zwar auf die weißen Tasten von dem Klavier.

Müßt aber die Fische vorher mit Bier

Und Zahnpulver kneten

Und auch erst tottreten,

Damit sie auch liegenbleiben.

Nun müßt ihr Seife, dann Zwiebel darüber reiben.

Dann müßt ihr Pfennige, Nachtleuchterstücken

und anderes Kupfer tief in die Fische drücken

Und nun darüber langsam Salzsäure träufeln.

Dann holt ihr schnell eine Schaufel (eigentlich zweiSchäufeln)

Voll glühender Kohlen.

Wolfgany ließ mich damals die zweite Schaufel nicht holen.

Der dumme Ochse ist ja zu unverschämt.

Aber ihr müßt das zu Ende bringen.

Wenn ihr noch Soda und Wachs und so was zu nehmt,

Dann wird’s schon gelingen.

Und wenn eure Eltern was wollen,

Dann müßt ihr zum Trotz in die glühenden Kohlen fassen.

Und sagt nur ganz barsch: Sie sollen

Sich lieber und recht bald begraben lassen.

Sich interessant machen

Für einen großen Backfisch

Du kannst doch schweigen? Du bist doch kein Kind

Mehr! – Die Lederbände im Bücherspind

Haben, wenn du die umgeschlagenen Deckel hältst,

Hinten eine kleine Höhlung im Rücken.

Dort hinein mußt du weichen Käse drücken.

Außerdem kannst du Käsepfropfen

Tief zwischen die Sofapolster stopfen.

Lasse ruhig eine Woche verstreichen.

Dann mußt du immer traurig herumschleichen.

Bis die Eltern nach der Ursache fragen.

Dann tu erst, als wolltest du ausweichen,

Und zuletzt mußt du so stammeln und sagen:

»Ich weiß nicht – ich rieche überall Leichen –.«

Deine Eltern werden furchtbar erschrecken

Und überall rumschnüffeln nach Leichengestank

Und dich mit Schokolade ins Bett stecken.

Und zum Arzt sage dann: »Ich bin seelenkrank.«

Nur laß dich ja nicht zum Lachen verleiten.

Deine Eltern – wie die Eltern so sind –

Werden bald überall verbreiten:

Du wärst so ein merkwürdiges, interessantes Kind.

Ernster Rat an Kinder

Wo man hobelt, fallen Späne.

Leichen schwimmen in der Seine.

An dem Unterleib der Kähne

Sammelt sich ein zäher Dreck.

An die Strähnen von den Mähnen

Von den Löwen und Hyänen

Klammert sich viel Ungeziefer.

Im Gefieder von den Hähnen

Nisten Läuse; auch bei Schwänen.

(Menschen gar nicht zu erwähnen,

Denn bei ihnen geht’s viel tiefer.)

Nicht umsonst gibt’s Quarantäne.

Allen graust es, wenn ich gähne.

Ewig rein bleibt nur die Träne

Und das Wasser der Fontäne.

Kinder, putzt euch eure Zähne!!

Abzähl-Reime

Bülow, Nolle, Witte, Zoo …

Auf dem Dache sitzt ein Floh,

Der sich nicht zu helfen wo.

Konikoki Kakadu …

Rose auf und Rose zu.

Ferkel Ei und Ferkel Zwei.

Wer nicht fehlt, ist mit dabei.

Stachus, Kios, Kaos, Kies,

Spinne, Speise, Scheiße, schieß.

Sexu Elefant Asie.

Fische haben nie kein Knie.

Ritze Rotze Ringelratz

Zwei Miezeschwein, ein Grunzekatz.

Mein Großpapa heißt Lali,

Der wird des Nachts ganz lila.

Die Feder

Ein Federchen flog über Land;

Ein Nilpferd schlummerte im Sand.

Die Feder sprach: »Ich will es wecken!«

Sie liebte, andere zu necken.

Aufs Nilpferd setzte sich die Feder

Und streichelte sein dickes Leder.

Das Nilpferd öffnete den Rachen

Und mußte ungeheuer lachen.

Der Funke

Es war einmal ein kleiner Funke.

Das war ein großer Erzhallunke.

Er sprang vom Herd und wie zum Spaß

Gerade in ein Pulverfaß.

Das Pulverfaß, das knallte sehr;

Da kam sofort die Feuerwehr

Und spritzte dann mit Müh und Not

Das Feuer und das Fünkchen tot.

Der Edelstein

Der gute König Magarone

Trug einen Stein in seiner Krone.

Es war ein schöner Edelstein,

Er funkelte wie Sonnenschein.

Ein böser König kam aus Polen,

Um sich den Edelstein zu holen.

Sie stritten sich fast zehn Minuten,

Der böse König mit dem guten.

Dann kam ein fürchterlicher Krieg.

Der gute König kam zum Sieg.

Und schenkte – weil er sich so freute –

Den Edelstein an arme Leute.

Die Seifenblase

Es schwebte eine Seifenblase

Aus einem Fenster auf die Straße.

»Ach nimm mich mit dir«, bat die Spinne

Und sprang von einer Regenrinne.

Und weil die Spinne gar nicht schwer,

Fuhr sie im Luftschiff übers Meer.

Da nahte eine böse Mücke,

Sie stach ins Luftschiff voller Tücke.

Die Spinne mit dem Luftschiff sank

Ins kalte Wasser und ertrank.

Das Ei

Es fiel einmal ein Kuckucksei

Vom Baum herab und ging entzwei.

Im Ei da war ein Krokodil;

Am ersten Tag war’s im April.

Der Floh

Herr Müller hatte einen Floh,

Der stach Herrn Müller irgendwo.

Herr Müller dankte für die Ehre,

Dann nahm er eine lange Schere

Und schnitt ihn in zwei gleiche Teile.

Jedoch, nach einer kurzen Weile,

Da wurden aus dem einen Floh

Zwei neue Flöh’ daraus. – Oho!

Da sprach der eine von den beiden:

»Man muß nicht einen Floh zerschneiden.«

Die Nadel

Ein Schneider eine Nadel fand,

Die stach den Schneider in die Hand.

Der Schneider sprang entsetzt zurück,

Die Nadel sprach, ich bring’ dir Glück.

Der König hörte Schneiders Leid,

Und er bestellte sich ein Kleid.

Der Schneider nähte dieses gleich;

Am andern Tage war er reich.

So hat die Nadel über Nacht

Dem armen Schneider Glück gebracht.

Das Samenkorn

Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,

Die Amsel wollte es zerpicken.

Aus Mitleid hat sie es verschont

und wurde dafür reich belohnt.

Das Korn, das auf der Erde lag,

Das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.

Jetzt ist es schon ein hoher Baum

Und trägt ein Nest aus weichem Flaum.

Die Amsel hat das Nest erbaut;

Dort sitzt sie nun und zwitschert laut.

Der Wassertropfen

Ein Wassertropfen fiel vom Himmel;

Es war ein ungezog’ner Lümmel.

Im Grase schlief ein dummer Hase,

Der Tropfen fiel auf seine Nase.

Der Hase dachte sich dabei,

Daß er jetzt totgeschossen sei.

Er sprang in seinem großen Schreck

Aus seinem sicheren Versteck.

Der Jägersmann stand an der Straße

Und schoß ihn wirklich in die Nase.

Der Knopf

Es war ein Knopf an Fritzens Mütze,

Der machte ungezogne Witze.

Erst strampelte er stundenlang,

Worauf er von der Mütze sprang.

Er fiel auf einen Kieselstein,

Dort schlief er ganz ermüdet ein.

Und eine Schlange sah den Schläfer;

Sie dachte sich, es sei ein Käfer.

Und weil der Käfer ihr gefiel,

So fraß sie ihn mit Stumpf und Stiel.

Der Stein

Ein kleines Steinchen rollte munter

Von einem hohen Berg herunter.

Und als es durch den Schnee so rollte,

Ward es viel größer als es wollte.

Da sprach der Stein mit stolzer Miene:

»Jetzt bin ich eine Schneelawine.«

Er riß im Rollen noch ein Haus

Und sieben große Bäume aus.

Dann rollte er ins Meer hinein,

Und dort versank der kleine Stein.

Der kleine Junge

Es war ein kleiner, böser Junge,

Der zeigte jedermann die Zunge,

Ging statt zur Schule auf die Straße

Und drehte allen eine Nase.

Als seine Eltern beide tot,

Kam er in bitterliche Not.

Und lebt nun – weil er sonst nichts kann –

Als armer Leierkastenmann.

Das kleine Mädchen

Es war ein armes kleines Mädchen,

Das stickte nur mit kurzen Fädchen;

Ich glaube, Lina war ihr Name.

Sie wurde eine schöne Dame,

War fleißig, brav und lernte gerne,

Da kam ein Prinz aus weiter Ferne.

Der sagte: »Liebe gute Lina,

Komm mit mir auf mein Schloß nach China.«

Dort sitzen sie nun alle beide

Auf einem Thron von gelber Seide.

Wer hört ein Stäubchen lachen?

Wer hört ein Stäubchen lachen?

Stäubchen stob durch die Stube.

Dort saß ein kleiner Bube

(Der Stäubchen wie ein Riese erschien)

Vor einem Stadtplan von Berlin.

Stäubchen lachte: »Berlin ist klein!«

Drang in Bübchens Nase hinein

Und ließ sich von dem Riesen

Wieder ins Weltall niesen.

Arm Kräutchen

Ein Sauerampfer auf dem Damm

Stand zwischen Bahngeleisen,

Machte vor jedem D-Zug stramm,

Sah viele Menschen reisen

Und stand verstaubt und schluckte Qualm

Schwindsüchtig und verloren,

Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,

Mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahn.

Der arme Sauerampfer

Sah Eisenbahn um Eisenbahn,

Sah niemals einen Dampfer.

Spielball

Es weint ein Kind.

Ein Luftballon mit dünnem Zopf

Und kleiner als des Kindes Kopf

Entflieht im Wind.

Und reist und steigt verwegen.

Ein Nebel wallt.

Ein Fehlschuß knallt.

Dann fällt ein sanfter Regen.

Rundrote Riesenbeere

Rollt müde und verschrumpft

In einem Wipfelmeere,

Hat austriumpht.

Witziger Kräherich

Bringt seinem Bräutchen

Ein hohles Häutchen,

Die aber ärgert sich.

Das scheue Wort

Es war ein scheues Wort.

Das war ausgesprochen

Und hatte sich sofort

Unter ein Sofa verkrochen.

Samstags, als Berta das Sofa klopfte,

Flog es in das linke, verstopfte

Ohr von Berta. Von da aus entkam es.

Ein Windstoß nahm es,

Trug es weit und dann hoch empor,

Wo es sich in das halbe, bange

Gedächtnis eines Piloten verlor.

Fiel dann an einem Wiesenhange

Auf eine umarmte Arbeiterin nieder,

Trocknete deren Augenlider.

Wobei ein Literat es erwischte

Und, falsch belauscht,

Eitel aufgebauscht,

Mittags dann seichten Fressern auftischte.

Und das arme, mißbrauchte,

Zitternde scheue Wort

Wanderte weiter und tauchte

Wieder auf, hier und dort.

Bis ein Dichter es sanft einträumte,

Ihm ein stilles Palais einräumte. –

Kam aber sehr bald ein Parodist

Mit geschäftlich sicherem Blick,

Tauchte das Wort mit Speichel und Mist

In einen Aufguß gestohlner Musik.

So ward es publik.

So wurde es volkstümlich laut.

Und doch nur sein Äußeres, seine Haut,

Das Klangliche und das Reimliche.

Denn das Innerste, Heimliche

An ihm war weder lauschend noch lesend

Erreichbar, blieb öffentlich abwesend.

Am Sachsenplatz: Die Nachtigall

Es sang eine Nacht …

Eine Nachti …

Ja Nachtigall am Sachsenplatz

Heute morgen. – Hast du in Berlin

Das je gehört? – Sie sang, so schien

Es mir, für mich, für Ringelnatz.

Und gab mir doch Verlegenheit,

Weil sie dasselbe Jauchzen sang,

Das allen Dichtern früherer Zeit

Durchs Herz in ihre Verse klang.

In schöne Verse!

Nachtigall,

Besuche bitte ab und zu

Den Sachsenplatz;

Dort wohne ich. – Ich weiß, daß du

Nicht Verse suchst von Ringelnatz.

Und hatten doch die Schwärmer recht,

Die dich besangen gut und schlecht.

Im Park

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum

Still und verklärt wie im Traum.

Das war des Nachts elf Uhr zwei.

Und dann kam ich um vier

Morgens wieder vorbei,

Und da träumte noch immer das Tier.

Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –

Gegen den Wind an den Baum

Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.

Und da war es aus Gips.

Der Globus

»Wo sitzt«, so frug der Globus leise

Und naseweise die weise, weiße,

Unübersehbar weite Wand,

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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