Rhein-Neckar klassisch und neu - Viola Eigenbrodt - ebook

Rhein-Neckar klassisch und neu ebook

Viola Eigenbrodt

0,0

Opis

Wussten Sie, dass der Schwabe Schiller »Die Räuber« im badischen Mannheim aufführen ließ? Oder dass der zweitgrößte Barockschlosskomplex Europas in Mannheim steht? Die Quadratestadt ist viel besser als ihr Ruf. Doch auch Heidelberg bietet neben dem vertrauten Schloss Erstaunliches - etwa ein Museum, das sich dem Kulturgut Verpackung verschrieben hat. Oder einen Shiva-Garten. Auch Lorsch, Speyer und Schwetzingen sind ein Muss, wenn Sie sich an die Lieblingsplätze von Viola Eigenbrodt entführen lassen. 11 berühmte Persönlichkeiten der Gegend runden den Band ab - von Dao Droste bis Romani Rose.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 146

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
Oceny
0,0
0
0
0
0
0



66 Lieblingsplätze

und 11 Köpfe

Viola Eigenbrodt

Rhein-Neckarklassisch und neu

Quadrate und krumme Wege

Impressum

Ich widme dieses Buch Kurt Heering. Ohne ihn wäre es nie entstanden.

Bis auf die folgenden stammen alle Bilder von der Autorin:

Theo Stadtmüller (»Am Rhein in Rheinland-Pfalz«, Lieblingsplatz 2, 4 bis 14, 16, 17, 42, »Heidelberg und Umgebung«, 55, 56, 64, 65, 66), Ulrich Stecher (1, »Mannheim und Umgebung«, 23, 25), Brett Walsh (1/11), Historisches Museum der Pfalz Speyer (3), Stadt Mannheim (19, 20, 29, 34), Rino Galiano (2/11), Stadtarchiv Mannheim (30), Luisenpark (32), Verein Rhein-Neckar-Industriekultur e.V. (33), Reiß-Engelhorn-Museen (REM) (35), Eric Carstensen (36), Nora Noé (3/11), Thomas Henne (38, 52), Schmucker und Partner Planungsgesellschaft mbh (40), Mani Neumeier (5/11), Stadt Lorsch (41), Viola Marguerre (44 bis 47), Völkerkundemuseum Heidelberg (49), Dokumentationszentrum für Sinti und Roma Heidelberg (50), Filipp Singer (6/11), Kurpfälzisches Museum Heidelberg (51), Dao Droste (7/11), Betty Langhoff (8/11), Galerie p13 (57), Rosa Frank (9/11), Thermalbad Heidelberg (59), Stadt Heidelberg (62), Wolfgang Steche (63), Manfred Liedtke (11/11)

Autoren und Verlag haben alle Informationen geprüft. Gleichwohl wissen wir, dass sich Gegebenheiten im Verlauf der Zeit ändern, daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Sollten Sie Feedback haben, bitte schreiben Sie uns! Über Ihre Rückmeldung zum Buch freuen sich Autor und Verlag: [email protected]

Literatur:

S. 173: Friedrich Hölderlin, Heidelberg, in: Gedichte nach 1800, Stuttgarter Ausgabe Band 2, 1, S. 14.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

© 2015  –  Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat / Korrektorat: Claudia Reinert

Satz: Mirjam Hecht

Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Alexander Somogyi

unter Verwendung des Fotos »Alte Brücke in der Abendsonne« von eyetronic/ fotolia.com

E-Book/Kartendesign: Mirjam Hecht

ISBN 978-3-8392-4682-5

Inhalt

Impressum

Am Rhein in Rheinland-Pfalz

1  Alles Essig – Ein Weingut der ganz besonderen Art

Venningen – Doktorenhof

1/11  Wasser und Wein

Jennifer Karen

2  Streetlife und Brezeln

Speyer – Altstadt

3  Wein, Römer und Klamotten

Speyer – Historisches Museum der Pfalz

4  Eintauchen in die Geschichte

Speyer – jüdisches Ritualbad

5  Wo Kaiserinnen und Kaiser ruhen

Dom zu Speyer

6  Zauberische Orte inmitten eines Molochs

Ludwigshafen – Parkinsel

7  Abseits von Bauhaus: Neobarock im Hemshof

Ludwigshafen – Wislicenus-Block

8  Ein Museum für junge Gemüter

Ludwigshafen – Wilhelm-Hack-Museum

9  Über Gottes wundersame Wege

Ludwigshafen Oggersheim – Loretokapelle

10  Binnenschifffahrt und Shoppingparadies

Ludwigshafen – Hafen

11  Streuobstwiesen statt Stinkebrühe, ein Kanal erzählt

Frankenthal bei Ludwigshafen

12  Von der Schönheit der Stille

Worms – Jüdischer Friedhof

13  Mut, Neid und gekrönte Häupter

Worms – Dom

14  Napoleon lässt grüßen

Worms – Schloss Herrnsheim

15  Volieren und Blütenstände

Worms – Garten von St. Martin

Mannheim und Umgebung

16  Was die Römer mit der Erfindung des Automobils zu tun haben

Ladenburg – Altstadt

17  Spargel, Flieder und ganz viel Musik

Schwetzingen – Altstadt und Schloss

18  Wetterfester Rhein

Mannheim – Rheinpromenade

19  Palermo liegt manchmal in der Kurpfalz

Mannheim – Arkaden am Wasserturm

20  Eine Wandelhalle zur Erbauung

Kunsthalle Mannheim

21  Schmausen wie zu Kaisers Zeiten

Mannheim – Weinstube Hemmlein

22  Ein Kern der Arbeiterstadt

Mannheim – Waldhof

23  Vom wilden Neckar und grünen Rheintöchtern

Mannheim – Rhein und Neckar

24  Von Möwen, Krähen und Hunden

Mannheim – Neckarufer

25  Schneekönigin und Sommersonne

Mannheim – Waldpark

2/11  Der Entertainer

Rino Galiano

26  Wo endlich einmal der Westen »böse« und der Osten »gut« ist

Mannheim – Neckarstadt

27  Fast über den Wolken kann die Freiheit auch grenzenlos sein

Mannheim – Fernmeldeturm

28  Schillernde Quadrate

Mannheim – Schillerplatz

29  Ein Hauch Barock

Mannheim – Jesuitenkirche

30  Junges Leben in altem Gemäuer

Mannheim – Schloss

31  Riverboat Shuffle mit Lerncharakter

Mannheim – Museumsschiff

32  Ein paradiesischer Kinderspielplatz für jedes Alter

Mannheim – Luisenpark

33  Bevor Barbie kam

Mannheim – Schildkröt

34  Im Zentrum der Quadrate, inmitten der Stadt

Mannheim – Paradeplatz

35  Magie der Vielfalt in verschiedenen Häusern

Mannheim – Reiß-Engelhorn-Museen

36  »supper artclub« in upper Mannheim

Mannheim – Galerie Strümpfe

3/11  Erlebte Geschichte in Mannheim

Nora Noé

37  Hafenkiez und junges Gemüse

Mannheim – Jungbusch

4/11  Die gute Fee

Susanna Iris Weber

38  Vom Kleinkind bis zum Großpapa

Mannheim – Binokel

39  Macht Kinder und Erwachs’ne froh: Spaghetti-Eis aus Mannheim

Mannheim – Eisdiele Fontanella

40  Das Gedächtnis der Stadt – das Stadtarchiv Mannheim

Mannheim – Stadtarchiv

5/11  Big in Japan – die »Guru Guru«-Legende

Mani Neumeier

41  Königinnenrache und Drachenblut

Lorsch – Bergstraße

42  Berg- und Talfahrt

Schriesheim – Strahlenburg

Heidelberg und Umgebung

43  Hendesse, der Lieblingsvorort

Heidelberg – Handschuhsheim

44  Wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen

Heidelberg – Siebenmühlental

45  La vie en rose

Heidelberg – Neuenheimer Marktplatz

46  Der Melting Pot der Stadt

Heidelberg – Neckarwiese

47  Unter dem Pflaster liegt der Strand

Heidelberg – Altstadt

48  Zeitgeist in Vitrinen

Heidelberg – Verpackungs-Museum

49  Wie man von der Heidelberger Altstadt in die Südsee reist

Heidelberg – Völkerkundemuseum

50  Völkerrecht und Kommunikation

Heidelberg – Dokumentationszentrum für Sinti und Roma

6/11  Mut im Blut

Romani Rose

51  Ex oriente lux – Männerkult in Heidelberg

Heidelberg – Kurpfälzisches Museum

52  Harte Burschen und Traditionen

Heidelberg – historisches Gasthaus Schnookeloch

53  Studentischer Lieblingsplatz und gute Mensa

Heidelberg – Marstallhof

7/11  Klarheit und Transparenz

Dao Droste

8/11  Leoparden-Olga

Betty Langhoff

54  Im Auge des Sturms

Heidelberg – Steingasse

55  Dem Himmel so nah – ein Gotteshaus

Heidelberg – Heiliggeistkirche

56  Im Bann der Wendeltreppe

Heidelberg – Antiquariat Hatry

57  Von Pfaffen, Parkhäusern und Partnerschaften

Heidelberg – Galerie p13

9/11  Goldener Neckar und Wolkenengel im Himmel

Wolfgang Steche

58  Der schönste Biergarten der Stadt

Heidelberg – Café Rossi

59  Wärme in der Therme, nicht nur für Hartgesottene

Heidelberg – Thermalbad

60  Memento Mori

Heidelberg – Bergfriedhof

61  Shiva herrscht unter dem Königstuhl

Heidelberg – Shiva-Garten

10/11  Leben und Karrieren retten – eine Stifterin

Hety Runnebaum

62  Ein Blick auf die Stiefkinder einer berühmten Ruine

Heidelberg – Schloss

63  Über Heidelbergs Wipfeln ist Ruh’ – oder auch nicht

Heidelberg – Königstuhl

11/11  Der Löwe ist los im Taeter Theater

Wolfgang Graczol

64  Marmor, Stein und Eisen bricht

Dossenheim – Steinbruch

65  Das beste Tartufo-Eis der Welt

Neckargemünd – Altstadt

66  Hohe Minne und tiefe Brunnen

Neckargemünd – Feste Dilsberg

Karte

Lesen Sie weiter …

Am Rhein in Rheinland-Pfalz

1  Alles Essig – Ein Weingut der ganz besonderen Art

Venningen – Doktorenhof

Das Dorf Venningen liegt in der Pfalz und bereits Kelten und Römer schätzten seine Lage in der »Toskana des Nordens«. In Venningen wiederum befindet sich in romantischer Lage der Doktorenhof. Seit vielen Generationen bewirtschaftet ihn die Familie Wiedemann. Hier kam man vor mehr als 20 Jahren auf eine scheinbar abstruse Idee. Statt »einfachen« Wein aus den hauseigenen Wingerten zu keltern, wagte man einen Schritt ins Ungewisse und verlegte sich auf die Herstellung eines ganz besonderen Elixiers: des Essigs.

Der Doktorenhof ist eine echte Manufaktur, denn die mannigfaltigen Essigessenzen werden tatsächlich zu nahezu 100 Prozent von Hand hergestellt, wobei die gesamte Familie hilft: Es beginnt beim naturnahen Anbau der Grundweine, geht weiter beim bewusst sanften Ausbau der Essige in der Essigstube und endet noch lange nicht beim Füllen in mundgeblasene Flaschen und Flakons. Verkorken, Binden, Wachsen und Verpacken. Auch die Zusatzaromen für den heilsamen Saft, wie Kräuter, Blüten, Früchte und Honig kommen ausschließlich aus Bioanbaubetrieben. Last, not least hat man mit einer Flasche gleich ein Unikat in der Hand.

So ist eine Essigdegustation mit Kellerführung und Kräuterkammerrundgang ein wahres Erlebnis, denn ein Rundgang durch kerzenbeleuchtete Räume wird gleichsam zelebriert. Die Essige in den hundertjährigen Fässern reifen, duften sehr speziell und reinigen auch sofort die Atemwege. Zeremonienmeister Georg Wiedemann muss man unbedingt live erleben, er ist ein wirkliches Original. Wenn er während einer Führung mit leiser, dennoch eindringlicher Stimme über seine Produkte und seinen Hof spricht, wird die Liebe zu allem, besonders zur Natur und als Erstes zum guten Leben deutlich. Ein charismatischer Weingutbesitzer, besonders während der beinahe schon gruseligen Pestführungen. Prädikat: wertvoll.

Tipp:Natürlich kann man den Doktorenhof jederzeit auch ohne Führung besuchen, dann aber entgeht einem das Erlebnis Georg Wiedemann in Aktion.

Weinessiggut Doktorenhof /// Raiffeisenstraße 5 ///

67482 Venningen /// 0 63 23 / 55 05 /// www.doktorenhof.de ///

1/11  Wasser und Wein

Jennifer Karen

Beide Flüssigkeiten spielen im Leben der schönen Blondine eine große Rolle, denn sie kommt aus dem größten zusammenhängenden Weinbaugebiet Deutschlands und wohnt mal an der Seine oder an der Themse, immer am Wasser. Mit einem Edelwässerchen macht die Schauspielerin Jennifer Karen auch auf sich aufmerksam, denn sie schenkte dem Hersteller Volvic ihr makelloses Gesicht für einige Werbekampagnen der letzten Jahre. Dadurch war sie für die Dreharbeiten in halb Europa unterwegs – das passte gut zu ihrer Vorliebe fürs Reisen, die sie vielleicht von ihrer niederländischen Mutter geerbt hat. In England machte die Schauspielerin mehrere Theatertourneen bis nach Schottland, durch Frankreich tourte sie mit dem Stück Mr. & Mrs. Macbeth.

2014 schließlich durften wir die Schauspielerin in einem Kinofilm bestaunen, nämlich in Nostradamus Experiment, einem Film, der historische Aspekte mit Spannung, Action und auch »verschlüsselten Motiven« vereinte. Und sie bringt beides mühelos unter einen Hut, Theater und Film. Keines ist Karen wichtiger, sie mag beides, besonders die unterschiedlichen Herausforderungen. Im Theater kann sie für die gesamte Zeit des Geschehens in der Rolle bleiben und die Reaktionen der Zuschauer bewusst wahrnehmen, was sie liebt. Am Film reizen sie die technischen Möglichkeiten wie die Beeinflussung des Resultats durch den Schnitt oder die Musik und die bange Frage: Wie wird er angenommen?

Dieses Spiel lockte schon das Kind, als sie für die Familie in Rollen schlüpfte, ihre entzückte Familie unterhielt, beim Schultheater mitwirkte und Kurzfilme drehte.

Bis zum nächsten Filmprojekt sehen wir Jennifer Karen in verschiedenen Werbeclips, unter anderem für Mercedes Benz, und hoffentlich kommt die ganz große Rolle bald für sie. Anruf aus Hollywood?

Tipp:Ab 2015 wird ihr eigener erster KurzfilmNaked Dreams, bei dem sie auch Regie führte, auf internationalen Kurzfilmfestivals laufen.

www.jenniferkaren.de ///

2Streetlife und Brezeln

Speyer – Altstadt

Die Domstadt Speyer ist ein Juwel der Pfalz, des größten zusammenhängenden Weinbaugebiets Deutschlands und des größten Rieslinggebiets der Welt. Bei der Menge versteht es sich, dass in dieser Region nicht immer nur Spitzengewächse kultiviert wurden, sondern auch massentaugliche Feierabendschoppen.

Daran hat sich in den letzten Jahren sehr viel geändert, die Pfälzer Winzer legen immer mehr Wert auf höchste Qualität. Nicht nur bei den Rieslingen, auch die roten Rebsorten sind sehr zu empfehlen.

Gerade in Speyer kann man zum Thema Wein viel erfahren, verkosten, genießen und natürlich mit nach Hause nehmen. Zwischen Altpörtel und Dom pulsiert das Leben dieser bunten Stadt, in der Maximilianstraße, über die wahrscheinlich schon römische Besatzer und die Kaiser des Mittelalters einzogen. Heute sitzen Einwohner und Gäste im Sommer zwischen Oleander- und Palmentöpfen, die ein gewisses mediterranes Flair bewirken. Sie lassen dann gerne mit einem guten Tropfen aus der Nachbarschaft den lieben Gott einen guten Mann sein.

Neben dem Fischmarkt und der Sonnenbrücke lockt ein besonderes Altstadtquartier. Der Hasenpfuhl war früher das Viertel der Schiffbauer und Fischer, heute ist er begehrtes Wohnquartier. Dazwischen kleine »grüne« Piazzen, geringfügig bestuhlt, auf denen ein von Frankreich herübergewehtes laissez faire die Seele der Stadt am besten charakterisiert.

Kinderlachen, Gläserklingen, aromatische Düfte aus kleinen Gaststuben und ein fröhliches Miteinander laden genauso zum Verweilen ein wie die Monumente aus dem Mittelalter, das Historische Museum oder das wirklich schöne spätbarocke Rathaus. In der Speyrer Altstadt lässt es sich prächtig bummeln, die Seele kann baumeln oder einfach nur sitzen. Ein Eiscafé in der Maximilianstraße ist daher der allerschönste Lieblingsort.

Tipp:Speyer ist am schönsten im Frühsommer oder im Herbst, wenn man einen Besuch der Stadt mit einem Ausflug zur Weinlese und Festen verbinden kann.

www.speyer.de ///

3  Wein, Römer und Klamotten

Speyer – Historisches Museum der Pfalz

Wie sehr das Genussmittel Wein, die Pfalz und Speyer zusammengehören, zeigt die Sammlung des Weinmuseums im Historischen Museum in diesem schönen Jugendstilbau an besonderer Stelle. Einzigartige Exponate aus der Welt des Weines lassen einen staunen, wie etwa der älteste flüssige Weinrest in einer Flasche aus dem vierten nachchristlichen Jahrhundert. Außerdem gibt die Sammlung einen guten Einblick in die Kulturgeschichte des Weinbaus und des Weinkonsums über einen Zeitraum von 2000 Jahren hinweg. Doch das ist bei Weitem nicht alles.

Seit vielen Jahren schon zeigt das Historische Museum der Pfalz überregional interessante Schauen, etwa zu Saliern, Amazonen oder Hexen – mit großem Erfolg. Besonders auf die Fahnen geschrieben hat man sich aber die Jugend, daher gibt es mit dem Jungen Museum nicht nur ständige Mitmachaktionen, sondern auch regelmäßige Ausstellungen wie eine Lego- und kürzlich eine Playmobil-Ausstellung.

Ein Schlendern durch die kühlen, abgedunkelten Räume lohnt sich allerdings auch ohne Sonderausstellung, da das Haus eine Vielzahl museumseigener Schätze aufweist, die in den Vitrinen glänzen.

Zum Beispiel den Domschatz als Ergänzung zum Besuch des Doms, denn hier gibt es eine echte Kaiserkrone zu bewundern. Schimmerndes Gold fasziniert nicht nur Frauenherzen, mit dem Goldenen Hut von Schifferstadt hat das Museum ein sehr berühmtes Exponat aus der Vor- und Frühgeschichte, zusammen mit kunstvollem Goldschmuck aus derselben Zeit.

Überlegungen zu den Nibelungen machen sich im Kopf breit, die gleich wieder beim Anblick des nicht weniger bekannten Frankenthaler Porzellans, barocken Gemälden und vor allem den kostbaren Gewändern aus der Sammlung Bassermann-Jordan verschwinden, hier möchte man fast Model spielen und all die schönen Kleider einer vergangenen Mode anprobieren. Eine Zeitreise im Museum.

Tipp:Vorsicht, in den Räumen der aktuellen Ausstellungen ist es recht dunkel, die Sonnenbrille kann gut in der Handtasche oder im Rucksack bleiben.

Historisches Museum der Pfalz /// Domplatz 4 ///

67346 Speyer /// 0 62 32 / 1 32 50 /// www.museum.speyer.de ///

4  Eintauchen in die Geschichte

Speyer – jüdisches Ritualbad

Nicht nur der Einfluss des benachbarten Frankreich macht die Atmosphäre der einstigen Kaisermetropole so lebendig, sondern auch der Umgang mit ihren kulturellen Reichtümern – auch denen der nichtchristlichen Tradition.

Davon zeugen die steinernen Reste des vielfältigen jüdischen Lebens hier am Rhein. Vom späten 11. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts war die hiesige Gemeinde groß und einflussreich. Neben der Synagogenruine, einer der ältesten aufrecht stehenden jüdischen Kultbauten in Mitteleuropa aus dem Mittelalter, darf die Mikwe als besonderes Highlight gelten.

Schließlich ist sie nahezu unverändert über die Jahrhunderte erhalten und somit von besonderer kulturhistorischer Bedeutung. Kaum hat man das tonnengewölbte Treppenhaus betreten, fühlt man sich einerseits wie auf einer Zeitreise, andererseits wie in einem anderen Land: irgendwo in Südeuropa. Nicht viele wissen, dass im Mittelalter neben Speyer auch Worms und Mainz so bedeutende jüdische Gemeinden hatten, dass es einen eigenen Fachausdruck dafür gab – SCHUM-Städte, aus den hebräischen Anfangsbuchstaben für Schpira, Warmaisa und Magenza.

Zurück ins Heute und zum Eindruck, den die Mikwe hinterlässt: Zehn Meter tief ist der Badeschacht mit hellem, klarem Wasser, zu dem man durch ein Fenster schaut, und dabei den romanischen Wandschmuck bewundert. Wie nahe einem auf einmal das Mittelalter ist, wie greifbar das kultische Ritual, das hier tagtäglich durchgeführt wurde. Man kann verweilen, träumen, der Fantasie freien Flug und sich inspirieren lassen, wie alles wohl einmal ausgesehen haben mag.

Die Ruhe, die die Mikwe ausstrahlt, wenn man das Glück hat, alleine dort zu sein, reinigt die Seele und lässt einen entspannt in das Gebrodel der lebhaften Gassen Speyers zurückkehren. Danach schmeckt ein Eis doppelt so gut. Oder eine frische Pfälzer Schorle.

Tipp:Hier sollte man Zeit mitbringen, um sich von der einzigartigen Atmosphäre auf eine Reise in eine andere Zeit und Welt mitnehmen zu lassen.

Mikwe in Speyer /// Kleine Pfaffengasse 20 / 21 ///

67346 Speyer /// 0 62 32 / 29 19 71 ///

www.verkehrsverein-speyer.de ///

5  Wo Kaiserinnen und Kaiser ruhen

Dom zu Speyer

Wer über den Rhein in die alte Stadt Speyer fährt, kann ihn schon von weitem sehen: den Dom, ein mächtiges Bauwerk aus romanischer Zeit, der größte Klerikalbau dieser Zeit auf der Welt. Er atmet schon von außen Weltgeschichte, doch innen ist der Zauber der glorreichen Domkirche St. Maria und St. Stephan, so der offizielle Name, fühlbar nahe.

Bereits als sie im 11. Jahrhundert gebaut wurde, sollte sie die größte Kirche des Abendlandes werden, so wollte es der salische Kaiser Konrad II. Die Salier waren fortan allgegenwärtig in Speyer.

Und sie sind es noch immer, denn in der beeindruckenden Krypta liegen acht deutsche Könige und Kaiser sowie ihre Gemahlinnen in riesigen Sarkophagen. Sie »überlebten« den pfälzischen Erbfolgekrieg und die Französische Revolution, nach der Napoleon selbst die Abrissverfügung zurücknahm.

Viel hatte der Dom bis dahin mitmachen müssen, von An- und Umbauten, von Verwüstungen bis zum kompletten Verlust seiner Innenausstattung. Erst seit 100 Jahren sind die sterblichen Überreste der Kaiser der Öffentlichkeit zugänglich und in einer neuen Kaisergruft untergebracht.

Die verfälschenden Umbauten aus der Barockzeit wurden dann Mitte des letzten Jahrhunderts durch eine Reromanisierung wieder rückgängig gemacht, seit 1981 steht der Dom auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Auf ihn zuzuschlendern und allmählich seine volle Größe auf sich wirken zu lassen, bereitet auf das Eintreten durch sein mächtiges Tor in seine ehrfurchtsgebietenden Hallen vor. Denn war es eben noch laut und quirlig wie auf einer italienischen Piazza, so umfängt einen Stille und ein Hauch von Ewigkeit in einem von Licht durchströmten Haus Gottes. Ergriffen ist hier erst einmal jeder, allein schon durch die Höhe der Mauern, die Schönheit der Architektur und die schiere Größe des Baus.

Tipp:Sehr beeindruckend ist der Speyrer Dom zur Adventszeit, denn da gibt es eine große Krippe zu bewundern. Vor ihr bleiben nicht nur Kinder stehen!

Dom /// Domplatz /// 67346 Speyer ///

0 62 32 / 10 21 18 /// www.dom-speyer.de ///

6  Zauberische Orte inmitten eines Molochs

Ludwigshafen – Parkinsel