Quakst du noch oder fliegst du schon? - Ardeschyr Hagmaier - ebook

Quakst du noch oder fliegst du schon? ebook

Ardeschyr Hagmaier

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Opis

Quaken Sie noch oder fliegen Sie schon, suhlen Sie sich gerne in Problemen und schimpfen nörgelnd über alle Schrecklichkeiten dieser Welt oder erheben Sie sich auf Adlerschwingen in die Lüfte, um die Dinge beim Schopf zu fassen? Kurz: Sind Sie Ente oder Adler? Natürlich wollen wir alle Adler sein, welche Frage! Bleibt nur zu klären, was den Adler zum Adler macht. Welche Verhaltensweisen zeichnen ihn aus, welche entlarven ihn doch nur als schnatternden Möchtegern? Nach welchen Prinzipien Adler handeln, hat Ardeschyr Hagmaier in diesem Buch einprägsam und witzig auf den Punkt gebracht. Bei aller Ausrichtung auf das Verhalten hat das Buch eine ähnliche klare Gliederung wie der Vorgängerband Ente oder Adler. Zu jedem der 33 Adler-Prinzipien gibt es praktische Tipps sowohl für Adler- wie für Enten-Typen. Mit Illustrationen von Timo Wuerz.

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Ardeschyr Hagmaier

Quakst du noch

oder fliegst du schon?

Die 33 Adler-Prinzipien

Illustriert von Timo Wuerz

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Informationen sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

©2014 GABAL Verlag GmbH, OffenbachDas E-Book basiert auf dem 2009 erschienenen Buchtitel „Quakst du noch oder fliegst du schon?“ von Ardeschyr Hagmaier, ©2009 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.

Lektorat: Sabine Rock, Frankfurt (www.druckreif-rock.de)

Umschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen (www.martinzech.de)

Illustrationen: Timo Wuerz, Hamburg (www.timowuerz.de)

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

ISBN Buchausgabe: 978-3-89749-909-6

ISBN epub: 978-3-86200-941-1

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Inhalt

Vorwort

Warum ein Autor mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt ist

Die Enten- und Adler-Philosophie: Handeln wie ein Adler – nicht jammern wie eine Ente

Wie Sie dieses Buch optimal nutzen

Die 33 Adler-Prinzipien

Adler-Prinzip Nummer 1:

Je realistischer wir Situationen einschätzen, umso optimistischer blicken wir in die Zukunft

Adler-Prinzip Nummer 2:

Je größer unser Problem ist, umso genialer ist die Lösung, die wir finden

Adler-Prinzip Nummer 3:

Je entspannter und stressfreier wir agieren, umso leistungsfähiger sind wir

Adler-Prinzip Nummer 4:

Je zufriedener wir sind, umso eher sind wir bereit zur Veränderung

Adler-Prinzip Nummer 5:

Je besser wir fragen, umso konkretere Antworten erhalten wir

Adler-Prinzip Nummer 6:

Je weniger Vergleiche wir anstellen, umso glücklicher können wir sein

Adler-Prinzip Nummer 7:

Je kreativer wir sind, umso wahrscheinlicher wird unser Erfolg

Adler-Prinzip Nummer 8:

Je anpassungsfähiger wir sind, umso mehr heben wir uns von der Masse ab

Adler-Prinzip Nummer 9:

Je überzeugter wir von uns sind, umso weiter können wir fliegen

Adler-Prinzip Nummer 10:

Je mehr wir von uns selbst halten, umso hartnäckiger und respektvoller werden wir

Adler-Prinzip Nummer 11:

Je aufmerksamer wir unsere Umwelt beobachten, umso sensibler werden wir

Ihre Notizen zu den Adler-Prinzipien 1 bis 11

Adler-Prinzip Nummer 12:

Je sensibler wir sind, umso achtsamer bedenken wir die Folgen unseres Handelns

Adler-Prinzip Nummer 13:

Je flexibler wir reagieren, umso mehr Möglichkeiten entdecken wir

Adler-Prinzip Nummer 14:

Je mehr Verantwortung wir für uns und unsere Fehler übernehmen, umso selbstsicherer treten wir auf

Adler-Prinzip Nummer 15:

Je zielbewusster wir vorgehen, umso mehr wird man uns wertschätzen

Adler-Prinzip Nummer 16:

Je mehr wir uns auf den Augenblick konzentrieren, umso ausgeglichener sind wir

Adler-Prinzip Nummer 17:

Je mehr wir uns mit uns selbst identifizieren, umso sympathischer wirken wir auf andere Menschen

Adler-Prinzip Nummer 18:

Je wahrer, gütiger und nützlicher wir sind, umso menschlicher werden wir

Adler-Prinzip Nummer 19:

Je mehr wir unsere Ängste akzeptieren, umso mutiger und entschlossener gehen wir vor

Adler-Prinzip Nummer 20:

Je aktiver wir sind, umso mehr Selbstbewusstsein entwickeln wir

Adler-Prinzip Nummer 21:

Je anschaulicher wir unser Anliegen vortragen, umso eher entflammen wir andere Menschen

Adler-Prinzip Nummer 22:

Je gelassener und dankbarer wir sind, umso mehr Souveränität strahlen wir aus

Ihre Notizen zu den Adler-Prinzipien 12 bis 22

Adler-Prinzip Nummer 23:

Je mehr Souveränität wir ausstrahlen, umso größer ist unsere Überzeugungskraft

Adler-Prinzip Nummer 24:

Je mehr Fehler uns unterlaufen, umso kompetenter und lernfähiger werden wir

Adler-Prinzip Nummer 25:

Je überraschender wir agieren, umso siegreicher und durchsetzungsfähiger werden wir sein

Adler-Prinzip Nummer 26:

Je besser unsere Argumente sind, umso provozierender können wir vorgehen

Adler-Prinzip Nummer 27:

Je zielorientierter wir vorgehen, umso bessere Ergebnisse erreichen wir

Adler-Prinzip Nummer 28:

Je mehr wir uns auf das Bauchgefühl verlassen, umso bessere Entscheidungen treffen wir

Adler-Prinzip Nummer 29:

Je eher wir das richtige Problem lösen, umso mehr können wir die Dinge in unserem Sinn beeinflussen

Adler-Prinzip Nummer 30:

Je teamfähiger wir sind, umso schlagkräftiger können wir agieren

Adler-Prinzip Nummer 31:

Je mehr das Feuer der Begeisterung in uns brennt, umso eher können wir Menschen motivieren

Adler-Prinzip Nummer 32:

Je mehr wir lernen und wissen, umso mehr müssen wir vergessen

Adler-Prinzip Nummer 33:

Je planvoller wir vorgehen, umso realistischer können wir Situationen einschätzen

Ihre Notizen zu den Adler-Prinzipien 23 bis 33

Zum guten Schluss: Ab in die Umsetzung!

Von der Vision zur Umsetzung

Die Adler-Flugstunde: Ihr Trainingsprogramm zum Adler-Zertifikat

Literaturverzeichnis

Über den Autor

Über den Zeichner

Vorwort

von Dr. Stefan Frädrich

Sind Sie Ente oder Adler? Vorsicht, diese Frage hat es in sich! Sie fragt danach, was wir sind, und nicht, wie wir uns verhalten. Aber bestimmt nicht gerade das, was wir tun, wer und was wir sind? Wenn Sie sich von der Frage in die Irre führen lassen, dann gehen Sie ein hohes Risiko ein: Sie definieren, wer oder was Sie sind – und legen sich damit fest. Leider aber tun das viele Menschen, indem sie sich an einer über längere Zeit erlebten Rolle orientieren. Was »schon immer« so war, wird auch immer so sein. Und wer sich »schon immer« als Ente wahrgenommen hat, wird sein vermeintliches Schicksal auch mit etlichen Referenzerlebnissen begründen können – schließlich führen Handlungen (also unser Verhalten) zu Ergebnissen und damit zu Erlebnissen, die wiederum unsere Identität bestimmen. Dumme Sache also, wenn wir immer schon lieber quakend gezaudert statt entschlossen gehandelt haben: Wir könnten folglich auf die Idee kommen, eine Ente zu sein – und zwangsläufig eine bleiben zu müssen.

Formulieren wir die Frage also konstruktiver: Verhalten Sie sich eher wie eine Ente oder wie ein Adler? Sie merken schon: Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das, was wir tun, statt auf das, was wir zu sein scheinen, erhalten wir augenblicklich die Kontrolle zurück. Wir definieren uns nicht mehr passiv über das, was wir erlebt und wie wir in der Vergangenheit gehandelt haben, sondern darüber, was wir heute konkret machen können. Wir springen aus der Opfer- in die Gestalterrolle. Nicht wo wir herkommen, bestimmt, wer wir sind, sondern wo wir hingehen. Wir trennen unsere Persönlichkeit vorsichtshalber von unseren Handlungen: Wir sind nicht ängstlich, passiv und beschränkt – wir verhalten uns nur so. Und zwar nicht immer, sondern manchmal. Unter bestimmten Umständen. In gewissen Konstellationen. Vielleicht sogar häufig. Auf keinen Fall aber zwangsläufig!

Formulieren wir also noch einmal um: Wie wollen Sie sich lieber verhalten – wie eine Ente oder wie ein Adler? Und siehe da! Sofort wissen wir, warum es der Adler besser hat: Er sieht super aus, fliegt majestätisch durch die Lüfte, die anderen Tiere (vor allem die Enten) haben Respekt vor ihm, und ein Jagderfolg jagt den nächsten. Wow!

Eines steht fest: Adler sein ist besser. Aber: Wie verhalten sich Adler eigentlich? Was wir so an ihnen bewundern, sind zunächst einmal nur die Ergebnisse ihres Handelns. Ihre Erfolge. Darin sind sie den Enten überlegen! Doch warum? Und genau hier wird es interessant: Was konkret machen Adler anders als Enten? Was für eine Art von Reaktion ist es, die ihnen ihr Adlersein ermöglicht? Schließlich könnten wir uns genauso gut einen Adler vorstellen, der versehentlich unter Hühnern aufwächst und daher selbst glaubt, ein Huhn zu sein.

Er könnte sich nun ebenfalls im Quaken, Watscheln und Tieffliegen üben – wenn wir ihm auch von Herzen wünschen würden, dass er sich selbst erkennt und tut, was echte Adler tun.

Also: Was tun echte Adler konkret? Eine der besten Anleitungen dafür halten Sie bereits in Ihren Händen: Nach welchen Prinzipien Adler handeln, hat Ardeschyr Hagmaier in diesem Buch so klar, einprägsam und witzig auf den Punkt gebracht, dass einem als Leser augenblicklich riesige Adlerflügel wachsen und man sie auch sofort ausprobieren will. Ardeschyr Hagmaier zementiert keine schablonenhaften Selbstbilder. Er gibt vielmehr konkrete Denk- und Verhaltenstipps, mit deren Hilfe wir viel mehr aus uns machen und uns aus unseren vermeintlich festgelegten Rollen lösen können. Schließlich sind es unsere vielen kleinen Denk- und Handlungsgewohnheiten, die unser Leben und unser Glück bestimmen. Diese gilt es zu hinterfragen und richtig hinzubiegen. Wer das versteht und lebt, der ist ein Adler – und kann hoch fliegen. Sehr hoch.

Insofern nun zur wichtigsten Frage: Wie werden Sie sich zukünftig verhalten – wie eine Ente oder wie ein Adler? Quaken oder fliegen? Entscheiden müssen Sie selbst. Aber bedenken Sie: Adler lesen weiter.

Ich wünsche Ihnen dabei sehr viel Spaß und einen richtig guten Flug!

Herzliche Grüße

Dr. Stefan Frädrich

Alles wird am Ende gut.Und ist es das nicht,so ist es auch noch nicht das Ende.

ADLER-EINSTELLUNG

Warum ein Autor mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt ist

von Ardeschyr Hagmaier

Ein Montagmorgen im Frühling 2008: »So ein Ärger! Hätte ich mich doch nur auf meine Seminare konzentriert! Und auf die Gründung meines neuen Unternehmens! Es wäre viel besser gewesen, wenn ich dem Verlag abgesagt hätte, als er mich fragte, ob ich ein zweites Adler-Buch schreiben könne. Oder ich hätte zumindest einen späteren Abgabetermin vereinbaren sollen. Aber selbst dann würde ich es nicht schaffen, rechtzeitig fertig zu werden. Ich weiß ja nicht einmal, in welche Richtung sich das Adler-Thema entwickeln soll.«

Natürlich ist von mir selbst die Rede, von dem niedergeschlagenen Autor des erfolgreichen Buches »Ente oder Adler. Vom Problemsucher zum Lösungsfinder«. Es war bei den Leserinnen und Lesern ein so großer Erfolg, dass es nur logisch ist, das Thema in einem zweiten Buch weiter auszuführen. Doch dass dies auch gelingt – daran ist an jenem Montagmorgen nicht zu denken.

Meine Missstimmung färbt auf meine anderen Aktivitäten ab. Das Seminarkonzept und die Arbeit an meinem Vortrag vor den Führungskräften einer großen deutschen Bank – beides stockt. Ich hänge fest, ganz unten am Boden, ich komme einfach nicht hoch.

Die Leserinnen und Leser des ersten Buches ahnen es: Ich stecke voll und ganz im Enten-Zustand. Wäre ich eine Ente, würde ich auf dem Speiseplan landen. Ich jammere, klage, quake, ich versinke in Selbstmitleid und sehe meine Welt ganz in schwarz-grauen Farben.

Himmelhoch jauchzend: Das Buchkonzept steht

Zwei Tage später, es ist Mittwochmorgen. Ich sitze in einem Brainstorming mit mir selbst, das Konzept für das zweite Buch ist geboren:

Während es in dem ersten Buch, »Ente oder Adler«, darum geht, den Unterschied zwischen einer Ente und einem Adler, zwischen dem Enten-Zustand und dem Adler-Zustand deutlich herauszustellen, ist das zweite Buch als praxisorientiertes Umsetzungs- und Arbeitsbuch aufgebaut.

Wir wollen zeigen, wie wir in den Adler-Zustand kommen, wie wir ihn aktiv herbeiführen. Die quakend-jammernde Ente tritt etwas in den Hintergrund, im Fokus steht der Adler.

Nun ist es aber nicht so, dass wir, einmal im Adler-Zustand, in diesem für immer und ewig verbleiben. Nein, es ist ein ewiger Kampf, wir fallen immer wieder zurück in den Ententeich, wir brauchen dann Prinzipien und entsprechende Techniken, wie wir uns erneut aus dem Teich erheben. Außerdem drohen uns auch im Adler-Zustand Gefahren. Auch dies soll in diesem Buch deutlich werden.

Das Buchkonzept spiegelt, was ich selbst in dieser Frühlingswoche erlebe: Sowohl der Adler-Zustand als auch der Enten-Zustand ist in jedem von uns angelegt. Wir selbst sind es, die zu einem Großteil darüber entscheiden, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. »Freudvoll und leidvoll (…) himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt«, so heißt es in Johann Wolfgang von Goethes Stück »Egmont«, in »Klärchens Lied«. Das ist der Dichter, der ja bekanntlich auch von den »zwei Seelen« in unserer Brust gesprochen hat.

»Yes, I can!«

Wie aber ist es zu dem Stimmungsumschwung gekommen? In diesem Fall lag es an einem Telefonat, das ich am Dienstag mit einem freiberuflichen Redakteur und Lektor geführt habe, der mich bei meinen Buchprojekten unterstützt. Nachdem ich ihm mein Leid gequakt habe, packt Michael Madel den Realisten aus. Er analysiert den vom Verlag vorgegebenen Zeitplan, spricht mit mir die konzeptionellen Ideen für das Buch durch, die wir im Laufe der letzten Wochen in unseren Treffen und Telefonaten kreiert haben, und macht mir klar, wie weit das Buch doch schon vorangeschritten ist.

»Ein Großteil der wichtigen konzeptionellen und strukturellen Arbeit ist so gut wie abgeschlossen«, verdeutlicht er mir, »nun kommt es in den nächsten Monaten vor allem darauf an, die Ideen vom Kopf aufs Papier zu leiten – oder besser: in die Tastatur!«

Und so kommt es, dass ich am jenem Mittwoch weiß: Ich habe die Sache im Griff, wir werden dem Verlag pünktlich ein gutes Manuskript vorlegen können. Ich bin zwar noch nicht auf Wolke sieben, hänge aber auch nicht mehr im Sumpf des Ententeichs fest. Es geht aufwärts.

Und wiederum färbt meine Stimmung auf andere Aufgaben ab: Jetzt habe ich den Aufhänger für den Vortrag vor den Bankern gefunden – jeder Bankmitarbeiter und jede Führungskraft muss sich zum beratenden Verkäufer entwickeln – jetzt weiß ich, dass ich es schaffe, mein neu gegründetes Unternehmen traleco zu etablieren, jetzt schwebe ich wie ein majestätischer Adler durch die Lüfte und rufe aus: »Yes, I can, yes, we can!«

Entscheidend sind die Zwischenräume

Was in der Frühlingswoche passiert ist, wird sich in den darauf folgenden Monaten wiederholen: Die Arbeit an dem zweiten Enten-Adler-Buch wird in den weiteren Entstehungsphasen dessen Thematik wie in einem Spiegel reflektieren. Der Enten- und der Adler-Zustand stellen jeweils eine Perspektive dar, aus der heraus wir die Welt wahrnehmen und beurteilen. Ein und derselbe Sachverhalt erscheint uns heute als Risiko, morgen als Herausforderung und übermorgen als Chance.

Immer wieder wechseln Michael und ich die Positionen. Mal quakt er und ist unzufrieden mit dem Fortschritt des Buches, hadert mit Autor, Verlag und sich selbst – dann bin ich es, der ihn motiviert, informiert, schließlich begeistert. »Yes, I can!« Ich rufe ihn an und frage ihn: »Hallo Michael, quakst du noch oder fliegst du schon?« – und so wird, ganz nebenbei, der Titel des Buches geboren. Mal ist es umgekehrt und Michael fragt nun mich: »Na, Ady, hängst du schon wieder im Ententeich fest?«

Dabei sind und waren die Übergänge fließend: Optimismus, Realismus und Pessimismus, sich entwickelnde Hochstimmung und schließlich Jubel, sich andeutende depressive Haltung und schließlich absolute Niedergeschlagenheit wechseln sich ab. Es gibt nicht nur Hell und Dunkel, nicht nur Schwarz und Weiß, es gibt unendlich viele Schattierungen, Abstufungen und Zwischenräume zwischen den Extremen.

Aus diesem Grund will ich auch mit einem Vorurteil aufräumen, dem ich immer wieder begegne. Es ist nicht so, dass der Adler-Zustand von vornherein allein positiv besetzt ist, und der Enten-Zustand nur negativ. Das folgende Beispiel zeigt dies.

Herr Optimist, Herr Pessimist und der Drucktermin

Vielleicht kennen Sie Herrn Optimist und Herrn Pessimist. Sie repräsentieren ungefähr das, was auch den Adler und die Ente auszeichnet. Von Herrn Optimist wird behauptet, er sei immer und überall in der Lage, Probleme als Herausforderung zu sehen, und er verwende seine ganze Kraft und Energie darauf, die besten Lösungen zu finden. Herr Pessimist wird hingegen als Schwarzseher abgestempelt, der nichts Besseres zu tun habe, als seine Mitmenschen und seine Umgebung zu demotivieren und runterzuziehen.

Nun gut, es geht um grundsätzliche Einstellungen. Herr Pessimist erwartet von der Zukunft stets das Schlechteste, Herr Optimist das Beste. Philosophisch gesehen, ist Herr Optimist mit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) der Meinung, wir bewohnten die beste aller möglichen und denkbaren Welten. In ihr existiert zwar auch das Böse und Schlechte. Aber aus seiner Sicht hätten wir es durchaus auch schlechter antreffen können – keinesfalls jedoch besser.

Herr Pessimist hingegen ist ein Freund von Arthur Schopenhauer (1788–1860), dem Vertreter des Pessimismus. Demnach leben wir in der schlechtesten aller möglichen Welten. Schopenhauer bezeichnet den Optimismus als eine »ruchlose Denkungsart«, als »bitteren Hohn über die namenlosen Leiden der Menschheit«.

Nun stellen Sie sich bitte einmal zwei Chefredakteure vor, die einen festen Drucktermin für ihre jeweilige Zeitschrift einhalten müssen. Beide haben noch vier Wochen Zeit. Nachdem die Hälfte der Zeit verstrichen ist, machen sie Inventur. Herr Pessimist sagt: »Schon zwei Wochen vorbei. Bald steht der Drucktermin ins Haus. Wie soll ich das nur schaffen?« Herr Optimist hingegen ist guter Dinge: »Es sind ja noch zwei Wochen Zeit! Wird schon alles klappen!«

Nun kann es durchaus sein, dass Herr Pessimist in Selbstzweifel versinkt und den Termin verpasst, während der Kollege es tatsächlich schafft, ihn einzuhalten. Aber besteht bei Herrn Optimist nicht auch die Gefahr, dass er sich in seinem Sessel zurücklehnt und gerade als Folge seiner positiven Denkweise die Zügel schleifen lässt, eine unrealistische Zeitplanung vornimmt und den Drucktermin verpasst? Herr Pessimist hingegen sieht vielleicht nur das Negative, nämlich dass schon zwei Wochen vergangen sind. Ist es nicht möglich, dass er nun gerade deswegen alle Energien mobilisiert, um die verbleibenden Wochen zu nutzen – und vielleicht sogar zu früh mit der Arbeit fertig wird?

Das heißt: Eine prinzipiell negative Einstellung muss nicht unbedingt automatisch destruktive Kräfte freisetzen. Die Überlegung, das Glas Wasser sei halb leer, provoziert die Frage, wie man es denn rechtzeitig auffüllen kann. Es ist auch kein Naturgesetz, dass das positive Denken immer Handlungsenergie freisetzt. Es kann auch zu Tatenlosigkeit und Handlungsfähigkeit führen. »Das Glas ist doch halb voll, warum soll ich mich jetzt schon kümmern?«

Daraus ziehe ich zwei Schlussfolgerungen:

1.Der Adler-Zustand ist nicht nur gut, der Enten-Zustand nicht nur schlecht zu bewerten. Es kommt darauf an, was wir aus der Situation machen. Beide Verhaltensweisen können zum Scheitern des Drucktermins führen, beide können aber auch bewirken, dass die Zeitschrift rechtzeitig fertig wird.

2.Und darum ist jetzt eine Entschuldigung bei der Ente notwendig!

Entschuldigung, liebe Ente!

Die Drucktermin-Geschichte veranschaulicht, dass der Adler-Zustand durchaus Gefahren birgt, etwa die der Selbstüberschätzung. Und auch die arme Ente hat ihr Gutes. Zumeist jedoch werden die guten und edlen Eigenschaften dem Adler angedichtet, die dunklen und negativen Aspekte kreidet man hingegen der Ente an. Dafür ist nun eine ehrlich gemeinte Entschuldigung fällig.