Pullerton kocht den Filmboss ab: Kriminalroman - Glenn Stirling - ebook

Pullerton kocht den Filmboss ab: Kriminalroman ebook

Glenn Stirling

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Krimi von Glenn Stirling Der Umfang dieses Buchs entspricht 125 Taschenbuchseiten. Die Entführung einer jungen Dame ruft den Butler Reginald Pullerton auf den Plan. Da er die Entführer erkannt hat, dauert es nicht lange, bis sie wieder befreit ist. Doch dann macht ihm Mr. Finch, der geniale Verbrecher, ein sehr seltsames Angebot. Entweder macht Pullerton Urlaub, oder er stirbt. Der Butler entscheidet sich für den Urlaub – allerdings mit einigen Hindernissen.

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Glenn Stirling

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Inhaltsverzeichnis

Pullerton kocht den Filmboss ab: Kriminalroman

Copyright

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Pullerton kocht den Filmboss ab: Kriminalroman

Krimi von Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buchs entspricht 125 Taschenbuchseiten.

Die Entführung einer jungen Dame ruft den Butler Reginald Pullerton auf den Plan. Da er die Entführer erkannt hat, dauert es nicht lange, bis sie wieder befreit ist. Doch dann macht ihm Mr. Finch, der geniale Verbrecher, ein sehr seltsames Angebot. Entweder macht Pullerton Urlaub, oder er stirbt. Der Butler entscheidet sich für den Urlaub – allerdings mit einigen Hindernissen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Alles rund um Belletristik!

1

»Dieses Benehmen einer Lady gegenüber entspricht nicht der feinen englischen Art«, bemerkte Reginald Pullerton und deutete mit der Spitze seines Universal-Regenschirmes durchs geöffnete Fenster auf die Fahrbahn.

Mike Warringer, der sich nach dem Duschen gerade wieder angezogen hatte, hielt im Umbinden seiner Krawatte inne und beugte sich hinaus. Der Anwalt versuchte mit seinem Blick der Richtung zu folgen, in die Pullertons Schirm wies.

Was sich am hellen Tag auf der Straße ereignete, weckte mehr als nur beiläufiges Interesse.

Auf der anderen Seite der Fahrbahn parkte ein schwarzer, eleganter Bentley. In diesen Wagen zerrten zwei Männer eine attraktive Blondine, die sich verzweifelt gegen dieses erzwungene Einsteigen wehrte.

»Pullerton, wir müssen was tun«, rief Warringer. »Haben wir keine Waffe, um diesem Karren die Reifen zu entlüften, damit wir ihn aufhalten? Wir müssen sofort die Polizei rufen.«

»Sir, mit Verlaub zu sagen, gibt es zu Punkt eins Ihrer Einwendung das Problem, dass wir gegenwärtig über keine Waffe verfügen, und zu Punkt zwei erweist sich als weitere Schwierigkeit, dass meine Wenigkeit mit außerordentlichem Bedauern bereits vor Minuten festgestellt hat, über ein funktionierendes Telefon nicht verfügen zu können. Es ist leider gestört, Sir.«

Warringers Stöhnen wehte an Pullertons Ohren vorbei. Unten fuhr inzwischen der Bentley ziemlich schnell davon.

Warringer griff trotzdem zum Telefon, aber die Leitung war tot. Dann stürmte er zur Tür.

»Ich werde woanders telefonieren. Ich habe mir das Kennzeichen gemerkt, Pullerton.«

Er hatte die Tür schon halb geöffnet, da sagte der Butler in seiner unnachahmlichen Ruhe und Gelassenheit: »Das ist nicht erforderlich, Sir, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Abgesehen davon, dass meine Wenigkeit auch das Kennzeichen registriert hat, bin ich vermessen genug, mit Verlaub sagen zu dürfen, dass mir der Besitzer des Wagens und die junge Lady durchaus bekannt sind.«

Mike Warringer zog die Tür wieder zu, lehnte sich mit dem Rücken dagegen und blickte Pullerton perplex an. »Sie kennen …«

Der Butler nickte. »Die von der Natur mit außerordentlicher Attraktivität beschenkte junge Dame ist Miss Sheila, die Tochter von Lady Margrets Freundin Lady Annabell und ihrem Gatten, dem Lord Winston. Und bei dem Besitzer des Bentley handelt es sich um einen Mister Fabian, der Filme produziert mit – ich bin vermessen genug, das zu sagen – höchst unterschiedlichem Erfolg.«

»Mann, Pullerton, aber wir müssen doch was tun.«

Der Butler wirkte unbeeindruckt. »Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Sir, kann ich dem nur zustimmen, ich habe mir indessen die Freiheit genommen, bereits diesbezügliche Überlegungen anzustellen.«

Warringer holte tief Atem, wie er es immer tat, wenn er rasche Antworten erwartete. »Und was für Überlegungen sind das?«, fragte er in unverhüllter Ungeduld.

»Dieser Mister Fabian hat im Fond des Wagens gesessen. Er ist kein – verzeihen Sie, Sir, dass ich es aussprechen muss – seriöser Filmproduzent. Er dreht sogenannte Pornofilme, Sir. Wenn ich nicht fehl in der Annahme gehe, wird Mister Fabian in absehbarer Zeit wieder in seine Villa in Westend zurückkehren. Mein Vorschlag würde also in diese Richtung gehen, Sir.«

»Donnerwetter, Pullerton, nun wollen wir aber endlich zu Stuhle kommen. Nehmen wir Ihren Wagen oder meinen?«

»Meinen, wenn ich gütigst vorschlagen dürfte.«

»Sie dürfen. Beeilen wir uns.«

Minuten später waren sie auf dem Weg durch die City. Trotz lebhaften Verkehrs hatte Butler Pullerton genug Gelegenheit, Besitzer PS-starker Karossen vor Neid erblassen zu lassen, wenn das hochbeinige Monstrum, dem man von außen die aufgemotzte Maschine nicht ansah, an der Kreuzung bei grün losröhrte und davonstob, als wollte Pullertons Wagen wie ein Jet abheben.

Sie brauchten logischerweise deshalb auch nur die halbe übliche Zeit bis zur piekfeinen Wohngegend mit den Nobelhütten der Oberen Zehntausend.

Eine dieser im viktorianischen Stil erbauten Prachtherbergen war das Anwesen dieses ominösen Mr. Fabian. Der Bentley stand direkt in der Einfahrt. Im schmalen Vorgarten kündeten verblühte Forsythien vom nahen Sommer.

Ein bescheidenes Messingschild am Tor verriet, dass hier nicht nur jemand mit viel Geld wohnte, sondern sich auch noch die Filmstudios »Pythia«, befanden. Zu ihnen wies an der Tür der Villa ein weiteres Schild. Die Studios befanden sich offenbar im hinteren Teil des Anwesens.

Zu Warringers Überraschung begab sich der Butler mit ruhigem Schritt geradewegs an der Pforte vorbei zum hinteren Anbau.

Aber er kam zunächst nicht sehr weit, denn zwei Gestalten preschten um die hintere Ecke, Burschen wie Kleiderschränke und angetan mit blauen Overalls, auf denen groß und breit »Pythia Films«, geschrieben stand.

Dass beide Typen handfeste, massive Holzknüppel in der Hand hielten, konnte Zufall sein. Für Pullerton jedoch war es das ganz und gar nicht. Dennoch schritt er auf die Kerle so selbstverständlich zu, als wären es zwei Blumenmädchen und nicht zwei seltsame Zeitgenossen mit Gesichtern, die glatt eine Schulklasse mit ihrer Lehrerin in panische Flucht schlugen.

»Heh, Mann, was wollen Sie hier?«, fragte der eine Mann, dessen Stoppelhaar auf dem Schädel an einen kürzlich verlebten Zwangsaufenthalt in Dartmoor erinnerte.

»Guten Tag, Gentlemen«, grüßte Pullerton mit vollendeter Höflichkeit und lüftete seine Melone. »Meine Wenigkeit wünscht mit Mister Fabian zu sprechen.«

»Der ist nicht zu sprechen. Verzieh dich!«, fauchte der andere, der ein Gesicht hatte, als hätte er durchgehende Rinderherden zu stoppen versucht. In seiner ramponierten Visage glänzten zwei Schweinsaugen, die Pullerton geradezu lustvoll fixierten. Der Mann schien zu überlegen, ob er den Butler gleich durch die Luft werfen sollte, oder ob man besser auf den anderen achten müsste, der recht durchtrainiert wirkte. Womit er Warringer meinte.

Dass beide nun auf Warringer mehr achteten als auf Pullerton, sollte sich als recht kurzsichtig erweisen. Aber noch wussten sie das beide nicht, zumal Pullerton immer noch ausgewählt freundlich fragte: »Darf man sich erkundigen, wann Mister Fabian die Güte hätte, uns vorzulassen?«

»Spinnst du, Spaßvogel?«

Die beiden sahen sich an, grinsten, lachten frei heraus und schauten wieder auf Pullerton, der ein scheinbar harmloses Gesicht machte. Doch dann wandten sie sich Warringer zu, der weder freundlich noch harmlos wirkte. Von ihm, dachten die beiden, kommt sicher noch Arger.

»Nun gut, wenn Sie es so zu sagen belieben«, erklärte Pullerton. »Es würde sicher auch gar nicht in ihrem Sinn sein, wenn ich ein Gespräch mit Mister Fabian führen könnte?«

»Haha!«, lachte der Glatzkopf. »Nun aber Schluss. Macht, dass ihr wegkommt! Los, sonst gibt es was über den Kürbis.« Er hob seinen Stock zum Schlag.

In diesem Moment drang der schrille Schrei einer Frau aus dem Anbau nach draußen … und dann der verzweifelte Ruf: »Hilfe! Hilfe!«

Der Glatzkopf sah das als eine Art Signal an, nun nicht mehr bei der Vorrede zu bleiben. Er holte noch weiter aus und wollte zuschlagen.

Es blieb indessen bei der Absicht. Die Spitze von Pullertons Universal-Schirm traf ihn wie ein Schwert unter der Gürtellinie, worauf er mit einem Schrei nach vorn klappte.

Bevor der Mann mit dem zerhackten Gesicht etwas tun konnte, zuckte die Schirmspitze noch mal vor. Diesmal landete sie direkt hinter dem linken Ohr des Glatzkopfes, was ungefähr der Wirkung eines K.o.-Schlages auf die Kinnspitze gleichkam. Der Glatzkopf schlug der Länge nach hin und blieb reglos liegen.

Keine Sekunde zu früh, denn nun legte der andere los. Er riss einen kurzläufigen Revolver aus dem Hosenbund.

Im selben Augenblick zischte ihm der mit Pressluft abgeschossene Pfeil aus dem Rohr des Schirmes entgegen. Kaum fürs Auge zu verfolgen, flog die bunte Feder mit der mit Betäubungsgift versehenen Stahlspitze durch die Luft und traf den Typen unterm Hals an der optimalen Stelle.

Das Betäubungsgift wirkte in einer Sekunde. Der Kerl brachte den Revolver nicht mal in Anschlag, da wurden ihm die Knie butterweich, und er sank mit einer sanften Drehung zu Boden, die einer Schwanensee-Primadonna zur Ehre gereicht hätte.

Warringer stürmte an Pullerton vorbei zur Tür des Anbaus, während der Butler zur Sicherheit auch den zweiten mit der Glatze noch leicht betäubte, was gut zwanzig Minuten Vorhalten würde.

Wieder gellte der schrille Schrei nach draußen.

Aber da war auch Reginald Pullerton schon im Anbau und warf einen Blick in die Runde. Es war eine Art Halle mit Kulissen, Scheinwerfern und einer Filmkamera. Im hinteren Teil befand sich eine Art Glaskasten, der innen als Büro eingerichtet war.

Drinnen befanden sich zwei Personen, sonst war niemand weit und breit zu erkennen.

Die eine Person war ein bildhübsches Mädchen, das sich verzweifelt gegen die Zudringlichkeit eines Mannes wehrte, in dem Pullerton unschwer Mr. Fabian erkannte.

Der Filmproduzent war ein Mann in den sogenannten besten Jahren. Sein gutes Leben hatte ihn gerundet wie ein Stück Hefe den Teig. Feist und gierig zugleich umklammerte er mit seinen großen Händen die gegen ihn zierlich wirkende Blondine.

Ihre Bluse war zerrissen, der Reißverschluss ihres schlichten, aber ein wenig kurz geratenen Rockes war gelöst. Ihre Beine konnten diesen kurzen Rock übrigens gut vertragen. Sie noch mehr zu verbergen, wäre geradezu sündhaft gewesen, so hübsch waren sie.

Mike Warringer jagte durch die Halle und war schon an der Tür, da schoss plötzlich von rechts ein riesiges braunes Wesen zwischen den Filmaufbauten hervor und prallte so heftig gegen den Anwalt, dass er zur Seite geworfen wurde und zu Boden stürzte.

Ohne jede Hast und wohl überlegt hatte Butler Pullerton die Situation sofort erfasst und zielte mit der Schirmspitze, als der Hund – denn um einen solchen handelte es sich – mit einem Satz auf den am Boden liegenden Warringer springen wollte, um ihm an die Gurgel zu gehen.

Ein bunter Blasrohrpfeil traf den Hund direkt am Widerrist.

Indessen hatte Fabian die Blondine bis zu einer Couch gedrängt und wollte sie gerade daraufwerfen, als draußen der Hund neben Warringer zusammenbrach. Aber auch Mike Warringer lag reglos.

Der Butler lief zu ihm, etwas mehr als gemessen, und sah, dass Warringer mit dem Hinterkopf gegen ein Eisenrohr gestürzt war, sich aber bereits wieder zu regen begann.

Die in Bedrängnis geratene blonde Frau nannte sich Sheila und war die Tochter von Lady Annabell und Lord Winston.

Fabian hatte im Eifer des Gefechtes und berauscht von der Nähe einer so hübschen Frau noch gar nicht mitbekommen, was draußen lief. Doch als Butler Pullerton die Tür öffnete, ging dem dicken Filmboss ein Licht auf.

Er hatte sich gerade, über Sheila beugen wollen, die ihn entsetzt, anstarrte, als Pullerton eintrat, die Schirmspitze auf ihn richtete und ihn mit einer in ganz Merry Old England einmaligen Stimme sagte: »Ich wünsche den Herrschaften einen wunderschönen Tag. Eine Störung liegt keineswegs im Bereich meiner Absicht.«

2

Fabians Gesicht verschwamm wie ein in Wasser getauchtes Tuch. Seine Augen erinnerten den Butler an einen Corrida-Stier im Anblick des Toreros. Rot unterlaufen starrten sie Pullerton an, der mit unnachahmlichem Lächeln dastand, und seinen Universal-Regenschirm mit der Spitze auf Fabian gerichtet hielt. Der Filmemacher ahnte nichts von den Möglichkeiten dieses Schirmes, auch nichts von dem Waterloo, das sein irischer Wolfshund und die beiden Aufpasser draußen schon hinter sich hatten.

Mr. Fabian fragte sich nur, wie dieser Clown von einem Menschen, in sein Allerheiligstes eingedrungen war. Seine Wut richtete sich auch gar nicht so auf den Mann im schwarzen Covercoat, den er nicht für voll nahm, sondern auf seine Helfer.

»Sie Idiot scheren Sie sich … Zum Kuckuck, wer hat Sie reingelassen?«

Pullertons Miene nahm einen gleichmütigen Ausdruck an. Ohne überhaupt nur andeutungsweise diese Frage zu beantworten, sagte er: »O Miss Sheila! Ich hatte ja schon mal die Ehre und das Vergnügen, Sie zu sehen. Darf ich annehmen, dass Sie möglicherweise beschlossen haben, dieses Haus zu verlassen? Ich stehe Ihnen selbstverständlich mit meinem Wagen zur Verfügung. Soweit ich es beurteilen kann, wird sich Mister Fabian von Ihnen verabschieden wollen.«

Fabian schnaufte wie ein Nilpferd. Seine Augen wurden noch kleiner und rötlicher. »Scheren Sie sich hier raus! Niemand hat Sie herbestellt, zum Henker!«

Reginald Pullerton tat, als gäbe es diesen Mann nicht, hängte seinen Schirm über die Lehne eines Stuhles und half Sheila galant von der Couch.

Die junge Dame war so überrascht und fassungslos, dass sie überhaupt keine Worte fand. Sie starrte den Butler, den sie von einem Besuch Lady Margrets kannte, als Pullerton seine Herrin mal begleitet hatte, wie einen Geist an.

Als er ihr auch noch gentlemanlike eine Jacke über die Schultern der zerrissenen Bluse legte, war es um Sheilas Fassung geschehen. Sie brach in Schluchzen aus, fiel Pullerton an die Brust und hätte sich bei ihm ausgeweint, wenn ihr Fabian dazu Gelegenheit gegeben hätte.

Aber der »Pythia« Chef nutzte die Chance sofort. Mit einer Gewandtheit, die Dicke oft wider Erwarten an sich haben, sprang er plötzlich mit einem Satz auf Pullerton und das Mädchen zu, packte im Vorbeigehen einen Brieföffner, der in seiner Hand wie ein Dolch wirkte.

Reginald Pullerton reagierte sofort, schob die Schluchzende beiseite, packte seinen Universal-Regenschirm und konnte mit der spezial-gehärteten Edelstahlspitze gerade noch rechtzeitig auf Fabians schütteres Haar tippen, was den Angreifer ein wenig aus der Bahn warf. Aber er war noch im Schwung nach vorn, die Spitze des Brieföffners auf Pullerton gerichtet.

Sheila war in Gefahr, durch Zufall noch getroffen zu werden, also kombinierte Pullerton blitzschnell. Wenn er noch mal reagierte, würde Fabian weiter nach links taumeln, so dass er direkt vor Sheila stand. Möglicherweise reichte dann eine Reflexbewegung, um die Hilflose mit dem dolchartigen Brieföffner zu treffen.

Also fegte der Schirm von unten nach oben, die Spitze traf den Brieföffner und mähte ihn aus Fabians Hand.

Mit einem Schrei warf sich der Dicke herum, genau in dem Augenblick, als der Schirm wieder herunterkam.

Es gab ein merkwürdiges Geräusch, als würde irgendwo an die Tür geklopft. Aber das war keine Faust an der Tür, das war Pullertons Schirm auf der Stirnglatze des Dicken.

Reginald Pullerton sah gelassen, wie Fabian in Zeitlupe auf die Knie ging und dann ebenso betulich auf die Dielen kippte. Es machte noch mal »boing«, dann lag der Dicke wie ein erlegter Keiler vor seinem Jäger.

»Wünsche eine angenehme Ruhe!« Pullerton wandte sich Sheila zu. »Ich erlaube mir zu bemerken, dass wir uns allmählich zum Gehen rüsten sollten, Miss Sheila.«

Sie hörte auf zu schluchzen, sah ihn verdattert an und ließ sich von ihm nach draußen führen. Dort hatte sich Mike Warringer gerade aufgerafft, stand aber noch ein wenig schwankend wie ein Betrunkener.

»Sir«, blieb Pullerton todernst. »Wenn Sie sich uns vielleicht anschließen würden?«

»Was … was ist passiert?«, lallte der Anwalt, den es wohl doch etwas mehr erwischt zu haben schien, als es zuerst den Anschein hatte. Er starrte auf den betäubten Hund und fragte: »Was‘n das, Pullerton?«

»Es ist ein ausgesucht großes Exemplar des irischen Wolfshundes, dem bekannterweise größten Hund, den es gibt. Man hat sie speziell für die Wolfsjagd gezüchtet. Es handelt sich um anerkannt mutige Tiere. Diesen hier hat die geniale menschliche Intelligenz überwunden. Der Mensch ist, wenn ich das einmal so sagen darf, eben doch das gefährlichste Raubtier.«

Warringer ging es nicht so gut, dass er Pullertons Ausführungen tatsächlich folgen konnte. Er wankte, von Pullerton gestützt, an dem ebenfalls am Boden liegenden Mann vorbei, dem Glatzkopf, und wenig später an dem Hackfleischgesicht.

Mike Warringer, der alles nur verschwommen wie durch ein Aquarium hindurch erkannte, hatte einige Mühe, auf den Beinen zu bleiben.

Die noch völlig entnervte Sheila klammerte sich links an Pullerton, und rechts wurde Warringer von dem Butler gestützt.

Wenn Reginald Pullerton aber hoffte, die Sache weitgehend ausgestanden zu haben, sah er sich in dem Augenblick enttäuscht, als er Warringer in seinen Wagen verfrachtet hatte und Sheila gerade einstieg.

Pullerton entdeckte plötzlich einen Mann im Bentley, der in der Einfahrt parkte. Dieser Mann war vorhin nicht im Wagen zu sehen gewesen. Und der saß auch nicht so einfach da, sondern hielt etwas in Händen, womit er auf Pullerton zielte.

Deutlich erkennbar war eine Kalaschnikow.

Die Lage war, das musste sich Pullerton eingestehen, ziemlich heikel.

Da bellte der Typ im Bentley durchs offene Fenster: »Hol sie wieder raus aus der Kiste! Und wehe, ihr versucht einen Trick! Ich mache wandelnde Springbrunnen aus euch!«

»Sehr wohl, Mister, nur einen Augenblick«, verkündete Pullerton. »Sie gestatten, dass ich die Lady zuerst …«

Die dem Gangster offenbar ungewohnte Redeweise bewirkte zumindest vorübergehendes Erstaunen. Reginald Pullerton kannte diese Wirkung und nutzte sie sofort.

Zuerst öffnete er die Wagentür, als wollte er Sheila herausbitten, doch zugleich griff er blitzschnell ins seitliche Ablagefach der Tür, nahm eine der beiden darin liegenden Spezialhandgranaten, ließ sie geschickt zu Boden fallen, stieß sie routiniert mit kurzem Stoß auf den Bentley zu, was der Mann hinterm Steuer nicht sehen konnte.

Der Butler hängte sich seinen Universal-Regenschirm an den linken Arm, hob die Hände bis in Schulterhöhe und zählte im Geist bis fünf.