Posthumanismus - Stefan Herbrechter - ebook

Posthumanismus ebook

Stefan Herbrechter

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179,99 zł

Opis

Was kommt nach dem Menschen? In allen Bereichen der Wissenschaft sind Entwicklungen im Gange, die unser klassisches Bild vom Menschen und seinen Möglichkeiten erschüttern. Vor allem die Fortschritte der Biotechnologie und der Künstlichen Intelligenz führen dazu, dass ein ›posthumanes‹ Zeitalter eingeläutet wird. Der Band untersucht diese Entwicklungen und hinterfragt die theoretische und praktische Vorbereitung auf das Ende des Menschen. Dabei spielt eine entscheidende Rolle, dass immer schon Theorien über den Menschen hinaus gedacht haben. Auch im humanistischen Denken war der Posthumanismus oft eingeschlossen und vorbereitet. Ohne also die neuen Entwicklungen zu unterschätzen soll hier ein realistisches Bild der Zukunftsperspektiven gezeichnet werden. Damit führt der Band weiter, was Autoren wie Francis Fukuyama über das Ende des Menschen ausgeführt haben.

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Stefan Herbrechter

Posthumanismus

Eine kritische Einführung

Impressum

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme.

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-534-20832-6

© 2009 by WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt

Die Herausgabe dieses Werkes wurde durch die Vereinsmitglieder der WBG ermöglicht.

Einbandgestaltung: Finken & Bumiller, Stuttgart

Einbandabbildung: Modell Medizinroboter weiblich; © picture alliance/medical picture

eBook ISBN 978-3-534-70378-4 (epub)

Als epub veröffentlicht 2010.

www.wbg-wissenverbindet.de

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Innentitel

Inhaltsverzeichnis

Informationen zum Buch

Informationen zum Autor

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Für einen kritischen Posthumanismus

Genealogie des Posthumanismus

Unsere posthumane Humanität und die Vielfalt ihrer Formen

Science Fiction – Zwischen Kulturkritik und Technikphilosophie

Die neue Interdisziplinarität in den „Posthumanwissenschaften“

Cyberkultur, Digitalität, Virtuelle Wirklichkeit und Neue Medien in der Informationsgesellschaft

Posthumanität – Zwischen Subjekt und System

Literaturverzeichnis

Namenregister

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Für einen kritischen Posthumanismus

In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der „Weltgeschichte“; aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mußten sterben. – So könnte Jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustrirt haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es giebt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben hinausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, dass auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Centrum dieser Welt fühlt. Es ist nichts so verwerflich und gering in der Natur, was nicht durch einen kleinen Anhauch jener Kraft des Erkennens sofort wie ein Schlauch aufgeschwellt würde; und wie jeder Lastträger seinen Bewunderer haben will, so meint gar der stolzeste Mensch, der Philosoph, von allen Seiten die Augen des Weltalls teleskopisch auf sein Handeln und Denken gerichtet zu sehen. (Nietzsche, 1973: 369–70)

Dieser oft zitierte Ausspruch Nietzsches aus „Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne“ (1873, § 1) könnte durchaus sowohl als ein Ausgangspunkt wie auch als vorweggenommene Zusammenfassung des Phänomens dienen, das hier unter dem Begriff „Posthumanismus“ kritisch untersucht werden soll. Nietzsches nihilistisch-relativierende Provokation an das „kluge Tier“ Mensch richtet sich einerseits gegen den Kleinmut seines christlich inspirierten Humanismus mitsamt seiner selbsterwirkten und selbstverschuldeten Gottlosigkeit, andererseits bereitet sie das Terrain für eine vermeintlich befreiend-vitalistische Übermenschwerdung vor. Es scheint nun, dass Nietzsches „Umwertung aller Werte“, die die traditionelle Unterscheidung von Wahrheit und Lüge im moralisch-humanistischen Sinne aussetzt und eine völlig neue, radikal nicht-moralische nachhumanistische Situation beschreibt, im 21. Jahrhundert in greifbare Nähe gerückt ist. Während Nietzsches Nihilismus jedoch den Hochmut der Spezies mitsamt seiner selbstproklamierten anthropozentrischen „Weltgeschichte“ verspottet, treibt diese, von neuen Bio-, Nano- und Infotechnologien beflügelt, mit der Vision einer technologisch induzierten Selbstüberwindung und Selbstüberbietung ihre eigene Hybris auf die Spitze. Es ist daher anzunehmen, dass Nietzsche, obwohl immer wieder als posthumanistischer Vordenker proklamiert, nicht besonders beeindruckt von der verbreiteten technophilen Posthumanisierungseuphorie wäre. Die Mission des „menschlichen Intellekts“ einfach auf die Maschinenprothese zu übertragen ermöglicht noch nicht das ersehnte Kommen des Über-menschen, der sich einerseits nicht zu schade wäre, sich mit einer „Mücke“ zu verständigen und von ihr zu lernen, andererseits den humanistisch-narzisstischen „Pathos“ aus den Angeln heben könnte.

Wie jedoch soll der Philosoph „das Teleskop“ ausrichten, um nicht überall schon den Menschen in all seiner Herrlichkeit oder Niedertracht zu erkennen? Dies könnte sich als die schwierigste und daher wichtigste, dringendste und „kritischste“ Aufgabe einer „postanthropozentrischen“ und demnach posthumanistischen Philosophie erweisen. Ansätze hierfür gibt es viele. Einen besonders wertvollen jedoch stellen die sogenannten Poststrukturalisten und Dekonstruktivisten mit ihrem radikalen Antihumanismus dar. Dieses Buch stellt sich daher die Aufgabe, die gegenwärtige technologiegesteuerte „Posthumanisierung“ als das neuste kulturelle Symptom einer langwierigen Malaise zu analysieren, die dem Humanismus als Ideologie und als Diskurs selbst innewohnt. Um eine Kritik der scheinbar unausweichlichen Ablösung der Spezies Mensch und der damit verbundenen Euphorie oder Apokalyptik auszuführen, erscheint eine Rückverankerung von gegenwärtiger (Techno-)Kulturkritik in der antihumanistischen Theorie der 1970er und 1980er Jahre unbedingt vonnöten. Wo Propheten einer Post- oder Transhumanität das „Ende des Menschen“ proklamieren, will ein hier vertretener kritischer Posthumanismus lediglich das mögliche Ende einer bestimmten Sichtweise des Menschen, nämlich das des Humanismus untersuchen und eventuell dessen Wandel forcieren helfen. Man könnte es auch so zugespitzt formulieren: Wer den Menschen liebt, sollte sich kritisch mit seiner anthropozentrischen Ideologie auseinandersetzen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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