Perry Rhodan 43: Spur zwischen den Sternen (Silberband) - Clark Darlton - ebook

Perry Rhodan 43: Spur zwischen den Sternen (Silberband) ebook

Clark Darlton

0,0

Opis

Zu Beginn des Jahres 2437 ist die Lage für das Solare Imperium dramatisch angespannt. Zwar sind Perry Rhodan und die Besatzung der CREST IV aus der fernen Galaxis M 87 zurückgekehrt, dennoch hat sich die Bedrohung durch die gnadenlos zuschlagende Zeitpolizei nicht verringert. Die Terraner müssen ständig mit einer neuen Großoffensive der Zweitkonditionierten rechnen, den mit lebendigen Raumschiffen ausgerüsteten Kämpfern der Zeitpolizei. Auf der Spur der sogenannten Ersten Schwingungsmacht, die hinter den Zweitkonditionierten steht, dringt währenddessen Roi Danton mit der FRANCIS DRAKE in die Kleine Magellansche Wolke ein. Dort verschwanden in den letzten Monaten immer wieder terranische Raumschiffe, und dort erwartet man sich weitere Hinweise. Doch Danton und seine Begleiter geraten in die Falle einer unheimlichen Macht. Auf sie wartet ein grausiges Schicksal in Gefangenschaft: Das Los bestimmt, wer von ihnen leben darf und wer nicht. Und auf jene, die vermeintlich Glück hatten, wartet der Tod in anderer, noch schrecklicherer Form. Die unbekannten Herrscher über Magellan wollen Roi Danton und seine Begleiter zu ihren geistigen Sklaven zu machen ...

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 639

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
Oceny
0,0
0
0
0
0
0



Nr. 43

Spur zwischen den Sternen

Zu Beginn des Jahres 2437 ist die Lage für das Solare Imperium dramatisch angespannt. Zwar sind Perry Rhodan und die Besatzung der CREST IV aus der fernen Galaxis M 87 zurückgekehrt, dennoch hat sich die Bedrohung durch die gnadenlos zuschlagende Zeitpolizei nicht verringert. Die Terraner müssen ständig mit einer neuen Großoffensive der Zweitkonditionierten rechnen, den mit lebendigen Raumschiffen ausgerüsteten Kämpfern der Zeitpolizei.

Auf der Spur der so genannten Ersten Schwingungsmacht, die hinter den Zweitkonditionierten steht, dringt währenddessen Roi Danton mit der FRANCIS DRAKE in die Kleine Magellansche Wolke ein. Dort verschwanden in den letzten Monaten immer wieder terranische Raumschiffe, und dort erwartet man sich weitere Hinweise. Doch Danton und seine Begleiter geraten in die Falle einer unheimlichen Macht.

Vorwort

Mit Riesenschritten geht es auf das dramatische Ende des M 87-Zyklus zu, und ich kann mich nicht erinnern, je einen solch kompakten, von Anfang bis Ende spannenden Band der PERRY RHODAN-Buchedition zusammengestellt zu haben wie den hier vorliegenden. Ein Roman greift in den anderen, und nachträglich muss man vor der Leistung der Autoren und der damaligen Exposéredaktion unter K. H. Scheer wieder einmal den Hut ziehen – aber ganz tief. Man bekommt das Gefühl, die Autoren hätten sich wie blind verstanden und darauf eingeschworen, einen ganz besonderen Höhepunkt unseres Weltraumepos zu schaffen.

Dass es dabei dennoch zu Widersprüchlichkeiten kam, ist nur verständlich. Sie wurden beseitigt, wo es ging. Wo es nicht ganz möglich war, da sei der Leser um Großmut gebeten. Das »absolute Abenteuer« (so vor Jahren einmal der Slogan für eine PERRY RHODAN-Schwesterserie) dürfte für die wenigen kleinen verbliebenen, aber belanglosen Unstimmigkeiten entschädigen.

Die in diesem Buch enthaltenen Originalromane sind, ungeachtet nötiger Kürzungen, in Klammern die Nummern der Hefte: Planet der Ruinen (382) von William Voltz, Die phantastische Reise der FD-4 (383) von Clark Darlton, Die Welt der Unsichtbaren (384) von H. G. Ewers, Die Letzten von der FRANCIS DRAKE (385) von Hans Kneifel, Hilfe von Sol (386) von William Voltz, Spur zwischen den Sternen (387) von H. G. Ewers und Götter aus dem Kosmos (388) von Clark Darlton.

Das nächste Buch wird, wie bereits gesagt, den laufenden Zyklus dann abschließen. Ich bedanke mich bei allen, die zum Gelingen dieses Bandes beigetragen haben und bereits wertvolle Anregungen zur Buchbearbeitung des nun bald anstehenden 400er Zyklus der PERRY RHODAN-Serie geliefert haben.

Zeittafel

1971 – Perry Rhodan erreicht mit der STARDUST den Mond und trifft auf die Arkoniden Thora und Crest.

1972 – Mit Hilfe der arkonidischen Technik Aufbau der Dritten Macht und Einigung der Menschheit.

1976 – Das Geistwesen ES gewährt Perry Rhodan und seinen engsten Wegbegleitern die relative Unsterblichkeit.

1984 – Galaktische Großmächte (Springer, Aras, Arkon, Akonen) versuchen, die aufstrebende Menschheit zu unterwerfen.

2040 – Das Solare Imperium ist entstanden und stellt einen galaktischen Wirtschafts- und Machtfaktor dar. Während der weiteren Expansion Kontakte mit bislang unbekannten Zivilisationen. Nach Kämpfen und Missverständnissen Freundschaft und Verträge mit u.a. den Blues und den Posbis.

2400–2406 – Entdeckung der Transmitterstraße nach Andromeda; Abwehr von Invasionsversuchen von dort und Befreiung der Andromeda-Völker vom Terrorregime der Meister der Insel.

2435 – Mächte aus der Großen Magellanschen Wolke versuchen, OLD MAN zum Werkzeug einer Bestrafungsaktion wegen angeblicher Zeitverbrechen der Terraner zu machen.

2436

Prolog

Auf Terra und den Welten des Solaren Imperiums herrscht großes Aufatmen, als Perry Rhodan und die anderen Totgeglaubten, die mit dem solaren Flaggschiff CREST IV in die ferne Galaxis M 87 geschleudert wurden, im September 2436 in die Milchstraße zurückkehren. Die Menschen fassen neuen Mut im Kampf gegen die gnadenlos zuschlagende Zeitpolizei. Denn noch ist kein Ende der Bedrohung durch sie und die hinter ihnen stehende, geheimnisvolle »Erste Schwingungsmacht« abzusehen. Eine neue Großoffensive wird befürchtet, gegen die alle bisherigen Angriffe verblassen müssen.

Dort wo sich schon Chaos breitzumachen begann, bewirkt Rhodans Rückkehr einen spürbaren Ruck. Die Menschheit ist wieder bereit zu kämpfen. Aufgrund der in M 87 gewonnenen Erkenntnisse verspricht sich Perry Rhodan wertvollste Informationen im Abwehrringen gegen die Zweitkonditionierten von einer Expedition nach Halut, wo er sich entscheidende Hinweise auf eine ultimative Waffe gegen die Zeitpolizisten erhofft. Diese Hinweise führen ihn und seine Begleiter weiter zu uralten Stationen der Lemurer, und nach vielen Abenteuern und bestandenen Tests kann Rhodan endlich die Pläne des Kontrafeldstrahlers erbeuten. Diese Waffe wurde bereits überraschend vom Robotgiganten OLD MAN gegen die Dolan-Flotten angewendet, die in der Zwischenzeit den bisher schwersten Angriff gegen das Solsystem flogen. OLD MAN reagierte dabei auf eine Sonderschaltung seiner Erbauer.

Man beginnt damit, die Schiffe der Solaren Flotte mit der neuen Waffe auszurüsten, um der immer noch erwarteten entscheidenden Auseinandersetzung entgegensehen zu können. Dem Geheimnis der Ersten Schwingungsmacht scheinen allerdings Roi Danton und seine Freifahrer von der FRANCIS DRAKE näher zu sein, als sie der Spur der Explorerschiffe folgen, die im Laufe der letzten Monate in der Kleinen Magellanschen Wolke verschollen blieben.

Es wird eine Expedition mitten hinein in die Hölle ...

1.

12. Februar 2437

Ohne Jarq wären wir alle fünf gestorben.

Unser Ende hätte gleichzeitig das Ende aller Experimente mit Plasmasymbionten bedeutet, denn niemand hätte gewagt, die Versuchsserie nach dem Tod von fünf Männern fortzusetzen.

Aber eine solche Möglichkeit schienen die Wissenschaftler vorausgeahnt zu haben, denn sonst hätten sie uns Jarq nicht mit auf die Reise gegeben.

Von allen Besatzungsmitgliedern an Bord der FRANCIS DRAKE war Jarq das ungewöhnlichste.

Jarq war ein halbintelligenter Schlauchwurm von Ojtray; ein zwei Meter langes Riesenexemplar seiner Gattung mit drei gelben Sprungringen um den unteren Teil seines dreißig Zentimeter durchmessenden Körpers. Jarq hatte sich bereits an das faule Leben an Bord der FRANCIS DRAKE gewöhnt. Er lag in einer Ecke des Labors und schnarchte. Nur der Hunger ließ ihn ab und zu aufwachen. Dann richtete er sich auf und klopfte mit dem Kopf so lange gegen eine Wand, bis man ihm Nahrung brachte.

Ich weiß nicht, wie die Wissenschaftler jemals dahintergekommen sind, dass ein Schlauchwurm von Ojtray, dem man die normale Körperflüssigkeit entzogen und durch den blutähnlichen und biophysikalisch behandelten Extrakt der Bra-Fettpflanze ersetzt hatte, empfindlicher reagierte als jedes andere Lebewesen, bei dem ein solcher Austausch möglich war.

Bevor einer der fünf Paraplanten an Bord der FRANCIS DRAKE auch nur ahnte, dass es zu einer Krise kommen würde, zeigten sich bei Jarq bereits die ersten Anzeichen.

An diesem Tag, als die FRANCIS DRAKE von der Südseite aus in die Kleine Magellansche Wolke einflog, um nach dem Verbleib von acht verschollenen Schiffen der terranischen Explorerflotte zu forschen, rief mich Jokay Homm ins Labor. Homm war Jarqs Betreuer; eine Aufgabe, die er verfluchte, weil, wie er sagte, Jarq nur zum Fressen und Saufen am Leben war und keinerlei Ambitionen zeigte, sein bisschen Intelligenz zu benutzen, um mit Homm irgendein Spielchen zu machen. Homm war ein leidenschaftlicher Spieler. Es war ihm gleichgültig, wie hoch der Einsatz bei einem Spiel war oder woraus dieser Einsatz bestand.

»Kommen Sie ins Labor, Ontioch«, sagte Homm. »Ich muss Ihnen etwas zeigen.«

Ich war sofort alarmiert, weil ich Homm immer mit Jarq in Verbindung brachte – und Jarq war so etwas wie unser Alarmsystem.

»Was ist passiert?«, fragte ich.

»Sehen Sie sich die Sache an«, sagte Homm und unterbrach die Verbindung.

Ich starrte auf das kleine Interkomgerät über meinem Bett. Sollte ich Hinshaw oder einen der drei anderen verständigen? Besser nicht. Homm würde sie rufen, wenn es nötig war.

Ich schlüpfte in meine Pelzjacke. Einer der größten Vorteile an Bord der FRANCIS DRAKE ist, dass niemand eine Uniform zu tragen braucht. Jeder kann anziehen, was ihm gefällt. Ein terranischer Flottenoffizier nannte das einmal verächtlich »ewigen Karneval«.

Als ich durch den Antigravschacht zu den oberen Decks hinaufschwebte, überlegte ich, was Homms Pflegekind zugestoßen sein konnte. Sicher war es nicht besonders schlimm, sonst hätte Homm die Ärzte alarmiert.

Ich betrat das Labor durch den Seiteneingang, weil ich nicht durch den Hauptraum gehen und mich den Blicken der Wissenschaftler und Ärzte aussetzen wollte. Homm schien das geahnt zu haben, denn er stand hinter der Tür und packte mich sofort am Arm.

»Kommen Sie!«, sagte er ungeduldig.

Homm kam von Pharrand. Er wirkte so dünn und zerbrechlich, dass ich Angst hatte, mich an seiner Seite heftig zu bewegen. Ich bin eineinhalb Meter groß und ebenso breit und wiege drei Zentner. Ich entspreche also durchaus dem epsalischen Ideal eines schönen Mannes.

Homm dagegen war ein Scheusal. Seine hervorstehenden Augen verliehen seinem Gesicht eine unnatürliche Starre. Es war unangenehm, von seinen Spinnenfingern berührt zu werden. In mancher Hinsicht ähnelte er Jarq – und das war vielleicht der Grund, warum man ihn zum Pfleger des Schlauchwurms gemacht hatte.

»Stimmt was nicht mit Jarq?«, fragte ich beunruhigt.

»Ich weiß nicht«, gab Homm zurück. »Ich bin mir nicht sicher.«

Er stieß die Tür auf, die uns noch von Jarqs Behausung trennte. Unwillkürlich hielt ich den Atem an und wappnete mich gegen den Gestank, den einzuatmen ich jetzt nicht mehr vermeiden konnte. Wie alle Schlauchwürmer roch auch Jarq stark nach Kümmel, und wenn es einen Geruch gibt, den wir Epsaler nicht ausstehen können, dann ist es Kümmelduft.

Jarq hatte sich zusammengerollt und lag bewegungslos am Boden. Sein Schwanz mit den Springringen ragte unter seinem Körper hervor.

»Er schläft«, sagte ich erleichtert. Jarq sah aus wie sonst.

»Er schläft nicht«, sagte Homm. »Passen Sie auf!«

Er nahm eine kleine Metallklammer vom Tisch und befestigte sie an Jarqs Körper. Der Schlauchwurm hob seinen birnenförmigen Kopf und glotzte uns aus seinem Sehring an.

»Da!«, sagte Homm. »Er ist wach.«

»Kein Wunder!«, sagte ich. »Wenn man so gezwickt wird, kann man nicht schlafen.«

Homm lächelte überlegen. Er hielt es für unter seiner Würde, mit mir über einen Schlauchwurm zu diskutieren. Er ging zum Schrank, holte eine lange Nadel heraus und sterilisierte sie. Ich ahnte, was nun kommen würde. Homm umklammerte die Nadel wie ein Schwert und stach Jarq damit in jene Stelle des Körpers, wo die Klammer befestigt war.

Jarq begann zu bluten!

Ich schluckte heftig und wischte mir über die Augen.

Homm hatte die Nadel herausgezogen und blickte mich fast triumphierend an.

Nur drei oder vier Tropfen Blut quollen aus der kleinen Wunde, aber das genügte, um mich zittern zu lassen.

»Wie ist das möglich?«, fragte ich.

»Es gibt nur zwei Möglichkeiten«, sagte Homm. »Entweder ist der Schlauchwurm für solche Tests entgegen der Meinung der Wissenschaftler ungeeignet, oder der Plasmasymbiont beginnt zu sterben.«

»Aber Jarq bekam doch den Extrakt von der gleichen Pflanze wie wir«, sagte ich.

»Hm!«, machte Homm bedeutungsvoll.

Ich streckte ihm meine Hand entgegen.

»Los!«, forderte ich ihn auf. »Worauf warten Sie noch?«

»Das kann ich nicht ohne die Ärzte machen«, erklärte Homm. »Ich betreue nur den Wurm und stelle fest, ob alles mit ihm in Ordnung ist.«

Ich stieß Homm zur Seite und setzte mich auf den Tisch. Dann ergriff ich die Nadel, die Homm auf den Tisch gelegt hatte.

»Das ist gefährlich«, sagte Homm. »Das dürfen Sie nicht.«

Ich achtete nicht auf ihn, sondern rammte mir die Nadel in den Unterarm. Der Schmerz ließ mich zusammenzucken. Ich zog die Nadel heraus und starrte gebannt auf die kleine Wunde.

»Es blutet nicht«, sagte ich. »Alles in Ordnung.«

Homm sagte nichts. Er dachte ebenso wie ich daran, dass Jarq empfindlicher war als wir fünf. Also würde sein Symbiont zuerst absterben. Es konnte noch Tage dauern, bis bei uns die gleiche Reaktion einsetzte.

»Rufen Sie einen Arzt«, sagte ich.

Homm ging zum Interkom.

»Wen?«

»Am besten Gronkkor«, schlug ich vor.

»Einer der Paraplanten ist bei mir, Doc«, sagte Homm aufgeregt, nachdem die Verbindung zustandegekommen war. »Ontioch Anaheim. Der Wurm blutet, und Anaheim hat sich mit einer Nadel getestet.«

Er wandte sich wieder zu mir um.

»Gronkkor kommt sofort.«

»Ich habe mitgehört«, sagte ich. Ich blickte auf Jarq, der sich wieder zusammengerollt hatte. Sein Sehring erschien mir heller als sonst, aber das konnte auch an der Beleuchtung liegen.

Gronkkor war ein Ara, einer der wenigen Raumfahrer an Bord, die nicht terranischer Abstammung waren. Er war ein überragender Wissenschaftler und hatte wahrscheinlich mehr zur Entwicklung des Bra-Extrakts beigetragen, als man allgemein wusste.

Er kam so schnell, dass ich ihn verdächtigte, gerannt zu sein. Er trug eine enganliegende Kombination und einen tellerförmigen Hut. Sein Oberkörper war leicht nach vorn gebeugt, wodurch seine Arme noch länger wirkten, als sie ohnehin schon waren.

Ohne Homm zu beachten, kam er auf mich zu.

»Was haben Sie getan?«, fragte er. Er sah die Nadel auf dem Tisch liegen und warf mir einen wütenden Blick zu. »Sie wissen doch, dass Sie Ihre Fähigkeiten nur im Ernstfall einsetzen sollen.«

Gronkkors Erregung bestätigte mir nur, dass eine Krise im Anzug war. Vielleicht würde man uns den Bra-Extrakt wieder entziehen und ihn durch normales Blut ersetzen. Für den Ernstfall war ein solches Vorgehen geplant, obwohl niemand wusste, ob wir das überstehen konnten.

»Hat der Wurm geblutet?«, fragte Gronkkor.

Ich nickte.

Die Einstichstelle war noch immer von der Klammer markiert, und Gronkkor untersuchte sie.

»Tatsächlich«, sagte er, als könnte er uns erst jetzt Glauben schenken. »Der Wurm muss sofort ins Hauptlabor gebracht werden. Veranlassen Sie alles, Homm.«

»Was geschieht mit uns?«, fragte ich den Ara.

»Fühlen Sie sich wohl?«

In diesem Augenblick wusste ich es nicht, aber ich nickte.

»Gut«, sagte Gronkkor. »Informieren Sie die vier anderen Paraplanten von diesem Vorfall. Sobald sich einer krank fühlt, muss er sofort in die Krankenstation kommen. Aber ich glaube nicht, dass im Augenblick eine Gefahr besteht. Jarq ist schließlich dazu da, uns vor allen Schwierigkeiten zu warnen.«

»Woran kann es liegen?«, fragte ich.

Gronkkor zuckte mit den Schultern und ging wortlos hinaus. Inzwischen hatte Homm den Antigravprojektor mit den Hängegurten aufgestellt, worin man Jarq ins Hauptlabor transportieren würde.

Der Wurm schnarchte, ein sicheres Zeichen, dass er eingeschlafen war.

»Der arme Kerl«, sagte Homm und starrte Jarq mitleidig an. »Endlich hat er wieder Schlaf gefunden, und ich muss ihn wecken.«

»Vergeuden Sie Ihr Mitleid nicht an dieses Tier«, sagte ich zornig. »Denken Sie an uns. In ein paar Tagen kann es uns genauso gehen.«

Homm beachtete mich nicht. Mit einer Behutsamkeit, die ich ihm nicht zugetraut hätte, weckte er Jarq. Der Wurm schnaubte empört und musste von Homm mit sanfter Gewalt auf die Haltegurte gebracht werden. Schließlich lag er festgeschnallt da, und Homm schaltete den Antigravprojektor ein. Gefolgt von Homm schwebte Jarq aus dem kleinen Raum.

Ich suchte den Ertruser Barstow Hinshaw in seiner Kabine auf. Hinshaw war ebenso wie ich Paraplant. Ich hatte mich mit ihm während der Zeit unserer Umstellung angefreundet. Er wurde schnell munter, als ich ihm von Jarq berichtete.

»Ich glaube, dass mit uns noch alles in Ordnung ist«, sagte er.

Ich bestätigte das und gestand ihm, dass ich mich bereits einem Test unterzogen hatte.

»Aber Jarq ist uns ein paar Tage voraus«, sagte ich.

Gemeinsam informierten wir die drei anderen Paraplanten. Sie waren ebenso bestürzt wie wir, teilten aber unsere Ansicht, dass im Augenblick für uns noch keine Gefahr bestand. Man musste abwarten, wie die Untersuchung von Jarq ausfiel.

Ich traute unseren Ärzten zu, dass sie schnell herausfanden, warum Jarq blutete.

Hinshaw schaltete den Interkom ab.

»Jetzt wissen alle Bescheid«, sagte er. »Es ist bedauerlich, dass es ausgerechnet jetzt zu einer Krise kommt.«

Ich wusste, was er meinte. Die FRANCIS DRAKE näherte sich der Kleinen Magellanschen Wolke. Bereits am 16. Dezember 2436 waren wir aufgebrochen. Jeder an Bord wusste, dass Roi Danton entgegen den Ratschlägen Allan D. Mercants und Julian Tifflors zu diesem Unternehmen aufgebrochen war. Hätten beide miterlebt, wie vorsichtig Danton vorgegangen war, hätten sie sich bestimmt weniger Sorgen gemacht.

Wir waren mit der FRANCIS DRAKE zunächst in die Große Magellansche Wolke eingeflogen, und Danton hatte zu den Kommandanten der dort stationierten terranischen Schiffe Verbindung aufgenommen. Nach ausführlichen Besprechungen war Danton mit einem kleinen Beiboot aufgebrochen, um einen Hauptplaneten der Gurrads anzufliegen. Danton hatte sich dafür interessiert, warum die Gurrads im Verlauf ihres verzweifelten Kampfes gegen die Perlians niemals auf den Gedanken gekommen waren, in die sechzehntausend Lichtjahre entfernte Kleine Magellansche Wolke zu fliegen.

Die Antwort bestätigte Dantons Befürchtungen. Schon seit Jahrhunderten versuchten die Gurrads, die KMW zu erreichen. Keines ihrer Raumschiffe, die dorthin aufbrachen, war jedoch zurückgekehrt. Die Gurrads nahmen daher an, dass die Perlians auch in der benachbarten Kleingalaxis übermächtig waren.

Danton zog aus diesen Berichten eine Lehre. Im Gegensatz zu den acht verschollenen Explorer-Schiffen, näherte er sich der KMW von der unserer Heimatgalaxis abgekehrten Seite.

Ich versprach mir nicht viel von dieser Maßnahme.

Es ist gleichgültig, von welcher Seite man seine Hand in ein Feuer hält.

Man wird sie sich auf jeden Fall verbrennen.

Jarq lag auf dem Tisch und quäkte ängstlich. Da er einen äußerst biegsamen Körper besaß, war er mit zwölf Gurten festgeschnallt. Acht Männer starrten auf ihn herab. Einer dieser Männer war ich.

Homm stand im Hintergrund und litt mit seinem Schützling. Gronkkor ließ ihn nicht mehr an den Untersuchungstisch heran, weil er ein paar Mal versucht hatte, für Jarq unangenehme Untersuchungen zu verhindern.

Jetzt kam Gronkkor von einem anderen Tisch herüber, wo er eine mikroskopische Untersuchung durchgeführt hatte. Auf seiner Stirn waren Sorgenfalten zu sehen.

»Der Bra-Extrakt zeigt Zersetzungserscheinungen«, sagte er. »Es ist noch schlimmer, als ich anfangs befürchtet habe.«

Ich fühlte, wie mich die anderen anblickten. Sie sahen bereits einen vom Tod gezeichneten Mann in mir. In diesem Augenblick entschloss ich mich, den vier anderen Paraplanten die Äußerung des Aras zu verschweigen.

»Können wir den Prozess zum Stillstand bringen?«, fragte einer der Ärzte.

»Dazu müssten wir wissen, wie er ausgelöst wurde«, erwiderte Gronkkor.

»Glauben Sie, dass Jarqs Organe Antikörper gebildet haben, die den Plasmasymbionten abstoßen?«, fragte ich.

»Das ist mehr als unwahrscheinlich«, erwiderte der Ara. »Der Bra-Extrakt, den Sie ebenso wie Jarq als Ersatz für Ihr Blut im Körper haben, reguliert auch die organische Tätigkeit, einschließlich der Produktion von Antikörpern. Ich glaube nicht, dass hier ein Fall von Selbstzerstörung vorliegt.«

Er beugte sich zu Jarq hinunter und tätschelte ihn.

»Bevor er stirbt, werden wir ihm den Bra-Extrakt entziehen und Blutplasma übertragen«, entschied er. »Doch der kritische Zeitpunkt wird erst in ein paar Tagen erreicht sein, und wir sollten die Chance nutzen, die sich uns bietet.«

»Sie haben irgendeinen Verdacht?«, fragte einer von Gronkkors rumalischen Assistenten.

»Ich nehme an, dass es mit der Ernährung zusammenhängt«, sagte Gronkkor. »Wir wissen inzwischen, dass alle fünf Paraplanten ständig Frischnahrung brauchen, um den Plasmasymbionten am Leben zu erhalten. Im Gegensatz zu den anderen Männern an Bord kommen sie nicht mit Nahrungskonzentraten aus. Die Ernährung eines Paraplanten spielt also eine große Rolle. Was für die fünf Männer gilt, muss auch für Jarq Gültigkeit besitzen, denn wir gehen ja umgekehrt von derselben Voraussetzung aus.«

»Wollen Sie mir unterstellen, dass ich Jarq falsch ernähre?«

»Keineswegs«, sagte Gronkkor. »Ich befürchte nur, dass Jarqs Krankheit eine Mangelerscheinung ist, die wir mit den zur Verfügung stehenden Frischnahrungsmitteln nicht beheben können. Wir wissen nicht, was Jarq auf Ojtray alles zu sich genommen hat. Natürlich liegt uns eine Liste vor, aber wer will sagen, ob sie vollständig ist?«

Ich wandte mich ab und verließ den Untersuchungsraum. Was hätte ich auch dort noch tun sollen. Unser Dritter Offizier, Edelmann Tusin Randta, ging mir nach. Seine Anwesenheit im Labor hatte mir bewiesen, wie wichtig Roi Danton unsere Probleme nahm.

»Sorgen?«, fragte Randta.

»Was dachten Sie denn?« Ich streifte seine Hand ab, die er mir auf die Schulter gelegt hatte. »Man demonstrierte mir gerade, wie es mir in ein paar Tagen ergehen wird. Soll ich darüber lachen?«

»Ich dachte, Sie seien Optimist«, sagte Randta.

Ich antwortete nicht, sondern stürmte davon. Als ich den Antigravschacht erreichte, trat Barstow Hinshaw heraus. Er war der letzte, den ich in diesem Augenblick sehen wollte, aber es war zu spät, ihm aus dem Weg zu gehen.

»Ontioch!«, rief er. »Sie sehen aus, als wäre Ihnen ein Gespenst begegnet.«

»Ja«, sagte ich. »Jarq.«

»Ich bin zum Labor unterwegs«, sagte Hinshaw. »Was ist geschehen?«

»Nichts. Sie untersuchen ihn noch. Er hat jetzt so viele Löcher im Körper, dass er keine andere Wahl hat, als zu bluten.«

»Das hört sich aber nach Galgenhumor an.«

»Da haben Sie verdammt recht«, bekräftigte ich.

Hinshaw wirkte unentschlossen. Er ahnte, dass ihn im Labor unangenehme Nachrichten erwarteten. Trotzdem wollte er Klarheit gewinnen.

Inzwischen hatte Tusin Randta mich wieder eingeholt. Hinshaw blickte ihn misstrauisch an.

»Verheimlicht man uns etwas?«, fragte er.

Der Edelmann schüttelte den Kopf.

»Unsinn. Anaheim war die ganze Zeit über anwesend. Er weiß genau, was im Labor gesprochen wurde.«

Hinshaw wirkte nicht überzeugt. Trotzdem ging er nicht ins Labor, sondern folgte Randta und mir in die Zentrale. Man hatte uns Paraplanten weitgehend vom Dienst befreit, so dass wir uns überall im Schiff bewegen konnten und nicht innerhalb der Station bleiben mussten, in der wir arbeiteten.

Das war nicht unbedingt ein Vorzug, denn jetzt hätte den vier anderen ebenso wie mir eine ablenkende Arbeit geholfen. Ich fieberte dem ersten Einsatz entgegen, denn dann sollte sich das Plasma, das durch unsere Adern strömte, zum ersten Mal bewähren. Jetzt war es jedoch fraglich, ob es jemals dazu kommen würde.

In der Zentrale schien man nicht minder erregt zu sein als im Labor. Danton stand hinter Rasto Hims, der im Kommandosessel saß und das Schiff steuerte. Die FRANCIS DRAKE hatte ihren Linearflug unterbrochen und durchflog mit halber Lichtgeschwindigkeit die südliche Randzone der KMW.

Ich fand schnell heraus, was die Männer in der Zentrale beschäftigte. Die hochempfindliche Ortungsanlage des Schiffes hatte Hyperfunksignale aufgefangen und innerhalb weniger Sekunden den Standort des Senders angepeilt.

Der Planet oder das Raumschiff, von dem die Impulse kamen, war siebenundachtzig Lichtjahre von unserem derzeitigen Standort entfernt.

Danton wandte sich um, als er uns herankommen sah.

»Wie geht es Jarq?«, fragte der Freihändlerkönig. Er war nicht so auffallend wie sonst gekleidet.

»Ausgezeichnet, König«, sagte ich. »Er wird bald sterben.«

Danton wölbte die Augenbrauen. Er war jedoch ein Mann, der Sarkasmus verstand. Außerdem wusste er genau, wie ich das gemeint hatte.

Er wandte sich an Tusin Randta.

»Wir haben einen Sender angepeilt, Edelmann«, informierte er den Dritten Offizier. »Die Einpeilung ist mit einem Sicherheitswert von fünfundneunzig Prozent erfolgt. Wir können also sicher sein, dass wir den richtigen Standort ermittelt haben.«

»Was haben Sie jetzt vor?«, erkundigte sich Randta.

Danton wirkte sehr nachdenklich.

»Die Kleine Magellansche Wolke durchmisst zehntausend Lichtjahre«, sagte er. »Da erscheint es mir nicht wie ein Zufall, wenn wir kurz nach unserer Ankunft in der Randzone schon Funksignale empfangen.«

»Sie glauben, dass man uns in eine Falle locken will?«, fragte Hims.

»Ich weiß es nicht«, gestand Danton. »Wenn es in dieser Kleingalaxis eine Macht gibt, die acht unserer Explorer-Schiffe ausschalten konnte, dann wird sie sich nicht eines so plumpen Tricks bedienen und Schiffe mit Hyperfunksignalen in eine Falle locken. Vielleicht bedeuten diese Signale eine Warnung oder Hilferufe.«

Danton trug die Verantwortung für uns alle. Von seiner Entscheidung konnte es abhängen, ob wir jemals wieder in die heimatliche Galaxis zurückkehren konnten.

»Was halten Sie davon?«, flüsterte mir Barstow Hinshaw zu.

Ich blickte ihn an. Seine Kleidung bestand aus einer Phantasieuniform. In unseren Adern kreiste dieselbe Flüssigkeit: ein chemisch und biophysikalisch behandelter Extrakt der Bra-Fettpflanzen. Unsere Körper waren mit dieser Substanz eine Art Symbiose eingegangen. Der Bra-Extrakt befähigte uns, entstandene Wunden sofort zu schließen, unseren Blutdruck zu regulieren, eingedrungene Bakterien zu vernichten und den Ausfall eines Organs so lange zu überleben, bis man es ersetzt hat. Die Wissenschaftler behaupteten, dass wir durch Gewaltanwendung kaum zu töten waren. Den Alterungsprozess unserer Zellen vermochte der Plasmasymbiont allerdings nicht aufzuhalten.

Der einzige Nachteil unseres neuen Blutes war, dass wir einen großen Bedarf an frischer Nahrung hatten. In den Kühlräumen der FRANCIS DRAKE hatte man für uns und Jarq entsprechende Vorräte angelegt. Dass diese Bestände eine Lücke aufwiesen, bewies der Zustand des Schlauchwurms von Ojtray.

Ich war nicht besonders unglücklich über die Tatsache, dass unsere Funker diese geheimnisvollen Signale angepeilt hatten. Sie versprachen Abwechslung und Ablenkung. Vielleicht würden wir Paraplanten jetzt bald den ersten Einsatz erleben.

Natürlich hatten wir zu diesem Zeitpunkt alle fünf schon an zahlreichen gefährlichen Kommandos teilgenommen – aber noch nie mit Bra-Extrakt in den Adern. Wir brannten darauf, endlich zu erfahren, ob wir uns wirklich zu Übermenschen entwickelt hatten, die keinen Gegner zu fürchten brauchten.

Zahlreiche Labortests schienen den Wissenschaftlern recht zu geben, aber es waren zwei verschiedene Dinge, ob man in einem Labor mit aller Vorsicht getestet wurde oder einen Kampf auf Leben und Tod zu bestehen hatte.

»Ontioch!«, raunte Hinshaw. »Sie schlafen mit offenen Augen.«

Ich entschuldigte mich und wandte meine Aufmerksamkeit wieder den Geschehnissen in der Zentrale zu.

Danton unterhielt sich leise mit Hims. Ich ahnte, dass der König eine Entscheidung getroffen hatte. Wer Danton kannte, brauchte kein Hellseher zu sein, um zu erraten, wie sie ausgefallen war.

Die nächsten Worte Dantons bestätigten meine Vermutung.

»Wir gehen wieder in Linearflug über«, sagte er. »Wir werden uns diesen Sender aus der Nähe ansehen, sofern das überhaupt möglich ist.«

»Was halten Sie davon?«, fragte mich Hinshaw abermals.

»Acht Explorer-Schiffe gingen in der Kleinen Magellanschen Wolke verloren«, erinnerte ich ihn. »Obwohl die FRANCIS DRAKE eine fliegende Festung ist, befürchte ich, dass wir in Schwierigkeiten kommen werden.«

Hinshaw verzog das Gesicht. »Wir fünf auf jeden Fall«, meinte er.

Die FRANCIS DRAKE verließ den Linearraum nahe einer gelben Sonne vom G-Typ. Vier Planeten umkreisten den fremden Stern. Der innere Planet war eine glutheiße Wüstenwelt. Die beiden äußeren Welten besaßen eine giftige Atmosphäre. Wie fast immer bei solchen Normalsystemen entsprach nur die mittlere Welt unseren Vorstellungen. Danton nannte den zweiten Planeten Sherrano; das Sonnensystem taufte er Anchorage-System.

Ich wusste, dass sich die ersten Untersuchungen über Stunden erstrecken würden. Rasto Hims flog nur sehr langsam ins Anchorage-System ein. Die ersten Sonden wurden ausgeschickt. Die Fernortung lief.

Ein ganzer Tag konnte vergehen, bis Danton den Befehl zu einer Umkreisung des Planeten geben würde.

Da ich in der Zentrale zur Rolle des Zuschauers verurteilt war, begab ich mich ins Labor, um nach Jarq zu sehen. Wie ich fast erwartet hatte, war ein anderer Paraplant dort bereits eingetroffen: Barstow Hinshaw.

Man hatte den Schlauchwurm losgeschnallt und ihm eine Ecke im Labor eingerichtet. Homm war bei ihm geblieben, weil er das einzige lebende Wesen an Bord war, zu dem der Wurm Vertrauen zu besitzen schien.

»Er schläft nicht mehr«, begrüßte mich Homm. »Außerdem frisst er weniger als sonst.«

Meine Blicke trafen die Hinshaws. Ich sah Sorge in seinen Augen.

Außer Homm und Hinshaw hielt sich noch einer von Gronkkors Assistenten im Raum auf. Seinen eigenen Worten nach passte er im Auftrag Gronkkors auf, dass Homm Jarq nicht totfütterte.

»Gronkkor macht noch immer Versuche«, erklärte Homm. »Er will herausfinden, was dem Wurm fehlt, um euch helfen zu können, wenn die Zeit gekommen ist.«

Ich ging hinüber ins Hauptlabor. Ich fand Gronkkor zwischen verschiedenartigen Behältern und geheimnisvoll aussehenden Geräten. Er blickte über die Schulter, als er mich kommen hörte.

»Haben Sie schon etwas gefunden, Doc?«, fragte ich.

»Ich kann nicht zaubern«, sagte er unfreundlich. Er kippte eine blaufarbene Flüssigkeit aus einem Schälchen in eine Röhre und erhitzte sie. Die Flüssigkeit verdampfte. Mit einem kaum sichtbaren Draht kratzte Gronkkor die Rückstände vom Innenrand der schmalen Röhre.

»Wir sind in ein fremdes Sonnensystem eingeflogen«, sagte ich.

Er stellte die Röhre ab. Langsam drehte er sich herum.

»Ich weiß«, sagte er. »Warum erzählen Sie mir das?«

Ich biss mir auf die Unterlippe, weil ich ahnte, dass er mich durchschaut hatte. Trotzdem musste ich mit ihm sprechen.

»Sie wissen, dass wir erprobt werden sollen«, sagte ich. »Meine Freunde und ich müssen in einen Einsatz, damit sich zeigt, ob wir so gut sind, wie behauptet wird.«

»Ich verstehe«, sagte Gronkkor. »Sie glauben, dass Sie jetzt bald Gelegenheit erhalten werden, an einem Einsatz teilzunehmen.«

Ich nickte.

»Geben Sie sich keinen Illusionen hin, Anaheim«, warnte er mich. »Ich werde nicht zulassen, dass Sie oder einer der anderen Paraplanten sich an einem Einsatz beteiligen, solange wir nicht wissen, was mit Jarq los ist.«

Das hatte ich befürchtet. Ich war nicht in der Lage, Gronkkor umzustimmen. Nur Danton oder einer seiner drei Stellvertreter konnte sich über Gronkkors Wünsche hinwegsetzen.

»Die Voruntersuchungen werden ein paar Stunden in Anspruch nehmen«, sagte ich. »Es wird lange dauern, bevor Danton eine Space-Jet ausschleusen lässt. Ich hoffe, dass Sie das Rätsel bis dahin gelöst haben, Doc.«

»Jarqs Krankheit ist kein Rätsel mehr«, erwiderte Gronkkor. »Wie ich vermutet habe, handelt es sich um eine Mangelerscheinung. Dem Bra-Extrakt fehlt irgendeine Substanz, die er zum Leben braucht. Wahrscheinlich werden wir nie herausfinden, was Jarq fehlt. Nehmen wir jedoch einmal an, dass wir das Glück hätten, die fehlende Substanz zu bestimmen. Wie wollen wir sie dann beschaffen? Gewiss, es könnte uns gelingen, sie synthetisch herzustellen, doch dann wissen wir immer noch nicht, ob wir damit die gleiche Wirkung wie mit einem natürlichen Produkt erzielen.«

Das war eindeutig. Theoretisch bestand eine Chance, Jarq (und damit uns) zu retten, aber der Weg dorthin war weit, und bis Gronkkor an seinem Ende angelangt war, konnten wir alle tot sein.

»Worauf warten Sie noch, Doc?«, fragte ich. »Bereiten Sie alles für einen Blutaustausch vor. Lieber lebe ich als gesunder Epsaler weiter, bevor ich als Übermensch sterbe.«

Gronkkor schüttelte den Kopf.

»Dieser Austausch wäre ein Risiko«, sagte er. »Wir wissen nicht, wie Ihr Körper reagiert, wenn wir ihm den Paraplanten entziehen, nachdem er ihn akzeptiert hat. Man soll eine einmal eingegangene Symbiose nicht gewaltsam lösen.«

»Wollen Sie uns sterben lassen?«

Er schob seinen tellerförmigen Hut in den Nacken; den Hut trug er selbst hier im Labor und ging offenbar sogar mit ihm schlafen.

»Abgesehen davon, dass Sie mich aufhalten, reden Sie nur Unsinn«, sagte er barsch. »Es besteht kein Grund zur Panik. Weder Ihnen noch einem Ihrer vier Freunde geht es schlecht.«

Das war ein deutlicher Hinauswurf. Ich senkte den Kopf und verließ das Hauptlabor. Im Nebenraum war es Homm inzwischen gelungen, mit Hinshaw und dem Rumaler ein Würfelspiel anzufangen. Jarq hatte den Kopf aufgerichtet und starrte die drei Spieler an, als ginge ihm ihr Gebaren auf die Nerven.

Der Schlauchwurm lag in der Ecke, ohne sich zu bewegen. Wie hatte Homm doch gesagt? Solange er nicht schnarcht, schläft er nicht. Jarq war also wach. Welche Gefühle beschäftigten sein primitives Gehirn? Wusste er, dass er gefährlich krank war?

Ich ging schweigend hinaus. Hinshaw folgte mir.

Wir gingen in einen Aufenthaltsraum. Hinshaw vertiefte sich in ein Buch und hörte Musik. Ich versuchte, mich auf einen Film zu konzentrieren, aber meine Gedanken eilten immer wieder zu Gronkkor, der einen verzweifelten Kampf gegen die Zeit zu bestehen hatte und jetzt schon wusste, dass er nicht siegen konnte. Ich sah mich schon auf einem Tisch in der Krankenstation liegen, in jeder Armvene eine Kanüle. Man würde mir den Bra-Extrakt aus dem Körper ziehen und dafür epsalisches Blut übertragen.

Ein paar Stunden irrte ich danach ziellos durch das Schiff. Niemand sprach mich an oder hielt mich auf. Jeder kannte mich. Hinter vorgehaltenen Händen flüsterten sich die Besatzungsmitglieder zu: »Da geht Ontioch Anaheim, der Paraplant. Ein Mann, der wahrscheinlich nicht mehr lange leben wird.«

Zwischendurch begab ich mich in meine Kabine und versuchte zu schlafen. Dort war ich jedoch meinen Gedanken noch mehr ausgesetzt.

Um Ablenkung zu finden, ging ich in die Zentrale.

Die Untersuchung von Sherrano hatte entscheidende Fortschritte gemacht.

Auf Sherrano hatte es einmal eine Zivilisation gegeben. Die Fernaufnahmen zeigten die Trümmer großer Städte. Fast die gesamte Oberfläche war von Ruinen bedeckt.

Ich ließ mir ein paar Aufnahmen zeigen.

»Vermutlich hat dort unten vor langer Zeit ein Atomkrieg stattgefunden«, sagte Kamon Rosh, der Zweite Offizier, der sich über meine Schulter beugte. Wie immer trug er zerlumpt aussehende Kleider. Im Aussehen ähnelte er Jokay Homm, er besaß sogar die hervorstehenden Augen des Pflegers.

Riesige Krater, die überall auf den Bildern zu erkennen waren, schienen seine Ansicht zu bestätigen.

»Überall nur Ruinen«, sagte ich nachdenklich. »Wo soll die Hyperfunkstation sein, deren Impulse wir empfangen haben?«

»Das fragt Danton sich auch«, erwiderte Rosh. »Inzwischen steht fest, dass die Funksprüche von Sherrano kamen.«

»Was wird der König tun?«

Rosh blickte mich bedeutungsvoll an.

»Sie kennen ihn«, sagte er. »Sobald alle Sonden zurückgekehrt sind, wird er den Befehl für eine Umkreisung des zweiten Planeten geben. Dann wird alles Schlag auf Schlag gehen. Wir werden zunächst eine unbemannte und später eine bemannte Space-Jet ausschleusen. Dann werden wir nachsehen, ob auf Sherrano noch jemand am Leben ist.«

2.

Roi Danton gab seine Befehle. Wenn auch die Disziplin an Bord eines Freihändlerschiffs nicht so streng war wie etwa an Bord eines Schiffes der Solaren Flotte, so gab es doch kein Manöver, das wir nicht mit derselben Schnelligkeit ausgeführt hätten wie die Männer der Flotte.

Es war noch keine Minute nach Dantons Befehl verstrichen, als auf den Bildschirmen bereits eine Space-Jet auftauchte, die Kurs auf Sherrano nahm. Das diskusförmige Schiff tauchte in die Atmosphäre ein und setzte zur Landung an.

Nichts geschah. Keine unterirdischen Forts öffneten ihre Pforten, um die Space-Jet zu beschießen, und keine fremden Wesen wurden sichtbar, die sich neugierig näherten.

Die Ortungsgeräte des ausgeschleusten Schiffes liefen an. Die ermittelten Werte wurden über Funk zur FRANCIS DRAKE gesendet.

Drei Stunden später zweifelte niemand mehr an Bord der FRANCIS DRAKE daran, dass man um einen Planeten kreiste, auf dessen Oberfläche keine Gefahr zu befürchten war.

Trotzdem ging Danton kein unnötiges Risiko ein. Obwohl Hims darauf brannte, mit der FRANCIS DRAKE auf Sherrano zu landen, entschied Danton sich dagegen.

»Wir werden jetzt eine bemannte Space-Jet ausschleusen«, sagte er. »Tusin Randta und ich werden an Bord gehen, ebenso die Paraplanten Anaheim und Hinshaw, die auf eine solche Gelegenheit sicher schon warten.«

Wie nicht anders zu erwarten, erhob einer von Gronkkors Assistenten, der zu diesem Zeitpunkt in der Zentrale weilte, entschiedenen Protest.

»Gronkkor möchte nicht, dass die Paraplanten das Schiff verlassen, solange Jarq krank ist«, sagte der Rumaler. »Das Risiko ist zu groß.«

Danton überlegte einen Augenblick, dann setzte er sich mit dem Hauptlabor in Verbindung. Ich sah unsere Chance schwinden, als er Gronkkor in die Zentrale rief. Der Ara schien zu ahnen, weshalb man ihn brauchte, denn er erschien schon wenige Augenblicke später.

»Ich will Anaheim und Hinshaw mit nach Sherrano nehmen«, begann Danton ohne Umschweife. »Ihr Assistent sagte mir, dass Sie nicht damit einverstanden sind.«

»Nein«, sagte Gronkkor. »Jarq ist krank. Sein Plasmasymbiont zeigt Zersetzungserscheinungen. Wir müssen damit rechnen, dass sich bei den fünf Paraplanten bald ähnliche Symptome zeigen. Dann müssen diese Männer sofort behandelt werden. Das können wir aber nicht, wenn sie mit Ihnen auf diesem Planeten umherstreifen.«

»Wir könnten sie in kürzester Zeit zurückbringen«, sagte Tusin Randta.

»Jede Sekunde kann in einem solchen Fall kostbar sein«, sagte Gronkkor unnachgiebig.

Danton erhob sich.

»Wenn ich Ihre bisher eingegangenen Berichte richtig verstanden habe, handelt es sich um eine Mangelkrankheit«, stellte er fest.

»Ja«, stimmte Gronkkor zu.

»Wie sind die Aussichten, dass Jarq geheilt wird?«

Gronkkor blickte zögernd in unsere Richtung.

»Sprechen Sie!«, forderte Danton. »Diese fünf Männer braucht man nicht mit Samthandschuhen anzufassen.«

»Die Heilungsaussichten sind gering. Man könnte auch sagen, sie bestehen überhaupt nicht«, sagte Gronkkor. »Ich habe Anaheim bereits erklärt, wie schwierig es ist, die Substanz zu finden, die Jarq fehlt. Noch schwieriger dürfte es sein, sie zu beschaffen, wenn wir sie erst einmal kennen.«

»Also ein unlösbares Problem«, erkannte Danton.

Gronkkor schwieg.

»Unter diesen Umständen sehe ich kein Risiko darin, wenn Anaheim und Hinshaw den Dritten Offizier und mich begleiten«, sagte Danton. »Aber ich werde auch Jarq mitnehmen. Vielleicht findet er auf Sherrano das, was ihm fehlt.«

Gronkkors Gesicht hellte sich auf.

»An eine solche Möglichkeit habe ich noch nicht gedacht, König«, gab er zu. »Wenn Jarq sich auf Sherrano frei bewegen kann, sucht er sich vielleicht das, was seinem Bra-Extrakt fehlt. Aber wenn Sie Jarq mitnehmen, können Sie auf Jokay Homm nicht verzichten. Er kann am besten mit dem Wurm umgehen.«

So kam es, dass die ursprünglich vier Mann umfassende Besatzung der Space-Jet um einen pharrandanischen Spieler und einen Schlauchwurm von Ojtray erweitert wurde. Darüber waren weder Hinshaw noch ich sehr begeistert. Da Homm und Jarq jedoch unser Dabeisein garantierten, nahmen wir ihre Begleitung widerspruchslos hin.

Jokay Homm begann zu lamentieren, als man ihm eröffnete, dass er und Jarq dazu ausersehen waren, uns zu begleiten.

»Das wird Jarq nicht überleben«, sagte er. »Das kann man ihm nicht zumuten.«

Ich hatte Homm in Verdacht, dass er sich mehr Sorgen um seine eigene Sicherheit als um die Jarqs machte.

»Wir werden längere Zeit Kümmelgestank einatmen«, prophezeite Barstow Hinshaw düster.

Ich konnte ihm nicht widersprechen. Vorläufig war es jedoch noch nicht soweit. Zunächst ging es darum, Jarq in die Space-Jet zu schaffen. Homm machte aus diesem Transport einen Kult, bei dem er der Hohepriester war. Jeden Meter des zurückgelegten Weges begleitete er mit Beschwörungen und Verwünschungen, die an die Männer gerichtet waren, die Jarq transportierten. Obwohl Jarq ein paar Mal einschlief und zu schnarchen begann, unterstellte uns Homm, dass wir das arme Tier quälten und es in den Tod trieben.

Jarq roch noch intensiver als sonst. Ich sehnte mich nach frischer Luft. Ich hätte den Helm meines Kampfanzugs schließen können, doch dazu bestand jetzt noch kein Grund, jedenfalls keiner, den Danton akzeptiert hätte.

Tusin Randta fungierte als Pilot. Danton überwachte die Ortungsgeräte. Wir verließen den Hangar, drangen unangefochten in die Atmosphäre ein und landeten etwa hundert Meter von jener Stelle entfernt, wo die automatisch gesteuerte Space-Jet aufgesetzt hatte. Dreihundert Meter von hier entfernt lag eine Ruinenstadt. Das freie Land war hügelig und von verschiedenartigen Pflanzen bewachsen. Nur in der Nähe der riesigen Krater war der Boden wie glasiert. Vierzig Kilometer weiter nördlich lag ein kleines Meer.

Die Atmosphäre des Planeten war atembar. Danton hatte jedoch befohlen, dass wir uns nach dem Aussteigen mit geschlossenen Helmen und einsatzbereiten Kampfanzügen bewegen sollten. Er wollte kein Risiko eingehen.

Eine halbe Stunde nach der Landung hielten wir uns noch immer im Innern der Space-Jet auf und beobachteten. Draußen blieb alles ruhig. Außer einigen farbigen Insekten, die vorbeiflogen oder über den Boden krochen, waren keine Lebewesen zu sehen. Auch die Ortungsgeräte zeigten nichts Verdächtiges an.

Danton erhob sich von seinem Platz und winkte Homm zu.

»Wir schicken jetzt Jarq hinaus«, sagte er.

»Warum ausgerechnet Jarq?«, protestierte Homm. »Der arme Bursche wird sich dort draußen allein nicht zurechtfinden.«

»Dann«, sagte Danton ungerührt, »werden Sie ihn begleiten.«

Homms Schultern wurden schlaff. Er ging in die Ecke, wo Jarq lag, und redete dem Wurm zu. Jarq erwachte mit einem explosionsartigen Schnarchlaut und richtete den Kopf auf. Homm tätschelte ihn.

»Wir steigen aus, Jarq«, sagte er.

Der Wurm sank wieder in sich zusammen und wäre eingeschlafen, wenn Danton ihm keinen Tritt versetzt hätte.

»Wenn Sie ihn nicht veranlassen können, die Space-Jet freiwillig zu verlassen, tragen wir ihn hinaus«, sagte der Freihändlerkönig.

Homm zwickte Jarq hinter dem Kopf, worauf der Wurm sich aufrichtete und wie verrückt herumzuhüpfen begann. Danton ließ die Schleuse aufgleiten und Jarq torkelte ins Freie. Homm verschloss seinen Helm und stürmte seinem Schützling nach. Kaum war er im Freien, hüpfte Jarq mit weiten Sätzen davon. Homm rannte hinter ihm her und stieß pausenlos Drohungen aus.

»Wir dürfen nicht zulassen, dass sie sich zu weit entfernen«, sagte Danton. »Randta, Sie bleiben bei der Jet zurück. Die beiden Paraplanten und ich folgen Homm und dem Wurm.«

Ich sah Randta an, dass er uns gern begleitet hätte, aber einer musste schließlich beim Schiff zurückbleiben.

Wir stiegen aus. Ich hatte die Ruinen der Stadt schon auf den Bildschirmen und durch die Kuppel der Space-Jet beobachtet. Es handelte sich um die Überreste von hohen Gebäuden, die zum größten Teil eine runde Grundfläche besaßen.

Jarq hatte inzwischen die Richtung gewechselt und hüpfte wieder auf die Space-Jet zu. Homm, des Rennens müde, hatte seinen Flugprojektor eingeschaltet. Er flog über Jarq und machte rudernde Bewegungen mit den Armen. Im Helmempfänger hörten wir ihn schreien.

»Homm!«, rief Danton. »Können Sie diesen Wurm irgendwie zur Vernunft bringen?«

»Sobald ich ihn habe«, versprach Homm.

»Wenn Sie mit ihm nicht klarkommen, müssen wir ihn paralysieren«, sagte Danton.

Diese Drohung spornte Homm an. Er ließ sich auf Jarq herabsinken und umklammerte ihn. Der Wurm machte trotz der schweren Last noch ein paar Sprünge, bevor er zu Boden sank.

Wir gingen zu der Stelle, wo Homm und Jarq sich über den Boden wälzten. Endlich bekam der Pharrandaner jene Stelle hinter Jarqs Kopf zu fassen, wo sich die Hauptnervenbahnen vereinigten. Mit ein paar geübten Griffen brachte Homm seinen Schützling zur Vernunft. Jarq grunzte und richtete sich auf, aber er machte keinen Fluchtversuch mehr.

»Haben Sie ihn unter Kontrolle?«, fragte Danton.

Homm schnaubte angestrengt.

»Ja, König.«

Ich war von Jarq enttäuscht. Ich hatte erwartet, dass er sofort damit beginnen würde, ein paar der hier wachsenden Pflanzen zu verschlingen. Wir hätten dann Proben mitnehmen und Gronkkor zur Untersuchung übergeben können. Der Schlauchwurm von Ojtray zeigte jedoch kein Interesse an den Gewächsen dieses Planeten.

Danton deutete in Richtung der Trümmer.

»Wir gehen jetzt in die Stadt und sehen uns um«, sagte er. »Wir bleiben zusammen. Sollten wir wider Erwarten angegriffen werden, alarmiert jeder von uns Randta, damit auf jeden Fall ein Alarmruf durchkommt.«

Er blickte auf das tragbare Peilgerät. Die Nadel zeigte nichts an.

»Auf jeden Fall gibt es hier keine funktionierenden Energiestationen«, stellte er fest.

Die ehemalige Stadt, der wir uns näherten, bedeckte eine Fläche von etwa fünfzig Quadratkilometern. Auf Sherrano war es durchschnittlich vierzehn Stunden hell. Wir hatten die Space-Jet am späten Morgen verlassen, konnten also das Tageslicht noch ungefähr sieben Stunden ausnutzen. Es würde uns schwerfallen, die gesamte Stadt abzusuchen, zumal wir aus Rücksichtnahme auf Jarq unsere Flugprojektoren nur dann benutzen wollten, wenn uns Hindernisse den Weg versperrten.

Ich bezweifelte, dass wir auf Sherrano Hinweise auf die acht verschollenen Explorer-Schiffe fanden. Damit rechnete Danton wahrscheinlich auch nicht. Er wollte herausfinden, wer in der KMW herrschte. Es sah jedoch nicht so aus, als sollten wir schon auf Sherrano Bekanntschaft mit jenen Unbekannten machen.

Wir erreichten die ersten Gebäude und untersuchten das Baumaterial. Die Wesen, die in jener Stadt gelebt hatten, waren praktische Architekten gewesen. Sie hatten Fertigbauteile benutzt. Das Bindemittel hatte sich während der Vernichtung der Stadt offenbar völlig aufgelöst.

Die Gebäude waren nicht unterkellert. Man hatte sie freitragend gebaut. Jene Kräfte, die die Stadt vernichteten, hatten aus diesem Grund noch verheerender gewirkt. Es gab nur wenige Gebäude, deren unterer Teil noch erhalten war.

»Viel werden wir hier nicht finden«, meinte Hinshaw enttäuscht.

Danton hob den Arm.

»Dort drüben steht ein Gebäude, das noch verhältnismäßig gut erhalten ist«, sagte er. »Sehen wir uns dort um.«

Wir kletterten über die Trümmer hinweg. Die Straßen waren kaum noch als solche zu erkennen. Der Tod musste die Einwohner dieser Stadt unerwartet getroffen haben. Ab und zu sah ich ein paar knochenähnliche Überreste zwischen den Trümmern. Sie zerfielen zu Staub, wenn man sie berührte. Ich schloss daraus, dass diese Zivilisation schon sehr lange aufgehört hatte zu existieren.

Wir erreichten das zerstörte Haus, auf das uns Danton aufmerksam gemacht hatte. Es hatte an einer günstigen Stelle gestanden und war nur zur Hälfte in sich zusammengefallen.

»Wir müssen den Eingang freilegen«, sagte Homm.

»Nein«, sagte Danton. »Anaheim und ich fliegen nach oben und dringen durch ein Fenster ein. Sie und Hinshaw warten hier und beobachten die Umgebung.«

Die beiden Männer und Jarq postierten sich vor dem Eingang. Der Schlauchwurm benahm sich jetzt sehr manierlich.

Ich schaltete meinen Flugprojektor ein und glitt an Dantons Seite in die Höhe. Das Fenster, durch das wir eindrangen, war eingestürzt, und ich hatte Mühe, mich hindurchzuzwängen.

Danton ließ seinen Scheinwerfer aufleuchten, denn im Innern des Raumes, den wir betreten hatten, herrschte Halbdunkel. Der Boden war von Staub und Trümmerstücken bedeckt. Die Wände waren zum Teil eingestürzt. Wir fanden ein paar Überreste der Einrichtung: verbogene Metallleisten und von der Hitze verformtes Glas. Wenn es hier Stoffe und Holz gegeben hatte, waren sie verbrannt oder im Laufe der Jahre verfallen. Danton sammelte alle Metallreste ein und bewahrte sie in seiner Tragtasche auf.

Wir gingen in einen anderen Raum hinüber. Dort fanden wir einen fast vollständig erhaltenen Metallbehälter. Danton benutzte seinen Impulsstrahler, um ihn aufzubrennen. Der Behälter war jedoch leer.

»Wir werden nicht mehr viel finden«, sagte ich. »Es ist wahrscheinlich schon ein paar Jahrhunderte her, dass diese Stadt starb.«

Danton nickte zustimmend. Er leuchtete alle Ecken ab.

»Ich habe ein eigenartiges Gefühl«, sagte er. »Ich glaube, dass es hier noch Überlebende gibt.«

Ich starrte ihn an, und er bemerkte meinen ungläubigen Blick.

»Wahrscheinlich lasse ich mich von Gefühlen täuschen«, fügte er hinzu. »Es kann aber auch sein, dass ich die gleiche Fähigkeit wie mein Vater habe, der in solchen Situationen ein untrügliches Gefühl für die Wahrheit besitzt.«

»Ich kenne Ihren Vater nicht«, sagte ich.

»Er lebt nicht mehr«, sagte er hastig. Dieses Thema schien ihm unangenehm zu sein. Ich registrierte, dass er, als er seinen Vater erwähnte, die Gegenwartsform benutzte, dann aber behauptete, dass dieser tot wäre.

Wir durchsuchten alle Räume, in die wir eindringen konnten. Das Resultat war überall dasselbe.

Danton bereicherte seine Sammlung ausgeglühter Metallbrocken um ein paar weitere Stücke.

»Wir könnten uns eine Etage weiter unten umsehen«, schlug ich vor.

»Dort sieht es wahrscheinlich ebenso aus wie hier«, meinte Danton. »Das hier war ein Wohngebäude. Vielleicht haben wir Glück und entdecken im Zentrum der Stadt noch ein gut erhaltenes Verwaltungsgebäude – wenn es auf Sherrano etwas Ähnliches jemals gegeben hat.«

»König!«, explodierte Hinshaws Stimme in unseren Empfängern.

»Ja?«, fragte Danton sofort.

»Wir bekommen Besuch«, sagte Hinshaw.

Danton gab mir einen Wink und wir rannten ans Fenster.

Etwa zehn Meter unter uns standen Hinshaw und Homm. Jarq hatte sich ein paar Meter entfernt und kauerte zwischen den Trümmern.

Vor einer Ruine auf der anderen Seite der verschütteten Straße standen drei seltsam aussehende Wesen. Sie waren nur knapp eineinhalb Meter groß und unglaublich dürr; ihrer Statur nach konnte man sie jedoch als humanoid bezeichnen. Sie trugen aus Pflanzenfasern geflochtene Röcke. Die Röcke waren mit einem Träger an der Schulter befestigt. Auch die Sandalen der Fremden bestanden aus Pflanzen. Jedes der drei Wesen trug eine Steinschleuder aus Lederstreifen und ein langes Metallmesser.

Das hervorstechendste Merkmal der Fremden waren ihre großen, beweglichen Tellerohren und ihre Münder, die, wenn sie sie nach vorn stülpten, wie Rüsselansätze aussahen. Die grünen Augen der Unbekannten reflektierten das Licht. Ihre Körper waren vollkommen haarlos, die Haut braun und faltig.

Sie starrten zu den beiden Männern und Jarq herüber. Sie schienen genauso erschrocken zu sein wie wir.

»Wir blicken über Ihnen aus dem Fenster, Barstow!«, sagte Danton. »Versuchen Sie, mit den drei Burschen Kontakt aufzunehmen.«

Hinshaw hob einen Arm. Diese Bewegung hatte zur Folge, dass die Fremden zusammenzuckten und fluchtartig in der Ruine verschwanden, aus der sie vor wenigen Augenblicken anscheinend gekommen waren.

»Sie fliehen«, sagte Hinshaw enttäuscht.

Danton kletterte auf die Fensterbank und ließ sich in die Tiefe gleiten. Ich folgte ihm.

»Sie sind sehr scheu«, sagte Homm.

»Glauben Sie, dass es Nachkommen der Stadtbewohner sind?«, fragte ich.

»Vermutlich«, gab Danton zurück. »Es kann sich aber auch um Angehörige eines Volkes handeln, das früher außerhalb der Städte lebte.«

Ich blickte über die Ruinen. Nirgends zeigte sich eine Bewegung.

»Sie haben sich versteckt«, sagte Danton. »Wir müssen ihr Misstrauen überwinden und uns mit ihnen verständigen. Vielleicht können wir von ihnen erfahren, wieso es auf Sherrano nur noch Trümmer gibt und wo der Hypersender steht.«

»Ich glaube, sie sind Jarqs wegen erschrocken«, meinte Homm.

Ich verkniff mir die Bemerkung, dass sein Aussehen viel eher dazu beitragen konnte, einen Fremden zu verjagen.

»Wir gehen ihnen vorsichtig nach«, entschied Danton. »Es soll nicht so aussehen, als wollten wir Jagd auf sie machen.«

Wir näherten uns der Ruine, in der die drei Wesen verschwunden waren. Ich lauschte gespannt, aber obwohl der Helm eine Anlage besaß, die alle Geräusche von außerhalb verstärkte, konnte ich nichts hören. Die Unbekannten hatten wahrscheinlich gelernt, sich lautlos zwischen den zerfallenen Gebäuden zu bewegen.

»Wir haben einen positronischen Translator an Bord der Space-Jet«, sagte Danton. »Barstow, Sie fliegen zurück und holen das Gerät. Ich nehme an, dass wir es brauchen. Wir bleiben hier in der Nähe.«

Hinshaw hob sich vom Boden ab und flog davon.

Ein Stein kam aus den Ruinen geflogen und traf Homm an der Brust. Da er einen Kampfanzug trug, machte ihm der Treffer kaum etwas aus.

»Sie schleudern Steine nach uns«, sagte Danton. Er machte ein paar Armbewegungen in jene Richtung, aus der der Stein gekommen war, um unsere friedlichen Absichten zu bekunden. Die Antwort bestand in einem Geschosshagel, der auf uns niederging, ohne den geringsten Schaden anzurichten. Nur Jarq erhielt einen Stein gegen den Sehring und quäkte herausfordernd.

»Es ist sinnlos, wenn wir alle ihnen folgen«, sagte Danton. »Das wird sie immer wieder zu Kampfhandlungen veranlassen.«

»Ich folge ihnen«, erbot ich mich.

Danton war einverstanden. Er würde mir nachgehen, sobald Hinshaw mit dem Translator eintraf.

Mit gemischten Gefühlen machte ich mich an die Verfolgung der Eingeborenen. Die drei, die wir gesehen hatten, konnten uns zwar nicht gefährlich werden, aber wer wollte wissen, ob nicht einige hundert von ihnen zwischen den Trümmern kauerten und auf eine Gelegenheit warteten, uns zu überwältigen. Außerdem bestand die Gefahr, dass sie Fallen aufgestellt hatten.

Ich bewegte mich sehr langsam und ließ die eingestürzten Gebäude nicht aus den Augen. Wahrscheinlich waren die Fremden nicht dort, wo ich sie mit meinen Blicken suchte. Ich kletterte über eine breite Mauer und befand mich in einer Art Vorhof eines der größten Gebäude in der Umgebung. Fast überall wuchsen Pflanzen zwischen den Trümmern. Sie waren zum Teil größer als ich. Die dicht bewachsenen Stellen konnten ebenso wie die Ruinen als Verstecke dienen.

Ein schriller Pfiff ertönte. Ich fuhr herum. Wieder ein Pfiff, diesmal aus einer anderen Richtung. Die Unsichtbaren verständigten sich.

Ich blieb stehen, damit man mich beobachten konnte. Meine Hände hielt ich weit vom Waffengürtel entfernt, denn ich musste damit rechnen, dass diese großohrigen Wesen genau wussten, welche Bedeutung die Gegenstände hatten, die dort befestigt waren.

Am anderen Ende des Vorhofs sah ich eine kleine Gestalt auftauchen. Sie zielte mit der Schleuder in meine Richtung. Der Stein sauste an mir vorbei. Ich bewegte mich nicht. Allmählich mussten auch die Dümmsten unter den Eingeborenen merken, dass ich nicht kämpfen wollte. Warum waren sie so misstrauisch? Hatten sie unangenehme Erfahrungen gemacht?

Der Angreifer beobachtete mich. Ich sah ein braunes Gesicht zwischen einer Mauerlücke. Ich ahnte, dass er damit beschäftigt war, wieder einen Stein in die Schleudertasche zu legen.

Ich zuckte zusammen, als plötzlich neben mir eine Bewegung entstand.

»Warum so aufgeregt, Ontioch?«, fragte Danton, der an meiner Seite landete. Er hatte den Translator in den Händen.

Ich lächelte verzerrt.

»Dort drüben sind sie«, sagte ich und deutete auf die Mauer, wo das braune Gesicht seit Dantons Erscheinen verschwunden war.

Danton legte den Translator auf den Boden. Er schob mich von dem Gerät zurück.

»Kommen Sie«, sagte er. »Wir wollen den Burschen Gelegenheit geben, sich dieses Gerät anzusehen.«

»Und wenn sie es zerstören?«

»Das kostet uns ein paar Stunden Zeit, denn dann müssten wir zur FRANCIS DRAKE fliegen und einen anderen Translator holen. Ich hoffe jedoch, dass dieses Gerät funktionsfähig bleibt, auch wenn es durch ein paar fremde Hände gegangen ist.«

Danton wollte auf diese Weise die Sprache der Eingeborenen kennenlernen. Wenn ein paar von ihnen sich in die Nähe des Translators wagten und sich dort unterhielten, konnte die Positronik mit der Symbolerforschung beginnen.

Die Frage war nur, wie wir wieder in den Besitz des Gerätes gelangen konnten, wenn es alle notwendigen Daten gespeichert hatte.

Wir zogen uns bis zu einem Mauervorsprung zurück und ließen uns dahinter nieder. Danton spähte durch einen Ritz.

»Wir werden viel Geduld brauchen«, vermutete er.

Er sollte recht behalten. Es dauerte über eine Stunde, bis einer der Fremden sich aus seinem Versteck wagte. Zwanzig weitere Minuten verstrichen, während denen der Eingeborene den Translator umrundete. Endlich tauchte ein zweiter Eingeborener auf. Offenbar aus Furcht, jemand könnte ihm das vermeintliche Geschenk noch streitig machen, sprang das zuerst aus dem Versteck gekommene Wesen auf den Translator zu und riss ihn an sich.

Danton lehnte sich aufatmend gegen die Mauer.

»Ein Stück nach vorn«, sagte er.

Bevor wir uns unseres bescheidenen Erfolgs weiter erfreuen konnten, erschien ein anderer Teilnehmer der Expedition unerwartet innerhalb des Vorhofs: Jarq! Mit grotesken Sprüngen überwand der Wurm alle Hindernisse. Die Eingeborenen, die sich inzwischen in großer Zahl hervorgewagt hatten, stoben auseinander.

Jarq quietschte vor Vergnügen.

»Jarq!«, presste Danton zwischen den Lippen hervor. Er schaltete auf Sprechfunk. »Warum haben Sie nicht aufgepasst, Homm? Dieses Biest macht alles zunichte, was wir hier erreicht haben.«

»Er ist krank und damit unberechenbar«, sagte Homm beleidigt.

Ich wandte meine Augen nicht von Jarq ab, der die Eingeborenen jagte wie eine Schar aufgescheuchter Hühner. Schließlich hatte auch der letzte der Fremden ein Versteck gefunden. Der Schlauchwurm blieb, gestützt auf seine Sprungringe, unschlüssig stehen.

»Jarq!«, rief ich.

Der Sehring leuchtete auf. Der Ojtrayaner hatte mich gesehen.

»Jarq!«, rief ich abermals.

Er gluckste glücklich und kam auf mich zugesprungen. Nur mit Mühe entging ich seinen Liebesbezeigungen. Seit er sich in Freiheit bewegen konnte, war Jarq weitaus zugänglicher als an Bord der FRANCIS DRAKE. Doch sein Verhalten passte nicht in unsere Pläne.

Danton tauchte neben mir auf.

»Wissen Sie, wo man ihn packt, um ihn zu lenken, Ontioch?«

»Irgendwo hinter dem Kopf«, sagte ich.

Da Jarq sich steil aufgerichtet hatte, war ich zu klein, um an die Stelle heranzukommen. Ich lockte den Wurm bis an einen Mauerrand. Nachdem ich hinaufgeklettert war, konnte ich Jarqs Kopf erreichen.

»Machen Sie nichts falsch!«, warnte mich Danton.

Ich packte zu. Jarqs Verhalten änderte sich augenblicklich. Er schnappte nach Luft und wackelte mit dem Kopf hin und her.

»Das sieht nicht gut aus«, meinte Danton besorgt.

Ich drückte noch einmal an einer anderen Stelle zu.

Jarq spannte sich wie eine Bogensehne und schnellte davon. Noch bevor er den Sprung beendet hatte, begann er sich um die eigene Achse zu drehen und wie tollwütig zu heulen.

»Homm! Homm!«, schrie Danton. »Kommen Sie zu uns. Der Wurm spielt verrückt.«

Wir hörten Homm voller Verzweiflung stöhnen. Eine Minute später schwebte der Pharrandaner über uns.

»Was haben Sie mit ihm gemacht?«, fragte er anklagend.

»Er hat die Eingeborenen vertrieben«, sagte Danton wütend. »Sobald Sie ihn zur Vernunft gebracht haben, müssen Sie ihn in die Space-Jet zurückbringen.«

»Ich war von Anfang an dagegen, ihn mitzunehmen«, sagte Homm aufgebracht.

Bevor er Jarq erreichte, machte sein Schützling einen Sprung über die große Mauer hinweg und landete außerhalb des Vorhofs.

»Den sind wir vorläufig los«, sagte Danton erleichtert. Er blickte mich von der Seite her an. »Entschuldigen Sie, Ontioch. Ich hatte vergessen, wie wichtig der Kerl für Sie ist.«

»Schon gut«, sagte ich.

Jokay Homm war seinem Schützling gefolgt, und wir befanden uns wieder allein im Vorhof.

»Der Translator ist weg«, sagte Danton. »Ich bezweifle, dass wir ihn nach diesem Vorfall noch einmal zu sehen bekommen.«

Sein Pessimismus erwies sich jedoch als verfrüht, denn schon wenige Minuten, nachdem Jarq verschwunden war, tauchte wieder ein Eingeborener auf. Es war derselbe, der auch den Translator an sich genommen hatte.

Ich wollte das Versteck hinter der Mauer verlassen, doch Danton packte mich am Arm. »Langsam, langsam«, sagte er. »Wir wollen ihm Zeit lassen.«

Der Eingeborene ging zu der Stelle, wo der Translator gelegen hatte, und untersuchte sie.

Danton lachte geräuschlos.

»Er sucht nach weiteren Geschenken. Seine Neugier ist geweckt, obwohl er nicht weiß, was wir ihm da gegeben haben.«

Wir warteten noch ein paar Minuten, dann richtete Danton sich auf. Ich beobachtete, wie der Fremde zusammenzuckte und ein paar Schritte zurück machte. Dann blieb er jedoch stehen.

Danton winkte. Er löste seine Tasche vom Gürtel und legte sie auf den Boden. Wir warteten gespannt. Der Eingeborene kam näher. Schließlich hatte er die Tasche erreicht. Er hob sie auf. In wenigen Augenblicken hatte er herausgefunden, wie er die Tasche öffnen konnte. Er pfiff erregt, als er die Metallbrocken entdeckte.

»Metall!«, zischte Danton. »Das ist wichtig für die Eingeborenen. Sie fertigen aus den gefundenen Überresten ihre Messer.«

Der Eingeborene packte alle Metallreste wieder in die Tasche.

»Jetzt gehen wir langsam auf ihn zu«, ordnete Danton an.

»Glauben Sie, dass wir das schon riskieren können?«

»Ja«, sagte Danton und setzte sich in Bewegung.

Die grünen Augen des Eingeborenen blickten misstrauisch in unsere Richtung. Es war deutlich zu erkennen, dass dieses Wesen einen inneren Kampf mit sich austrug. Alles in ihm drängte danach, sofort die Flucht zu ergreifen. Wahrscheinlich hielt ihn nur die Aussicht auf weitere Geschenke an seinem Platz.

»Wir sind Freunde«, sagte Danton.

Der Translator sprach zu meiner Überraschung an. Er hatte also in der kurzen Zeit bereits wichtige Sprachsymbole gespeichert.

Der Eingeborene starrte betroffen auf das Gerät, aus dem er in seiner eigenen Sprache angeredet wurde. Er riss es von seiner Schulter und hielt es weit von sich.

»Keine Angst«, sagte Danton. »Das ist ein Apparat, der dir hilft, unsere Sprache zu verstehen.«

Noch immer schwieg der Eingeborene. Er war jetzt so verwirrt, dass wir ihn mühelos hätten überwältigen können. Doch das war nicht unsere Absicht.

»Kannst du uns verstehen?«, fragte der Freihändlerkönig. »Sage uns deinen Namen.«

Aus dem Translator kamen krächzende Laute, die der Fremde jedoch zu verstehen schien. Er lauschte angespannt.

»Wir tun dir nichts«, versicherte Danton noch einmal. »Wir wollen uns nur mit dir unterhalten und ein paar Fragen stellen.«

»Ich bin Canoga vom Volk der Hobnobs«, sagte der Eingeborene zögernd. Er stieß Laute aus, die mich an Vogelschreie erinnerten. Der Translator übertrug die seltsame Sprache einwandfrei.

»Canoga«, wiederholte Danton. »Wir heißen Anaheim und Danton. Wir sind mit einem Schiff von den Sternen gekommen, um nach Freunden zu suchen.«

»Ich weiß«, sagte Canoga. »Wir haben Angst vor euch. Ich habe mich nur in eure Nähe gewagt, weil mein Volk in Not lebt und Hilfe braucht. Wir benötigen vor allem Nahrungsmittel, denn unsere Vorräte werden immer knapper.«

Danton hörte aufmerksam zu und unterbrach den Hobnob nicht. Canoga fuhr fort, die Sorgen seines Volkes aufzuzählen. Ich wusste schon jetzt, dass wir nur vorübergehende Hilfe leisten konnten, wenn die Hobnobs ihre Lebensweise nicht änderten. Sie betrieben keine Landwirtschaft, sondern begnügten sich mit dem, was wild zwischen den Trümmern wuchs. Tierzucht war ihnen völlig unbekannt.

Wir konnten ihnen ein paar Tonnen Samen für den Anbau nahrhafter Pflanzen und ein paar Zuchttiere zurücklassen, aber ich glaubte nicht, dass sie damit etwas anfangen konnten. Die Hobnobs führten ein Nomadendasein. Sie wanderten von Stadt zu Stadt, immer auf der Suche nach Nahrungsmitteln und Metallüberresten.

»Wir werden deinem Volk helfen«, versprach Danton. »Vielleicht kannst du uns jetzt ein paar Fragen beantworten.«

Canoga bewegte zustimmend seine großen Tellerohren.

»Was weißt du von der Geschichte deines Volkes?«, erkundigte sich Danton. »Sind die Hobnobs aus jener Zivilisation hervorgegangen, die einst diesen Planeten beherrschte?«

»Ich weiß nichts über die Geschichte meines Volkes«, sagte Canoga. »Es gibt keine Berichte über die Tage, die nicht mehr sind.«

Danton war enttäuscht.

»Eine andere Frage«, sagte er. »Gibt es außer den zerstörten Städten noch andere Gebiete, in denen man leben kann?«

Canoga überlegte einen Augenblick.

»Du meinst sicher die Untergrundsiedlungen«, vermutete er.

Danton und ich wechselten einen raschen Blick.

»Die meine ich«, sagte Danton. »Kannst du uns dorthin führen?«

»Diese Stätten sind heilig und für unser Volk verboten«, sagte Canoga.

»Nicht für uns«, sagte Danton. »Auch du hast nichts zu befürchten, wenn du in unserer Begleitung bist. Was hältst du davon, wenn du uns zur nächsten Untergrundsiedlung führst?«

Der Hobnob kämpfte mit der uralten Furcht, die sein Volk vor den Untergrundsiedlungen zu empfinden schien. Weder Danton noch ich wussten, welche Geschichten es über diese Stätten der Vergangenheit gab. Wie viele primitiven Völker waren auch die Hobnobs abergläubisch.

»Je schneller du uns zu den Untergrundstätten führst, desto schneller können wir die versprochenen Vorräte für dein Volk beschaffen«, sagte Danton.

Das wirkte. Canoga erklärte sich bereit, uns zu führen.

»Wir möchten noch ein paar Freunde mitnehmen«, sagte Danton. »Hoffentlich bist du damit einverstanden.«