Perry Rhodan 2697: Der Anzug der Universen - Arndt Ellmer - ebook

Perry Rhodan 2697: Der Anzug der Universen ebook

Arndt Ellmer

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Zusammentreffen an der Anomalie - die Fronten klären sich Wir schreiben das Jahr 1470 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ) - das entspricht dem Jahr 5057 christlicher Zeitrechnung. Auf bislang ungeklärte Weise verschwand das Solsystem mit seinen Planeten sowie allen Bewohnern aus dem bekannten Universum. Die Heimat der Menschheit wurde in ein eigenes kleines Universum transferiert, wo die Terraner auf seltsame Nachbarn treffen, die sich alles andere als freundlich verhalten. Nach zahlreichen Verwicklungen kann jedoch Reginald Bull einen Waffenstillstand erreichen. Nun müssen die Menschen ein Eindringen QIN SHIS befürchten, jener negativen Superintelligenz, die sich dieses Taschenuniversum geschaffen hat. Allerdings konnte der Feind nicht damit rechnen, dass sich seine ehemaligen Verbündeten neu orientiert haben und an der Seite Terras stehen. Um die Anomalie zu stabilisieren, bedarf es vielerlei Faktoren. Perry Rhodans Sohn weiß das, und daher hat er schon vor geraumer Zeit eine Entwicklung eingeleitet, mit der die Terraner bereits konfrontiert wurden und die sich nun ihrem Abschluss nähert. Ein Bestandteil der Planung ist hierbei DER ANZUG DER UNIVERSEN ...

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Nr. 2697

Der Anzug der Universen

Zusammentreffen an der Anomalie – die Fronten klären sich

Arndt Ellmer

Wir schreiben das Jahr 1470 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ) – das entspricht dem Jahr 5057 christlicher Zeitrechnung. Auf bislang ungeklärte Weise verschwand das Solsystem mit seinen Planeten sowie allen Bewohnern aus dem bekannten Universum.

Die Heimat der Menschheit wurde in ein eigenes kleines Universum transferiert, wo die Terraner auf seltsame Nachbarn treffen, die sich alles andere als freundlich verhalten. Nach zahlreichen Verwicklungen kann jedoch Reginald Bull einen Waffenstillstand erreichen.

Nun müssen die Menschen ein Eindringen QIN SHIS befürchten, jener negativen Superintelligenz, die sich dieses Taschenuniversum geschaffen hat. Allerdings konnte der Feind nicht damit rechnen, dass sich seine ehemaligen Verbündeten neu orientiert haben und an der Seite Terras stehen.

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Ein Vater distanziert sich von seinem Sohn.

Mondra Diamond – Eine Mutter muss Farbe bekennen.

Craton Yukk – Ein Herzog versucht, ein Reich zusammenzuhalten.

Samburi Yura

1.

»Du hast nicht nur eine Chance verspielt«, sagte Mondra Diamond mit rauer Stimme. »Du hast einen Schlussstrich im Verhältnis zwischen dir und deinem Sohn gezogen.«

Perry Rhodan lauschte dem Klang der Stimme nach. Er hörte nicht nur Heiserkeit heraus, sondern auch Kälte. Ihn fröstelte trotz des voll klimatisierten SERUNS.

Schlussstrich, was für ein hässliches Wort! Einst hatte er einen Schlussstrich zwischen sich und Thomas Cardif gezogen, seinem Erstgeborenen, dem Sohn, den er mit der Arkonidin Thora gehabt hatte und bei dem er alles hatte richtig machen wollen und doch so viele Fehler begangen hatte. Cardif hatte nie seinen Frieden mit dem Vater gemacht. Er hatte sich immer als Ausgestoßener gefühlt.

»Das stimmt nicht«, widersprach er leise. »Ich bin Delorian nie näher gewesen als jetzt.«

Gleichzeitig fragte er sich, wie er zwischen sich und Delorian ein Vater-Sohn-Verhältnis definieren sollte – einem Sohn, den er nicht hatte aufwachsen sehen. Mondra hatte sich mit dem Säugling der Mannschaft der SOL angeschlossen, die 18 Millionen Jahre in die Vergangenheit geflogen war. Ihm war nur ein Bild des Säuglings geblieben, ein letzter Gruß zum Abschied, der sich nach der Rückkehr Mondras scheinbar als Abschied für immer herausgestellt hatte.

Bis zu ihrer ersten Begegnung. Delorian war zum Chronisten von ES geworden, der sich den Terranern als alter, bärtiger Mann präsentierte. Von Anfang an waren sie einander fremd gewesen, und es passte zu dem unterkühlten Verhalten, das Mondra nach ihrer Rückkehr in die Milchstraße an den Tag gelegt hatte. Ihre Gefühle ihm gegenüber hatte Rhodan vergeblich gesucht. Da war nichts mehr gewesen.

Sie hatten lange nach diesen Gefühlen gesucht, und er hatte sie wiedergefunden geglaubt ... Und nun?

»Du hattest es in der Hand«, fuhr Mondra fort. Die Pupillen ihrer grünen Augen waren extrem geweitet, als hätte sie ein Medikament oder eine Droge eingenommen. »Ein einziger Satz nur, ein Wort ... Du hättest ihm den Anzug der Universen geben sollen.«

Rhodans Mundwinkel zuckten. Delorian hatte versucht, den Anzug aus der BASIS zu bergen und war gescheitert. Ennerhahl war dazugekommen und hatte ihn sofort angegriffen.

Eine Fügung des Schicksals?, fragte sich Rhodan. Es sollte wohl nicht sein. Wenn der Anzug für Delorian bestimmt gewesen wäre, hätte er sich bemerkbar gemacht und gehandelt. Das hat er mir schließlich mehr oder weniger unverblümt zu verstehen gegeben.

Er musterte Mondra, die in dem kleinen, unmöblierten Raum neben dem Hangar des Weltenschiffs wie eine Rachegöttin vor ihm stand, auf den Zehenspitzen wippte, die Arme ausgebreitet und den Oberkörper leicht nach hinten gebeugt hielt. Gleichzeitig reckte sie ihm angriffslustig den Kopf entgegen.

Rhodan versuchte, so gelassen wie möglich zu bleiben. Er verschränkte die Hände vor dem SERUN.

»Was Delorian vorhat, ist Wahnsinn!«, entgegnete er. »Unser Sohn will ein eigenes Universum erschaffen. Der Mensch als Schöpfer eines ganzen Universums – das war niemals in irgendeinem Weltenplan oder im Moralischen Kode vorgesehen. Oder sonst wo. Überleg doch einfach mal!«

»Weil du dir etwas nicht vorstellen kannst, gehst du einfach davon aus, dass es nicht möglich wäre oder nicht sinnvoll? Wieso kannst du nicht an deinen Sohn glauben? Er nennt es den Dritten Weg! ESTARTU hat es einst falsch gemacht und andere auch. Unser Sohn hingegen hat aus all diesen Fehlern gelernt. Wenn es jemand schafft, dann er!«

»Sei doch nicht blind, Mondra! Delorian hat ES manipuliert, er hat das Solsystem absichtlich in Gefahr gebracht, weil er bereit war, ARCHETIMS psimateriellen Korpus zu opfern. Glaubst du allen Ernstes, dass aus Lügen und Betrügereien etwas Gutes erwachsen kann? Ein neues Universum zünden – was für eine Hybris! Er hält sich für Gott!«

Mondra Diamonds Mund stand offen. Sie wollte etwas entgegnen, aber kein Ton kam über ihre Lippen. Ihr Teint färbte sich dunkel, ihr Körper erstarrte für wenige Augenblicke. Dann holte sie mit einem Röcheln Luft.

»Es liegt an dir, allein an dir!«, stieß sie hervor. »Du hast ES die ganze Zeit bei seinem Bemühen unterstützt, sich aus der Umklammerung der Hohen Mächte zu befreien. Jetzt, wo die Chancen so gut stehen wie nie zuvor, verweigerst du dich. Du bist eifersüchtig auf deinen Sohn!«

»Wenn ich es auf einen Nenner bringe, stört mich Delorians charakterliches Verhalten, seine Rücksichtslosigkeit. Im Übrigen besteht ein Unterschied darin, ES zu unterstützen oder zu betrügen.« Rhodan wandte den Blick von ihr.

Die Emotionalität, mit der Mondra ihre Meinung vertrat, empfand er keineswegs gegen sich gerichtet. Delorians Mutter war wütend auf sich selbst.

Rhodan erging es nicht anders, denn er sah die Chance durchaus, die sich der Menschheit bot. Wenn er nach den Gründen für sein Zögern forschte, fand er nichts. Er hatte aber auch nicht den Eindruck, dass es sich um eine Reaktion aus dem Bauch heraus handelte wie bei Mondra.

Delorians Gesicht entstand vor seinem inneren Auge. Der ehemalige Chronist von ES hatte sie spüren lassen, wie überlegen er ihnen war. Nicht einmal Ennerhahls Fesselfeld hatte ihn halten können. Delorian würde nunmehr ohne sie handeln. Sie hatten keinen Einfluss mehr auf seine Entscheidungen.

Ich hätte mich entscheiden müssen, dachte Rhodan. Es hätte uns die Möglichkeit eröffnet, in seiner Nähe zu bleiben. Verdammt, wieso habe ich es nicht getan?

Er fand keine Antwort auf diese Frage.

*

»Wir sind hundertprozentig sicher«, sagte Eroin Blitzer von jenseits der Holowand. »Das modifizierte ATG-Feld des Weltenschiffs arbeitet zuverlässig.«

Unter dem Schutz des Antitemporalen Gezeitenfeldes, das wussten sie inzwischen, konnte nicht einmal QIN SHI das Schiff erkennen. Sholoubwa schien seinem Auftraggeber von Anfang an misstraut zu haben, sonst hätte er keine derartige Vorsicht walten lassen. Inzwischen war Sholoubwa tot, und das Weltenschiff gehorchte den Befehlen des Zwergandroiden.

Drei Kilometer durchmaß es. Sholoubwa hatte es einst mithilfe von Plänen des kosmokratischen Werftplaneten Evolux gebaut. Im Innern erweckte es allerdings nicht den gleichen Eindruck der Vollkommenheit wie von außen. Nichts schien zusammenzupassen. Bauelemente verschiedenster Metalle wechselten sich ab. Schon der Hangar war nicht mit einem einzigen Material verkleidet, sondern bestand aus einer im wahrsten Sinn des Wortes bunten Zusammensetzung von Werkstoffen.

Sholoubwas Werk war eine bizarre Synthese verschiedenster Technologien mit verschiedenen Triebwerkstypen und unterschiedlicher Energieversorgung. Teils holten sie ihre Energie aus übergeordneten Räumen, teils lösten sie Masse auf und verwandelten sie in Energie. Wieder andere Systeme nutzten magnetische Strahlung auf rein dreidimensionaler Ebene.

Ein Antriebssystem war mit den Blütenblättern vernetzt, und allem Anschein nach konnte das Schiff damit in den Dakkarraum vordringen oder in andere Dimensionen.

Es gab Fabriken und ganze Heerscharen von Technogardisten, die auf ihren Einsatz warteten.

Der Rest des Schiffes bestand aus einem hochwertigen Rechnerverbund, der an die Bauweise einiger Bordrechner von Kosmokratenwalzen erinnerte.

Rhodan warf einen Blick auf den dreidimensionalen Holoschirm, der sich quer durch die Zentrale zog und die kleine Gruppe der Gefährten von der Steuersektion mit den Terminals und den Sesseln trennte. Die semitransparente Wand zeigte die Umgebung des Sterns, in dessen Ortungsschutz sich das Weltenschiff und Ennerhahls Lichtzelle verbargen. Das Sonnensystem lag 5,5 Lichtjahre von Steuerwelt I entfernt.

Nahe der Steuerwelt I existierte der Zugang zu jener künstlich erzeugten Anomalie, in der sich gegenwärtig das Solsystem befand.

Für ein paar Augenblicke schob Rhodan die Gedanken an Delorian zur Seite und dachte an die Heimat und die Gefährten, die dort zurückgeblieben waren. Die Anomalie, in der das Solsystem steckte, war ein eigenständiges Universum, das ins Standarduniversum »implantiert« worden war. Das Miniatur-Universum war instabil und konnte nur durch die Leichen von Superintelligenzen stabilisiert werden. Das war der Grund für die Entführung des Solsystems gewesen. Das Miniatur-Universum sollte zudem durch ALLDAR gesteuert werden. Damit war es eine Art lebendes Wesen, ein Universum mit einem Gehirn – ein Neuroversum.

Und das alles auf Kosten der Menschheit und ihrer Heimat! Rhodan war nicht bereit, es so einfach hinzunehmen.

Jetzt weilten die Gefährten so nah und waren doch so fern.

Rhodan sah eines ganz klar: Er konnte keine Entscheidung treffen, solange er nicht mit den alten Freunden und den Verantwortlichen im Solsystem gesprochen hatte. Mondra wusste das, aber sie ignorierte es. Der Gedanke, den Sohn nach kurzer Zeit wieder verlieren zu müssen, beherrschte ihr Denken und Empfinden.

Rhodan wandte sich ihr zu. »Warum eigentlich nicht? Wenn du bei Delorian sein willst, geh zu ihm. Niemand hindert dich daran. Niemand ist dir böse.«

Einen Augenblick lang schien sie erleichtert. Die Anspannung in ihrem Gesicht verschwand. Ein überraschtes Lachen huschte über ihr Gesicht, dann brach sie in Tränen aus.

Sie ist sich nicht sicher, dass sie recht hat, erkannte Rhodan. Befürchtet sie, an der Seite ihres Sohnes gegen uns kämpfen zu müssen, ohne es zu wollen?

Mondra war hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen, die sie nicht richtig zuordnen konnte. Delorian als Schöpfer eines neuen Universums – das war so wie der Zauberlehrling, der den Inhalt aus den Phiolen seines Meisters gedankenlos in einen Behälter goss und starr vor Schreck erlebte, welches Monster er erzeugte.

Rhodan nahm Mondra in den Arm. In den vergangenen Jahren waren sie sich emotional wieder nähergekommen. Die Zeit hatte viele Wunden geheilt. Aus der knisternden Spannung unausgesprochener, gegenseitiger Vorwürfe war die Erkenntnis eigener Unzulänglichkeit entstanden.

Delorian war immer nur körperlich ihr eigenes Kind gewesen, nie aber geistig und emotional. Die Strahlung im PULS von DaGlausch hatte Mondras Schwangerschaft auf elf Monate verlängert und schon dadurch dokumentiert, dass Delorian kein gewöhnliches Kind sein würde.

Rhodan sah, dass Mondra die Augen schloss. Sie ließ sich von ihm festhalten, aber nur ein paar Atemzüge lang. Dann trat sie zwei Schritte zurück und starrte an ihm vorbei auf die Holowand.

»Eroin«, sagte sie. »Wir brauchen die aktuellen Daten von Steuerwelt I und Umgebung.«

»Diese Daten liegen vor und werden selbstverständlich laufend aktualisiert«, sagte der Zwergandroide. »Alraska kümmert sich darum.«

»Alraska« hieß mit richtigem Namen Alaska Saedelaere und saß keine zwei Meter von ihm entfernt an einem anderen Terminal. Rhodan richtete seinen Blick erwartungsvoll auf den Mann mit der Maske, aber Saedelaere rührte sich nicht. In der Holowand änderte sich nichts.

Nun gut, dachte Rhodan. Es ist nicht der rechte Augenblick für eine aktuelle Darstellung.

Über die Oberfläche des Planeten wussten sie Bescheid. Die Geisterstadt hatte sich innerhalb kurzer Zeit verwandelt. Es wimmelte darin von Xylthen und Badakk. Der Turm war in rotes Licht gehüllt. Lichtfäden gingen von ihm aus und erstreckten sich weit hinauf in die Umlaufbahn. Sie berührten sämtliche 38 Kristallkugeln im Orbit. Es hatte den Anschein, als würde der Planet von einem Netz aus Licht umspannt.

Der Boden unter der Stadt war von subplanetarischen Anlagen durchzogen. Kein Zweifel, Sholoubwa hatte auf diesem Planeten für QIN SHI Anlagen errichtet, die in diesen Momenten hochgefahren wurden.

»Alraska hat offenbar keine Zeit«, stellte Eroin Blitzer nach einer Weile fest. »Geduld! Jeder wird sich sein eigenes Bild machen – müssen.«

Rhodan rätselte, was das künstlich geschaffene Wesen meinte.

Alaska Saedelaere zählte bekanntlich nicht zu den Gesprächigsten unter den Sternen. Blitzer hüllte sich nun ebenfalls in Schweigen.

Rhodan beschloss abzuwarten. Mit dem Weltenschiff konnten sie im Augenblick nichts erreichen. Delorian war am Zug, das stand für ihn fest.

Mondra hingegen wurde immer nervöser. Irgendwann – er schätzte den Zeitraum auf höchstens zwei Minuten – hielt sie es nicht mehr aus.

»MIKRU-JON! Gib mir die aktuellen Daten.«

Im Vergleich mit dem Weltenschiff besaß der Obelisk die schwächeren Ortungssysteme. MIKRU-JON holte sich die Daten aus der Kommunikation Eroin Blitzers und seiner Steueranlagen und schickte sie an die Mikropositroniken der SERUNS.

Um das System der Steuerwelt I befand sich der Weltraum nach wie vor in Aufruhr. Im Zehn-Minuten-Takt ereigneten sich Strukturerschütterungen. Zwei neue Tryortan-Schlünde bildeten sich im Abstand von wenigen Lichtjahren. Raum und Zeit spielten verrückt. Das hyperenergetische Toben wurde nach und nach stärker und umfasste inzwischen einen Bereich von 10 bis 15 Lichtjahren Durchmesser.

Lediglich der Bereich des Sonnensystems sowie der Weltraum von inzwischen rund einem Lichtjahr Durchmesser um Steuerwelt I blieb fast völlig frei von Turbulenzen.

Fast wirkte es wie das »Auge des Sturms«. Rhodan drängte sich der Gedanke auf, dass die nächste gewaltige Bebenfront das Sonnensystem aus dem Standarduniversum reißen würde.

Umkreist wurde der zweite Planet weiterhin von 38 Kristallkugeln. 37 hatten einen Durchmesser von 18 Kilometern. Nur eine Kristallkugel war mit 23 Kilometern Durchmesser größer. In ihrer Nähe materialisierten in kurz aufleuchtenden violetten Blasen Tausende Zapfenraumer sowie escalianische Walzenschiffe. Bei diesen handelte es sich – da sie Transittechnologie nutzten – ohne Zweifel um Schiffe der von QIN SHI übernommenen Unharmonischen.

»Die Zahl der Schiffe erreicht die 90.000er-Marke«, informierte die Mikropositronik des SERUNS.

Der Terraner richtete seine Aufmerksamkeit auf jene 48 Raumschiffe, die mit den Blütenblättern der Zeitrose verbunden waren. Sie bildeten einen vier Millionen Kilometer durchmessenden Kreis um Steuerwelt I.

Von diesen 48 Punkten erstreckten sich 48 violett glühende Bahnen über rund 50 Millionen Kilometer senkrecht nach oben und formten hoch über der Ekliptik einen Ring von annähernd 20 Millionen Kilometern Durchmesser.

Das Ringinnere war von einem sonderbaren violetten Wogen durchdrungen, das an rasch ziehende Wolken erinnerte. Vereinzelt ließ sich zwischen ihnen abgrundtiefe Schwärze erkennen. Das Ganze wirkt wie eine »Öffnung«.

Das war der vom BOTNETZ geschaffene Zugang zur »Solsystem-Anomalie«, eine Art hyperdimensionaler Tunnel.

Vereinzelt tobten im Ringinneren heftige Blitzentladungen. Die Strukturtaster maßen heftige Erschütterungen an, fast so, als transitierten beachtliche Massen.

Rhodan nahm all das wahr, aber es ging ihm nicht so nahe wie beim ersten Anblick. Er betrachtete die Darstellungen im Holo eher beiläufig. Sein Nacken schmerzte, der Terraner fühlte sich müde und ausgelaugt. Er massierte den Nacken, bis es besser geworden war. Schon nach kurzer Zeit kehrte das leicht schmerzhafte Ziehen zurück.

»Achtet auf die Informationen, die uns die zurückgelassenen Sonden liefern«, hörte er Mondra sagen. »Jedes Detail ist wichtig. – Wieso meldete sich Ennerhahl nicht?«

»Wir können sein Schiff nicht orten«, antwortete Blitzer. »Macht euch keine Gedanken darüber.«

Sie wussten nur, dass sich der Sonderbeauftragte von ES wieder in seiner modifizierten Lichtzelle aufhielt.

Rhodan versuchte erst gar nicht herauszufinden, was in Ennerhahl vor sich ging. Möglicherweise war er wütend darüber, dass Delorian ihm erneut entwischt war.

Andererseits hatte Rhodan den Eindruck gehabt, das Gespräch mit Delorian sei für den Beauftragten von ES zumindest teilweise zufriedenstellend ausgefallen.

Wie auch immer, für Rhodan zählte das Verhalten seines Sohnes, dieses überlegene Getue, dass niemand ihn aufhalten konnte. Und da war auch die Heimtücke im Zusammenhang mit ES. Mit menschlichen Maßstäben gemessen, musste Rhodan den ehemaligen Chronisten der Superintelligenz für hinterlistig halten.

Rhodans Sohn trickste eine Superintelligenz aus – was für eine Vorstellung!

Die Transitparkette spien im Minutentakt Schiffe aus. Dass die Zapfen noch immer zu den Kontingenten aus Chanda gehörten, daran zweifelte Rhodan keinen Augenblick. Irgendwann musste der Strom jedoch ein Ende haben. QIN SHI würde nicht wochen- oder monatelang Flotten durch die Gegend schicken.

Rhodan richtete seine brennenden, tränenden Augen auf den linken Teil der Holowand. Dort lieferten die Hyperorter Daten aus der unmittelbaren Nähe des Durchgangs. Er suchte Hinweise nach versprengten Einheiten aus dem Solsystem, nach Scouts und nach Robotschiffen, die ihm den Weg in das Innere der Blase weisen sollten.

Da war nichts. Entweder gab es sie nicht mehr, oder sie hatten zusammen mit den anderen Einheiten den Rückzug angetreten.

Um 4.33 Uhr Terrania Standardzeit entstand eine Lücke an allen Transitparketten. Rhodan wartete auf den nächsten Schub der Schiffe, aber er blieb aus. Das rötliche Glühen erlosch.

»Der Transit ist beendet«, stellte Eorin Blitzer fest. »Mehr hat QIN SHI nicht zu bieten.«

Rhodan war überzeugt, dass es für die Anomalie mit dem Solsystem reichte. Vermutlich stellte die entführte Heimat der Menschheit das einzige Ziel der Superintelligenz in der Blase dar.

Rund 90.000 Schiffe befanden sich in jenem System, dessen zweiten Planeten sie als Steuerwelt I kannten. Davon waren rund 35.000 Zapfenraumer und etwa 55.000 Walzenschiffe.

»Da kommt noch was«, sagte Eroin Blitzer wenig später.

In knapp zehn Millionen Kilometern Entfernung von Steuerwelt I materialisierte ein Objekt von 500 Kilometern Durchmesser, das in ein düsterrotes, halb transparentes Energiefeld gehüllt war.

*